Unterwegs „bei die Fischköppe“

Nachlese: ein paar Bilder vom schönen platten Land „bei die Fischköppe“.

(„Fischköppe“ sind die Nordfriesen, im Gegensatz zu den (südlich angrenzenden durch die Eider getrennten) Dithmarschern, die „Kohlköppe“ sind, hat man mich gelehrt. Ja, „Fischköppe“ wird leicht inflationär vom Rest der Republik für uns alle hier im Norden gebraucht, schon klar. Also, es stört mich nicht, damit „kann ich um“.)

Das südlichste Bild (das mit dem Sekt, ja, rosa, Mädchensekt, musste sein) ist am Eidersperrwerk entstanden, bei sehr steifer Brise, Sonne, Sekt und Krabbenbrötchen ;-). Das Eidersperrwerk wiederum ist über ca. 5 km Wasser (Luftlinie) fotografiert worden, und wie weit der Kutter draußen war, kann ich nicht abschätzen … mir kommt es auch mehr auf die Stimmung an.

Auf jeden Fall waren wir abends durchgefroren, sandig und glücklich wieder zu Hause, haben noch einen Rest ESC geschaut und sind dann selig weggeschlummert … bis auf den Fellträger, der wichtigen Katergeschäften (vermutlich mit der schwarz-weißen Katze aus der Nachbarschaft, nein, keine Alimente) nachging.

Schöne Rest-Pfingsten euch!

 

 Quelle: ichmeinerselbsthandmade

 

Je suis … sauer. Und nachdenklich.

Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.

(Albert Einstein, Quelle)

 

Wenn ich ehrlich bin, bin auch ich ein Mitglied der Masse der (selbstverständlich individualistischen) Schafherde. Stimmvieh. Fernsehgucker. PEGIDA-Ablehner. „Je suis Charlie“-Denker. Nicht generell unpolitisch, aber an der großen Politik doch ziemlich desinteressiert.

Dann habe ich die Demo-Bilder im Fernsehen gesehen und fand, neben all dem (in meinen Augen) Stuss, der da  verbreitet wurde, waren einige Leute dabei, die ähnliche Fragen stell(t)en wie ich. Nur hatten sie andere Antworten und waren lauter. Beides nicht mein Fall. Beschäftigt hat es mich und tut es immer noch.

Dann die „Charlie“-Geschichte. Menschen aus ideologischen/religiösen Gründen zu erschießen, mag ich weder verstehen noch gutheißen. Nirgendwo und quasi vor meiner Haustür noch weniger. Beschäftigt hat es mich und tut es immer noch.
Aber bei dem Hype, der daraufhin entstanden ist, habe ich mich doch gefragt, wer da was als Ventil wofür benutzt. Phoenix sendete bemerkenswert langweilige Live-Bilder aus einem fahrenden Auto auf der Autobahn bei der Verfolgung der Paris-Attentäter. Ich dachte, ich bin im Film; das hatte ich zum letzten Mal bei 9/11 und Uli Wickert mit Grabesstimme. Diese Woche bin ich hier an der Messe vorbeigefahren, dort wehten neben den üblichen Flaggen schwarze „Je suis Charlie“-Fahnen. Ich dachte, mich tritt ein Pferd. Haben wir Nationaltrauer?

Hallo? Das Abendland ist offensichtlich gerade knapp dem Untergang entgangen, ja? Wo ist die Verhältnismäßigkeit? Was ist hier eigentlich los? Ich lese andere Blogs, die sehr vernehmlich „Aufwachen“ brüllen, lande wieder in Gedanken bei Brecht („wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist„), mag mich gerade nicht in meinen üblichen „Der Mensch/das Herz zählt“-Friede-Freude-Eierkuchen-Kokon zurückziehen und bin sauer. Und sehr nachdenklich. Und habe keine Lösung. Und ich glaube, das wird anhalten.

 

Schafherde – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Löwe und Schaf – Samstag, 18. Oktober 2014

Lieber ein Jahr wie ein Löwe als hundert Jahre wie ein Schaf.

(Italienisches Sprichwort)

 

Darüber gestolpert und angefangen, nachzudenken. Ist das so? Ich meine, klar, es gibt viele, die so leben. Nach mir die die Sintflut, ich lebe mich aus, ich nehme alles mit. Wild und gefährlich. Ohne Rücksicht auf Verluste. Ich geb Gas, ich will Spaß. (Ich fand und finde das Lied so bescheuert.) Und dann? Selbst das Sprichwort spricht von einer begrenzten Zeit, die die Herrlichkeit andauert. Was ist danach, wenn man von der Überholspur gefallen ist, man nicht mehr dazugehört, weil man vielleicht (körperlich, geistig, finanziell) nicht mehr kann. Dann willkommen bei den Schafen, von denen man vorher gelebt hat, abhängig vielleicht sogar von deren Freundlichkeit? Keine schöne Aussicht.

Nun will ich auch nicht unbedingt die Schafe schlechtreden. Das „normale“ Leben aufzubauen, einen Job und einen Partner zu finden, Kinder zu bekommen und zu erziehen, vielleicht auch ein Haus zu bauen, jedes Jahr in Urlaub zu fahren, alle paar Jahre ein neues Auto und zwischendrin sich immer was leisten zu können, kontinuierlich und geduldig – das ist nicht wenig. Das ist sogar verdammt viel. Man richtet sich ein. Es hört sich nur gegenüber dem „Löwen“-Leben leicht fad an.

Bestimmt träumen Schafe von einem Leben als Löwe, die Medien sind voll davon (und von dem Scheitern). Träumen die Löwen manchmal von einem Leben als Schaf? Ich bin sicher, sie tun es, zumindest von einer für sie passenden Adaption, auch das ist Stoff für die Medien.

Meine Sympathie gilt wie immer denen irgendwo dazwischen. Denen, die wissen, dass Wiederkommen nicht dasselbe ist wie nie gegangen zu sein. Denen, die aus Schaden klug (nicht „gerissen“ – Mascha Kaléko) geworden sind. Denen, die, weil sie nicht anders können, ihren eigenen Weg zwischen den Löwen und den Schafen suchen, meist leicht befremdet beäugt von beiden. Denen mit den Füßen auf der Erde und dem Kopf in den Wolken. Ja.

Löwe im Tierpark Hagenbeck – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

Mit freundlicher Genehmigung vom Tierpark Hagenbeck.