Walpurgisnacht | abc.etüden

An Tagen wie heute konnten ihr alle gestohlen bleiben, da war ihr Gemüt nicht gläsern und heiter, sondern bemüht kontrolliert. Walpurgnisnacht. Leben, Liebe, Zweisamkeit. Sonst ein Anlass für Party, in diesem Corona-Jahr ging nicht mal das.

Außerdem gab es da jemanden. Endlich. Jemand, der ihre Sehnsucht erkannt hatte, der machte, dass ihr Herz flatterte, wenn sie an ihn dachte. Und was konnte sie tun? Nichts. Sie fühlte sich zum Nichtstun verdammt. Das Lied von den Königskindern fiel ihr ein. Sie schnaubte verächtlich.
Hoffen und Harren hält manchen zum Narren.
Sehnsucht.

Draußen ging ein warmer Frühlingstag in einen ebenso angenehmen Abend über. Ihr Fenster stand weit offen, sie hörte die Vogelgesänge ebenso wie das Geschrei ihrer Nachbarn, die später bestimmt wieder grillen würden. Die letzten Sonnenstrahlen trafen auf ihren kuscheligen Hochflor-Teppich, der eigentlich mehr ein Teppichläufer war, und sie gab dem irrationalen Bedürfnis nach, sich darauf zu werfen, mit der Hand darüber zu streichen und „Verdammt, ich will zu ihm“ zu flüstern.

„Findest du dich nicht ein bisschen arg theatralisch?“, fragte eine Stimme, von der sie sofort sicher war, dass nur sie sie hören konnte, denn schließlich sprachen Katzen nicht, oder? Außerdem hatte sie keine Katze.
„Immerhin warst du so intelligent, dir den Teppich auszusuchen und keinen Besen, mit dem hätte ich dich nur zum Hexentanzplatz bringen können. Ein Teppich ist echt variabler.“
Sie starrte die neben ihr sitzende Katze, die keine Katze sein konnte, an.
„Hier liegt ein Kissen, da und dort sind Haltegriffe, und weil ich nett bin, gibt es auch noch eine Wärmedecke. Sollte dir schlecht werden, sag rechtzeitig Bescheid, der Teppich ist eigentlich nicht für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt, aber wir müssen uns beeilen. Okay?“
Sie nickte verwirrt.

Wie ein Pfeil schoss der Teppich aus dem Fenster, verharrte kurz, um sich zu orientieren, und verschwand in Richtung Süden.

 

abc.etüden 2020 17+18 | 365tageasatzadayQuelle: Rhea Lofranco auf Unsplash, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 17/18.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Myriade und lauten: Teppich, gläsern, flattern.

Jaha, es könnte sein, dass Fräulein Honigohr und Rüdiger hier in Gedanken Pate standen, jaha, irgendwie ein bisschen …

Kommt gut in und durch dieses lange Wochenende!

 

Schreibeinladung für die Textwochen 17.18.20 | Wortspende von Myriade

Corona und kein Ende, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, und obwohl ich sicher bin, dass ihr es so satt habt wie ich auch, müssen wir alle auf uns und aufeinander achten. Nehmt es mit Humor und bleibt heiter. Vielleicht helfen ja die Etüden ein bisschen beim Ablenken.

Die Statistik weist dieses Mal 50 Etüden von 31 teilnehmenden Blogmenschen aus. Am heftigsten hat die Muse Sabine und Gerhard mit jeweils 6 Etüden geknutscht, abgeschlagen sind dagegen Werner und Lea mit jeweils 3.
Nochmals ganz herzlich neu bei den Etüden begrüßen möchte ich Melina und die Scherbensammlerin: Schön, dass ihr uns gefunden habt, ich hoffe, die Etüden sind dauerhaft was für euch.

Vielen Dank wie immer an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben!

Aus irgendwelchen mir unbekannten Gründen hat WP letzte Woche bei ein paar Etüden nicht gepingt, eine meiner eigenen eingeschlossen. Bitte kontrolliert daher die Liste wie ein Schießhund, ob jede eurer Etüden dort verzeichnet ist. Ich trage gerne nach – ich möchte keine*n vergessen.

Disclaimer: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Donka auf onlybatscanhang: hier
Ulrike auf Blaupause7: hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier, hier, hier, hier, hier und hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier und hier
Ela auf 365 Tage in Richtung 60: hier
Elvira vom Quilt-Traum: hier
Anne auf Wortperlen: hier
Lea auf kommunikatz: hier, hier und hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier, hier, hier, hier, hier und hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier
Ellen auf nellindreams: hier und hier
Sofie auf Sofies viele Welten: hier
Die Scherbensammlerin auf Scherbensammlerin: hier und hier
Yvonne von umgeBUCHt: hier
Melina auf Innen-Reise-Wege: hier
Olpo Olponator auf olpo run: hier und hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier
fraggle auf reisswolfblog: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Puzzleblume auf Puzzle: hier und hier
Judith von Mutiger leben: hier und hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Martina auf Und sonst so?: hier
Veronika auf vro jongliert: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier
Andrea im Hummelweb: hier

Die Wörter für die Textwochen 17/18 des Schreibjahres 2020 stiftete Myriade mit ihrem Blog la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée. Sie lauten:

Teppich
gläsern
flattern.

