Erinnerung – Freitag, 3. Oktober 2014

Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.

(John Lennon)

 

Nicht, dass das Fernsehen uns seit Wochen nicht daran erinnern würde. Auch wenn es noch keine 25 Jahre her ist, krame ich heute, an dem dazugehörigen Feiertag, die Erinnerung hervor.

Ich war nicht in Hamburg, ich war auf dem Land. Meine Mutter kam zu mir und sagte: „Christiane, die Mauer fällt. Sie haben es gerade im Fernsehen gesagt.“ Wir sahen uns an. Geschichte wird gemacht. Wir waren dabei und gleichzeitig nicht dabei, denn wir waren weit weg von der (jetzt nicht mehr) Zonengrenze. Draußen war (und blieb) alles ruhig. Kein Trabi, der zum Bejubeln durch die nächtlichen Lande fuhr, ganz anders als in Hamburg, wie ich später erfuhr, wo die Reeperbahn von Ostdeutschen gestürmt wurde.

Und da saßen wir dann, wenig später, machten eine Flasche Wein auf, tranken im Bewusstsein der großen Veränderung und sprachen darüber, wie sehr unsere ziemlich frisch Verstorbenen (mein Vater (West) und seine Mutter (Ost), von daher sehr vermisst), dieses Ereignis herbeigesehnt hatten. „Morgen rufen wir sie an“, sagte meine Mutter und meinte meine Tanten, die in einem Städtchen direkt hinter der Grenze (Ost) lebten.

Am nächsten Abend waren beide schon „über die Grenze“ gegangen. Zu Fuß! Mit Hunderten anderen. Und zurückgegangen, klar, wo anders wollten sie sonst auch hin als nach Hause? Es war wahr, die Grenze war offen. Unfassbar.

 

Berliner Mauer – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay