Alphabet | Etüdensommerpausenintermezzo III-2020

Ich bin müde, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, auch bisschen blogmüde. Mit äußerer Ruhe sieht es zwar momentan ganz gut aus, aber um meine innere Ruhe war es die letzte Zeit nicht so besonders bestellt – ich schaue, dass ich die freien Stunden des Tages irgendwie herumbekomme, muss höllisch aufpassen, dass nicht alle guten Vorsätze den Bach runtergehen und habe null Lust, irgendwie kreativ zu werden. (Nein, ich hätte die Challenge nicht lieber gelassen, aber … hm. Keine Sorge: Wird schon besser. Aber das kann man unterstützen oder behindern, und ich gebe mir Mühe, Letzteres zu vermeiden.)
Null Bock auf Schreiben ärgert mich aber dann doch, so nötig wie es ist, dass ich mir endlich mal wieder (zum Beispiel) Zeit zum Lesen nehme. Ich bemerke nämlich deutlich, dass sich in meinem Hinterkopf doch noch ein „7 aus 12“-Text aus dem Nebel formt. Und auch die Idee für die Adventüde kratzt schon und bittet um Einlass.

Demzufolge habe ich kraft souveräner Willkür beschlossen, dass die Zeit für mögliche „7 aus 12“-Texte weiterläuft. Wer also noch will, wer noch mal will: bitte schön, liebend gern! Gern hier oder drüben verlinken, ich suche sie mir dann zusammen.
Und weil wir gerade dabei sind: Hier kommt also erst mal der Zwischenstand der bisher eingegangenen „7 aus 12“-Texte. Die Liste führt Werner mit unglaublichen 3 Texten an, Ellen, Ulrike und Judith glänzen jeweils mit 2 Texten. Und ich begrüße hier auch noch mal einen Neuankömmling: Christian vom Blog wortverdreher, willkommen bei den Etüden bzw. beim Etüdensommerpausenintermezzo, schön, dass du uns gefunden hast! :-)

Sagt bitte wie immer Bescheid, falls ihr euch oder jemanden vermisst. Und danke schön fürs Mitschreiben an alle!

Corly in Corlys Lesewelt: hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier und hier
Ellen auf nellindreams: hier und hier
Kain Schreiber auf Gedankenflut: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier
Ulrike auf Blaupause7: hier und hier
Olpo Olponator auf olpo run: hier
Veronika auf vro jongliert: hier
Judith auf Mutiger leben: hier und hier
Carmen in der Wortwabe: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
René auf „Wer lesen kann, liest hier. Über Berlin“ – Der BerlinAutor: hier
Christian auf wortverdreher: hier
Yvonne auf umgeBUCHt: hier
Natalie vom Fundevogelnest: hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier
Puzzleblume auf Puzzle: hier

Und ich entschuldige mich explizit bei denen, die sich beeilt haben, ihren Text noch „just in time“ unterzubringen. Sorry, vor drei Wochen war mir das noch überhaupt nicht klar, dass ich selbst in Schwierigkeiten geraten könnte.

 

 

Etüdensommerpausenintermezzo 2020 – Alphabet | 365tageasatzadayAlphabet ohne Oberthema | Quelle: ichmeinerselbst | Klick macht groß!

 

Was hat es nun mit dem „Alphabet“ auf sich? Die Idee ist nicht neu, ich greife sie hier von Jutta Reichelt auf, die sie in „F wie fiktiv! Alphabete als Schreibanregung“ vorgestellt hat.
Also, erstens: Ihr sucht euch ein Oberthema. Nehmen wir beispielsweise „Garten“. Dann sucht ihr euch zweitens euer Alphabet zusammen, das aus Begriffen bestehen sollte, die (für euch!) etwas mit „Garten“ zu tun haben: etwa B wie Blumen, G wie gießen, H wie Hecke, R wie Rasen, U wie Unkraut, P wie Party, N wie Nachbar … Und dann schreibt ihr drittens je nach Lust einen oder mehrere erklärende/illustrierende Sätze oder kleine Geschichtchen zu den Begriffen, ich fabuliere jetzt mal rum: Welche Blumen ihr pflanzt und warum, warum das Gießen die schönste Stunde des Tages/die reine Pest ist, warum eure H wie Hecke so hoch ist, dass N wie Nachbar nicht rüberschauen kann, wenn ihr P wie Party macht etc. Oder vielleicht ist ja auch alles ganz anders … ;-)
Im Prinzip okay? Dann los. Falls nicht, dann fragt. Länge ist egal, es ist ja Intermezzo-Zeit. Ich habe jetzt für die Begriffe fast nur Hauptwörter gewählt, das ist Zufall, erlaubt ist, was für euch passt, und was nicht passt, wird passend gemacht.

Update: Um Missverständnisse auszuräumen, zitiere ich noch mal den Kommentar von Puzzleblume (siehe unten): „Verstehe ich es richtig, dass jeder sich ein ihm genehmes, beliebiges Haupthema suchen darf, um dazu sein persönliches Stichwort-ABC mit 26 innerhalb des Themas frei gewählten Wörtern zusammenzustellen?“ Jawohl, genau so ist das gedacht. Und diese frei gewählten Wörter können jede beliebige Wortart haben, ihr seid also nicht auf Hauptwörter beschränkt, obwohl das das ist, was mir immer als Erstes einfällt. Dafür MÜSSEN es auch alle 26 sein.
Update (03.08.): Ja, ich hatte mir eigentlich gedacht, dass aus dem Alphabet so eine Art „Lexikoneinträge“ erwachsen würden – euer persönliches Lexikon. Aber nachdem immer mehr Mitschreibende aus ihren 26 Begriffen eine Art Fließtext gießen, lese ich das gespannt und freudig und denke mir: Macht doch, was ihr wollt. Hauptsache, ihr verlinkt eure Texte hierher, damit wir anderen gucken kommen können.

 

Zeit für Alphabete und „7 aus 12“-Texte: Bis die regulären Etüden wieder starten, und das ist am 6. September 2020.
Länge: komplett egal

 

ADVENTÜDEN: Bisher sind erfreuliche 8 Texte da und 15 weitere sind versprochen. Danke an alle, deren Texte ich bereits habe! Es wäre nett, wenn bald noch ein paar mehr bei mir eintrudeln würden.

 

Natürlich habe ich für die Alphabete wieder (zwei) Illustrationen gebastelt, die verwendet werden können, aber nicht müssen. Viel Spaß euch und weiterhin einen guten Sommer!

 

Etüdensommerpausenintermezzo 2020 – Alphabet | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst | Klick macht groß!

 

Etüdensommerpausenintermezzo 2020 – Alphabet | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst | Klick macht groß!

 

Figuren erfinden und ihnen Raum geben | Schreiben bei Jutta Reichelt, Tag 6/7

 

Wenn ich etwas von Jutta gelernt und auch immer wieder zitiert habe, dann ihr Credo: „Bringt eure Protagonisten in Schwierigkeiten!“ Denn ja, ohne Schwierigkeiten sind die meisten Geschichten so fade wie eine Suppe, der Salz fehlt. Also beginnt bei mir eigentlich jede Etüde und jede Geschichte damit, dass der*die Protagonist*in in einer Klemme steckt und zumindest versucht, irgendwie das Beste daraus zu machen bzw. weitere Schwierigkeiten zu vermeiden. Bücher, die ich mag, servieren oft ein kleineres Problem zum Einstieg (der klassische Tote am Anfang eines Krimis), und wenn man sich dann darauf einlässt, steigt man in ein ganz anderes Problem in einer anderen Größenordnung ein (der Tote musste sterben, weil er die Weltverschwörung aufgedeckt hat, und nun wird entweder der Protagonist von den Verschwörern als Mitwisser verfolgt oder er übernimmt die Rolle des Rächers und will seinerseits die Weltverschwörung zerschlagen). Klingt nach Schema F, muss es aber nicht sein.

Von allen Figuren, die ich im Laufe der Etüden erfunden habe, ist mir mein Wassermaler am meisten ans Herz gewachsen. Eigentlich war er das Produkt eines Etüdensommerpausenintermezzos, in dem es galt, 10 vorgegebene Wörter in einem Text beliebiger Länge unterzubringen, in dem Regen irgendeine Rolle spielen sollte. Ich liebe so was. Bei derartigen Schreibaufgaben geht es mir meistens so, dass sich ein Begriff herauskristallisiert, an dem ich die Geschichte aufhänge. Hier war es der Wassermaler, dessen Bild sich mir optisch aufdrängte und den ich wörtlich genommen habe: Ein älterer, hagerer Mann mit Nickelbrille, Rotweinaugen und maximal Dreitagebart, im Leben irgendwie gescheitert, der den Sommer malend auf einer Seepromenade an der Ostsee verbringt und seine Bilder dort auch an die Touristen verkauft. Da ich unter anderem auch noch Schwimmflügel und Sommersprossen unterzubringen hatte, war mir klar, dass in diese Geschichte auch noch ein Mädchen gehören würde.

Okay, was sollte es werden? Eine Lovestory mit der Mutter des Mädchens? Gähn. Zu vorhersehbar. Oder, besser, könnte das Mädchen vielleicht irgendwie in Gefahr geraten und er sie retten, und damit dann der Mutter näherkommen … Hmmm. Bringt eure Protagonisten in Schwierigkeiten, verdammt! Was ist mit dem Typ los, dass er keine Frau hat? Und dann war sie plötzlich da, die Büchse der Pandora, verlockend und zum Greifen nah: Seine eigene Tochter ist als Kind gestorben, die Ehe daran gescheitert, er hat es nie wirklich verarbeitet und ist nie darüber hinweggekommen.

