Erinnerungen | abc.etüden

Sie presste sich in die Ecke der Couch und schloss die Augen. Die Helligkeit der Lampe verblasste zu einem orangen Fleck auf dem Inneren ihrer Augenlider. Die Musik tröpfelte sanft aus dem Lautsprecher. Sie atmete tief aus und ließ sich einsinken. Mit der Musik kamen die Erinnerungen.

Er war der erste Welterklärer gewesen. Stundenlang. Begeistert. Der erste Mann, der sie ernst genommen hatte, mit ihr diskutiert hatte, mit dem sie ihre Wertvorstellungen entwickelt hatte. Und mehr.

Auch mit ihm hatte sie diese Musik gehört, die ihn so gar nicht ansprach, und die er zu verstehen und mögen versucht hatte, weil es ihre war. Für die sie in jenem rauchgeschwängerten Arbeitszimmer die Anlage aufdrehen durfte, bis die Klänge das Haus ausfüllten und erschütterten.

Der erste in ihrem Leben, der gescheitert war. Der erste, der ungewollt viel zu früh gehen musste. Der erste, dessen Zerbrechlichkeit sie erkannte und dessen Verletzlichkeit sie zu beschützen versucht hatte, weil sie es weder anders gewusst noch gekonnt hätte.
Dessen Wärme und Liebe sie vermisste.

Mal mehr, mal weniger, aber immer wieder.

Die Musik schwoll auf, ebbte schließlich ab und verstummte. Sie stand auf, wischte ein paar verirrte Tränen weg und sah auf das Bild an der Wand.

»Happy Birthday, Papa.«

 

abc.etüden 2021 03+04 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 03/04.2021: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Ulrike und ihrem Blog Blaupause7. Sie lauten: Lautsprecher, orange, erschüttern.

Ja, auch (AUCH!) autobiographisch. Er wäre dieser Tage 95 geworden.
Und ich wollte auch mal eine Miniatur.

 

Die Musik zur Etüde: Mike Oldfield, Platinum, Part I bis Part IV (bis 19:13)

 

Das Bild zur Etüde ❤

Foto: privat 🙂

 

 

Das Schöne vom Tag

Wer hier länger liest, kann sich vielleicht an die stetig wiederkehrende Lobrede erinnern: Heute vor inzwischen neun Jahren stand ein gewisser Fellträger zum ersten Mal vor meiner Tür und fragte höflich nach Futter – ich habe es mehr als einmal hier auf dem Blog erzählt (zum Beispiel hier). Das war der Beginn einer großen Katzenliebe, und sie hält an.

Da ich aber also leider auch nicht weiß, wann er geboren ist, nur dass die Tierärztin ihn damals auf „den Herbst davor“ schätzte, feiere ich heute seinen Geburtstag mit. Happy birthday, kleiner großer Tiger, auf die nächsten 10 Jahre, mögest du sie in Ruhe und Gelassenheit und bei bester Gesundheit verbringen können!

Und ja, bei ihm ist entweder ein Maine Coon oder eine Norwegische Waldkatze durch den Stammbaum gelaufen – irgendwas Halblanges.

Fotos von gestern und von innerhalb der ersten zwei Monate, nachdem er zu mir kam.

 

 

 

Aller guten Dinge sind vier!

Letzte Woche hatte mein Blog Geburtstag (und ich war gerade anderweitig schwer beschäftigt). Das ist zwar, wie ich jedes Jahr aufs Neue sage, DIE Gelegenheit, meinen Blog und mich mit Glitzer zu beschmeißen, zu verkünden, wie glücklich und zufrieden ich mit allem bin und knietief im Sternenstaub zu waten, in der Regel klappt es bloß nicht so ganz. Ich bin misstrauisch gegenüber Zuckerwatte, vor allem, wenn ich sie selbst produziere.

Tatsache ist, dass ich im letzten Blogjahr gefühlt eigentlich nichts anderes gemacht habe, als das Etüdenprojekt zu hätscheln betreuen (danke, Ludwig, immer noch, immer wieder), selbst Etüden zu schreiben und montags die Woche mit ein paar Gedichten einzuläuten. Da mein eigener Stresspegel ziemlich hoch war und ist, reicht mir das völlig an Aufwand, aber ganz glücklich bin ich doch nicht damit. Hm.

