Vom Tagesablauf im Sommer

 

Guter Rat

An einem Sommermorgen
Da nimm den Wanderstab,
Es fallen deine Sorgen
Wie Nebel von dir ab.

Des Himmels heitere Bläue
Lacht dir ins Herz hinein,
Und schließt, wie Gottes Treue,
Mit seinem Dach dich ein.

Rings Blüten nur und Triebe
Und Halme von Segen schwer,
Dir ist, als zöge die Liebe
Des Weges nebenher.

So heimisch alles klinget
Als wie im Vaterhaus,
Und über die Lerchen schwinget
Die Seele sich hinaus.

(Theodor Fontane, Guter Rat, aus: Gedichte (1898), Online-Quelle)

 

Mittagsstille …

Mittagsstille.

Grell prallt die Sonne auf den Wasserspiegel.

Unterm Erlengebüsch sitz ich und angle.

Durchs Schilf
jagen sich im Zickzack
zwei blaue Seejungfern.

Ich starre auf meinen Schwimmer.

Die Augen fallen mir zu.

Hinter mir,
in den Tannen
pfeift ein Regenvogel.

(Rolf Wolfgang Martens, Mittagsstille, Online-Quelle)

 

Sommer

Am Abend schweigt die Klage
Des Kuckucks im Wald.
Tiefer neigt sich das Korn,
Der rote Mohn.

Schwarzes Gewitter droht
Über dem Hügel.
Das alte Lied der Grille
Erstirbt im Feld.

Nimmer regt sich das Laub
Der Kastanie.
Auf der Wendeltreppe
Rauscht dein Kleid.

Stille leuchtet die Kerze
Im dunklen Zimmer;
Eine silberne Hand
Löschte sie aus;

Windstille, sternlose Nacht.

(Georg Trakl, Sommer, aus: Sebastian im Traum, 1915, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Was immer ihr tut, kommt gut in und durch die neue Woche!

 

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