Ja, herrliche Schwierigkeiten! Und so strickte ich dann meine leichte Sommergeschichte zurecht, nachdem ich mich intensiv und voller Freude dazu belesen hatte, wie das mit dem Rettungsdienst an der Ostsee so läuft, wenn jemand in Seenot gerät, und wie das Kind des Wassermalers hatte verunglücken können. Happy End mit Mama? Eher nicht, dazu war er zu beladen, mein Wassermaler. Schade.

Womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass er ein ausgeprägtes Eigenleben entwickelte. Offenbar habe ich mit dem Wassermaler eine Figur entwickelt, die so eng an meinen eigenen Befindlichkeiten oder sogar Nöten entlangsegelt, dass er unglaubliche knappe anderthalb Jahre später in eine depressive Vorweihnachtsetüde schlüpfte – und dort prompt seiner geschiedenen Frau wiederbegegnete. Aber das reichte nicht. Die Geschichte gärte weiter und mein Wassermaler wurde willens, sich seiner Vergangenheit zu stellen und ins Leben zurückzukehren – er begegnete seiner Ex-Frau ein zweites Mal und entwickelte zögerliche Frühlingsgefühle. Neben erneuten Recherchen zu Zeit und Umständen war dies der Punkt, wo ich ohne psychologisches Feedback aus der Etüdenrunde aufgeschmissen gewesen wäre: Ticken Leute so, ist das glaubwürdig, kann da was gehen, wenn man ein totes Kind im geistig-seelischen Gepäck hat? Ich habe euch in den Kommentaren danach gefragt und bin speziell Gerda, Werner und Bernd für ihre Antworten immer noch dankbar, ich bin anfangs viel zu blauäugig gewesen.

Es brauchte wieder ein paar Monate, bis ich so weit war, den Wassermaler weiterschreiben zu wollen. Ich wusste, das wird länger, und war happy, als mir der Aufruf zu einer Halloween-Anthologie unterkam, in der ich meine Geschichte unterbrachte. Wie mehrere von euch bereits angemerkt haben, ist das keine Halloween-Geschichte, sondern der Teil der Wassermaler-Serie, der zufällig an Halloween spielt. Ich bin sehr zufrieden damit, ich habe das Gefühl, meinem Wassermaler und seiner Ex-Frau gerecht geworden zu sein, und es kann sein, dass er jetzt schlummert … zumindest im Moment tut er es. Aber es war so eine Freude, daran zu schreiben!

Eine unerwartete Freude waren die Recherchen. Plötzlich brauchte mein Wassermaler eine Vergangenheit und einen Broterwerb im Winter, also brachte ich ihn in einem (selbstverständlich existierenden) Museum unter. Da ich über Orte geschrieben habe, die ich nur teilweise kannte, habe ich lange über Karten gebrütet, mir Fotos, Straßen-, Fahr- und Speisepläne angesehen, einen Ort am Bodensee ausgemacht mit einer Bäckerei, die dann offen hatte, als ich es brauchte, und einem Friedhof in Laufnähe … ich könnte sogar mit einer Wohnadresse dienen. Wenn ich jemals etwas Größeres schreibe, werden meine Recherchen unglaublich viel Zeit in Anspruch nehmen und ich werde hinterher echt viel wissen, so viel steht schon mal fest. Ebenso halte ich es für absolut wahrscheinlich, dass ich zu den Plottern gehören würde. Der Wassermaler hat sich noch ohne großen Plan schreiben lassen, aber wenn ich etwas Komplexeres schreiben werde und würde, sehe ich mich vorher viele, viele Vorarbeiten leisten (und notieren), bis ich „nur noch“ schreiben darf*muss. Wenn ich also über Juttas Frage – „Was hat Euch in der vergangenen Woche (oder überhaupt in der Vergangenheit) schreibend am meisten Spaß gemacht?“ – nachdenke, dann muss ich sagen: das. Glaubwürdige Figuren in einem glaubwürdigen Umfeld glaubwürdig agieren zu lassen. Und dann eine Tür für das Magische zu öffnen – nur nicht beim Wassermaler, der kommt ohne aus, das tu ich ihm nicht an.

„Weiterschreiben ist oft leichter als anfangen“, schreibt Jutta. Das geht mir anders. Mich langweilen meine Figuren meist, wenn ich ihre Geschichte auserzählt habe, und sei es bloß eine Etüde, oder ich habe keine Idee für neue Schwierigkeiten, in die ich sie stürzen könnte. Oder aber das Weiterschreiben ist mit einer derartigen Menge an Aufwand verbunden, dass ich es mir echt zweimal überlege.
Denke ich darüber nach, wessen Geschichten noch offen sind, dann bleibe ich bei meiner Vampir-WG hängen (Jutta, ich sage nur: John, sehr blass), obwohl ich Vampire eigentlich nicht ausstehen kann und nicht noch eine Variante Vampirkitsch erfinden möchte, auch keinen Vampir-Porn oder so; und bei Lumi, in deren Geschichte man allerdings jede Menge aktuelle Bezüge unterbringen könnte, von Klimawandel bis … Andererseits ist Lumi, äh, nicht ganz menschlich, und damit fällt sie per Definition unter Fantasy. Kennt wer von euch Fantasy mit Umweltthriller-Einschlag? Gibt’s das überhaupt?

Wenn ich mir das so durchlese, dann ist das ein geschwätziger Bericht über meine Begeisterung für meine Wassermaler-Storys, garniert mit Gedanken dazu, was ich beim Schreiben über mich gelernt habe. Ich wollte das schon lange mal festhalten.
Also bleibt mir jetzt nur noch, euch darauf hinzuweisen, dass ihr die Wassermaler-Storys rechts in meiner Seitenleiste findet (unter der Liste mit den neuesten Kommentaren), bis auf den letzten Teil, der ist nicht online. Wenn ihr den lesen wollt, sagt bitte Bescheid, ich freue mich über euer Interesse.

 

Schreiben bei Jutta Reichelt Tag 6/7 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Schreiben mit der Hand – Schreiben bei Jutta Reichelt, Tag 5

 

Wer mir erklärt, ich möge doch jetzt bitte Das-und-das tun, ich hätte fünf/zehn/fünfzehn/dreißig Minuten dafür Zeit und es würde mir riesigen Spaß (ha!) machen, der riskiert in der Regel, dass ich die Augen rolle und frage, wo der Ausgang ist oder ob es noch eine andere Option gibt. Ich fühle mich dann gern unter Druck gesetzt, zaubere mir irgendeine Form von Brett vor den Kopf und bekomme nichts mehr zustande, ein Gefühl, das mir höchstes Unwohlsein verursacht und alles andere von einem entspannten Gefühl vermittelt. Ich ärgere mich zudem über mich selbst, was die Sache nicht besser macht, kann es jedoch dann erst recht nicht ändern. Als also Jutta zum Umgehen des inneren Zensors vorschlug, »fünf Minuten zu schreiben, ohne den Stift abzusetzen, ohne aufzuhören. Wirklich alles aufschreiben, was in den Sinn kommt – auch, wenn es unsinnig oder belanglos ist oder nicht mehr als der Ärger über diese saublöde Übung«, habe ich erst mal grimmig genickt und die Auseinandersetzung aufgeschoben. Schießen Sie sich bitte selbst ins Knie.

Andererseits hatte sie leider kurz davor die Begründung geliefert, die mich überzeugte, nämlich »dass Texte oft eine andere Tiefe und Qualität erreichen, wenn wir in ihnen einen künstlerischen Ausdruck finden für das, was uns ›umtreibt‹. Wenn wir uns auf die Suche gemacht haben nach den Geschichten, die nur wir erzählen können, vielleicht müssen.« Denn wenn ich etwas suche, dann ist das tatsächlich das: Die Geschichte(n), die nur ich (so) erzählen kann. Das »Wie« wird mir allmählich immer klarer, das beständige Etüdenschreiben und -lesen etc. trägt Früchte, ich habe eine gewisse Routine und ein Vertrauen entwickelt, die mir guttun. Also habe ich mir dann doch einen Zettel und einen Stift geschnappt, auf die Uhr geschaut, den nächstbesten Gedanken festgehalten und losgeschrieben. Scheiß drauf, egal auf was.

Ich habe irgendwann, so ungefähr zum Anfang meiner Unizeit, aufgehört, meine Notizen in Schreibschrift zu machen, ich weiß gar nicht mehr, wieso. Wahrscheinlich fand ich Druckschrift cooler. Und dann gab es irgendwann PCs, und ich tippte begeistert Notizen in den Rechner. Seitdem schreibe ich höchstens noch den Einkaufszettel und ab und an mal eine Postkarte mit der Hand, und zwar in Druckschrift. Längere Texte in Schreibschrift … wofür?
Aber: Druckschrift ist prima für Stichworte, für Listen, für kurze Notate. Für »Schreib mal eben flüssig einen Text« ist Druckschrift ziemlich großer Mist. Diese Tatsache und dass mir schon vor längerer Zeit aufgefallen war, dass ich dabei bin, Schreibschrift und damit meine Handschrift gründlich zu verlernen, führte dazu, dass ich den verlangten Fünf-Minuten-Text spontan nicht in meiner präferierten Druckschrift verfasste, sondern in Schreibschrift, und worum drehte er sich? Um genau diese Tatsache. Überraschung. Uff.