Ich habe mir lange überlegt, ob ich etwas Besonderes auf meinem Blog zum Bloggeburtstag veranstalte. Und dann fiel mir Folgendes ein: Es gibt irgendeinen Award, der unter anderem dazu auffordert, seine „besten“ Bei-/Einträge aufzulisten. Kann ich nicht. Will ich nicht. Was soll das sein, meine „besten“ Einträge, wer bewertet das? Ich habe Schwierigkeiten mit dem Wort.
Was ich aber kann, ist, euch meine LIEBSTEN Geschichten zu präsentieren und euch lesen zu schicken. Also, holt euch einen Kaffee/Tee/Kakao/WasAuchImmer, bevor wir starten, es wird länger.

***

Wenn ich durchsehe, worüber ich so schreibe, dann sehe ich, dass ich einen Hang zu Geschichten habe, die zwar nicht immer positiv/versöhnlich ausgehen, aber doch meist die Kurve zum Hoffnungsvollen bekommen. Definiert man so einen Optimisten? It ain’t over till it’s over? (Bin ich einfach nur naiv?) Eigentlich ist es mir egal, ich glaube nicht, dass ich mich noch ändern werde, ich will es nicht.
Dann gibt es die Geschichten, wo ich an der Grenze zum Mystischen/Magischen/Fantasy kratze oder sie überschreite, und das, ihr Lieben, sind mir eigentlich die liebsten.

In diese Kategorie gehört eine frühe Geschichte, in der ein Mensch einem Zwerg aus der Klemme hilft und dafür einen Wunsch frei hat: Klappspatens Verwandlung. In einer anderen sitzt Tine im Treppenhaus und weiß weder so genau, wie sie dort hingekommen ist, noch woher ihre Verletzungen rühren: Tragischer Unfall am Weiher. Kurz und knackig waren dagegen meine beide Etüden von einer Meerjungfrau, die in einem Aquarium festsitzt: Alles Fake! (1) und Sirenengesänge (2). Was habe ich beim Zusammenfabulieren Spaß gehabt! Ganz frisch ist die Irgendwie-schon-auch-Liebesgeschichte vom gar nicht wilden Wassermann und der schönen Lilofee, die sich schon beim Schreiben in mein Herz geschlichen hat: Dylan und Lilo. Fast ein Wassermärchen.

Da wir gerade bei „Herz“ sind, möchte ich wieder ins rein Irdische wechseln und stellvertretend nur eine laaaaange Geschichte aufführen, die mir letztes Jahr den Sommer versüßt hat: Der Wassermaler (I) und Der Wassermaler (II).

Nun wird’s kurz: Katastrophenalarm, ein Brief eines Mädchens aus dem Urlaub an die BFF; Rausch handelt vom ultimativen Kick; Sternenwanderer, eine Geschichte, bei der es mich überläuft, warum auch immer; Wie viel? – eine Etüde, in der es nicht um das geht, worum es scheint.

Zum Schluss die Etüden-Trilogie von einem, den ich nicht kennen möchte: Nach Hause (1), Stay tuned (2) und THE END (3).

Wie, kein Fellträger? Na ja, in den meisten Geschichten, in denen er auftaucht, beruht der Witz darin, dass er sich erst im letzten Satz sozusagen zu erkennen gibt. Führe ich die also hier auf? Nein. Aber ich hoffe immer noch, dass sich die Gelegenheit ergibt, die Geschehnisse um eine gewisse rotäugige Zombiekatze (hallo Anton, hallo Frau Flumsel) noch mal aufzugreifen. Hat den eigentlich einer mal wieder gesehen?

