Sunshine Blogger Award

 

In diesen Tagen, wo Sonne, Regen und Sturm sich abwechseln und die Corona-Viren einen gefühlt immer enger umkreisen, erreichte mich ein fetter Sonnenstrahl mit einer großen Portion Licht und Freude. Alice von ihrem Blog Make a Choice Alice hat mich für den Sunshine Blogger Award nominiert, herzlichen Dank!
Ich erwische mich nämlich doch dabei, dass ich wie das Kaninchen vor der Schlange auf die Corona-Nachrichten starre/höre und mich öfter ein klein wenig unbehaglich fühle. Wie angenehm, mir stattdessen für einen Award Antworten (und Fragen) ausdenken zu dürfen!

 

Die Regeln:

  1. Danke der Person, die dich nominiert hat, und füge einen Link zu ihrem Blog bei (check ✔).
  2. Beantworte die 11 an dich gestellten Fragen (kommt sofort – check ✔).
  3. Nominiere 11 weitere Blogger für den Award und stelle ihnen ebenfalls 11 Fragen (ähm, ja, dazu später).
  4. Füge die Regeln und das Logo des Sunshine Blogger Award in deinem Beitrag ein (Logo folgt am Ende, check ✔).

 

Die Antworten:

1/ Wie stehst du zu Tieren? Hattest oder hast du ein Haustier?

Aber ja, klar, den Fellträger, der schönste und beste Kater aller Zeiten (nach eigener Einschätzung selbstverständlich, Katzen haben da weniger Probleme als Menschen).

Als Kind war ich gut Freund mit allem (Hund und Katz) aus meiner näheren Umgebung. Konsequenterweise wollte ich einen Hund, und zwar unbedingt einen Collie – vermutlich lief damals Lassie im Fernsehen. Okay, ich hätte auch ein Geschwister genommen, ich erinnere mich, ich fühlte mich trotz Freunden*Freundinnen ziemlich allein. Jedenfalls bekam ich beides nicht; bis wir ein paar Jahre später drei verlassene, circa vier bis sechs Wochen alte Katzenwelpen unter einem Holzstapel fanden. Einer davon zog nach ausführlichem Gebettel und riesig vielen Versprechungen meinerseits bei uns ein: die erste (und einzige) Familienkatze. Seitdem bin ich mit Unterbrechungen fest in kätzischer Hand.

 

2/ Wenn du ein Tier wärst, welches wärst du dann? Würden die Menschen, die du kennst, deine Einschätzung teilen?

Hmmm. Eine Katze? Es wäre auf jeden Fall die logische Wahl. Ich mag die kätzische Unabhängigkeit, den naturgegebenen Dickkopf, die Cleverness, wenn er oder sie etwas erreichen möchte, die Art der Kommunikation … ich liebe Katzen. Katzen sind wunderbar. Und ich glaube, keinen um mich herum würde das wundern, um die Frage zu beantworten.

Aber ich verrate euch was: Meine innere Katze denkt, sie sei ein Drache. Jawohl, so ein mythisches/mystisches Dingsda. Als Drache würde ich Schätze (welcher Art auch immer) hüten, wäre geheimnisvoll, ungeheuer klug (und weise) und könnte fliegen. Vermutlich wäre ich eher nett, aber nicht immer und jedenfalls NICHT zu jedem. Und nein, ich glaube, das denkt keine*r von mir.

 

3/ Was brauchst du, um dich so richtig zu entspannen?

Innere und äußere Ruhe. VIEL Zeit haben (und damit die Abwesenheit von Stress und Verpflichtungen) gehört auch dazu. Ein seltenes Gut.

 

4/ Familienmensch oder Eremit?

8 von 10 Punkten für den Eremiten. Solange es in meiner (Wohlstands-)Klause funktionierendes Internet und genug Futter für den Fellträger gibt, kann ich es gut aushalten.

 

5/ Würdest du, wenn du es könntest, deine Fehlentscheidungen rückgängig machen? (Sofern du welche gemacht hast, natürlich)?

Meine Entscheidungen haben mich zu der gemacht, die ich jetzt bin, und ich bin eher der Typ, der denkt, dass man verschüttetes Wasser nicht auffangen kann. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass ich mich das eine oder andere Mal anders entschieden hätte, gerade als ich noch jünger war und es nicht besser wusste.

 

6/ Wie hältst du es mit den leidigen Pflichten? Aufschieben oder ganz oben auf die To-do-Liste, damit sie weg sind?

Da möchte ich mich nicht festlegen. Manche Sachen mache ich diszipliniert und zackig, weil es halt sein muss, andere schiebe ich bis zur letztmöglichen Minute auf. Und nein, das sind nicht immer die gleichen, da spielt auch die Tagesform eine große Rolle.

 

7/ Welches Lied lockt dich zuverlässig auf die Tanzfläche oder bringt dich sogar im Supermarkt zum Tanzen?

Zuverlässig? Keins (mehr). Kann sich wieder ändern, aber momentan wirklich eher keins. Aber natürlich gibt es Songs, in diesem Fall Filmausschnitte, die mich zuverlässig äußerst fröhlich machen: Hugh Grant (und ich stehe sonst nicht sonderlich auf Anzugtypen) als tanzender Premierminister (Link zu YT) und die Elefantenpatrouille aus dem Dschungelbuch (Videos hier ansehen).

