Grüner Ring: Fazit

Zum Einstieg noch mal die Etappen, damit das Nachlesen nicht so umständlich ist ;-).

Etappe 1: Harburger Stadtpark, Heimfeld, Meyers Park, Moorburg
Etappe 2: Altes Land, Neuenfelde, Süderelbe, Airbus, Finkenwerder
Etappe 3: Teufelsbrück, Flottbek, Botanischer Garten, DESY, Volkspark, Stellingen
Etappe 4: Sola-Bona-Park, Stellinger Deckel, Kollauwanderweg, Niendorfer Gehege, Airport Fuhlsbüttel
Etappe 5: Alsterwanderweg, Friedhof Ohlsdorf, Bramfelder See, Osterbek, Trabrennbahn
Etappe 6: Trabrennbahn Farmsen, Tonndorf, Jenfeld, Öjendorfer Park mit Öjendorfer See, Billstedt
Etappe 7: Billstedt, Boberger Niederung mit Boberger See, Mittlerer Landweg, Eichbaumsee
Etappe 8: Eichbaumsee, Dove Elbe, Holzhafen, Kaltehofe, Entenwerder, Elbbrücken
Etappe 9: Elbbrücken, Veddel, Wilhelmsburger Dove Elbe, Windmühle Johanna, Moorwerder
Etappe 10: Moorwerder, Neuland, Neuländer See, Harburg

Achtung, viel Text im Anmarsch, holt euch besser vorher den Kaffee ;-).


Quelle: Pixabay

Was war die schönste Etappe?

Das fragen alle, und ich habe keine Antwort. Mir hat jede gefallen, ich habe auf jeder etwas gesehen, was ich so noch nicht kannte und so nicht erwartet hätte. Hamburg ist schön!
Welche Etappe ich jemandem empfehlen würde? Nummer 8, die erste der beiden Wasser-Etappen vom Eichbaumsee zu den Elbbrücken, wenn der*diejenige wasseraffin ist. Sonst die durchs Alte Land (2), sogar mit dem großen Umweg, ich fand sie toll. Beide Etappen auch wegen der Einkehrmöglichkeit am Ende (Entenwerder und die Finkenwerder Eisdiele!). Ich würde jede Etappe ein zweites Mal gehen, aber okay, es gab spektakulärere und unspektakulärere Etappen.


Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 2 | 365tageasatzaday
Foto: Süderelbe Nähe Airbus, Etappe 2

Würdest du so eine Tour in Etappen noch mal machen?

Der Hamburger Grüne Ring war mein erstes Experiment in Richtung Etappen-Tour, vorher bin ich meist Rundwege gelaufen. Meine Headline war, ihn in Etappen von circa zehn Kilometer Länge einzuteilen, was gut geklappt hat, wenn auch die Erreichbarkeit der Bushaltestellen mit den Öffis nicht optimal ist. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich ursprünglich davon ausgegangen bin, allein zu laufen (meine Mitwanderin ist zwei oder drei Tage vor Start aufgesprungen), und dann wäre ich auch samstags unterwegs gewesen, was gerade für Busfahrpläne viel bedeutet. Und ja, ohne das 9-Euro-Ticket hätte ich die Idee nicht angepackt, denn Hamburg liegt bei den Öffi-Preisen sehr weit vorn. Heißt also, praktisch werde ich wohl nicht mehr so bald ein Etappen-Experiment angehen können – oder ich muss es auf völlig andere Füße stellen. Fernwanderwege interessieren mich schon.

Grundsätzlich sind solche Touren ja alles andere als kreativ, und das stört mich, da ist ein Kompromiss einzugehen. Es sind zwei grundlegend unterschiedliche Dinge, allein durch die Pampa zu streifen oder eine Route zu verfolgen. Aber das Ding ist ja nicht, dass ich das Abenteuer nicht zu schätzen wüsste, einfach vom Weg abzukommen und dort zu bleiben und zu schauen, wie ich zurechtkomme und wo ich rauskomme. Da bin ich entspannt. Die Realität ist, dass ich schlecht beurteilen kann, wie belastbar ich bin, und es mir, krass gesagt, nicht leisten kann, ein paar Tage auszufallen, nur weil ich mich überschätzt und mir eine Verletzung zugezogen habe, weil mein Fitnesslevel nicht doll ist. Soll heißen, mal eben fünf oder mehr nicht kalkulierte Kilometer mehr oder weniger sind zum Beispiel bei mir ein Problem für die Füße, und ich bin nicht überzeugt, dass da mehr Übung auch mehr hilft. Ja, das klingt nicht sehr cool. Ist es auch nicht. Aber so ist das mit Theorie und Praxis, die ist für alle bisschen unterschiedlich, und für mich bedeutet das, dass ich, speziell wenn ich allein unterwegs bin, zum Beispiel erst dann einfach drauflos laufe, wenn ich die Gegend einigermaßen kenne. Also wird man mich vorerst wohl überwiegend weiterhin auf geplanten/gebahnten Wegen antreffen, es sei denn, ich gehe zum Deichtreten.


Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 4 | 365tageasatzaday
Foto: Im Niendorfer Gehege, Etappe 4

Was war gut, was war schlecht, was sollte man anders angehen?

Ich kann detailversessen sein, was Vorbereitung angeht, und hierbei habe ich es ziemlich auf die Spitze getrieben, auch wenn mich mein Fehler mit Etappe 2 immer noch fuchst. Ich hatte das Netz nach Berichten durchsucht, da ich gedacht hatte, dass es Blogger geben MUSS, die den Ring komplett gelaufen sind und darüber auch berichtet haben: Nein, nicht in so epischer Breite wie ich (ich habe den Verdacht, dass sich viele stark an den Stichworten auf hamburg.de, äh, orientiert haben), aber es gibt Radfahrer, die dazu was ins Netz gestellt haben. Ich hatte mir passable Karten auf dem Handy gespeichert, wenn ich kein Netz haben sollte, und habe mich ansonsten auf den Track konzentriert, den ich mir in Gugl Maps geladen hatte. Außerdem hatten wir die heruntergeladenen Karten auch als Kartensatz dabei. Gugl Maps konnte mich tatsächlich das eine oder andere Mal nicht/schlecht lokalisieren, aber es war nie ein ernsthaftes Problem – das mit Etappe 2 war ein Fehler in der Downloaddatei, mein Fehler bestand darin, diesen Track nicht gegen die anderen Materialien gecheckt zu haben und vor Ort zu unflexibel gewesen zu sein, der Beschilderung zu folgen. Tja. Mit einem Wort, man hätte es vermeiden können ;-). Auf der anderen Seite waren/sind wir stolz wie die Schneekönige, diese Strecke (bei bester Laune) geschafft zu haben, und ich habe meine Belastungsgrenzen damit deutlich verschoben, auch wenn ich die ganze Woche danach noch meine Beine/Füße gemerkt habe.

Was vorher unbekannt war, war die allgemeine Qualität der Beschilderung der Route, und die war mit wenigen Ausnahmen sehr gut, ganz anders als auf herkömmlichen Wanderwegen. Die weiße 11 auf grünem Grund klebte in hoher Frequenz an fast allem, von Mülleimern in Parks bis an Straßenschildern, und ich habe sehr viel seltener Gugl zu Hilfe gerufen, als ich erwartet habe.

Ach so: Ja, man läuft durch Stadtgebiet, aber das heißt nicht, dass auf jeder Etappe sozusagen das Catering gewährleistet ist. Klar, an Bahnstationen gibt es Kaffee und Keks, aber auf dem Weg ist es eher Glückssache, speziell sonntags. Auf einer schlauen Outdoor-Seite habe ich gelesen, dass man für zehn Kilometer Weg einen Liter Wasser einrechnen solle, und da es noch dazu nicht eben kühl war, habe ich mich sehr daran gehalten, ebenso wie an meine Erkenntnis, immer was zu essen und ein paar schnelle Kohlenhydrate (Zucker) dabeizuhaben.

Alles easy also? Ja, organisatorisch ja, ich wusste, dass ich einiges eher vernachlässigen konnte, das Einzige, was Stress verursacht hat, waren die Unwägbarkeiten der Öffis, aber irgendwas ist ja immer.


Neue Elbbrücken | Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 9 | 365tageasatzaday
Foto: Neue Elbbrücken Richtung stadtauswärts, Etappe 9

Worin liegt für dich der Reiz des Wanderns/Gehens? Was motiviert dich?

