Das Schöne vom Tag

Alice schreibt einen Monat lang jeden Tag auf, wofür sie dankbar ist, und sucht noch Mitstreiter. Ich finde die Idee großartig und hatte so was Ähnliches schon mal angedacht, aber hätte ohne ihren Anstoß wohl noch ewig nicht damit begonnen. Ich werde vermutlich nicht jeden Tag etwas posten, dafür werde ich das Projekt aber auch nicht zeitlich befristen.

Hier hinein sollen die kleinen Freuden kommen, das Lächeln des Tages oder oder oder. Ich bin ganz gut darin, das Schöne im Alltäglichen zu sehen, ich übe es mit Begeisterung. In diesem Zusammenhang nehme ich auch Wörter wie Dankbarkeit oder Demut in den Mund – ich bin nicht der Mittelpunkt des Universums, es funktioniert auch ohne mich ganz hervorragend, ich empfinde mich als Teil eines großen, harmonischen Ganzen (okay, abgesehen von Politik und ihren Verwerfungen etc. etc., da gibt es genug) – ich hoffe, ihr versteht, was ich meine.

So, das war die Vorrede. Das Schöne vom Tag (gestern), der auch bei uns sehr heiß war, ist das Foto eines gewissen gähnenden Fellträgers (entstanden ca. 19 Uhr), dem die Hitze anscheinend nicht die Bohne ausmacht, obwohl er draußen die ganze Zeit herumliegt. Ich dachte ja, die Haltung sei selten, bis ich per Mail eines Besseren belehrt wurde … (das zweite Foto ist witzigerweise zur etwa gleichen Uhrzeit bei noch höheren Temperaturen aufgenommen worden.)

Kommt gut durch die Hitze!

 

 

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Cat-Lady | abc.etüden

Ich geh schon nicht weg, Katzenkind, sagt sie, als sie aufsteht und aufstöhnt. Die Hüfte. Der Rücken. Man wird nicht jünger. Sie hört, dass er schnurrt, streicht ihm über den Kopf, was das Schnurren verstärkt. Die Katzenaugen schließen sich.

Du hast es gut, denkt sie, als sie in die Küche schlurft und ihre eigene Unbeweglichkeit beklagt. Manchmal beneidet sie ihn, wenn sie ihn abends sieht, wie er auf dem Zaun balanciert und dann mit einem großen Satz in der Dunkelheit verschwindet, unterwegs auf seinen eigenen magischen Katzenwegen. Wobei die offensichtlich auch ziemlich angsteinflößend sein können – wer ist vorhin an ihr vorbeigeschossen, als sie die Tür geöffnet hat, als würde er verfolgt? Und wer ist eben eindeutig Schutz suchend auf ihren Schoß geklettert, damit sie die blutigen Risse in den Ohrmuscheln inspizieren konnte? Nachdem man sich den Bauch vollgeschlagen hat, natürlich, first things first. Nein, nicht tief, nur Kratzer, scheinbar nichts weiter passiert, aber glücklich, glücklich sah dieses zusammengekauerte Wesen heute früh nicht aus. Das wird ein Tag, an dem sie ihren Katzenkönig behüten muss, sie kennt das schon.

Sie gießt sich Kaffee ein und geht mit der Tasse zurück in ihr Wohnzimmer. Auf der Couch liegt ihre Strickjacke, die er in den letzten Tagen zu seinem Lieblingsplatz erklärt hat. Vermutlich, weil sie nach ihr riecht, sie mag es sich nicht anders erklären. Sie lässt sie für ihn dort liegen, sie kann sie später waschen. Er hat sich darauf zusammengekringelt und erwartet offensichtlich, dass sie sich wieder zu ihm setzt und die Zeitung liest. Sie kennen einander zu lange, als dass sie es nicht wüsste.

Schlaf ruhig, sagt sie. Ich bin ja da. Er reagiert nicht.

Sie betrachtet ihn versonnen und seufzt. Wie ging der Spruch? Das letzte Kind hat Fell? Sie nickt.

Kurios? Ihr doch egal.

 

abc.etüden 2019 19+20 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 19/20.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Katharina und ihrem Blog Katha kritzelt und lauten: Katzenauge, kurios, balancieren.

