Grüner Ring, Vorüberlegungen | abc.etüden

Du frierst doch nicht etwa, frage ich einen gewissen Fellträger, der völlig flach auf der warmen Heizung liegt, den Hals wie eine Giraffe gereckt. Ich dachte, Pelz wärmt?

Ich sehe aus dem Fenster. Der Wetterbericht spricht für das Wochenende von Sonne und 20 °C, aber zurzeit haben wir nachts unter 10 und tags knapp bewölkte 15 °C, Tendenz allerdings steigend. Bei allem Optimismus, DAS ist noch nicht das Wetter, für das ich Sommerpläne gemacht habe. Pläne, die auf die Bezeichnung »Wandern auf dem Grünen Ring« hören. Besagter Grüner Ring (der äußere) ist eigentlich eine gut 100 Kilometer lange Fahrradroute (Freizeitroute 11), die in acht bis zehn Kilometern Entfernung das Hamburger Rathaus umrundet. Klarer Fall von Abenteuer in der Stadt.

Natürlich geht nichts über eine ordentliche Vorbereitung. Die offiziellen Tourenvorschläge listen acht Etappen, aber ich gehe davon aus, dass mir jeder zusätzliche Kilometer (die An- und Abfahrt) in die Beine geht, also peile ich 10-Kilometer-Etappen an, ändern kann man immer. Der Plan sieht so aus, dass wir (eine Freundin will mit, wenigstens probehalber) hier im Süden den Grünen Ring entern, dem Verlauf folgen und uns nach etwa 10 Kilometern in die Öffis Richtung heimwärts werfen. Beim nächsten Mal fahren wir dann mit den Öffis zu dem Punkt, wo wir die Route verlassen haben, laufen auf dem Ring wieder ca. 10 Kilometer usw. So weit die Theorie.

In der Praxis gibt es da noch ein paar zu klärende Punkte. Nachdem ich die Idee verworfen habe, mich nach Papierkarten zu orientieren (schlechter Maßstab!), habe ich entdeckt, dass man sich die Route ins Handy laden und damit dann nach Belieben hineinzoomen kann. Mehr nicht, aber das bedeutet, dass ich live sehen kann, wo wir und ob wir »auf der Spur« sind. Meine Orientierung taugt in der Regel, wenn ich auf eine Karte sehe. Und wir bewegen uns im Hamburger Stadtgebiet, die Wahrscheinlichkeit, Netzabdeckung zu haben, ist hoch. Falls nicht, ist die Route (mit Karte) als PDF dabei.
Aber wie gut ist diese Route? Ich kümmere mich gerade am Rechner um die Etappeneinteilung, und da gab es irritierende Meldungen. Klar, ich suche mir was, wenn notwendig, aber der Sinn ist ja, auf der Route zu bleiben, nicht stattdessen den kürzesten Weg von A nach B zu ermitteln und zu nehmen, und auch nicht, mehrere Kilometer Umweg laufen zu müssen.

Zumindest im Hamburger Süden sind die Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zeitlich löcherig. Ich habe mir beispielsweise eine Bushaltestelle als Etappenpunkt ausgesucht, die einmal alle Stunde angefahren wird, das könnte sich als unglücklich herausstellen. Und einmal darf ich Fähre fahren, ich freu mich total. Sowieso machen die Öffis Halbtagestouren zu Tagestouren.
Finanziell vernünftig ist mein Plan ohne Dauerkarte übrigens nur während der Monate des 9-Euro-Tickets, Hamburgs Nahverkehrspreise sind in Deutschland ganz weit vorn. Das Juni-Ticket habe ich bereits. Und die Tatsache, dass ich darauf einen irisierenden Streifen entdeckt habe, hat mir die Idee zu dieser Etüde beschert.

Pfingstsonntag geht es los, wenn das Wetter mitspielt. Der gewisse Fellträger möchte unterdessen doch lieber draußen schlafen. Ich werde berichten.

 

Extraetüden 22.22 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden (Extraetüden), Woche 22.2022: 5 Begriffe, maximal 500 Wörter. Die Wortspenden stammten dieses Mal von Myriade (La parole a été donnée à l’homme pour cacher sa pensée) und Puzzleblume (puzzle ❀) und lauteten: Giraffe, mondsüchtig, suchen, Wetterbericht, ordentlich, irisieren; und ich habe leichten Herzens auf »mondsüchtig« verzichtet.

Für die, die es genau wissen wollen, was ich total verstehen kann: Die Route, an der ich mich orientiere, ist die, die man bei hamburg.de (siehe Link unten) herunterladen kann. Ich habe inzwischen auf Radfahrer-Seiten im Netz gelesen, dass es mehrere Varianten geben soll, und angeblich ist die Route an einer Stelle hier im Süden gesperrt, wo es Vorbereitungen für den Bau der A 26 gibt, aber es gibt Helmkameravideos, die belegen, dass man da offenbar durchkommen kann, und es wäre eine autofreie Strecke – ich mag die Alternative nicht.

Ich würde gerne Karten zeigen, bin mir aber unsicher, gerade bei Karten, was davon NICHT dem Urheberrecht unterliegt. Also verweise ich euch bei Interesse auf die entsprechende Seiten bei hamburg.de (»Wandern auf dem Grünen Ring – Tourenvorschläge«), wo ihr euch schlauer machen könnt, und für Details auf die Beschreibung der (Fahrrad-)Strecke. Amüsiert habe ich mich, dass das Foto von den beiden Menschen, die da über diesen Holzsteg wandern, nicht vom Grünen Ring stammt – ich weiß das ganz genau, das ist bei mir am Teich, in der Nähe, aber nicht AUF dem Grünen Ring.

Diese Etüde ist die Konkretisierung von dieser hier.

Ich freu mich.


Mein ganzes Grüner-Ring-Gedöns als Kategorie zum Nachlesen: hier klicken!


 

Schreibeinladung für die Textwoche 22.22 | Extraetüden

Woche 22.22! Das ist so selten, dass es erwähnt werden muss, oder?
Es regnet kühl vor sich hin, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, während ich dies schreibe, und so sehr ich den Regen begrüße, hoffe ich doch, dass es bald zumindest wieder wärmer werden wird: Die Temperaturen sind niedriger, als ich sie mir Ende Mai wünsche. Zuerst einmal möchte ich euch jedoch zu den zweiten Extraetüden dieses Jahres aufrufen. Heute ist nämlich der fünfte Sonntag im Monat Mai, und das bedeutet eine Woche Extraetüden, bis es am nächsten (ersten) Sonntag des Monats Juni mit den regulären Wörtern weitergeht.

Fertig für die Statistik? 25 teilnehmende Blogs haben insgesamt 41 Etüden eingereicht, den Spitzenplatz der Liste der Einzelschreiber*innen hält Gerhard mit 6 Etüden, darauf folgen Ulrike mit 4 und Wortspenderin Puzzleblume und Maren mit jeweils 3 Etüden. Dazu kommt 1 Etüde vom (mitgezählten) Schweizer Schreibenblog, sodass die Liste insgesamt 42 Etüden umfasst!

Vielen Dank wie immer an alle, die Lust hatten, mitzuschreiben und/oder mitzulesen, die gelikt und kommentiert haben! Vielen Dank speziell an Puzzleblume, die Wortspenderin, dafür, dass sie mit durch die Blogs spaziert ist, und auch immer wieder meinen Extradank an jede*n, den*die ich in den teilnehmenden Blogs getroffen habe und der*die dort kommentiert/mitdiskutiert hat, speziell bei den Schweizer SuS. 😀👍

Ferner hat zum ersten Mal Friederike (vafriederike.com) eine Etüde beigesteuert, was bedeutet, dass ich sie nun auch hier im erlauchten Kreis der Etüdenverrückten begrüßen möchte. Willkommen!

Wie immer bitte ich euch, die Liste zu kontrollieren, ob jede eurer Etüden dort verzeichnet ist oder ob euch sonst was komisch vorkommt.
Ich trage gerne nach, wenn irgendwas nicht stimmt, es ist keine böse Absicht, sondern reine Geistesabwesenheit *hust*.

Disclaimer: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Ein letztes Mal Maikaffee ☕ und Maikekse 🍪🍪 parat? Dann kommt hier die Liste!


Barbara von der Kulturbowle in meinen Kommentaren: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier und hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Puzzleblume auf Puzzle❀: hier, hier und hier
Charis auf Charis {ma}: hier und hier
Kain Schreiber auf Gedankenflut: hier und hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier, hier, hier, hier, hier und hier
Heidi auf Erinnerungswerkstatt: hier
Maren auf Ich lache mich gesund: hier, hier und hier
Ulrike auf Blaupause7: hier, hier, hier und hier
Anja auf Annuschkas Northern Star: hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier
Sonja auf Das andere Mädchen: hier
Judith auf Mutiger leben: hier und hier
Monika auf Allerlei Gedanken: hier und hier
Torsten auf Wortman: hier
Friederike auf Friederike Schulz virtuelle Assistenz: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier
Ellen auf nellindreams: hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier
Werner auf Werner Kastens: hier
Donka auf onlybatscanhang: hier
tedthethief auf Orderly Creative Creations: hier
Gabriella Rauber auf Schreibenblog: hier


Ihr wisst/erinnert euch, wie das mit den Extraetüden geht?! Ihr nehmt die Begriffe des abgelaufenen Monats, das sind sechs, sucht euch davon fünf aus und verpackt die in einen Text von maximal 500 Wörtern. Zeit: eine Woche!
Den Rest kennt ihr.

Die Wörter im Monat Mai spendeten Myriade (La parole a été donnée à l’homme pour cacher sa pensée) und Puzzleblume (puzzle ❀) Sie lauteten:

Giraffe, mondsüchtig, suchen
Wetterbericht, ordentlich, irisieren.


Dieses Mal greift folgerichtig wieder die Abwandlung des öden, blöden Etüden-Disclaimers: Die Headline für die Extraetüden heißt: 5 Begriffe in maximal 500 Wörtern.
Eventuelle Inhaltshinweise (Triggerwarnungen) und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der zugehörigen Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste bzw. muss meckern, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright und dürfen für die Etüden verwendet werden. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig. Wer sich die Illustrationen herunterladen möchte, sollte sie vorher großklicken, danach kann man sie in der Regel downloaden und bei sich wieder hochladen.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es schon nächsten Sonntag, nämlich am 5. Juni 2022.
Euch weiterhin ein gutes (langes?) Wochenende und viel Freude am Schreiben!

 

Extraetüden 22.22 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Extraetüden 22.22 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Die Liebliche | abc.etüden

Was machst du denn um diese Uhrzeit auf dem Balkon?

Und was machst du hier?

Ich habe bei dir das Licht gesehen und wollte wissen, ob du wieder mondsüchtig wirst.

Ob ich schlafwandele? Hmmmmm, auf dem Dachfirst zu gehen habe ich noch nie ausprobiert.

Untersteh dich! Bitte!

SCHWEIGEN.

Konntest du nicht schlafen? Bist du aufgeregt wegen morgen?

Ein bisschen. Eigentlich habe ich gedacht, ich suche mal die Giraffe am Himmel. Gegenüber vom Polarstern übrigens. Aber es ist fast Vollmond, und die Giraffensterne leuchten nur schwach.

Ich wusste gar nicht, dass es ein Sternbild gibt, das Giraffe heißt.

Das deutsche Wort stammt aus dem Arabischen und bedeutet »lieblich«. Hübsch, nicht? Das Sternbild dagegen hat einen lateinischen Namen: Camelopardalis.

Warum Latein?

Wissenschaftssprache. Ursprünglich ist aber Julius Caesar schuld, der hat die erste Giraffe von einem Ägypten-Feldzug nach Europa mitgebracht.

Also nicht nur Kleopatra.

Ob Kleopatra so lieblich war? Die Römer dachten, dieses Tier wäre eine Mischung aus Kamel und Leopard.

Wegen der Flecken?

Ja, vermutlich. Die sogenannte Medici-Giraffe kam erst viele Jahrhunderte später als Geschenk nach Florenz, Ende des 15. Jahrhunderts, man hat sie auf Bildern verewigt, alle wollten sie sehen. Leider soll sie ihre Ankunft nur wenige Monate überlebt haben, es heißt, sie sei mit dem Kopf in den Balken eines extra für sie gebauten Stalls hängen geblieben und habe sich den Hals gebrochen.

