Zu verschenken | abc.etüden

Sie war ambivalent. Sie liebte den Klang des Wortes, es hörte sich so viel melodischer und geheimnisvoller an als die Wahrheit: Sie war im Zwiespalt, zögerte, sich zu entscheiden. Sollte sie oder sollte sie nicht? War ihr Plan komplett bescheuert oder genial?

Noch einmal gab sie sich Phantasien hin, die süße Befriedigung versprachen – und schob sie weg. Ein neues Leben. Das war es doch, was sie wirklich wollte, ein Leben fernab aller Abhängigkeiten. Klar. Straight. Fit. Verantwortlich. Sensibel. Klimabewusst.

Sie sah sich selbst im Sessel hängen und verachtete ihre Schwäche.

„Mach es einfach“, schrie sie sich innerlich an, „los jetzt, Feigling, trau dich, tu einmal was nur für dich!“

Sie atmete tief durch.

Stand entschlossen auf, griff nach dem bereitstehenden Karton und kippte mit Schwung ihre gesamte Süßigkeitenschublade hinein. Ein energischer Griff – Plätzchenrollen aus dem Schrank und Schokoküsse aus dem Kühlschrank segelten hinterher. War das alles? Ja. Sie wusste es genau.

Den vollen Karton unter den Arm geklemmt, lief sie treppab zur Straße. Sie deponierte ihn an der Haltestelle, achtete darauf, dass das Schild „Zu verschenken“ gut sichtbar war, gönnte ihm einen endgültigen, erinnerungsseligen Blick zum Abschied und stapfte eilig zurück in ihren dritten Stock. Geschafft! Der Inhalt des Kartons fand bestimmt schnell Fans, um diese Uhrzeit waren viele Passanten unterwegs.

Sie warf sich auf die Couch und vermisste die Tröster jetzt schon. Aber sie würde es überleben, die ersten Tage würden schlimm sein und morgen würde sie bestimmt das Glas Nussnougatcreme leer fressen … Na und? Entscheidend war, keins mehr nachzukaufen. Sie war auf dem Weg zu einem weitgehend zuckerfreien Leben. Ihrer Gesundheit zuliebe, und nicht nur der.

Eine Verzweiflungstat? Keineswegs, dachte sie. Ein Befreiungsschlag.

 

abc.etüden 2019 36+37 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay (hier und hier), Bearbeitung: ich

 

Für die abc.etüden, Wochen 36/37.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Ludwig, dem Etüdenerfinder, und lauten: Verzweiflungstat, ambivalent, hingeben.

Genug Drama in den letzten Tagen. Aber bevor sich jetzt jemand nach meiner geistigen oder sonstigen Gesundheit erkundigt: Danke, alles gut. Ich halte derartige Hauruck-Aktionen in den seltensten Fällen für wirksam. Wer aber dazu neigt, abends den Kühlschrank oder die Plätzchenschublade zu überfallen, dem hilft es möglicherweise, nichts im Haus zu haben …

Ein kritisches Auge auf den eigenen Zuckerkonsum zu haben, ist jedoch auf keinen Fall eine schlechte Idee.

 

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Verantwortung | abc.etüden

Zu behaupten, ihre Gefühlslage sei ambivalent, war nicht nur ein Euphemismus, sondern eine fette Lüge. Sie schwankte zwischen zerreißendem Erschrecken und verschlingendem Zorn. Und Mitleid. Und ausgeprägten Schuldgefühlen.

Ihr Vater, der Auslöser der Misere, lag in seinem Krankenhausbett vor ihr und glich mehr denn je einem Häuflein Elend. Diagnose: ein frisch entdeckter, schwerer Diabetes mellitus, verbunden mit einem diabetischen Fuß. Der Arzt hatte soeben das Schreckgespenst Amputation an die Wand gemalt. Fuß ab oder tot, er könne wählen. Gottlob sei diese Verzweiflungstat noch keine medizinische Notwendigkeit, sondern erst das letzte Mittel, wenn nichts anderes anschlüge und er nicht auf der Stelle alles komplett umstelle. Es sei fünf nach zwölf.

Er hatte den Verlust ihrer Mutter vor Jahren nicht gut verkraftet. Nach ihrem Tod hatte er den Kummer mit Essen bekämpft, war kaum noch aus dem Haus gegangen, hatte stark zugenommen und immer weniger auf sich geachtet. Sie sahen einander nur selten, da sie in einer anderen Stadt ihr eigenes Leben lebte, telefonierten irgendwann bloß noch ein-, zweimal im Monat. Er hatte sich abgekapselt und sie hatte es zugelassen.
Manche schweißt ein Tod zusammen, andere nicht.
Jeder trauert anders, nicht wahr, und sie hatte schließlich ihre Mutter verloren. Und er war erwachsen und konnte auf sich selbst aufpassen.
Nun, anscheinend wohl doch nicht.
Nicht mehr.