Wenn ich diese Frage ehrlich beantworten will, muss ich etwas einräumen, womit man in Social-Media-Kreisen eher keine Punkte macht. Ich bin relativ unsportlich, ich habe einen Job, bei dem ich den ganzen Tag sitze, noch dazu im Homeoffice, ich esse gern und ich bin nicht mehr jung. Ist das gesund? Nicht in der Kombination, nicht wirklich. Muss ich was tun, rein körperlich gesehen? Dringend. Ich hasse Joggen und jegliche Form von Turnübungen auf dem Wohnzimmerboden wie die Pest (egal, wie schick der*die Coachperson im Video aussieht), aber als Kind/Jugendliche bin ich stundenlang begeistert über die Felder gewandert (und gerannt), auf Bäume geklettert, habe Drachen steigen lassen, Unterstände im Wald gebaut und in Wiesen Frösche gefangen … diese Dinge. Ob ich mir nun heute sage, dass ich vernünftig sein und mich mehr bewegen muss oder in China der berühmte Sack Reis umfällt, bleibt sich ziemlich gleich, ihr werdet das kennen. Aber dieses leichtfüßige, magere Kind, das sich draußen freier als sonst wo fühlte, das stundenlang in sich versunken schaukeln und sich draußen vergessen konnte, das sitzt mir auf der Schulter und flüstert mir ins Ohr.

Also ist meine Antwort, dass ich versuche, mir Terrain zurückzuerobern, das ich im Laufe der Jahre aufgegeben habe, und zwar mit jedem verdammten Schritt, mit dem alles anfängt. Auch ich bin längst nicht mehr frei von gesundheitlichen Problemen und die Coronazeit hat mir nicht nur Hüftspeck beschert. Der Rest ist Ausprobieren, wie man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden kann, denn wenn ich den ganzen Tag ein Display angestarrt habe, will ich mich eigentlich bewegen, so weit bin ich inzwischen, auch wenn ich es nicht jeden Tag hinkriege.


Wilhelmsburger Dove-Elbe | Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 9 | 365tageasatzaday
Foto: Wilhelmsburger Dove Elbe, Etappe 9

Allein oder nicht?

Es hat beides Vorteile und hängt auch davon ab, was für ein Typ man selbst ist. Zu mehreren ist man weniger allein, um es mal auf diesen simplen Nenner zu bringen, was gut ist, wenn man sich z. B. über den einzuschlagenden Weg etc. unsicher ist, weil man eh keine Orientierung hat, oder wenn man sichergehen will, dass einer da ist, falls was passiert, siehe oben. Wer mit Freunden unterwegs ist, weiß auch, ob das Dampfplauderer sind, die alles kommentieren müssen (und ob man sie an dem Tag dafür lieber erwürgen möchte), und kann seine Begleitung danach auswählen. Das weiß man bei einer fremden Gruppe nicht. Und natürlich kann man sich auch wunderbar und tief unterhalten, denn Natur macht was mit einem, wenn man sich berühren lässt.

Allein zu wandern bedeutet, dass man im Schweigen unterwegs ist und idealerweise auch Stille erlebt, wenn man nicht ständig jemandem begegnet. Natürlich erlebt man damit alles ganz anders als in einer Gruppe, kann sich alles nach den eigenen Wünschen gestalten und einteilen (Route, Gehtempo, Pausen), ist mit sich und seinen Gedanken allein, kann sich für die umgebende Natur inklusive Menschen öffnen oder einfach nur blind daherstapfen und Probleme wälzen, kann viel mehr dem Herzen folgen. Allein zu gehen ist eine höchst individuelle Sache, immer, und auch da liegen Himmel und Hölle eng beieinander. Und ja, das geht auch in der Stadt, auf derartigen Wegen wie dem Grünen Ring.

Naturbegegnungen sind eine Frage der persönlichen Aufmerksamkeit und Einstellung und des individuellen Tempos. Ich werde in den Grünzonen der Großstadt nicht die gleiche »Natur« vorfinden wie in meinen geliebten Harburger Bergen, es gibt Unterschiede zwischen Stadtlandschaft und Kulturlandschaften und Naturlandschaft, wobei man sich fragen kann, wo die Landschaft wirklich noch vom Menschen unberührt ist. Praktisch halte ich das für eine Frage der Ansprüche und was davon realisierbar ist. Wer »unberührte Natur« erleben will, ist auf dem Grünen Ring sicher falsch. Wer bereit ist, sich an dem zu erfreuen und sich auf das einzulassen, was sich zeigt, kann immer Schätze mit nach Hause nehmen.