Das passiert uns morgen nicht.

So groß bin ich auch gar nicht. Und wer weiß, wie oft ich noch Ausflüge machen kann.

Oma!

Was denn? Ich bin seit drei Tagen 84, auch wenn der Kopf noch funktioniert, der Körper will nicht mehr wie ich. Ich bin froh, wenn ich es morgen überhaupt bis zu den Elefanten, den Giraffen, den Affen und den Löwen schaffe. Wie vor 80 Jahren. Na ja, der Lauf der Welt. Gute Nacht, Kind.

 

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 18/19.2022: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Wortspende stammt dieses Mal von Myriade mit ihrem Blog La parole a été donnée à l’homme pour cacher sa pensée. Sie lautet: Giraffe, mondsüchtig, suchen.

Seit ich beim Herumstöbern zum Thema Sternbild Giraffe über den lateinischen Namen (Camelopardalis, Wikipedia-Artikel, da steht auch, warum/wie die Giraffe in den Himmel kam – nicht, dass nicht eh alle Giraffen in den Himmel kommen) gestolpert bin und dabei die Medici-Giraffe (Wikipedia-Artikel) entdeckt habe, war ich fasziniert und habe ein bisschen herumgelesen. Da hat es Ende des 15. Jahrhunderts eine Giraffe als Prestigegeschenk an Lorenzo di Medici, den De-facto-Herrscher von Florenz, nach Europa geschafft, natürlich aus politischen Gründen. Bündnispolitik. Ein knallharter Deal war also, was heute irgendwie rührend anmutet. Okay, auch Friedrich II. wird der Erhalt einer Giraffe untergeschoben, ca. 230 Jahre früher. Wirklich belegt scheint aber zu sein, dass der einen Elefanten hatte, bei der Giraffe ist die Quellenlage schwieriger (ein Datum für den Erhalt zu nennen, das 11 Jahre nach dem Tod des Herrschers liegt, erhöht die Glaubwürdigkeit des sonst sehr interessanten Artikels (engl.) diesbezüglich nicht; gab es da noch eine parallele Zeitrechnung? Hm). Und natürlich musste das Tier eine so robuste Gesundheit haben, dass es die Strapaze der Reise überstand, was bei Giraffen nicht so leicht war – Giraffen sind nun mal nicht wirklich kompakt. Und spätestens ab dieser Überlegung ist die Sache eigentlich nicht mehr rührend, sondern Tierquälerei. Dennoch: Exotische Tiere sind und waren Prestigeobjekte, sei es für Zoos oder für Privatpersonen.

Ich möchte zum Thema Zoo oder nicht Zoo hier bitte kein Fass aufmachen, ich sehe da viele (einander widersprechende) Aspekte und ich tue mich mit der Gewichtung schwer. Meine alte Dame freut sich jedenfalls auf einen Ausflug, den man ihr zu ihrem Geburtstag geschenkt hat und der sie an ihre Kindheit erinnert.

Hier ist übrigens das/ein Bild mit der Medici-Giraffe (Wikimedia Commons), schaut mal rechts oben, man geht davon aus, dass der Maler die Giraffe selbst gesehen haben muss.

 

Schreibeinladung für die Textwochen 18.19.22 | Wortspende von Myriade

Alles neu macht der Mai. Das schreibe ich gerne und würde es auch gerne glauben. Warten wir ab (was bleibt uns übrig), vielleicht hilft es ja, die Hoffnung stirbt zuletzt, was auch gut so ist. Wahrlich, wir leben in schwierigen Zeiten – frei nach Brecht. Ich hoffe, ihr seid alle okay.

Nun denn: Die Schweizer hatten Frühjahrsferien, daher sind in den abgelaufenen Wochen keine neuen Schülerbeiträge dazugekommen. In den kommenden Wochen allerdings wird es spannend, die neuen Wörter sind eine Herausforderung, das Erzählen zu üben, und ich verspreche jetzt schon, dass auch die Wortspenden bis zur Sommerpause nicht die alltäglichsten sind.

Lasset die Spiele beginnen: Wie üblich steht am Anfang die Statistik.
28 teilnehmende Blogs haben insgesamt 49 Etüden eingereicht, den Spitzenplatz der Liste der Einzelschreiber*innen hält Maren mit 5 Etüden, darauf folgen Gerda und Alice mit jeweils 4 sowie Heidi und Puzzleblume mit jeweils 3 Etüden.

Vielen Dank wie immer an alle, die Lust hatten, mitzuschreiben und/oder mitzulesen, die gelikt und kommentiert haben! Vielen Dank nochmals an Ludwig, den Etüdenerfinder und Wortspender, und auch immer wieder meinen Extradank an jede*n, den*die ich in den teilnehmenden Blogs getroffen habe und der*die dort kommentiert/mitdiskutiert hat, das trägt sehr zu einem kleinen Wir-Gefühl bei. 😀👍

Wie immer bitte ich euch, die Liste zu kontrollieren, ob jede eurer Etüden dort verzeichnet ist oder ob euch sonst was komisch vorkommt.
Ich trage gerne nach, wenn irgendwas nicht stimmt, es ist keine böse Absicht, sondern reine Geistesabwesenheit – meine letzten beiden Wochen hatten es in sich.

Disclaimer: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Maikaffee ☕ und Maikeks 🍪🍪 parat? Dann kommt hier die Liste!

Barbara von der Kulturbowle in meinen Kommentaren: hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Maren auf Ich lache mich gesund: hier, hier, hier, hier und hier
Heidi auf Erinnerungswerkstatt: hier, hier und hier
Rika auf Rika liest: hier und hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier, hier, hier und hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier, hier, hier und hier
Ulrike auf Blaupause7: hier und hier
Charis auf Charis {ma}: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier
Judith auf Mutiger leben: hier und hier
Puzzleblume auf Puzzle❀: hier, hier und hier
Monika auf Allerlei Gedanken: hier, hier und hier
Donka auf onlybatscanhang: hier und hier
Petra auf Wesentlich werden: hier und hier
Lene auf HerzPoeten: hier
Torsten auf Wortman: hier
Werner auf Werner Kastens: hier und hier
Sofie auf Sofies viele Welten: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier
Kain Schreiber auf Gedankenflut: hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Ellen auf nellindreams: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier


Die Wortspende für die Textwochen 18/19 des Jahres 2022 stammt von Myriade mit ihrem Blog La parole a été donnée à l’homme pour cacher sa pensée (ein sehr bemerkenswertes Zitat, aber zu lang, um es in eine Überschrift auf dem Blog zu packen, Myriade, verzeih). Sie lautet:

Giraffe
mondsüchtig
suchen.


Wie immer, ihr kennt das, möchte ich euch den öden, blöden Etüden-Disclaimer ans Herz legen: Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.

Eventuelle Inhaltshinweise (Triggerwarnungen) und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der zugehörigen Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste bzw. muss meckern, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright und dürfen für die Etüden verwendet werden. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig. Wer sich die Illustrationen herunterladen möchte, sollte sie vorher großklicken, danach kann man sie in der Regel downloaden und bei sich wieder hochladen.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 15. Mai 2022. Euch weiterhin ein gutes Wochenende und trotz allem Freude am Schreiben!

 

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Einer ist des andern Brücke | Myriades Impulswerkstatt

Als ich am Wochenende über die Montagsgedichte nachdachte, kam mir beim Herumsuchen ein Gedicht unter, das ich eigentlich ganz schnell verwerfen wollte – bis mir auffiel, dass zwei Zeilen davon hervorragend Myriades Händethema aus der aktuellen Impulswerkstatt aufgreifen. Und plötzlich war ich in Bastellaune …

 

Schüler – Myriades Impulswerkstatt 01-22 | 365tageasatzaday
Quelle: Myriade, Bearbeitung: ich, Anklicken verändert den optischen Eindruck signifikant

 

Einer ist des andern Brücke, einer ist des andern Hand.

Auch wenn ich das Ursprungsgedicht recht finster finde, mag ich die Idee hinter den beiden Zeilen. Das Gedicht hört auf den schönen Namen „Das Lied der Toten“, verfasst von Gustav Schüler (Wikipedia) und veröffentlicht in dem Band „Gottsucher-Lieder“ von 1914.

Es kann hier in voller Länge nachgelesen werden – aber eigentlich kommt es mir nur auf die beiden Zeilen an.

 

Adventüden 2021 11-12 | 365tageasatzaday

11.12. – Monster-Weihnachten | Adventüden

Sie wollen mich interviewen, für Ihren Artikel »Weihnachtliche Arbeitsbedingungen«? Da sind Sie bei mir genau richtig. Sie meinen also, dass unsereiner ohnehin nur rund zwei Wochen im Jahr arbeite und es daher keinerlei Anlass zu Klagen geben könne? Sie haben ja nicht die leiseste Ahnung von unseren Arbeitsbedingungen!

Als ich noch ganz jung war und keinerlei Erfahrungen hatte, landete ich in einem privaten Haushalt und dachte, ich hätte Glück gehabt und würde ein Minimum an Geborgenheit vorfinden. Was für ein Irrtum! Ich hatte ja keine Ahnung, aus welchen Monstern dieser Haushalt bestand.

Während der Weihnachtsfeier selbst war es noch nicht so schlimm, denn zu diesem Zeitpunkt standen meine Kollegen und ich nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit. Aber ab dem nächsten Tag war die Schonfrist vorbei. Die Kinder – das ist so eine Art kleinerer Monster – taten mit unsereinem etwas, das sie »spielen« nannten. Es handelt sich dabei um Beschädigungen bis zum Tod. Nein, ich bin nicht zu dramatisch, genügend Opfer habe ich gesehen.

Dann gab es da die Mutter, die Erzeugerin der kleineren Monster. Offiziell aß sie keine Schokolade, aber nachts schlich sie zum Weihnachtsbaum, riss die essbaren Teile herunter und verschlang sie vor unseren Augen. Grauenhaft!

Der größte Schrecken aber war ein weiteres Familienmitglied, das anders aussah als die übrigen, aber ebenso todbringend  war. Nach der ersten Begegnung hatte ich solche Angst, dass mein Glitzer speigrün wurde. Kein sehr erhebender Anblick. Dieses Wesen pflegte mit Körperteilen, die »Samtpfoten« genannt wurden, auf uns einzudreschen, dass uns Hören und Sehen verging. Die anderen Monster lachten dazu.

Nach diesem Arbeitsplatz musste ich mich sechs Monate lang in Behandlung begeben. Sie sehen, die zwei Wochen Arbeitszeit sind sehr relativ, wenn man bedenkt, dass wir an jedem einzelnen Tag Leib und Leben riskieren.

Deswegen bin ich heute auch Vorsitzende der Weihnachtsschmuckgewerkschaft, Abteilung Kugeln.


Autor*in: Myriade                         Blog: La parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

 

Adventüden 2021 11-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Aktentasche, Bratapfel, Doppelgänger, Eistee, Geborgenheit, Glitzer, Kartoffelsalat, Kekse, Kopfzerbrechen, Marzipan, Partitur, Schneeregen, Sehnsucht, Sturmwolkenblau, Weihnachtsschmuck

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2021, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

Aus dem Stundenbuch | Myriades Impulswerkstatt

Aller guten Dinge sind drei, heißt es: Nun denn, hier ist mein dritter Beitrag für Myriades Impulswerkstatt (März), und es wird sicherlich auch der kürzeste.

 

Denn wir sind nur die Schale und das Blatt.
Der große Tod, den jeder in sich hat,
das ist die Frucht, um die sich alles dreht.

(Rainer Maria Rilke, Denn wir sind nur die Schale und das Blatt, aus: Das Buch von der Armut und vom Tode, in: Das Stundenbuch, 1903, Online-Quelle)

 

Ich werde den Teufel tun, mich interpretatorisch an Rilkes »Stundenbuch« zu wagen. Ich bin nämlich nicht mal sicher, das Stundenbuch jemals komplett gelesen zu haben, denn ich gerate immer wieder über Stellen, von denen ich denke: Oh, hier war ich noch nie. Meine Begeisterung für den Dichter Rilke ist groß und ehrlich, meine Ernüchterung über den Menschen ist es auch – Rilke eignete sich nicht zum Halbgott. Sigmund Freud hat ihn als einen »großen, im Leben ziemlich hilflosen Dichter« (Quelle) bezeichnet. Dazu kommt, dass ich Rilkes Gedichte manchmal zu schwärmerisch finde, irgendwie zu »drüber«, was dazu führt, dass ich ihn nur häppchenweise genieße.

Dankenswerterweise gibt es Tonnen an Sekundärliteratur zu fast allen Aspekten, und speziell das Stundenbuch ist gut dokumentiert. Um einige Themen, mit denen Rilke sich intensiv auseinandergesetzt hat, wie zum Beispiel Tod und Religion, scheren sich die meisten jedoch keinen feuchten Kehricht, und auch ich hätte daher auf dem Blog eher darauf verzichtet, hätte mich nicht die Muse für Myriades Gemüsebild über obige drei Zeilen stolpern lassen …

Hier ist der sehr lesenswerte Artikel zum Stundenbuch in der Wikipedia: HIER.
Hier ist der Text des Stundenbuchs bei Wikisource zum Online-Lesen: HIER.
Hier ist ein (wie ich finde höchst interessanter) Vortrag über das Stundenbuch vom Blog »Religion heute«: HIER. Sein Verfasser ist Pfarrer, you have been warned.
Last but not least hat das Rilke-Forum den Server gewechselt (in die Schweiz) und ist wieder online (hurra!): Antworten von Leuten, die sich wirklich auskennen, immer gut für einen Besuch: HIER.

Sowieso kommt/kam es mir bei allen drei März-Beiträgen für Myriade eher auf meine Bildbearbeitung/-gestaltung an als auf die Erklärungen dazu; und mein spezieller Dank gilt denen, den das aufgefallen ist. 😉
Das ist dieses Mal alles mit Photoshop gezaubert 😉

 

Rilke-Stundenbuch – Myriades Impulswerkstatt 03-21 | 365tageasatzaday
Quelle: Myriade, Bearbeitung: ich;
Anklicken erhöht die Lesbarkeit um ein Vielfaches

 

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren | Myriades Impulswerkstatt

Noch ein Versuch, für Myriades Impulswerkstatt (März) Text und Bild miteinander zu verbinden. Dieses Mal habe ich mir eines der wohl bekanntesten Gedichte der Romantik herausgegriffen.

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen,
Wenn die, so singen oder küssen,
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt in’s freie Leben,
Und in die Welt wird zurück begeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu ächter Klarheit werden gatten,
Und man in Mährchen und Gedichten
Erkennt die ewgen Weltgeschichten,
Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.

(Novalis (Friedrich von Hardenberg), Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren, aus: Heinrich von Ofterdingen, Tiecks Bericht über die Fortsetzung, 1800, Online-Quelle, Interpretation bei Wikipedia)

 

Die Welt ist zu Novalis’ Zeit kein reines unbekanntes Wunder mehr, sondern »funktioniert« nach Gesetzmäßigkeiten, die beginnende Industrialisierung und das damit verbundene Nützlichkeitsdenken werden erlebt und diskutiert.
Die Romantik setzt die Möglichkeit einer Erfahrung der Einheit von Realität und Anderswelt dagegen, sie verbindet Diesseitiges und Mystik, überbrückt die Kluft zwischen Verstand und Empfindung. Zustande kommt diese Grenzüberschreitung durch vielschichtige Sinneswahrnehmungen: Synästhesien, Träume, Ahnungen etc. führen zu Bewusstseinserweiterungen.
Die Suche nach der (symbolischen) blauen Blume in der Natur (im Außen) wandelt sich zu einem Weg nach innen, zu einer Suche nach sich selbst; und wer begreift, was seine tiefste Sehnsucht ist, erkennt sich schließlich selbst. »Wichtig ist, dass diese Erkenntnis des Selbst ein Ergebnis von Gefühl und Reflektion ist und eben nicht von Rationalität und Wissenschaft.« (Quelle)

Nach dieser Definition hätte ich ziemlich viel von einem Romantiker, glaube ich. 😀

 

Novalis – Myriades Impulswerkstatt 03-21 | 365tageasatzaday
Quelle: Myriade, Bearbeitung: ich;
Anklicken erhöht die Lesbarkeit um ein Vielfaches 😉

 

Betrachtung der Zeit | Myriades Impulswerkstatt

Myriades Impulswerkstatt beschenkt uns im März mit einem wunderbar ruhigen Sonnenuntergangsbild zum Spielen, das zugleich nah und fern wirkt und bei mir (und nicht nur bei mir) sofort Skandinavien-Assoziationen auslöste. Stimmt auch. Es stammt aus Norwegen.

Norwegen, altnordisch norðrvegr, bedeutet »Weg nach Norden« (wobei Bedeutung und Herkunft als nicht sicher geklärt gelten). Egal. Karge Landschaften machen etwas mit mir, und als Myriade bekundete, Barockgedichte zu mögen (jedenfalls lieber als die Zeit, die sonst in meinen Montagsgedichten vorherrscht), war mir klar: Der Weg nach Norden, der Weg nach innen, da geht was.

76. Betrachtung der Zeit

Mein sind die Jahre nicht die mir die Zeit genommen/
Mein sind die Jahre nicht/ die etwa möchten kommen
Der Augenblick ist mein/ und nehm‘ ich den in acht
So ist der mein/ der Jahr und Ewigkeit gemacht.

(Andreas Gryphius, Betrachtung der Zeit, aus: Epigramme. Das erste Buch, 1643–1663, Online-Quelle)

 

»Die Barocklyrik ist im Wesentlichen von drei Leitmotiven geprägt, die das Lebensgefühl der Menschen beschreiben. Vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) war der Alltag der Menschen von Gewalt und Zerstörung bestimmt. Alle diese Motive setzen sich mit der dadurch weit verbreiteten Angst vor dem Tod und dessen Auswirkungen auf verschiedene Art auseinander:  Memento mori, Vanitas, Carpe diem.« (Quelle: Wikipedia)

Ich freue mich, seit Langem mal wieder einen Anlass gehabt zu haben, Text und Bild zu verbinden. Vielleicht mache ich das öfter, ich weiß es noch nicht. Ich brauche zurzeit bisschen Stille zum inneren Luftholen, also seht es mir nach, falls ich online seltener präsent bin.

