Der Erleuchtete | abc.etüden

Gehen in Achtsamkeit und Bewusstheit, das hatte sich in der Kursbeschreibung so toll gelesen und war genau der Ausgleich, den er zu der anstrengenden Arbeit auf den höheren Ebenen dringend nötig hatte. Er hatte eine harmonische Location und spirituelle Teilnehmer erwartet, die über seine kleinen Unzulänglichkeiten lächelten, ihn in ihre Mitte aufnahmen und ihn für seine natürliche Autorität bewunderten. Schließlich war auch er nur ein Mensch.

Nun, der Erfolg ließ noch etwas auf sich warten. Seine Füße schwollen beim stundenlangen Gehen an und er patschte mühsam hinter den anderen her. Flundernplatt waren seine armen Füße, groß und riesig breit und ganz sicher blasenübersät, er wollte eigentlich gar nicht erst hinsehen. Vor lauter Verzweiflung visualisierte er sprudelnde Fußbäder und warf imaginäre Handvoll Badesalz hinein, berauschte sich an dem Duft von Lavendel, Rosenöl und Sandelholz.

Er war auserwählt, aber die Welt war einfach noch nicht bereit für das, was er ihr zu geben hatte. Sein Lehrmeister hatte ihm dies in ihrer astralen Kommunikation vorausgesagt. Ach: Es war wohl sein Schicksal, verkannt zu bleiben.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 elke böhm 25.17 | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler

 

Disclaimer: Ich treffe immer wieder mal auf ziemlich humorlose spirituelle Leute und kann nicht ausschließen, dass sich in der geschätzten Leserschaft meines Blogs auch der eine oder die andere befindet, der/die sich jetzt aufs Ego getreten fühlt. Daher möchte ich in aller Deutlichkeit sagen: Du bist nicht gemeint bzw. nur dann, wenn du dir das ans Bein bindest!
Dieser „Erleuchtete“ hat seine Vorbilder in zwei Männern, die ich vor über 15 Jahren kurz kannte und die (unabhängig voneinander) angaben, Kontakte zur/in der Astralwelt zu haben, welche ihnen Allmachtsgedanken einpflanzten. Der eine hat es nicht überlebt (eine längere Geschichte, die ich gern bei einem Bier erzähle), der andere war eine in jeder Hinsicht verkrachte Existenz – ein netter Typ, aber niemand, an den man sich wenden sollte, um mal kurz die Welt zu retten.

Ach, und selbstverständlich latscht man in einem Kinhin (buddhistische Gehmeditation, hier mehr) als Anfänger auch nicht stundenlang durch die Gegend.

Für die abc.etüden, Woche 25.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Elke (elke-boehm.de) und lauten: Badesalz, flundernplatt, Lehrmeister.

 

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Das Leben ist gemein! | abc.etüden

Jule kam der ewige Spruch ihrer Mutter mit dem Leben und dem besten Lehrmeister so zu den Ohren raus, dass sie am liebsten geheult hätte. Sie hatte doch nur mit ihren Freundinnen einen echten Zaubertrank brauen wollen, nach einem Rezept von Lenas großer Schwester. Jede musste sich was extrem Wichtiges wünschen, damit er wirkte: Sie wollte einen Hund, am besten einen richtig großen, damit sie weniger allein war, Nele wollte, dass ihre Eltern sich nicht mehr stritten, und Lena wollte abnehmen. Das mit dem Abnehmen fand Jule voll bescheuert, aber Lenas Schwester war auch so drauf, wahrscheinlich hatte die das von der.

Die Aktion stieg bei Jule, als ihre Mutter Nachmittagsdienst hatte und sie allein waren. Das Zaubertrank-Machen war babyeinfach, aber der Zaubertrank sah so fad und langweilig aus, dass Jule ihr Badesalz opferte, besser gesagt, ihre letzte Badepraline. „Nur natürliche Zutaten, die könntest du sogar essen“, hatte ihre Mutter ihr schließlich beim Selbermachen gesagt, und sie sprudelte auch ganz toll im Topf und roch echt lecker nach Vanille!

