Grüner Ring: Fazit

Zum Einstieg noch mal die Etappen, damit das Nachlesen nicht so umständlich ist ;-).

Etappe 1: Harburger Stadtpark, Heimfeld, Meyers Park, Moorburg
Etappe 2: Altes Land, Neuenfelde, Süderelbe, Airbus, Finkenwerder
Etappe 3: Teufelsbrück, Flottbek, Botanischer Garten, DESY, Volkspark, Stellingen
Etappe 4: Sola-Bona-Park, Stellinger Deckel, Kollauwanderweg, Niendorfer Gehege, Airport Fuhlsbüttel
Etappe 5: Alsterwanderweg, Friedhof Ohlsdorf, Bramfelder See, Osterbek, Trabrennbahn
Etappe 6: Trabrennbahn Farmsen, Tonndorf, Jenfeld, Öjendorfer Park mit Öjendorfer See, Billstedt
Etappe 7: Billstedt, Boberger Niederung mit Boberger See, Mittlerer Landweg, Eichbaumsee
Etappe 8: Eichbaumsee, Dove Elbe, Holzhafen, Kaltehofe, Entenwerder, Elbbrücken
Etappe 9: Elbbrücken, Veddel, Wilhelmsburger Dove Elbe, Windmühle Johanna, Moorwerder
Etappe 10: Moorwerder, Neuland, Neuländer See, Harburg

Achtung, viel Text im Anmarsch, holt euch besser vorher den Kaffee ;-).


Quelle: Pixabay

Was war die schönste Etappe?

Das fragen alle, und ich habe keine Antwort. Mir hat jede gefallen, ich habe auf jeder etwas gesehen, was ich so noch nicht kannte und so nicht erwartet hätte. Hamburg ist schön!
Welche Etappe ich jemandem empfehlen würde? Nummer 8, die erste der beiden Wasser-Etappen vom Eichbaumsee zu den Elbbrücken, wenn der*diejenige wasseraffin ist. Sonst die durchs Alte Land (2), sogar mit dem großen Umweg, ich fand sie toll. Beide Etappen auch wegen der Einkehrmöglichkeit am Ende (Entenwerder und die Finkenwerder Eisdiele!). Ich würde jede Etappe ein zweites Mal gehen, aber okay, es gab spektakulärere und unspektakulärere Etappen.


Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 2 | 365tageasatzaday
Foto: Süderelbe Nähe Airbus, Etappe 2

Würdest du so eine Tour in Etappen noch mal machen?

Der Hamburger Grüne Ring war mein erstes Experiment in Richtung Etappen-Tour, vorher bin ich meist Rundwege gelaufen. Meine Headline war, ihn in Etappen von circa zehn Kilometer Länge einzuteilen, was gut geklappt hat, wenn auch die Erreichbarkeit der Bushaltestellen mit den Öffis nicht optimal ist. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich ursprünglich davon ausgegangen bin, allein zu laufen (meine Mitwanderin ist zwei oder drei Tage vor Start aufgesprungen), und dann wäre ich auch samstags unterwegs gewesen, was gerade für Busfahrpläne viel bedeutet. Und ja, ohne das 9-Euro-Ticket hätte ich die Idee nicht angepackt, denn Hamburg liegt bei den Öffi-Preisen sehr weit vorn. Heißt also, praktisch werde ich wohl nicht mehr so bald ein Etappen-Experiment angehen können – oder ich muss es auf völlig andere Füße stellen. Fernwanderwege interessieren mich schon.

Grundsätzlich sind solche Touren ja alles andere als kreativ, und das stört mich, da ist ein Kompromiss einzugehen. Es sind zwei grundlegend unterschiedliche Dinge, allein durch die Pampa zu streifen oder eine Route zu verfolgen. Aber das Ding ist ja nicht, dass ich das Abenteuer nicht zu schätzen wüsste, einfach vom Weg abzukommen und dort zu bleiben und zu schauen, wie ich zurechtkomme und wo ich rauskomme. Da bin ich entspannt. Die Realität ist, dass ich schlecht beurteilen kann, wie belastbar ich bin, und es mir, krass gesagt, nicht leisten kann, ein paar Tage auszufallen, nur weil ich mich überschätzt und mir eine Verletzung zugezogen habe, weil mein Fitnesslevel nicht doll ist. Soll heißen, mal eben fünf oder mehr nicht kalkulierte Kilometer mehr oder weniger sind zum Beispiel bei mir ein Problem für die Füße, und ich bin nicht überzeugt, dass da mehr Übung auch mehr hilft. Ja, das klingt nicht sehr cool. Ist es auch nicht. Aber so ist das mit Theorie und Praxis, die ist für alle bisschen unterschiedlich, und für mich bedeutet das, dass ich, speziell wenn ich allein unterwegs bin, zum Beispiel erst dann einfach drauflos laufe, wenn ich die Gegend einigermaßen kenne. Also wird man mich vorerst wohl überwiegend weiterhin auf geplanten/gebahnten Wegen antreffen, es sei denn, ich gehe zum Deichtreten.


Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 4 | 365tageasatzaday
Foto: Im Niendorfer Gehege, Etappe 4

Was war gut, was war schlecht, was sollte man anders angehen?

Ich kann detailversessen sein, was Vorbereitung angeht, und hierbei habe ich es ziemlich auf die Spitze getrieben, auch wenn mich mein Fehler mit Etappe 2 immer noch fuchst. Ich hatte das Netz nach Berichten durchsucht, da ich gedacht hatte, dass es Blogger geben MUSS, die den Ring komplett gelaufen sind und darüber auch berichtet haben: Nein, nicht in so epischer Breite wie ich (ich habe den Verdacht, dass sich viele stark an den Stichworten auf hamburg.de, äh, orientiert haben), aber es gibt Radfahrer, die dazu was ins Netz gestellt haben. Ich hatte mir passable Karten auf dem Handy gespeichert, wenn ich kein Netz haben sollte, und habe mich ansonsten auf den Track konzentriert, den ich mir in Gugl Maps geladen hatte. Außerdem hatten wir die heruntergeladenen Karten auch als Kartensatz dabei. Gugl Maps konnte mich tatsächlich das eine oder andere Mal nicht/schlecht lokalisieren, aber es war nie ein ernsthaftes Problem – das mit Etappe 2 war ein Fehler in der Downloaddatei, mein Fehler bestand darin, diesen Track nicht gegen die anderen Materialien gecheckt zu haben und vor Ort zu unflexibel gewesen zu sein, der Beschilderung zu folgen. Tja. Mit einem Wort, man hätte es vermeiden können ;-). Auf der anderen Seite waren/sind wir stolz wie die Schneekönige, diese Strecke (bei bester Laune) geschafft zu haben, und ich habe meine Belastungsgrenzen damit deutlich verschoben, auch wenn ich die ganze Woche danach noch meine Beine/Füße gemerkt habe.

Was vorher unbekannt war, war die allgemeine Qualität der Beschilderung der Route, und die war mit wenigen Ausnahmen sehr gut, ganz anders als auf herkömmlichen Wanderwegen. Die weiße 11 auf grünem Grund klebte in hoher Frequenz an fast allem, von Mülleimern in Parks bis an Straßenschildern, und ich habe sehr viel seltener Gugl zu Hilfe gerufen, als ich erwartet habe.

Ach so: Ja, man läuft durch Stadtgebiet, aber das heißt nicht, dass auf jeder Etappe sozusagen das Catering gewährleistet ist. Klar, an Bahnstationen gibt es Kaffee und Keks, aber auf dem Weg ist es eher Glückssache, speziell sonntags. Auf einer schlauen Outdoor-Seite habe ich gelesen, dass man für zehn Kilometer Weg einen Liter Wasser einrechnen solle, und da es noch dazu nicht eben kühl war, habe ich mich sehr daran gehalten, ebenso wie an meine Erkenntnis, immer was zu essen und ein paar schnelle Kohlenhydrate (Zucker) dabeizuhaben.

Alles easy also? Ja, organisatorisch ja, ich wusste, dass ich einiges eher vernachlässigen konnte, das Einzige, was Stress verursacht hat, waren die Unwägbarkeiten der Öffis, aber irgendwas ist ja immer.


Neue Elbbrücken | Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 9 | 365tageasatzaday
Foto: Neue Elbbrücken Richtung stadtauswärts, Etappe 9

Worin liegt für dich der Reiz des Wanderns/Gehens? Was motiviert dich?