Es empfiehlt sich, das Bild großzuklicken.

 

Gryphius – Myriades Impulswerkstatt 03-21 | 365tageasatzaday
Quelle: Myriade; Bearbeitung: ich

 

Winterblues | abc.etüden

CN: Wer gerade mit der/gegen die Einsamkeit (ob aufgrund der Coronamaßnahmen oder nicht) zu kämpfen hat, den könnte dieser Text triggern. Seid gewarnt.

 

Das Fenster der Dachkammer blockierte. Am Anfang hatte sie es persönlich genommen, hatte gedacht, jemand wolle sie hindern, hinauszuklettern oder sich hinauszustürzen, dann aber hatte sie herausgefunden, dass sie wohl nur einen schwergängigen Hebel würde umlegen müssen, denn es ließ sich kippen. Nun gut, auch so konnte man lüften. Das Öffnen würde sie wohl noch ein, zwei Wochen verschieben, denn solange ihr Arm immer noch so wehtat, war nicht daran zu denken, damit Druck auszuüben.

Überhaupt, wo war der Gedanke hergekommen, sie wolle sich umbringen? Der war neu, dachte sie kritisch und unangenehm berührt. Und nein, sie war ja auch nicht absichtlich gestürzt, DAS würde sie geschickter anstellen, auch wenn ihre Bodenstiege reichlich steil und zum Halsbrechen vermutlich durchaus geeignet war. Hm.

Sie seufzte. Jeder Winter nahm ihr ein bisschen mehr Substanz, dieser war keine Ausnahme, und die ganzen Beschränkungen machten es nicht leichter. Wer von so vielen Möglichkeiten für Kontaktaufbau sprach, der kannte keine Menschen wie sie. Menschen ohne großen Bekanntenkreis, die jetzt niemanden hatten, der sie besuchen und umarmen würde. Menschen, für die der Lebensmitteleinkauf der gesellschaftliche Höhepunkt war, weil alles geschlossen worden war, wo man andere treffen und sich ein bisschen unterhalten konnte. Sie hatte im Fernsehen einige Politiker gesehen, die sich zum Affen machten, und sich gefragt, ob sie in der gleichen Gesellschaft lebten.

Es war manchmal schwer, nach vorne zu sehen. Sie umarmte die Gleichgültigkeit, die sich wie eine warme, braune Decke um sie legte, gab den Widerstand auf und ließ die Tage auf der Couch verstreichen. Wozu sollte sie aufstehen, sich zurechtmachen, sich zusammenreißen? Früher hatte sie Antworten darauf parat gehabt, aber jetzt?

Okay. Sie war gesund. Alles würde enden, auch der Winter und die diversen Lockdowns, und sie würde die Fenster aufreißen, draußen sitzen und mit anderen lachen.
Wenn sie dann noch lebte.

 

abc.etüden 2021 06+07 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay

 

Für die abc.etüden, Wochen 06/07.2021: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Torsten und seinem Blog Wortman. Sie lauten: Affe, neu, blockieren.

Diese Etüde wollte geschrieben werden, nachdem ich schon mal angefangen hatte, vom „Winterblues“ zu reden. Sollte irgendwer von euch der Meinung sein, dass da eine Triggerwarnung drüber gehört, lasst es mich bitte wissen. Ich hoffe, die nächste wird fröhlicher.
Nein, die ist nicht autobiografisch, aber ehrlicherweise muss ich sagen, dass sie es vielleicht sein könnte, wenn ich, na, sagen wir mal, 20 Jahre älter wäre und NATÜRLICH auf keinen Fellträger aufzupassen hätte … 😉

Nachdem ich bemerkt habe, dass ich immer wieder ein gewisses Foto eines Dachfensters vor Augen hatte, habe ich überlegt, ob ich diese Etüde nicht auch Myriades Impulswerkstatt widmen soll, aber ich glaube, ich hebe mir das auf.

Update: Da Myriade meint, dass diese Etüde hervorragend zu ihrem Fenster passen würde, sei sie hiermit auch in die Liste der Beiträge zur Impulswerkstatt Februar eingereiht.

 

Copyright: Myriade

 

Blind Date | Myriades Impulswerkstatt

Achtung, Zielsubjekt im Radius, ich wiederhole, Zielsubjekt im Radius!« Ich fahre hoch. Die Stimme schnarrt und ist fast menschenähnlich – na ja, extra für mich Techniktrottel, sie haben sich bemüht.
Der Blechtopf muss sich trotzdem irren, vorausgesagt ist wesentlich später, es ist maximal Nachmittag.

Ich werfe einen Blick nach draußen. Nichts zu sehen, weder Mensch noch Tier, und alle Kontrolllämpchen auf der Konsole leuchten grün. Gut. Gestern Abend haben Hunde am Rand des Unsichtbarkeitsfeldes das Bein hochgerissen und markiert. Nein, ihnen ist nichts passiert, ich will ja kein Aufsehen erregen, aber einen Moment lang habe ich erwogen, die nächste Stufe einzuschalten.
Nun ja. Glück gehabt. Die Hunde.

Wenn mir früher jemand gesagt hätte, dass ich hier und heute auf dem Gelände eines Museums stehe und auf eine Frau warte, die ich noch nie gesehen habe, hätte ich mir nur an die Stirn getippt. Aber damals hat sich auch keiner vorstellen können, dass die Menschheit jemals die Ehre mit einer außerirdischen Spezies haben würde. Nicht ganz freiwillig natürlich, nein, man hat die Erde besetzt, als unser Klima endgültig ruiniert war und es gerade anfing, so richtig ungemütlich zu werden.
Plötzlich waren sie überall. Die Echsen. Entschuldigung, die Lacertaner. Raumfahrende Echsen. Von einem Planeten aus dem Sternbild Lacerta, das liegt neben dem Schwan. Mit einer Technologie, die der hiesigen so weit überlegen ist, dass wir uns vorkamen, als hätten wir bisher mit Lego gespielt. Haben uns den Strom abgeschaltet. Einfach so. Dauerhaft. Und dann mussten sie gar nicht lange warten, bis die ersten Regierungen und Großkonzerne unbedingt ihre allerbesten Freunde werden wollten. Der Rest ist Geschichte, und sie war, wie wir alle wissen, anfangs nicht sonderlich erfreulich.