Der Zaubertrank schmeckte dennoch eklig salzig und bitter, trotzdem hatten sie ihn tapfer runtergewürgt, was tut man schließlich nicht alles für seinen größten Wunsch! Dann aber hatten sie alle drei schlagartig fürchterlich Durchfall bekommen und lagen jetzt flundernplatt in Jules Zimmer. Jule wusste nicht genau, wer an der ganzen Misere nun schuld war, aber bei einem war sie sich ganz sicher: Das Leben war verdammt gemein!

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1 elke böhm 25.17 | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler

 

Kinder, nicht nachmachen! Mütter, seid vorsichtig, was ihr euren Gören erzählt!  :-)
Badesalz, ihr Lieben, und Badepralinen werden unter anderem mit ziemlich viel Bittersalz hergestellt (Anleitung zum Selbermachen hier und hier). Bittersalz dient nicht nur als Dünger im Garten, Bittersalz nimmt man oder nahm man auch zum Entschlacken bzw. als Einstieg zum Fasten, nämlich zur Darmentleerung. Mit einem Wort, Bittersalz führt ziemlich heftig ab.

Ich glaube nicht, dass drei gesunde Mädchen nach dem Verzehr einer (aufgelösten) Badepraline in ernsthaften gesundheitlichen Schwierigkeiten sind, ich weiß auch nicht, ob die Menge im entferntesten ausreicht, um Durchfall auszulösen, aber für die Geschichte habe ich das mal angenommen. Auch für den Rest der Inhaltsstoffe (Zitronensäure, Natron; Chemiker, anyone?) gilt ganz sicher, dass die Dosis das Gift macht.

Sollte ich die Drei in dieser Geschichte also ungewollterweise in Lebensgefahr gebracht haben, bitte ich um Nachricht (und Nachsicht).

Für die abc.etüden, Woche 25.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Elke (elke-boehm.de) und lauten: Badesalz, flundernplatt, Lehrmeister.

 

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Schreibeinladung für die Textwoche 25.17 | Wortspende von elke-boehm.de

Letzte Woche war ich schon der Meinung, dass die Etüden „heiterer“ werden würden, aber viele holten alte und neue Schrecken oder zumindest Erinnerungen hervor und gaben ihnen auf grandiose Weise Raum. Ich bin gespannt, wie es diese Woche sein wird. Werte Mitschreiberinnen und Mitschreiber, liebe Leserinnen und Leser, Vorhang auf für die Wortspende meiner Freundin Elke (elke-boehm.de) für die Textwoche 25.17:

Badesalz
flundernplatt
Lehrmeister

Regelkurzfassung: Maximal 10 Sätze, in denen diese drei Wörter vorkommen, klar? Einen Ping (also verlinken) und einen Kommentar hierhin, weil hier die zentrale Sammelstelle ist für alle, die diese Woche lesen/mitschreiben wollen, auch klar?
Gut. Ab dafür.

Das obligatorische Kleingedruckte in Langform:

  1. Bitte verlinkt diesen Beitrag unbedingt bei euren Etüden, wenn ihr sie veröffentlicht, damit es hier in den Kommentaren pingt, und/oder schreibt mir einen Link zu euren Etüden in die Kommentare, Pings kommen öfter mal nicht durch.
    Sowohl der/die Wortspender/in als auch ich wüssten so gern, was ihr daraus macht, und wir folgen einfach nicht jeder oder jedem. Solltet ihr eure Etüde in die Kommentare schreiben wollen, weil sie aus irgendwelchen Gründen nicht in das Konzept eures Blogs passt, ihr einfach mal probieren wollt oder ihr gar keinen habt: herzlich gern!
  2. Die Illustrationen stammen von lz – Ludwig Zeidler – (Website: ludwigzeidler.de, Blog: poesiegarage.wordpress.com), dem eigentlichen Erfinder der Etüden, jede Woche freue ich mich neu darüber. Sie können/dürfen als Beitragsbilder benutzt werden, dafür sind sie gedacht; ihr müsst aber selbstverständlich nicht.