»Ich will nämlich, auch das eine erstaunliche Erkenntnis, meine Handschrift nicht verlieren.«

Uff? Ja, uff. Das Ergebnis war durchwachsen. Einerseits war ich sehr erschrocken (ich mochte meine Schrift mal, und das, was ich da gestern produziert habe, ist relativ weit weg davon), andererseits mochte ich das Gefühl, dass da irgendwas in meinem Kopf passierte, als ich mich beim Schreiben auch noch physisch mit dem Vorgang des Schreibens auseinandersetzen musste. Und drittens beschert mir das Experiment die Erkenntnis, dass es mir Spaß machen könnte, wieder mehr mit der Hand zu schreiben, dass ich, siehe oben, meine Handschrift nicht verlieren will, und dass ich eigentlich überzeugt bin, dass es sich nur um verloren gegangene Übung handelt, also um motorische Fähigkeiten, die dringend trainiert werden sollten. Natürlich bin ich dann anschließend zur Erholung durchs Internet spaziert (Stichwort: »Schreibschrift wiedererlernen«) und habe festgestellt, dass, nachdem die Malbücher für Erwachsene jetzt so langsam durch zu sein scheinen, Handlettering das große neue Ding ist. Hübsch, aber nein, danke, das ist momentan die falsche Richtung. Ich werde wohl öfter mit der Hand schreiben und versuchen, den Kopf abzuschalten. Was auch immer dann kommt, ich bin gespannt. Für mich aktuelle Themen werden sich bestimmt schon zeigen, aber ich bin durchaus nicht überzeugt, in welcher Form das Ganze Früchte tragen wird (die von mir zu erzählende Geschichte, siehe oben). Aber wer es nie versucht, kommt auch nicht vom Fleck.

Liebe Jutta, ich glaube, an dem, was du mit deiner Schreibanregung aufwirbeln wolltest (hier klicken zum Nachlesen), bin ich relativ weit vorbeigeschlittert – schade um das Zitat, dem ich sehr zustimme. Aber du wolltest auch wissen, wie es mir/uns damit so geht, und dies hier fällt eindeutig unter Feedback.

Ihr Lieben, die meisten von euch sind doch auch keine dreißig mehr. Schreibt ihr noch viel mit der Hand? Könnt ihr das noch – flüssig mit der Hand schreiben? Ist es euch wichtig?
Mein Beitragsbild zeigt übrigens ein euch möglicherweise bekanntes Gedicht in meiner damaligen Handschrift von ca. 1985, das war eine Chinakladde für besondere Gedichte …

 

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Das leere Nest – Schreiben bei Jutta Reichelt, Tag 4

 

Nun waren sie weg. Wirklich weg. Endgültig weg.

Sie kniff die Augen zusammen und lehnte sich nach vorn, in der Hoffnung, noch einmal das vollgeladene grüne Auto zu sehen, von dem sie wusste, dass es eilig den Hügel hinunterfuhr und den Ort bald hinter sich gelassen haben würde. Das ist der Lauf der Welt, ermahnte sie sich, reg dich doch nicht so auf, du hast doch gewusst, dass es eines Tages vorbei sein wird. Anstatt dass du dich freust, dass deine Tochter so einen guten Mann gefunden hat und in eine glänzende Zukunft aufbricht, nein, was machst du? Stehst am Fenster und jammerst vergangenen Zeiten hinterher. Schäm dich. Geh und kümmere dich um deine Aufgaben.

Sie trat zurück und verschränkte die Arme, blickte aber weiter nach draußen. Der Vormittag versprach sonnig zu bleiben, die Kinder würden eine gute Fahrt haben und bestimmt heil in der Stadt ankommen. Mütter sorgen sich schließlich immer. Und hatte Cilly nicht versprochen, sich sofort zu melden?

Es war egal. Wie sie es auch drehte und wendete: Nun war auch ihr zweites Kind endgültig ausgezogen. Das Nest war leer. Nie wieder würde sie für Robert und seine Freunde blechweise seinen heiß geliebten Pflaumenkuchen backen und Sahne schlagen, bis ihr der Arm wehtat, nie wieder würde Cilly ihre Freundinnen zu Pyjamapartys einladen und sie ihnen spätnachts Kannen voller heißer Schokolade bringen. Ach, das Gelächter, das durchs Haus geschallt war! Ach, die Feste, die sie hier gefeiert hatten! Sie waren so eine glückliche Familie gewesen. Vorbei.

Jetzt war sie wohl das Pflichtprogramm für den Besuch am Wochenende, für Cilly noch eher als für Robert. Aber so waren Jungs. Konnte sie ihm sagen, dass sie gern mehr Anteil an seinem Leben hätte? Schließlich ging er in seinem Arztstudium auf, so ein verantwortungsvoller Beruf, sie war so stolz auf seine Wahl. Nein, sie wollte nicht, dass er an ihren Schürzenzipfeln hängen blieb. Er sollte in die Welt hinausziehen, unabhängig und erfolgreich sein und irgendwann ein nettes Mädchen heiraten. Sie würde dem mit ihrer Gefühlsduselei nicht im Wege stehen, so wie sie auch Cilly und ihrem Thomas nicht im Wege gestanden hatte, obwohl sie ihre Tochter insgeheim für viel zu jung für einen Mann und eine eigene Familie hielt.

Es veränderte sich so vieles, wenn man Kinder bekam. Vor allem hatte man als Frau nie mehr Zeit für sich allein, das war die wichtigste Lektion gewesen, die sie gelernt hatte. Männer verließen das Haus und verdienten das Geld. Die Frauen regelten den Rest. Das konnte man konservativ nennen, aber sie hatte nie Geldsorgen gekannt, hatte es genossen und gern ihren Part zum gesellschaftlichen Aufstieg der Familie beigetragen, mit Empfängen und allem. Am Anfang hatte sie Nathan bei der Buchhaltung und den Geschäftsbriefen unterstützt, aber später, als die Kinder da waren und er größere Mandanten an Land gezogen hatte, waren zu dem Büro im Ort ein Partner und eine Sekretärin, Miranda, gekommen, und sie hatte gelegentlich abends repräsentiert. Sie hatte darauf geachtet, ihre schlanke Figur zu behalten, obwohl sie großartig kochte, wie Nathan bestätigte. Männern war eine attraktive Partnerin wichtig.
Manchmal im Bett fragte sie sich, ob es sein konnte, dass sie ein fremdes Parfüm an Nathan roch, aber dann schalt sie sich bösartig. Bestimmt täuschte sie sich. Sie waren ein gutes Team, Nathan und sie, er würde ihr gemeinsames Leben doch nicht für eine Affäre aufs Spiel setzen. Oder?

Das gnadenlose Sonnenlicht blendete sie und sie runzelte die Stirn. Das gab Falten, erinnerte sie sich, und daran, dass Falten hässlich machten, wenn man nicht mehr die Jüngste war. Energischen Schrittes ging sie in die Küche, räumte das Kaffeegeschirr zusammen, befüllte die Spülmaschine und nahm sich einen zweiten Kaffee mit in den Erker, von wo sie jedes Auto sehen konnte, das sich dem Haus näherte. Irrational, der Wunsch, das grüne Auto möge zurückkehren. Oder Nathans Limousine.

Ihre Hände zitterten leicht, als sie sie um die dampfende Tasse legte und den Geruch tief einsog.
Sie fühlte sich allein und verloren. Die Kinder waren aus dem Haus, Enkel noch nicht in Sicht, ihr Mann den ganzen Tag in seinem Büro, wo er Gott weiß was tat. Was war jetzt ihre Aufgabe? Wer war sie überhaupt? Was blieb ihr außer dem Warten auf das Alter? Was sollte sie tun? Mit Nathan reden? Konnte er verstehen, was in ihr vorging?
Sie verwarf den Gedanken. Sie verstand sich ja nicht mal selbst.
Sie zweifelte plötzlich an ihrem gesamten Leben.

 

Schreiben bei Jutta Reichelt 4 | | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir, unter Verwendung eines Werks von Edward Hopper

 

Ich muss zugeben, dass ich so ungefähr alle Klischees gestreift oder mitgenommen habe, die mir einfielen. Zu meiner Verteidigung möchte ich anführen, dass diese Geschichte ganz sicher nicht im Hier und Jetzt spielt, sondern weit eher zu der Entstehungszeit des Bildes (1950), zu der ich allerdings auch nicht sehr viel sagen kann, weil es mich da noch nicht gab, möglicherweise nicht mal als Idee ;-)

Was ich interessant fand, war, dass sich in meinem Kopf sofort die Sprache änderte, nachdem ich beschlossen hatte, dass diese Szene nicht in diesem Jahrtausend stattfindet. Die Frau übernahm, und ich war erstaunt, wie sie sich ausdrückte und was sie alles nicht als selbstverständlich ansah. Sie stellt sich selbst völlig zurück, lebt für die Familie und steht eines Tages (natürlich viel zu früh, es ist immer zu früh) vor den Veränderungen. Die Kinder sind aus dem Haus, sie wird eines Tages eine Rolle als Oma spielen, aber offenbar hat sie sich keinen Freundinnenkreis geschaffen (warum?), der sie jetzt auffängt. Ob die Ehe so gut ist, kann man nur mutmaßen, sie kann sich ebenso eine fette Naht vormachen und nicht sehen wollen, dass ihr Mann etwas mit Sekretärin Miranda (allein der Name! Der war plötzlich da) hat … Immerhin scheint der Mann erfolgreich zu sein und sie scheint ihren Traum wirklich gelebt zu haben – oder das, was sie leben wollte. Bis der Traum plötzlich verpufft und sie aus der Rolle fällt und es nicht fassen kann.