Kaltehofe | Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 8 | 365tageasatzaday
Foto: Schieberhäuschen auf der Kaltehofe, Kraftwerk Tiefstack, Etappe 8

Ressourcen

Wer sich selbst auf den Grünen Ring begeben möchte, ist bei hamburg.de gut aufgehoben, was Materialien angeht. Man findet hinter diesem Link auf hamburg.de die Karten zum Downloaden – nach unten scrollen zu »Tourenvorschläge als PDF«, die enthalten die Karten. Übrigens gibt es den Kartensatz kostenlos zum Mitnehmen in den Öffentlichen Bücherhallen.

Noch weiter unten auf derselben Seite steht der Link zur Gesamtkarte als PDF.

Und schließlich gibt es auf dieser Seite bei hamburg.de die Möglichkeit, sich die digitalen Daten für den Grünen Ring für Navigationsgeräte herunterzuladen: Hier klicken. Wer wissen möchte, wie man diese Daten zum Beispiel in Gugl Maps bekommt, ist mit diesem Artikel auf draussenlust.de gut bedient: GPX-Datei in Google Maps importieren, da habe ich es her.

Richtig klasse finde ich die »Zweiter Grüner Ring«-Seite von veloroute.hamburg (hier klicken), da ist jemand 2021 mit einer Helmkamera den gesamten Grünen Ring abgefahren und hat das ins Netz gestellt. Danke dafür! Nach Etappe 2 habe ich doch häufiger dort vorbeigeschaut, um bösen Überraschungen vorzubeugen 😉

Was die leidigen Etappenan- und -heimfahrten betrifft, bin ich (für die 9-Euro-Ticket-Monate) signifikant öfter als sonst mit den Öffis gefahren und mochte es. Die Situationen, wo ich in volle bis überfüllte Busse oder S-Bahnen geraten bin, waren die üblichen Verdächtigen: Großveranstaltungen, Baustellen und Störungen, speziell jetzt im Sommer wird natürlich viel gebaut und repariert, und dass Busse im Stau stehen, weil es durch hohes Verkehrsaufkommen Staus gibt, ist auch kein Wunder. Meine Bahnen waren überwiegend sehr pünktlich, die oft geschmähte S-Bahn nach Harburg hell und sauber, wenn auch die Maskendisziplin mehr und mehr zu wünschen übrig ließ – der HVV fordert nach wie vor FFP2-Masken, kontrolliert aber kaum in Bahnen, dafür mehr in Bussen.
Würde ich öfter die Öffis nutzen, wenn die Preise sinken würden, dieses 29-Euro-Ticket, das gerade in Gesprächen herumgeistert? Ja, ich wäre dabei, vor allem, wenn ich kein Abo nehmen müsste. Übrigens soll der Ersatzverkehr wegen der beschädigten Elbbrücke die Pest sein, habe ich vorhin gehört, da geht offenbar einiges nicht so, wie es soll.


Richtung Süden | S-Bahn-Station Elbbrücken | 365tageasatzaday
Foto: S-Bahn-Station Elbbrücken, Richtung Süden

Das Fazit meiner Mitwanderin

Nach ihrer Meinung befragt bekam ich eine WhatsApp, deren Inhalt ich hier ohne Emojis zitieren möchte:

  1. Wandern macht Freude, trotz anfänglicher Schwierigkeiten: zu wenig Magnesium usw. Die Beweglichkeit kommt zurück und die Ausdauer – herrlich.
  2. Das Gebiet (Hamburg) aus dieser vielfältigen, facettenreichen Perspektive ganz neu erleben zu können.
  3. Durch Gebiete/Bereiche zu gehen, wo ich noch nie war und sie auch nicht kannte.
  4. Das Entzücken, dass das Hamburger Land so schön, grün und teilweise fast kitschig »märchenhaft« anmutet. Ein Geschenk!

Grüner Ring 2022, meine Etappe 1 | 365tageasatzaday
Foto: Zwei Wanderer, Etappe 1

Würde ich den Grünen Ring empfehlen? Würde ich ihn noch mal gehen?

Ja in beiden Fällen, wenn das mit dem Hin- und Zurückkommen zu und von den Etappen befriedigend geklärt werden könnte. Im Herbst/Winter sieht es dort bestimmt sehr anders aus, auch die Qualität der Wege dürfte eine andere sein, da rechne ich dann durchaus mit Matschecken: ein völlig anderes Wandererlebnis, und das direkt vor meiner Haustür ;-). Und auch meine Mitwanderin hat sich diesbezüglich ähnlich geäußert.


Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 3 | 365tageasatzaday
Foto: Hafenansicht, Fähre, Etappe 3

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Grüner Ring: Zweite Etappe

Wenn’s dem Esel zu wohl wird … Es gibt eine wirkliche Zäsur auf dem Grünen Ring, und das ist die Elbe, die Hamburg in eine Nord- und eine Südhälfte teilt. Im Osten gibt es Brücken, dazu kommen wir noch, im Westen gibt es eine Fähre, deren Anleger beidseitig also ganz natürlich Etappenanfänge bzw. -enden darstellen. Ich habe bei der ersten Etappe beschrieben (hier klicken), dass ich per Datendownload für Gugl Maps unsere Strecken plane, und ich muss sagen, vor dieser hier hatte ich einen Heidenrespekt. Länge des Wegs laut Daten: ca. 13,9 Kilometer. Uff.

Nachdem ich beim letzten Mal festgestellt habe, dass Gugl Maps und mein bereinigter Schrittzähler möglicherweise eine erhebliche Abweichung aufweisen, habe ich mir so meine Gedanken gemacht, wie gut jede von uns mit der Streckenlänge klarkommen würde – 14 km auf dem Schrittzähler sind nicht 14 km auf Gugl, es ist nun mal, wie es ist – und habe darauf geachtet, in der Woche davor nicht zu wenige Runden um den Teich zu drehen und prophylaktisch Magnesium zu nehmen. Kann ja nicht schaden, nur für alle Fälle.

Da wir den Bus erwischen mussten, der sonntags nur alle zwei Stunden fährt, saßen wir auch um 11:13 Uhr im Bus und wurden ca. 11:40 Uhr an der Haltestelle Moorburg Alter Deich abgesetzt. Leerer Bus, just for the record. Rucksäcke geschultert, rauf auf den (alten) Deich und los (Foto). Wind, Wolken (zunehmend), Sonne, zwischen 20 und 23 Grad. Und dann nur wir und die Fahrräder, die uns immer wieder begegneten, und rechts und links Obstanbau, Äpfel und Kirschen (unter Netzen) (Foto, Foto). Diverse Teiche voller Froschgesang, davon einer mit den lautesten Fröschen ever: Ich hatte den Eindruck, dass das wirklich nicht viele waren, sehen konnte man keinen einzigen, aber sie gaben sich alle Mühe, einander zu überbrüllen und quak-tot zu machen. So unglaublich großartig, dass wir beide völlig hin und weg waren.



Die Wegstrecke (für die, die sich auskennen): Moorburger Elbdeich, Hohenwischer Straße, Vierzigstücken, vorbei am Arp-Schnitger-Haus (hier klicken) (Foto Detail) in die Hasselwerder Straße. Neuenfelde (das ist der dazugehörige Stadtteil) hatte Schützenfest, manche Häuser und Straßen waren mit Wimpeln geschmückt (Foto). Größere Pause, immer noch auf dem Deich, wo es sich dann schon langsam zuzog, dann weiter. Am Rosengarten bis zur Kreuzung An der Alten Süderelbe/Neßdeich, durch das Naturschutzgebiet an der Alten Süderelbe (Wikipedia) entlang – mit Kuckuck, bezaubernde Ausblicke auf den großen See (Foto), während neben uns der Verkehr floss und sich auf der anderen Seite der Straße die Landebahn von Airbus erstreckt. Rüber zum Airbus-Besucherhügel, aber auf dem Airbus-Gelände keine Bewegung feststellbar, nur viele bunte Heckflossen (Foto).



Am Tower vorbei und rechts rein auf den Finkenwerder Westerdeich, entlang am Naturschutzgebiet Westerweiden, dann Finkenwerder Süderdeich. Ältere Häuser, Land in der Stadt, Bänke vor den Haustüren. Rechts die Alte Süderelbe, links Ausblicke Richtung Hafen/Burchardkai (Foto). Ohne Worte, schon fast idyllisch, aber im Winter bestimmt weit weniger erfreulich. Rast am Ende des Süderkirchenwegs (Foto), wo uns klar wurde, dass uns das Gewitter früher oder später streifen wird: hinter uns dunkle Wolken, heftiger Wind, Donner, erste Tropfen. Also schnell weiter den Osterfelddeich entlang (Foto), links ab durch die Obstmarschen am Köterdamm, rauf auf den Uhlenhoffweg. Regenschauer, kurz und kräftig. Erster Einsatz für die neu erstandenen Regencapes (hielten stand), und gut gegen Wind waren sie auch.