In eigener Sache: Ich erwarte ab morgen (Montag) Schwierigkeiten mit meinem Internetanschluss: tadaaa, die Umstellung auf digital. Weiß also nicht, wann ich wieder regulär online sein kann, hoffentlich schon Dienstag. Seht mir bitte nach, wenn ich wenig und in größeren Zeitabständen als sonst kommentiere.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1 elke böhm 25.17 | 365tageasatzaday

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 elke böhm 25.17 | 365tageasatzaday

 

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Serienkiller | abc.etüden

Der alte, begrünte Erdbunker war ein Hort bittersüßer Erinnerungen für die Alten und seine Mauern zu dick, um mal eben von der örtlichen Baufirma abgerissen zu werden, deshalb stand er noch. Ihm allerdings lagen sentimentale Begründungen fern, Hauptsache, ER blieb dort ungestört, dort in seinem Revier.

Es hätte sich wirklich schon herumgesprochen haben können, dass zwischen den Sommerblüten kein sicherer Platz war, er war ja nicht erst seit gestern hier. Schrille Schreie und hin und wieder Knochen, das Übliche, obwohl er normalerweise sehr sorgfältig war, was Überreste anging.

Aber sie waren ja alle so dumm.

Da, schon wieder bog eine Neugierige um die Ecke, was für ein Glück er dieser Tage doch hatte! Sein Trieb ging mit ihm durch und ließ ihr nicht den Hauch einer Chance. Er war sogar zu ungeduldig, um noch lange mit ihr zu spielen. Bei der nächsten vielleicht wieder.

Der große Tigerkater packte sein lebloses Opfer im Nacken, schleppte die fette Maus zu seinem Lieblingsplatz im Schatten des Türsturzes und begann, sie genüsslich zu verspeisen.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 wortgeflumselkritzelkram 24.17 | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Kurz und knackig.  :-D  Ich gebe zu, dass der Witz nicht neu ist.
Gewidmet einem gewissen Fellträger, der laut schmatzend in der letzten Nacht … ihr wisst schon.

Euch einen schönen Feiertag, falls ihr habt (Hamburg nicht).

Für die abc.etüden, Woche 24.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Sabine (wortgeflumselkritzelkram.wordpress.com) und lauten: Bunker, Sommerblüten, bittersüß.

 

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Geister | abc.etüden

„Liegen da denn auch noch Knochen drin?“
„Ja, total, und deswegen gibt es da auch noch richtig viele Geister, die darfst du nicht stören, auf keinen Fall darfst du da reingehen, sonst holen die dich!“

Niemand ging in den alten Erdbunker aus dem zweiten Weltkrieg, der, wie sie viele Jahre später erfuhr, einfach nur teilweise eingestürzt und daher verschlossen und verrammelt war, besonders natürlich für neugierige Kinder wie sie. Keiner, nicht einmal für Mutproben, sie wuchs in der Nähe auf, sie hätte es gewusst. Von Bombenangriffen war das Dörfchen damals eh fast verschont geblieben, damals, bevor die Amerikaner kamen und sich alles wendete.

Sie ging ein allerletztes Mal die vertrauten alten Wege und genoss die bittersüßen Erinnerungen. Im Sommer war der Bunker immer noch eingewachsen in eine wilde Gemengelage aus Sommerblüten wie Mohn, Margeriten, Lupinen und Brennnesseln, aber im Winter waren sie an seinen sanft abfallenden Hängen stundenlang Schlitten gefahren, sie erinnerte sich daran, nass und steif gefroren, erschöpft und überglücklich Tag um Tag mit ihrem großen Schlitten im schwindenden Licht nach Hause gekommen zu sein. Keiner mähte hier je sommers, auch das hatte sich nicht geändert.

Pünktlich wie seit Jahrzehnten riefen die Abendglocken sie um halb sieben nach Hause, in ein Zuhause, das es nun nicht mehr gab. Sie ließ die Tränen rinnen und lächelte entschlossen einer ungewissen Zukunft entgegen.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 3 wortgeflumselkritzelkram 24.17 | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 24.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Sabine (wortgeflumselkritzelkram.wordpress.com) und lauten: Bunker, Sommerblüten, bittersüß.

 

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Schreibeinladung für die Textwoche 24.17 | Wortspende von wortgeflumselkritzelkram

Nachdem die Schreibeinladungen der letzten beiden Wochen den Köpfen der tapferen Schreiberlinge doch öfter mal „dunkle“, sprich ernstere Etüden entlockten, bewegen wir uns jetzt eher wieder in die Richtung der heitereren Gefilde. Passend zum (hoffentlich) Sommerwetter beschenkt uns Sabine Wortgeflumsel für die Textwoche 24.17 (wortgeflumselkritzelkram.wordpress.com) mit folgenden Wörtern:

Bunker
Sommerblüten
bittersüß

Hat doch schon mal was Prachtvolles, oder? Bin gespannt, was euch (und mir) dazu einfällt!

Wie immer weise ich gern darauf hin, dass es darum geht, diese 3 Wörter in einer Kürzestgeschichte unterzubringen, die maximal 10 Sätze umfasst. Die Reihenfolge der Wörter ist egal, und ja, ihr dürft auch öfter als einmal pro Woche.

Das obligatorische Kleingedruckte:

  1. Bitte verlinkt diesen Beitrag unbedingt bei euren Etüden, wenn ihr sie veröffentlicht, damit es hier in den Kommentaren pingt, und/oder schreibt mir einen Link zu euren Etüden in die Kommentare, Pings kommen öfter mal nicht durch.
    Sowohl der/die Wortspender/in als auch ich wüssten so gern, was ihr daraus macht, und wir folgen einfach nicht jeder oder jedem. Solltet ihr eure Etüde in die Kommentare schreiben wollen, weil sie aus irgendwelchen Gründen nicht in das Konzept eures Blogs passt, ihr einfach mal probieren wollt oder ihr gar keinen habt: herzlich gern!
  2. Die Illustrationen stammen von lz – Ludwig Zeidler – (Website: ludwigzeidler.de, Blog: poesiegarage.wordpress.com), dem eigentlichen Erfinder der Etüden, jede Woche freue ich mich neu darüber. Sie können/dürfen als Beitragsbilder benutzt werden, dafür sind sie gedacht; ihr müsst aber selbstverständlich nicht.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1 wortgeflumselkritzelkram 24.17 | 365tageasatzaday

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 wortgeflumselkritzelkram 24.17 | 365tageasatzaday

 

lz abc.etueden schreibeinladung 3 wortgeflumselkritzelkram 24.17 | 365tageasatzaday

 

lz abc.etueden schreibeinladung 4 wortgeflumselkritzelkram 24.17 | 365tageasatzaday

 

Die Razzia | abc.etüden

„Warum kannst du nicht ein bisschen mehr wie Alexander sein?“
„Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder, Schatz?“
Sein Ton allein hätte gereicht, die Klimaerwärmung aufzuhalten, außerdem liebte er Warum-Fragen ungefähr so wie alle Männer, was sie aber grundsätzlich souverän ignorierte. Und nach Alexander, dem Waschlappen von Mann ihrer Freundin Anne, würde er sich schon gar nicht erkundigen.

„Ich rufe die ganze Zeit nach dir, weil ich Hilfe brauche, aber du ziehst es vor, mit deinen Gangster-Kumpels brandschatzend, betrügend und mordend in irgendwelchen Internet-Welten einen auf dicke Hose zu machen und sonderst dabei hermetische Sprüche ab, die kein normaler Mensch versteht!“
Manchmal war die Unterwelt im Chicago der 20er-Jahre wirklich einfacher zu dirigieren, als zuzugeben, dass er sich allabendlich hinter seinem Computer vor einem Leben versteckte, das ihm über den Kopf wuchs. Also machte er die Katastrophe komplett und brüllte: „Lass mich doch endlich mal mit deinem Scheiß zufrieden!“

Als die Tür seines Arbeitszimmers zuschlug und er sie auf der Treppe schniefen hörte, warf er einen schnellen Blick auf den Bildschirm und sah entgeistert das FBI durch den eben erst mühsam fertiggestellten Kellerdurchbruch stürmen.

Was war er doch für ein dummes Arschloch.

Irgendwas lief hier grundsätzlich schief.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 3 redskiesoverparadise 23.17 | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Ich hatte gedacht, die zweite Etüde dieser Woche würde fröhlicher ausfallen, dem ist aber mitnichten so. Dann eben nicht. Muss ja auch nicht.

Für die abc.etüden, Woche 23.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Bernd (redskiesoverparadise.wordpress.com) und lauten: Kellerdurchbruch, hermetisch, brandschatzen.

