Hamburger Klassiker: An der Elbe

Als ich letzten Sonntag in aller Herrgottsfrühe aufstand, um mit der Regionalbahn zu einer Wanderung aufzubrechen … nein, zurück, das klingt alles so nach Intermezzo, außerdem ist es falsch. Letzten Sonntag habe ich verschlafen, was heißt, dass es viel später war, als ich eigentlich wollte, aber ich hatte mir keinen Wecker gestellt, weil ich nicht verabredet war. (Wo ist eigentlich der Fellträger, wenn man ihn braucht? Egal.)

Eine Runde zu Fuß unterwegs sein wollte ich aber dennoch auf jeden Fall, denn erstens war es schönes/bewölktes Wetter (und kühl), zweitens war es der letzte Sonntag mit 9-Euro-Ticket, und ich hatte mir überlegt, dass ich auf der gegenüberliegenden Seite an die Elbe wollte, um dann an der Elbe entlang in Richtung Stadt zu laufen. Das nennt sich Elbwanderweg (nachzulesen bei hamburg.de und draussenlust.de), und da ich am Wasser bleiben und mich nicht auf irgendwelche »Höhenwege« begeben wollte (die Hänge sind echt steil, die Treppen auch), hatte ich mich entschieden, am Falkensteiner Ufer einzusteigen.
Hamburg hat ja immer noch das Problem mit der kaputten S-Bahn-Brücke an der Station Elbbrücken, aber ich hatte das große Glück, den sogenannten »Pendelzug« zu erwischen, der alle 20 Minuten fährt, und siehe da, vermutlich weil Sonntag war, war er auch nicht besonders voll.

Eine S-Bahn und einen Bus später stand ich dann am Falkensteiner Ufer, sah dem Elbe-Camp beim Wachwerden zu (Foto) und stapfte mal kurz an den Strand (Foto). Ganz ehrlich: Für einen Moment habe ich mir überlegt, die Wanderschuhe auszuziehen und am Strand zu bleiben, aber ich kenne mich: Einen Kaffee später wäre ich bestimmt trotzdem los … in Richtung Blankenese.



Blankenese hat seinen Ruf als schön gelegen und teuer. Für das, was man von der Elbe aus sieht, was im Wesentlichen das sogenannte Treppenviertel ist, trifft das auf jeden Fall zu, hier lebt ein Teil der oberen Zehntausend Hamburgs wie zum Beispiel Otto Waalkes. Es ist schon klar, dass alle Preise einen »Elbe-Aufschlag« haben, überall, aber hier haben sie dann auch noch einen »Elbe-und-Blankenese-Aufschlag«. Dafür ist dann vermutlich auch das Mobiliar in den Strandbuden edel. Wer’s braucht.

Mein Weg führte mich zunächst am Wrack der »Uwe« vorbei. Die »Uwe«, genauer das Heck (Foto), liegt seit 1976 vor Blankenese und ist die traurige Geschichte einer Havarie, die man hier bei Wikipedia nachlesen kann. Es waren viele Fahrräder unterwegs, und ich fing an, mich nach den Wegen direkt am Wasser umzusehen, Stichwort: Hundeauslaufzone. Dort sind die Wege meist unbefestigt oder verlaufen direkt an der (meist bewachsenen) Wasserkante (Foto). Ungeeignet für Radfahrer, aber nicht für Fußgänger wie mich, von denen mir dann auch einige entgegenkamen, mit und ohne vierbeinige Begleitung. Ein Herr, der einem anderen die Aussicht erklärte, wies gestikulierend darauf hin, dass der Süllberg (hier mehr lesen) ja verkauft sei, »genau, da ganz oben, das Haus mit dem Türmchen und der Ukraine-Fahne« (Foto), weil der Sternekoch das Handtuch geworfen habe, dass jetzt aber ein neuer Betreiber gefunden sei, und er gespannt sei, was das denn geben würde, da oben sei es doch immer so schön gewesen. Ich betrachtete unterdessen die andere Elbseite, auf der die Brücke des Estesperrwerks und die Sietas-Werft ineinanderpassten (Foto). Drüben habe ich schon oft gestanden und rübergeschaut, umgekehrt selten. Trotz Niedrigwasser (oder vielleicht gerade deswegen) waren auf der Elbe allerlei Segler unterwegs, und geht man Richtung Stadt weiter, passiert man einige Segelclubs, von denen ich euch nur dieses pittoreske Beispiel (Foto) zeigen möchte.



Next stop: Leuchtturm. Ich weiß, dass das »Leuchtfeuer« heißt, ich weiß auch, dass dieser hier, der halbwegs in der Elbe steht, das »Unterfeuer« (weißer Kopf) ist und der paar Hundert Meter weiter das »Oberfeuer« (roter Kopf), ich weiß, dass beide neu sind und dass beide die »Richtfeuerlinie Blankenese« (Wikipedia-Artikel) bilden. Wofür man die braucht, weiß ich nur ganz grob. Wie ihr seht (Foto), gibt es beim Unterfeuer eine umlaufende Aussichtsplattform, auf die ich mit Begeisterung gestiegen bin. Sonne und Wolken wechselten sich ab, kein optimales Licht für schöne Bilder, trotzdem (Foto, Foto) ist Blankenese echt ein Hingucker und wirkt oft irgendwie mediterran. Bedauert habe ich nur, dass der Wasserstand ungeeignet für irgendwelche fetten Containerschiffe war, ich hätte so gern am Horizont irgendwas Großes fotografiert, das die Elbe heraufkommt (Foto). Leider war mittags absolutes Niedrigwasser.
Ein letzter Blick zurück (Foto), dann suchte ich mir einen Platz, um ein bisschen mit Aussicht zu rasten und was zu trinken. Gegenüber zog sich inzwischen das gewaltige Airbus-Gelände am Wasser entlang, und es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, so viele Flugzeuge am Boden zu sehen, irgendwie, als seien das Modelle, als würde da drüben jemand Flughafen spielen – wobei Letzteres nicht ganz von der Hand zu weisen ist, da drüben ist der A 380 gestartet und gelandet, die Länge der Start-/Landebahn ist da. Es hat auch schon spektakuläre Fehllandungen aufgrund von Verwechslungen gegeben … 😉 Mich interessierte viel mehr der Kontrast zwischen der Mare Frisium (Dreimast-Marstoppsegelschoner (Rahschoner) laut Wikipedia) vor dem Airbus-Hintergrund, gerahmt von diesem wunderschönen Baum (Foto). Noch ein schneller Gruß an das Oberfeuer Blankenese (Foto), und ich ließ Blankenese hinter mir.