Neulich erklärte Myriade, dass sie vorhabe, im Alter eine Frau mit vielen Hüten zu werden, woraufhin ich entgegnete, ich strebte eine Karriere als Cat-Lady an. Nun denn. Hier ist ein Vorgeschmack.

Der Fellträger besteht darauf, dass alles fiktiv ist und er nur zu dekorativen Zwecken auf meinem Schoß sitzt. Ich lass das mal so stehen.

 

 

Schondeckchen | abc.etüden

Ich mache mir Gedanken. Ich spreche nicht gerne darüber, aber nun ja, ich muss es wohl eingestehen: Man wird älter und nutzloser. Also ich.
Nein, keine Sorge, es ist schon noch alles okay, ich fange nach wie vor diese pelzigen Dinger, die ich nicht mit reinbringen soll zum Essen, besonders nicht, wenn sie noch leben.
Mäuse, das war das Wort.
Ich werde auch dafür gelobt und gekrault.
Sogar nachts.
Okay, es sind nicht mehr so viele wie früher, aber die haben bestimmt auch abgenommen, natürlicher Schwund, Klimawandel, was weiß ich, man hört ja so einiges.

Was diese krakeelenden Flatterviecher angeht, muss ich allerdings zugeben, dass ich früher mal schneller war. Ihr ist das ganz recht, wenn ich die in Ruhe lasse, sagt sie, auch wenn ich immer noch wie ein junger Gott (ihre Worte, ist sie nicht nett?) auf einem dünnen Ast balanciere und die Bäume hoch und unter runter jage.

Alles wäre ziemlich gut, hätte sie nicht neulich in so einer Frauenzeitschrift einen Artikel gelesen, dass man Haustierhaare zu Wolle verarbeiten und verstricken kann. Danach hat sie mich so lange komisch angeschaut, dass ich mich auf ihren Schoß gelegt habe, um selbst einen Blick drauf zu werfen.
Ich solle mir keine Sorgen machen, hat sie plötzlich gesagt, sie fände derartige Ideen reichlich kurios.
Aber heute kam ein Paket mit einer Spezialbürste, und sie weiß genau, dass ich Bürsten hasse! Okay, ich bin eine gesunde, ausgewachsene Katze mit Krallen und Zähnen, sie kommt mir so schnell nicht an meine Unterwolle, auch wenn sie traurig guckt, mein Fell verwuschelt, etwas von „zu deinem Besten“ und „Och, armes verfilztes Wuschi-Puschi-Katzi“ säuselt! So heiße ich übrigens nicht, nur um das mal klarzustellen.

Also, Kollegen, es ist was im Busch. Katzenauge, sei wachsam! Falls ich mich nicht mehr melde, dann wisst ihr Bescheid.

 

abc.etüden 2019 19+20 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 19/20.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Katharina und ihrem Blog Katha kritzelt und lauten: Katzenauge, kurios, balancieren.

Darf ich bitte deutlich klarstellen, dass die erwähnte Katze fiktiv ist, bis auf die Tatsache, dass sich mein Fellträger tatsächlich nicht gerne bürsten lässt und definitiv nicht „Wuschi-Puschi-Irgendwas“ heißt? Es gab keinen Artikel irgendwo, aber ich weiß, dass man Haustierhaare zu Wolle verspinnen (lassen) kann, finde das bei normalen Katzen allerdings tatsächlich bisschen – äh – kurios. Besitzer von langhaarigen Hunden sehen das vielleicht anders.

 

Schnurr um dein Leben | abc.etüden

Beim Öffnen der Wohnungstür unverhofft auf die ältliche Madame von der Hausverwaltung zu treffen war erheblich unangenehmer, als wöchentlich im Beichtstuhl erfundene Sünden zu gestehen.

„Frau Neumann, es heißt, Sie hielten eine Katze, Sie wissen …“

Zuerst war ihr erster Impuls, alles abzustreiten, aber das Kätzchen machte ihre Bestrebungen zunichte, indem es sich zwischen ihrem Bein und dem Türrahmen hindurchdrängte und sich vor ihr auf die Fußmatte setzte. Marie nahm es sofort auf den Arm, wo es kräftig nieste und prompt durchdringend zu schnurren begann.