 

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Die Konferenz | abc.etüden

Das Areal war hermetisch abgeriegelt, Sicherheitsstufe hysterisch, die internationale Konferenz kurz vor dem Start. Jan war sich durchaus bewusst, wie viele Polizisten dafür insgeheim beteten, dass gerade in ihrer Schicht nichts passierte und ihnen kein Himmel auf den Kopf fiel (oder Schlimmeres), gehörte doch seine große Schwester zu denen mit Polycarbonat-Schilden und Schlagstock. Nun, er war eher auf der Seite derer, die eine Konferenz dieser Größenordnung mitten in einer Stadt als Provokation interpretierten, ein Zeichen dafür, dass jede abweichende Meinungsäußerung von Seiten des Volkes im Grunde unerheblich und unerwünscht sei. Jan hielt eine derartige Einstellung für geistiges Brandschatzen und hatte beschlossen, dies auf seine höchsteigene Art zu kommentieren.

Zu nachtschlafender Zeit schlüpfte er durch den verborgenen Kellerdurchbruch, der auf keinem Bauplan verzeichnet war, in das Mehrfamilienhaus in der Sperrzone hinein. Die Vorbereitung eines befreundeten Bewohners hatte sich ausgezahlt, die fraglichen Türen waren nicht verschlossen. Er verschmolz mit den spärlichen Schatten und rannte geduckt zu der Wand gegenüber dem Konferenzraum, auf die am Morgen die Mächtigen der Welt blicken würden. Das Glück schien mit ihm zu sein: Das Podest, das ihm bei seinen mehrfachen Ortsbegehungen aufgefallen war, stand nach wie vor passend für seine Zwecke herum.
Jetzt war Schnelligkeit gefragt. Er band sich seinen Gürtel mit den Sprühdosen um, schickte ein Stoßgebet an die Götter, hangelte sich nach oben und begann sein Werk: Der geplante Stinkefinger war eindeutig und schließlich ein international verstandenes Symbol.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1 redskiesoverparadise 23.17 | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Disclaimer: Jaaa, das ist unrealistisch. Vor allem das mit der „Wand gegenüber“. Und?
Hamburg hat demnächst den Gipfel hier mitten in der Stadt, die Sicherheitslage wird garantiert … erheblich … sein. Ich halte die Wahl des Veranstaltungsortes (eben mitten in der Stadt) tatsächlich für nicht gerade glücklich, was das „normale“ Leben drum herum angeht, Stichwort Sicherheitszonen etc.
Man mag (Macht-) Demonstrationen beurteilen, wie man will, wenn ich mir etwas wünschen könnte, wäre das, dass alles friedlich abläuft, ohne Provokationen und Ausschreitungen auf/von beiden Seiten und ohne dass Hamburg mit sonstigen negativen Schlagzeilen in den Medien vorkommt – und dass Hamburg damit seine Gastgeberpflichten für die nächsten Jahre erfüllt hat.

Für die abc.etüden, Woche 23.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Bernd (redskiesoverparadise.wordpress.com) und lauten: Kellerdurchbruch, hermetisch, brandschatzen.

 

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Schreibeinladung für die Textwoche 23.17 | Wortspende von redskiesoverparadise

Inzwischen freue ich mich ja immer, liebe Etüden-Fans, wenn mir und damit euch Worte beschert werden, die einen veranlassen, bisschen tiefer in das eigene Schatzkästchen der Phantasie oder in die eigenen Kellergewölbe hinabzusteigen. Wobei wir mit dem „Keller“ auch schon beim Thema wären, denn Bernd, der Mann hinter redskiesoverparadise.wordpress.com, hat für die Textwoche 23.17 folgende Wörter gespendet:

Kellerdurchbruch
hermetisch
brandschatzen

Ich bin mehr als neugierig, wem von euch zu „hermetisch“ mehr als „abgeschlossen“ einfällt.  ;-) Insgesamt eine sehr trickreiche Kombination, findet ihr nicht? Viel Spaß euch allen, und erst mal frohe Pfingsten!

