Über Schönheit

Die ganze Vielfalt, der ganze Reiz, die ganze Schönheit des Lebens besteht aus Schatten und Licht.

(Lew N. Tolstoi, Anna Karenina, Quelle)

 

Jahreskalender 2016 – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst, aber sowas von

 

Ich vermute, jede/r, der/die fotografiert, kennt die Aufforderung: Deine Bilder sind doch sooooo schön, mach doch mal einen Kalender! Klar, mich ereilt(e) das auch. Und außer für meine Mutter, die immer wollte, dass ihr Kalender ein Monatskalender wird, der auf das Stück Platz zwischen Kühlschrank und Küchenuhr passt (A3 quer), war und bin ich ein Anhänger größerer Formate, um nicht zu sagen, von Postern, deren Layout ich mit großer Freude und Akribie selbst gestalte.
Dieser mein Kalender ist also eigentlich ein Poster mit einem winzigen praktischen Nebeneffekt: unten rechts ist eine Kalenderkachel mit dem Kalendarium für dieses Jahr. Alles komplett handgeklöppelt, jedes einzelne Pixel per Programm an seinen Platz bewegt. Er misst 60 x 60 cm und hängt bei mir (und ein paar ausgewählten Menschen) an einer Tür, die er hervorragend verschönert, wie ich befriedigt feststelle.

Wer sich jetzt fragt, was das alles mit dem Tolstoi-Zitat zu tun hat, sei darauf verwiesen, dass ich es a) sehr wahr finde und es b) die Mitte der Kalenderkachel ziert.

Ich bin eindeutig noch nicht wieder im vorweihnachtlichen Normal-Modus angelangt und finde das sehr angenehm. Noch dazu ist es jetzt (ich weiß nicht, ob ich „endlich“ sagen soll) frostig kalt geworden: das Wetter passt zur Jahreszeit. Noch schneit es hier nicht, aber das wird bestimmt noch kommen. Der Fellträger hat jedenfalls schon einiges zu kalten Füßen anzumerken.

Ich wünsche euch noch einen geruhsamen Sonntag!

 

Wunsch

Er träumt | eine Frage zu sein | hinter den Fragen.

(aus: Fuad Rifka, Wunsch)

 

Er träumt auch, ein Stern hinter den Sternen, ein Weg hinter den Wegen zu sein und eine Sprache hinter den Sprachen, und ich finde den Gedanken wunderschön (hier gibt es das ganze Gedicht, ich will wegen Copyrightfragen nicht mehr zitieren). Die Suche nach dem, was „die Welt im Innersten zusammenhält“, ohne die Augen zu verschließen, ohne sich abzuwenden, denn die Sterne, die Wege, die Sprachen, die Fragen sind noch da.

Die Konzentration auf das Wesentliche, und ich frage mich, ob wir alle dann irgendwann an einem ähnlichen Punkt ankämen, was Mystiker ja wohl bejahen würden. Das (die Mystik) ist auch der einzige Kontext, in dem ich mir was von „Gottes Liebe“ erzählen lasse, denn die, die diese Worte sonst meist im Mund führen, sind sehr oft welche, denen ich weder tagsüber noch nachts im Mondschein begegnen möchte.

Aber die Schönheit im Alltäglichen (bei der dicken Hummel gestern vor meinem Fenster, dem gähnenden Fellträger, dem flüchtigen Lächeln eines Unbekannten, dem Geruch nach frischem Kaffee) – ja, da bin ich auch. Farben des Lebens.

 

Eichen im Frühling – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst, und ja, das sind zwei Eichen, falls wer fragt