Wenn ich diese Frage ehrlich beantworten will, muss ich etwas einräumen, womit man in Social-Media-Kreisen eher keine Punkte macht. Ich bin relativ unsportlich, ich habe einen Job, bei dem ich den ganzen Tag sitze, noch dazu im Homeoffice, ich esse gern und ich bin nicht mehr jung. Ist das gesund? Nicht in der Kombination, nicht wirklich. Muss ich was tun, rein körperlich gesehen? Dringend. Ich hasse Joggen und jegliche Form von Turnübungen auf dem Wohnzimmerboden wie die Pest (egal, wie schick der*die Coachperson im Video aussieht), aber als Kind/Jugendliche bin ich stundenlang begeistert über die Felder gewandert (und gerannt), auf Bäume geklettert, habe Drachen steigen lassen, Unterstände im Wald gebaut und in Wiesen Frösche gefangen … diese Dinge. Ob ich mir nun heute sage, dass ich vernünftig sein und mich mehr bewegen muss oder in China der berühmte Sack Reis umfällt, bleibt sich ziemlich gleich, ihr werdet das kennen. Aber dieses leichtfüßige, magere Kind, das sich draußen freier als sonst wo fühlte, das stundenlang in sich versunken schaukeln und sich draußen vergessen konnte, das sitzt mir auf der Schulter und flüstert mir ins Ohr.

Also ist meine Antwort, dass ich versuche, mir Terrain zurückzuerobern, das ich im Laufe der Jahre aufgegeben habe, und zwar mit jedem verdammten Schritt, mit dem alles anfängt. Auch ich bin längst nicht mehr frei von gesundheitlichen Problemen und die Coronazeit hat mir nicht nur Hüftspeck beschert. Der Rest ist Ausprobieren, wie man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden kann, denn wenn ich den ganzen Tag ein Display angestarrt habe, will ich mich eigentlich bewegen, so weit bin ich inzwischen, auch wenn ich es nicht jeden Tag hinkriege.


Wilhelmsburger Dove-Elbe | Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 9 | 365tageasatzaday
Foto: Wilhelmsburger Dove Elbe, Etappe 9

Allein oder nicht?

Es hat beides Vorteile und hängt auch davon ab, was für ein Typ man selbst ist. Zu mehreren ist man weniger allein, um es mal auf diesen simplen Nenner zu bringen, was gut ist, wenn man sich z. B. über den einzuschlagenden Weg etc. unsicher ist, weil man eh keine Orientierung hat, oder wenn man sichergehen will, dass einer da ist, falls was passiert, siehe oben. Wer mit Freunden unterwegs ist, weiß auch, ob das Dampfplauderer sind, die alles kommentieren müssen (und ob man sie an dem Tag dafür lieber erwürgen möchte), und kann seine Begleitung danach auswählen. Das weiß man bei einer fremden Gruppe nicht. Und natürlich kann man sich auch wunderbar und tief unterhalten, denn Natur macht was mit einem, wenn man sich berühren lässt.

Allein zu wandern bedeutet, dass man im Schweigen unterwegs ist und idealerweise auch Stille erlebt, wenn man nicht ständig jemandem begegnet. Natürlich erlebt man damit alles ganz anders als in einer Gruppe, kann sich alles nach den eigenen Wünschen gestalten und einteilen (Route, Gehtempo, Pausen), ist mit sich und seinen Gedanken allein, kann sich für die umgebende Natur inklusive Menschen öffnen oder einfach nur blind daherstapfen und Probleme wälzen, kann viel mehr dem Herzen folgen. Allein zu gehen ist eine höchst individuelle Sache, immer, und auch da liegen Himmel und Hölle eng beieinander. Und ja, das geht auch in der Stadt, auf derartigen Wegen wie dem Grünen Ring.

Naturbegegnungen sind eine Frage der persönlichen Aufmerksamkeit und Einstellung und des individuellen Tempos. Ich werde in den Grünzonen der Großstadt nicht die gleiche »Natur« vorfinden wie in meinen geliebten Harburger Bergen, es gibt Unterschiede zwischen Stadtlandschaft und Kulturlandschaften und Naturlandschaft, wobei man sich fragen kann, wo die Landschaft wirklich noch vom Menschen unberührt ist. Praktisch halte ich das für eine Frage der Ansprüche und was davon realisierbar ist. Wer »unberührte Natur« erleben will, ist auf dem Grünen Ring sicher falsch. Wer bereit ist, sich an dem zu erfreuen und sich auf das einzulassen, was sich zeigt, kann immer Schätze mit nach Hause nehmen.