Der Weg zwischen Blankenese und Teufelsbrück zieht sich und ist ein beliebter Spazierweg, auch für alle Arten von Rädern, daher wich ich wo möglich auf die bereits erwähnten Hundeauslaufzonen aus. War der Rasen immer schon so vertrocknet im Sommer (Foto)? Braun ja, ich fand das, was da zu sehen war, jetzt aber nicht besonders auffällig, ich war jedoch in den letzten Jahren nicht dort, ich kann es nicht definitiv sagen. Ich KANN sagen, dass wir in Hamburg das ganze Jahr über keine Diskussionen/Vorschriften bezüglich Wasserrationierung hatten, es hat zwar nicht viel geregnet, aber mehr als anderswo. Ja, es fallen auch hier schon Eicheln. Was viel verheerender aussieht, sind die braunen Kastanien, und die sind überall von der Miniermotte (Wikipedia) befallen (Foto), auch bei mir am Teich. Wenn ihr hier auf den Fotos auffallend braune Bäume seht: alles Rosskastanien. Gar nicht schön.

Was den Weg auch so beliebt macht, ist die relativ hohe Dichte an Einkehrmöglichkeiten. Die Preise sind in den letzten Jahren gefühlt etwa um ein Drittel gestiegen, aber der Zuspruch ist nach wie vor lebhaft. Ich habe mich gefreut, dass die »Kleine Rast« überlebt hat (Foto), eine hemdsärmelige Location und gar nicht hip, aber mit Herz und Schnauze. Hier habe ich früher oft gern mit allen möglichen Leuten gesessen und auf die Elbe geguckt – man muss nur die Treppe den Hang runter schaffen. Zweihundert Meter weiter steht das komplette Kontrastprogramm mit Tischtuch auf der überdachten Terrasse, das ist allerdings in den letzten 30 Jahren auch paarmal abgebrannt.



Und dann plötzlich hinter einer Kurve das Panorama von Teufelsbrück (Foto) Richtung Hafen, wo übrigens immer noch wie der Teufel gebaut wird. Gut, das war keine große Überraschung, denn unsere dritte Etappe des Grünen Rings startete dort, und außerdem weiß man als Autofahrer, dass die Elbchaussee für die nächsten paar Jahre aufgrund von Sielbauarbeiten vielfältig gesperrt ist/sein wird. Ich habe lächelnd die weiße 11 auf grünem Grund begrüßt und fröhlich »Heute nicht« gesagt. Dann doch lieber noch schnell den Teufel mit seinem Hasen ablichten (Foto) und mich an die Legende erinnern (Wikipedia), die dem Ort seinen Namen gegeben haben soll. Ein letzter Blick elbabwärts (Foto) und ich strebte endgültig dem Museumshafen Övelgönne entgegen, meinem heutigen Ziel.



Zwischen Teufelsbrück und Övelgönne ist der Weg entschieden sehr gesittet (Foto). Die Sonne blieb inzwischen überwiegend draußen, aber es war so kühl, dass ich nicht den Schatten suchen musste. Herrliches Wanderwetter, herrliches Spaziergehwetter. Ich dagegen freute mich schon auf den nächsten Stopp, den ich beim »Alten Schweden« (Foto) einlegen wollte, einem 4,5 Meter hohen Findling, der bei Baggerarbeiten für die Elbvertiefung gefunden, an Land transportiert und dort belassen wurde. Er soll vor mehr als 320.000 Jahren in den Hamburger Raum gelangt sein, wurde 2000 auf den Namen »Alter Schwede« getauft und eingebürgert (Wikipedia). Und weil es so niedlich ist, noch ein Foto zum Größenvergleich (Foto). Schräg gegenüber vom Alten Schweden ist die Einfahrt zum Burchardkai. Während ich müßig zusah, wie ein Schlepper einen kleinen Containerfrachter drehte und rücklings an seine Anlegestelle zog, kam auch die Mare Frisium angerauscht, der ich hiermit noch mal einen Auftritt gönnen möchte (Foto).



Vom Alten Schweden ist es nicht mehr sehr weit bis zum Museumshafen Övelgönne. Der Haufen Leute (Foto) hält sich um die »Strandperle« (links an der Mauer) herum auf, wo es Getränkenachschub etc. gibt, rechts in der Elbe sind Leute geschwommen, gaaaaaanz hinten, wo man die Schiffe sieht, ist der eigentliche Museumshafen und auch der Fähranleger Neumühlen, mein Ziel. Das Haus mit der Kuppel ist eine supernoble Seniorenresidenz. Außerdem im Bild versteckt: Der Einstieg in die Überwachung des Neuen Elbtunnels und diverse Cafés/Kneipen. Der Sand ist tief und ich hatte null Lust auf die Meute, also bin ich den Weg gegangen, der zwischen den alten Häusern und den Gärten entlangführt. Um dorthin zu gelangen, musste ich aber zuerst ein Stückchen die schier endlose Treppe hoch (ich glaube, es ist die »Himmelsleiter« mit ihren 126 Stufen bis zur Elbchaussee, ich bin aber nicht ganz sicher) (Foto) und dann rechts ab. Die Häuser und der Weg sind sehr entzückend (Foto), aber wenn ich mir vorstelle, dass sich Tag für Tag Massen an Touristen und/oder Spaziergängern und/oder Partyvolk einen Meter vor meiner Haustür vorbeiwälzen – nein, danke! Und: Es wird ganz sicher Herbst. Ich habe zwar noch jede Menge Brombeeren gesehen, viele vertrocknet, aber den großen Auftritt hatten an vielen Stellen eindeutig die Hagebutten (Foto). Außerdem frisst der Fellträger plötzlich wieder wie bescheuert, und ich schwöre, der denkt über die Winterfellproduktion nach, hier waren nachts die Temperaturen schon einstellig.