Immerhin war er selbstständig zum Arzt gegangen, als die Blase, die er sich gelaufen hatte, über Wochen nicht zugeheilt war.

Und jetzt? Sich dem Jammer hinzugeben war auf jeden Fall nicht hilfreich. Die nächsten Monate würden zeigen, welche Veränderungen anstanden. Sie konnte nicht sagen, dass sie sich darauf freute.

„Ach, Papa!“

Er drückte schwach ihre Hand. Sie nickte aufmunternd.

„Gott sei Dank wissen wir jetzt Bescheid“, sagte sie und fühlte die Verantwortung tonnenschwer auf ihren Schultern lasten. „Wird schon wieder, Papa. Wir bekommen das irgendwie hin.“

 

abc.etüden 2019 36+37 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay (hier und hier), Bearbeitung: ich

 

Für die abc.etüden, Wochen 36/37.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Ludwig, dem Etüdenerfinder, und lauten: Verzweiflungstat, ambivalent, hingeben.

Diese Etüde ist insofern autobiografisch, als ich mal jemanden kannte, der darunter litt, und bei dem Diabetes exakt so diagnostiziert wurde. Also, Freunde: Wenn ihr bei euch oder bei euren Nächsten schmerzlose (Polyneuropathie) und schlecht oder gar nicht heilende Wunden feststellt, speziell an den Füßen, dann denkt dran, dass der Mensch auch Zucker, sprich Diabetes haben könnte.

Infos Diabetisches Fußsyndrom: Wikipedia, Diabetesinformationsdienst München

 

Schreibeinladung für die Textwochen 36.37.19 | Wortspende von Ludwig Zeidler

*Trommelwirbel* Es geht wieder looooooohooooos!
*Trommelwirbel* Es geht wieder looooooohooooos!
*Trommelwirbel* Es geht wieder looooooohooooos!

Na, alle wach, alle wieder aus dem Urlaub zurück an Bord des Etüdenschiffs?
Willkommen bei der ersten Runde nach den diversen Etüdensommerpausenintermezzos, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, ein Durchgang mit spannenden Wortspenden liegt vor uns. Aber bevor wir uns auf die neuen Wörter stürzen, die wie so oft am Anfang eines Trimesters (klingt das nicht toll gelehrt?) von unserem Etüdenerfinder Ludwig Zeidler freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden, habe ich zwei Punkte zum Etüdensommerpausenintermezzo nachzutragen.

Ich fange mit dem kürzeren Teil an, der Liste von der letzten Schreibaufgabe des Intermezzos. Ich bin nicht sicher, ob ihr fast alle im Sommerloch dem Tiefschlaf verfallen wart oder ob ihr wirklich alle keinerlei Rechnungen mehr mit euren verflossenen Etüden offen habt – auf jeden Fall haben sich betrüblich wenige für meine schöne Idee interessiert. Okay, ist dann so. Ja, ich werde das überleben.

Das Fähnlein der fünf Aufrechten bestand jedenfalls aus:

Katharina auf Katha kritzelt: hier und hier
Werner Kastens auf Mit Worten Gedanken horten: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier
Veronika auf vro jongliert: hier, hier und hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier

Ich danke euch, die ihr mitgeschrieben habt. Ich danke auch all denen, die sich den Kopf zerbrochen haben, aber nichts gefunden haben, was sie gereizt hat, den Faden neu aufzunehmen. Auch ich hatte viel weniger Etüden, als ich angenommen hatte, die sich spontan in den Vordergrund drängelten. Trotzdem finde ich es gut, sich mal durch seinen eigenen Kram zu lesen; das fand ich übrigens auch schon bei den anderen Intermezzos dieses Sommers. Und natürlich danke ich wie immer allen, die gelesen und kommentiert haben, was wären wir ohne euch.

Erfreulicher ist die Sache mit dem Adventskalender, siehe Etüdensommerpausenintermezzo 2019-I. Ich habe, Stand jetzt, bisher 20 Etüden für den Adventskalender erhalten, und habe Zusagen für weitere fünf. Wenn die alle eintreffen (wovon ich ausgehe, ein Mann, ein Wort, oder?), dann habe ich nur die Qual der Wahl.
Wenn irgendwas passiert (es kann ja immer was sein), dann kommt es drauf an, wie viele Etüden fehlen. Bei einer schreibe ich sie, bei mehr als einer lose ich aus, wer eine zweite schreiben darf. Ich finde das am fairsten allen Mitschreibenden gegenüber, dann nicht einfach eine von denen zu nehmen, die mir schon freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden (und die ich allesamt sehr schön finde), sondern wie gesagt, allen noch mal die Chance zu geben.
Ich gehe aber nicht davon aus, dass das nötig sein wird.
Die Verlängerung beträgt zwei Wochen (wer sie braucht, bekommt auch vier), ich sollte euch also spätestens bei der ersten Oktober-Schreibeinladung Vollzug melden können.
Nein, wer bis jetzt noch nicht mit mir Kontakt diesbezüglich aufgenommen hatte, kann beim Etüdenadventskalender nicht mehr mitmachen.