Kaltehofe | Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 8 | 365tageasatzaday
Foto: Schieberhäuschen auf der Kaltehofe, Kraftwerk Tiefstack, Etappe 8

Ressourcen

Wer sich selbst auf den Grünen Ring begeben möchte, ist bei hamburg.de gut aufgehoben, was Materialien angeht. Man findet hinter diesem Link auf hamburg.de die Karten zum Downloaden – nach unten scrollen zu »Tourenvorschläge als PDF«, die enthalten die Karten. Übrigens gibt es den Kartensatz kostenlos zum Mitnehmen in den Öffentlichen Bücherhallen.

Noch weiter unten auf derselben Seite steht der Link zur Gesamtkarte als PDF.

Und schließlich gibt es auf dieser Seite bei hamburg.de die Möglichkeit, sich die digitalen Daten für den Grünen Ring für Navigationsgeräte herunterzuladen: Hier klicken. Wer wissen möchte, wie man diese Daten zum Beispiel in Gugl Maps bekommt, ist mit diesem Artikel auf draussenlust.de gut bedient: GPX-Datei in Google Maps importieren, da habe ich es her.

Richtig klasse finde ich die »Zweiter Grüner Ring«-Seite von veloroute.hamburg (hier klicken), da ist jemand 2021 mit einer Helmkamera den gesamten Grünen Ring abgefahren und hat das ins Netz gestellt. Danke dafür! Nach Etappe 2 habe ich doch häufiger dort vorbeigeschaut, um bösen Überraschungen vorzubeugen 😉

Was die leidigen Etappenan- und -heimfahrten betrifft, bin ich (für die 9-Euro-Ticket-Monate) signifikant öfter als sonst mit den Öffis gefahren und mochte es. Die Situationen, wo ich in volle bis überfüllte Busse oder S-Bahnen geraten bin, waren die üblichen Verdächtigen: Großveranstaltungen, Baustellen und Störungen, speziell jetzt im Sommer wird natürlich viel gebaut und repariert, und dass Busse im Stau stehen, weil es durch hohes Verkehrsaufkommen Staus gibt, ist auch kein Wunder. Meine Bahnen waren überwiegend sehr pünktlich, die oft geschmähte S-Bahn nach Harburg hell und sauber, wenn auch die Maskendisziplin mehr und mehr zu wünschen übrig ließ – der HVV fordert nach wie vor FFP2-Masken, kontrolliert aber kaum in Bahnen, dafür mehr in Bussen.
Würde ich öfter die Öffis nutzen, wenn die Preise sinken würden, dieses 29-Euro-Ticket, das gerade in Gesprächen herumgeistert? Ja, ich wäre dabei, vor allem, wenn ich kein Abo nehmen müsste. Übrigens soll der Ersatzverkehr wegen der beschädigten Elbbrücke die Pest sein, habe ich vorhin gehört, da geht offenbar einiges nicht so, wie es soll.


Richtung Süden | S-Bahn-Station Elbbrücken | 365tageasatzaday
Foto: S-Bahn-Station Elbbrücken, Richtung Süden

Das Fazit meiner Mitwanderin

Nach ihrer Meinung befragt bekam ich eine WhatsApp, deren Inhalt ich hier ohne Emojis zitieren möchte:

  1. Wandern macht Freude, trotz anfänglicher Schwierigkeiten: zu wenig Magnesium usw. Die Beweglichkeit kommt zurück und die Ausdauer – herrlich.
  2. Das Gebiet (Hamburg) aus dieser vielfältigen, facettenreichen Perspektive ganz neu erleben zu können.
  3. Durch Gebiete/Bereiche zu gehen, wo ich noch nie war und sie auch nicht kannte.
  4. Das Entzücken, dass das Hamburger Land so schön, grün und teilweise fast kitschig »märchenhaft« anmutet. Ein Geschenk!

Grüner Ring 2022, meine Etappe 1 | 365tageasatzaday
Foto: Zwei Wanderer, Etappe 1

Würde ich den Grünen Ring empfehlen? Würde ich ihn noch mal gehen?