***

Bliebe noch zu sagen, dass in diesem letzten Blogjahr meine Followerzahl bis auf um die 600 angestiegen ist, je nachdem, ob man die Mail-Follower mitzählt: Ich tue es, WordPress manchmal ja, manchmal nicht. Wie auch immer, ihr, die ihr dies lest und KEINE Etüden schreibt und/oder bisher nicht kommentiert habt: Herzlich willkommen auf meinem Blog, ich hoffe, ihr mögt es hier!
Ferner ist dies hier der 858. Beitrag, vor einem Jahr zum Bloggeburtstag war es der 674., und ich habe die unglaubliche Zahl von 26.800 Kommentaren überschritten (letztes Jahr über 18.500), und ja, ich weiß, ich habe bestimmt die Hälfte selbst geschrieben. Na und?! Ja, ich würde sagen, wenn ich mir die Zahlen so ansehe, muss ich einräumen, ich habe wohl einen lebendigen Blog.

Das hätte ich mir vor vier Jahren echt nicht träumen lassen, dass dieser Entschluss mein Leben so bereichern würde. Mein Dank und mein Gruß geht daher an alle von euch, die zum Teil schon seit mehreren Jahren meine „Online-Familie“ bilden (bitte, ich sehe das mit seinen Möglichkeiten und Grenzen durchaus auch kritisch, dennoch bedeutet es mir viel), und ganz besonders an die, die ich (quer durchs Land) inzwischen persönlich kennenlernen durfte. Ich danke euch. Gerne mehr davon! Wir sehen, hören und lesen uns!

 

Pusteblume | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Mit 66 Jahren …

Wer oft hier liest, der weiß, wie selten ich irgendwas reblogge. Und eigene Sachen eigentlich nie.
Bis jetzt.
Aus Gründen, wegen heute und so.

Alles Liebe zum Geburtstag, mein Lieber, du fehlst mir immer noch wie blöde, so oft, so unmittelbar, und ja, doch, anders als noch letztes Jahr. Ich weiß, du wärest erstaunt darüber, glaub mir, ich bin es auch, ich hab es weder gewollt noch damit gerechnet. Du auch nicht, ja, klar. Trotzdem.
Ach, Mensch, warum nur.

 

***

Adventszeit. Die Unruhe hatte sie nachmittags aus dem Haus getrieben. „Kommst du mit, Weihnachtsbäume zählen?“, hatte sie früher ins Telefon gerufen. Das Auto hatte wie von selbst die vertraute Route eingeschlagen. Es war schon dämmerig, und rechts und links blinkten immer wieder Nikoläuse und Rentiere an den Straßen. Und bunt beleuchtete Tannenbäume. Schön war das.
Wie so oft entspannte sie sich beim Autofahren. Schön und schrecklich und kitschig und doch auch ein bisschen feierlich. Sie spähte aufmerksam in eine Seitenstraße. Hatte dort hinten nicht immer dieses riesige Monster von einem Santa hervorgelugt, kletterte der dieses Jahr auch wieder die Hausfassade hoch? Ja, tat er. Vergnügt bog sie ab und passierte ihn kopfschüttelnd. Vielleicht hätte sie doch die Kamera mitnehmen sollen.

Der, mit dem sie am liebsten unterwegs gewesen wäre, war nicht mehr dabei. Ein Teil ihrer Freundschaft hatte daraus bestanden, dass sie miteinander im Auto durch die Stadt gekutscht waren, sie, die gern fuhr und ihre Stadt so liebte, er, der es genoss, etwas zu sehen, ohne sich großartig bewegen zu müssen und immer für eine dumme Idee zu haben gewesen war. An Gesprächsstoff hatte es ihnen nie gefehlt, auch wenn sie durchaus nicht immer einer Meinung gewesen waren. Rauchen durfte nur er in ihrem Auto, seine schmalen filterlosen Selbstgedrehten, er war sich der Ehre bewusst. Und wenn die kleine Karre noch eine Kaffeebar beherbergt hätte, wäre alles perfekt gewesen.

„Ach verdammt, warum bist du nicht hier“, sagte sie laut und erschrak über ihre eigene Stimme. Sie unterhielt sich in Gedanken öfter mit ihm, erzählte ihm, was los war, fragte ihn hin und wieder, was er davon hielt und versuchte zu erspüren, was er vielleicht geantwortet hätte. Manchmal hatte sie das Gefühl von Erheiterung, manchmal von interessierter Anteilnahme, meistens war da einfach gar nichts. Aber viel zu oft nagte dann einfach noch das Alleingelassensein an ihr und sie wütete in Gedanken und warf ihm vor, wie es ihm einfallen konnte, einfach so wegzusterben. Viel zu jung und so. Überhaupt, hatten sie nicht miteinander alt werden wollen?