So! Nun aber! Die Wörter für die Textwochen 36/37 des Schreibjahres 2019 hat unser Etüdenerfinder Ludwig Zeidler, der zurzeit nicht bloggt, dankenswerterweise gespendet. Die neuen Begriffe lauten:

Verzweiflungstat
ambivalent
hingeben.

 

dergl hat mich dran erinnert, dass es genügend Menschen gibt, für die „Verzweiflungstat“ nicht nur eine literarisch-schreibtechnische Herausforderung darstellt, sondern die damit Gewalt und/oder Depressionen assoziieren – die sie erlebt haben oder gerade erleben. In ihrem eigenen Leben.
Daher für alle Fälle drei Anlaufstellen (kostenlos und anonym):
das „Hilfetelefon“ (Gewalt gegen Frauen, auch Beratung für Angehörige oder Freunde/Bekannte), Tel. 08000 116 016, www.hilfetelefon.de
die „Nummer gegen Kummer“ (für Kinder und Jugendliche; Eltern etc. andere Nummer, bitte über die Webseite aufrufen), Tel. 116 111, www.nummergegenkummer.de
die „TelefonSeelsorge“ (Sorgen von der Seele reden), Tel. 0800 111 0 111, www.telefonseelsorge.de

 

Der öde blöde Etüden-Disclaimer hat sich nicht weiter verändert: Bringt obige 3 Begriffe in einem Text mit maximal 300 Wörtern Länge unter.
Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe, den Stress tu ich mir nicht an.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright und sollen/dürfen zur Bebilderung eurer Etüden verwendet werden. Das Foto mit dem Hochzeitskleid hatte ich irgendwann irgendwo mal gesehen und habe mich auf den Tag gefreut, wo ich es mal verbraten würde, deshalb ist es drin.
Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter kommen am 15. September 2019.
Euch bis dahin viel Spaß damit und gute Ideen!

 

abc.etüden 2019 36+37 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay (hier und hier), Bearbeitung: ich

 

abc.etüden 2019 36+37 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung: ich

 

abc.etüden 2019 36+37 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung: ich

 

Ludwigs Etüden | Etüdensommerpausenintermezzo

Wer lange genug hier mitliest und mitschreibt, der*die erinnert sich bestimmt an die unnachahmlich schrägen, eigensinnig poetischen, dahingeworfenen Texte von Ludwig, unserem Etüdenerfinder (der bis heute keinen neuen Blog hat, was auch so bleiben soll). Wer nicht, der*die hat meiner Meinung nach was verpasst ;-), aber der*die bekommt beim Lesen hoffentlich ein Gefühl dafür, ob/dass ihm*ihr was entgangen ist. (Ludwigs Illustrationen für die Etüden habe ich übrigens hier gesammelt.)

Was seine Texte angeht, so hatte ich bei ihm angefragt, ob alle seine Etüden den Bach runtergegangen seien oder ob er in den Tiefen seiner Festplatte noch welche wiederfinden könnte, die ich beim Etüdensommerpausenintermezzo veröffentlichen dürfte. Konnte er! Darf ich! Ich habe fünf Texte ausgewählt und leicht editiert.

Ladys and Gentlemen, Irgendwas ist immer proudly presents: abc.etüden von Ludwig Zeidler. Enjoy!
Meine Lieblingsetüde (aus dieser Auswahl) steht am Anfang; alle Etüden unterliegen dem Copyright von Ludwig Zeidler.

 

***

 

Sie hatten sich viel vorgenommen in dieser Minikombüse am Sylter Strand. Edgar und Victor wollten diesen verfluchten Stern, sie kochten wie zwei Höllenhunde aus einer anderen Welt, Erbsenspeckflunderschaum und Safranstaubkussspuren waren nur eine kleine Ouvertüre am Meerwassersandtheater. In den „Lukullischen Samstagnachtstunden“ spielten die Stockhauerbrüder live und ungeschminkt  Zwölfton-Irisreinkarnationslieder, während Victor die Speisenabfolge mit Zauberblüten sowie Meeresbitteralgen auf Knospenkollisionskurs eröffnete. Edgar legte nach, formte Kräuterchipsblätter mit Chiligelee und Hagebuttenknallrauchkaramell.

Sie waren auf einem neuen Weg, mitten in den Dünen, und Käthe mit o schrieb die Menükarten als Lesegedicht für Gaumentänzer. Feuerwerke erhellten den Wolkenspagat und zogen am Strand lange Schatten mit Salzwasserduft.

Eintritt nach Anmeldung.