Wie immer weise ich gern darauf hin, dass es darum geht, diese 3 Wörter in einer Kürzestgeschichte unterzubringen, die maximal 10 Sätze umfasst. Die Reihenfolge der Wörter ist egal, und ja, ihr dürft auch öfter als einmal pro Woche.

Das obligatorische Kleingedruckte:

  1. Bitte verlinkt diesen Beitrag unbedingt bei euren Etüden, wenn ihr sie veröffentlicht, damit es hier in den Kommentaren pingt, und/oder schreibt mir einen Link zu euren Etüden in die Kommentare, Pings kommen öfter mal nicht durch.
    Sowohl der/die Wortspender/in als auch ich wüssten so gern, was ihr daraus macht, und wir folgen einfach nicht jeder oder jedem. Solltet ihr eure Etüde in die Kommentare schreiben wollen, weil sie aus irgendwelchen Gründen nicht in das Konzept eures Blogs passt, ihr einfach mal probieren wollt oder ihr gar keinen habt: herzlich gern!
  2. Die Illustrationen stammen von lz – Ludwig Zeidler – (Website: ludwigzeidler.de, Blog: poesiegarage.wordpress.com), dem eigentlichen Erfinder der Etüden, jede Woche freue ich mich neu darüber. Sie können/dürfen als Beitragsbilder benutzt werden, dafür sind sie gedacht; ihr müsst aber selbstverständlich nicht.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1 redskiesoverparadise 23.17 | 365tageasatzaday

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Budder bei die Fische | abc.etüden

„Lass doch deinen Kramladen mal hinter dir und lass uns was gemeinsam machen, für ein paar Tage, einfach so.“

Einfach so! Der so abschätzig titulierte „Laden“ war ein bekannter norddeutscher Publikumsverlag und er der stellvertretende Abteilungsleiter Presse. Sein Leben war Tag um Tag durchgeplant; einfach so ging da schon mal gar nichts. Leider war sie nicht damit zufriedenzustellen, sich mit ihm bei einem großen abendlichen Event, der Präsentation eines neuen Romans durch einen angesagten Bestsellerautor etwa, bei Mezze und Rotwein stilvoll zu verlustieren, wie alle Frauen wollte sie mehr, sie wollte Quality Time.

„Hör auf, von ‚emotionaler Resonanz‘ zu faseln, sei einfach. Mehr Verbindlichkeit, mehr Tun, weniger Gerede, du verstehst?“

Nicht wirklich, aber er verstand ein Ultimatum, wenn er eines hörte. Seine süße Traumfrau mit den schelmischen Augen und dem herzlichen Mund, deren pure Existenz in seinem Leben ihn seit Wochen lächelnd durch den übervollen Tag segeln ließ und die ihm in seine Träume folgte, die ihn sanft wie einen Bullen am Nasenring seiner uneingestandenen Sehnsüchte lenkte, sie würde verschwinden, wenn er sich nicht als fähig erwies, „Budder bei die Fische“ zu tun und zu sich selbst zu stehen.

Egal, wie er sich entschied: Wenn er ehrlich war, hatte er jetzt schon ziemlich Angst vor den Folgen …

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1 gerdakazakou 22.17 | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler

 

Jaha, ich weiheiß, dass man Butter mit zwei t schreibt. Aber gesprochen, Freunde, gesprochen wird es nicht so, jedenfalls nicht, wenn sich der Hamburger an sich keine Mühe gibt. Dann ist das eine Sache mit einem dodderweichen d *gg*.
Und wer jetzt büschen mehr wissen will, warum man das hier oben so sacht, näch, der lese hier und hier.

Für die abc.etüden, Woche 22.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Gerda Kazakou (gerdakazakou.com) und lauten: verlustieren, Kramladen, Angst.