Wie jedes Jahr hielt sie an einer bestimmten Straßenecke und betrachtete die Jugendstilvilla einer Immobilienfirma, die alle 15 Sekunden in einer anderen Farbe angestrahlt wurde. Rot-violett-grün-blau. Künstlerisch ohne Zweifel wertvoll. Sie hatten sich beide gefragt, wie man die Farbwechsel die ganze Nacht aushielt, ohne verrückt zu werden. Rot-violett-grün-blau. Au-gen-ter-ror. Aber vielleicht wurde das Teil ja später am Abend abgeschaltet.
Neben ihr schien der Schatten plötzlich dunkler zu werden. Als sie anfuhr, hatte sie das Gefühl, dass sie nicht mehr allein war. Sie schüttelte den Kopf. Mach dich nicht verrückt.

Als sie auf ihrer Lieblingsstraße entlang der Elbe dahinrollte, riskierte sie erneut einen Blick auf die Beifahrerseite. Hm. Hier waren die Lichterketten der Weihnachtsdekorationen deutlich dezenter und seltener, die Gegend war erheblich teurer. Dafür waren die Ausblicke auf und über das Wasser Richtung Hafen bei jeder Tages- und Nachtzeit unbezahlbar schön. Sie stoppte in einer Parkbucht und blickte auf die schimmernden Lichter des Hafens, die niemals schliefen. Hier hatten sie öfter gestanden, gegessen, gelacht, diskutiert, meist tagsüber, wenn der Imbiss am anderen Ende aufhatte.

„Na?“ dachte sie. „Schön, dass du vorbeischaust. Wie geht es dir so?“
Ein Schwall von Liebe und Wärme traf sie völlig unvorbereitet. Für einen Moment meinte sie, seinen charakteristischen Geruch zu riechen. Eine Welle von Sehnsucht schwappte hoch und trieb ihr sofort die Tränen in die Augen. „Hab ich alles nicht so gewollt“, brummelte es in ihrem Kopf.
„Weiß ich doch“, schniefte sie und griff nach einem Taschentuch.

Vor ihr knallte es irgendwo. Zischend starteten ein paar Raketen. Über dem Hafen regnete es Licht. Idioten, die waren wirklich früh dran mit dem Feuerwerksgeballer dieses Jahr! Okay, dann war das wohl das Zeichen. Sie schob die trüben Gedanken weg und griff neben sich in die Tasche. Mit sicheren Handgriffen entkorkte sie die mitgebrachte Sektflasche und zog eine Handvoll Wunderkerzen hervor. „Komm mit raus“, bat sie sicherheitshalber.

Draußen hockte sie sich auf die Lehne einer Bank, entzündete nicht ohne Mühe die Wunderkerzen alle auf einmal und bewunderte ihre funkensprühende Faust. Sie nahm einen großen Schluck Sekt, verschluckte sich und trank noch mal. Er hatte keinen Sekt gemocht, aber sie vermutete, dass das jetzt eh egal war. Dann hob sie die Flasche, goss einen kräftigen Schluck auf den Boden, drehte sich in alle Himmelsrichtungen und prostete ihm zu.
„Happy birthday, Alter. Nur Gutes dir. Wo immer du auch bist.“

***

 

Dieser mein Text erschien am 10. Dezember letzten Jahres für und bei die/der überaus wertgeschätzte/n Frau Graugans im Rahmen ihres Projektes „Mutmaßungen über die L.i.e.b.e.“. Beim Wiederlesen habe ich gemerkt, dass er immer noch verdammt gut passt und dass ich ihn sehr mag. Und vielleicht kennt ihn der eine oder die andere ja noch nicht. Und nein, Udo Jürgens ist gewiss keine Option, musikalisch gesehen. Mit 66 Jahren … tja. Verdammt.

Dieses Jahr hab ich die Runde durch die Stadt noch nicht gemacht.