Ja in beiden Fällen, wenn das mit dem Hin- und Zurückkommen zu und von den Etappen befriedigend geklärt werden könnte. Im Herbst/Winter sieht es dort bestimmt sehr anders aus, auch die Qualität der Wege dürfte eine andere sein, da rechne ich dann durchaus mit Matschecken: ein völlig anderes Wandererlebnis, und das direkt vor meiner Haustür ;-). Und auch meine Mitwanderin hat sich diesbezüglich ähnlich geäußert.


Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 3 | 365tageasatzaday
Foto: Hafenansicht, Fähre, Etappe 3

Mein ganzes Grüner-Ring-Gedöns als Kategorie zum Nachlesen: hier klicken!


 

Grüner Ring: Vierte Etappe

Es ist nicht unbedingt ideal, für ein Vorhaben wie die Stadtumrundung auf dem Hamburger Grünen Ring nur einen bestimmten Wochentag zur Verfügung zu haben – man ist echt abhängig vom Wetter. Was sich hingegen als ganz großartig erwies, war die Idee meiner Mitwander-Freundin, die Startzeit einfach nach vorne zu verschieben, nachdem für den Nachmittag sowohl Hitze als auch Gewitter mit hoher Wahrscheinlichkeit angesagt waren.
Wir verabredeten uns also um 9:30 Uhr an der S-Bahn Stellingen (Foto, den Bahnhof muss man wirklich nicht von innen gesehen haben) mit ihrem Service-Point (links neben den Fahrkartenautomaten, umlagert; Kaffee, Croissants sowie Alkoholika in jeder Form und Größe, andere Kleinigkeiten zum Essen und Trinken und das Übliche – nein, ich treffe keine Aussagen über Fußballfans). Worauf mich Natalie aber in einem Kommentar aufmerksam gemacht hat (Update), war, dass ich die Gedenktafel für das Zwangsarbeiterlager Lederstraße (war quasi gleich nebenan) übersehen habe: Hier klicken, ich hätte doch nicht möglichst schnell rausrennen sollen.
Blauer Himmel, aushaltbare Temperaturen, gute Laune: Zwei Frauen zogen los, um frohgemut die nördlichen Bereiche des Grünen Rings zu erkunden, unterquerten die Autobahn A 7 und zogen die Düngelau entlang (nie gehört vorher, den Namen, zauberhafte Ecke, Foto) und entdeckten z. B. das »Missionswerk Arche«, wo laut gesungen wurde, und vor allem eine schier unendliche Anzahl Kleingärten (darin zum Beispiel das »Komitee für Igelschutz e. V.«, leider kein Foto).



Hamburg und die Kleingärten. Dazu heißt es auf einer Website über Stellingen: »In Hamburg gibt es 310 Kleingartenvereine mit über 33.000 Parzellen. Die Vereine haben zwischen 8 und fast 1000 Parzellen. […] Nach dem 2. Weltkrieg waren es in Stellingen noch 58, von denen heute keine 20 übriggeblieben sind.« (Quelle) Ich habe bewusst nicht in die Kleingartenidyllen hineinfotografiert: Ich wollte nicht stören, Sonntagvormittag, beste Kleingartenzeit, es war auch gut was los. Nehmt also bitte mit ein paar Schildern (zwei in Stellingen, eins in Niendorf) vorlieb und lasst euch versichern, dass Kleingärten eine sehr individuelle Sache sein können 😉 Und fragt mich nicht, was das für Zylinder bei dem einen Schild im Hintergrund sind: eine Firma, klar, aber für was braucht man die Dinger? Ich weiß zwar, wo ich für das Foto stand (Bollweg), aber wir haben auch gerätselt.



Nach dem Durchwandern des Düngelaugrünzugs (Foto) kreuzten wir die Kieler Straße und fielen von einem Entzücken ins Nächste: Der Sola-Bona-Park (Info) mit seiner »tausendjährigen« Stieleiche (vermutlich um 1650 gepflanzt, Info, Foto) ist nicht wirklich groß, wirkt dafür aber ausnehmend freundlich und hat einen verlockenden Spielplatz (Foto). Wir durchquerten ihn und kamen am Poseidon-Bad vorbei auf den Kollauwanderweg. Der jedoch brachte uns erst mal nicht zur Kollau, sondern zurück zur A 7. Die A 7 ist die Autobahn mit dem bekannten Elbtunnel und hat in den letzten Jahren auch deswegen von sich reden gemacht, weil sie sich eine neue Großbaustelle zugelegt hat(-te): Sie wurde teilweise überdacht, der »Hamburger Deckel« (Wikipedia), vor uns befand sich der sogenannte »Stellinger Deckel«, ein Teilstück. Ich kenne die Deckel aus der Perspektive als Autofahrer, aber bisher hatte ich von der Existenz eines Weges an der Deckelkante nichts gewusst. Voilà, darf ich präsentieren: der begrünte Deckel (Blick in Richtung Süden, Foto), die Ausfahrt Richtung Norden von der anderen Seite außen (Foto) und der Blick durchs Fenster (davor verläuft eine Bahntrasse, weiß nicht, ob S- oder U-Bahn) auf die A 7 Richtung Norden (Foto).



