18 – Nächtliche Gedanken | Adventüden

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Nächtliche Gedanken (Sabine, Wortgeflumselkritzelkram)

 

Heute Nacht treffen sich Weihnachtszauber und Wintersonnenwende, haben ein Stelldichein. Hundegebell höre ich von fern, Kinderlachen trifft mein Ohr.

Mein Gesicht recke ich in den Himmel, breite die Arme aus. Die Schneeflocken schmelzen auf meinen Augenlidern, rinnen herab.

Ich denke an Kaminfeuer und Bärenfell, bauchige Teekannen und Kerzenschein, wohlige Wärme. Ich höre Glockengeläut, rieche die Tannen, die am Waldesrand stehen.

Früher ließen wir uns fallen und warfen Engel in den Schnee.

Ein Gefühl von Frieden wird in mir wach.

Ich lausche, ich fühle – ich bin …

 

Adventüden 2019 18 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Immer noch Engel

Stimmen, Stimmen. Höre, mein Herz, wie sonst nur
Heilige hörten: daß sie der riesige Ruf
aufhob vom Boden; sie aber knieten,
Unmögliche, weiter und achtetens nicht:
so waren sie hörend. Nicht daß du Gottes ertrügest
die Stimme, bei weitem. Aber das Wehende höre,
die ununterbrochene Nachricht, die aus Stille sich bildet.

(Rainer Maria Rilke, aus „Duineser Elegien. Die erste Elegie“)

 

Meine Lieblingszeilen aus der ersten Elegie. Bin immer noch auf dem Engeltrip vom Wochenende und hab mich (mal wieder) lesender- und sinnenderweise an die Duineser Elegien gewagt. Wieder so etwas, was man nur häppchenweise lesen kann, weil es einen (mich) sonst erschlägt. Vielleicht mögt ihr sie ja auch.

Dafür habe ich online ein paar schöne Sätze über Rilke und „seine“ Engel gefunden:

In den „Duineser Elegien“ gewinnt der Engel noch einmal ein glänzendes Profil. Aber er hält sich nicht mehr nur „im Garten Gottes“ auf, ist schön anzuschauen usw. Die Bedeutung des Engels als Verkörperung himmlischer Schönheit hat sich verändert. Im Vordergrund steht nun das Erschrecken vor dem Absoluten, das mit der Ankunft des Engels im Leben des Menschen sozusagen in die Sphäre des Menschen hineinbricht und einen „Sturm“ entfaltet, der mit dem Tod verwandt ist. Das Absolute wäre der Blick Gottes auf unser Leben, das uns zwischen den Fingern zu zerrinnen scheint und wir – merken es noch nicht einmal richtig, wie schnell unser Leben und wie flüchtig. Die Begegnung mit dem Engel der Elegien wirft die Frage auf, was in unserem Leben Bestand hat. Ist es das Göttliche? Ist es die Liebe? die Kunst? der Tod? (Quelle)

Der Engel im Bild ist, na klar, aus Ohlsdorf.

 

Rilke Erste Duineser Elegie – 365tageasatzaday

Quelle: ichmeinerselbst (anklicken macht groß)