„Sie lag fast verhungert unten in einer unserer Mülltonnen!“

Mehr sagte sie nicht, mehr war auch nicht nötig, die Anklage gegen die Welt reichte aus. Fasziniert beobachtete Marie die Verwandlung im Gesicht der plötzlich sehr mütterlich wirkenden Verwalterin von Haus und Hof, die vorsichtig einen Zeigefinger ausstreckte, um das schwarz glänzende Geschöpfchen hinter den Ohren zu kraulen, was mit noch lauterem Schnurren und behaglich zusammengekniffenen Augen quittiert wurde. „Was für eine Knutschkugel“, seufzte sie schließlich, „nein, die Kleine konnten Sie unmöglich sich selbst überlassen, die ist ja höchstens acht Wochen alt!“

Sie gab sich einen Ruck und gewann einen Teil ihrer gewohnten Strenge zurück: „Okay, sehen Sie zu, dass sie ruhig bleibt und keiner der Nachbarn sich beschwert. Was mich angeht, ich war offiziell nie hier, ich werde so lange wie möglich tun, als wüsste ich von nichts.“

 

2017_37.17_zwei_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 37.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von lz. und lauten: Knutschkugel, Verwandlung, Beichtstuhl.

 

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Abgehauen | abc.etüden

Mari lehnte sich schwer atmend an die Hauswand, ihr Atem und ihr Herz rasten, als ob sie um ihr Leben gerannt wäre. Ihr Zorn auf diesen … diesen … Mann war immer noch so uferlos, dass sie am liebsten laut geschrien hätte. Stattdessen hatte sie die Tür mit der albernen Milchglasscheibe zugepfeffert und war auch nicht stehen geblieben, als sie das Klirren gehört hatte. Die lag jetzt wohl in Scherben, in Fragmente zersprungen, so wie ihr gemeinsames Leben, so ein Pech aber auch.

Sie spürte eine Berührung am Bein und erschrak: „Mau“, sagte eine entschiedene Stimme, die zu einer schmalen, schwarzen Katze gehörte. Gedankenverloren nahm sie sie auf den Arm und kraulte sie, bis das pantherhafte Wesen laut schnurrend die prüfenden Augen schloss und sie trotz allem lächeln musste.
„Komm mit, wenn du magst“, sagte sie nach einer gefühlten Ewigkeit und stellte sie wieder auf die Füße, „etwas Besseres als den Tod finden wir überall.“ So war das eben mit ihr: Andere zitierten den Zauberer von Oz, sie die Bremer Stadtmusikanten.
Mari stieß sich von der Wand ab und brach auf in eine ungewisse Zukunft. Die Katze reckte den Schwanz wie eine Fahne in die Luft und folgte ihr.

 

abc.etueden schreibeinladung 09.17 1 | lzVisuals mit freundlicher Genehmigung von ludwigzeidler

 

Ohne Etüde fehlt mir was! Nun war ich diese Woche ja wirklich nicht untätig, aber was sprang mir gestern Abend in den Kopf? Eine kleine, feine Kürzestgeschichte für den Textstaub’schen Aufruf der KW 9/ 17, zu dem die famose Poeta Sandra Blume die wunderbaren Worte Atem, uferlos und Fragment beigesteuert hat. Vielen Dank!

 

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Ubi bene, ibi Fellträger

Wer jemals Latein hatte oder in Sprichwörtern bewandert ist, wird jenes „Ubi bene, ibi patria“ („Wo es mir gut geht, ist das Vaterland“) kennen, über das man mit Sicherheit lange und gerechtfertigt diskutieren könnte. Heute will ich aber auf etwas anderes hinaus, das man auch mit „Eine Katze gibt dem Haus eine Seele“ (Urheber: möglicherweise Jean-Paul Clébert) umschreiben kann.

Ziemlich widrige Umstände (ein Wasserschaden) trieben mich die letzten 6 Wochen außer Haus, quasi ein Teil-Umzug/-Auszug. Nun kann man mich in ein 1-Zimmer-Apartement stecken, ich würde das überleben, sofern es Internet-Anschluss hat. Wer es nicht überleben würde, ist das felltragende Biestie, das Biestie ist Freigänger. Wenn der gesund und munter und länger als 24 Stunden eingesperrt ist, geht er die Wände hoch, und ich mit ihm, falls ich in dem betreffenden Raum sein muss. Meine größte Sorge war also: Was passiert mit dem Fellträger, wenn ich hier raus muss? Trennung, er also in ein Tierheim/Katzenpension? Abgesehen von den Kosten: NEVER EVER. Geht gar nicht, er hat es nicht so mit Artgenossen, das ist nur Stress.
Schließlich hatten wir wahnsinniges Glück, wir durften für die Zeit in ein ruhiges, leerstehendes, großes Haus mit einem echt fetten Garten mit vielen Bäumen.

