Keine(r) wie du

Ich bin ja durchaus gern mal der Typ, der zwischen zwei gefüllten Töpfen verhungert, weil ich mich nicht entscheiden kann. Als ich also (endlich) Arabellas Aufruf „Die Welt braucht mehr Liebe – Blogger spielen Liebeslieder“ entdeckte, war die große Frage nicht, ob, sondern vielmehr, womit ich teilnehmen möchte. (Die Aktion läuft übrigens noch bis zum Wochenende, seid ihr schon dabei?) Denn Arabella fragt uns nach unserem „liebsten Lieblingsliebeslied“, und das legt die Latte dann doch schon ziemlich hoch.

Ich fing also an zu grübeln. Und grübelte. Und hörte auf Dauerschleife. Und grübelte. Und verwarf. Und grübelte.

Und irgendwann, als ich dabei war, hungrig und schwach zu werden (siehe oben), kam ich zu dem Entschluss, dass ich mich hierbei nicht entscheiden will und kann.
Es gibt für mich nicht DAS Lied. Es gibt und gab viele, manche sind primär mit Personen verknüpft, manche mit Träumen, manche mit Erinnerungen. Und sie sind meistens sehr, sehr unterschiedlich. Missen möchte ich keins.

Also habe ich mich für nur eines meiner Lieblingsliebeslieder entschieden, ohne ein Ranking vorzunehmen. Das ging dann übrigens ziemlich problemlos. Ich kenne es seit inzwischen vielen Jahren, der Text macht mich immer noch lächeln, wenn ich es höre, und ich mag den Sänger nach wie vor. Vorhang auf für Laith Al-Deen mit „Keine wie du“.

 

 

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Närrinnenträume | abc.etüden

„Ich will nur wissen, ob du bereit bist, wie ein Narr auszusehn, um deiner Liebe willen, um deiner Träume willen.“

Die Musik verebbte kurz nachdem er gegangen war. Die Stille, die sie plötzlich umgab, wog wie Blei auf ihren mutlosen Schultern. Er hatte natürlich höflicherweise darauf verzichtet es auszusprechen, aber sie war sich sicher, dass sie gewogen und für zu leicht befunden worden war; wieder einmal war sie nicht gut genug. Sie schleppte sich verzweifelt durch ihre Wohnung, starrte aus jedem Fenster in die beginnende Nacht. Liebe: ungenügend. Oh, natürlich hatte er gesagt, dass alles in Ordnung sei und dass er wiederkommen würde, schon bald, aber taten sie das nicht jedes Mal? Warum, warum, warum nur tat es immer so weh?

Die Türklingel riss sie aus ihren Ängsten. Als sie widerstrebend öffnete, sah sie zuerst nur den bunten Rosenstrauß, dann dahinter den Mann, der ihn hielt und sie anstrahlte.

***

Textstaub’sche abc.etüden, KW 4/ 17. Kürzestgeschichten in 10 Sätzen um die Liebe. Vorgegebene Wörter: Narr, Stille, Rosenstrauß. Könnte sich zu meinem neuen Lieblingsspielzeug entwickeln. Hier nochmals: Schönen Dank, der Herr, dass ich diese Woche Worte spenden durfte. Ich finde nicht, dass es die Sache leichter macht.

 

abc.etueden schreibeinladung 04.17 | lzVisuals mit freundlicher Genehmigung von ludwigzeidler

 

Ach, und wer wissen möchte, was das für ein Lied ist: Laith Al-Deen, Ich will nur wissen

Ja, der Liedtext hat auch eine Vorgeschichte, wer etwas über den wissen will, suche nach „Oriah Mountain Dreamer“ und „Einladung“ bzw. „The Invitation“ für das Original. Und natürlich mag ich, dass hier alle Leute mitsingen, auch klar, oder? Aber da Ulli mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass man ihn schlecht versteht, gibt es hier noch eine Version mit Lyrics.

 

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Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben!

Es ist wieder so weit, wir vertreiben die Zeit (viele mit Alkohol und Knallkram), und in diesem Jahr bin auch ich gern mit dabei (okay, eher leise, aber eher nicht nüchtern). Viele Erschütterungen hat mir das Jahr gebracht, positive wie negative, und die negativen waren verletzender, als leicht zu ertragen war. Aber das ist auch okay, es geht ja nicht darum, das Leben wegzulächeln.

