Je suis … sauer. Und nachdenklich.

Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.

(Albert Einstein, Quelle)

 

Wenn ich ehrlich bin, bin auch ich ein Mitglied der Masse der (selbstverständlich individualistischen) Schafherde. Stimmvieh. Fernsehgucker. PEGIDA-Ablehner. „Je suis Charlie“-Denker. Nicht generell unpolitisch, aber an der großen Politik doch ziemlich desinteressiert.

Dann habe ich die Demo-Bilder im Fernsehen gesehen und fand, neben all dem (in meinen Augen) Stuss, der da  verbreitet wurde, waren einige Leute dabei, die ähnliche Fragen stell(t)en wie ich. Nur hatten sie andere Antworten und waren lauter. Beides nicht mein Fall. Beschäftigt hat es mich und tut es immer noch.

Dann die „Charlie“-Geschichte. Menschen aus ideologischen/religiösen Gründen zu erschießen, mag ich weder verstehen noch gutheißen. Nirgendwo und quasi vor meiner Haustür noch weniger. Beschäftigt hat es mich und tut es immer noch.
Aber bei dem Hype, der daraufhin entstanden ist, habe ich mich doch gefragt, wer da was als Ventil wofür benutzt. Phoenix sendete bemerkenswert langweilige Live-Bilder aus einem fahrenden Auto auf der Autobahn bei der Verfolgung der Paris-Attentäter. Ich dachte, ich bin im Film; das hatte ich zum letzten Mal bei 9/11 und Uli Wickert mit Grabesstimme. Diese Woche bin ich hier an der Messe vorbeigefahren, dort wehten neben den üblichen Flaggen schwarze „Je suis Charlie“-Fahnen. Ich dachte, mich tritt ein Pferd. Haben wir Nationaltrauer?

Hallo? Das Abendland ist offensichtlich gerade knapp dem Untergang entgangen, ja? Wo ist die Verhältnismäßigkeit? Was ist hier eigentlich los? Ich lese andere Blogs, die sehr vernehmlich „Aufwachen“ brüllen, lande wieder in Gedanken bei Brecht („wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist„), mag mich gerade nicht in meinen üblichen „Der Mensch/das Herz zählt“-Friede-Freude-Eierkuchen-Kokon zurückziehen und bin sauer. Und sehr nachdenklich. Und habe keine Lösung. Und ich glaube, das wird anhalten.

 

Schafherde – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Dienstag, 9. September 2014

Im Leben geht es darum, die richtigen Fragen zu stellen und nicht dauernd Antworten zu geben.
(Martina Gedeck)

 

Eine Reisegruppe, in der ich mehrere Leute kannte, war eine Woche in Taizé. Heute Morgen fand ich mich im Verteiler einer Rundmail, in der sich eine (auf die Frage, was sie von Taizé mit nach Hause nähme) über das Essen beschwert hat (unter anderem, aber sehr massiv). Zugegeben, das kann man. Taizé hat eine Großküche, die mit einfachsten Mitteln arbeitet. „Naturbelassen“ ist dort höchstens Obst, der Rest wird mehr oder weniger zu Pampe verarbeitet (siehe Bild).

 

Der kleine Taizé-Gourmet-Führer - 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst | KLICK MACHT GROß

 

Was mich aber dennoch umtreibt, ist eine andere Frage. Taizé ist gut dokumentiert (offizielle Seite), was man dort erwarten kann (und was nicht), ist leicht herauszufinden (Erlebnisbericht eines nicht-jugendlichen Taizé-Fahrers), ich war vor ein paar Jahren selbst dort. Schlicht gesagt, man fährt nicht für das Essen nach Taizé.
Besagte Reisende ist also an eine persönliche Grenze gestoßen. So was passiert. Aber was hat sie vom Zauber von Taizé begriffen, wenn das Essen für sie so ein Thema war?