 

Ich bin sehr gespannt, was euch (und mir) dazu einfallen wird.

Es gilt weiterhin der öde, blöde Etüden-Disclaimer. Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 03. Mai 2020. Habt weiterhin ein schönes Wochenende und bleibt … ihr wisst schon.

 

abc.etüden 2020 17+18 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

abc.etüden 2020 17+18 | 365tageasatzadayQuelle: Rhea Lofranco auf Unsplash, bearbeitet von mir

 

13 – Das Geschäftsmodell der Mitzi-Tant | Adventüden

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

 

Das Geschäftsmodell der Mitzi-Tant (Myriade, la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée)

 

Um die Weihnachtszeit geht doch nichts über Vanillekipferl. Es gibt sie zwar im Handel schon fast zu jeder Jahreszeit, aber die ab Mitte Dezember hausgemachten sind nicht zu übertreffen. Vor allem die von der Mitzi-Tant nach dem alten Familienrezept. Die Mitzi-Tant, eine in vielen Sparten erfolgreich tätige Dame, betreibt mit ihren Vanillekipferln einen blühenden Handel ohne irgendwelche Berührungsängste mit »Weihnachtszauber« genanntem Kitsch.

Ihr Verkaufsstand auf dem im Advent ungemein beliebten Wiener Spittelberg gehört zu den angesagten, denn sie hat es irgendwie geschafft, in einem Christkindlmarktführer für Touristen erwähnt zu werden. Den Spagat zwischen den angepriesenen klassischen Vanillekipferln nach ererbtem Rezept und dem Massentourismus schafft die Mitzi-Tant spielend. Die Qualität ein bisserl senken, den Preis ein bisserl anheben und geht schon, wie man in Wien sagt.

Die Vanillekipferl liegen in Blechdosen, die mit weihnachtlichen Motiven geschmückt sind, also Tannenzweigerl und Kerzerl und Glockerl und Engerl. Rentiere und der Cola-Mann kommen der Mitzi-Tant nicht auf die Dosen, sie bevorzugt althergebrachte Motive. Die verkaufen sich auch wunderbar. Dazwischen weihnachtliche Teekannen mit besonders barocken Engerlfiguren oder etwas Ähnlichem, die eine ihrer weniger künstlerisch begabten Freundinnen mit einer Vorliebe für Botero getöpfert und bemalt hat. Hin und wieder verkauft sich auch eine von den Kannen. Wenn die Künstlerin es nicht hören kann, bewirbt die Mitzi-Tant die Teekannen auch als Vasen oder Luftbefeuchter. Man kann ihr nicht vorwerfen, sich nicht um ihre Freundinnen zu kümmern.

Auch ihre Kunden sind ihr durchaus nicht egal. Hiobsbotschaften kommentiert sie immer sehr mitfühlend:
Was? Ein Stück Holz im Kipferl? Zahn ausgebissen? Das tut mir aber wirklich leid!
O je! Nussallergie? Erst 37? Wer hätte das geahnt?!
Echt, der nette Herr von vorhin? Zuckerschock? Wie schrecklich.

»Weihnachten ohne Vanillekipferl, undenkbar« sagt die Mitzi-Tant und lässt sich ein tatsächlich von ihr selbst nach dem alten Rezept produziertes Vanillekipferl auf der Zunge zergehen.

 

Adventüden 2019 13 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Schreibeinladung für die Textwoche 25.18 | Wortspende von Myriade

Nachdem der „Pfiffikus“ der abgelaufenen Textwoche doch so einiges an heiter-besinnlichen Etüden (und auch weniger heitere) hervorgebracht hat, geht es in der neuen Woche mit einem ziemlichen Paukenschlag weiter. Ich weiß, ich behaupte das fast jede Woche, dass es in der nächsten Woche „schwer“ werden würde, aber dieses Mal fühle ich mich echt … auf dem falschen Fuß erwischt. Hm!

Die Wortspende der nun anbrechenden Textwoche 25.18 kommt von Frau Myriade mit ihrem wunderbaren Endlosnamen-Blog la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée. (Hattest du eigentlich jemals erklärt, warum dein Blog so heißt? Sag nicht, der Satz wäre selbsterklärend. ;-)) Ihre Wörter lauten jedenfalls:

Ödipuskomplex
giftgrün
voltigieren.