Ich war zwölf, als sie kamen, und zwanzig, als sie mich mitnahmen. Jetzt bin ich siebenundzwanzig und immer noch dabei. Natürlich hatten wir eine irrsinnig schlechte Presse, Kollaborateure, Verräter, »Hängt sie höher«, all das. Wir waren nämlich gar nicht so wenige, die gern mitgegangen sind. Meist Übergebliebene wie ich und jung. Aufbruch zu neuen Ufern! The sky is (not) the limit!
Die Realität ist nüchterner. Ich arbeite in der interspeziären Verständigung, erkläre den Lacertanern unsere Welt und warum wir das tun, was wir tun. Liebe, Sex, das ganze Ding ist zum Beispiel ein Konzept, das ihnen fremd ist, denn sie sehen nicht nur ziemlich wie Eidechsen aus, nur halt auf zwei Beinen, sie kennen auch keine Partnerschaft, sie binden sich nicht. Sie legen jährlich Eier, wenn überhaupt. Die Befruchtung ist ein unromantischer Akt, der rein der Fortpflanzung dient.

Vor einiger Zeit haben sie beschlossen, mich zu belohnen, jedenfalls hoffe ich, dass es nett gemeint ist. Das zwischenmenschliche Angebot auf Lacerta ist sehr, ähm, übersichtlich, und ich habe aus meinem Frust keinen Hehl gemacht. Sie haben eine große Datenbank mit Menschendaten gescannt und nach Kriterien durchgesiebt, die ich nur zum Teil beeinflussen konnte, und mir dann erklärt, sie hätten DIE Frau für mich gefunden. Die Frau, mit der ich einen Score von 98 Punkten erreiche. 98 von 100. Diese Frau ist quasi ich. Will ich das? Ebenso sehr, wie ich eine Scheißangst davor habe, ehrlich gesagt. Denn wenn ich in diesem Leben überhaupt eine Familie gründen möchte, wird es so langsam Zeit. Nicht nur für ein paar mehr oder weniger vergnügliche Akte.

Deshalb also bin ich hier, in diesem Park, und starre aus dem getarnten Blechtopf, der ein komplexes Miniraumschiff ist – wovon ich null verstehe, ich kann gerade mal die Kindergartenversion bedienen –, auf diese hochkünstlerischen Stahlbögen und eine Baumreihe. Weil eine mir bestimmte Frau in ein paar Stunden hier spazieren gehen wird und ich sie ansprechen werde. Als Jugendlicher hätte ich übrigens gedacht, dass die runde Öffnung wie ein Dimensionstor aussieht, aber inzwischen weiß ich es besser. Wenn man ein Dimensionstor erkennt, ist es zu spät – ich bin nicht zum ersten Mal zwischen Lacerta und der Erde unterwegs.
Ob mir der Popo auf Grundeis geht? Und wie.

»Zielsubjekt im Radius!«, wiederholt der Blechtopf. Irgendwas läuft hier schief, die Echsentechnik irrt sich nie. Ich checke das, vertiefe mich in die Anzeige auf der Konsole und sehe jetzt, dass ein menschlicher Punkt in unmittelbarer Nähe ist und vom Museum her weitere folgen. Raus kann ich aber nicht sofort, ich brauche ein paar Minuten Vorlaufzeit, um den Blechtopf zu verlassen, und mache schon mal die Bildaufzeichnung scharf.

Als der Punkt wenig später in mein Gesichtsfeld stürmt, bekomme ich einen Schock.

Sie ist ein Kind! Ein kleiner Wirbelwind in Rosa mit Locken! Heilige Scheiße, die Frau meines Lebens ist noch ein Kind! Was haben sich diese blöden Echsen denn dabei gedacht?

Gar nichts vermutlich. So viel zu den Ergebnissen meiner interspeziären Arbeit, verdammt.
Ich mache einen letzten Check, um mich zu vergewissern.
»Computer, Datum und Uhrzeit!«
»Es ist jetzt 16:04 Uhr Irish Standard Time am Mittwoch, den 9. August 2017.«
WAS? Das ist nicht möglich.
»Computer, wiederhole!«
»Es ist jetzt 16:04 Uhr Irish Standard Time am Mittwoch, den 9. August 2017.«

Oh-oh! Ich lasse mich in den Sessel fallen, mir wird richtig komisch. 2017 war ich sieben! Der Hüpfer durch das Dimensionstor hat mich zwanzig Jahre in die Vergangenheit geschickt? Wie konnte das denn passieren? Ich schaue an meinem Körper hinunter. Siebenundzwanzig, sicher nicht jünger. Und jetzt? Die Echsen kommen 2022. Ich bin der Einzige, der weiß, was in fünf Jahren mit der Welt geschehen wird?!

»Nein!«, brülle ich voller Verzweiflung und haue mit aller Kraft auf den großen, roten Knopf am Rand der Konsole, der mich nach Lacerta zurückbringen soll, wenn meine Mission erfüllt ist.
Der Blechtopf beginnt zu summen und leicht zu rütteln.
Das Brummen steigert sich – und bricht dann jäh ab. Es wird still.
Die Aussicht aus meinem Fenster ändert sich nicht, und das Kind ist auch weg.

Ich glaube, jetzt bin ich endgültig ganz schön am Arsch.

 

Bernar Venet, 217.5° Arc x 12, IMMA, Dublin
Quelle und Copyright: Myriade

 

Gerne bin ich auch im Januar Myriades Einladung zu ihrer Impulswerkstatt gefolgt, auch wenn ich gefühlt Ewigkeiten gebraucht habe, bis sich der Nebel in meinem Kopf zu einem Text geklärt hatte.

Es wird wenige von euch wundern, dass ich versucht habe herauszufinden, was hier eigentlich zu sehen ist (ohne direkt nachzufragen, macht mehr Spaß). Ich möchte solche Infos haben, um zu sehen, was davon ich verwenden kann – als Ergebnis davon steht der Blechtopf jetzt da, wo er steht, und Myriade darf erklären, wie sie an Fotos aus der Raumschiffkamera kommt 😉

Der Künstler, der diese Bögen erschaffen hat, heißt Bernar Venet, das Werk trägt den Titel „217.5° Arc x 12“ und steht/stand auf dem Gelände des Irish Museum of Modern Art in Dublin. Hier ist ein Link zum IMMA, und wer sich wie ich über Himmelsrichtungen und genaue Lage klarwerden möchte, findet hinter diesem Link die Ansicht per Google Streetview vom Juli 2018.