Ein Blick den Elbstrand elbabwärts, auf dem man sieht, dass das lagernde Volk wirklich ungleichmäßig verteilt ist (Foto), und ich betrat den Fähranleger (Foto). Der Vorteil der Auskenner (Grüner Ring): Die Fähre setzt über nach Finkenwerder, ich steige in den Bus und werde an dessen Endstation nicht weit von meinem Zuhause abgesetzt. Okay, der stündlich fahrende Bus war gerade weg, als ich in Finkenwerder ankam, also gab es noch ein frisch belegtes Fischbrötchen und ein Eis als Nachtisch. Irgendwas ist immer.



Statistik, last but not least: Meine Schrittzähler haben mir was von 22.035 Schritten erzählt, was gerundet 14,7 Kilometer wären, aber das ist illusorisch bei so vielen Schrittchen im Sand. Gugl schmeißt mir eine Streckenlänge von gut 10 Kilometern raus, und ich halte das für realistisch, aber ganz im Ernst, es kam mir null darauf an, ich habe mich einfach einen Tag draußen bewegt und viel Spaß gehabt.

Oh, und natürlich ist das doch ein Wanderbericht für das Etüdensommerpausenintermezzo 😉 …


 

Grüner Ring: Fazit

Zum Einstieg noch mal die Etappen, damit das Nachlesen nicht so umständlich ist ;-).

Etappe 1: Harburger Stadtpark, Heimfeld, Meyers Park, Moorburg
Etappe 2: Altes Land, Neuenfelde, Süderelbe, Airbus, Finkenwerder
Etappe 3: Teufelsbrück, Flottbek, Botanischer Garten, DESY, Volkspark, Stellingen
Etappe 4: Sola-Bona-Park, Stellinger Deckel, Kollauwanderweg, Niendorfer Gehege, Airport Fuhlsbüttel
Etappe 5: Alsterwanderweg, Friedhof Ohlsdorf, Bramfelder See, Osterbek, Trabrennbahn
Etappe 6: Trabrennbahn Farmsen, Tonndorf, Jenfeld, Öjendorfer Park mit Öjendorfer See, Billstedt
Etappe 7: Billstedt, Boberger Niederung mit Boberger See, Mittlerer Landweg, Eichbaumsee
Etappe 8: Eichbaumsee, Dove Elbe, Holzhafen, Kaltehofe, Entenwerder, Elbbrücken
Etappe 9: Elbbrücken, Veddel, Wilhelmsburger Dove Elbe, Windmühle Johanna, Moorwerder
Etappe 10: Moorwerder, Neuland, Neuländer See, Harburg

Achtung, viel Text im Anmarsch, holt euch besser vorher den Kaffee ;-).


Quelle: Pixabay

Was war die schönste Etappe?

Das fragen alle, und ich habe keine Antwort. Mir hat jede gefallen, ich habe auf jeder etwas gesehen, was ich so noch nicht kannte und so nicht erwartet hätte. Hamburg ist schön!
Welche Etappe ich jemandem empfehlen würde? Nummer 8, die erste der beiden Wasser-Etappen vom Eichbaumsee zu den Elbbrücken, wenn der*diejenige wasseraffin ist. Sonst die durchs Alte Land (2), sogar mit dem großen Umweg, ich fand sie toll. Beide Etappen auch wegen der Einkehrmöglichkeit am Ende (Entenwerder und die Finkenwerder Eisdiele!). Ich würde jede Etappe ein zweites Mal gehen, aber okay, es gab spektakulärere und unspektakulärere Etappen.


Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 2 | 365tageasatzaday
Foto: Süderelbe Nähe Airbus, Etappe 2

Würdest du so eine Tour in Etappen noch mal machen?

Der Hamburger Grüne Ring war mein erstes Experiment in Richtung Etappen-Tour, vorher bin ich meist Rundwege gelaufen. Meine Headline war, ihn in Etappen von circa zehn Kilometer Länge einzuteilen, was gut geklappt hat, wenn auch die Erreichbarkeit der Bushaltestellen mit den Öffis nicht optimal ist. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich ursprünglich davon ausgegangen bin, allein zu laufen (meine Mitwanderin ist zwei oder drei Tage vor Start aufgesprungen), und dann wäre ich auch samstags unterwegs gewesen, was gerade für Busfahrpläne viel bedeutet. Und ja, ohne das 9-Euro-Ticket hätte ich die Idee nicht angepackt, denn Hamburg liegt bei den Öffi-Preisen sehr weit vorn. Heißt also, praktisch werde ich wohl nicht mehr so bald ein Etappen-Experiment angehen können – oder ich muss es auf völlig andere Füße stellen. Fernwanderwege interessieren mich schon.