Update: Ich glaube, ich muss aber noch was richtigstellen. Bei einigen scheint mein Text den Eindruck erweckt zu haben, wir wären noch ein Paar gewesen, er und ich, als er starb. Dem war schon viele Jahre nicht mehr so, unsere Beziehung war einer tiefen, starken Freundschaft (mit Höhen und Tiefen) gewichen, die – selbstverständlich – auch andere Partner zuließ. Er war zum Zeitpunkt seines Todes nicht alleine, und daher gebührt es mir einfach nicht, dass der Anschein entsteht, ICH sei zu jenem Zeitpunkt die Frau an seiner Seite gewesen. Seine Partnerin ist Social-Media-abstinent, liest, soweit ich weiß, auch meinen Blog nicht, hat ihre eigene Verbindung zu ihm und ihre eigene Art zu trauern, so wie ich meine habe. Das ist alles okay und gut so, aber, wie gesagt, die Federn der „Partnerin“ gebühren mir nicht (mehr).

 

wunderkerzen | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Und dann waren es drei

Nein, Christiane hat kein Etüdensommerpausenintermezzo mehr, legt euch wieder hin. Wir spielen erst wieder ab nächsten Sonntag. Christiane … feiert heute Bloggeburtstag!!! Und zwar den dritten!

Wenn, wann nicht bei einer derartigen Gelegenheit, darf man mal öffentlich in seinen Zahlen blättern? Ich habe eben meine Posts zum ersten und zum zweiten Bloggeburtstag gelesen und war überrascht, als ich die Zahlen von vor einem Jahr fand: Dies hier wird der 674. Beitrag (vor einem Jahr war es der 515.), ich hatte „über 11.000 Kommentare“ (aktuell sind es über 18.500), und die Followerzahl ist von „über 280 Follower“ auf über 480 WP-Follower (plus ein paar E-Mail-Follower) hochgeschnellt. Auch wenn nach wie vor gilt, dass ich vermutlich die Hälfte aller Kommentare selbst geschrieben habe, ist dieser Anstieg an Followern im Wesentlichen den abc.Etüden zuzuschreiben, denke ich. Ich nehme das also zum Anlass, mich erneut bei dem Erfinder der Etüden zu bedanken, Ludwig, herzlichen Dank!

Am Ende des ersten Jahres hatte ich ein 365-Tage-Projekt erfolgreich abgeschlossen. Am Ende des zweiten Jahres hatte ich Irgendwas ist immer, einen bunten Alltagsblog mit durchaus schon ein paar Schreibexperimenten (hallo Jutta!), wo ich aber froh war, wenn ich ein-, zweimal in der Woche etwas gepostet bekam. Und Vogelbilder natürlich! Das ging dann so weiter, und dann kam Anfang 2017 Ludwig mit seiner Idee für die Etüden um die Ecke. Der Rest ist sozusagen Geschichte, und jetzt, am Ende meines dritten Blogjahres, bin ich/habe ich der/den Blog, der die Etüden hostet UND ein neues Blogkind: die Regensucherin, einen Blog, der sich dem Regen widmet.
Wie ich das finde? Ich finde das großartig! Ausblick fürs nächste Jahr: Ich möchte gern öfter mal wieder was schreiben, was nichts mit den Etüden zu tun hat. Aber, ehrlich gesagt, die Etüden verlangen auch schon ihre Aufmerksamkeit, und ich will die auch nicht zurückfahren. Nur leider hab ich auch sonst noch was zu tun …

Kommen wir zu dem erfreulichen Teil des Tages. Den Geschenken.

GewinneGewinneGewinne?!?! Jawollja!

Wer gewinnt? Da habe ich mir was ausgedacht. Follower kommen und gehen aus den unterschiedlichsten Gründen, das kennt ihr und erlebt ihr auch alle. Ich möchte die drei Blogs auszeichnen, dir mir am längsten folgen und noch aktiv sind (soll heißen, nicht vor Monaten zuletzt was gepostet haben, sondern die regelmäßig bloggen).