 

Ich hoffe, ihr habt wieder Spaß, daraus eine Geschichte zu basteln, und fühlt euch im angenehmen Sinne herausgefordert. Wie immer, ihr wisst: Diese 3 Wörter bitte in maximal! 10! Sätzen unterbringen! Auch in dieser Woche stammen die Illustrationen von dem werten Herrn lz., vielen Dank, Ludwig!
Euren Beitrag verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüde auch ganz sicher von Myriade und mir und von allen, die es interessiert, gefunden werden kann.

 

2018_25_1_eins lz | 365tageasatzaday

 

 

Kriegsgewinnler | abc.etüden

Die wochenlangen Baggerarbeiten am Flussbett – Vorbereitungen für den Brückenausbau – waren für die kleine Anliegergemeinde schon mit viel Lärm und Schmutz verbunden gewesen. Als man jedoch die Leiche verdreht hängend in der Baggerschaufel entdeckte, kamen sie abrupt zum Stillstand. Dass der Tote als bekannter Politiker identifiziert wurde, der in den letzten Tagen als Held der Nation gefeiert worden war, weil er unerwartet in einer viel beachteten Umweltfrage (aus Gewissensgründen, wie breit gestreut wurde) im Europaparlament mit Nein gestimmt hatte, brachte das Dorf endgültig in alle Schlagzeilen. Die Wahrscheinlichkeit eines nicht-natürlichen Todes erhöhte sich mit jeder Spekulation darüber, wem er auf die Füße getreten war – und warum.

Der Einzige, der sich auf die langwierigen Untersuchungen geradezu freute, war der Inhaber der Bäckerei im Ort. Ob Kripo, Medien oder Bauarbeiter, für ihn waren sie alle gleich: Zahlende Kunden, die rund um die Uhr Kaffee und seine frischen, belegten Brötchen wollten. Er ging davon aus, dass jemand dem Toten Betonschuhe verpasst hatte, weil dieser nicht gespurt hatte, und er nahm nicht an, dass das jemals ans Licht der Öffentlichkeit gelangen würde. Sollten sie sich alle doch ein Ergebnis nach Wunsch zusammenklöppeln, es kümmerte ihn nicht, Hauptsache, sein Laden lief.
Ob das Ferienhaus des Politikers am Ortsrand wohl demnächst zum Verkauf stehen würde? Er musste mal mit seiner Bank sprechen, nur für alle Fälle.

 

2017_48.17_eins_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 48.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Frau Myriade (laparoleaetedonneealhomme.wordpress.com) und lauten: Flussbett, langwierig, klöppeln.

Ich kenne „klöppeln“ tatsächlich am ehesten in der oben genutzten Bedeutung von „sich etwas zurechtmachen/-schieben“, und ja, ich HABE mich geärgert …

 

Schreibeinladung für die Textwoche 48.17 | Wortspende von Myriade

Ihr habt es vielleicht gelesen, liebe Etüdenfans, -leser/innen und -schreiber/innen, die Advents-/Weihnachts-/Silvesteretüden werden etwas anders, als das, was ihr kennt, und daher suche ich momentan Wörter für den Advent. Habt ihr schon gespendet? Gut! Wenn nicht, bitte hier entlang!

Bis nächsten Sonntag sind wir aber erst mal in der Textwoche 48.17 angekommen und beschäftigen uns mit den Wörtern, die sich Frau Myriade vom Blog la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée (du wirst mir hoffentlich verzeihen, dass ich den Bandwurm nicht in die Überschrift gepackt habe, ja?) ausgedacht hat. Leicht finde ich die Zusammenstellung auch nicht gerade, und ich bin sehr gespannt, was euch (und mir) dazu so alles einfällt. Hier sind sie:

Flussbett
langwierig
klöppeln.

Ihr wisst, dass es gilt, diese 3 Wörter in maximal! 10! Sätzen unterzubringen und dass die Textform dabei aber völlig wurscht ist. Euren Beitrag verlinkt ihr dann bitte hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüde auch ganz sicher von mir, von Frau Myriade und von allen, die es interessiert, gefunden werden kann.

Immer noch entspringen die Illustrationen dem kreativen Hirn des wertgeschätzten Herrn lz., dem Etüdenerfinder, der nach wie vor mit seiner Artpage unter ludwigzeidler.de zu finden ist. Danke, Ludwig!

Ich habe im Moment zu wenig Zeit für alles. Seht es mir also bitte nach, wenn ich nicht mit der üblichen Frequenz dabei bin (war die letzten Wochen schon so), es liegt NICHT an den Wörtern, ich habe ein Zeitproblem und bin froh, wenn es rum ist.

 

2017_48.17_eins_lz | 365tageasatzaday

 

2017_48.17_zwei_lz | 365tageasatzaday