Grundsätzlich sind solche Touren ja alles andere als kreativ, und das stört mich, da ist ein Kompromiss einzugehen. Es sind zwei grundlegend unterschiedliche Dinge, allein durch die Pampa zu streifen oder eine Route zu verfolgen. Aber das Ding ist ja nicht, dass ich das Abenteuer nicht zu schätzen wüsste, einfach vom Weg abzukommen und dort zu bleiben und zu schauen, wie ich zurechtkomme und wo ich rauskomme. Da bin ich entspannt. Die Realität ist, dass ich schlecht beurteilen kann, wie belastbar ich bin, und es mir, krass gesagt, nicht leisten kann, ein paar Tage auszufallen, nur weil ich mich überschätzt und mir eine Verletzung zugezogen habe, weil mein Fitnesslevel nicht doll ist. Soll heißen, mal eben fünf oder mehr nicht kalkulierte Kilometer mehr oder weniger sind zum Beispiel bei mir ein Problem für die Füße, und ich bin nicht überzeugt, dass da mehr Übung auch mehr hilft. Ja, das klingt nicht sehr cool. Ist es auch nicht. Aber so ist das mit Theorie und Praxis, die ist für alle bisschen unterschiedlich, und für mich bedeutet das, dass ich, speziell wenn ich allein unterwegs bin, zum Beispiel erst dann einfach drauflos laufe, wenn ich die Gegend einigermaßen kenne. Also wird man mich vorerst wohl überwiegend weiterhin auf geplanten/gebahnten Wegen antreffen, es sei denn, ich gehe zum Deichtreten.


Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 4 | 365tageasatzaday
Foto: Im Niendorfer Gehege, Etappe 4

Was war gut, was war schlecht, was sollte man anders angehen?

Ich kann detailversessen sein, was Vorbereitung angeht, und hierbei habe ich es ziemlich auf die Spitze getrieben, auch wenn mich mein Fehler mit Etappe 2 immer noch fuchst. Ich hatte das Netz nach Berichten durchsucht, da ich gedacht hatte, dass es Blogger geben MUSS, die den Ring komplett gelaufen sind und darüber auch berichtet haben: Nein, nicht in so epischer Breite wie ich (ich habe den Verdacht, dass sich viele stark an den Stichworten auf hamburg.de, äh, orientiert haben), aber es gibt Radfahrer, die dazu was ins Netz gestellt haben. Ich hatte mir passable Karten auf dem Handy gespeichert, wenn ich kein Netz haben sollte, und habe mich ansonsten auf den Track konzentriert, den ich mir in Gugl Maps geladen hatte. Außerdem hatten wir die heruntergeladenen Karten auch als Kartensatz dabei. Gugl Maps konnte mich tatsächlich das eine oder andere Mal nicht/schlecht lokalisieren, aber es war nie ein ernsthaftes Problem – das mit Etappe 2 war ein Fehler in der Downloaddatei, mein Fehler bestand darin, diesen Track nicht gegen die anderen Materialien gecheckt zu haben und vor Ort zu unflexibel gewesen zu sein, der Beschilderung zu folgen. Tja. Mit einem Wort, man hätte es vermeiden können ;-). Auf der anderen Seite waren/sind wir stolz wie die Schneekönige, diese Strecke (bei bester Laune) geschafft zu haben, und ich habe meine Belastungsgrenzen damit deutlich verschoben, auch wenn ich die ganze Woche danach noch meine Beine/Füße gemerkt habe.

Was vorher unbekannt war, war die allgemeine Qualität der Beschilderung der Route, und die war mit wenigen Ausnahmen sehr gut, ganz anders als auf herkömmlichen Wanderwegen. Die weiße 11 auf grünem Grund klebte in hoher Frequenz an fast allem, von Mülleimern in Parks bis an Straßenschildern, und ich habe sehr viel seltener Gugl zu Hilfe gerufen, als ich erwartet habe.

Ach so: Ja, man läuft durch Stadtgebiet, aber das heißt nicht, dass auf jeder Etappe sozusagen das Catering gewährleistet ist. Klar, an Bahnstationen gibt es Kaffee und Keks, aber auf dem Weg ist es eher Glückssache, speziell sonntags. Auf einer schlauen Outdoor-Seite habe ich gelesen, dass man für zehn Kilometer Weg einen Liter Wasser einrechnen solle, und da es noch dazu nicht eben kühl war, habe ich mich sehr daran gehalten, ebenso wie an meine Erkenntnis, immer was zu essen und ein paar schnelle Kohlenhydrate (Zucker) dabeizuhaben.

Alles easy also? Ja, organisatorisch ja, ich wusste, dass ich einiges eher vernachlässigen konnte, das Einzige, was Stress verursacht hat, waren die Unwägbarkeiten der Öffis, aber irgendwas ist ja immer.


Neue Elbbrücken | Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 9 | 365tageasatzaday
Foto: Neue Elbbrücken Richtung stadtauswärts, Etappe 9

Worin liegt für dich der Reiz des Wanderns/Gehens? Was motiviert dich?

Wenn ich diese Frage ehrlich beantworten will, muss ich etwas einräumen, womit man in Social-Media-Kreisen eher keine Punkte macht. Ich bin relativ unsportlich, ich habe einen Job, bei dem ich den ganzen Tag sitze, noch dazu im Homeoffice, ich esse gern und ich bin nicht mehr jung. Ist das gesund? Nicht in der Kombination, nicht wirklich. Muss ich was tun, rein körperlich gesehen? Dringend. Ich hasse Joggen und jegliche Form von Turnübungen auf dem Wohnzimmerboden wie die Pest (egal, wie schick der*die Coachperson im Video aussieht), aber als Kind/Jugendliche bin ich stundenlang begeistert über die Felder gewandert (und gerannt), auf Bäume geklettert, habe Drachen steigen lassen, Unterstände im Wald gebaut und in Wiesen Frösche gefangen … diese Dinge. Ob ich mir nun heute sage, dass ich vernünftig sein und mich mehr bewegen muss oder in China der berühmte Sack Reis umfällt, bleibt sich ziemlich gleich, ihr werdet das kennen. Aber dieses leichtfüßige, magere Kind, das sich draußen freier als sonst wo fühlte, das stundenlang in sich versunken schaukeln und sich draußen vergessen konnte, das sitzt mir auf der Schulter und flüstert mir ins Ohr.