(Schreibeinladung für die Textwoche 17/17, Wörter: Safranstaubkussspuren, Knospenkollisionskurs, Irisreinkarnationslied)

 

***

 

Bahnhof

Elmar Koschinsky war mehr als genervt. Es war so kalt wie im Tiefkühler von Bofrost, dazu schneidender Ostwind, und von der Seite peitschte ihm schnurdünner Regen auf seine Holzbrille, hinter der sich ihm das Hier mehr als trist offenbarte.

Unterkammerhofen, ein Ort, ein Bahnhof, wie aus den schlechtesten Romanen von Kammerwirt & Schuldlos, sogar Warten bekam hier eine Bedeutung, die man sich weder wünschte noch vorstellen wollte.

Abgesperrt, verschlossen, entmenscht, leblos, trostlos, verlassen, er drückte sich hier in eine Mauernische dieser Baukunstverlassenheit und musste warten, während sich 30 Kilometer weiter Karla Unstruht in Wolle packte, die Schlüssel für den alten Lancia suchte und im Begriff war, ihn abzuholen.

Elmar Koschinsky dachte derweil an Prag, an die Mopedfahrt durch Holland und die wilden Zirkusnächte im vergessenen Tempodrom. Einstürzende Neubauten und der Himmel über Berlin, er dachte sich das Warten schön. Beckett erschien ihm nun in einem völlig neuen Licht.

(Schreibeinladung für die Textwoche 6/17, Wörter: Prag, Moped, Zirkus)

 

***

 

Warten auf die Königin

Sie warteten am Busbahnhof.
Zäh, die Zeit tropfte in den Tag wie falsch angerührter Tapetenkleister, eine Atmosphäre jenseits von Korallenriffen und Backerbsenhochzeit.
Wladimir und Estragon schauten über den See, schauten auf die einfahrenden Busse, warteten auf SIE.
Morgennebel tauchte alles in eine Landschaft wie mit dem Blumensprüher benetzt, es war ein Freitag, Freitag sollte SIE kommen.
Womöglich war es ihre existenzielle, alles beherrschende Aufgabe zu warten.

Und wenn SIE nicht kommt? Und wenn es ein anderer Freitag ist?
Womöglich hat die Königin Godot getroffen, und SIE kommt gar nicht.

Wladimir und Estragon warteten.

(Schreibeinladung für die Textwoche 7/17, Wörter: Königin, Backerbsen, Korallenriff)

 

***

 

Ludmilla hatte sich gefreut, schön gemacht und war, wie es ihrer Art entsprach, alles andere als unpünktlich.

Vierzehn Uhr an der Bushaltestelle, und heute, neunzehnter Dritter. Sie schaute in ihrer Tasche nach ihren Habseligkeiten, nach den Unterlagen, dem tieferen Grund ihrer Verabredung. Er wollte ihr helfen, diese Textarbeit über den Zaunkönig fertigzustellen, er hatte es ihr wohlmeinend angeboten und sie sagte erfreut zu, warum sollte sie daran denken, dass er sie versetzen würde. Sie war mehr als sauer, keine Nachricht, kein Zeichen, nichts, sie kickte in ihrer Wut eine herrenlose Coladose mit solcher Wucht an, dass sie wie eine Murmel über den leeren tristen Platz schepperte und fast am anderen Ende dieser Windhosenarchitektur blechern zum Stillstand kam. Es war jetzt fast fünfzehn Uhr und in die langweilige Tristesse begann es nun auch noch zu tropfen, kaltes Himmelwasser in stetiger Zunahme, sie dachte an Estragon und verfluchte ihre Verabredung mit Georg. Er war schließlich nicht Godot.

Den weiteren Verlauf dieses Tages dürfen Sie sich gerne in freier Form ausmalen.

(Schreibeinladung für die Textwoche 12/17, Wörter: Murmel, Habseligkeiten, Zaunkönig)

 

***

 

Er hatte es sich einfach vorgestellt.

Doch bei genauerer Betrachtung war es die totale Verarschung. Er ließ sich ohne groß nachzudenken auf den Deal ein, sagte Ja und Amen zu diesem sehr eigenartigen Urteil. Und jetzt war Rewohlt auf dieser verdammten Insel, er, der Meeresfrüchte hasste und von Inseln so viel verstand wie sein blasser Bruder von Rimbaud-Gedichten.

Aber da musste er jetzt durch, er mimte den coolen Hausmeister, arbeitete sein Pensum in stoischer Unlust herunter und nützte ansonsten jede freie Minute, um auf dem verlodderten Campingplatz in seiner Hängematte Dostojewski zu lesen.

Er gab sich unspektakulär dem Wind hin.

