Adventüden 2020 19-12 | 365tageasatzaday

19.12. – Nur ein Traum? | Adventüden

 

»Man nennt es Cabrio, Marie. Weil es oben kein Dach hat.«

Sie saßen in der Oberweißbacher Bergbahn und fuhren gemächlich nach oben. Es war Mitte Dezember und knackig kalt. Marie fröstelte es, obwohl ihre Lieblingskuscheldecke, die ihre Mama natürlich eingepackt hatte, genügend Wärme bot. Marie ließ die Blicke schweifen. Sie sah vor und hinter sich ein Lichtermeer aus Farben. Die Bergstation erstrahlte in hellem Glanz. Sie vernahm weihnachtliche Gesänge, die durch die vereinzelten Nebelschwaden nur leise erklangen. Und staunte Bauklötze über den riesigen hölzernen Weihnachtsmann, der an der Bergstation die Gäste begrüßte.
Ihre Mama lächelte sie glücklich an, als Marie in freudiger Erwartung ausstieg.

»Willkommen in der Werkstatt des Weihnachtsmanns.« Der Wichtel hüpfte aufgeregt um Marie herum. Sie schaute ihn fragend an. »Hier entstehen die Geschenke, die alle Kinder auf der Welt pünktlich zum Heiligabend unter ihrem Weihnachtsbaum liegen haben.«
Marie drehte sich einmal im Kreis und wurde der schier endlos erscheinenden Regale voller liebevoll eingepackter Weihnachtsgeschenke gewahr. Ihre Augen leuchteten.
»Natürlich ist auch deins dabei.« Der Wichtel schmunzelte geheimnisvoll. »Aber du musst noch warten. Der Weihnachtsmann bereitet gerade alles für die große Schlittenfahrt vor.«
Marie stand die Ungeduld ins Gesicht geschrieben.
»Komm! Setz dich ans wärmende Feuer und nimm dir einen Lebkuchen.« Der Wichtel schob Marie einen Teller hin. »Und hier ist unser Wunschpunsch.«
»Wunschpunsch?« Marie hatte davon noch nie etwas gehört.
»Nimm nur einen Schluck und du hast einen ganz besonderen Wunsch frei.«
Ohne zu zögern, sagte sie: »Ich will, dass Mama wieder gesund wird!« Eine Träne floss ihre Wange hinunter.

»Marie?« Papa hatte sie sanft geweckt. Er sah erleichtert aus. »Mama ist wach und will dich sehen.«
Marie sprang sofort auf, rannte aus dem Wartesaal der Krankenstation und enterte das Krankenzimmer. Sie legte sich zu Mama ins Bett und flüsterte ihr ins Ohr: »Der Wichtel hatte recht!«

Autor*in: Stepnwolf     Blog: Weltall. Erde. Mensch…und Ich.

 

Adventüden 2020 19-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Etikett, Gin, Käsekuchen, Kuscheldecke, Lebkuchen, Lichtermeer, Märchenbuch, Minnesang, Nebelschwaden, Schlittenfahrt, Semmelknödel, Streicheleinheiten, Wichtel, Wunschpunsch, Zugvogel

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2020, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

Tag 09 | 30 Days Book Challenge

 

09 Ein Buch, bei dem Du Dich über die Zeitverschwendung geärgert hast

Äh. Erwischt. Dies ist meiner Meinung nach die typische Formulierung von jemandem, der*die Bücher IMMER zu Ende liest – mensch könnte ja was verpassen, weil xyz gesagt hat, dass das Buch soooo toll ist. Oder weil es so teuer war. Oder mensch muss das Buch zu Ende lesen, weil mensch es versprochen hat oder eine Rezension darüber zu schreiben hat, es in der Schule oder der Uni durchnimmt oder, oder oder.