Also ist meine Antwort, dass ich versuche, mir Terrain zurückzuerobern, das ich im Laufe der Jahre aufgegeben habe, und zwar mit jedem verdammten Schritt, mit dem alles anfängt. Auch ich bin längst nicht mehr frei von gesundheitlichen Problemen und die Coronazeit hat mir nicht nur Hüftspeck beschert. Der Rest ist Ausprobieren, wie man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden kann, denn wenn ich den ganzen Tag ein Display angestarrt habe, will ich mich eigentlich bewegen, so weit bin ich inzwischen, auch wenn ich es nicht jeden Tag hinkriege.


Wilhelmsburger Dove-Elbe | Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 9 | 365tageasatzaday
Foto: Wilhelmsburger Dove Elbe, Etappe 9

Allein oder nicht?

Es hat beides Vorteile und hängt auch davon ab, was für ein Typ man selbst ist. Zu mehreren ist man weniger allein, um es mal auf diesen simplen Nenner zu bringen, was gut ist, wenn man sich z. B. über den einzuschlagenden Weg etc. unsicher ist, weil man eh keine Orientierung hat, oder wenn man sichergehen will, dass einer da ist, falls was passiert, siehe oben. Wer mit Freunden unterwegs ist, weiß auch, ob das Dampfplauderer sind, die alles kommentieren müssen (und ob man sie an dem Tag dafür lieber erwürgen möchte), und kann seine Begleitung danach auswählen. Das weiß man bei einer fremden Gruppe nicht. Und natürlich kann man sich auch wunderbar und tief unterhalten, denn Natur macht was mit einem, wenn man sich berühren lässt.

Allein zu wandern bedeutet, dass man im Schweigen unterwegs ist und idealerweise auch Stille erlebt, wenn man nicht ständig jemandem begegnet. Natürlich erlebt man damit alles ganz anders als in einer Gruppe, kann sich alles nach den eigenen Wünschen gestalten und einteilen (Route, Gehtempo, Pausen), ist mit sich und seinen Gedanken allein, kann sich für die umgebende Natur inklusive Menschen öffnen oder einfach nur blind daherstapfen und Probleme wälzen, kann viel mehr dem Herzen folgen. Allein zu gehen ist eine höchst individuelle Sache, immer, und auch da liegen Himmel und Hölle eng beieinander. Und ja, das geht auch in der Stadt, auf derartigen Wegen wie dem Grünen Ring.

Naturbegegnungen sind eine Frage der persönlichen Aufmerksamkeit und Einstellung und des individuellen Tempos. Ich werde in den Grünzonen der Großstadt nicht die gleiche »Natur« vorfinden wie in meinen geliebten Harburger Bergen, es gibt Unterschiede zwischen Stadtlandschaft und Kulturlandschaften und Naturlandschaft, wobei man sich fragen kann, wo die Landschaft wirklich noch vom Menschen unberührt ist. Praktisch halte ich das für eine Frage der Ansprüche und was davon realisierbar ist. Wer »unberührte Natur« erleben will, ist auf dem Grünen Ring sicher falsch. Wer bereit ist, sich an dem zu erfreuen und sich auf das einzulassen, was sich zeigt, kann immer Schätze mit nach Hause nehmen.


Kaltehofe | Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 8 | 365tageasatzaday
Foto: Schieberhäuschen auf der Kaltehofe, Kraftwerk Tiefstack, Etappe 8

Ressourcen

Wer sich selbst auf den Grünen Ring begeben möchte, ist bei hamburg.de gut aufgehoben, was Materialien angeht. Man findet hinter diesem Link auf hamburg.de die Karten zum Downloaden – nach unten scrollen zu »Tourenvorschläge als PDF«, die enthalten die Karten. Übrigens gibt es den Kartensatz kostenlos zum Mitnehmen in den Öffentlichen Bücherhallen.

Noch weiter unten auf derselben Seite steht der Link zur Gesamtkarte als PDF.

Und schließlich gibt es auf dieser Seite bei hamburg.de die Möglichkeit, sich die digitalen Daten für den Grünen Ring für Navigationsgeräte herunterzuladen: Hier klicken. Wer wissen möchte, wie man diese Daten zum Beispiel in Gugl Maps bekommt, ist mit diesem Artikel auf draussenlust.de gut bedient: GPX-Datei in Google Maps importieren, da habe ich es her.

Richtig klasse finde ich die »Zweiter Grüner Ring«-Seite von veloroute.hamburg (hier klicken), da ist jemand 2021 mit einer Helmkamera den gesamten Grünen Ring abgefahren und hat das ins Netz gestellt. Danke dafür! Nach Etappe 2 habe ich doch häufiger dort vorbeigeschaut, um bösen Überraschungen vorzubeugen 😉

Was die leidigen Etappenan- und -heimfahrten betrifft, bin ich (für die 9-Euro-Ticket-Monate) signifikant öfter als sonst mit den Öffis gefahren und mochte es. Die Situationen, wo ich in volle bis überfüllte Busse oder S-Bahnen geraten bin, waren die üblichen Verdächtigen: Großveranstaltungen, Baustellen und Störungen, speziell jetzt im Sommer wird natürlich viel gebaut und repariert, und dass Busse im Stau stehen, weil es durch hohes Verkehrsaufkommen Staus gibt, ist auch kein Wunder. Meine Bahnen waren überwiegend sehr pünktlich, die oft geschmähte S-Bahn nach Harburg hell und sauber, wenn auch die Maskendisziplin mehr und mehr zu wünschen übrig ließ – der HVV fordert nach wie vor FFP2-Masken, kontrolliert aber kaum in Bahnen, dafür mehr in Bussen.
Würde ich öfter die Öffis nutzen, wenn die Preise sinken würden, dieses 29-Euro-Ticket, das gerade in Gesprächen herumgeistert? Ja, ich wäre dabei, vor allem, wenn ich kein Abo nehmen müsste. Übrigens soll der Ersatzverkehr wegen der beschädigten Elbbrücke die Pest sein, habe ich vorhin gehört, da geht offenbar einiges nicht so, wie es soll.