Aber mit der Freude kamen auch die Bedenkenträger: Du willst den doch nicht etwa dort rauslassen? Ähm, doch, deshalb ja das Theater. Ja, und wenn er dir abhaut? Katzen sind doch standorttreu, der läuft bestimmt wieder zurück, wirst du ja sehen. Lass sicherheitshalber schon mal deine Telefonnummer da. Gut, das ist eh keine schlechte Idee, die Nachbarn zu bitten, mal aus dem Fenster zu schauen, ob da ein quakender hungriger Fellträger sitzt. Und den Rest … werden wir ja sehen.

Zwei Nächte dauerte es, bis er anfing, richtig zu nerven und ich dachte, okay, jetzt ist Training angesagt. Also ging ich mit ihm ein paarmal rein und raus, zeigte ihm den Garten, zeigte ihm seinen Eingang und bewies ihm im nächsten Schritt, dass ich angerast kommen würde, wenn er an der Tür stehen und maulen würde. Jederzeit. (Ich schlief nämlich im Zimmer neben besagter Tür.) Und abends entließ ich ihn zum ersten Mal in die Dämmerung mit klopfendem Herzen und der Angst, ab dem nächsten Tag vielleicht doch mit Suchzetteln die Laternenpfähle zupflastern zu müssen.
Unbegründet. Nachts um 3 schrie es vor der Tür. Man war hungrig, fraß sich satt und ging wieder raus. Ein oder zwei Nächte später kamen die ersten Mäuse mit. Ein „Mau“ klingt deutlich anders, wenn man den Mund nicht aufbekommt, weil eine lebende Maus drinsteckt ;-)

Und so pendelte es sich ein. Er war kürzere Intervalle draußen als normal und, meiner Meinung nach, viel schreckhafter. Aber er blieb bei mir (von wegen abhauen, und es wäre nicht sooo weit gewesen) und kam nachts so regelmäßig, dass ich die Uhr fast danach stellen konnte. Tagsüber freute ich mich, in mein Interims-Zuhause zu meiner wartenden/dösenden Katze zu kommen, denn wo die Katze ist, da geht es mir gut, siehe oben. Er ist meine Katze, er ist eine überaus menschbezogene Katze. Ich bin sein Mensch, den er sich ausgesucht hat. Wir sind füreinander megawichtig :-)
Jenes denkwürdige Ereignis jährt sich heute, um auch das Thema noch mal aufzuwärmen. Katzenliebe: Was für ein Geschenk das ist!

Nachspann: Wir sind zurück. Er hat den Rückzugsstress ängstlich, aber gelassen ertragen und verschwand nach kurzer Inspektion neuralgischer Punkte (wer hat in meiner Abwesenheit denn da alles gegengestrullt?) nachts zu ausgedehnten Katzengeschäften. Nicht ohne um 3 Uhr maulend auf dem Dach zu sitzen: Kannst du vielleicht mal aufmachen, ich hätte jetzt gern was zu essen. Alles beim Alten also. Abenteuer bestanden. Ich bin so froh.

 

katze im garten – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst und der Tiger meines Herzens

 

The one and only?

Ich glaube, dass jede Katze gerne denkt, sie sei die einzige Katze auf der Welt.

(Colette, Sieben Tierdialoge, Quelle: Literarischer Katzenkalender 4.-10. April 2016)

Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Herr Fellträger so tickt. Nun ist er ein Kater, ein Einzelgänger, andere Artgenossen werden nur äußerst angespannt wahrgenommen, soweit ich das mitbekomme. Ich vermute, die einzige andere Katze, die gerade noch so geht, bin ich.

Gestern wurde ich von Campogeno mit dem „Fair zu Pfoten“-Award überrascht. Verglichen mit der Radikalität, mit der er lebt, bin ich freilich ein furchtbar kleines Licht. Eine simple Katzenvernarrte halt.