Wir folgten weiter dem Kollauwanderweg und stießen endlich auch auf die Kollau, die sich als ein unscheinbarer brauner Bach herausstellte, nicht tief, kaum Bewegung im Wasser. Es wird der Schönheit des Wegs nicht gerecht, dass ich nur ein Foto davon habe (Foto), es ist ein ausgesprochen gut zu begehender Weg am südlichen Rand der Eidelstedter Feldmark, mal breiter, mal schmäler. Klar, dass wir nicht die einzigen waren, die das wussten, noch dazu am Sonntagvormittag, wir begegneten vielen meist sehr freundlichen Leuten, zu Fahrrad oder zu Fuß, mit oder ohne Kinder bzw. Hunde. Noch dazu gibt es dort regelmäßig aufgestellte Bänke MIT Mülleimern, was tatsächlich bisher eher nicht der Fall war, und beweist, dass der Weg wirklich so viel begangen wird, wie es den Anschein hat, und auch, dass der Bezirk sich hier um die Entsorgung kümmert. Wir waren ca. 5 Kilometer unterwegs und stoppten für unsere erste Trinkpause. Die Temperatur stieg, die Sonne strahlte, wir auch. Ja, man kann das so platt sagen.
Andererseits war das aber auch kein Wunder, denn wir näherten uns jetzt mit jedem Schritt dem Niendorfer Gehege (Info). Es umfasst knapp 150 Hektar bewaldetes Gebiet (Foto) und ist das größte Waldgebiet im Bezirk Eimsbüttel: Wer im nördlichen Hamburg aufgewachsen ist, kennt vermutlich Ausflüge am Wochenende ins Niendorfer Gehege, denn da gibt es alles: Wald, alte Bäume, Ponys, Spielplatz, Wildgehege, Essen und Trinken, und ich habe Geschichten vom Schlittenfahren im Winter gehört. Am Wildgehege (Damwild, eine große baumumstandene Lichtung) führte unser Weg entlang – ich zeige euch ein Foto von vielen. Ein Ort, um sich hinzusetzen, innezuhalten, die Essensvorräte zu plündern und durchzuatmen, was wir dann auch taten. Es führen Straßen durch das Gehege, aber ich hatte keine Ahnung, wie schön es hier ist. Ein echtes Versäumnis.



Mit leisem Bedauern stiefelten wir weiter in Richtung Zivilisation, äh, Stadt. Die holte uns dann ziemlich schnell auch wieder ein: An der Fassade eines Kindergartens (»Waldforscher«), las ich verdutzt das schlichte Motto »Wald statt Ritalin« (Foto) und fragte mich, ob das wirklich so einfach sein kann. Jenseits der Kollaustraße vernahm ich zum ersten Mal von einem Sportplatz die Geräusche einer Sportart, die ich noch nie zuvor live gesehen hatte: Baseball. Nachdem ich inzwischen aus dem Netz weiß, dass dieser Sportplatz vom Niendorfer TSV genutzt wird (Vogt-Cordes-Damm), der Baseball und Softball anbietet, Softball eine Baseball-Variante ist, die scheinbar hauptsächlich von Frauen gespielt wird, und ich zumindest eine Frau auf dem Feld gesehen habe, bin ich nicht mehr so sicher, was wir beobachtet haben. Nein, kein Foto, die Spieler waren alle auf der anderen Seite und meine Wanderkamera ist ein Winzling.

