Lost in the woods ;-)

Rund um den Wildpark Schwarze Berge verläuft der Wanderweg W2, laut Homepage beschrieben als: „Die kurze und waldreiche Tour mit zwei längeren aber mäßigen Steigungen ist besonders für Familien geeignet, die als Ergänzung zu einem Besuch im Wildpark Schwarze Berge oder im Freilichtmuseum am Kiekeberg eine kleine Wanderung unternehmen möchten.“ Länge: sechs Kilometer, „überwiegend gut begehbare naturbelassene und befestigte Wege“, „Tour ist vollständig beschildert/markiert“. Zumindest Letzteres wage ich zu bezweifeln.

Ich hatte eine Freundin zu Besuch, wir wollten uns nicht abstrampeln. Sechs Kilometer klang nett. Wir ließen also das Auto am Wildpark und liefen fröhlich in den Wald. Fehlten nur noch das rote Käppchen und der Korb. Und die Großmutter. Anfangs war alles gut ausgeschildert, abgesehen davon, dass ich das allererste Teilstück eh kannte. Dann bogen wir rechts ab und liefen in Richtung Heidefriedhof. Sehr nett. Mehr als kinderwagentauglich. Komplizierter wurde es erst, als wir die Pampa betraten, die unmittelbar nach dem Friedhof begann. Plötzlich waren wir (vermutlich) auf einem Nordic-Walking-Trail, und W2 ging irgendwann davon ab, ja, hurra, mit Schild. Von wegen, befestigt. Von wegen, bequem zu zweit nebeneinander gehen und quatschen. Jetzt wurde „mäßig“ steigend bergauf gewandert! Hintereinander! Als wir oben waren, zweigte ein Weg nach rechts ab und unser Trampelpfad führte geradeaus weiter. Bergab.
Da die inzwischen angeschaffte Wanderkarte von einem scharfen Knick nach rechts sprach und geradeaus auch nicht näher beschildert war, bogen wir ab. Weiter bergauf. Vermutlich war das der Fehler, denn binnen kürzester Zeit standen wir in zwar sehr hübschem Wald, SEHR, SEHR HÜBSCH, und waren auch auf irgendwelchen unbefestigten (pardon, naturbelassenen), aber ausgetretenen Wegen unterwegs (ich hatte neulich erwähnt, dass die Harburger Berge von Wander-, Rad-, Nordic-Walking- und Reitwegen durchzogen sind?), aber W2 hieß keiner davon, wie uns ein gelegentliches Schild feststellen ließ.

Was also tun? Das Ganze war keineswegs ein Anlass zu größerer Sorge; die Sonne schien, und sowohl laut Karte als auch meiner Orientierung lag der Wildpark südlich von uns. Würden wir also strikt nach Süden (hallo, Sonne!) gehen, würden wir irgendwann mit der Nase am Zaun des Parks enden. Easy? Easy.

Blöd nur, dass meine Freundin wirklich schon mal „lost in the woods“ gewesen war, und zwar im Harz, mit Gepäck auf dem Rücken und von mitwandernden Idioten verlassen. Eine Erfahrung, die eher Albtraumcharakter gehabt hatte, und von der sie immer noch zehrte: SIE sah die Tatsache, dass ich nicht genau wusste, wo unser Weg verlief und wie wir aus diesem wunderschönen Wald wieder hinauskommen würden, lange nicht so entspannt wie ich, die ich überzeugt war, dass wir schon bald irgendwo ankommen würden, vermutlich nur nicht genau da, wo wir eigentlich geplant hatten.
Nachdem auch mir dann endlich klar geworden war, dass sie glücklicher sein würde, wenn sie sich orientieren könnte, bemühte ich mich darum, den Waldrand zu finden.

Das ging dann erfreulicherweise auch ganz gut. Wir krabbelten eine nicht sonderlich familientaugliche Böschung nach oben (auf einem Trampelpfad) und sahen am Horizont Hausdächer auftauchen. Die Hausdächer gehörten zu einem Dorf (Ehestorf), wir stießen auf eine Straße, die wir schon mit dem Auto entlanggekommen waren, und tappten (nun wieder) entspannt in Richtung Wildpark, vorbei an „Land-Art“, sieben Kreisen aus Stein, und einem abgeernteten Sonnenblumenfeld. Ästhetik des Verfalls.