Nachdem ich erst mal davon abgekommen war, mich im Kramladen verlustieren zu wollen und Angst zu haben, dass mir dabei der Himmel auf den Kopf fällt, wusste ich, dass die nächste Etüde vom Grundton her freundlicher werden würde  ;-)

 

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Davongekommen | abc.etüden

„Willst, feines Mädchen, du mit mir gehn?“ Ihre Mama hatte ihr beigebracht, höflich zu Erwachsenen zu sein, aber der Mann brabbelte die ganze Zeit schon so merkwürdiges Zeug und guckte so komisch. „Ich gebe dir fünf Mark, ach was, ich gebe dir zehn Mark. Weißt du, was du dir für zehn Mark alles im Kramladen kaufen kannst?“

Zehn Mark war sehr viel mehr als ihr normales Taschengeld, so viel war sogar ihr klar, nur wusste sie nicht, warum er ihr das Geld schenken wollte, daher schwieg sie verwirrt.
„Aber damit wir uns verlustieren können, lass uns zu meinem Auto dort vorne gehen, ich muss dein Geld noch holen.“ Er hielt ihr einladend die Hand hin.

Sie sah misstrauisch zu ihm hoch; und plötzlich verwandelte sich sein freundliches Gesicht in eine grinsende Fratze und sein Arm sah aus, als hätte er lange Krallen am Ende statt Finger.
Da bekam sie Angst und schrie laut: „Nein, ich will nicht, ich will dein blödes Geld nicht, hau ab, du stinkst, ich will dich nie, nie, niemals wiedersehen!“
Als sie losrannte, konnte er sie nicht festhalten, und als sie sich umsah, kurz bevor sie in die Abkürzung zwischen den Gärten einbog, war der alte Mann verschwunden wie Rauch.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 gerdakazakou 22.17 | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler

 

Wieder mal eine Geschichte von der Nachtseite, ja …

Für die abc.etüden, Woche 22.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Gerda Kazakou (gerdakazakou.com) und lauten: verlustieren, Kramladen, Angst.

 

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Schreibeinladung für die Textwoche 22.17 | Wortspende von gerdakazakou

Die Wörter dieser Woche, liebe unentwegte Etüden-Fans, liebe Neueinsteiger und -innen, begünstigen Abstiege in die inneren Untiefen, findet ihr nicht? Ich gebe zu, dass Badewetter beim Geschichten-Erfinden hinderlich sein kann (man ist so abgelenkt), aber vielleicht kommt die Inspiration ja gerade dann vorbeigeflattert, wenn man im Schatten döst oder im Café sitzt und/oder das Geschehen um einen herum beobachtet … Jedenfalls erreichten mich die Wörter für die Textwoche 22.17 aus Griechenland, gespendet von Gerda Kazakou, Malerin und Schreiberin (Blog: gerdakazakou.com), und lauten:

verlustieren
Kramladen
Angst

Wie immer bin ich gespannt, in welche Untiefen (oder auch nicht) ihr euch begeben werdet, um dem Etüden-Virus Folge zu leisten. Fröhliches Schreiben und viele Musenküsse!

Wie immer weise ich gern darauf hin, dass es darum geht, diese 3 Wörter in einer Kürzestgeschichte unterzubringen, die maximal 10 Sätze umfasst. Die Reihenfolge der Wörter ist egal, und ja, ihr dürft auch öfter als einmal pro Woche.

Das obligatorische Kleingedruckte:

  1. Bitte verlinkt diesen Beitrag unbedingt bei euren Etüden, wenn ihr sie veröffentlicht, damit es hier in den Kommentaren pingt, und/oder schreibt mir einen Link zu euren Etüden in die Kommentare, Pings kommen öfter mal nicht durch.
    Sowohl der/die Wortspender/in als auch ich wüssten so gern, was ihr daraus macht, und wir folgen einfach nicht jeder oder jedem. Solltet ihr eure Etüde in die Kommentare schreiben wollen, weil sie aus irgendwelchen Gründen nicht in das Konzept eures Blogs passt, ihr einfach mal probieren wollt oder ihr gar keinen habt: herzlich gern!
  2. Die Illustrationen stammen von lz – Ludwig Zeidler – (Website: ludwigzeidler.de, Blog: poesiegarage.wordpress.com), dem eigentlichen Erfinder der Etüden, jede Woche freue ich mich neu darüber. Sie können/dürfen als Beitragsbilder benutzt werden, dafür sind sie gedacht; ihr müsst aber selbstverständlich nicht.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1 gerdakazakou 22.17 | 365tageasatzaday

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 gerdakazakou 22.17 | 365tageasatzaday

 

lz abc.etueden schreibeinladung 3 gerdakazakou 22.17 | 365tageasatzaday

 

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