Trotzdem möchte ich seine Fragen beantworten:

1/ was für tiere leben bei dir, oder um welche tiere kümmerst du dich?

Ich lebe mit einem Fellträger, Katze genannt. Nur einer? Ja, nur einer. Das hat vor allem was mit ihm zu tun: Wenn er eines Tages mit einer anderen Katze vor meiner Tür stünde und mir erklären würde, das sei jetzt die/der, mit der/dem er sein Essen teilen möchte, dann wäre ich die letzte, die sagen würde: Kenn ich nicht, fütter ich nicht. Aber nachdem ich verschiedentlich mitbekommen habe, dass er bei allen anderen Katzen eigentlich eher sehr in der Defensive ist, habe ich gesagt, okay, your home is your castle, meinen Schoß musst du nicht teilen und auf der Couch liegt es sich auch besser, wenn nur ein Mensch und eine Katze drauf liegen. Wir teilen uns das Leben, und das darf auch gern so bleiben.

2/ wie hast du die tiere bekommen, oder woher kommen die tiere?

Er kam eines schönen Abends laut rufend den Platten- (Garten-) weg entlang an meine Tür: „Hallo, ist hier wer, ich habe nämlich Hunger, ich suche einen Platz zum Bleiben.“ Ich machte die Tür auf, sah ihn an, er sah mich an, ich nahm ihn auf den Arm, mein Herz floss über: Liebe auf den ersten Blick. Er entschloss sich zum Bleiben (Freigänger), ich suchte die Bäume und Laternenpfähle in der Umgebung nach Suchmeldungen ab und rief die zuständigen Stellen an: Keiner vermisste diese Katze, etwa einjährig (laut Auskunft Tierarzt), kastriert, sozialisiert (man stellt sich an den Kühlschrank und benutzt ein Katzenklo) und vom ersten Tag an ungeheuer menschbezogen.

3/ bist du veganer oder vegetarier?

Nein, ich bin bestenfalls ein Immer-weniger-Fleischesser, versuche aber, gerade was Fleisch angeht, sehr bewusst zu konsumieren. Auch möchte ich nicht auf Milchprodukte und Käse verzichten.

 

Die Katze und der Arm – 365tageasatzaday„Nicht den Arm wegnehmen, schläft sich gerade so gut!“
Quelle: ichmeinerselbst mit dem Handy und dem Fellträger meines Herzens

 

 

Adjektive und nasse Fellträger

Wenn Leute über Schreibratgeber sprechen, dann lese ich relativ häufig, dass Adjektive „von Übel“ seien. Meistens in Verbindung mit dem wunderbaren „Show, don’t tell“ („Zeigen, nicht erzählen“). Ich halte das zwar für eine radikale und zum Teil unzulässige Verkürzung, bin an dem Thema aber bisher weder dran noch damit durch.

Ich muss allerdings zugeben, dass diese meine Beschreibung einer verregneten Nacht einprägsamer ist als nur zu sagen, dass sie SEHR verregnet war. Dafür ist sie erheblich länger. Spoiler: Achtung, Cat-Content! :-D

 

Der Regen trommelt auf mein Dachfenster und ich höre, dass sich die Bäume im Wind bewegen. Ich liebe das. Umdrehen, einkuscheln, weiterschlafen, die Silhouetten zeichnen sich verschwommen an der Wand ab, es ist noch dunkel. Draußen erhebt sich ein Katzchenstimmchen. „Mau! Maaaaauuuuu! Miiiiiaaaaaaauuuuu! Ich bin hier, lass mich rein, bitte bitte bitte!“
Nun haben wir einen Deal, der Fellträger und ich: Wenn er es schafft, mich wach zu machen, stehe ich auch auf. Ich fluche, tappe die Treppe hinunter zur Tür und öffne. Auftritt Fellträger.

Er ist ein stattliches Exemplar mit viel Fell in voller Blüte seiner Katerkraft. Normalerweise. Jetzt klebt das Fell am Körper, an seinen Seiten läuft Wasser hinunter und die Pfoten hinterlassen Schmutzspuren und Wasserlachen auf dem Laminat. Gefühlt halb so groß wie sonst, hätte ich fast Zweifel, dass das meine Katze ist. Natürlich habe ich sein Handtuch parat, natürlich lässt er sich gern abtrocknen. Er schüttelt sich wie ein frisch gebadeter Hund, Tropfen fliegen. Dann dreht er sich um und stellt sich an die schon wieder geschlossene Tür. Nanu? Ich öffne, er macht ein paar Schritte nach draußen, senkt den Kopf, beißt herzhaft zu, dreht sich wieder um und möchte mit einer eindeutig bereits toten Maus nach drinnen. Ohne jeden Zweifel, um sie im Trockenen zu fressen.