Richtung Süden | S-Bahn-Station Elbbrücken | 365tageasatzaday
Foto: S-Bahn-Station Elbbrücken, Richtung Süden

Das Fazit meiner Mitwanderin

Nach ihrer Meinung befragt bekam ich eine WhatsApp, deren Inhalt ich hier ohne Emojis zitieren möchte:

  1. Wandern macht Freude, trotz anfänglicher Schwierigkeiten: zu wenig Magnesium usw. Die Beweglichkeit kommt zurück und die Ausdauer – herrlich.
  2. Das Gebiet (Hamburg) aus dieser vielfältigen, facettenreichen Perspektive ganz neu erleben zu können.
  3. Durch Gebiete/Bereiche zu gehen, wo ich noch nie war und sie auch nicht kannte.
  4. Das Entzücken, dass das Hamburger Land so schön, grün und teilweise fast kitschig »märchenhaft« anmutet. Ein Geschenk!

Grüner Ring 2022, meine Etappe 1 | 365tageasatzaday
Foto: Zwei Wanderer, Etappe 1

Würde ich den Grünen Ring empfehlen? Würde ich ihn noch mal gehen?

Ja in beiden Fällen, wenn das mit dem Hin- und Zurückkommen zu und von den Etappen befriedigend geklärt werden könnte. Im Herbst/Winter sieht es dort bestimmt sehr anders aus, auch die Qualität der Wege dürfte eine andere sein, da rechne ich dann durchaus mit Matschecken: ein völlig anderes Wandererlebnis, und das direkt vor meiner Haustür ;-). Und auch meine Mitwanderin hat sich diesbezüglich ähnlich geäußert.


Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 3 | 365tageasatzaday
Foto: Hafenansicht, Fähre, Etappe 3

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Grüner Ring: Dritte Etappe

Was hatte ich mich auf diese Etappe gefreut! Kurz, das heißt knapp 10 Kilometer (höhö), und gefühlt nur Parks. Nun … es ging ja auch richtig gut los. Gestartet bin ich mit der Überfahrt über die Elbe ab Finkenwerder Fähre mit der Linie 64 nach Teufelsbrück, wo ich um 12 Uhr mit meiner Mitwanderin, die auf der anderen Seite wohnt, am Anleger verabredet war. Was auch bedeutet, dass ich um 10:30 Uhr bei mir an der Bushaltestelle stand. Leerer Bus, kein Umsteigen, ziemlich leere Fähre.

Schon auf der Elbe deutete es sich an: Der Wetterbericht könnte stimmen, das Wetter würde vielleicht nicht halten. Zwei Fotos dazu: Das eine ist von Sonntag und zeigt die Elbe stromabwärts, dort sieht man links das Airbus-Gelände und rechts das Ober- und Unterfeuer Blankenese (die Leuchttürme, von rechts nach links) sowie das Unterfeuer Rissen, und ich bin nicht ganz sicher, ob der leuchtende Punkt darüber das Rissener Oberfeuer ist … und man sieht auch, dass es sich bereits „zuheiterte“, wie mein Vater das früher genannt hätte, also eintrübte (Foto, links daneben die Schornsteine gehören zum Kraftwerk Wedel).

Das andere Bild ist vom Sonntag zuvor (bei strahlendem Sonnenschein) und stromaufwärts Richtung Hafen fotografiert – als Ansicht einer der Hamburger Klassiker. Einige von euch werden das Hafenpanorama kennen, also schicke ich euch mal suchen: Na? Welche Kirchtürme erkennt ihr, und vor allem, wie viele? 😉 Großklicken hilft!



In Finkenwerder auf dem Gelände der HPA-Stackmeisterei (eine Art Straßenmeisterei für den Fluss) traute ich übrigens meinen Augen nicht (Foto): Seht ihr die weiße Männerfigur, die die Hände in die Hüften stützt? Das ist einer der »Vier Männer auf Bojen« des Künstlers Stephan Balkenhol, die seit 1993 Hamburg auf diversen Gewässern bereichern (Link). Da die aber von Frühling bis Spätherbst ununterbrochen ihre Posten beziehen, was macht dieser hier an Land? Ich muss bekennen, dass ich die Antwort nicht weiß, aber die Figuren sind letztes Jahr alle ausgetauscht worden (Neuguss aus Aluminium; der Zahn der Zeit, das Wetter, die Vögel etc. hatten den ursprünglichen Eichenfiguren im Laufe der Jahre böse zugesetzt – die Kosten hat die Stadt Hamburg übernommen). Ich überlege schon länger, die Männer mal abzulichten. Ich vermute, dass dies hier der »Eichenmann« ist, der in der Alster stand (erkennbar an der Armhaltung).

Den Teufelsbrücker Anleger (Foto) ziert nach wie vor das Café/Restaurant Engel. Über Hamburg hinaus wurde es bekannt, als vor 20 Jahren ein Containerfrachter nach einem Maschinenausfall den Anleger rammte und schwerstens beschädigte.



Wir jedenfalls liefen locker los und befanden uns fast sofort im Grünen. Karte und Beschreibung hatten nicht gelogen, als sie mir fast durchgängig Parks und »Grünräume« versprachen, wir fielen von einem Entzücken über die idyllischen Ausblicke ins andere (Foto). Es ging durch den Wesselhöfftpark und Westerpark am Derbyplatz Flottbek vorbei (Reiten! Springderby! Fernsehen! Kindheitserinnerungen!), wir unterquerten den S-Bahnhof Klein Flottbek und wanderten entlang am Loki-Schmidt-Garten, also am Botanischen Garten, der ein echtes Highlight für jeden Gartenfan sein soll.
Später trafen wir am Ziegeleiteich nicht nur ein über unsere Ankunft begeistertes Blässhuhn (Foto) und einen Reiherenterich (Foto), sondern es begann auch leicht zu regnen. Zumindest meine Fotografierlust mit der Winzlingskamera schränkt das ein, sodass ich zwar noch diese beeindruckende Baukastenfront hinter dem Elbe Einkaufszentrum festhielt (Foto), aber danach eher weniger die ungezählten, immer noch bezaubernden Einblicke in Grünes und Blühendes.



