Menschliches Elende

 

XI. Menschliches Elende.

Was sind wir Menschen doch? ein Wohnhaus grimmer Schmertzen.
Ein Ball deß falschen Glücks / ein Irrlicht dieser Zeit.
Ein Schauplatz herber Angst / besetzt mit scharffem Leid /
Ein bald verschmeltzter Schnee vnd abgebrante Kertzen.
Diß Leben fleucht davon wie ein Geschwätz vnd Schertzen.
Die vor vns abgelegt deß schwachen Leibes Kleid
Vnd in das todten-Buch der grossen Sterbligkeit
Längst eingeschrieben sind / sind vns auß Sinn vnd Hertzen.
Gleich wie ein eitel Traum leicht auß der acht hinfällt /
Vnd wie ein Strom verscheust / den keine Macht auffhält:
So muß auch vnser Nahm / Lob Ehr vnd Ruhm verschwinden /
Was itzund Athem holt / muß mit der Lufft entflihn /
Was nach vns kommen wird / wird vns ins Grab nach zihn
Was sag ich? wir vergehn wie Rauch von starcken Winden.

(Andreas Gryphius, Menschliches Elende, 1637, Quelle, Informationen)

 

Auf YouTube anhören, gesprochen von Katharina Thalbach
https://www.youtube-nocookie.com/embed/kTWQZZSQzQc?rel=0

(Also, mal im Ernst, noch mal Thema DSGVO: Findet ihr das schön, die Darstellungsform meine ich? Ich nicht.)

 

Nachts im Wald

Bist du nie des nachts durch Wald gegangen,
wo du deinen eignen Fuß nicht sahst?
Doch ein Wissen überwand dein Bangen:
Dich führt der Weg.

Hält dich Leid und Trübsal nie umfangen,
daß du zitterst, welchem Ziel du nahst?
Doch ein Wissen übermannt dein Bangen:
Dich führt dein Weg.

(Christian Morgenstern, Nachts im Wald, Quelle)

 

Ja, ich weiß, ein großer Bogen. Kommt gut in den Mai und habt eine gute Woche!

 

Friedhof, Steinmetzarbeit | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

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