Dieser Text entstand nach einer Schreibanregung von Jutta Reichelt (Tag 4 – Schreiben zu Bildern). Vielen Dank, Jutta, hat mir sehr viel Spaß gemacht.

 

Die neuen Nachbarn – Schreiben bei Jutta Reichelt, Tag 2

 

„Und beinahe wären sie nicht gefahren“, sagte Frances. „Ich habe ja zuerst gedacht, sie würde ihn umbringen, so hat sie geschrien. Oder er sie.“

Rosi schwieg. Schweigen hatte sich als vorteilhaft herausgestellt, wenn man wollte, dass die Frances weitererzählte. Was sie auch meist tat. Frances war die klassische Frau am Küchenfenster, das immer zur rechten Zeit einen Spalt offen stand – rein zufällig natürlich. Wer wissen wollte, was sich in der Siedlung tat, ging bei ihr vorbei, rief ihr ein freundliches „Wie geht’s“ zu und wartete. Selbstverständlich waren die neuen Nachbarn ein besonders beliebtes Thema, vor allem, da diese ihre Terrassentür schlossen, wenn sie die Frances bemerkten. Man musste die Frances nur spitz „Na ja, Südländer eben“ sagen gehört haben, um zu wissen, woher der Wind wehte. Wobei die Barbara neulich gewusst hatte, die Neuen wären aus Norddeutschland gebürtig. Vorgestellt hatten sie sich jedenfalls nicht, bei keinem aus der Siedlung, was sicher darauf schließen ließ, dass sie kein Benehmen hatten.

„Und der Knall! Fast ist mir das Herz stehen geblieben, so laut war der. Ich hab die ganze Nacht nicht geschlafen deswegen und immer gedacht, gleich kommt bestimmt die Polizei!“
„Wie, was, Knall? Polizei?“, stammelte Rosi und ärgerte sich, dass sie nicht besser aufgepasst hatte.
„Aber heute ganz früh, da habe ich sie dann gesehen“, beschloss Frances ungerührt ihre Erzählung. „Ihn und sie. Haben Koffer ins Auto getragen und sind ganz klammheimlich weg.“
Rosi nickte bestätigend und wagte eine letzte Gegenfrage. „Ja, aber wieso wären die beinahe nicht gefahren?“
„Ach, du hörst mir nicht zu! Bis später, Rosi, ich muss zu meinem Kuchen, der muss aus dem Ofen. Du kommst doch nachher zum Kaffee zur Barbara?“

Rosi starrte auf das geschlossene Küchenfenster. Sie würde zu Hause erst mal Anna anrufen. Vielleicht wusste die, was los war. Frances wurde langsam alt.

 

Schreiben bei Jutta Reichelt 2 | | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Heute geht es bei Jutta Reichelt und ihren Schreibanregungen um „Erste Sätze“ (hier klicken zum Nachlesen). Sowieso ein unerschöpfliches Thema.

Gemocht habe ich alle drei Vorschläge, die Jutta gemacht hat, und ich fand keinen einfach. Schließlich habe ich mich für den ersten Vorschlag entschieden, obwohl ich im Nachhinein denke, dass ich damit eigentlich in meiner Komfortzone geblieben bin (und es sind 300 Wörter, woher das wohl kommt? ;-)). Es hätte eine wilde Geschichte von Mord und Totschlag werden können, aber ich hatte null Lust, die aufzuschreiben – und schon gar nicht, wo ich annehme, dass morgen (morgen? Jutta, das könntest du in deinen Posts vermerken, wie lange wir Zeit haben) die nächste Schreibanregung ins Haus steht. Ich bin kein schneller Schreiber, ich mag mir Zeit nehmen und auf meinen Sachen herumbrüten. Dies ist für meine Verhältnisse schon fast ein Schnellschuss.

Also habe ich mich für die Beobachterin entschieden, eine neugierige ältere Nachbarin. Übrigens habe ich keine Ahnung, wirklich keine, was im Nachbarhaus passiert ist, nur dass alle noch leben.

Ich habe schon was von Alice Munro gelesen, aber an eine Frances erinnere ich mich nicht …

 

Lotte muckt auf – Schreiben bei Jutta Reichelt, Tag 1

Sie ächzte und ließ sich auf den Stuhl fallen. Er knackte unter ihrem Gewicht, aber darauf kam es inzwischen auch nicht mehr an, sie war halt schwer bepackt, was das anging, und nicht nur damit, ja, und? Die durften sich alle gern um ihren eigenen Mist kümmern.
Der Pausenraum war jedenfalls an Trostlosigkeit kaum zu überbieten, vermutlich aus Gründen – wo käme man denn hin, wenn die Verkäuferinnen sich in ihrer Pause auch noch wohlfühlten? Das Einzige, was sie bedauerte, war die Tatsache, dass es hier kein Fenster gab, das sie aufreißen konnte, um verbotenerweise eine zu schmöken. War die Haltung von Säugetieren ohne Fenster nicht verboten? Egal, sie würde es nicht mehr ändern, die paar Jahre bekam sie auch noch rum. Sie nahm geistesabwesend einen Schluck von dem Automatenkaffee, während ihre Augen schon über die Schlagzeilen der Tageszeitung wanderten.

In dieser Filiale war sie die Dienstälteste, ein treues, altes Arbeitspferd, das kaum aufbegehrte und meistens das tat, was man ihm sagte. Die Lehrlinge, die sie ausgebildet hatte, hatten sie auf der Karriereleiter alle überholt. Klar, mehr Geld, mehr Verantwortung, längere Arbeitszeiten. Nicht mit ihr. Sie war die Schindmähre, hatte sie neulich gedacht, nur dass sie nicht abgemagert war. Sie kam pünktlich, sie ging pünktlich, sie war die, die wusste, wie es lief.
Insgeheim verabscheute sie ihre Arbeit.

Sie hätte sich auch weiterhin mit allem arrangiert, wenn da nicht Charlie gewesen wäre. Charlie war fünfzehn und ein Problem. Na ja, eigentlich nicht. Charlie war so, wie sie in dem Alter auch gewesen war. Lebenslustig. Handwerklich begabt. Klug. Voller Ideen. Konnte anpacken. „Aus der wird mal was“, hatte es damals geheißen; und heute sagte sie dasselbe über ihre Nichte. „Nennt sie bloß nicht nach mir“, hatte sie die Schwester und ihren Mann gebeten, als diese mit dem Mädchen schwanger gewesen war, „wer will denn schon Lieselotte heißen?“ So war aus dem Mädchen wenigstens eine Charlotte geworden, und beide Lottes hatten sich allein deswegen immer ein bisschen verbunden gefühlt. Abgesehen davon, dass Charlotte eindeutig besser klang.

Bedauerlicherweise hatte ihre Schwester einen autoritären Idioten geheiratet, der jede Berufstätigkeit seiner Frau unterbunden hatte, indem er sie Kinder in die Welt setzen ließ, und der die Meinung vertrat, die naturgemäßen Aufgaben einer Frau seien Heirat und Kindererziehung. Konsequenterweise interessierten ihn seine Söhne, drei an der Zahl, mehr als seine Tochter. Gut, er verdiente nicht schlecht, er war ein leitender Verwaltungsheini, und sie, Lotte, war die arme, gefallene Verwandtschaft. Aus der wird mal was? Ha. Sie war einmal mit knapp zwanzig auf einen Typen wie ihn hereingefallen, hatte sich in zwei Jahren zwei Kinder andrehen lassen und war dann nach zehn Jahren prompt für seine Sekretärin verlassen worden.
Seitdem schuftete sie in dieser Klitsche hier. Lebensmitteleinzelhandel. Sicherer Arbeitsplatz, das Geld war pünktlich auf dem Konto. Sie kamen über die Runden, und jetzt, wo die Kinder längst nicht mehr bei ihr lebten, blieb sogar was für sie übrig.

Jetzt allerdings musste Charlie von der Schule aus ein Praktikum machen, und ihr Vater wollte sie zu ihr schicken. ZU IHR! In den EIN-ZEL-HAN-DEL! Nö, oder?!? Charlie sollte ihre Chance haben, ein verschenktes Leben war genug!
Sie schlug mit der flachen Hand auf den Tisch, sodass der Kaffeepappbecher ins Wanken geriet, als sie sich an die Sprüche ihres Schwagers erinnerte, von denen Charlie berichtet hatte: Die aufmüpfige Kleine solle lernen, sich unterzuordnen! Aufmucken sei nicht angesagt!
Ein Frauenbild aus dem vorletzten Jahrhundert! Höchstens. Auch die Lehrer hatten sich die Haare gerauft und mit Engelszungen auf ihn eingeredet. Vergebens.

Sie hatte sich Charlie geschnappt, die kreuzunglücklich gewesen war. „Tante Lotte, nichts gegen dich, aber …“
„Der Lebensmitteleinzelhandel ist ehrenwert, aber mein Job ist scheiße“, hatte sie sie sofort unterbrochen, „und nur weil ich ihn mache, heißt das noch lange nicht, dass du dich auch dafür entscheiden musst, Charlie. Du kannst mit deiner Lebenszeit was Besseres anfangen. Gibt es denn was, was dich wirklich interessiert?“
Zögern.
„Spuck’s schon aus. Großes Indianerehrenwort, oder wie auch immer das heutzutage heißt, dass ich damit nicht zu deinen Eltern renne. Oder nee, halt: Ich schwör! Okay?“
Charlie nahm es ihr offenbar ab, denn sie grinste.
„Okay, okay. Ich könnte ein Praktikum bei einem Bootsbauer machen, wenn Papa sich nicht so anstellen würde. Ich hab schon mit denen gesprochen und alles, ich kenn die vom Segeln, aber ohne Unterschrift meiner Erziehungsberechtigten geht da nichts. Null.“
Machte Sinn. Ihre Nichte war ein begeisterter Shipspotter, hatte im Verein mit ihren Brüdern segeln gelernt und schwamm wie eine Nixe. Ein Wunder eigentlich bei dem Vater. Wohingegen das einzige Schiffsdeck, auf dem sie, Lotte, je gestanden hatte, eine Schiffschaukel gewesen war. Allerdings eine riesengroße.
„Und Mama? Was sagt die?“
„Dass Papa sich wie ein Tyrann aufführt.“
„Würde sie dich unterstützen?“

Zu zweit hatten sie einen Plan entwickelt. Wäre doch gelacht, wenn Charlies Mutter nicht den Praktikumsvertrag bei dem Bootsbauer unterschreiben würde. Zur Not würde der gestrenge Herr Vater eben einen zweiten Vertrag für den Einzelhandel präsentiert bekommen. Und wohnen, wohnen würde Charlie für ihr Praktikum bei ihr. Wenn sie schon angeblich in der gleichen Firma arbeiteten, wäre das doch nur praktisch, oder? Platz hatte sie genug, und junges Leben in der Bude wäre eine willkommene Abwechslung. Dass sich Charlies Vater für das Praktikum seiner ältesten Tochter großartig interessieren würde, schlossen sie aus. Und wenn die ganze Chose aufflog und es zum Familienkrach kam, dann wusste sie immer noch genug über die Leichen im Familienkeller, um ihn herunterzukühlen. Freunde waren sie sowieso keine.
Befriedigt lehnte sie sich in ihrem Stuhl zurück.

Der Lautsprecher knisterte. „Frau Neumann, bitte eine weitere Kasse besetzen. Frau Neumann bitte.“ Scheiße. Klang wie Nadine höchstpersönlich. Sie stand auf, drückte den leeren Kaffeebecher zusammen, schleuderte ihn in Richtung Mülleimer und schlurfte hinaus.

***

Wem die Corona-Decke auf den Kopf fällt und wer sich für das Schreiben interessiert, für den ist dies hier vielleicht etwas: Die Schriftstellerin Jutta Reichelt öffnet ihre virtuelle Schreibwerkstatt und lädt alle Schreibbegeisterten und solche, die es werden wollen, zum Mitmachen auf ihren Blog ein. Sie schreibt: „Ich werde deswegen hier in der nächsten Woche zunächst einmal ganz unterschiedliche Arten von Schreibanregungen sowohl für eher fiktive Texte als auch für eher autobiographische Texte vorstellen, die sich gut eignen, um anzufangen.“ (Quelle) Die erste Schreibanregung erfolgte sogleich und ging auf den von ihr entwickelten Geschichten-Generator zurück: Ein Text ist zu schreiben, der „LOTTE (schwer bepackt), NÖ und SCHIFFSDECK“ enthält. Mehr dazu findet ihr bei ihr.

Einige von euch, die hier bei mir lesen, habe ich bei Juttas Geschichten-Generator kennengelernt (hier meine Geschichten) – das war, bevor es die Etüden gab. Den anderen möchte ich erklären, dass Jutta quasi schuld ist, dass ich mich ans (fiktive) Schreiben herangetraut habe, und mein Dank rennt ihr nach wie vor mit heraushängender Zunge hinterher. (Doch, Jutta, „Schiffsdeck“ hattest du schon. Ende 2016, der letzte Aufruf, ich finde meine damalige Geschichte dazu immer noch ziemlich herzzerreißend und das Gemüt bewegend.)
Also ist es für mich quasi Ehrensache, zumindest wieder miteinzusteigen. Ich bin sehr gespannt auf nächste Woche, ob ich mit den neuen Schreibanregungen was anfangen kann. Und natürlich hat meine Geschichte eine Eigendynamik entwickelt, was die Rolle der vorgegebenen Begriffe anging … und ich habe prompt vergessen, wie „kurz“ geht.

 

Schreiben bei Jutta Reichelt 1 | | 365tageasatzadayQuelle: Jutta Reichelt

 

Alles im Fluss | abc.etüden

Herbert konnte es nicht mehr hören, das Gesasel vom Fluss des Lebens und dem Streben nach der Harmonie aller Dinge. Vielleicht hatte seine innere Maschine einfach zu früh Rost angesetzt? Sein langjähriges Eheweib Renate hatte dazu nur spitz bemerkt, dass er schon immer ein fetter, dumpfer Steinklotz gewesen sei, an dem sich Wasser und Meinungen teilen würden.

Zu beider Überraschung hatte ihn, den Ruhigen, Kontrollierten, das übergangslos ausflippen lassen. Nun lag sie vor ihm im Mondlicht des Gartens neben dem Teich, ihre Haut schimmerte milchweiß und unter ihrem Kopf breitete sich eine große tiefrote Lache aus. Er hielt den Stein, den er ihr in die Fresse gedroschen hatte, noch in der Hand. Ich geb dir gleich Stein!
Nie wieder würden aus diesem Mund hämische Worte hervorsprudeln. Er empfand keine Reue, wohl aber einen merkwürdigen, wattigen Frieden. Ihm war, als würde er schweben, als er zur Pforte ging und den Notarzt und die Polizei hereinließ.

 

abc.etueden schreibeinladung 13.17 2 | lzVisuals mit freundlicher Genehmigung von ludwigzeidler

 

Für die abc.etüden des Herrn lz, Woche 13/ 17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von dergl (Fädenrisse) und lauten: Rost, milchweiß und Fluss.

Wer sich fragt, was denn bitte „Gesasel“ ist: Ich habe keine Ahnung, wo das Wort herstammt, ich habe es immer für eine coole Mischung aus „Gefasel“ und „Gesäusel“ gehalten. Da ich aber per Suchmaschine feststellen durfte, dass sowohl Schopenhauer als auch Kierkegaard das Wort benutzt haben, rücke ich davon ab, dass es eine Neuschöpfung ist. Wer es besser weiß, möge mich korrigieren, ich würde mich freuen. Sagt mir doch vielleicht erst mal, ob ihr das Wort überhaupt KENNT.

Jutta Reichelt rät zwar dazu, die Figur(en) in Schwierigkeiten zu bringen, ob sie aber damit gemeint hat, dass man sie (oder andere) gleich umbringen muss, wage ich zu bezweifeln. Ich weiß nicht, ich habe gerade einen Hang dazu, dass irgendwer geplant oder ungeplant stirbt, da müsst ihr wohl jetzt durch. Und nein, „Kill your Darlings“ ist das nicht, und ja, es geht mir gut und dem Fellträger auch.

Schönen Sonntag allerseits!  :-D

 

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What a wonderful world

Der Mann mit der Trompete sah leicht fassungslos auf den Schein, den ihm der ältere Herr in den Hut gelegt hatte. Seit einer guten Viertelstunde hatten er und die Frau, die er zärtlich an sich gezogen hielt, ihm gelauscht. Auch nicht mehr häufig, dass sich jemand so lange Zeit für einen Straßenmusiker nahm. Er setzte das Instrument ab, um sich zu bedanken.
„Wir haben zu danken“, sagte die Frau, die sichtlich gerührt war.
Er lächelte sie an. „Es ist mir ein Vergnügen, solche Zuhörer zu haben. Haben Sie vielleicht einen speziellen Musikwunsch?“
Sie zierte sich nicht. „Kennen Sie ‚What a wonderful world‘?“
„Wer kennt das nicht?“ Er hob wieder die Trompete.

Peter sah Luise hinterher, die sich durch die Touristen an den Hamburger Landungsbrücken in Richtung der Toiletten schob. Er lächelte versonnen. Dass es das Leben noch einmal so gut mit ihm gemeint hatte! Er hätte sie sofort auf Händen getragen, wenn sie es sich von ihm gewünscht hätte, aber nein, sie war … einfach nur liebenswert. Und erstaunlich unkompliziert. Wenn er da an seine erste Ehe dachte … Seine Finger berührten das kleine Kästchen in seiner Jackentasche. Zusammenreißen! Schließlich hatte er einen Plan. Er wandte sich dem Trompeter zu.
„Könnte ich Sie vielleicht noch um etwas bitten?“
„Worum geht es?“
Er erklärte es ihm. Der Mann wiegte den Kopf.
„Und was ist, wenn es nicht klappen sollte?“
„Mein Risiko.“
Ein zweiter Schein wechselte den Besitzer. Danach warteten beide auf die Rückkehr der Dame.

„Und jetzt?“ Luise sah zu Peter auf. Der sah ihr tief in die braunen Augen und küsste sie.
„Peter!“ Sie tat entrüstet, obwohl sie sich geradezu unverschämt glücklich fühlte.
„Ja, Madame?“
Sie schüttelte den Kopf. Sie konnte ihm nicht übelnehmen, dass er ausführte, woran sie dachte, oder? Unter vier Augen zu sein und noch ganz andere Dinge zu tun, wäre jetzt auch nett gewesen. Aber andererseits war es so schön hier draußen.
„Was machen wir jetzt?“ wiederholte sie.
„Ich habe gedacht, wir nutzen das gute Wetter aus und schauen uns den Hafen an. Vom Schiff aus.“ Er wies auf einen blau-weißen Raddampfer mit einem imposanten roten Schaufelrad, der an den Landungsbrücken lag und Passagiere für die nächste Hafenrundfahrt einsammelte.
„Louisiana Star“, las seine Angebetete vor. „Schaukelt das sehr?“ verlangte sie dann zu wissen. „Ich bin nämlich nicht besonders seefest.“
„Nein“, beruhigte er sie. „Nicht auf so einem großen Schiff. Und heute haben wir außerdem wenig Wind, also auch kaum Wellengang. Also, was sagst du? Hast du Lust?“
„Klar!“ Sie hängte sich bei ihm ein. Welche Freude er daran hatte, ihr alles zu zeigen! Gemeinsam gingen sie an Bord. In gebührendem Abstand folgte ihnen Pavlos, der Trompetenspieler.

Es lag etwas in der Luft, und es war nicht nur der Frühling. Luise hatte es die ganzen Tage schon ganz deutlich gespürt. Zuerst hatte sie es darauf geschoben, dass Peter endlich ihre Familie besser kennengelernt hatte – sie hatten Weihnachten zu zweit verbracht und mit allen ehernen Familienregeln gebrochen, aber zu ihrem Geburtstag vor einer guten Woche waren ihre Tochter mit Mann und Kind dann angerückt. Bei Peter!
„Du bist ja fast nie mehr zu Hause!“ Luise hatte zugeben müssen, dass sie sich seit Weihnachten fast durchgehend bei Peter aufgehalten hatte und es herrlich fand. Früher hatte man Herzklopfen, seinen Liebsten den Eltern vorzustellen und heute den Kindern. Manche Dinge schienen sich nie zu ändern. Aber abgesehen davon, dass Torsten Peter „vielleicht ein bisschen alt“ fand, hatte es keine ernsthaften Probleme gegeben, und die Kinder schienen bei dem Gedanken auch nicht allzu unglücklich zu sein, dass da jetzt wieder ein Mann war, der „auf Mama aufpasste“, wie Sandra es formuliert hatte. Luise hätte dazu einiges zu sagen gehabt, es dann aber um des lieben Friedens willen unterlassen. Schließlich kannte sie ihre Tochter. Und Peter war nur drei Jahre älter als sie. Torsten hatte keine Ahnung.

Luise und Peter hatten auf dem Freideck an einem kleinen Tisch an der Reling Platz gefunden, wo die Lautsprecher nicht so dröhnten. Begeistert lauschten sie den Worten des Fremdenführers, eines älteren Kapitäns, der ihnen allerlei Wissenswertes über den Hafen im Wandel der Zeiten, Containerschiffe, Anekdoten und typisches Seemannsgarn erzählte, während sie die Elbe hinauf und hinab und durch die Hafenbecken schipperten. Es war nur ein bisschen windig, und Peter fand, dass Luises Augen in der Sonne mit ihr um die Wette funkelten. Sie hatte mit ihrem geliebten Hütchen auch einen Teil einer gewissen Reserviertheit zu Hause gelassen und war unternehmungslustig und fast ausgelassen.

Schließlich kam der Moment, den Peter herbeigesehnt und gefürchtet hatte. Der Kapitän, der bisher neben ihnen auf dem Freideck hin- und hergegangen war und dabei fast ununterbrochen geredet hatte, schaltete sein Mikro aus, nachdem er etwas von „Stimme ölen müssen“ genuschelt hatte. Pause. Peter stand auf und deutete auf das Fenster, aus dem heraus alles verkauft wurde, was die Bordrestauration zu bieten hatte. Er sah, dass Pavlos ihn vom Ende des Decks her beobachtete und sich ebenfalls langsam erhob. Gut.
„Schatz?“ sagte er. „Ich dachte, ich hole uns was. Wie wäre es mit Kaffee? Butterkuchen?“
Sie legte den Kopf in den Nacken und blinzelte ihn an. „Gern“, antwortete sie.

Andere waren auf die gleiche Idee gekommen, Peter war der Letzte in der Schlange.
„Zwei Kaffee und zwei Butterkuchen“, sagte er.
„Mit Sahne?“
„Nein, danke.“
Peter zahlte. Vor den Augen der irritierten Verkäuferin legte er beide Stücke Butterkuchen aufeinander, reichte ihr den überschüssigen Teller zurück, steckte in den Kuchenstapel zwei herzförmige Wunderkerzen und stellte die beiden Pötte Kaffee rechts und links davon. Dann legte er das kleine Päckchen vor den Butterkuchen, strich die große, goldene Schleife glatt und zündete die Wunderkerzen an. Sein Herz pochte vor Aufregung so schnell, dass ihm beinahe schwindelig wurde. Er nahm das Tablett auf, drehte sich um und ging zu Luise zurück. Vorsichtig stellte er die kostbare Fracht vor ihr ab. Sie sah ihn mit großen Augen an. Er holte tief Luft.
„Luise“, sagte er, „ich bin bestimmt ein alter Esel, und bevor ich dich kennengelernt habe, hatte ich mir geschworen, mich nie, nie wieder aufs Eis zu wagen. Aber hier stehe ich und kann nicht anders, ich liebe dich, ich kann und will mir ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen. Möchtest du mich heiraten?“
Luise schossen die Tränen in die Augen. Ihr Herz stieg auf und jubilierte, sie war zum Zerspringen glücklich und der Kloß, der plötzlich in ihrem Hals saß, ließ sie nach Luft schnappen. Es gab kein Nachdenken. Sie sprang auf, lief um den Tisch herum und warf sich in seine Arme.
„Ja“, jauchzte sie, „ja, Peter, das will ich!“
Sie hätte ohne Zweifel noch mehr gesagt, aber da erklang schon die Trompete neben ihnen, und Peter küsste sie.
What a wonderful world.

Spätestens jetzt wurden alle Gäste auf dem Schiffsdeck darauf aufmerksam, dass hier gerade etwas Ungewöhnliches passierte. Alle Köpfe wandten sich ihnen zu, auch der Kapitän mit seinem Mikrofon kam angeschritten und besah sich das Paar, das sich immer noch küsste, und den Trompetenspieler, der sein Stück gerade beendet hatte.
„Sie, Musik machen ist an Bord nicht gestattet“, schnarrte er, „und darf ich fragen, ob es etwas zu gratulieren gibt?“
„Wonach sieht das denn aus, Herr Kapitän?“ gab Pavlos milde zurück. „Und an Ihrer Stelle würde ich mal fragen, ob die Kombüse zwei Sekt locker macht. Zur Feier des Tages.“
Der Kapitän besann sich auf seine gute Kinderstube. „Wissen Sie was, junger Mann, das ist mal eine Idee. Hören Sie, spielen Sie uns doch noch etwas.“

Und während Pavlos mit allem Schmelz, den er in seine Trompete legen konnte, „When a man loves a woman“ blies und der Kapitän zwei Gläser Sekt loseiste, öffnete Luise das kleine Kästchen mit der großen goldenen Schleife und ließ sich von ihrem Peter einen schlichten Diamantring an den Finger stecken. Er war ein bisschen zu weit, aber das würde sich richten lassen. Alles würde sich richten lassen, davon war sie plötzlich überzeugt. Zumindest heute. Heute war ihr Tag.

 

Louisiana Star Hamburg | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

Gerade rechtzeitig zu Weihnachten hat Jutta ihren Geschichtengenerator angeworfen und gebeten, aus „Luise (ältere Dame mit Hut)“, „Schiffsdeck“ und „Butterkuchen?“ eine Geschichte zu stricken. Dies ist meine dritte Geschichte mit dieser Luise (ich habe zwei) als Hauptperson (hier und hier; in einer weiteren kommt sie vor), und ich wusste spontan, was geschehen würde.

Ich wollte die Geschichte eigentlich an Weihnachten spielen lassen, aber es ist einfach zu kalt (und zu windig), um auf der „Louisiana Star“ draußen zu sitzen, selbst wenn man Heizstrahler aufstellen würde, und die beiden müssen draußen sitzen, weil Peter doch den Butterkuchen holen und die Überraschung präparieren muss, und es sonst überall nur Tischservice gibt.
Hereingedrängelt hat sich dagegen Pavlos, der Trompeter, weiß auch nicht, warum.

 

 

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Taubengedöns [Bildergeschichte]

 

Taubengedöns 1 – 365tageasatzaday

Ob ich mitkomme? Hast du keine Augen im Kopf? Neee du, echt, ich habe gerade was Besseres zu tun …

 

Taubengedöns 2 – 365tageasatzaday

Ach, daher weht der Wind! Nein, ich meine wirklich nicht, dass ich dir was abgeben muss, nur weil du zufällig hier rumgekommen bist. Das ist doch voll ungerecht!

 

Taubengedöns 3 – 365tageasatzaday

Alter, an mir kommst du nicht vorbei, und wenn du dich auf den Kopf stellst! Was soll das heißen, wo sind die anderen? Typisch, erst anfangen und dann nach der Mutter schreien!

 

Taubengedöns 4 – 365tageasatzaday

 

Und ein schönes Leben noch! Was war das denn nun? Oh Mann, solche Typen wie du sind so eine Zeitverschwendung … Sieh bloß zu, dass du Luft gewinnst!

 

Diese nicht so ganz ernst gemeinte Bildergeschichte entstand unter der freundlichen Zuhilfenahme von Sätzen aus Juttas aktuellem Aufruf zum Geschichtengenerator („Kommst du mit?“, „Das ist ungerecht!“, „Wo sind die anderen?“ und „Was war denn das?“). Nein, ich gebe es zu, dies ist wohl eher kein Schulhof, aber es könnte ja einer sein, so auf der Mauer zu einem … oder so. :-)

 

KLICK MACHT GROß! Obligatorische Quellenangabe: alle Bilder ichmeinerselbst

 

Fernsehen bildet.

Fernsehen bildet. Immer, wenn der Fernseher an ist, gehe ich in ein anderes Zimmer und lese.

(Groucho Marx, zur Diskussion über das Original-Zitat bitte hier entlang)

Heute ist der Welttag des Buches. Was bedeutet, dass ich mit euch mein Lieblingsspiel spielen kann. Und der Geburtstag von Shakespeare und Nabokov sowie der Todestag von Cervantes und Wordsworth. Nun bin ich sicher, dass zu diesen Herren schon das meiste (und anderswo viel besser) gesagt ist, also ran an die Bücher!

  1. Nehmt das nächstliegende Buch.
  2. Schlagt es auf Seite 23 auf.
  3. Zählt den 4. Satz ab (wenn ihr keinen 4. Satz habt, nehmt die 4. Zeile).
  4. Postet den hier bei mir oder bei euch (dann wäre Verlinken nett).
  5. Schreibt BITTE dazu, aus welchem Buch es ist.
  6. So ihr im Umkreis Lübeck wohnt, besucht heute oder morgen DIE BUCHMACHER in der wunderschönen St. Petri-Kirche, und haltet eure Geldbeutel gut fest, denn das Angebot ist klein und fein und reichhaltig.

Ich habe letzteres gestern gemacht (es ging gestern schon los, ich weiß also, wovon ich spreche) und hatte die Freude, die Lesung von Jutta Reichelt zu sehen/zu hören und mit ihr ein paar Worte zu wechseln. Auf meiner „Unbedingt“-Liste steht jetzt der Wunsch, sie noch mal zu sehen/hören, wenn sie ein bisschen mehr Zeit hat und eventuell noch Fragen beantworten kann. Unterdessen habe ich mit dem Wiederlesen der „Wiederholten Verdächtigungen“ begonnen. Daher ist mein Zitat zur obigen Aufgabe naheliegend:

Was ist denn eigentlich los bei euch, fragt sie und Katharina ärgert sich über den anmaßenden Ton und fragt zurück, was an Christoph komisch gewesen sei, als er Finn zurückgebracht hat.

(Jutta Reichelt, Wiederholte Verdächtigungen)

 

Widmung Reichelt Wiederholte Verdächtigungen – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst, klar, oder?

 

Mutter schmeißt den Laden

Luise stand herum und fühlte sich deplatziert und ein bisschen angetütert. Nicht, dass der Abend bisher nicht angenehm gewesen wäre und das Büffet bestimmt großartig sein würde, schließlich war die Location ja eine Kantine, deren Innenarchitekt schon Preise gewonnen hatte, nicht wahr? Die Lichtführung jedenfalls war aller Ehren wert, nach dem, was sie sah. Ihr verstorbener Mann war Elektromeister gewesen und Licht eines seiner Hobbys.

Also, nicht dass sie ihrer nach Höherem strebenden Tochter die Ehrung nicht gönnte. Aber ob sie, Luise, wirklich hierhin gehörte, unter all die Feingeister aus dem Verlag, die ihre Tochter „Kollegen“ nannte, das bezweifelte sie insgeheim dann doch. Die junge Frau, die sich während der offiziellen Feier so nett um sie gekümmert hatte, war ihr irgendwo abhanden gekommen, vermutlich fand sie sie zu langweilig. Menschen standen in Grüppchen zusammen, tranken und talkten. Luise sah sich suchend um. Wo war denn ihre Tochter geblieben? Sie hatte sie vorhin doch sogar ihrem Chef vorgestellt. Hm. Ob es ihr auffiel, wenn sie verschwand?

„Mama, was stehst du denn hier so allein herum?“ Da war ihre Tochter und wollte ihr ein weiteres Glas Sekt in die Hand drücken.
„Danke, Kind, aber ich brauche etwas zu essen, sonst merke ich den Alkohol zu sehr“, wehrte Luise ab. „Du weißt doch, Sekt.“ Sandra nickte gehorsam.
„Geht ja auch gleich los. Ach, wenn doch nur Papa hier sein könnte“, sagte sie.
Huch?
„Ist etwas passiert?“ fragte Luise vorsichtshalber.

Das Problem war, wie sich sehr schnell herausstellte, die ausgefallene Beleuchtung in der Ecke, wo gegessen werden sollte. Sandra, die ungern etwas dem Zufall überließ und sich für alles verantwortlich fühlte, nahm diese unverhoffte Misslichkeit persönlich. Und natürlich war um diese Uhrzeit weit und breit kein Hausmeister aufzutreiben.

Endlich ein handfestes Problem. „Ich seh mir das mal an. Wo ist der Sicherungskasten?“ fragte die Frau des Elektrikers.
„Im Treppenhaus. Mama! Und wenn dir was passiert?“
Aber Luise war schon unterwegs.

Am Sicherungskasten lauerte ein Kantinenmitarbeiter, der bisher nichts weiter getan hatte, als zu versuchen, die herausgeflogene Sicherung wieder reinzudrücken, was diese nicht zuließ.
„Es gab hier neulich schon Probleme nach dem Unwetter, wissen Sie?“, sagte er düster. „Ich glaube nicht, dass es die Sicherung ist. Vielleicht gibt es hier irgendwo einen Kurzschluss. Da können wir uns tot suchen.“ Luise gab ihm im Stillen recht. Trotzdem griff sie nach der herumstehenden Taschenlampe.
„Was suchen Sie?“
„Die Zuleitung für die ausgefallene Beleuchtung da oben.“
„Als die Elektriker das letzte Mal hier waren, waren sie dort über der Tür zugange. Vielleicht fangen Sie dort am besten an.“ Er zeigte nach draußen. „Warten Sie, wenn Sie was sehen wollen, brauchen Sie eine Leiter.“

Ich bin verrückt, dachte Luise, als sie ihr Hütchen absetzte und aus ihren Pumps schlüpfte, die für das Klettern auf eine Leiter nun wirklich völlig ungeeignet waren. Ach, egal. Oben sah sie sich dann tatsächlich einer Verteilerdose gegenüber, die auch schon bessere Tage gekannt hatte und deren Deckel ihr nach ein wenig Rütteln entgegenfiel.

„Oh“, sagte sie.
„Ja?“
„Junger Mann …“
„Frank.“
„Frank, können Sie die Taschenlampe halten? Und gleichzeitig aufpassen, dass keiner an den Sicherungskasten geht, damit ich hier nicht tot herunterfalle? Hier ist etwas gar nicht in Ordnung.“ Der nickte.
„Und in meiner Handtasche muss ein Schweizer Messer sein. Geben Sie mir das mal.“
Eins musste man ihm lassen, er zickte nicht rum und versuchte nicht, sie davon abzubringen. Da war sie von ihrer Tochter Schlimmeres gewohnt.
„Können Sie das denn?“ versicherte er sich etwas lahm.
„Natürlich kann ich das!“ antwortete Luise und griff nach dem Offiziersmesser. Bloß Tatsachen schaffen, bevor ihm einfiel, dass er garantiert keinen Betriebsfremden an die Elektrik lassen durfte. Schon gar nicht eine ältere Dame ohne Hut mit Sekt intus.

Schweizer Offiziersmesser enthalten eine Menge nützliche Dinge. Viele Leute benutzen höchstens noch den Korkenzieher oder den Flaschenöffner, aber, wie Luise sehr genau wusste, gehörte zum Funktionsumfang ihres Messers auch noch ein Drahtabisolierer, eine Kombizange und mehrere Schraubenzieher. Fix beseitigte sie verschmorte Drähte, isolierte Adern neu ab, die zum Glück gerade noch lang genug waren, verband sie über die Klemmleiste neu und schraubte alles gut fest. Gelernt war schließlich gelernt. Ihr Mann hatte ihr vieles beibringen können und hatte ihr schließlich das Messer geschenkt. Man wusste ja nie.

Inzwischen umstand ein Pulk Menschen die Leiter, ganz nah bei ihr ihre aufgeregte Tochter. Als Luise die Arme sinken ließ und „Fertig, Frank“ sagte, reckte sie ihr die Hand entgegen, um ihren Abstieg von der Leiter zu sichern. Frank wartete, bis sie sicheren Boden unter den Füßen hatte, und betätigte die Sicherung. Es flackerte und wurde Licht.