Nachdem ich murrend (aber immer noch hoffend) einsehen musste, dass sich das mit dem Nass von oben eher nicht ändern würde, rasteten wir im Feuchten (in einer Regenpause, aber inzwischen in die Regencapes gehüllt) auf einem Hügel im Lise-Meitner-Park und genossen die unerwartet grüne Aussicht. Fragt man mich übrigens, woran ich mich von dieser Etappe auch erinnern werde: Fluglärm. Wir waren die meiste Zeit in der Einflugschneise unterwegs, die Intervalle waren kurz und viele Flieger niedrig. So gut die Wege waren (mit unkommunikativen Radfahrern und freundlichen Spaziergängern) und außerhalb des Parks mit gepflegten Gärten sowie naturbelassenen Grünflächen (Foto) – ich hätte hier erwartet, sehr viel mehr DESY-Gebäude (Homepage) zu sehen zu bekommen, aber wirklich identifizieren konnte ich nur eins am Ende des Geländes (Foto). Der stetig fallende, sanfte Regen verlockte uns dann auch nicht, durch den Dahliengarten zu schlendern (statt ihn nur rechts liegen zu lassen), und scheuchte uns schnell in den Wald im (Altonaer) Volkspark, den wir zügig durchquerten, um dann am anderen Ende auf das HSV-Stadion zu treffen.
Sorry, Fußballfans, das ist sicher ein sehr beeindruckendes Bauwerk mit Tradition (Foto), auch bei Nässe, aber den Weg ab dort bis zur S-Bahn Stellingen fand ich einfach nur hässlich, steril, vollgeschmiert und mit einer völlig trostlosen Ausstrahlung (Foto, das ist schon am Bahnhof, der Eingang zur S-Bahn ist auf der anderen Seite). Selbst die Radfahrer waren jetzt unhöflich, allerdings hörte passend zum Etappenende der Regen auf. Aber ausgerechnet letzten Sonntag wurde auf der Strecke Eidelstedt – Altona gebaut, sodass wir beide auf Schienenersatzverkehr umsteigen mussten – nie die beste Idee für Platzängstliche.
Nach einem letzten schnellen gemeinsamen Kaffee erwischte ich einen Bus nach Altona, plumpste dort erleichtert in die S-Bahn nach Harburg und dann wieder in den Bus, der mich zu Hause ausspuckte.



Die Statistik zum Schluss. Etappenanfang: Finkenwerder Fähre bzw. Anleger Teufelsbrück, Etappenende: S-Bahn Stellingen (Arenen). Gugl und ich hatten eine Streckenlänge von ca. 9,5 Kilometern ab Etappenanfang geplant, meine Schrittzähler zeigten insgesamt 17.571 Schritte an, was, wenn es stimmt, 11,7 Kilometer entsprächen. Das kann absolut hinkommen, denn auf meinem Schrittzähler war ja auch noch der Weg zum/vom Bus und der Fußweg zur Fähre. Die Beschilderung war jedenfalls auf inzwischen gewohnt hohem Niveau und die Regencapes haben gehalten, und während ein großer Teil Deutschlands unter Brüllaffenhitze litt, hatte Hamburg maximal 20 Grad. Wir hatten übrigens beide so ein »Ach, das war es diesmal schon? Schade!«-Gefühl, was ich irgendwie doch belustigend fand. Ich wünsche mir diese Etappe noch mal, an einem anderen Wochentag und bei besserem Wetter, und vielleicht würde es mehr Spaß machen, sie in die andere Richtung zu gehen.

Wenn uns in der Woche nicht der Himmel auf den Kopf fällt, trifft man uns nächstes Wochenende auf Etappe vier, unter anderem in Richtung Niendorfer Gehege und Flughafen. Auch dieses Mal gilt: Ich freue mich jetzt schon.


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Grüner Ring: Zweite Etappe

Wenn’s dem Esel zu wohl wird … Es gibt eine wirkliche Zäsur auf dem Grünen Ring, und das ist die Elbe, die Hamburg in eine Nord- und eine Südhälfte teilt. Im Osten gibt es Brücken, dazu kommen wir noch, im Westen gibt es eine Fähre, deren Anleger beidseitig also ganz natürlich Etappenanfänge bzw. -enden darstellen. Ich habe bei der ersten Etappe beschrieben (hier klicken), dass ich per Datendownload für Gugl Maps unsere Strecken plane, und ich muss sagen, vor dieser hier hatte ich einen Heidenrespekt. Länge des Wegs laut Daten: ca. 13,9 Kilometer. Uff.

Nachdem ich beim letzten Mal festgestellt habe, dass Gugl Maps und mein bereinigter Schrittzähler möglicherweise eine erhebliche Abweichung aufweisen, habe ich mir so meine Gedanken gemacht, wie gut jede von uns mit der Streckenlänge klarkommen würde – 14 km auf dem Schrittzähler sind nicht 14 km auf Gugl, es ist nun mal, wie es ist – und habe darauf geachtet, in der Woche davor nicht zu wenige Runden um den Teich zu drehen und prophylaktisch Magnesium zu nehmen. Kann ja nicht schaden, nur für alle Fälle.