Meine erste Assoziation zum Bild war „Dimensionstor“, danach wurde es bisschen bunter. Nein, es gibt keine Fortsetzung. Nein, ich habe keine Ahnung, wieso/ob die unfehlbare Technik versagt hat, ob das Absicht war oder, oder … 😉

Bin sehr gespannt auf eure Eindrücke.

 

Das Weihnachtsessen | Myriades Impulswerkstatt

Der Schnee fiel in dicken Flocken, und sie war so genervt, dass sie das schon fast als persönlichen Angriff empfand. Scheißkarre, warum musste die gerade jetzt verreckt sein, wo sie die ganzen Lebensmitteleinkäufe für Weihnachten zu erledigen hatte?

Sie hastete vom Supermarkt mit ihren prall gefüllten Taschen zur Bushaltestelle. Gott, sie würde drei Kreuze machen, wenn sie sicher zu Hause war, sie war das lange Schleppen einfach nicht mehr gewöhnt. Aufstöhnend setzte sie den schweren Shopper ab und türmte die beiden Plastiktüten obenauf. Das Wartehäuschen war voller wenig kunstvoller Graffitis und sie zog sich routiniert die sperrige Maske über die Nase. Alles gut. Die war inzwischen selbstverständlich, wenn sie einen Fuß vor die Tür setzte. Wenn sie sich ansteckte, wer würde sie pflegen? Die Kinder bestimmt nicht, die hatten ihr eigenes Leben.

Ihr Blick wanderte zu der Kirche jenseits der Kreuzung. Neben den Säulen am Eingang stand ein Pärchen, dem offensichtlich egal war, wer zusah, und sich innig küsste.

Gebt bloß acht, dass euch der Pfarrer nicht sieht! Der Gedanke entfloh ihr schneller, als sie ihn zu Ende gedacht hatte. Sie ärgerte sich. Es konnte ihr doch nun wirklich gleichgültig sein! Überhaupt, wer sagte denn, dass die da drüben nicht verheiratet waren? Nur weil ihr Tammo mit ihr nach der Heirat nicht mehr öffentlich geknutscht hatte, da er fand, dass das keinen was anging, was sie privat miteinander so trieben?

Ihnen war zu wenig gemeinsame Zeit vergönnt gewesen, aber vieles Schöne hatten sie miteinander geteilt, dachte sie versonnen, und für einen Moment wanderte unter der Maske ein Lächeln über ihr Gesicht. Und um die Familientradition hochzuhalten, hatte sie ja wohl ein Recht darauf, ihre Kinder zum alljährlichen Weihnachtsessen zu sehen zu bekommen, oder? Der erste Weihnachtstag gehörte der Familie, also jetzt ihr, wenigstens solange, bis die Jungs selbst eine hatten, das war ehernes Gesetz.
Hauke hatte sich schon frühzeitig abgemeldet. Vorgeblich, damit die anderen ihre Partnerinnen mitbringen konnten, regelkonform und so weiter. Aber er hatte wenigstens versprochen, am zweiten Weihnachtstag mit Christina vorbeizuschauen. Sie hatte nichts dagegen, dass dadurch die ewigen Sticheleien über Frauen zwischen ihrem Ältesten und dem Jüngsten entfielen. Männer! Friesische Dickköpfe wie ihr Vater eben, Gott hab ihn selig.

Sie würden doch kommen?! Nach Tammos Tod hatte sie das Kommandieren angefangen und das nervte die Kinder manchmal, okay, aber war ihnen klar, wie wichtig es ihr war, sie Weihnachten zu Hause zu haben, selbst wenn es nur für ein paar Stunden sein sollte? Erschrecken durchzuckte sie und fuhr ihr so heftig in die Glieder, dass sie froh war, sich für einen Moment auf einen gesprungenen Plastiksitz setzen zu können, bis sich ihr Puls beruhigt hatte.
Wo blieb überhaupt der Bus? Sie warf einen Blick auf die Anzeigetafel. Noch sechs Minuten. Wind kam auf, der Schnee trieb in das Wartehäuschen. Ohne die Flocken wahrzunehmen, starrte sie auf die vierspurige Straße, auf der die Autos vorbeijagten, um noch bei Grün über die Kreuzung zu schießen.

Bisher hatten sie sich nicht getraut, zum Weihnachtsessen nicht zu erscheinen. Nicht Uwe und Kathrin mit den Enkeln, nicht Matthys, der wie in fast jedem Jahr mit einer neuen Dame auftauchen und wie jedes Mal schwören würde, dass das jetzt endlich die Frau fürs Leben sei.
Sie musste sie beide dringend anrufen. Gleich heute Abend.

Hoffentlich konnte sie das Auto morgen doch von der Werkstatt abholen und wenigstens die Getränke transportieren. Hoffentlich würden die Kinder nicht absagen. Das Jahr hatte schon genug Einschränkungen mit sich gebracht, aber bitte nicht auch noch das Weihnachtsessen!
Die Unruhe ließ sie aufstehen und ihre Taschen aufnehmen. Hoffentlich hatte der verdammte Bus keine Verspätung.

 

Quelle und Copyright: Myriade

 

Dies ist mein erster Beitrag zu Myriades Impulswerkstatt, und ja, ich bin spät dran, schließlich schleicht sich auch Weihnachten gerade davon. Aber entweder jetzt oder nie, und ich wollte nicht etwas versprochen haben und es schon wieder nicht halten.

Dank eines Textes von Myriade (glaube ich) habe ich erfahren, dass sich das Pärchen in/an/bei/neben der Gloriette küsst, für mich war es spontan ein Kircheneingang hier in der Nähe: ähnliche Farben, ähnliche Säulen. Nur den Schnee, den hätte ich noch gern, hier ist im Dezember nachts mal eine Flocke gefallen, aber das war es bisher …