Vom Winter und dem Eis

Nun kommt der Schnee angefahren in hellen Fuhren

Nun lassen Winterwolken auf Erden weiße Spuren,
Nun kommt der Schnee angefahren in hellen Fuhren.
Nun klingen die Wege im Frost versteint und metallen
Und sind vor Kälte bitter,
Als hätten viele Augen dort Salz geweint,
Als sei der kalte Mond in weiße Splitter zur Erde gefallen,
Als stünden im Blut die Tropfen still,
Und die Herzen, die feurigen Uhren,
Als ob keines mehr der Liebe Stunde schlagen will.

(Max Dauthendey, Nun kommt der Schnee angefahren in hellen Fuhren, in: Der weiße Schlaf, aus: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 426)

Eisnacht

Wie in Seide ein Königskind
schläft die Erde in lauter Schnee,
blauer Mondscheinzauber spinnt
schimmernd über der See.

Aus den Wassern der Rauhreif steigt,
Büsche und Bäume atmen kaum:
durch die Nacht, die erschauernd schweigt,
schreitet ein glitzernder Traum.

(Clara Müller-Jahnke, Eisnacht, in: Heimatklänge, aus: Mit roten Kressen, Online-Quelle)

Winterwärme

Mit brennenden Lippen,
unter eisblauem Himmel,
durch den glitzernden Morgen hin,
in meinem Garten,
hauch ich, kalte Sonne, dir ein Lied.

Alle Bäume scheinen zu blühen;
von den reifrauhen Zweigen
streift dein Frühwind
schimmernde Flöckchen nieder,
gleichsam Frühlingsblendwerk;
habe Dank!

An meiner Dachkante hängt
Eiszapfen neben Zapfen,
starr,
die fangen zu schmelzen an,
Tropfen auf Tropfen blitzt,
jeder dem andern unvergleichlich,
mir ins Herz.

(Richard Dehmel, Winterwärme, aus: Lebensblätter, 1895, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Kommt heil und gesund und guten Mutes in und durch diese Woche! 😀