Norderschulweg, Mewesweg, Wriedestraße, Finkenwerder Fähre (Foto). Eigentlich endet die Etappe auf der Rüschhalbinsel, wo sich der zweite Anleger nach Teufelsbrück befindet, aber wir haben uns das Stück geschenkt, da wir müde waren und da sonntags ab dort mein angepeilter Bus nicht fährt. Wir werden ab Finkenwerder Fähre nach Teufelsbrück übersetzen. Am »Dampfer Imbiss« (Toilette!) Fischbrötchen geschenkt bekommen (hätten sonst weggeworfen werden müssen), Elbe bewundert, später in der Sonne gesessen und Eis gegessen, Bus ab 19:18 Uhr genommen (Linie 146 ab Bushaltestelle Norderschulweg (Foto), fährt sonntags stündlich, gut gefüllt) und ca. eine Stunde später bei mir.



Die Statistik zum Schluss. Etappenanfang: Bushaltestelle Moorburg Alter Deich, Etappenende: Bushaltestelle Norderschulweg. Ich hatte via Gugl eine Streckenlänge von ca. 13,9 Kilometern ab Etappenanfang geplant, meine Schrittzähler zeigten insgesamt 26.690 Schritte an, was, wenn es stimmt, 17,8 Kilometer wären. Das kann ungefähr hinkommen, auf meinem Schrittzähler war auch noch der Weg zum/vom Bus und der Weg zur Fähre. Ich habe keinen Muskelkater bekommen, ich vermute wirklich, dass das das Magnesium ist, aber meine Füße sind definitiv überstrapaziert.

Unter die Rubrik »Verarscht« fällt jedoch die Tatsache, dass die von hamburg.de gelieferten Daten (als Datei) NICHT mit der ebenfalls von hamburg.de zur Verfügung gestellten Route (als Beschreibung/Karte) übereinstimmen. Und zwar ist die geänderte Route (als Karte) ER-HEB-LICH kürzer, es könnten durchaus 8 Kilometer sein, die wir da zu viel gelaufen sind. Ja, es ist uns unterwegs aufgefallen, dass die freundliche »11«-Beschilderung fehlte (und irgendwann wieder da war), aber wer rechnet denn wirklich mit so was?
Und auch ja, es hätte mir bereits beim Planen auffallen können, wenn ich nämlich vorher bei der offiziellen Wegbeschreibung die Straßennamen etwas genauer gelesen hätte. Nur: Wer denkt denn schon an so was, verdammt, und ich hatte mich seelisch auf den langen Weg eingeschossen, den kenne ich nämlich größtenteils mit dem Auto und mag ihn sehr.
Wir sind (dankenswerterweise beide) der Meinung, dass diese längere Strecke eine Challenge war (ich wollte das Wort schon immer mal benutzen), die wir höchst erfolgreich bestanden haben, denn wir wären sonst nie zu Fuß dort herumgelaufen, nicht in dieser Form, und es war, ich wiederhole es gern, total schön – das bedaure ich auf gar keinen Fall. Aber meine Eitelkeit hat unter dieser Entdeckung doch schwer gelitten, das muss ich zugeben.

Wenn das Wetter hält, trifft man uns also nächstes Wochenende unverdrossen auf der nördlichen Seite der Elbe auf Etappe drei. Es soll angeblich warm werden, aber ich freue mich jetzt schon.


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Grüner Ring: Erste Etappe

Aller Anfang ist leicht. Sollte er zumindest sein, denn irgendwann will man nur noch los, vor allem, wenn man gefühlt alles zwanzigmal durchgekaut hat. Was immer vergessen wurde, wird sich unterwegs zeigen – oder auch nicht. Vorbemerkung für alle professionellen Gassigeher und Weitwanderer: Bitte weitergehen, es gibt hier nichts zu sehen, ich bilde mir da nichts ein. Aber es gibt eben auch Menschen wie mich, für die die Runde um die Stadt und jede einzelne Etappe eine Leistung ist, vor allem, weil ich so was zum ersten Mal mache.

Ich möchte euch auf meine Begehung des 2. Hamburger Grünen Rings (es gibt auch einen ersten), mitnehmen, ihr habt es vielleicht gelesen. Der Grüne Ring verläuft in einem Abstand von 8 bis 10 Kilometern rund um das Hamburger Rathaus. Da ich im Süden der Stadt wohne und besagter Grüner Ring nicht sehr weit von mir entfernt verläuft, lag es nahe, dort einzusteigen, nicht bei irgendwelchen offiziell vorgeschlagenen Etappenstart- und -endpunkten (siehe »Wandern auf dem Grünen Ring – Tourenvorschläge«). Da ich/wir (eine Freundin wandert mit) beide dieses Jahr noch nicht wirklich viele zusammenhängende Wanderkilometer in den Beinen haben, habe ich beschlossen, die gut 100 Kilometer, die der Grüne Ring haben soll, in Etappen von etwa 10 Kilometern Länge zu unterteilen, Gugl Maps hilf(t), bisschen mehr werden es eh sein.

Also traten wir zum Warmwerden vergangenen Sonntag die erste Etappe an: Start bei schönstem Sonnenschein an der Bushaltestelle Reeseberg, die auf dem Grünen Ring liegt (Foto), weiter geht es an der Außenmühle vorbei durch den Harburger Stadtpark, dann Marmstorfer Weg , Gottschalkring, rechts ab und durch die Kleingärten runter zum Göhlbachtal, das Göhlbachtal entlang (Foto Richtung Kleingärten und Gottschalkring), über Bachtwiete und Friedhofstraße in den Schattengang (Foto), ein Stückchen Ehestorfer Weg, dann Triftstraße, Triftweg, an der Hans-Dewitz-Siedlung vorbei über die Heimfelder Straße durch den Meyers Park (Foto mit den Schildern, tolle Ecke, mehr Wald als Park). Dort verläuft die Route kurzzeitig anders als die Ausschilderung, wir sind der Route gefolgt, zwei umgestürzte und liegen gelassene Bäume, aber gut begehbar, sehr schön im Wald. Am Ausgang des Meyers Park liegt nicht nur die Stader Straße, eine der großen mehrspurigen Durchgangsstraßen Harburgs, sondern auch das Krankenhaus Mariahilf und gegenüber ein amerikanisches »Hähnchenrestaurant«. Etwa Halbzeit der geplanten Strecke, hervorragend geeignet für die Auffrischung der Lebensgeister mithilfe der Einverleibung einer Portion Zucker, Fett und Salz. Nicht, dass wir nichts mitgeschleppt hätten; ich bin im Nachhinein jedoch echt überrascht, als wie gut sich das Fast Food erwiesen hat.



Bis hierher war der Weg hügelig und SEHR grün, ab jetzt würde es flach werden, wärmer (weniger Schatten) und, wie ich annahm, landschaftlich hässlicher. Also weiter in Richtung Moorburg (Wikipedia, hamburg.de): Moorburger Bogen, Bostelbekgraben parallel zum Fürstenmoordamm, Moorburger Landscheide unter der A 7 hindurch, Moorburger Hinterdeich, Moorburger Alter Deich und endlich auf den Moorburger Elbdeich bis zur Bushaltestelle Moorburger Alter Deich (Linie 157). Uff.

Ja, flach, ja, viel Asphalt (bis auf das wirklich entzückende Stück am Bostelbekgraben, wo man teilweise hintereinander gehen musste, weil der Pfad so schmal und man völlig von Grün umgeben war), ja, wärmer – aber nicht weniger grün, durchaus nicht, jedoch mehr Aussicht auf Industrieanlagen – in der Ferne die Raffinerie, Hafenkräne (Altenwerder), Strommasten (Foto, Foto). Oft Verkehrslärm als Hintergrundrauschen, aber weniger störend als erwartet, vielleicht, weil Sonntag war.

Nett war, dass wir nach der Pause ein älteres Ehepaar wiedertrafen, die offenkundig wie wir auf dem Grünen Ring unterwegs waren und die wir ständig überholten – und sie uns, wenn ich zum Beispiel fotografierte und/oder wir eine Trinkpause einlegten. Später haben wir miteinander ein paar Sätze gewechselt, sie kommen aus dem Hamburger Norden und verfügen, im Gegensatz zu uns, über Erfahrung, Wanderfleisch und wohl auch deutlich mehr Kondition (Foto).
Der zweite Abschnitt erwies sich deutlich belebter als der erste Teil der Strecke (logisch, es war ja auch flach), was klingelnde Radfahrer anging, von denen viele offenbar der Meinung waren, dies sei eine Fahrradroute und sie hätten daher Vorrang. Aber alles noch im Rahmen, Mountainbiker im Wald sind schlimmer.



