Kulturbeutel

… hier mein Rasierzeug | im Beutel aus Leinen.

(aus Günter Eich, Inventur, hier das gesamte Gedicht)

 

Ich rätsele an den 11 Fragen des geschätzten Herrn lz herum und bleibe schon bei der ersten hängen:
1• bestücke einen Koffer mit 11 Dingen für eine 11 tägige Reise.

Okay. Kleidung und … das, was man zur täglichen Hygiene, Pflege und optischen Verschönerungs- und Wartungszwecken so mit sich herumschleppt. Ich stocke. Ist es wirklich immer noch so, dass sich das dazugehörige Ding „Kulturbeutel“ schimpft? Passt also in Deutschland die Kultur in einen Beutel? Hm. KULTUR? Wikipedia klärt mich auf, „im Rheinland ist der ältere Ausdruck Necessaire oder Nessessär ([neße’ßä:r], von frz. nécessaire für ’notwendig‘) geläufig“. Was im Schriftdeutschen also schon Kultur, ist im Französischen noch „Notwendigkeit“. Hmhm.

Belegt ist der Begriff wohl seit Mitte des letzten Jahrhunderts. etymologie.info vermutet „Man wollte auch auf Reisen nicht auf ein Mindestmass an ‚verfeinerter Lebensweise‘ verzichten. […] Und so verstaute man die notwendigsten Pflegemittel und -werkzeuge in leichten Beuteln – dem Kulturbeutel.“

Ein Kulturbeutel ist also ein Zeichen für Körperkultur, lerne ich, und ich betätige mich demnach kulturell, wenn ich mich wasche. Aha. (Anthropologen/Ethnologen: bitte weiterlesen, es gibt hier nichts zu sehen.)

Nochmal etymologie.info: La culture c’est comme la confiture – moins on en a, plus on l’étale.
(Die Kultur ist wie Konfitüre – je weniger man hat, umso breiter streicht man sie aus.)

In diesem Sinne!

 

Kulturbeutel – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

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