Adventüden 2020 18-12 | 365tageasatzaday

18.12. – C+M+B – 2020 | Adventüden

 

Melchior war außer sich. »Caspar mit seiner dusseligen Kifferei gefährdet unser ganzes Projekt!«
Balthasar ergänzte: »Das war nicht der leuchtende Stern. Das war so ein Experiment von den Ungläubigen mit den von Feuer getriebenen Ballons. Wie die Geschichte damals mit dem brennenden Hollerbusch: Nichts als heiße Luft also!«
»Caspar! Wir ziehen weiter und suchen nach dem guten Stern, der uns zum Messias führen wird«, übernahm Melchior wieder die Führung.

Nach Wochen entbehrungsreicher Reise kamen sie an den Dschebel Musa und machten sich an den beschwerlichen Aufstieg durch die Nebelschwaden zur Elija-Mulde.
»Vielleicht werden wir ja hier über den weiteren Weg erleuchtet!«, meinte Balthasar. »Außerdem wird uns eine Rast guttun, bis sich auch das letzte Kamel für die Weiterreise vollgesoffen hat!«

Tage später.
»Du, Melchior, nachdem wir jetzt sozusagen entschleunigt haben, möchte ich noch einmal den Sinn unserer Reise zur Diskussion stellen.«
»Nun, Caspar, sprich weiter!«, ermunterte ihn Melchior. »Was bedrückt dich?«
»Ist das denn alles wahr, was wir glauben?«, fragte Caspar nach einigem Zögern.
Plötzlich mischte sich Balthasar ein: »Du immer mit deinen albernen Grundsatzdiskussionen! Sind wir denn Glücksritter, die das rosa Lama im Morgenland finden wollen? Wir suchen nach dem Erlöser, kapier das endlich!«
Caspar ließ nicht locker: »Finden wir denn nicht Sinn genug im Klang der Schalmei, im Tanz der Gedanken und den Wirbelstürmen unserer Fantasie und im Minnesang? Welche Haltestangen sucht ihr denn noch, um unser Leben ohne schlechtes Gewissen voll Freude zu genießen?« Er blies genussvoll den Rauch seiner Shisha in die klare Abendluft und zerbröselte dabei gedankenverloren einen Lebkuchen.
Melchior war nachdenklich geworden. »Schau, Caspar, es geht nicht um die Frage angstfreien Genießens. Es geht vielmehr um Verzicht, um Nachhaltigkeit und Seelenhygiene!«
»Also, was machen wir?«, fragte Balthasar nach einer langen Pause.
»Wir halten weiter Ausschau!«, antwortete Melchior, »und warten auf das Wunder der Geburt!«

Autor*in: Werner     Blog: Mit Worten Gedanken horten
Der ersten Teil der Wanderung von C+M+B gibt es hier: hier klicken!

 

Adventüden 2020 18-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Etikett, Gin, Käsekuchen, Kuscheldecke, Lebkuchen, Lichtermeer, Märchenbuch, Minnesang, Nebelschwaden, Schlittenfahrt, Semmelknödel, Streicheleinheiten, Wichtel, Wunschpunsch, Zugvogel

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2020, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

Immer am Anschlag – Samstag, 20. September 2014

Der Mensch: ein Wesen, das am Ende einer Woche Arbeit entstand, als Gott bereits sehr müde war.

(Mark Twain)

 

Ich denke darüber nach, wie viele Leute ich kenne, die eigentlich „immer am Anschlag“ sind. Die immer arbeiten (wollen oder müssen), immer im Stress sind, immer ihre Stunden mit noch mehr vollstopfen, bei denen ich das Gefühl habe, die drehen ihr Hamsterrad selbst und mit Schwung, aber hoppla! Und wenn sie nicht auf der Arbeit sind, dann stürzen sie sich in die Freizeit, denn schließlich müssen Kontakte ja gepflegt werden und man will ja auch was erleben! Wie, du bist am Wochenende allein zu Hause? Die ganze Zeit? Du gehst nicht weg? Bist du okay? Sollen wir vorbeikommen?

Natürlich muss ich mir sagen lassen, dass ich ein introvertierter Couch-Potato bin, und dass es Leute gibt, die sich entspannen, wenn sie sich auspowern, beim Sport zum Beispiel oder wenn sie die Nacht durchtanzen. Klar, funktioniert, ist aber nicht mein Punkt.
„Entschleunigung“ heißt das Zauberwort, „Innehalten“ und meinetwegen auch „Achtsamkeit“. Aber eigentlich bedeutet es nur: langsam machen! Weniger konsumieren, sich Zeit nehmen für sich selbst, den Druck rausnehmen. Nicht alles, nicht sofort. Langsam leben. Bewusst.

Das „am siebten Tage sollst du ruhen“-Gebot habe ich früher als den Versuch verstanden, das Volk an jenem Tag in die Kirche zu treiben und heftig abgelehnt, na klar. Inzwischen fällt mir auf, dass Pausen eine gute Sache sind :-), egal wofür man sie verwendet. Ein Kollege sprach mal von „geistiger Arbeitshygiene“, und meinte damit, die Arbeit auf der Arbeit zu lassen. Abschalten können und dürfen, auch ein wichtiger Punkt.

Wünsche euch ein schönes Wochenende mit vielen Wohlfühlmomenten!

 

Mensch Gott Arbeit müde – 365tageasatzaday