(Schreibeinladung für die Textwoche 11/17, Wörter: Hängematte, Urteil, Meeresfrüchte)

 

 

Alle Illustrationen unterliegen dem Copyright von Ludwig Zeidler und wurden mir für die Etüden von ihm freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

 

Dies ist ein Beitrag für die Lieblingsetüden des diesjährigen Etüdensommerpausenintermezzos.

 

Ich weiß gar nicht, was ihr habt | abc.etüden

Für ihn zählten materielle Werte, makellos, funkelnd und teuer. Die Frau, die Kinder, alles selbstverständlich perfekt, und falls nicht, dann besaßen sie immer noch am meisten, das reichte, damit alle anderen die Klappe hielten. Gut war nie gut genug, das Bessere ist der Feind des Guten, nicht? Highspeedleben am Limit. Die Zufriedenheit endete, wenn die Nachbarn, die sogenannten Freunde oder jemand aus der Verwandtschaft sich etwas leisten konnten, was ihn überstrahlte.

Abfallglück, das war das, was abfiel, das, was man geschenkt bekam. Zweitrangig, wie Gefühlsduseleien, Katzenvideos oder Regenbögen. Keine Zeit. Damit gab er sich nicht ab.

Oh ja, er arbeitete besessen, mit seinen eigenen Händen, war clever und nicht gerade unschuldig, riskierte so einiges. Und ebenso besessen warf er das Geld zum Fenster des neu erbauten Hauses hinaus. Mal eben mit der Familie in Urlaub, der Welt zeigen, dass man es konnte. Safari in Südafrika, Kreuzfahrt in der Südsee. Firmenpartys mit und ohne Drogen. Keine Weiber, dafür war er nicht der Typ. Aber einige ältere Kollegen hatten schon ihren Führerschein eingebüßt, die Gelage an Freitagabenden waren legendär – und er war keiner, der das Taxi nach Hause zahlte.

Anfangs hatte sie Angst gehabt, dass ihr Verfallsdatum bald überschritten sei und er sie entsorgen würde. Man hörte ja so viel. Aber nachdem er und sein Steuerberater immer wieder Papiere mitbrachten und zu ihr „Hier, unterschreib!“ sagten, begriff sie, dass sie doch wohl ein geschätzter Aktivposten in seinem Leben war und bleiben würde. Seine Firmen, erklärte man ihr, liefen auf ihren Namen. Nicht dass es sie interessiert hätte, sie vertraute ihm blind, außerdem war es bequemer.

Pfandflaschen zurückbringen, Essen aufwärmen? Wir haben das nicht nötig. Für den Preis seines Autos kauften andere Familien Wohnungen. Empathie, soziale Verantwortung? Nicht in diesem Haus. Armut, Ungerechtigkeit, soziale Kälte? Echt, ich weiß nicht, was ihr habt.

 

2019 02+03 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Woche 02/3.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Ludwig, dem Etüdenerfinder, und lauten: Abfallglück, Verfallsdatum, unschuldig.

Ich bin solchen Leuten schon begegnet, aber sie sind mir so fremd …

 

Schock | abc.etüden

Verdammt! Sie hätte schreien mögen und verhinderte nur mit Mühe, dass sie komplett ausrastete. So unschuldig und dumm konnte man doch gar nicht sein!
Ihr Gefühl von Vertrauen in die Menschheit hatte jedenfalls heute sein Verfallsdatum überschritten: Sie war bestohlen worden. Ein Tramper, den sie ein Stück mitgenommen hatte, hatte es geschafft, ihr unbemerkt aus der auf den Rücksitz hingeschleuderten Handtasche die Brieftasche zu zocken. Irrtum ausgeschlossen. Sie hatte es ein paar Raststätten später bemerkt.

Geld.
Karten.
Papiere.

Irgendwie ihre Existenz. Weg.

Sie beschimpfte sich für ihre Naivität und konnte die Tränen nicht unterdrücken. Man hatte sie wirklich und wahrhaftig beklaut! Sie, die Freundliche, sie, die nie jemandem etwas tat. Ihre Welt brach zusammen.
Die Menschen waren doch schlecht!

Zu Hause angekommen fuhr sie zur Polizei und erstattete Anzeige gegen unbekannt. Danach war der Abend für sie gelaufen. Daran, alles sperren zu lassen, dachte sie nicht.

Trotz ihres desolaten Zustandes schlief sie irgendwann ein. Sie albträumte natürlich fürchterlich und schreckte immer wieder hoch. Bis sie in einen merkwürdigen Traum rutschte …

Ein schwarzer Hund auf einem Rastplatz, der emsig am Rand unter Büschen und Bänken herumschnoberte. Herrchen fand, dass sein Hund sich beeilen solle. „Komm, nun lass das doch, das ist doch nur Abfall, was hast du denn da schon wieder? Zeig mal her, oh, das ist ja eine Brieftasche! Da ist ja was drin! Guter Junge! Komm mit, das müssen wir melden, die geben wir am besten ab.“

Ein Anruf von der Raststätte am nächsten Mittag. Ein Hundehalter habe ihre Brieftasche gefunden und abgegeben. Mühsam erinnerte sie sich an ihren Traum.
Abfallglück!
Die Menschen waren doch gut!

Am Nachmittag hielt sie ihre Brieftasche wieder in der Hand. Alles war da. Fast. Später erfuhr sie von drei erfolglosen Zugriffsversuchen auf ihr Konto.
Nur Bargeld und Dieb blieben verschwunden.

 

2019 02+03 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Woche 02/03.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Ludwig Zeidler und lauten: Abfallglück, Verfallsdatum, unschuldig.

Ja, diese Etüde hat einen autobiografischen Kern, und witzigerweise, wie ich finde, ist es das, was am unwahrscheinlichsten erscheint. Viel wichtiger ist aber, dass es passierte, bevor wir alle mit Handys herumliefen, und ich mochte das nicht modernisieren.
Sollte also jemand denken: „Warum hat sie denn nicht …?“, liegt es vermutlich daran.

 

Schreibeinladung für die Textwochen 02.03.19 | Wortspende von Ludwig Zeidler

Neues Jahr, neues (Etüden-) Glück, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen! Ich hoffe, ihr seid sanft reingerutscht und habt eure guten Vorsätze noch nicht aufgegeben? Ach, ihr hattet gar keine? Dann geht es euch wie mir.

Danke möchte ich gern all jenen, die für die nächsten Wochen Wörter gespendet haben. Ihr solltet alle eine entsprechende Mail mit euren Wochen im Mailfach gehabt haben.
Zuallererst danke ich jedoch dem Etüdenerfinder, der die Begriffe für die nächsten beiden Textwochen gespendet hat. Ja, der darf von der Regel Substantiv-Adjektiv-Verb abweichen. Keine Regel ohne Ausnahme.
Und last but not least danke ich all jenen, die zwischen den Jahren Zeit gefunden haben, eine oder sogar mehrere Etüden zu schreiben. Ich hätte mit weniger Beteiligung gerechnet, wenn ich ehrlich bin. Vielen Dank dafür!

Die Statistik: Wie gesagt, wir sind zwischen den Jahren, und einige Blogs machen einfach Winterferien. Dafür haben sich sensationell viele Blogs beteiligt, nämlich 18, die zusammen 23 Etüden abgeliefert haben, Spitzenreiter auch dieses Mal m.mama mit 3 Etüden! Und wir haben noch einen Neuzugang: Begrüßt mit mir Miki!
Schön ist auch, dass ein paar Leute Geschichten weiter- oder fertiggesponnen haben. An dieser Stelle möchte ich die geneigte Leserschaft darüber informieren, dass unser aller Anton (also eigentlich der Anton von Sabine Flumsel) jetzt wieder eine nicht-untote Katze ist. Wobei die Geschichte noch einige Anknüpfungspunkte offen lässt …

Okay, die Liste. Irgendwas falsch? Hab ich wen/was vergessen? Bitte Bescheid sagen! Sorry, bin gerade zwischen hier und sonstwo und vielleicht nicht ganz up to date.

Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier
Das andere Mädchen auf Das andere Mädchen: hier
Resi Stenz auf Resi Stenz: hier
Miki auf Miki: hier
m.mama auf Mein Name sei MAMA: hier, hier und hier
Die Hummel im Hummelweb: hier
LadyAngeli auf Mein Leben ist bunt: hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier und hier
Frau Vro auf vro jongliert: hier
Gerda auf GERDA KAZAKOU: hier und hier
Alexandra auf Blätterflug Gedankenschnuppen: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier
Rina auf Geschichtszauberei: hier
dergl auf Die Tinterkleckse sehen aus wie Vögel: hier und hier
René auf From a friend of Friends or How Überweiss changed my life: hier

Vielen Dank auch an alle, die gelesen, gelikt und kommentiert haben!

Die neuen Wörter für die Textwochen 02/03 des Schreibjahres 2019 spendete, wie oben schon erwähnt, unser Etüdenerfinder Ludwig Zeidler, der mir ebenfalls die Illustrationen überlassen hat. Nein, es wird nicht regelmäßig mehr als zwei Motive geben, ich wollte bloß keins wegwerfen.
Die Begriffe lauten:

Abfallglück
Verfallsdatum
unschuldig.

Der Etüden-Disclaimer: Die Headline heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, das wäre doch schade, oder?
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright.
Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen.

Die nächsten (regulären) Wörter gibt es am 20. Januar 2019. Euch viel Spaß und einen guten Etüdenstart ins neue Jahr!