Dafür waren wir jetzt aber am Hamburg Airport angelangt, genauer gesagt, am äußersten Zipfel. Wie man sieht (Foto), sieht man nicht rasend viel, und das sollte sich auch nicht wesentlich verbessern – falsche Seite, auf der anderen gibt es einen »Beobachtungszaun«, sagt Gugl Maps. Irgendwas ist eben immer. Der Grüne Ring verläuft jedenfalls rechts vom Flugfeld, auf unserer anderen Seite waren wieder mal Kleingärten. Bevor der Weg irgendwann komplett nach rechts wegknickt, gibt es eine Möglichkeit, durch das Gitter zu fotografieren, und da beobachtete ich fasziniert wie ein Kind eine Maschine der Turkish Airlines beim Landen und Rollen Richtung Terminals (Foto).



Der Rest ist schnell berichtet: Wir durchquerten in wildem Zickzack ein paar Kleingartenanlagen, wo ich zum ersten Mal eine Warnung »Diebe in der Kleingartenanlage« las, hatten dann das wirklich riesige, mit Natodraht eingezäunte Gelände von »Lufthansa Technik« linker Hand und immer noch Kleingärten rechter Hand, wechselten die Kleingartenanlage und machten noch mal Trinkpause im Schatten eines Vereinsheims. Inzwischen brannte die Sonne heftig, und obwohl es »nur« 27 °C waren (gefühlt wärmer), war der UV-Index hoch, und wir waren beide froh, dass wir wussten, dass es nicht mehr sehr weit sein würde. Nun denn: Hinein in den »Borsteler Jäger« (Info), gefolgt von der nächsten Kleingartenanlage (Foto) und dann kündigten Motorengeräusch und eine Glocke einen EISWAGEN an, der die Kleingärten abklapperte! Hurra! Ein süßes Ende der Wanderung lockte! Wir deckten uns mit Eis ein und nahmen die letzten paar Hundert Meter in Angriff. Ich hatte mein Eis noch nicht auf, als wir das heutige Etappenende erreichten: Bushaltestelle Alsterdorfer Damm (Foto). Ortskundigen sei gesagt, dass diese etwa Höhe Maienweg fast an der Alsterkrugchaussee liegt. Mein Bus kam 10 Minuten später und brachte mich zur nächsten U-Bahn-Station (Lattenkamp), die wiederum zum Jungfernstieg zur S-Bahn, die nach Harburg und der Bus bis fast ums Eck. Ich war kurz vor 16 Uhr zu Hause.



Last but not least die Statistik. Etappenanfang: S-Bahn Stellingen (Arenen), Etappenende: Bushaltestelle Alsterdorfer Damm. Mithilfe von Herrn Gugl hatte ich eine Streckenlänge von ca. 11 Kilometern ab Etappenanfang ermittelt, meine Schrittzähler zeigten insgesamt 20.023 Schritte an, was, wenn es stimmt, 13,35 Kilometer entsprächen. Das kann in etwa hinkommen, denn auf meinem Schrittzähler befand sich ja auch noch der Weg zum Etappenanfang bzw. vom Etappenende heim. Die Beschilderung war an zwei, drei Stellen löcherig, aber sonst sehr üppig, und die Regencapes blieben in den Rucksäcken, dafür hatte ich bisschen Sonnenbrand im Nacken. Angesagte Gewitter, war da was? Hier gab es am Montagmorgen ein kräftiges, und es hatte zuvor schon in der Nacht geregnet. So viel zu Wettervorhersagen.

Wenn alles so bleibt, wie es soll, brechen wir nächstes Wochenende erneut früh zu Etappe fünf auf, unter anderem an der Alster entlang (die nämlich auch ein Flüsschen ist), zum sagenhaften Friedhof Ohlsdorf und noch weiter. Auch dieses Mal gilt: Ich freue mich schon drauf.

Ich habe eine Frage an euch: Wie unterscheidet ihr zwischen »Wanderung« und »Spaziergang«? Ist es die Länge? Die Vorbereitung? Die Ausrüstung? Der Anspruch? Die Anstrengung? Ich bin wirklich gespannt auf eure Antworten.

Update! Meine Mitwander-Freundin hat mich prompt mit einem sehr nützlichen Link zu einem Artikel versorgt, der auf die verschiedenen Aspekte des Themas eingeht: hier klicken!
Eure Ideen/Definitionen interessieren mich nach wie vor.


Mein ganzes Grüner-Ring-Gedöns als Kategorie zum Nachlesen: hier klicken!