„Aaaaaah“, erklang es andächtig aus der Menge. Jemand begann übermütig zu applaudieren, die anderen fielen ein. Luise lächelte, schlüpfte wieder in ihre Schuhe und rückte ihren Hut zurecht.
„Sandra, ich könnte jetzt doch was zu trinken vertragen“, sagte sie schlicht. „Außerdem habe ich Hunger.“

 

Kabel – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Kinder! Zu Hause nicht nachmachen! :-D Ich hoffe doch sehr, dass diese Geschichte NICHT so in der deutschen Realität vorkommen kann, sondern nur meinem Kopf für Juttas Geschichtengenerator entschlüpfen durfte. Gegeben waren dieses Mal: Luise, Kantine und „Natürlich kann ich das!“

 

Aus der Traum

Abgehängt. Emma starrte ihr Handy an. Sie hatte sich ja vieles vorgestellt, aber dass der werte Herr Thomas Michael Alexander offensichtlich kneifen würde, war in ihren kühnsten Träumen nicht vorgekommen. Da telefonierte und mailte sie seit Wochen, ach was, seit Monaten mit ihm, hatte mit ihm Bilder ausgetauscht, mit ihm gelacht, geweint, diskutiert, gestritten und sich versöhnt und sich noch auf ganz andere Dinge am Telefon eingelassen – und dann das.

„Du bist wo? Hier in der Stadt? Heute schon? Entschuldige, das geht mir jetzt gerade zu schnell. Ich melde mich, okay?“

Ein Schlag auf den Kopf war dagegen freundlich. Nicht, dass sie ihm nicht seit Monaten von diesem Seminar erzählte, das am Montag beginnen und drei Tage dauern würde und ihr endlich die unverbindliche Möglichkeit bot, seine Stadt und damit ihn zu besuchen. Nicht, dass er nicht begeistert darauf eingestiegen war und ihr seit Monaten schon vorschwärmte, dass sie sich dann ja endlich kennenlernen könnten. Herausfinden, ob die Chemie auch live stimmen würde, und wie sehr er sich darauf freute. Sie schüttelte den Kopf. Nicht, dass da nicht in ihrem Hinterkopf das Stimmchen gewesen wäre, dass sie hartnäckig an die Sache mit dem Mann fürs Leben erinnerte.

Natürlich hatte sie nicht mit ihm darüber gesprochen. Jedenfalls nicht so. Hatte ihre Ungeduld und ihre überschäumende Vorfreude gezügelt, war klug gewesen wie immer, hatte zurückgesteckt, hatte ihn nicht eingeengt, bis sie sich fast gefesselt gefühlt hatte. Bah! Hatte niemals, niemals gefragt, ob er vielleicht auch Gefühle oder wenigstens Hoffnungen in diese Fernbeziehung – sie nannte es schon Beziehung, er wohl eher nicht – steckte, über die er lieber nicht sprach. Um sie nicht zu enttäuschen, um selbst nicht enttäuscht zu werden. Männer und Gefühle, ein heikles Thema. Okay, sie waren in dieser Hinsicht beide gebrannte Kinder, so viel stand schon mal fest.

Nein, sie hatte ihm nicht gesagt, dass sie schon am Freitagabend statt am Montagmorgen ankommen würde. Das war eine dieser berühmten spontanen Ideen ihrer lebenserfahrenen, älteren Freundin Luise gewesen. „Riskier doch mal was, Emmaschatz, du bist doch viel zu ernst. Entweder er zieht mit oder nicht, aber das Risiko, dass du dich mit dem Kerl in was verrannt hast, besteht doch sowieso. Und Hamburg ist eine tolle Stadt, da kannst du auch allein viel machen, falls nötig.“ Luise hatte gut reden, bei ihr hatte es ja schließlich geklappt mit der Internetbekanntschaft. Ihr Peter war mit fliegenden Fahnen zu ihr übergelaufen, als er ihrer ansichtig geworden war. Seitdem sprach Luise immer öfter davon, vielleicht nach Hamburg ziehen zu wollen.

Erst als sie mechanisch nach einem Taschentuch griff, fiel Emma auf, dass sie heulte. Na, großartig. So hatte sie sich ihren ersten Abend ganz bestimmt vorgestellt. Sie trat an das Fenster ihres Hotelzimmers und blickte über die Dächer hinweg in den Nachthimmel, den gerade bunte Raketen durchzogen, Feuerwerk, das offensichtlich über einem Rummel abgeschossen wurde. Ein hell erleuchtetes Riesenrad drehte sich langsam. Eigentlich schön. Aber wollte sie jetzt noch allein weg? Wo sie doch schon mal hier war? Die Reeperbahn war um die Ecke, so viel wusste sie. Andere Leute würden jetzt rausgehen und so richtig einen draufmachen, um den Frust zu vergessen.

Nein, entschied sie. Nicht allein in der fremden Stadt. Überhaupt war sie eine dieser rechtschaffen langweiligen Personen, die in den Krimis überwiegend als Leiche vorkamen und keinen weiter interessierten. Nicht mal Herrn Thomas Michael Alexander. Sie würde jetzt in die Badewanne steigen, sich weit hinaustreiben lassen und ihre Enttäuschung einfach in heißem Wasser, Wohlgeruch und Wein auflösen. Und das Handy abschalten. Der konnte sie mal! Arschloch! Ist doch wahr!
Es war das Schwerste, was sie seit Langem getan hatte.

Als sie wieder bereit war, sich ihrem Telefon zu stellen, war es schon Samstagmittag. Der Kater am Morgen war beträchtlicher als erwartet ausgefallen, und um ihn zu bekriegen, hatte sie ein ausführliches, ziemlich salzig-fettiges und insgesamt sehr gutes Frühstück genossen und war dann zu Fuß zu einer Hamburg-Erkundung aufgebrochen. Luise hatte ihr von einem Flohmarkt vorgeschwärmt, von dem ein paar ihrer aktuellen Lieblingsstücke stammten. Das Wetter war okay, es war nicht sehr weit und Emma gab innerhalb von zwei Stunden relativ viel Geld für relativ wenige wunderschöne kleine Dinge aus, inklusive einem regenbogenfarben schillernden Loop, dessen Rand genäht werden musste, einem zweisprachigen Gedichtband von Emily Dickinson mit wenigen Unterstreichungen, einer traumhaften Umhängetasche aus Naturleder und einem blauen Glasherz an einer Kette. Fehlte noch ein Hut und eine große Sonnenbrille, und sie würde aussehen wie ein Althippie. Prima.

Sie fühlte sich innerlich gewappnet genug, ihr Handy anzuschalten, aber ganz wohl war ihr nicht dabei.

Sieben – sieben! – Anrufe in Abwesenheit von Herrn Thomas Michael Alexander. Der erste noch gestern Abend, der letzte vor einer Stunde. Es ging ihr schlagartig besser. Und – immerhin – eine SMS. „Liebste Emma, ich bin so ein Idiot. Ich habe doch nicht gemeint, dass ich dich nicht sehen will! Bitte ruf mich zurück, wenn du dies liest, bitte! Dein Tom.“

Die Erleichterung überfiel sie so unvermittelt, das sie fast schon wieder geheult hätte. Das Handy lenkte sie ab, indem es klingelte. Er.

„Ja?“
„Emma? Emma, gottseidank, wo bist du?“
„Ich stehe mitten auf einem Flohmarkt in deiner wunderschönen Stadt.“
Pause.
„Kann ich dich treffen? Emma, ich hab da gestern was gesagt, was ich nicht so gemeint habe. Ich war nur so überrascht, ich bin eigentlich nicht so spontan. Ich könnte jetzt zu dir kommen, wenn du mir sagst, wo du bist.“
„Wenn ich das richtig mitbekommen habe, bin ich auf der Flohschanze.“
„Ha, guter Platz! Warte … siehst du die Straße, wenn du dich umschaust? Wenn du über die Straße gehst, bist du in der Rindermarkthalle, da ist eine Kaffeerösterei, die heißt auch so, die machen guten Kaffee.“
„Ich sehe“, Emma reckte den Hals, „eine Tankstelle. Und rechts dahinter so einen großen Klotz.“
„Genau da musst du hin. Die Rösterei ist gleich neben dem Eingang. Wenn du mir eine halbe Stunde gibst, dann können wir uns dort treffen. Ich bin der Typ mit der Rose und dem Fahrrad.“
„Und ich bin die mit dem bunten Tuch. Bis in einer halben Stunde, Tom.“
„Bis gleich, Emma!“

Ihr Name wie eine Liebkosung, ihr Herz ein einziges „Komm!“. Sie blinzelte in die Sonne und lächelte glücklich. Hatte sie auf der anderen Seite nicht einen Stand gesehen, wo es quietschbunte Fahrradklingeln gab? So viel Zeit war bestimmt noch.
Und überhaupt war Hamburg die schönste Stadt der Welt.

 

Schmuck auf dem Markt – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Ich habe nicht zwangsläufig vor (na ja, mal schauen), meine „verpassten“ Beiträge zu Juttas Geschichtengenerator nachzuholen, aber diese Geschichte hält sich jetzt schon seit längerer Zeit in meinem Hirn, also will ich sie auch freilassen. Kommt Zeit, kommt Geschichte … Hier also mein Nachzügler zu Juttas Aufruf zu Emma, dem Flohmarkt und dem magischen „Komm!“

Und ja, die Orte sind real, es gibt besagten Flohmarkt und das Café, und Emma ist offensichtlich zu einer Zeit in der Stadt, wo Dom ist, denn der hat jeden Freitag ein Feuerwerk.