Was gewinnt ihr? Entweder ihr schreibt mir eine kurze Mail, in der ihr mir eine Postadresse angebt, dann setze ich eine Kleinigkeit, die in einen Briefumschlag passt, in eure Richtung in Marsch, oder aber, wenn ihr das nicht wollt, denkt euch was aus, was ich euch online erfüllen kann. Ich verspreche, dass ich es seeeeeeehr ernsthaft … versuchen werde (weiß ja nicht, was kommt).

Wer ist es denn nun?
*Trommelwirbel*
Ladies and Gentlemen, the Oscar Blumenpott goes to …

… meiner allerersten, wunderbaren Followerin, die jeden Tag einen lebensklugen Satz postet: Marion vom Findesatz-Blog
… einer Frau, die Schönheit im Kleinen und Alltäglichen sieht und sie fotografiert: (Gar nicht) einfach Matilda
… der Wolkenbeobachterin, bei der es Gedichte, Prosa, kluge Gedanken und viel Musik gibt: Ameisen im Kirschblütenhaufen.

Meldet euch bitte in irgendeiner Form, ihr Lieben!

Ihr anderen, die ihr mir Tag für Tag durch euer Da-Sein, Mitlesen und Kommentieren mein Blogleben versüßt, ein fettes Danke auch an euch!
Ohne euch wäre mein Leben ärmer.

Und ach, ich habe eine Frage: Was würdet ihr sagen, ab wann ist ein (nicht-kommerzieller) Blog erfolgreich?

 

bloggeburtstag 3 | 365tageasatzadayQuelle: meineArbeitmitSP-Studio-Avataren/Pixabay-Fotos

 

Und wer ein bisschen Zeit hat, mag sich vielleicht hierfür begeistern: der weltbeste musikalische Kettenbrief, das grandiose „One World One Voice“-Konzert von 1990 in guter Qualität am Stück. Ich bin so glücklich, den mal in dieser Form entdeckt zu haben.

 

 

Update: Es gibt auch noch die Doku dazu auf YT, die Qualität ist nicht besonders, da es der Mitschnitt der deutschen Fernsehsendung von 1990 ist, aber immerhin, es macht die Sache viel leichter zugänglich. Schaut also zuerst die Doku und wechselt, wenn der Musikteil anfängt, zu dem besseren Video (oben)  😉

 

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Mutmaßungen über die L.i.e.b.e.

 

65 ist doch kein Alter

Adventszeit. Die Unruhe hatte sie nachmittags aus dem Haus getrieben. „Kommst du mit, Weihnachtsbäume zählen?“, hatte sie früher ins Telefon gerufen. Das Auto hatte wie von selbst die vertraute Route eingeschlagen. Es war schon dämmerig, und rechts und links blinkten immer wieder Nikoläuse und Rentiere an den Straßen. Und bunt beleuchtete Tannenbäume. Schön war das.
Wie so oft entspannte sie sich beim Autofahren. Schön und schrecklich und kitschig und doch auch ein bisschen feierlich. Sie spähte aufmerksam in eine Seitenstraße. Hatte dort hinten nicht immer dieses riesige Monster …

Klicken zum Weiterlesen!

 

Wunderkerze | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Dieser mein Text erschien gestern als Teil des großartigen 24-Tage-Projekts von Frau Graugans: Mutmaßungen über die L.i.e.b.e.

Daher möchte ich euch bitten, den Rest meiner Geschichte bei ihr zu lesen. Liebe Margarete, vielen Dank für die Einladung, hat mich sehr gefreut.

Einen schönen 3. Advent euch allen!

 

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Ubi bene, ibi Fellträger

Wer jemals Latein hatte oder in Sprichwörtern bewandert ist, wird jenes „Ubi bene, ibi patria“ („Wo es mir gut geht, ist das Vaterland“) kennen, über das man mit Sicherheit lange und gerechtfertigt diskutieren könnte. Heute will ich aber auf etwas anderes hinaus, das man auch mit „Eine Katze gibt dem Haus eine Seele“ (Urheber: möglicherweise Jean-Paul Clébert) umschreiben kann.