 

8/ Wenn du ein Talent/eine Begabung geschenkt bekämest (die du noch nicht besitzt), welche würdest du wählen?

Zeichnen. Mein Kopf scheitert an der Übersetzung von dreidimensionalem Sehen auf ein zweidimensionales Medium. Mit der Kamera hab ich den Bogen raus, mit der Hand leider nicht.

 

9/ Welches Sternzeichen hast du? Passt es zu dir oder hältst du das alles für Humbug?

Zwilling mit Jungfrau-Aszendent. Das ist nicht immer ein harmonisches Zusammenleben, denn der Zwilling will alles und sofort und die Jungfrau ist gern genau. Ich beschreibe das gern so: Stell dir vor, da ist plötzlich ein großes Loch im Boden. Unbekannter Herkunft, unbekannter Natur, unbekannter Tiefe. Während der Zwilling die Kunde darüber multimedial in die Welt hinausträgt und auf Pressekonferenzen glänzt, organisiert die Jungfrau die Sicherheitsabsperrungen drumherum, damit kein Neugieriger reinfällt und zu Schaden kommt, und koordiniert die Basics, die für einen reibungslosen Ablauf so anfallen …

Astrologie ist ein altes Analogiesystem. Richtig behandelt kann man mit ihr etwas über sich herausfinden (die klassische „Erkenne dich selbst“-Aufforderung), wobei, wie ich betone, Astrologie Lebensthemen aufzeigt, also Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten, aber nichts erzwingt. Eine Aussage wie: „Ich wurde zum Mörder, weil ich eine Mars-Pluto-Konjunktion auf dem Aszendenten habe“, ist kompletter Schwachsinn. Möglich ist, dass eine Mars-Pluto-Konjunktion auf dem Aszendenten die Wahrscheinlichkeit gewalttätigen Erlebens begünstigt – aber auch dann ist z. B. die Frage, in welchem Zeichen der Aszendent liegt und welche Einflüsse gleichzeitig dort noch einwirken. Das ist höchst individuell und komplex und kann von Zeitungs- und Zeitschriften-Astrologie etc. nicht mal ansatzweise abgedeckt werden. Letztere halte ich selten für mehr als Partygags.

 

10/ Bei welchem Rechtschreibfehler, den du siehst, stehen dir die Haare zu Berge?

Seufz. Bei so unglaublich vielen, dass ich eigentlich die ganze Zeit aussehen müsste wie der Struwwelpeter. Mein Favorit der letzten Zeit ist ein Fall von Deppenapostroph (ja, eine polemische, aber weit verbreitete Bezeichnung, siehe Wikipedia): nicht’s. War mir vorher noch nie begegnet.

 

11/ Was ist, deiner Ansicht nach, das wertvollste, was du zu verschenken hast?

Zeit. Freundschaft, vielleicht Liebe. Ich bin nicht der Ansicht, dass man sich das „verdienen muss“ (ich mag das Herrschaftsgefälle nicht), allerdings verschenke ich nicht alles an jede*n.

 

Die Fragen:

1/ Hast du in deinem Leben etwas gemacht, womit keiner gerechnet hat? (Magst du sagen, was?) Bist du zufrieden mit dem, was es dir gebracht hat?

2/ Schon klar, dass das einem ständigen Wandel unterliegt, aber was ist in deinem Leben gerade das beherrschende Thema (außer Corona *augenroll* – oder ist es das tatsächlich?)?

3/ „Essen ist die neue Religion“, hört man immer wieder. Wie stehst du dazu? Wie ernährst du dich? Bist du z. B. aus Überzeugung vegan, lebst du vegetarisch, kaufst und kochst du nur bio, regional, saisonal, schwörst du auf mediterrane Ernährung, machst du Low Carb, Kohlsuppendiät, 7 Wochen ohne (ich weiß, das ist was anderes), Weight Watchers, bist du eingeschränkt aufgrund von Unverträglichkeiten, lässt du liefern oder nimmst du dir am liebsten hier oder dort mal was mit, weil du eigentlich nie kochst oder, oder, oder – oder interessiert dich das alles so gar nicht und du verstehst nicht, was der Hype soll? Erzähl mal, das soll keine Ja-Nein-Frage sein.

4/ Bist du irgendwo ehrenamtlich engagiert? Patenschaft, Tafel, Tierschutz, Kirche, NABU, Arbeit mit Geflüchteten, was ganz anderes … magst du Erfahrungen teilen und/oder erzählen, warum gerade das?

5/ Morgens (wann) gibt es bei dir eher Kaffee (wie viel), Tee (welchen) oder etwas ganz anderes? Bist du eher eine Lerche, eine Eule oder ein Mischtyp (die gibt es auch, jawohl)?

 

Ja, das sind nur fünf. Ich nominiere nicht. Ich freue mich, wenn sich jemand von den Fragen angesprochen fühlt und sie beantworten mag. Auch in den Kommentaren hier, klar, wenn ihr die Fragen / das Stöckchen nicht auf euren Blog schleppen und dort verbuddeln/beantworten wollt.

 

Sunshine Blogger Award | 365tageasatzaday

 

Freitag | abc.etüden

Wie eine flackernde Kerze, dachte sie beim Anblick der alten Dame erschrocken, die auf der Terrasse die spärliche Frühlingssonne genoss. Verfluchter Winter, er nahm so viel.

„Renate, bist du das?“ Suchend sah die alte Dame sich um.
„Nein, Frau Neumann, ich bin doch Milena vom Pflegedienst. Wie geht es Ihnen heute Mittag?“

Sie kam jeden Tag zweimal, um das zu erledigen, was es zu tun gab. Auch, weil sonst keiner mehr da war. Haare, Haut, Gesichtsfarbe, die viel zu oft gewaschene und jetzt schlotternde Kleidung der alten Dame erinnerten Milena an ein ausgebleichtes Foto.
Wie anders waren die Herzlichkeit und das laute Lachen ihrer eigenen Großmutter gewesen, die bis zum letzten Tag vor Leben gestrotzt hatte. Mit ihr zu knuddeln war wie ein Ringkampf mit einem Bären gewesen. Einem, bei dem man gern unterlag, weil dann die pure Liebe über einem zusammenschlug.
Angenehm war es in der Sonne. Milena seufzte.

„Könnten Sie mir meine Decke von der Couch holen? Mir wird kalt.“
„Wie lange sitzen Sie denn schon hier, Frau Neumann? Haben Sie zu Mittag gegessen? Sie sollten hineingehen und einen schönen, heißen Tee trinken, nicht, dass Sie sich noch eine Grippe einfangen.“
„Nein, ich möchte gern hierbleiben. Heute ist doch Dienstag, da kommt Renate mich nachmittags immer besuchen. Wer sind Sie noch gleich?“

Ihre Jugendfreundin war vor sechs Monaten gestorben. Letzte Woche hatte die alte Dame das noch gewusst.

„Sie ist bestimmt gleich da, Frau Neumann. Kommen Sie mit in die Küche, dann helfe ich Ihnen, Tee und Kuchen vorzubereiten. Das wird Sie aufwärmen.“
„Na gut.“

Sie stand auf und folgte Milena in die Küche.

Wenn sie weiter so abbaute, musste sie Meldung machen, das wusste Milena, dann würde die alte Dame nicht mehr lange allein leben können, ohne sich selbst zu gefährden.
Denn heute war und blieb Freitag.

 

abc.etüden 2020 06+07 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 06/07.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Alice mit ihrem Blog Make a Choice Alice und lauten: Grippe, gebleicht, knuddeln.

Nein, nein, nein! Ich bin okay! Ich habe höchstens ein bisschen Winterblues und leide an allgemeiner Lustlosigkeit, aber sonst ist nichts, wirklich nicht! Bei mir ist es diesmal das Wort „gebleicht“, das mich verfolgt und mir von Tod und Vergehen erzählt. Ich wollte mir eigentlich viel lieber was Schräges über „Bleaching“ (von Zähnen) aus den Fingern saugen, aber das Traurige wollte mich nicht loslassen …

 

Mitgliederwerbung mit Hindernissen | abc.etüden

»Was recherchierst du jetzt noch im Internet?«

»Ich versuche rauszufinden, ob hier in den letzten Jahren jemand verschwunden ist. Unaufgeklärte Morde und so.«

»Alter! Tickst du noch ganz sauber? Du sollst Unterschriften gegen die Umweltzerstörung sammeln!«

»Hab ich doch! Okay, ich erzähl es dir. Ich war im letzten Haus im Kastanienweg und hab an der Pforte geklingelt. Es summt, ich aufs Grundstück, Gebell. Rast so ein Köter auf mich zu und macht einen auf megawichtig. Ich ihn erst mal geknuddelt, damit er sich abregt, ich kann ja gut mit Hunden. Herrchen macht auf, ich erkläre, was ich will, und er sagt, ich soll reinkommen, er hätte keinen Bock auf Gespräche an der Tür, er hätte gerade erst ’ne Grippe überstanden. Okay, ich rein und ihm nach. Ich dachte ja Küche oder so, aber nee, ich lande im Arbeitszimmer. Er fragt mich, ob ich Tee will und verschwindet.

Okay, ich schau mich unterdessen um. Alter! Ich hab noch nie so viele Bücher auf einem Haufen gesehen! Alle Wände voller Regale! Und auf dem Schreibtisch dann dieser Schädel auf so einem schwarzen Tuch. Ein Totenschädel, ich schwör’! Weiß gebleichte Knochen und alles. Voll krass. Ja, kann man im Internet kaufen, sag nix. Daneben eine Kerze auf ’nem goldenen Leuchter und eine Sanduhr. Als der Typ dann mit dem Tee kam, hab ich ihn gefragt, ob der Schädel echt ist, und er hat mich richtig komisch angelächelt und geantwortet: ›Na, was denkst denn du?‹
Alter, ICH will nicht der nächste Schädel auf jemandes Tisch werden, ich hab mir meinen Kram geschnappt und bin abgehauen. Und ich sag dir eins: Wenn hier in den letzten zwanzig Jahren wer spurlos verschwunden ist, dann bin ich so was von schnell bei den Bullen, das hast du noch nicht gesehen!«

»Soll heißen, unterschrieben hat er nicht?«

»Alter!«

 

abc.etüden 2020 06+07 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 06/07.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Alice mit ihrem Blog Make a Choice Alice und lauten: Grippe, gebleicht, knuddeln.