2019 02+03 | 365tageasatzaday

2019 02+03 | 365tageasatzaday

2019 02+03 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, hier, hier und hier, Bearbeitung von mir

Selbst dran schuld | abc.etüden

Sie lächelte befriedigt, als sie sich umsah. Fast schade, dass sie das böse Frühlingserwachen morgen früh nicht mitbekommen würde, wenn er sein Büro betrat. Den ganzen Abend hatte sie den Shredder gefüttert (Sicherheitsstufe 3, Partikelschnitt) und aus den ach-so-wichtigen Geheimakten Kunstschnee fabriziert. In der letzten Stunde hatte sie damit seinen Schreibtisch in eine Winterlandschaft verwandelt und immer wieder schrill gekichert, als sie sich sein rotes Gesicht und die Wutausbrüche vorstellte.
Selbstverständlich hatte sie ihn darauf hingewiesen, dass es die sensiblen Daten immer noch in digitaler Form gab, gesichert auf einer Festplatte, die sie schnellstmöglich bei ihrem Anwalt hinterlegen würde, nebst gewissen Informationen, nur zur Sicherheit, sie war ja nicht blöd.

Oh, Männer, was für eine bescheuerte Spezies, warum nur war sie auf so eine Masche reingefallen? Sie hatten einige Monate lang im großen Stil Gelder abgezweigt, er, der Chef, und sie, seine rechte Hand, für sie war es das ganz große Ding gewesen und er hatte sogar von Liebe gesprochen, ha! Nur um dann in seiner dummdreisten Gockelhaftigkeit quasi vor ihren Augen die neue Schnepfe vom Empfang flachzulegen und wohl zu glauben, sie würde es nicht bemerken!

Hoffentlich hatte er sich gut amüsiert, denn leider, leider würde sie daraus die teuerste Nummer seines Lebens machen.
Die Verhandlungen versprachen jedenfalls schon mal interessant zu werden.

 

2018_15_2_zwei lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 15.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Ludwig Zeidler und lauten: Kunstschnee, Frühlingserwachen, dummdreist.

 

Stay tuned | abc.etüden

Es war notwendig, das RICHTIGE zu tun, damit sie ihn erkannten, wenn sie kamen, und das beschäftigte ihn Tag und Nacht.

Den Gedanken, sich FRB 121102 auf den Kopf zu tätowieren, hatte er verworfen, schließlich war dies ein menschgemachter Name und er wusste noch nicht, wie die Fuhrmänner kommunizierten. Zwar glaubte er nicht daran, dass der Körper, den er kannte, nach dem Start der Raumschiffe noch von Nutzen sein würde, dennoch wollte er das unvollkommene Vehikel, das seinem Geist hier zur Verfügung stand, nicht unnütz beschädigen.

Irgendwann explodierte schließlich eine Gewissheit in ihm und bescherte seinem Geist quasi als Supernovaüberrest die Antwort: Blut.

Sofort begann er damit, sein Blut bestrahlen zu lassen. Nachts, wenn er die Augen schloss, sah er das angereicherte Blut ultraviolett leuchtend durch das Netz seiner Adern pulsieren und fühlte, wie es ihn für die höheren Frequenzen empfänglicher machte.

Das Blut war der Schlüssel.

Immer hatte er auf den Ruf gewartet, sein kleines, bedeutungsloses Leben aufzugeben, nun rauschte er in seinem Innersten und seine Stimme wurde jeden Tag verständlicher.

HALTE DICH BEREIT! WIR SIND NAH!

 

2018_03_1_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 03.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Ludwig Zeidler und lauten: FRB 121102, ultraviolett, Supernovaüberrest.

Falls jetzt jemandem unbehaglich wird und sich wer fragt, ob der Typ (oder ich) vielleicht einen klitzekleinen Schatten hat: Das ist beabsichtigt. Und nein, sag mir keiner, dass das mit dem „Blut bestrahlen“ Schwachsinn ist. Es gibt eine (ähnliche) Methode der Eigenbluttherapie, die hat allerdings nicht diesen Effekt.  ;-)

Den Vorläufer gibt es hier. Den Nachfolger hier. Wer alle drei nicht kennt, sollte mit der ersten anfangen, sie steigern sich.

 

Schreibeinladung für die Textwoche 03.18 | Wortspende von Ludwig Zeidler

Vor einem knappen Jahr, liebe Etüdenfans, -schreiber/innen und -leser/innen, erschien auf dem inzwischen eingestellten Blog von Ludwig der erste Aufruf zu seinem neuen Projekt, den abc.etüden. Der Rest ist längst Geschichte (aber nicht vergessen), einige von euch schreiben seit damals schon mit, ich auch, aus reiner Nostalgie verlinke ich hier mal meine erste Etüde, die ich immer noch sehr mag, weil sie einige (damals aktuelle) Buchtitel listete. Danke, Ludwig, mein letztes Blogjahr war eindeutig ein Etüdenjahr, ich ziehe immer noch wirklich viel für mich da raus.