Ich bin aus alldem schon ziemlich lange raus. Wenn ich meinem Lesestapel ein Buch hinzugefügt habe, und zwar selten, ohne vorher eine Leseprobe gelesen (online) oder gründlich darin herumgelesen zu haben (offline), passiert in der Regel Folgendes: Ich greife mir das Buch und fange zu lesen an. Wenn ich daraus wieder auftauche, habe ich in der Regel etwas zwischen einem Viertel und einem Drittel gelesen (ja, das kommt auf die Dicke des Buches, den Autor und die verfügbare Zeit an), und dann muss ich aus irgendwelchen Gründen das Buch meist erst mal hinlegen und ein bisschen Zeit vergehen lassen. Will ich danach das Buch sofort weiterlesen, hat es gewonnen. Will ich das Buch weiterlesen, aber vielleicht nicht gleich, hat es immer noch eine Chance, auf meine Habenwollen-Liste zu kommen – so geschehen mit Herrn Wohlleben, herzlichen Dank, Ulrike! Bei manchen Büchern stelle ich fest, dass sie zwar völlig okay sein mögen, aber mein derzeitiger Gemütszustand doch keine Lust verspürt, sich auf sie einzulassen – das betrifft oft sogenannte „Literatur“ aus den Feuilletons. Kommentar: Ist grad nicht mein Ding. Ich bin auch schon über Büchern eingeschlafen, und das ist bei neuen Büchern nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal.

Ich quäle mich nicht ohne Grund durch Bücher, die ich bescheuert finde, auch wenn ein renommierter Name sie verzapft hat. Wenn mich ein Buch nervt, dann breche ich es ab. Fertig. Aber in der Regel ist die darangesetzte Zeit derart kurz, dass ich nicht von „Zeitverschwendung“ spreche. Beispiel? Also … ich habe die „Biss“-Romane abgebrochen. Das erste habe ich weggelesen wie Fast Food. Okay. Kann man mal machen, schließlich mag ich Fantasy. Aber entweder im zweiten oder spätestens im dritten hatte ich so ein übles Völlegefühl … noch ein Vampir, noch ein Werwolf … bäh. Zeitverschwendung? Nein, ich hatte es ja bis dahin durchaus genossen. Nur in der erwähnten Pause, da wurde mir dann halt schlecht, bildlich gesprochen, da hatte ich mich dann überfressen. Die Filme hab ich auch nicht gesehen.
Ich sollte schließlich erwähnen, dass ich die meisten Bücher nicht besitze, sondern erst mal leihe. Schließlich gibt es hier die hervorragenden Hamburger Öffentlichen Bücherhallen, deren Loblied ich nicht müde werde zu singen. Kaufen kann ich immer noch.

Also, tut mir leid: Passe. Keine Antwort von mir.

 

Tag 09 | 30 Days Book Challenge | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Mein Dank geht unverdrossen an Ulrike von Blaupause7, von der die Aufgaben für diese Challenge stammen.

 

Die Schreibblockade | abc.etüden

 

Schreibblockaden sind tückisch, und wenn die Ideen ausbleiben, ist man irgendwann verzweifelt. Nur so war es zu erklären, dass sie denken konnte, das Ding, das wie ein abgenutztes Reagenzglas aussah, habe sie gerade unmissverständlich angefunkelt! Sie griff danach, irritiert von ihrem plötzlich übermächtigen Wunsch, auch noch diesen Ramsch zu besitzen. Nur zur Inspiration, wie sie sich streng ermahnte.

„Was ist das?“
„Ist kaputt, Stopfen fehlt“, antwortete der Flohmarktverkäufer mürrisch, riss sich aber zusammen, weil sie ihm schon einen Schreibratgeber, einen überteuerten Bildband und eine Porzellanschale abgekauft hatte. „Nehmen Sie geschenkt. Warten Sie, ich habe irgendwo Originalverpackung.“

Gegen Abend untersuchte sie das quadratische hölzerne Kästchen mit Fächerunterteilung, am Rand eine Aussparung für das Reagenzglas. In jedem Fach lag ein Beutelchen: Muschelstückchen? Nudeln? Steinchen? Holz? Buchstaben? Sie vergaß ihren Verdruss.