Nicht so ganz ernst nehmen, bitte … 😉

Diese Etüde spielt mit Motiven aus Freimaurer-Traditionen (hier nachlesen).
Ferner ist es mir schon öfter passiert, dass Leute (angeblich?) im Auftrag von durchaus seriösen Organisationen an meine Tür kamen und mir dann nicht nur eine Unterschrift ab-, sondern eine Mitgliedschaft aufschwätzen wollten. Lediglich der Ruf besagter Organisationen hat mich bisher davon abgehalten, das als den Versuch einer normalen Haustürabzocke zu sehen …

 

Schreibeinladung für die Textwochen 06.07.20 | Wortspende von Make a choice Alice

Was für zwei Wochen, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, war es nicht herrlich, überall auf Tiger in allen möglichen Varianten und Zuständen zu stoßen? Ich hatte nicht gedacht, dass ihr die Papiertiger so begeistert aufnehmen würdet, und habe mich total gefreut. Wobei auch ich zugeben muss, dass ich den Begriff zwar kenne, aber ausnehmend selten aktiv benutze. Wird sich jetzt vielleicht wieder ändern. Jedenfalls schlägt ihn mir jetzt die Autokorrektur meines Handys vor ;-).

Und los geht es mit der Statistik und der Liste, für alle die, die vielleicht die eine oder andere Etüde verpasst haben und noch mal nachlesen wollen. Es wurden – hört, hört – von 31 teilnehmenden Blogs sage und schreibe 55 Etüden eingereicht. Das ist richtig viel. Da ich jetzt inzwischen ja auf mehrere Jahre Etüden zurückblicken kann, kann ich sagen: typisches Winterhoch :-).
Wie immer: Vielen Dank an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben! Wieder dabei (gleich zweimal) war Ines mit ihrer LEINWANDARTISTIN, was mich sehr gefreut hat. Die Liste führt dieses Mal Sabine (Frau Wortgeflumsel) mit 6 Etüden an, danach kommen die Wortspenderin Donka mit 4 und Werner mit 3 Etüden.

Checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und meldet Fehler/Fehlendes oder ob sonst was falsch ist – ihr kennt das ja.

Disclaimer: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Veronika auf vro jongliert: hier
Nicole auf Die Waldträumerin: hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Elke H. Speidel auf Transworte auf Litera-Tour: hier und hier
Elvira vom Quilt-Traum: hier und hier
Donka auf onlybatscanhang: hier, hier, hier und hier
Puzzleblume auf Puzzle: hier und hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier
Martina auf Und sonst so?: hier und hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier, hier, hier, hier, hier und hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier und hier
Carmen aus der Wortwabe: hier
Judith von Mutiger leben: hier und hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier und hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier und hier
Yvonne von umgeBUCHt: hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier und hier
Natalie im Fundevogelnest: hier und hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Susanne auf books2cats: hier und hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
René auf „Wer lesen kann, liest hier. Über Berlin“ – Der BerlinAutor: hier und hier
fraggle auf reisswolfblog: hier
Ines auf LEINWANDARTISTIN: hier und hier
Andrea im Hummelweb: hier
Stepnwolf auf Weltall. Erde. Mensch … und Ich.: hier
Viola auf viola-et-cetera: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier

 

Die Wörter für die Textwochen 06/07 des Schreibjahres 2020 kommen von Alice mit ihrem Blog Make a Choice Alice. Ihr erinnert euch vielleicht, dass ich in der letzten Runde bei Alice’ Begriffen die Triggerdiskussion vom Zaun gebrochen hatte, und nachdem die die bekannten Wellen schlug, hatte ich Alice versprochen, dass sie sich für die neue Runde als gezogen betrachten sollte. Ihre neuen Begriffe lauten:

Grippe
gebleicht
knuddeln
.

 

Ja, sehr zeitgemäß, dachte ich auch.

Ihr hingegen denkt bitte auch weiterhin an den öden, blöden Etüden-Disclaimer: Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 16. Februar 2020. Habt weiterhin ein schönes Wochenende!

 

abc.etüden 2020 06+07 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

abc.etüden 2020 06+07 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

07 – Rattenkalt | Adventüden

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

 

Rattenkalt (Alice, Make a Choice Alice)

 

»So eine Scheiße!«, sagte er, und direkt noch mal, um es zu bekräftigen: »So eine Scheiße!« Der Deckel von der Teekanne war verschwunden, einfach so, während er schlief. Und nun war es beißend kalt hier drinnen. Er zog die zerpflückte Decke über sich, versuchte dabei ziemlich vergeblich, die Schneeflocken aus der kleinen Öffnung zu schaufeln, und saß am Ende frierend unter nassen Lappen.

Es war sicher gewesen im Rudel, doch als die wilden Hunde kamen, waren nach und nach alle verschwunden. Er blieb allein zurück, hatte sich ein behelfsmäßiges Nest gebaut und alles gerettet, was er mit seinem schmächtigen Körper hereintragen konnte.

Es half nichts, er musste raus in die Kälte und den Deckel suchen oder etwas anderes, womit er sein Nest bedecken könnte. Kaum hatte er die Nase aus dem beuligen Metall gesteckt, hörte er dünnes Hundegebell. Vorsichtig linste er über den Rand. Doch keiner der großen Wilden kam da angeprescht, sondern ein kleiner, ein Welpe, der wohl sein Rudel auch verloren hatte. Noch etwas tapsig auf den Beinen näherte er sich, schnüffelte an und um die Kanne herum und streckte schließlich seinen halben Kopf durch die Öffnung.