„Spinnst du?“ frage ich ihn und wehre ihn mit dem Handtuch ab. „Wie kommst du darauf, dass du mit einer Maus über die Schwelle kommst?“ Nun ist genau das schon häufiger passiert. Er versucht, Mäuse reinzubringen, legt sie neben seinem Futter ab, um sich sattzufressen und sich dann danach den Mäusen zu widmen. Die leben aber meist noch. Ja, sehr lustig.
Diese Maus ist glücklicherweise sehr tot.

„Entscheide dich“, sage ich zu ihm. „Du oder die Maus.“ Er sieht mich an, kauert sich hin, beißt erneut in die Maus und fängt an, sie zu verspeisen. Ich höre kleine Knochen krachen.
Muss ich mir das ansehen? Wirklich nicht.
„Alles klar“, sage ich zu ihm, „bis in ein paar Stunden“, und schließe die Tür.

Er kommt in der Morgendämmerung nach Hause. Das Miau ist nicht leiser, das Fell nicht trockener, aber er ist ohne Mäusebegleitung. Schlägt sich den Bauch mit Futter voll, rollt sich auf seiner Decke zusammen und fällt in Tiefschlaf.

 

nasse Katze – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Wünsche euch einen wunderbaren Tag, ob nass oder trocken! :-)

 

Rutsch mal, Dicker!

Was soll das heißen, Weltkatzentag war gestern? Wo ich bin, ist jeden Tag Katzentag, hast du das etwa vergessen? Und wieso soll ich rutschen? Ich liege hier auf meiner Decke am Ende, die du mir hingelegt hast … okay, mit dem Kopf. Wie, ich bin eine große Katze und brauche mehr als die halbe Bank? Ich bin weder übermäßig groß noch dick, wie kommst du dazu, zu mir „Rutsch mal, Dicker!“ zu sagen? Jetzt ist Sommer, da sieht man sogar, dass ich schlank bin, weil ich gerade kein Winterfell habe. Was du ja immer so süüüüüüüß findest, mein Winterfell. Okay, das steht mir, ich bin ja auch nicht blind und du bist nicht die Einzige, die das sagt. Groß und stattlich, genau, mit diesem Katerkragen und diesen puscheligen Ohren. Es hat Vorteile, ich bin bisschen entspannter bei Kälte, vor allem als du, wenn ich das mal sagen darf.

Hör mal, es ist zu warm für Zusammenrollen, das musst doch selbst du einsehen! Hör auf, mir das Fell zu verwuscheln, und geh aus der Sonne, ich finde das gerade toll so. Am besten, du tust so, als wärest du gar nicht da. Hast du schon mal darüber nachgedacht, dass mein Futter fast alle ist, falls du Beschäftigung brauchst?

Wie? Wo gehst du hin? Was ist denn das? Der Liegestuhl? Im Schatten? Dein Kaffee schmeckt mir nicht, aber gibst du mir ein bisschen von dem Eis ab? Wenn ich mir das recht überlege, magst du das doch bestimmt, wenn ich auf deinem Schoß liege, oder? Du darfst auch lesen. Und wenn du mich vielleicht hinter den Ohren kraulen würdest, das könnte ich jetzt total gut ab. Ich schnurre auch. Das wäre doch ein Angebot? Ach, danke.