Vorsichtig befüllte sie das Glas mit kleinsten Portionen der geheimnisvollen Ingredienzien und hielt es prüfend gegen die Abendsonne. Nichts. Hm. Neben ihr auf der Couch entdeckte sie ein weißes Katzenschnurrhaar. Einer spontanen Eingebung folgend warf sie es hinein und schüttelte das Glas erneut, um den Inhalt zu vermischen. Oh! Es funkelte sofort so grell, dass sie zunächst an eine Täuschung dachte.

„Stopfen fehlt“, erinnerte sie sich an die Worte des Verkäufers. Entschlossen presste sie den Daumen auf das offene Ende und kippte das Glas in die Horizontale, bis Was-auch-immer-plus-Katzenschnurrhaar ins Rutschen geriet und ihre Haut berührte. Beinahe hätte sie es fallen gelassen, denn es bildete sich transparenter Rauch, in dem sie zwei Figuren sofort erkannte. Sich selbst. Und ihre Katze.

Ihr ungläubiger Blick streifte den Deckel des Kästchens: „Das magische Reagenzglas. Geschichten aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“ DAS hatte ganz sicher eben doch noch nicht da gestanden?! Gebannt beobachtete sie, wie sich aus dem Rauch eine Szenerie herausschälte und die Protagonisten zu agieren begannen.
Am liebsten hätte sie sofort zum Stift gegriffen.

 

abc.etüden 2020 26+27 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 26/27.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal aus der Feder des Herrn Stepnwolf vom Blog Weltall. Erde. Mensch…und Ich. Sie lauten: Reagenzglas, übermächtig, vergessen.

Meine Zeiteinteilung und damit auch meine Online-Präsenz werden demnächst wohl wieder „normaler“. Bin noch nicht sicher, ob ich darüber mehr weine oder mehr lache … 😉

 

Schreibeinladung für die Textwochen 26.27.20 | Wortspende von stepnwolf

Wir setzen zum Endspurt an, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, noch 14 Tage, und ihr habt meine Aufrufe zur Sommerbelustigung und zu den Adventüden am Hals. In ungefähr 6 Monaten ist übrigens Weihnachten, nur falls eine*r noch nicht daran gedacht hat. 😉

Leben offline geht vor online, und diesmal erwischt es mich: Ich bin gerade ziemlich verhindert. Also wundert euch nicht, wenn ich erst verspätet bei euch vorbeischaue: Geht gerade nicht anders, keine böse Absicht, das hat nichts mit mangelnder Begeisterung für die Etüden zu tun, sondern mit einem gedrängten Zeitplan und anders gesetzten Prioritäten.

Zuerst, zuerst gibt es wie immer die Statistik und die Liste. Es wurden von 26 teilnehmenden Blogmenschen insgesamt 43 Etüden (ohne Nachzügler) eingereicht. Die Liste führen mit jeweils 3 Etüden Donka, Katharina, Werner und Kain Schreiber an, herzlichen Dank dafür!

Vielen Dank wie immer an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben! Vielen Dank an alle, die mit mir durch die teilnehmenden Blogs gegangen sind und kommentiert/diskutiert/gelikt haben.

Wie ebenfalls immer bitte ich euch, die Liste zu kontrollieren, ob jede eurer Etüden dort verzeichnet ist oder ob euch sonst was komisch vorkommt. Ich trage gerne nach, wenn irgendwas nicht stimmt.
Bereit für die Liste? Dann los.

Disclaimer: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Corly in Corlys Lesewelt: hier
Donka auf onlybatscanhang: hier, hier und hier
Melina auf Innen-Reise-Wege: hier
Anna auf Eulenschwinge: hier
Ellen auf nellindreams: hier und hier
Ulrike auf Blaupause7: hier und hier
Jane auf Blood, Tears, Gold & Minds: hier
Jule auf Jule’s Wortzauberei: hier und hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier und hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier und hier
Judith auf Mutiger leben: hier und hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier, hier und hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier und hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier und hier
Puzzleblume auf Puzzle: hier und hier
Kain Schreiber auf Gedankenflut: hier, hier und hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Jaelle Katz auf Jaellekatz: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier
Anja auf Annuschkas Northern Star: hier
Yvonne von umgeBUCHt: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier
Veronika auf vro jongliert: hier
Lea auf kommunikatz: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier

Nachzügler: Natalie im Fundevogelnest: hier

Die Wörter für die Textwochen 26/27 des Schreibjahres 2020 spendete uns der Herr Stepnwolf vom Blog Weltall. Erde. Mensch…und Ich. Sie lauten:

Reagenzglas
übermächtig
vergessen.

 

Ich rufe wieder den üblichen öden, blöden Etüden-Disclaimer aus: Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es vermutlich am 6. September. Am 5. Juli nehmen wir uns erst mal die Adventüden vor, also – stay tuned! Habt weiterhin ein schönes Wochenende!

 

abc.etüden 2020 26+27 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

abc.etüden 2020 26+27 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

14 – Auf der Jagd | Adventüden

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

 

Auf der Jagd (Stepnwolf, Weltall. Erde. Mensch…und Ich.)

 

Das Kaminzimmer sah pittoresk aus. Zumindest aus dem Blickwinkel eines Jagdenthusiasten. Von den obligatorischen Jagdtrophäen und Wandgemälden über Vitrinen voller Pokale und Jagdflinten bis zum durchaus etwas überdimensionierten Bärenfell vor dem Steinkamin war dieser Raum vollends ein Jägertraum. Einzig die obere Galerie mit ihren unendlichen Bücherreihen widersprach diesem Bild ein wenig.
Und natürlich die wild im Zimmer verstreuten Leichenteile.

»Agent Luphes? Wir haben etwas gefunden.«
»Wo?«
»Auf der Veranda.«

Es hatte die ganze Nacht hindurch geschneit. Erst in den Morgenstunden ließ das Schneegestöber allmählich nach, bis nur noch vereinzelte Schneeflocken geschmeidig gen Boden rieselten, wo sie in einem Meer aus Weiß versanken. Das Dach der Veranda ragte weit hinaus, weshalb der Neuschnee gänzlich fehlte. Der Platz davor war mit Spuren übersät.

»Wir gehen anhand der Fußabdrücke von einer männlichen Person aus, circa eins neunzig groß und eher ein Leichtgewicht. Sieht nach Einbruch mit Todesfolge aus. Die zerfledderte Leiche könnte von den anderen Spuren herrühren.«

Agent Luphes’ Blick fiel auf ein Gewimmel wolfsähnlicher Abdrücke.

»Nach der übereilten Flucht des Täters hat sich anscheinend ein Wolfsrudel an dem noch frischen Fleisch satt gefressen. Wie pflegte mein alter Herr immer zu tönen: Ein Wolf ist kein Kuscheltier! Da kann man nur hoffen, dass der Baron zu diesem Zeitpunkt bereits tot war.«

Agent Luphes nippte am Kaffee. Ihrem ersten an diesem frühen Morgen. Sie ging zurück zum Tatort. Vorbei an abgetrennten Körperteilen. Erklomm die Leiter zur Galerie. Schaute über die Balustrade und sah, was sie längst vermutet hatte. Die Leichenteile waren mitnichten wahllos verstreut. Verband man alle miteinander, bildeten sie vielmehr einen Buchstaben. Ein W.

Das war definitiv kein Raubmord, ebenso wenig ein Rudel ausgehungerter Wölfe. Sondern eigentlich nur ein Wolf. Allerdings ein ganz spezielles Exemplar.

Agent Luphes wählte eine Nummer auf ihrem Handy. Ihre Lippen murmelten nur einen Satz:  »Mein Bruder ist zurück.«

 

Adventüden 2019 14 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir