Vom April

Amsel singt im Himmelssaal

Amsel singt im Himmelssaal.
Eine kahle Pappelspitze
Wählte sie sich aus zum Sitze
Für ihr Lied hoch überm Tal.
Wolken stiegen in den Raum,
Wie die Pferde ohne Zaum,
Jagen an dem Berg entlang,
Leidenschaftlich von Gebärde
Wie der frische Amselsang.

(Max Dauthendey, Amsel singt im Himmelssaal, aus: Lusamgärtlein, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 234/235)

April

Das erste Grün der Saat, von Regen feucht,
Zieht weit sich hin an niedrer Hügel Flucht.
Zwei große Krähen flattern aufgescheucht
Zu braunem Dorngebüsch in grüner Schlucht.

Wie auf der stillen See ein Wölkchen steht,
So ruhn die Berge hinten in dem Blau,
Auf die ein feiner Regen niedergeht,
Wie Silberschleier, dünn und zitternd grau.

(Georg Heym, April, aus: Der ewige Tag, 1911, Online-Quelle)

Aus einem April

Wieder duftet der Wald.
Es heben die schwebenden Lerchen
mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern schwer war;
zwar sah man noch durch die Aeste den Tag, wie er leer war, –
aber nach langen, regnenden Nachmittagen
kommen die goldübersonnten
neueren Stunden,
vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten
alle die wunden
Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen.

Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser
über der Steine ruhig dunkelnden Glanz.
Alle Geräusche ducken sich ganz
in die glänzenden Knospen der Reiser.

(Rainer Maria Rilke, Aus einem April, aus: Das Buch der Bilder, 1. Buch, Teil 1, 1906 Online-Quelle)

 

Blühende Milchsterne neben Narzissen | 365tageasatzaday
Quelle: ichmeinerselbst, Klicken macht groß

 

Vor drei Jahren erhielt ich von einer gewissen Blumenfee im Tausch ein paar austreibende Milchsterne in einem Töpfchen. Sie erblühten und verblühten zur Freude aller Beteiligten, der Fellträger fraß sie nicht und ich durfte die Zwiebelchen auspflanzen und sich selbst überlassen. 2019 habe ich darüber berichtet, dass sie überlebt hatten, vom letzten Jahr finde ich nur ein eiliges Handypic im Vorübergehen, aber am Samstag habe ich sie bei schönstem Wetter blühen sehen und mich total gefreut.

Euch wunderbare Rest-Ostern! Kommt gut in und durch die neue Woche und passt auf euch auf! 😀

 

Alltag | März

Eigentlich dachte ich, sie will mich bestimmt nicht mehr. Ulli. Ulli für ihr Projekt „Alltag“, das eigentlich am ersten Freitag des Monats fällig war. Also eigentlich vor knapp zwei Wochen, Asche auf mein Haupt. Ich bin mal wieder mit meinen vagen Ideen im Alltag untergegangen, in der Arbeit versackt, in Frühling oder Nicht-Frühling. Zu viel auf Bildschirme gestarrt, zu wenig draußen gewesen. Das alte Lied. Wenn Ulli nicht nachgefragt hätte (danke!), hätte ich mich wohl davongeschlichen.
Dabei kann ich euch heute von was Schönem erzählen: einer kleinen Freude im Alltag.

Ich mag das Herannahen des Frühlings. Ich bin die, die sich einen Schnupfen holt, weil sie bei offenem Fenster schläft, weil sie endlich wieder die Vögel die Sonne hervorrufen hören möchte. Ich stehe wie vom Donner gerührt vor Krokuswiesen. Sich mit einer Decke in die Sonne zu setzen, ein Heißgetränk zu schlürfen und so zu tun, als wäre es schon viel später im Jahr, möglichst neben einem Heizstrahler, das bin sehr ich. Also oft. Und natürlich gehe ich gern im Nieselregen spazieren. Wenn er warm ist. Und nein, ich mache jetzt keine Etüde daraus.

Letztes Jahr Ende Januar erhielt ich ein Geschenk. Lebende Pflanzen – zurückhaltend gießen! Ein geheimnisvolles und sehr geschmackvolles Ensemble verschönerte ab da meine Fensterbank. Milchsterne in the becoming.

 

Milchstern | 365tageasatzaday

 

Ich wartete und liebte und goss vorsichtig, wie angeraten. Wir warteten. Und es gedieh und erblühte. Wir waren begeistert.

 

Milchstern | 365tageasatzaday

 

Der Fellträger ist Freigänger und klug genug, nicht an allem zu kauen, was bei mir rumsteht. Sowohl meine Amaryllis als auch er haben es bisher überlebt, warum also nicht auch der Milchstern, der übrigens auch für Katzen giftig sein soll, wie ich dann irgendwo las.

Die Milchsterne wuchsen und wucherten und wuchsen sich aus und verblühten …

 

Milchstern | 365tageasatzaday

 

… und noch nicht mal Mitte Februar war es vorbei mit der Herrlichkeit und ich war traurig. Wegwerfen? Niemals. Es gab keinen Hinweis, dass die Milchsterne nur einjährig wären. Nun habe ich aus Gründen bei mir keine Möglichkeit, einfach ein paar Zwiebelchen in die Erde zu stecken. Aber meine Nachbarin sagte: „Klar, geben Sie her!“ Wir verbuddelten sie und ich vergaß sie.

Bis sie mir neulich wieder einfielen, als ich die ganzen Schneeglöckchen, Krokusse, Winterlinge, Märzenbecher und hin und wieder sogar schon eine kleine Mini-Narzisse sah. Und was soll ich sagen: Voilà! Christiane proudly presents:

 

Milchstern | 365tageasatzaday

 

Es ist noch nicht sonnig gewesen, seitdem ich sie entdeckt habe (äh, vorgestern), ich denke, sie haben noch nicht geblüht. Ich behalte sie im Auge und ggf. vor der Kamera. Aber der Anblick reicht schon mal, um mir extrem gute Laune zu machen.

Und weil es so schön ist, kommt jetzt mein Lieblingsbesucher beim Baden (wer genau hinschaut, kann eine Tropfenspur sehen). Ja, Marion, das Vogelbuch. Ist das ein Blaumeiserich, weil er so blau ist, weiß das wer?

 

Blaumeise beim Bad | 365tageasatzadayQuelle: Alle Fotos in diesem Beitrag ichmeinerselbst