20 – Endlich wieder Weihnachten | Adventüden

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Endlich wieder Weihnachten (Veronika, Vro jongliert)

 

Die Klimakrise hatte ihren Höhepunkt überschritten. Die Temperaturen sanken seit Jahren beständig. Nicht, dass die letzten Überlebenden sich groß darum gekümmert hätten. Sie waren auch weiterhin beschäftigt mit Überleben. Die Herbststürme hatten längst die wenigen verschrumpelten Äpfel von den Bäumen gefegt.

Die Dorfkinder balgten sich um die kleinen holzigen Früchte. Schmal und ausgezehrt waren sie, ein Anblick des Jammers. Die Armut traf sie am härtesten. Das Winterfest rückte näher. Früher einmal hatte es Weihnachten geheißen. Aber an Götter glaubte niemand mehr, nur noch an Mutter Erde. Und die war eine rachsüchtige strenge Frau, die keine Fehler entschuldigte. Wer Fehler machte, überlebte nicht.

Eliza sehnte sich nach Weihnachten. Sie hatte so viele Geschichten gehört. Heuer würde sie ihre Familie überraschen. Schon seit Wochen jagte sie allen möglichen Schätzen nach. Klaute Nüsse, raufte wie wild um die Äpfelchen, sammelte ein bisschen Moos und riskierte, von den anderen Kindern deshalb scheel angesehen zu werden. Jedes Mal bedankte sie sich bei Mutter Erde und flehte sie an, sie nicht dafür zu bestrafen, weil sie die Sachen in einem geheimen Versteck bunkerte und nicht mit der Gemeinschaft teilte.

Wenn sie nur sicher wüsste, wann genau das Weihnachtsfest stattfand. Das musste sie noch herausfinden. Dann würde sie nachts in den Gemeinschaftsraum ihrer Familie schleichen und auf dem Tisch ein Moosnest machen. Darin würde sie all die Nüsse und Früchte stapeln. Ihr ganz persönliches Weihnachten. Da würden sie alle staunen: Mama und Papa und die großen Brüder und Schwestern. Sie, Eliza, die Kleinste und Schmächtigste unter ihnen, der sie immer voraussagten, sie würde nicht lange genug leben, um erwachsen zu werden, und die trotzdem Jahr für Jahr überlebte.

Als an jenem Wintermorgen dichte Wolken aufzogen und das erste Mal seit Jahrzehnten wieder Schneeflocken vom Himmel fielen, wusste Eliza, ihr Traum vom Weihnachtsfest würde in Erfüllung gehen.

 

Adventüden 2019 20 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Sonntag, 31. August 2014

Draußen schmeißt meine Walnuss im Spätsommerwind die ersten gelben Blätter und die ersten Nüsse. Werden sowieso nicht viele dieses Jahr, es gab kaum Blüten im Frühling. Ich begrüße jeden Tag begeistert meine/n Nüsseklauer (ich hab keine Ahnung, ob es nur einer ist, vermutlich eher nicht). Wenn draußen Alarm ist, weiß ich, dass Feind Nummer eins, mein Kater, gesichtet wurde. Er kann der Verlockung nicht widerstehen, dann mal schnell aufzuentern („Irgendwann krieg ich ihn!“), und ich kann der Verlockung nicht widerstehen, zur Kamera zu greifen. Meiner Meinung nach hat er nicht die geringste Chance, und das beruhigt mich um der fleißigen und ach so süüüüüüüüßen (‚Tschuldigung) Nüssesammler Willen.

 

Eichhorn im Baum – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

Und eins noch zum Thema Nüsse – oder auch nicht 😉

„Mein Kind, es sind allhier die Dinge, // Gleichwohl, ob große, ob geringe, // Im wesentlichen so verpackt, // Dass man sie nicht wie Nüsse knackt. // Wie wolltest du dich unterwinden, // Kurzweg die Menschen zu ergründen. // Du kennst sie nur von außenwärts. // Du siehst die Weste, nicht das Herz.“
Wilhelm Busch: Schein und Sein (Bd. 4, Historisch-kritische Gesamtausgabe, herausgegeben von Friedrich Bohne. 4 Bände, Wiesbaden und Berlin, 1960)