Da wir den Bus erwischen mussten, der sonntags nur alle zwei Stunden fährt, saßen wir auch um 11:13 Uhr im Bus und wurden ca. 11:40 Uhr an der Haltestelle Moorburg Alter Deich abgesetzt. Leerer Bus, just for the record. Rucksäcke geschultert, rauf auf den (alten) Deich und los (Foto). Wind, Wolken (zunehmend), Sonne, zwischen 20 und 23 Grad. Und dann nur wir und die Fahrräder, die uns immer wieder begegneten, und rechts und links Obstanbau, Äpfel und Kirschen (unter Netzen) (Foto, Foto). Diverse Teiche voller Froschgesang, davon einer mit den lautesten Fröschen ever: Ich hatte den Eindruck, dass das wirklich nicht viele waren, sehen konnte man keinen einzigen, aber sie gaben sich alle Mühe, einander zu überbrüllen und quak-tot zu machen. So unglaublich großartig, dass wir beide völlig hin und weg waren.



Die Wegstrecke (für die, die sich auskennen): Moorburger Elbdeich, Hohenwischer Straße, Vierzigstücken, vorbei am Arp-Schnitger-Haus (hier klicken) (Foto Detail) in die Hasselwerder Straße. Neuenfelde (das ist der dazugehörige Stadtteil) hatte Schützenfest, manche Häuser und Straßen waren mit Wimpeln geschmückt (Foto). Größere Pause, immer noch auf dem Deich, wo es sich dann schon langsam zuzog, dann weiter. Am Rosengarten bis zur Kreuzung An der Alten Süderelbe/Neßdeich, durch das Naturschutzgebiet an der Alten Süderelbe (Wikipedia) entlang – mit Kuckuck, bezaubernde Ausblicke auf den großen See (Foto), während neben uns der Verkehr floss und sich auf der anderen Seite der Straße die Landebahn von Airbus erstreckt. Rüber zum Airbus-Besucherhügel, aber auf dem Airbus-Gelände keine Bewegung feststellbar, nur viele bunte Heckflossen (Foto).



Am Tower vorbei und rechts rein auf den Finkenwerder Westerdeich, entlang am Naturschutzgebiet Westerweiden, dann Finkenwerder Süderdeich. Ältere Häuser, Land in der Stadt, Bänke vor den Haustüren. Rechts die Alte Süderelbe, links Ausblicke Richtung Hafen/Burchardkai (Foto). Ohne Worte, schon fast idyllisch, aber im Winter bestimmt weit weniger erfreulich. Rast am Ende des Süderkirchenwegs (Foto), wo uns klar wurde, dass uns das Gewitter früher oder später streifen wird: hinter uns dunkle Wolken, heftiger Wind, Donner, erste Tropfen. Also schnell weiter den Osterfelddeich entlang (Foto), links ab durch die Obstmarschen am Köterdamm, rauf auf den Uhlenhoffweg. Regenschauer, kurz und kräftig. Erster Einsatz für die neu erstandenen Regencapes (hielten stand), und gut gegen Wind waren sie auch.



Norderschulweg, Mewesweg, Wriedestraße, Finkenwerder Fähre (Foto). Eigentlich endet die Etappe auf der Rüschhalbinsel, wo sich der zweite Anleger nach Teufelsbrück befindet, aber wir haben uns das Stück geschenkt, da wir müde waren und da sonntags ab dort mein angepeilter Bus nicht fährt. Wir werden ab Finkenwerder Fähre nach Teufelsbrück übersetzen. Am »Dampfer Imbiss« (Toilette!) Fischbrötchen geschenkt bekommen (hätten sonst weggeworfen werden müssen), Elbe bewundert, später in der Sonne gesessen und Eis gegessen, Bus ab 19:18 Uhr genommen (Linie 146 ab Bushaltestelle Norderschulweg (Foto), fährt sonntags stündlich, gut gefüllt) und ca. eine Stunde später bei mir.



Die Statistik zum Schluss. Etappenanfang: Bushaltestelle Moorburg Alter Deich, Etappenende: Bushaltestelle Norderschulweg. Ich hatte via Gugl eine Streckenlänge von ca. 13,9 Kilometern ab Etappenanfang geplant, meine Schrittzähler zeigten insgesamt 26.690 Schritte an, was, wenn es stimmt, 17,8 Kilometer wären. Das kann ungefähr hinkommen, auf meinem Schrittzähler war auch noch der Weg zum/vom Bus und der Weg zur Fähre. Ich habe keinen Muskelkater bekommen, ich vermute wirklich, dass das das Magnesium ist, aber meine Füße sind definitiv überstrapaziert.

Unter die Rubrik »Verarscht« fällt jedoch die Tatsache, dass die von hamburg.de gelieferten Daten (als Datei) NICHT mit der ebenfalls von hamburg.de zur Verfügung gestellten Route (als Beschreibung/Karte) übereinstimmen. Und zwar ist die geänderte Route (als Karte) ER-HEB-LICH kürzer, es könnten durchaus 8 Kilometer sein, die wir da zu viel gelaufen sind. Ja, es ist uns unterwegs aufgefallen, dass die freundliche »11«-Beschilderung fehlte (und irgendwann wieder da war), aber wer rechnet denn wirklich mit so was?
Und auch ja, es hätte mir bereits beim Planen auffallen können, wenn ich nämlich vorher bei der offiziellen Wegbeschreibung die Straßennamen etwas genauer gelesen hätte. Nur: Wer denkt denn schon an so was, verdammt, und ich hatte mich seelisch auf den langen Weg eingeschossen, den kenne ich nämlich größtenteils mit dem Auto und mag ihn sehr.
Wir sind (dankenswerterweise beide) der Meinung, dass diese längere Strecke eine Challenge war (ich wollte das Wort schon immer mal benutzen), die wir höchst erfolgreich bestanden haben, denn wir wären sonst nie zu Fuß dort herumgelaufen, nicht in dieser Form, und es war, ich wiederhole es gern, total schön – das bedaure ich auf gar keinen Fall. Aber meine Eitelkeit hat unter dieser Entdeckung doch schwer gelitten, das muss ich zugeben.

Wenn das Wetter hält, trifft man uns also nächstes Wochenende unverdrossen auf der nördlichen Seite der Elbe auf Etappe drei. Es soll angeblich warm werden, aber ich freue mich jetzt schon.


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