Zitternd saß er unter den nassen Fetzen, hoffte inständig, dass er als Jungratte nicht den Rudelgeruch an sich habe und der Kleine noch ein wenig zu blöd zum Jagen sei. Da spürte er eine warme Zunge, die reichlich nass seinen kleinen Kopf besabberte. Vorsichtig schob er ein Stück seines Vorrats zwischen die kleinen scharfen Zähne und lauschte erfreut dem Schmatzen.

Als er endlich mit dem Rest seines Futters am Rand der Kanne erschien, saß der Welpe zufrieden schwanzwedelnd vor ihm. »Da brat mir doch einer …«, lachte er.

Er hüllte sich in die Reste seiner Decke und stiefelte mit dem Kleinen los. »Los, Kumpel, wir brauchen ein größeres Zuhause …«

 

(c) Alice Wakenfield für die Adventüden | 365tageasatzaday© Alice Wakenfield für die Adventüden – danke!

 

Adventüden 2019 07 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

 

 

Schreibeinladung für die Textwoche 40.19 | Extraetüden

Der Herbst ist da und mit ihm die vierten Extraetüden dieses Jahres, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen. Heute ist der fünfte Sonntag im Monat September, was Extraetüden bedeutet, bis es am nächsten (ersten) Sonntag des Monats Oktober mit den regulären Wörtern weitergeht.

Ja, viel ist passiert in den letzten zwei Wochen hier auf dem Blog. Seid versichert, dass ich nur so tue, als ob alles okay ist, in mir gärt unsere Diskussion (hier und hier) nach wie vor. Erfreut bin ich aber dennoch, dass so viele Etüden in der zweiten Woche eingetrudelt sind, das sieht für mich so aus, als ob ihr den Etüden die Treue halten wolltet/würdet – ich habe zeitweise daran gezweifelt, ob ihr nicht mit den Füßen abstimmen würdet. (Und an mir.)

So, nun denn. Ich wende mich wie immer zuerst der Statistik zu und reibe mir verwundert die Augen: Es sind zwar knapp weniger Blogs, dafür aber sogar mehr Etüden (und drei neue Schreibende!): 39 Etüden, 22 teilnehmende Blogs/Schreiber*innen (Stand ohne Nachzügler), letztes Mal waren es 36 Etüden von 23 Blogs. Ich bin wirklich gerührt und begrüße die Neuen auch hier noch mal ganz herzlich, ich hoffe, ihr habt Spaß und bleibt uns und dem Projekt lange gewogen.
Die Liste führt dieses Mal Werner mit fünf Etüden an, ihm folgen Alice, Myriade, Veronika und Resi Stenz mit jeweils drei.

Wie immer: Checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und meldet Fehler/Fehlendes oder ob sonst was falsch ist – ihr kennt das Procedere ja meist inzwischen zu Genüge.

Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Triggerwarnungen (z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Alice auf Make a Choice Alice: hier, hier und hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier und hier
Resi Stenz in meinen Kommentaren: hier
Jacqueline auf Jacquelines Lebenstagebuch: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier, hier und hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier, hier, hier und hier
René auf Ein Blog von einem Freund. Von Humor. Und Spass. Aus Berlin. Im Ernst!: hier und hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Die Hummel im Hummelweb: hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier und hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier und hier
Sofie auf Sofies viele Welten: hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier
Resi Stenz auf Resi Stenz: hier und hier
Veronika auf vro jongliert: hier, hier und hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Gisela Benseler in meinen Kommentaren: hier
Martina auf Und sonst so?: hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier
Elke H. Speidel auf Transworte auf Litera-Tour: hier
Viola auf viola-et-cetera: hier
Die Hoffende auf ICH & MEHR: hier

Neu in der Runde der Schreibenden sind „Und sonst so?“ vom Blog Und sonst so?, deren Namen ich nicht weiß, Sofie vom Blog Sofies viele Welten, die ihr vielleicht aus der Diskussion kennt, und Gisela Benseler, die (soweit ich weiß) keinen eigenen Blog hat und in den Kommentaren zu meiner Überraschung testweise mit einer Etüde auftauchte.

Wie das mit den Extraetüden geht? Ihr nehmt die Begriffe des abgelaufenen Monats, das sind sechs, sucht euch davon fünf aus und verpackt die in einen Text von maximal 500 Wörtern. Zeit: eine Woche!
Den Rest kennt ihr.

Dies waren die September-Wörter, gespendet von Ludwig Zeidler und Alice:

Verzweiflungstat, ambivalent, hingeben,
Roman, variabel, entlassen.

 

Natürlich darf der öde, blöde Etüden-Disclaimer nicht fehlen: Die Headline für die Extraetüden heißt: 5 Begriffe in maximal 500 Wörtern.
Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 6. Oktober 2019. Uns allen viel Schreiblust, und habt noch ein schönes Wochenende!

 

Extraetüden 27.19 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Extraetüden 27.19 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Bargespräche, die zweite | abc.etüden

Ein anderer Abend. Bar, Tanzabend, laute Musik.

„Komm her, Puppe“, lallte er ihr ziemlich betrunken ins Ohr, „weißt du eigentlich, wie bezaubernd du aussiehst, mein Täubchen? Tanz mit mir. Nur einmal, ja?“

Im schummrigen Licht der Tanzfläche bewegten sich dicht an dicht gedrängte Pärchen. Sie erduldete seine Wurstfinger, schob mehrmals energisch eine zudringliche Hand fort und war alles in allem erleichtert, als das Stück endete.

„Belästigt dich der Kerl etwa, Schätzchen?“ Die Barfrau. Kühl. Souverän.

Der Kerl nahm die Einmischung übel und brüllte prompt los.

„Was glaubst du eigentlich? Das ist doch meine Sache, wie ich mit der Dame hier spreche! Mach uns lieber noch ein paar Whiskys, aber flott, sonst bist du schneller entlassen, als du dich entschuldigen kannst!“

Er zog etwas metallisch Glänzendes aus der Tasche und knallte es auf die Bar. Eine Pistole!
In was für einem schlechten Roman bin ich hier denn gelandet, dachte sie schockiert, und erwartete unwillkürlich, dass irgendjemand loskreischen würde.
Die Barfrau seufzte. Nahm ein Handtuch, legte es kopfschüttelnd über die Waffe und verstaute sie außer Sichtweite. Seine Augen wurden glasig, als er seinen Whisky auf ex kippte. Dann sackte sein Kopf schwer auf den Tresen.

„Geh jetzt besser, Schätzchen.“ Die Barfrau drängte. „Hast du alles?“

„Ich muss noch mal …“ Sie wies mit dem Kopf nach hinten, griff nach ihrer Handtasche, rutschte von dem Barhocker und verschwand. In der Toilette leerte sie mit einem schnellen Griff sein Portemonnaie und ließ es vor der „Herren“-Tür unauffällig zu Boden gleiten – und erstarrte.
Im Türrahmen stand die Barfrau.

„Ich wäre glücklich, wenn deine Art des Geldverdienens variabler wäre“, sagte die. „Der Typ kann mir echt Ärger machen. Aber du weißt, dass ich mich immer freue, wenn du vorbeischaust, Liebes.“

Ein Küsschen auf die Wange. Dann trat sie nach draußen und winkte sich ein Taxi heran.

 

abc.etüden 2019 38+39 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 38/39.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Alice und ihrem Blog „Make a choice Alice“ und lauten: Roman, variabel, entlassen.

Das ist doch … jawohl, die gleiche Pointe. Weil man das sonst nicht macht. Und irgendwie doch anders. Das musste so.

Und wer mein vorläufiges Fazit zu dem Triggerwarnungsgedöns verpasst hat, kann das hier nachlesen.

 

Bargespräche | abc.etüden

Schlecht aussehen tat er nicht und er wusste es zweifellos, aber hatte der Typ, der auf Teufel komm raus auf sie einredete und ihr dabei viel zu nahe rückte, eben wirklich gesagt, er sei „moralisch variabel“??? Schade.

Erstens, warf ihr innerer Korrektor gelangweilt ein, heißt das „moralisch flexibel“. Um ganz penibel zu sein, ging es in dem Zitat ursprünglich um „moralische Flexibilität“. Zweitens: Was will er damit ausdrücken? Dass er verheiratet ist und eine Geliebte sucht? Oder eine schnelle Nummer nebenbei?

Sie war erheitert. Vermutlich meinte er genau das. Nach einem Profikiller sah er jedenfalls nicht aus, nicht mal nach einem verhinderten Spion.
Er interpretierte ihr Lächeln falsch. „Schöne Frau, darf ich dir etwas zu trinken bestellen?“
Sie tippte gegen ihr Glas. „Noch einen Bellini, bitte.“
Natürlich wollte er mit ihr anstoßen. „Und du trinkst?“, erkundigte sie sich.
„Sex on the Beach!“

Ja, war klar.

Ihr Augenrollen bekam er schon nicht mehr mit, schließlich versank sein umflorter Blick in ihrem Dekolleté. Das bestätigte ihren Eindruck, dass dieser Möchtegern-Casanova niemals an einen wegen mangelnder Trinkfestigkeit entlassenen Nachwuchs-Bond herankommen würde. Bond hätte immerhin Stil  bewiesen. Sex on the Beach!
Aber war sie seine Hüterin? Also bitte.

„Hör mal“, beschwerte er sich irgendwann, „du quatschst aber auch nicht gerade Romane, was?“

Dazu wiederum hätte sie viel entgegnen können, unter anderem, dass es sie zwar anödete, aber ihrer Erfahrung nach viele Männer ungeheuer gern redeten und mit ihren Erfolgen und angeblichen Vorzügen prahlten wie Hähne auf dem Misthaufen. Männer wie er. Was ihr den Job erleichterte.

Zeitverschwendung.

Also sah sie ihn ernst an, erwiderte: „Nein, selten“, griff nach ihrer Handtasche, rutschte von dem Barhocker und verschwand. In der Toilette leerte sie mit einem schnellen Griff sein Portemonnaie, ließ es vor der „Herren“-Tür unauffällig zu Boden gleiten und winkte sich draußen ein Taxi heran.

 

abc.etüden 2019 38+39 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 38/39.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Alice und ihrem Blog „Make a choice Alice“ und lauten: Roman, variabel, entlassen.

Das Zitat mit der moralischen Flexibilität habe ich aus „Grosse Pointe Blank“, wo der Protagonist tatsächlich Profikiller ist. Es lautet: „Ich bin damals zur Army gegangen und im Einstufungstest wies mein Profil eine moralische Flexibilität auf.“ (Quelle) Mehr zum Film auf Wikipedia. Ich hab ihn nie gesehen, glaube ich, aber jemand, den ich kannte, war von besagter moralischer Flexibilität bis zur Unangemessenheit angetan. Möglicherweise war es aber auch nur seine Art von Humor.

Und wer mein vorläufiges Fazit zu dem Triggerwarnungsgedöns lesen möchte, der kann das hier tun.

 

Schreibeinladung für die Textwochen 38.39.19 | Wortspende von Make a choice Alice

Inhaltshinweis: Dieser Text diskutiert Triggerwarnungen und gibt Beispiele.

Eine Runde ist das neue Etüdentrimester erst alt, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, und schon stecken wir knietief in der Sch… im Schlamassel. Also holt euch einen Kaffee oder was auch immer, nehmt euch ein bisschen Zeit, es dauert was länger.

  1. Stellt euch vor, ihr seht im Fernsehen einen Film, in der ein Protagonist, ein gestandener Kerl, auf dem Sofa sitzt und draußen Schüsse hört. Aber statt sich darum zu kümmern, was los ist, rollt er sich auf dem Sofa zusammen, zieht sich die Decke über den Kopf, fängt tierisch an zu zittern, ihm wird schlecht, er hat Schweißausbrüche und bekommt keine Luft.
    Was denkt ihr? Weichei? Wer sich ein bisschen auskennt, der denkt irgendwas wie: Oh, verdammt, Flashback, Panikattacke, PTBS – posttraumatische Belastungsstörung –, was hat der denn erlebt? Armes Schwein. Und dann erwartet man die Rückblende, die erklärt, warum der Typ so reagiert und was ihm seine Psyche so ruiniert hat.

Der Typ wurde durch das Hören der Schüsse getriggert. „Der Begriff ‚Trigger‘ stammt aus der Trauma-Forschung und bezeichnet Reize, die bei Betroffenen potenziell Erinnerungen (‚Flashbacks‘) an ein erlebtes Trauma, Angstattacken oder depressive bzw. suizidale Gedanken auslösen können. […] Die Konfrontation mit einem echten Triggerreiz kann nicht ansatzweise mit Unwohlsein oder Empfindlichkeit verglichen werden. Das ist so, als würde man einen Patienten mit offenem Bruch am Arm als empfindlich abtun, weil er über Schmerzen klagt.“ (Quelle [1]).

Jetzt stellt euch vor, dass Menschen mit psychischen Problemen nicht nur dadurch getriggert werden, dass sie erneut in ähnliche Situationen geraten, sondern auch dadurch, dass sie derartige Szenen lesen (im Fernsehen oder im Kino sehen etc.).
Lesen. In den Etüden zum Beispiel. Zu denen ihr und ich beitragt, mit unseren mehr oder weniger harmlosen Geschichten.
Nicht möglich? Doch.

  1. Der eine oder die andere hat mitbekommen, dass auf ein paar Blogs in den letzten beiden Wochen heiß diskutiert wurde. Thema Verantwortung, und zwar Verantwortung für die Inhalte, die wir mit unseren jeweiligen Etüden in die Welt setzen, nämlich Verantwortung für das, was das Lesen unserer Texte möglicherweise beim Leser auslöst. Denn egal, was jede*r von uns schreibt, egal, was „nur mal eben“ probiert wird, wenn es jemand liest, der*die das nicht abkann, dann ist es egal, ob es ernst gemeint war oder wir das Schreiben nur als Spielerei ansehen (die ja eh keiner liest), dann haut es den*die weg. Könnt ihr damit leben? Denkt an das Beispiel mit dem offenen Bruch von oben. Das ist KEIN Spaß. (Muss ja keiner lesen? Ey, wozu seid ihr im Internet? Wollt ihr keine Leser? Mit einem Triggerhinweis gebt ihr Leuten die Chance, eure Leser zu bleiben – denn ihr glaubt doch nicht, dass die ansonsten jemals wieder zu euch kämen?)
  1. Wir haben jetzt – JETZT! – den konkreten Fall, dass (mindestens) eine Etüde aus der letzten Runde mehrere Personen (ich werde auf Wunsch keinerlei Namen nennen) getriggert hat. Folge: massive körperliche und psychische Symptome, die die Gesundheit der Betroffenen stark einschränken. Mir wurde versichert, dass das nicht zum ersten Mal vorgekommen sei, aber ich habe jetzt zum ersten Mal davon gehört. Ich bin schockiert.
    Ich habe spontan darüber nachgedacht, die Etüden zu schließen, der Gedanke ist mir unerträglich. Sicherlich bin ich nicht für das Leid der Welt verantwortlich, aber ich kann dazu beitragen, es nicht zu vergrößern.
  1. Was kann getan werden? Das hier ist ein bisschen ein Schnellschuss, ihr versteht, aber es gibt eine gangbare Lösung, relativ simpel, die in den nächsten Wochen noch verfeinert werden kann. Ihr setzt über eure Etüde eine Triggerwarnung/einen „Inhaltshinweis“. Ich habe eine Liste gefunden, bei welchen Themen Inhaltshinweise angebracht sind (Quelle [2], Auswahl).
  • Suizid, Suizidversuche und suizidales Verhalten von Figuren
  • Selbstverletzendes Verhalten […]
  • Depressionen
  • Vergewaltigungen und sexueller Missbrauch
  • Gewalt […]
  • Tod
  • Kindesmissbrauch
  • Drogen, Alkohol & Suchtverhalten allgemein
  • Sexismus

Wie diese Inhaltswarnung aussehen soll? Bernd hat es vorgemacht [hier lesen]. Ich habe inzwischen dazu eine Rückmeldung bekommen, dass der betreffenden Person der (modifizierte) erste Satz völlig reichen würde. „Inhaltshinweis: Dieser Text enthält Szenen physischer oder psychischer Gewalt, die belastend sein können.“
Ich habe zwei Artikel (Quelle [1] und [2]) ausgegraben (danke, Werner!), die sich mit dem Thema befassen, Fragen beantworten und zeigen, wie sie es machen. Ihr findet die Links am Ende, bitte schaut rein. In einem wird das Thema m. E. gut zusammengefasst: „Triggerwarnungen sind letzten Endes nicht mehr als einfache Rücksichtnahme. Ihr nehmt auf Menschen Rücksicht, denen es nicht so gut geht, wie euch. […] Es ist nicht viel Aufwand, kann aber für einige Betroffene einen großen Unterschied machen.“ (Quelle [2])
Wenn ihr nicht wisst, ob ihr einen Inhaltshinweis setzen solltet, dann setzt ihn. Natürlich komme ich rum, natürlich gebe ich nach bestem Wissen und Gewissen meinen Senf dazu; und auch euch bitte ich, die Augen offen zu halten, wo eine Etüde einen Inhaltshinweis braucht und ihn nicht hat.

 

Ich habe lang und breit rumgetönt, dass ich an den Regeln nichts ändere, ohne euch, die Mitschreiber*innen, dazu zu befragen. Ich habe jetzt lang und breit erklärt, warum ich das in diesem Fall für nötig halte. Jetzt seid ihr dran. Ich möchte gern von euch hören, wer sich bereit erklärt, über seinen Text, falls er in eine der oben genannten Kategorien fällt, eine Triggerwarnung/Inhaltshinweis zu setzen. Ich habe dazu eine Umfrage erstellt, kann aber natürlich nicht garantieren, dass nur Schreibende abstimmen, daher bitte ich um Wortmeldungen in den Kommentaren.

LINK ZUR ABSTIMMUNG

 

So. Seid ihr noch da? Endlich zum „normalen“ Etüdengeschäft. Die Etüdenstatistik sagt: 36 Etüden von 23 teilnehmenden Blogs. Cool! Die Spitzenplätze der Liste teilen sich Alice und Werner mit jeweils drei Etüden. Vielen Dank, ich freue mich, der Start ist trotz allem gegeglückt.

Hier ist die Liste zum Schmökern, checkt wie immer bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und meldet Fehler/Fehlendes oder ob sonst was falsch ist – wie immer, ihr kennt das ja inzwischen zu Genüge.

Corly in Corlys Lesewelt: hier und hier
dergl von Die Tintenkleckse sehen aus wie Vögel: hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier, hier und hier
Viola auf viola-et-cetera: hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier und hier
fraggle auf reisswolfblog: hier
Jaelle Katz auf Jaellekatz: hier
Werner Kastens auf Mit Worten Gedanken horten: hier, hier und hier
René auf Ein Blog von einem Freund. Von Humor. Und Spass. Aus Berlin. Im Ernst!: hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier und hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier und hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier und hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Die Hoffende auf ICH & MEHR: hier
Jacqueline auf Meine bunte Textewelt: hier
Die Hummel im Hummelweb: hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier und hier
Veronika auf vro jongliert: hier und hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Petra Schuseil auf Wesentlich werden: hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier und hier
Rina auf Geschichtszauberei: hier

Vielen Dank an alle, die geschrieben, gelesen, gelikt und kommentiert haben, und einen speziellen Dank an Ludwig Zeidler, den Etüdenerfinder und Wortspender, dessen Wörter uns dieses Mal diese unvergleichliche Büchse der Pandora beschert haben. Ob ich sauer auf mich bin, dass ich die Wörter akzeptiert habe? Ich hätte gern auf das Öffnen der Büchse verzichtet, aber ganz ehrlich, ich glaube, das wäre eh irgendwann passiert.

Die Wörter für die Textwochen 38 + 39 des Schreibjahres 2019 kommen zum ersten Mal von Alice und ihrem Blog Make a choice Alice. (Alice, es tut mir so leid, dass deine Wortspende von diesem Schlamassel derart überschattet wird. Ich hoffe, es wird dennoch eine sensationelle Runde.) Die Begriffe lauten:

Roman
variabel
entlassen.

 

Der öde blöde Etüden-Disclaimer hat sich noch nicht weiter verändert: Bringt obige 3 Begriffe in einem Text mit maximal 300 Wörtern Länge unter. Die „Inhaltshinweise“ zählen NICHT zum Text.
Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe, den Stress tu ich mir nicht an.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright und sollen/dürfen zur Bebilderung eurer Etüden verwendet werden.
Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen, das ergänzt wird, wenn wir mit der Umfrage durch sind. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die vierte Ausgabe der Extraetüden startet am 29.09.2019, die nächsten regulären Wörter gibt es am 6. Oktober 2019.

 

Die angesprochenen Artikel:

Quelle [1]: https://eleabrandt.de/2019/04/12/mythbusting-triggerwarnungen-in-buechern/
Quelle [2]: https://alpakawolken.de/die-triggerdebatte/

 

abc.etüden 2019 38+39 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

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