Ziemlich widrige Umstände (ein Wasserschaden) trieben mich die letzten 6 Wochen außer Haus, quasi ein Teil-Umzug/-Auszug. Nun kann man mich in ein 1-Zimmer-Apartement stecken, ich würde das überleben, sofern es Internet-Anschluss hat. Wer es nicht überleben würde, ist das felltragende Biestie, das Biestie ist Freigänger. Wenn der gesund und munter und länger als 24 Stunden eingesperrt ist, geht er die Wände hoch, und ich mit ihm, falls ich in dem betreffenden Raum sein muss. Meine größte Sorge war also: Was passiert mit dem Fellträger, wenn ich hier raus muss? Trennung, er also in ein Tierheim/Katzenpension? Abgesehen von den Kosten: NEVER EVER. Geht gar nicht, er hat es nicht so mit Artgenossen, das ist nur Stress.
Schließlich hatten wir wahnsinniges Glück, wir durften für die Zeit in ein ruhiges, leerstehendes, großes Haus mit einem echt fetten Garten mit vielen Bäumen.

Aber mit der Freude kamen auch die Bedenkenträger: Du willst den doch nicht etwa dort rauslassen? Ähm, doch, deshalb ja das Theater. Ja, und wenn er dir abhaut? Katzen sind doch standorttreu, der läuft bestimmt wieder zurück, wirst du ja sehen. Lass sicherheitshalber schon mal deine Telefonnummer da. Gut, das ist eh keine schlechte Idee, die Nachbarn zu bitten, mal aus dem Fenster zu schauen, ob da ein quakender hungriger Fellträger sitzt. Und den Rest … werden wir ja sehen.

Zwei Nächte dauerte es, bis er anfing, richtig zu nerven und ich dachte, okay, jetzt ist Training angesagt. Also ging ich mit ihm ein paarmal rein und raus, zeigte ihm den Garten, zeigte ihm seinen Eingang und bewies ihm im nächsten Schritt, dass ich angerast kommen würde, wenn er an der Tür stehen und maulen würde. Jederzeit. (Ich schlief nämlich im Zimmer neben besagter Tür.) Und abends entließ ich ihn zum ersten Mal in die Dämmerung mit klopfendem Herzen und der Angst, ab dem nächsten Tag vielleicht doch mit Suchzetteln die Laternenpfähle zupflastern zu müssen.
Unbegründet. Nachts um 3 schrie es vor der Tür. Man war hungrig, fraß sich satt und ging wieder raus. Ein oder zwei Nächte später kamen die ersten Mäuse mit. Ein „Mau“ klingt deutlich anders, wenn man den Mund nicht aufbekommt, weil eine lebende Maus drinsteckt 😉

Und so pendelte es sich ein. Er war kürzere Intervalle draußen als normal und, meiner Meinung nach, viel schreckhafter. Aber er blieb bei mir (von wegen abhauen, und es wäre nicht sooo weit gewesen) und kam nachts so regelmäßig, dass ich die Uhr fast danach stellen konnte. Tagsüber freute ich mich, in mein Interims-Zuhause zu meiner wartenden/dösenden Katze zu kommen, denn wo die Katze ist, da geht es mir gut, siehe oben. Er ist meine Katze, er ist eine überaus menschbezogene Katze. Ich bin sein Mensch, den er sich ausgesucht hat. Wir sind füreinander megawichtig 🙂
Jenes denkwürdige Ereignis jährte sich gestern, um auch das Thema noch mal aufzuwärmen. Katzenliebe: Was für ein Geschenk das ist!

Nachspann: Wir sind zurück. Er hat den Rückzugsstress ängstlich, aber gelassen ertragen und verschwand nach kurzer Inspektion neuralgischer Punkte (wer hat in meiner Abwesenheit denn da alles gegengestrullt?) nachts zu ausgedehnten Katzengeschäften. Nicht ohne um 3 Uhr maulend auf dem Dach zu sitzen: Kannst du vielleicht mal aufmachen, ich hätte jetzt gern was zu essen. Alles beim Alten also. Abenteuer bestanden. Ich bin so froh.

 

katze im garten – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst und der Tiger meines Herzens

 

Happy Fellträger

I am so good at sleeping, I can do it with my eyes closed.
(Ich bin so gut im Schlafen, dass ich es mit geschlossenen Augen kann.)
(Autor unbekannt)

Da ich sein Geburtsdatum nicht kenne, habe ich mich entschlossen, des Tages zu gedenken, als er zum ersten Mal hungrig und auf der Suche nach Anschluss seine vier Pfoten über meine Schwelle setzte. Ein Freund versorgte mich mit Katzenfutter (man muss Gästen ja was anbieten), mein Lieblingsmensch sagte später angesichts des im Baum herumtobenden Fellträgers: „Ich glaube, wenn du willst, hast du eine Katze.“

Ich dachte da noch, dass er eine Urlaubswaise sei und dass ihn jemand bestimmt vermissen würde, menschenerfahren wie er eindeutig war. Das denke ich eigentlich immer noch, aber WAS ich inzwischen sagen kann, ist, dass nirgendwo in der Nähe Zettel („Suche verzweifelt Katze!“) mit seinem Bild auftauchten, und dass unser Tierheim, wo ich ihn meldete, froh war, dass ich ihn nicht bei ihnen abgeben wollte.

Seitdem habe ich einen Rund-um-die-Uhr-Job. Bin Dosenöffnerin, Füße-und-Fell-Trocknerin, Türöffnerin, Kraulerin und die, zu der man gerannt kommt, wenn was ist und der man alles mitbringen kann, was man so erlegt hat, wenn man gelobt werden will. Man liebt, beschnurrt, kratzt und beißt, behütet und ignoriert mich, je nach Laune.

Ich kann nicht wirklich abstreiten, dass ich diesen Aufträgen mit Freude nachkomme … 😀

 

Fellträger auf der Lieblingsbank – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst mit dem Tiger meines Herzens

 

Morgen für Morgen kommt man zur Welt

Morgen für Morgen kommt man zur Welt.

(Eugène Ionesco, Quelle)

Was ist die Folgerung? Dass sich an jedem Tag alles ändern kann? Dass jeden Tag alles neu ist? Dass wir jeden Tag so leben sollten, als ob es ein besonderer Tag wäre? Das sind zumindest alles Ansätze, die das Nachdenken lohnen. Und wenn man jeden Morgen neu zur Welt kommt, dann sei da auch die Frage erlaubt: Wo war man vorher? Ist der Hafen, dem man jeden Morgen entschlüpft (der Schlaf, das sichere Bett), also nicht „Welt“?

Wie dem auch immer sei, eine Freundin bat um ein Bild von dem Minifroschi aus dem Arboretum. Hier! Ich war versucht, eine 2-Cent-Münze daneben zu schmeißen um der Größenverhältnisse willen, wollte ihn aber nicht noch zusätzlich erschrecken, er hatte eh schon mächtig Stress und es sehr eilig, als er den Sandweg überquerte.

Kleiner Frosch im Arboretum – 365tageasatzaday

Quelle: ichmeinerselbst

 

Außerdem hat mich die Nachricht erreicht, dass ich mich über die Ankunft eines bestimmten neuen Erdenbürgers freuen darf. Und genau das tue ich hiermit. Ich freue mich. Happy Birthday, Kleines! Happy Kind, Mama + Papa! 🙂

Mohnknospe  im Arboretum – 365tageasatzaday

Quelle: ichmeinerselbst

 

Wer weiß

Es scheint, was auf der Welt geschieht | Bedrängt in dieser Zeit | Die Menschen mehr als je zuvor | In der Vergangenheit

Wer weiß, was uns die Zukunft bringt | Die niemand von uns kennt | Lasst, Freunde, uns an diesem Tag | Vergessen, was uns trennt

(Hannes Wader, Wer weiß, kompletter Text hier)

 

Heute hätte mein Vater Geburtstag gehabt. Er ist (Ende der 80er) vor mehr Jahren gestorben, als ich die Freude hatte, mit ihm zu verbringen, dennoch denke ich oft an ihn. Ich hätte ihn gern im Alter erlebt. Wader hat er gemocht. Passen tut das Lied immer noch. Aktuell sowieso. Er hätte das auch so gesehen.