Moorburg liegt in der Elbmarsch knapp über dem Meeresspiegel, Wasser, Wasserwirtschaft, Entwässerung waren und sind daher ein großes Thema (Foto). Auf einem Absetzteich brütete eine Blässralle (Foto). Langsam bewahrheitete sich die Wettervorhersage und es wurde zunehmend bewölkter, die Temperaturen irgendwas zwischen 20 und 25 °C, also immer noch sehr angenehm. Irgendwo überquert der Moorburger Hinterdeich die Waltershofer Straße, und ab da ist die Radroute offiziell gesperrt und eine Umleitung ausgeschildert. Allerdings verläuft die entlang der viel befahrenen Waltershofer Straße, ein Traum für jeden Fußgänger. Allein das und die Tatsache, dass ich im Netz Hinweise darauf gefunden hatte, dass die Strecke zu Fuß sehr wohl passierbar sei, ließen mich vorschlagen, die Strecke dennoch zu probieren – Grund der Sperrung sind Vorarbeiten zum Bau der geplanten A 26 (Foto).



Und was soll ich sagen: ein herrliches Stück Weg bis dahin (Foto), wo ich in diesem Jahr zum allerersten Mal gehört habe, wie ein Kuckuck sich ausgetobt hat. Der konnte gar nicht genug rufen, und ich hatte die frühjährlichen Kuckucksrufe so vermisst …
Belohnt wurden wir endgültig dadurch, dass wir etwa drei Minuten vor Eintreffen des Busses an dem von mir angepeilten Etappenendpunkt (Foto) eintrafen, allerdings leider etwas genervt aufgrund meiner Ansage, dass Eile geboten sei, da in 10 Minuten und dann wieder in ZWEI Stunden der nächste Bus käme, und ich nicht sagen konnte, wie weit es noch war (außer »nicht sehr weit«). Ja, meine Freundin wandert weiter mit 😉, aber unsere Beine waren schon reichlich wandermüde.



Man sollte vielleicht erwähnen, dass der Bus fast leer war und es eigentlich auch blieb, daher wundert es mich nicht, dass die Frequenz dort  am Sonntag nicht höher ist. Die Busse ab Bahnhof Harburg in meine Richtung waren dagegen gut gefüllt. Ich kann nicht sagen, ob darin viele 9-Euro-Tickets saßen; obwohl in Hamburg sehr viele verkauft worden sind, scheint sich das bisher nicht in Form von Verkehrsüberlastungen niederzuschlagen, nicht innerorts. Wir jedenfalls waren eine knappe Stunde, nachdem wir die Busstufen erklommen hatten, bei mir zu Hause und umklammerten freudig-erschöpft unsere Kaffeepötte.

Ich hatte ja befürchtet, dass die Beschilderung (weiße 11 auf grünem Grund, rotes Fahrradsymbol auf weißem Grund) mies sein würde, und bin angenehm enttäuscht worden: Am schlechtesten war sie auf dieser Etappe ausgerechnet in der Ecke, die ich gut kenne 😉. Was natürlich nicht heißen soll, dass ich nicht zur Sicherheit öfter auf die Karte geschaut habe, aber es war viel seltener notwendig als erwartet.

Die Statistik zum Schluss. Etappenanfang: Bushaltestelle Reeseberg, Etappenende: Bushaltestelle Moorburg Alter Deich. Ich hatte via Gugl eine Streckenlänge von ca. 11,7 Kilometern geplant, meine Schrittzähler zeigten insgesamt 20.627 Schritte an, was, wenn es stimmt, 13,75 Kilometer wären. Nun traue ich der Umrechnung der Schrittzähler nicht; aber egal, ich habe über 20.000 Schritte in knapp 4 Stunden Gehzeit gemacht, und das hatte ich bisher mit dieser App selten. Wenn das Wetter hält, trifft man uns nächstes Wochenende auf Etappe zwei. Ich habe zwar am nächsten Tag erstaunlich viele Muskeln freundlich begrüßen dürfen und beobachte das Vergehen einer Blase, aber ich kann es kaum erwarten.


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