Ich schwöre, ich habs nicht speziell geplant, aber zu diesem Jubiläum hat Ludwig nicht nur wieder die Illustrationen gestaltet (4! Alles oder nichts!), sondern er  ist heute auch wieder mit seiner Wortspende am Start, so wie wir beide jeweils immer eine neue Wortspendenrunde mit unseren Wörtern eröffnen. Und da er sich um Konventionen nur sehr ungern schert, fallen seine Wörter aus allen meinen Vorgaben und entführen uns für die Textwoche 03.18 in den Weltraum (ja, ich musste sie auch nachschlagen): abc.etüden go space!

FRB 121102 (FRB = Fast Radio Burst, hier speziell zu FRB 121102 nachlesen)
ultraviolett
Supernovaüberrest.

Wie ihr wisst, gilt es, diese 3 Wörter in maximal! 10! Sätzen unterzubringen. Euren Beitrag verlinkt ihr dann bitte hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüde auch ganz sicher von Ludwig und mir und von allen, die es interessiert, gefunden werden kann.

(Musik auf eigene Gefahr.)

 

2018_03_1_lz | 365tageasatzaday

 

2018_03_2_lz | 365tageasatzaday

 

2018_03_3_lz | 365tageasatzaday

 

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Lyrics und mehr (Englisch)

 

Beitrag zur Qualitätszertifizierung | abc.etüden

Eigentlich geplant: einvernehmlicher Bürosex. Definitiv ungeplant: Schwangerschaft!!!

„Kann man wegmachen“, sagte er also, ganz der korrekte Sesselfurzer, „ich zahle.“
„Bist du bescheuert“, antwortete sie nicht ohne Entrüstung, „du bist zwar leider nicht sehr entgegenkommend, so privat so, aber ob mit dir oder ohne dich, das ist vielleicht meine letzte Chance auf eine eigene kleine Familie, ich werde schließlich nicht jünger. Du übrigens auch nicht.“

Auf seiner Habenseite standen bereits Abteilungsleitersessel, Doppelhaushälfte und Golfrasen, aber zu mehr Verbindlichkeit war er bisher nie bereit gewesen. Schließlich las er immer die Gebrauchsanweisung und das Kleingedruckte: Trau, schau, wem!
Tief in seinem Herzen hatte er nie wegen schnöder irdischer Güter und, äh, körperlichen Ergüssen an doch eher unpersönlichen Orten gewählt werden wollen. Aber nach einigem Nachdenken hing er reichlich schicksalsergeben an einer der ältesten Angeln der Welt: Frau genommen, Kind bekommen.

Er hoffte im Stillen, dass eine höhere Instanz das alles wenigstens als Beitrag zur Qualitätszertifizierung für seine nächsten Lebensjahre anerkannte.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 ludwig zeidler 20.17 | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler

 

Für die abc.etüden, Woche 20.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Ludwig Zeidler (poesiegarage) und lauten: Golfrasen, Gebrauchsanweisung, Bürosex.

 

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Träumt weiter, Jungs | abc.etüden

Ihr Name war Fräulein Meyer, Meyer mit Ypsilon. Vor ihr blieb in der Firma wenig verborgen, speziell was ihre männlichen Kollegen betraf.

„Und wirft der Arsch auch Falten, wir bleiben doch die Alten.“ Fräulein Meyer schnaubte bei dem Liedtext und wechselte den Sender. Als ob jemand auf runzlige Ärsche stehen würde! Reinfälle diesbezüglich ließen sich allerdings leider nicht ganz vermeiden, spätestens der Bürosex im Kopierraum (sowieso als Location total überbewertet, das Licht dort immer unvorteilhaft und wirklicher Genuss nicht planbar) konfrontierte sie mit teils unerfreulichen nackten Tatsachen.

Anderes war dagegen fast unbezahlbar: Auf den Firmenpartys geriet der Smalltalk der Herren über Urlaubsreisen, Food-Trends und Golfrasen bei ihrem wissenden Lächeln und ihrem tiefen Blick ins Stocken. Sie provozierte, was man(n) über sie dachte, und nutzte ihr Wissen schamlos.

Träumt weiter, Jungs. Dem Leben liegt nun mal keine Gebrauchsanweisung bei.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1ludwig zeidler 20.17 | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler

 

Für die abc.etüden, Woche 20.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Ludwig Zeidler (poesiegarage) und lauten: Golfrasen, Gebrauchsanweisung, Bürosex.

Oh nein, ich höre keine Ballermann-Musik, nicht mal aus Versehen. Das mit dem Falten werfenden Allerwertesten wurde in meiner Familie schon zu Zeiten zitiert, als Malle noch ein Tipp für Eingeweihte war. Keine Ahnung, woher es stammt.

Einen tatsächlichen Textbezug gibt es aber hierhin (Achtung, Ohrwurmalarm): Westernhagen – Willenlos

 

 

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