 

Schlafender Fellträger – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst und der Fellträger

 

Happy Fellträger

I am so good at sleeping, I can do it with my eyes closed.
(Ich bin so gut im Schlafen, dass ich es mit geschlossenen Augen kann.)
(Autor unbekannt)

Da ich sein Geburtsdatum nicht kenne, habe ich mich entschlossen, des Tages zu gedenken, als er zum ersten Mal hungrig und auf der Suche nach Anschluss seine vier Pfoten über meine Schwelle setzte. Ein Freund versorgte mich mit Katzenfutter (man muss Gästen ja was anbieten), mein Lieblingsmensch sagte später angesichts des im Baum herumtobenden Fellträgers: „Ich glaube, wenn du willst, hast du eine Katze.“

Ich dachte da noch, dass er eine Urlaubswaise sei und dass ihn jemand bestimmt vermissen würde, menschenerfahren wie er eindeutig war. Das denke ich eigentlich immer noch, aber WAS ich inzwischen sagen kann, ist, dass nirgendwo in der Nähe Zettel („Suche verzweifelt Katze!“) mit seinem Bild auftauchten, und dass unser Tierheim, wo ich ihn meldete, froh war, dass ich ihn nicht bei ihnen abgeben wollte.

Seitdem habe ich einen Rund-um-die-Uhr-Job. Bin Dosenöffnerin, Füße-und-Fell-Trocknerin, Türöffnerin, Kraulerin und die, zu der man gerannt kommt, wenn was ist und der man alles mitbringen kann, was man so erlegt hat, wenn man gelobt werden will. Man liebt, beschnurrt, kratzt und beißt, behütet und ignoriert mich, je nach Laune.

Ich kann nicht wirklich abstreiten, dass ich diesen Aufträgen mit Freude nachkomme … :-D

 

Fellträger auf der Lieblingsbank – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst mit dem Tiger meines Herzens

 

Tote-Maus-Nonsens

Vor der Tür beinahe auf eine tote Maus getreten. Barfuß. Besonders schön. Zur Abwechslung war sie noch nicht angeknabbert und noch nicht mal von Fliegen umschwirrt.

„Du glaubst doch nicht etwa plötzlich, dass du für dein Essen arbeiten müsstest?“ frage ich den vermutlichen Verursacher, der sich vor seinen Futternäpfen aufgestellt hat und Nachfüllen fordert. „Oder hattest du nichts Besseres zu tun?“
Er wirft mir einen langen Du-hast-mal-wieder-keine-Ahnung-Blick zu. Offensichtlich ist es draußen NICHT zu heiß, jedenfalls nicht für ihn. Ich glaube, er hatte schlicht Langeweile, denn vorhin, als ich mit der Gießkanne unterwegs war, stand er maunzend neben mir und wollte helfen.

28 °C im Schatten, leichter Wind. Eigentlich ganz angenehm. Fellträger wieder raus, Fauna und Flora und Griller erschrecken. Ich glaube, ich gehe auch in den Schatten …

Habt einen gemäßigten, traumverlorenen Tag! :-)

 

Katze auf der Bank – 365tageasatzaday

Quelle: ichmeinerselbst

 

Katzenklage

Früher Morgen, der Regen rauscht.

Zögerlich hebt eine Klage an.
„Ich weiß ja, es ist früh am Morgen und du schläfst noch.
Aber ich sitze hier auf dem Dach
und ich bin total nass
und ich habe Hunger
und es ist so ungemütlich hier draußen.
Also könntest du bitte bitte wach werden
und mich reinholen?“

Ich stehe auf, tappe zum Dachfenster.
Auf dem schrägen Fenster sitzt ein kleines, tropfnasses Etwas.
Mein Herz schmilzt vor Rührung gleich mit.

„Komm herein, armes, kleines Katertier.
Hast du denn keinen trockenen Platz finden können?
Was ist die Natur doch böse und ungerecht
zu einer nassen und  hungrigen Katze.“

Er springt über meine Schulter ins Trockene
und läuft zu seinem Futter.
Ich werfe ein Handtuch über ihn und reibe ihn ab,
denn er hinterlässt nasse Tapsen auf dem Boden.
Stört ihn nicht mal. Oha.
Ich fülle Futter nach.

„Ich gehe noch ein bisschen schlafen, Katertier.
Komm nach, wenn dein Bauch voll ist.“

Für genau diese Fälle liegt eine Wolldecke auf meinem Bett.
Ich drifte schon wieder ins Land der Träume,
als ein schweres Gewicht über mich steigt
sich schmatzend putzt
und sich vor meinem Bauch zusammenrollt.

Früher Morgen, der Regen rauscht.
Die Katze schnarcht.
Die Zeit bleibt stehn.

Fellträger im Baum – 365tageasatzaday

Quelle: ichmeinerselbst