 

Uhr am Schifferhaus Tönning – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben!
Sie zu halten, wäre das Problem.
Denn, wen ängstigts nicht: wo ist ein Bleiben,
wo ein endlich Sein in alledem? –

Sieh, der Tag verlangsamt sich, entgegen
jenem Raum, der ihn nach Abend nimmt:
Aufstehn wurde Stehn, und Stehn wird Legen,
und das willig Liegende verschwimmt –

Berge ruhn, von Sternen überprächtigt; –
aber auch in ihnen flimmert Zeit.
Ach, in meinem wilden Herzen nächtigt
obdachlos die Unvergänglichkeit.

(Rilke, Aus dem Nachlaß des Grafen C. W.)

 

„Ach, in meinem wilden Herzen nächtigt | obdachlos die Unvergänglichkeit.“

Was für ein Satz! Dass mein Herz (manchmal) wild (unbezähmbar) ist, das ist gut so, schließlich bin ich nicht (schein-) tot. Die Unvergänglichkeit? Sinn für das … Ewige? Kann ich ebenfalls bejahen, immerhin bin ich ja eine ehrfürchtige Sternguckerin, und was passt besser zu „Ewigkeit“? Und wenn die Unvergänglichkeit „obdachlos“ (also ohne Überdach) in meinem Herzen nächtigt, dann ist mein Herz nach oben offen, sozusagen ein Cabrio.😉
Die Ewigkeit übernachtet also in meinem unbezähmbaren Herzen, das zum Sternenhimmel hin offen steht. Wenn das keine Poesie ist, dann weiß ich auch nicht.

In diesem Sinne: Willkommen, 2017, ich bin gespannt, was du so mitbringst.

Und weil ich die Liedfassung am allerliebsten aus dem gesamten Rilke-Projekt mag, füge ich sie an: Laith Al-Deen: In meinem wilden Herzen. Euch allen eine gute Zeit!

 

 

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Sonntag, 14. September 2014

Ich will nur wissen
ob du allein sein kannst
und in den leeren Momenten
gern mit dir zusammen bist.

(aus: Laith al-Deen, Ich will nur wissen)

 

Wieder so was aus der Reihe „die interessanten Fragen“. Allein sein müssen ist nicht dasselbe wie allein sein wollen, sich allein zu fühlen nicht dasselbe wie allein zu sein. Ja, man KANN sich weigern, mit sich zusammen zu sein, man KANN sich ständig ablenken, man KANN sich betäuben – unter anderem auch mit Gesellschaft. Die große Stille … manchmal komme ich gut mit mir klar, manchmal nicht.
Laith al-Deen hat aus derartigen Fragen Musik gemacht (hier ist das Video) (hier ist der Songtext), und dabei auf den ziemlich bekannten Originaltext von Oriah Mountain Dreamer (hier ist das Original mit Erklärung zur Person, denn sie ist keine Indianerin) zurückgegriffen.

Mich macht das Lied/der Text immer wieder nachdenklich. Ich mag so was. Ihr ja vielleicht auch.

 

if you can see beauty – 365tageasatzaday

Donnerstag, 4. September 2014

Ach, in meinem wilden Herzen nächtigt
obdachlos die Unvergänglichkeit.

(Rilke, Aus dem Nachlaß des Grafen C. W.)

 

Was für ein Satz! Dass mein Herz (manchmal) wild (unbezähmbar) ist, das ist in Ordnung, schließlich bin ich nicht (schein-) tot. Die Unvergänglichkeit? Sinn für das … Ewige? Das kann ich bejahen, ehrfürchtige Sternguckerin, die ich bin. Und wenn die Unvergänglichkeit „obdachlos“ (also ohne Überdach) in meinem Herzen nächtigt, dann ist mein Herz nach oben offen, sozusagen ein Cabrio. ;-)
Die Ewigkeit übernachtet also in meinem unbezähmbaren Herzen, das zum Sternenhimmel hin offen ist. Wenn das keine Poesie ist, dann weiß ich auch nicht.

Dieses Gedicht in der Bearbeitung von Laith al-Deen ist eins meiner erklärten Lieblingsstücke aus dem Rilke-Projekt. Habt ihr auch welche?