Fazit: Keine Ahnung, wo genau im Wald wir rumgelaufen sind, W2 war es jedenfalls nur zum Teil. Aber sechs Kilometer waren es laut Schrittzählern dennoch, eher sogar knapp sieben (10.405 Schritte). Ich werde da noch mal hinmüssen, aber dann vielleicht doch lieber allein.
Ob besagte Freundin das Mini-Abenteuer gut überstanden hat? Sie spricht jedenfalls noch mit mir 😉 – und sollten wir sonnige und trockene Oktoberwochenenden bekommen, wollen wir vielleicht zusammen bisschen in der Lüneburger Heide herumrennen. Aber noch ist nichts fix.

 

Quelle: ichmeinerselbst, Anklicken macht wie üblich groß

 

Sollte der Titel dieses Beitrags jemanden an etwas erinnern … jaaaaaa, mich auch.
Let me bring you songs from the wood … 😉

 

 

Und hier hatte ich ein Interview mit Ian Anderson verlinkt.

 

Stille Geschichten

Es war seine Stimme, die mir als Erstes an ihm auffiel. Er sprach sanft, behutsam, als wolle er beim Sprechen achtgeben, nicht zu fest aufzutreten, die Stille nicht zu verscheuchen mit einem zu lauten Wort.
(Ulrike Schäfer, Nachts, weit von hier, aus: Reparaturen)

Dinge, Geschehnisse, Gefühle aufzuschreiben ist das eine, und das ist manchmal schon schwer genug. Und missverständlich, wenn man nicht aufpasst. Je dichter man dran ist usw.
Was ganz anderes ist die Frage nach dem WIE. Wie schildert man das, was ziemlich unsagbar ist, wie schildert man Zwischentöne, in welche Bilder fasst man Gefühltes? Ich bin einer Leseempfehlung von Birgit auf Sätze&Schätze gefolgt, die von den Erzählungen von Ulrike Schäfer „Nachts, weit von hier“ schwärmte und kann mich ihr nur anschließen: ach, wie schön. Ach, wie klug, wie leicht, wie eindringlich, wie atmosphärisch dicht, wie nachhallend. Dieses Buch werde ich ganz sicher nicht nur einmal lesen.

Hier ist die Webseite der Autorin, hier ist die Seite ihres Buches beim Verlag.

Wer gern etwas Musik möchte, dem sei völlig subjektiv dies hier empfohlen. Ich behaupte nicht, dass es zur Lektüre passt, aber mir ist gerade danach.

Habt einen guten Tag!

 

Sonnenaufgang – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Flötenspieler auf einem Bein

Er ist nach eigener Aussage „dieser Langhaarige, der auf einem Bein steht und Querflöte spielt“. Und zwar wie verrückt, wenn ich das hinzufügen darf. Seit vielen, vielen Jahren. Sein Name ist Ian Anderson, seine Band heißt/hieß Jethro Tull.

Ich hab Jethro Tull nie live gesehen. Ich war wohl nie zur richtigen Zeit am richtigen Ort; als ich sie hätte sehen müssen, war ich noch zu jung. Und als ich gestern über ein großartiges Interview mit dem leicht schrägen Ian Anderson stolperte (SPIEGEL, 04.05.2015, „Sagen Sie nicht Herr Tull zu mir!„) schob ich anschließend vergnügt „Aqualung“ in den Player.

Kleine Fluchten, die nächste. Auch eine CD für das Baumhaus. Macht es euch nett, das Leben ist oft unschön genug, und vieles lässt sich mit guter Musik zumindest bisschen leichter aushalten …

 

Hier, zum Reinhören …

Jethro Tull, Bourée, 2008 (ein Stück, das auf Johann Sebastian Bach zurückgeht)

 

Und 1978 (!!!!) mit Songs from the Wood