Flötentöne | abc.etüden

Bitteschön, die Fortsetzung von Selbst dran schuld von letzter Woche.

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Er würde ihr schon noch die Flötentöne beibringen, hatte er am Telefon großmäulig gedroht, das ließe er sich nicht gefallen, was sie denn glaube, wer sie denn schon sei, wenn sie sich da mal nicht verrechnet hätte. Nun, sie war erst mal aus der Schusslinie, mit einem guten Arzt war es kein Problem, für ein paar Wochen mit einer Burn-out-Diagnose abzutauchen.
Und nach allem, was ihr ihre Kollegin vorhin brühwarm am Telefon berichtet hatte, würde auch er bald einen guten Arzt brauchen – so oder so. Denn nicht nur, dass er immer öfter brüllend mit einer bedenklich hochroten Birne durch die Firma raste; nachdem er heute die Schnepfe vom Empfang angeschrien hatte, war die zusammengeklappt und hatte angeblich was von „schwanger“ geschluchzt.

Ein Schuss, ein Treffer? Das wusste keiner, leider, noch nicht, aber auch das Geheimnis um diese Vaterschaft würde sich schon noch lüften lassen, sie konnte warten, in der Firma blieb auf Dauer nicht allzu viel geheim.
Ach, wie ärgerlich für ihn. Wie gut er wohl damit klarkam, wenn noch eine den Aufstand trainierte? Sie hatte da so ihre Zweifel.

Man würde sehen, wie das mit den angekündigten Flötentönen ausgehen würde, aber das dazugehörige Notenblatt hielt momentan eindeutig sie in den Händen, so viel stand mal fest.

 

2018_16_1_eins lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 16.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von mir und lauten: Notenblatt, schwanger, trainieren.

 

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Schreibeinladung für die Textwoche 16.18 | Wortspende von Irgendwas ist immer

Es ist irgendwie blöd, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, sich selbst anzukündigen, das denke ich jedenfalls immer, wenn ich mal wieder dran bin. Noch dazu, wo ich mich quasi schon die Bredouille geritten habe, meine angefangene Etüde weiterzuschreiben (in den Kommentaren zur Etüde). Tja, nun. Selbst dran schuld, ich sags ja.  ;-)

Die Wörter für die Textwoche 16.18 stammen also dieses Mal von mir (Irgendwas ist immer) und lauten:

Notenblatt
schwanger
trainieren.

Wie immer (1) bin ich megamäßig gespannt, was euch dazu einfällt. Wie immer (2), ihr wisst: Diese 3 Wörter bitte in maximal! 10! Sätzen unterbringen! Wie immer (3) stammen die Illustrationen (die so richtig nach meinem Geschmack sind) von dem werten Herrn lz., vielen Dank, Ludwig!
Euren Beitrag verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüde auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gefunden werden kann.

 

2018_16_1_eins lz | 365tageasatzaday

 

2018_16_2_zwei lz | 365tageasatzaday

 

Verweigerung | abc.etüden

Das Leben war nur noch eine Bürde, er hasste den Alltag, eine Spirale abwärts. Sein Leib uferte aus, weil es ihm egal war, was er ihm antat, er lebte nur noch in seinem Kopf.
Als es schließlich sogar zu schwierig für ihn wurde, sich ohne fremde Hilfe sauber zu halten, sah er draußen die Blicke von „Friss nicht so viel“ zu „Schau dir mal den Penner an“ wechseln. Dass seine Hosen speckig glänzten, kümmerte ihn nicht, aber hin und wieder fiel selbst ihm auf, dass er stank, die anderen machten längst einen Bogen um ihn. Er hatte sich anfangs gegen einen Rollator gewehrt, mit so einem Ding durch den Supermarkt zu schieben, war ihm als der Gipfel der Erniedrigung vorgekommen, jetzt lernte er, dass es noch schlimmer ging: Er schaffte es gerade mal über den Hof.

Die Seele ignorieren, den Körper nicht beachten. So leicht, die Tage mit Computerspielen, Fernsehen und Essen zu füllen, immerhin trank er nicht, nie; wozu gab es Lieferdienste? Er besaß weder einen Spiegel noch eine Waage, wenn er sich jedoch mal auf den Hof in die Sonne traute, bemerkte er, dass die Blicke von Verachtung zu Betroffenheit gewechselt hatten. Das machte ihm Angst, die er nicht zugeben und nicht empfinden wollte, daher ging er immer seltener hinaus … bis es zu spät war.

Wir alle sehen von außen, wo es hinführt, aber wann fängt es an und warum, was läuft schief?

 

2018_02.18_2_zwei_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 02.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von mir und lauten: Bürde, speckig, schieben.

Keine schöne Geschichte, schon klar, wollte aber geschrieben werden.

 

Schreibeinladung für die Textwoche 02.18 | Wortspende von Irgendwas ist immer

Hurra, hurra, hurra, liebe Etüdenfans, -leser/innen und -schreiber/innen, die fetten (physisch, psychisch, beides, manche nennen jene Tage bezogen auf letzteres ja auch eher mager) Tage sind vorbei, wir haben uns alle erfolgreich irgendwie ins neue Jahr gemogelt und die „normalen“ Etüden nehmen wieder Fahrt auf. Wem die Tage physisch zu fett waren, der/die wird jetzt bombadiert mit allen möglichen Diäten und Aufrufen, doch mehr Sport zu treiben, denn wer jetzt anfängt, der schafft ja vielleicht noch die Traumfigur für den Sommer *haarerauf*.
Sei dem, wie es wolle, hier sind erst mal die neuen Wörter für die Textwoche 02.18, gestiftet von mir, wie immer in Szene gesetzt von dem freundlichen Herrn lz. (danke, Ludwig!), wobei ich mir diesen Text zu den Wörtern ausgedacht habe und nicht etwa umgekehrt:

Bürde
speckig
schieben.

Wie ihr wisst, gilt es, diese 3 Wörter in maximal! 10! Sätzen unterzubringen. Wobei es in der letzten Zeit eine lustige Diskussion gab, wie da gezählt wird. Da mir bewusst ist, dass sämtliche (ernst gemeinten, von Profis, also nicht ich hier jetzt) Definitionsversuche eines Satzes Lücken aufweisen (Wikipedia), versuche ich es mal damit, dass für mich normalerweise ein Satz mit Punkt, Ausrufezeichen oder Fragezeichen endet (und jetzt komm mir keiner mit Einschüben, die mit einem Ausrufezeichen abgeschlossen werden!) und nach einem Doppelpunkt weitergeht: Letzteres speziell ist diskutabel, ja, bietet aber die Möglichkeit, mehr Text unterzubringen, wenn benötigt. Ob das stilistisch schön ist, steht sowieso auf einem anderen Blatt.

Wo war ich? Ach ja. Euren Beitrag verlinkt ihr dann bitte hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüde auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gefunden werden kann.

Na? Alle wach, alle dabei? Fein. Dann los.

 

2018_02.18_1_eins_lz | 365tageasatzaday

 

2018_02.18_2_zwei_lz | 365tageasatzaday

 

Glück, ein unglückloser Zustand

Irgendwas ist immer. Diesen Stoßseufzer, den ich mir eigentlich als positives und nur maximal leicht resigniertes Blogmotto und Schreibaufforderung (an mich) auserkoren habe, kann man natürlich auch als Aufforderung zum Bruddeln (wie die Schwaben das nennen, wenn ich das richtig verstanden habe, hier nachlesen, großartig) nehmen: Irgendwas passt schließlich immer nicht.

Nun bin ich ganz sicher nicht die Richtige, irgendwas Endgültiges darüber zu sagen, wie Schwaben etwas meinen. Und dass mit Fremden anders gesprochen wird als mit Einheimischen ist eh klar, das handhabt jeder Landstrich so. Noch dazu bin ich mentalitätsmäßig eindeutig norddeutsch und nicht mal „reigschmeckt“.
Wenn aber die einzige erlaubte Äußerung eine Form von Kritik ist, da man nämlich nicht laut lobt („Nix gschwäddzd isch gnuag globd“ = „Kein Kommentar ist Lob genug“), dann zerbreche ich mir über die dahinterstehende Mentalität allerdings den Kopf. Im Ländle soll das ein überaus verbreiteter Ausspruch sein! Wie soll mensch aber dann Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten oder sogar Stolz auf eigenes Können entwickeln, wenn der Standard (!) ist, dass an allem mehr oder weniger ausführlich herumgekrittelt wird? Jeder, der das während seiner Erziehung verinnerlicht hat, muss doch quasi bei jedem „Hey, toll!“ denken, dass der andere ihn zuschleimt, oder sehe ich da was falsch?

Bescheidenheit ist ganz sicher eine Zier. Aber wenn man nie ein Gefühl dafür entwickeln durfte, was das, was man tut, wert ist, dann hat man keine innere Basis für Bescheidenheit, dann ist man einfach nur abhängig davon, dass jemand nichts sagt und gnädig nickt. Muss ich ausformulieren, dass ich finde, dass sich das scheiße (Adjektiv laut Duden, man lernt nie aus) anfühlt? Und jetzt habe ich solche Reizworte wie „Motivation“ oder „Managementtechnik“ noch nicht mal gebraucht. Wenn man also nicht lobt, dann ist es kein Wunder, dass der Schwabe (außerhalb Schwabens selbstverständlich  ;-) ) in dem Ruf steht, gern sein Missfallen kundzutun („bruddeln“).

Kurt Tucholsky war alles, aber kein Schwabe. Interessanterweise sind aber auch die Berliner dafür bekannt, an allem etwas auszusetzen zu haben. Und auch wenn das eine sehr wackelige Brücke ist, über die ich da gehe, möchte ich doch zum Anfang zurück: „Etwas ist immer.
Diesen Ausspruch hat nämlich Tucholsky feinsinnig und spitzzüngig bekannt gemacht. „Arthur Schopenhauer hat ja das Glück als den unglücklosen Zustand definiert und damit das Malheur als das Primäre angesehen. […] Unser Apparat ist viel zu groß. Kein Wunder, wenn immer irgendein Rad zerbrochen ist, eine Kette schleift, eine Schraube quietscht. Mit dem Aufwand, den wir heute treiben, eine lange Reise zu tun, haben die Griechen früher ihre kleinen Kriege absolviert, und Ruhe geben wir nie. […] Etwas ist immer. Es hat nie eine treffendere Redensart gegeben“ (aus: Die Redensart. Peter Panter, Die Weltbühne, 14.06.1923, Nr. 24, S. 701. Ganzen Text lesen.).

Das Ganze in Gedichtform (ebenfalls von Herrn Tucholsky) gefällig? Bitteschön.

 

Ja, das möchste!

 

Aber, wie das so ist hienieden:

manchmal scheints so, als sei es beschieden

nur pöapö, das irdische Glück.

Immer fehlt dir irgendein Stück.

Hast du Geld, dann hast du nicht Käten;

hast du die Frau, dann fehln dir Moneten –

hast du die Geisha, dann stört dich der Fächer:

bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der Becher.

 

Etwas ist immer.

 

(aus: Das Ideal. Theobald Tiger, Berliner Illustrirte Zeitung, 31.07.1927, Nr. 31, S. 1256. Ganzes Gedicht lesen.)

 

Wer das nun alles nicht möchte, dem sei obiges Gedicht zum Anhören wärmstens ans Herz gelegt, in einer Aufnahme mit dem unvergleichlichen Harry Rowohlt, gegen den nun wirklich aber auch gar nichts gesagt werden kann, außer, dass er leider schon tot ist.
Irgendwas ist eben immer.

 

 

 

Kartenhaus – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay