Der Trick | abc.etüden

Hab ich dir schon mal gesagt, dass du ziemlich merkwürdig bist?«

»Merkwürdig oder bemerkenswert?« Sie kam zu ihm ins Wohnzimmer. »Gib acht, was du sagst, und keine unverzeihlichen Flüche bitte, darauf steht Askaban, du weißt! Was meinst du überhaupt … oh!« Sie brach ab. »Ihr habt zu Hause nicht gepuzzelt, was?«

»Nie.« Ihr Freund starrte auf die sieben Holzteile auf dem Tisch. Zwei große, ein mittleres und zwei kleine Dreiecke, ein Quadrat und ein Parallelogramm. »Und was ist das jetzt? Eigentlich sind wir für Holzspielzeug doch zu alt?«

»Tangram. Ich liebe es.«

Sein zärtlicher Blick streifte sie. »Und das ist?«

»Chinesisches Legespiel, jahrhundertealt, ›Siebenschlau‹ genannt. Man muss vorgegebene Figuren nachlegen, wobei alle sieben Teile verwendet werden müssen und keine Teile übereinander liegen dürfen. Stärkt das räumliche Vorstellungsvermögen, heißt es. Angeblich sind Männer darin besser als Frauen.«

Er biss an. SO typisch!

»Was für Figuren?«

»Menschen, Tiere, Gegenstände, geometrische Figuren. Dazu gibt es Spielbücher, such ich dir raus. Fang doch damit an, ein Quadrat zu legen. Oder ein Rechteck.«

Während sie sich um den Kaffeenachschub kümmerte, sah sie ihm amüsiert zu, wie er stirnrunzelnd, aber unverdrossen die Teile hin und her schob und aneinanderfügte. Für einen Anfänger war er gar nicht schlecht.

»Das Parallelogramm musst du kippen«, verriet sie ihm noch, »das ist das einzige Teil, wo sich dadurch signifikant was ändert.«

»Geht klar«, antwortete er geistesabwesend. Er vertiefte sich in das Spiel, und sie konnte seine Gehirnwindungen förmlich knistern hören. Längst hatte sie ihn auf die ersten Spielvorlagen für Tiere angesetzt, die meisten fand sie deutlich leichter zu durchdringen als die kompakten geometrischen Figuren.

»Eigentlich ganz einfach«, stellte er irgendwann fest und sah auf. »Der Trick dabei ist, dass man die Teile in die Figuren hineinprojizieren und das dann nachlegen muss. Und jetzt? Hast du rein zufällig ein zweites Set, damit wir gegeneinander auf Zeit spielen können?«

Hatte sie, aber sie schmollte. »Geschwindigkeit ist das, worin ich nicht gut bin.«

»Meine Chance«, nickte er, »gönn mir doch auch was.«

Hatte sie da etwa einen Hoffnungsschimmer in seinen Augen gesehen? Okay, bitte, wenn er wollte, sie war ja großzügig. »Um was spielen wir?«

»Drei Runden? Der Verlierer kocht UND wäscht ab?«

»Deal.«

Sie gewann. Natürlich. Eigentlich war es unfair, denn sie war nun mal sehr viel erfahrener. Sie gewann so deutlich, dass sie sich fast schämte – und dann misstrauisch wurde. War das eine Falle? Führte der was im Schilde?

Misstrauisch beobachtete sie ihn, als er zum Handy griff. »Ich nehme mal an, für dich eine Pizza Diavolo extrascharf und eine doppelte Portion Wackelpudding grün?«, grinste er. »Bist du mir sehr böse, wenn ich dir gestehe, dass ich überhaupt keine Lust auf den Erbseneintopf von vorgestern habe, den du uns sonst aufgetischt hättest?«

Sie griff sich ein Kissen und zog es ihm über den Kopf. Lachend ließ sie sich neben ihn auf die Couch fallen. »Ich hätte von Anfang an wissen müssen, dass ich dir nicht trauen kann!«
Er legte den Arm um sie. Einträchtig warteten sie auf das Eintreffen des Lieferdienstes.

 

Extraetüden 05.22 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden (Extraetüden), Woche 05.2022: 5 Begriffe, maximal 500 Wörter. Die Wortspende stammt dieses Mal von Ludwig Zeidler und Tanja (Stachelbeermond). Die möglichen Wörter lauten: Hoffnungsschimmer, unverzeihlich, nähen, Wackelpudding, unverdrossen, knistern, und ich habe mir die Freiheit genommen, »nähen« nicht unterzubringen.


Ihr habt es gerade gelesen: Ich habe zurzeit null Lust auf Tiefgang oder Stress, heile Welt, bitte bei mir klingeln!

Da das nicht so einfach ist, habe ich mehr oder weniger zufällig eine alte Liebe reaktiviert: Tangram. Ihr habt Glück, ihr kommt um die lange Erklärung herum, bis auf den Verweis auf die Wikipedia (deutsch) (englisch, ist besser) und den Hinweis, dass die Tangram-Teile mathematischen Vorgaben folgen, was die Abmessungen angeht, und dass sich daraus interessante Probleme ergeben. Schaut mal hier auf diese (sehr alte) Seite der Uni Bielefeld, wenn euch derartige Fragen interessieren, und bitte: Verstehen tue ich davon nichts, Rückfragen diesbezüglich also nicht an mich!

 

Ausschnitt Tangram-Spielbuch | 365tageasatzaday

Quelle: Joost Elffers: Tangram – Das alte chinesische Formenspiel, dumont 1976, Ausschnitt S. 24/25

 

Ich habe über die Jahre immer wieder Ausschau nach einer gescheiten Tangram-App für Smartphones gehalten, vor gut 2 Wochen habe ich eine gefunden (nur für Android) und spiele mich mit Feuereifer durch die Vorlagen. Tatsächlich bekomme ich aber im »Experten«-Modus Schwierigkeiten, weil mir das nachzulegende Bild zu klein ist, also ziehe ich es groß und lege es erst mal händisch mit meinen »Bordmitteln«, um es dann im Smartphone nachzubilden. Das sieht dann aus wie folgt:

 

Screenshot Tangram-App | 365tageasatzaday

Quelle: Screenshot Tangram-App

 

Mein geliebtestes Tangram ist das ziemlich unverwüstliche aus Ahornholz, das ihr hier seht, und das ich meiner Erinnerung nach gekauft habe, als ich entweder noch zu Hause oder an der Uni war … es ist also schon bisschen her. Klar habe ich noch mehr, aber die sind alle aus Kunststoff, und wenn sich mit denen auch gut spielen lässt – Holz ist Holz.

 

Tangram-Rechteck aus Ahornholz | 365tageasatzaday

Quelle: ichmeinerselbst, wer denn sonst

 

Schreibeinladung für die Textwoche 05.22 | Extraetüden

Dies sind die fetten Wochen, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, die Zeit, wo viele schon unruhig werden und den Frühling herbeisehnen, obwohl hier bei uns zumindest noch gar kein Winter stattfand … die Zeit, wo es noch keine Gartenarbeit gibt und/oder fast nichts blüht: Dies ist die Zeit, wo es oft Etüden hagelt, und das ist auch gut so. 😀

Heute möchte ich die ersten Extraetüden des Jahres anzukündigen. Extraetüden gibt es immer dann, wenn ein Monat 5 Sonntage hat, was etwa alle Vierteljahre vorkommt, zum Beispiel ist heute so einer. Da ich die Schreibeinladungen am 1. und am 3. Sonntag veröffentliche, muss am 5. Sonntag ja eigentlich auch was kommen, oder? 😉 Also habe ich die sogenannten Extraetüden ins Leben gerufen: 1 Woche Laufzeit, 500 Wörter Maximum, und statt der gewohnten 3 Begriffe müssen stattdessen 5 aus den Wortspenden des ablaufenden Monats eingebaut werden. Mehr dazu unten.

Aber jetzt geht es erst mal mit der Statistik los. 37 Blogmenschen haben 68 Etüden eingereicht. Alles über 60 ist richtig gut, da weiß man (ich, also Tanja und ich in diesem Fall) doch, wofür man lesen geht!
Die zweite Liste des Jahres führt Gerhard mit 7 Etüden an, gefolgt von Ulrike mit 5 Etüden, gefolgt von Werner mit 4 Etüden und so einigen Schreiber*innen mit jeweils 3 Etüden! Vielen herzlichen Dank!

Wie immer geht mein Dank an euch, die ihr mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert habt! Vielen Dank an jede*n, die*der mit durch die teilnehmenden Blogs gegangen ist und kommentiert/diskutiert/gelikt hat.
Schaut bitte nach: Fehlt irgendwas, habe ich was übersehen, ist ein Link kaputt? Sagt Bescheid, es ist keine böse Absicht, ihr wisst das.

Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt – und ich freue mich sehr, dass es teilweise auch wirklich geschieht.

Kaffee ☕ und Keks 🍪🍪 parat? Dann kommt jetzt die Liste!

Barbara von der Kulturbowle in meinen Kommentaren: hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier und hier
Heidi auf Erinnerungswerkstatt: hier, hier und hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Maren auf Ich lache mich gesund: hier und hier
autopict auf autopict: hier
Olpo auf olpo run: hier und hier
Bruni auf Wortbehagen: hier
Ulrike auf Blaupause7: hier, hier, hier, hier und hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier, hier und hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier
Steffi auf Steflei Fotografie: hier
Rina auf Geschichtszauberei: hier
Kain Schreiber auf Gedankenflut: hier, hier und hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier, hier und hier
Sabine auf Verbalkanone: hier
tedthethief auf Orderly Creative Creations: hier
Torsten auf Wortman: hier
Puzzleblume auf Puzzle❀: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier, hier und hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier (6 Etüden in einem Beitrag) und hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier, hier und hier
Judith auf Mutiger leben: hier und hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier und hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
René auf Berlin. Autor. BerlinAutor: hier
Anja auf Annuschkas Northern Star: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Ellen auf nellindreams: hier und hier
Christian auf Wortverdreher: hier und hier
Stefan auf Gelassen ausgebremst: hier
Monika auf Allerlei Gedanken: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Lene auf HerzPoeten: hier
Sonja auf Das andere Mädchen: hier
Doro auf DORO|ART: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier

Ihr wisst/erinnert euch, wie das mit den Extraetüden geht?! Ihr nehmt die Begriffe des abgelaufenen Monats, das sind sechs, sucht euch davon fünf aus und verpackt die in einen Text von maximal 500 Wörtern. Zeit: eine Woche!
Den Rest kennt ihr.

Die Wörter im Monat Januar spendeten Ludwig Zeidler und Tanja mit ihrem Blog Stachelbeermond. Sie lauteten:

Hoffnungsschimmer, unverzeihlich, nähen,
Wackelpudding, unverdrossen, knistern.

 

Dieses Mal greift folgerichtig wieder die Abwandlung des öden, blöden Etüden-Disclaimers: Die Headline für die Extraetüden heißt: 5 Begriffe in maximal 500 Wörtern.
Eventuelle Inhaltshinweise (Triggerwarnungen) und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der zugehörigen Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste bzw. muss meckern, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright und dürfen für die Etüden verwendet werden. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig. Wer sich die Illustrationen herunterladen möchte, sollte sie vorher großklicken, danach kann man sie in der Regel downloaden und bei sich wieder hochladen.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es schon nächsten Sonntag, nämlich am 6. Februar 2022.
Euch weiterhin ein gutes Wochenende und Freude am Schreiben!

 

Extraetüden 05.22 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Extraetüden 05.22 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Homeoffice | abc.etüden

Sie sitzt am Computer und arbeitet, Stunde um Stunde. Der Kaffeepott ist dauerleer, ihr Hirn raucht und wird bald anfangen zu knistern und aufzuflammen, sie spürt den beginnenden Kopfschmerz. Aber sie beißt sich durch. Unverdrossen? Na ja, nicht so wirklich. Mehr so »muss ja«.

Neben ihr fällt etwas auf den Boden. Sie riskiert einen Blick. Ihre WANDERSCHUHE?!?

Sie fährt herum. »Katze?«

Der liegt auf der Couch und macht nicht mal ein Auge auf.

Hm.

Im Augenwinkel sieht sie eine Bewegung. »Zeig dich«, flüstert sie und traut sich fast nicht, noch mal hinzuschielen.

Es ist riesengroß und braunzottelig und ähnelt einem freundlichen Hund.

»Wer bist du denn?«, fragt sie streng und ein bisschen entgeistert.

»Ich bin dein schlechtes Gewissen«, sagt das Zotteltier. »Um diese Jahreszeit auch deine guten Vorsätze. Ich wollte dich zum Spielen abholen.«

»Zum Spielen. Kann es sein, dass du vierzig Jahre zu spät bist? Noch länger?«

»Du machst es mir aber nicht leicht. Ich hätte Tagträume vom Wanderurlaub in den Dolomiten im Angebot. Harzer Hexenstieg. Hamburger Grüner Ring. Klettergärten. Leichtfüßig dahineilen wie ein Rehlein. Denn wenn du nicht bald wieder in die Puschen kommst und mehr tust, sind deine Beinmuskeln Wackelpudding, wenn du auch nur auf einen Deich willst!«

»Ich kann das Zeug nicht ausstehen«, brummt sie. »Außerdem bin ich eh nicht schwindelfrei.«

»Harte Nuss, was? Du hast den ganzen Tag gearbeitet«, säuselt das Zotteltier. »Du hast Hunger. Draußen ist ausnahmsweise Sonne. In einer halben Stunde schließt deine Lieblings-Pommesbude. Jetzt ist der optimale Zeitpunkt, diese verdammten Schuhe anzuziehen, rauszugehen, deinen Magen glücklich zu machen und dich ein bisschen zu bewegen.«

Sie gibt schlagartig klein bei. Es ist schließlich wahr.

»Erklär mir mal jemand, warum die Sache mit dem Essen immer funktioniert«, resigniert ihr neuer Freund.

Er verschwindet, als sie draußen sind. Schade eigentlich, denkt sie und läuft los.

 

abc.etüden 2022 03+04 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 03/04.2022: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Wortspende stammt dieses Mal von Tanja mit ihrem Blog Stachelbeermond. Sie lautet: Wackelpudding, unverdrossen, knistern.

Ich denke ja, dass das Zotteltier ein Verwandter von Tanjas Schweinehund sein muss. Vielleicht weitläufig.

Relativ nah am wirklichen Leben. Auf jeden Fall hatte ich diese Woche zu wenig freie Zeit. Tja, dieses ewige Bedürfnis nach Nahrung und Kleidung … 😉

 

Schwestern | abc.etüden

Ich wollte mich bei dir bedanken. Ohne dich würde ich bestimmt noch Tiere essen, weißt du das?

Du verarschst mich, ja?

Erinnerst du dich denn nicht mehr daran, was du mir erzählt hast, als wir Kinder waren?

Was denn?

Du warst mein großes Vorbild! Aber für dich war ich ja nur die doofe kleine Schwester, die dir immer alles geglaubt hat.

Willst du nun darüber sprechen oder nicht?

Unverdrossen bist du über Wochen darauf rumgeritten, wie eklig das wäre. Und wieso ich das so toll finden könnte, immerhin würden echte Tiere dafür sterben. Die würden totgeschlagen, getrocknet, gemahlen und kämen da rein. Und dass der Waldmeistergeschmack nur zur Tarnung wäre, das wüssten alle.

Hör mal, ich weiß echt nicht, was du meinst!

Ich seh dich noch mit den Augen rollen, wenn Mama die Tüte aufgerissen hat, und so tun, als würde dir schlecht! Irgendwann bin ich rausgerannt, wenn ich sie nur damit knistern gehört habe.

Du meinst das ernst, oder?

Total ernst.

Waldmeister? Warte, du mochtest keinen Waldmeister, als du klein warst, stimmt.

Aber du erinnerst dich nicht mehr, warum? Du warst schon immer großzügig mit der Wahrheit. Bist du heute noch.

Nee. Keine Ahnung. Ist das schlimm? Was war es denn?

Wackelpudding.

Wackelpudding? Echt jetzt? Ich mochte das Glibberzeugs nie!

Es war mein Lieblingsessen, und Mama hat es extra für mich gekocht. Bis du es bemerkt hast.

Ach Quatsch.

Ja, sicher … Heute ist mir der Mechanismus hinter der Lüge natürlich klar.

Lüge? Was habe ich dir denn bloß erzählt?

Wie nennt man denn grünen Wackelpudding noch?

Sag du es mir.

Froschsülze.

FROSCHSÜLZE? Hahaha. Und das hast du wirklich geglaubt?

Lustig, nicht?

Bist du noch sauer auf mich?

Wäre ich eine Hexe, wärst du jetzt ein Frosch.

Haha. Glück gehabt, was?

Tja, schade. Berühmte letzte Worte, Schwesterchen …

 

abc.etüden 2022 03+04 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 03/04.2022: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Wortspende stammt dieses Mal von Tanja mit ihrem Blog Stachelbeermond. Sie lautet: Wackelpudding, unverdrossen, knistern.

Ja, klar, das ist eine Geschichte über das nicht immer einfache Verhältnis von Schwestern und dann auch eine Geschichte über Nahrungsmitteltabus, sprich, was finden wir eklig (und essen es deshalb nicht) und warum. Wikipedia hat dazu einen langen und interessanten Artikel (hier klicken zum Lesen).
Ich persönlich gestehe: Ich würde eigentlich fast alles mal probieren, weil ich neugierig bin. Zu dem, was ich nicht essen möchte, gehören Frösche, also sprich Froschschenkel (weil ich deren Gewinnung barbarisch finde), und Hummer (weil ich die Zubereitung barbarisch finde).

Dass grüner Wackelpudding auch „Froschsülze“ genannt wird, weiß ich dagegen ausschließlich aus der Wikipedia – und fand es schauderhaft inspirierend. 😉

 

Schreibeinladung für die Textwochen 03.04.22 | Wortspende von Stachelbeermond

Die ersten zwei Wochen des neuen Jahres sind überstanden, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, wie geht es euch, fühlt es sich noch neu an, das Jahr? Was machen eure schicken Vorsätze, die neuen Projekte, seid ihr okay? Ich wünsche es euch.

Auch in diesem Jahr kommt vor den neuen Wörtern die Statistik. 34 Blogmenschen haben 58 Etüden eingereicht: Das ist mehr als prima, vor allem, weil sich keine*r zu mehr als 4 Etüden berufen gefühlt hat, auch die Herren haben sich zum Jahresstart vornehm zurückgehalten. Nun denn. 😉 Die erste Liste des Jahres führen Heidi, Gerda und Ulrike mit jeweils 4 Etüden an, gefolgt 3 Leuten mit jeweils 3 Etüden! Vielen herzlichen Dank!

Wir haben zwei Neuzugänge, Steffi von Steflei Fotografie und tedthethief von Orderly Creative Creations, die ich beide hiermit noch mal herzlich im Kreis der Etüdenverrückten begrüße! 😀 Ferner habe ich mich sehr über das Auftauchen von Sonja, dem „anderen Mädchen“ und des Herrn autopict (der eigentlich fotografiert, aber eben auch schreibt) gefreut: Herzlichen Dank, gerne mehr von euch allen und überhaupt!

Also: Wie immer geht mein Dank an euch, die ihr mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert habt! Vielen Dank an jede*n, die*der mit durch die teilnehmenden Blogs gegangen ist und kommentiert/diskutiert/gelikt hat.
Schaut bitte nach: Fehlt irgendwas, habe ich was übersehen, ist ein Link kaputt? Sagt Bescheid, es ist keine böse Absicht, ihr wisst das.

Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt – und ich freue mich sehr, dass es teilweise auch wirklich geschieht.

Fertig? Kaffee ☕ und Keks 🍪🍪 parat? Los geht’s!

Barbara von der Kulturbowle in meinen Kommentaren: hier
Anja auf Annuschkas Northern Star: hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier und hier
Puzzleblume auf Puzzle: hier und hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier, hier und hier
Heidi auf Erinnerungswerkstatt: hier, hier, hier und hier
Steffi auf Steflei Fotografie: hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier und hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier
Olpo auf olpo run: hier und hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier, hier, hier und hier
Lene auf HerzPoeten: hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Fraggle auf Modern Wolfare: hier
Judith auf Mutiger leben: hier und hier
Ulrike auf Blaupause7: hier, hier, hier und hier
autopict auf autopict: hier
Stefan auf Gelassen ausgebremst: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Monika auf Allerlei Gedanken: hier und hier
Maren auf Ich lache mich gesund: hier, hier und hier
Torsten auf Wortman: hier
Kain Schreiber auf Gedankenflut: hier und hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Christian auf Wortverdreher: hier und hier
Doro auf DORO|ART: hier
Ellen auf nellindreams: hier und hier
Sonja auf Das andere Mädchen: hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
tedthethief auf Orderly Creative Creations: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier
Donka auf onlybatscanhang: hier

Die Wortspende für die Textwochen 03/04 des Jahres 2022 stammt zum ersten Mal (hurra!) von Tanja mit ihrem Blog Stachelbeermond. Sie lautet:

Wackelpudding
unverdrossen
knistern.

 

Ich bin soooo gespannt! 🤩

Zum zweiten Mal in diesem Jahr möchte ich euch den öden, blöden Etüden-Disclaimer ans Herz legen: Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Eventuelle Inhaltshinweise (Triggerwarnungen) und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der zugehörigen Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste bzw. muss meckern, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright und dürfen für die Etüden verwendet werden. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig. Wer sich die Illustrationen herunterladen möchte, sollte sie vorher großklicken, danach kann man sie in der Regel downloaden und bei sich wieder hochladen.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 6. Februar 2022, aber zuvor schiebe ich bzw. der Kalender ab dem 30. Januar eine Runde Extraetüden ein. Alles Weitere dann!
Euch weiterhin ein gutes Wochenende und Freude am Schreiben!

 

abc.etüden 2022 03+04 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

abc.etüden 2022 03+04 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Adventüden 2021 19-12 | 365tageasatzaday

19.12. – Fräulein Honigohr und die Weihnachtsfeier | Adventüden

Fräulein Honigohr nimmt einen winzigen Löffel Kartoffelsalat, dann guckt sie unentschlossen in den Punsch. Ihr ist nicht nach Punsch. Eigentlich auch nicht nach Kartoffelsalat, aber wenn sie schon mal hier ist, sollte sie wenigstens irgendetwas mitmachen. Sie hat bereits strafende Blicke geerntet, weil sie keine Lust auf Kekse hatte, den Begrüßungssekt zu süß fand und den Marzipanteller unberührt weitergereicht hat. Beim Smalltalk hat sie sich zusammengerissen, den unwillkommenen Flirtversuch elegant abgewehrt. Sie guckt den Weihnachtsschmuck vor ihrer Nase an. Ihr breitgezogenes Gesicht spiegelt sich wie in Rotwein getunkt.

»Honigöhrchen! Lust zu tanzen?«

Glühweingetränkter Atem weht ihr ins Ohr.

»Nein, wirklich nicht«, antwortet sie gereizt. Honigöhrchen! Frechheit! Irgendetwas muss in ihrem Blick gelegen haben, denn der Glühweintrinker sieht beleidigt aus.

»Du musst ja nicht«, murmelt er verschnupft und tritt den Rückzug an.

Fräulein Honigohr seufzt. Sie hätte nicht kommen sollen. Ihr ist heute einfach nicht nach Weihnachtsfeier. Es ist nicht kalt genug, das Jahr war lang, sie ist müde. Aber so miesepetrig sollte sie auch nicht sein, die anderen haben nämlich Spaß, das kann sie sehen. Sie starrt in die Weihnachtskugel. Ihr rotes Doppelgängergesicht starrt zurück. Fräulein Honigohr spitzt die Lippen, dann tippt sie die Kugel an.

»He, du«, flüstert sie, »hättest du Lust, da mal rauszukommen?«

Die Fräulein-Honigohr-Spiegelung reißt die Augen auf und nickt so enthusiastisch, dass die Kugel ins Schwingen gerät. Fräulein Honigohr lächelt und schließt kurz die Augen, dann sitzt sie in der roten Kugel und ihre Spiegeldoppelgängerin steht vor dem Punschtopf. Nur der breitere Mund verrät, dass da nicht das Original begeistert das Buffet abräumt und oben auf den Berg Kartoffelsalat noch einen Bratapfel legt.

»Tanz, meine Schöne«, flüstert Fräulein Honigohr und macht es sich in der roten Kugel gemütlich. Sie sehnt sich nach Sturmwolkenblau und Schneeregen. Ob die blaue Kugel neben ihrer roten schon belegt ist?


Autor*in: Tanja                               Blog: Stachelbeermond

 

Adventüden 2021 19-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Aktentasche, Bratapfel, Doppelgänger, Eistee, Geborgenheit, Glitzer, Kartoffelsalat, Kekse, Kopfzerbrechen, Marzipan, Partitur, Schneeregen, Sehnsucht, Sturmwolkenblau, Weihnachtsschmuck

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2021, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

Adventüden 2020 29-11 | 365tageasatzaday

29.11. – Advent im Seniorenheim | Adventüden

 

Fräulein Honigohr schiebt den Kessel vor den Gemeinschaftsraum. Jetzt fehlt nur noch der perfekte Platz. Sie umrundet suchend einen Ohrensessel und erschrickt fast zu Tode, weil ein alter Mann darin sitzt. Er öffnet erst ein Auge, dann das zweite.
Ein Lächeln breitet sich auf seinem Graubartgesicht aus. »Du? Das freut mich aber!«
»Herrje! Du hast mich erschreckt! Was tust du hier?«
»Keine Umarmung? Kein Lächeln? Oh-oh, du bist immer noch sauer …«
Fräulein Honigohr kraust die Nase und spitzt die Lippen.
Der Graubartmann seufzt. »Na gut. Ich mache Urlaub. Diese alte Geschichte tut mir leid, aber ich bin nicht perfekt, auch, wenn das alle glauben möchten.«
Fräulein Honigohr guckt vorwurfsvoll. »Urlaub? Solltest du nicht arbeiten? Bei dir ist doch jetzt Hochsaison, oder?«
Der alte Mann winkt ab. »Ich muss nur zum Finale da sein. Hier gibt’s drei Mahlzeiten am Tag und keiner quatscht mich mit Wünschen voll. Außerdem ist es schön warm. Wie ich diesen ewigen Schnee hasse! Sind die Nebelschwaden da draußen nicht herrlich?«
»Na ja.« Fräulein Honigohr schaut skeptisch aus dem Fenster.
»Und du? Was tust du hier?«
»Ich bringe nur ein bisschen Wunschpunsch vorbei.«
»Deinen berühmten? Mit Gin?« Der Bart des alten Mannes leuchtet hell-weiß auf.
Fräulein Honigohr schlägt bescheiden die Augen nieder.
»Darf ich probieren?«

Sie nickt, dreht sich um und erstarrt. Auf dem Gang stehen drei alte Frauen, sie haben gefüllte Zahnputzbecher in der Hand und flüstern Wünsche in die Korridorluft. Ein winzig kleines geflügeltes Schwein fliegt Slalom durch die Zimmerpalmen.
»Du könntest mir helfen«, sagt Fräulein Honigohr, »der Kessel ist schwer, und ich würde ihn gern hier reinstellen, bevor er leer ist.«
Der alte Mann springt mit erstaunlich elastischen Bewegungen auf. »Und dann sind wir quitt?«
»Ja.«

Das Minischwein quiekt leise, dann segelt es auf den Flur hinaus. Es gilt, draußen eine Welt zu entdecken.

Autor*in: Tanja     Blog: Stachelbeermond

 

Adventüden 2020 29-11 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir
 

 

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Etikett, Gin, Käsekuchen, Kuscheldecke, Lebkuchen, Lichtermeer, Märchenbuch, Minnesang, Nebelschwaden, Schlittenfahrt, Semmelknödel, Streicheleinheiten, Wichtel, Wunschpunsch, Zugvogel

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2020, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

01 – Fräulein Honigohr und der Adventskalender | Adventüden

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

 

Fräulein Honigohr und der Adventskalender (Tanja, Stachelbeermond)

 

Fräulein Honigohr schlägt die Bettdecke zurück, wirft ihre Strickjacke über und läuft auf nackten Sohlen zum Adventskalender. Die Dielenbretter sind eisig, aber für Socken hatte sie nun wirklich keine Zeit, der Adventskalender hat Priorität! Voller Vorfreude sucht sie nach dem Päckchen für heute, und da ist es auch schon: Klein, rund und in weißes Papier eingewickelt. Unspektakulär. Fräulein Honigohr betrachtet es neugierig. Auf dem Papier steht mit Bleistift geschrieben: »Was du nicht erwartest.« Aha?

Fräulein Honigohr tippt sich mit dem Finger an die Nase, dann wickelt sie das Papier auf. Zum Vorschein kommt ein rotes Bonbon, das nach Erdbeere duftet. Fräulein Honigohr probiert vorsichtig. Es schmeckt nach Kakao. Mit einem Hauch Zimt, wie früher.

Sie lutscht vor sich hin, während sie sich anzieht, in die Küche geht und Tee kocht. Ein guter Tagesbeginn, denkt sie, und hält versonnen die Teekanne über ihre Tasse. Es kommt allerdings kein Tee heraus. Zartes, weit entferntes Hundegebell fließt aus dem weißen Porzellan. Fräulein Honigohr starrt in ihre Tasse. Mit jeder vergehenden Sekunde wird das Gebell leiser und verstummt schließlich. Sie schenkt nach, lauscht den Hunden hinterher, verfolgt ihren wilden Lauf im Schneegestöber, während sie mit anderen Kindern zusammen über die frostigen Ebenen rennt, wild lachend, mit kalter, roter Nase und wippender Pudelmütze, glücklich bis in die Fingerspitzen, die Steinwüste bedeckt mit glitzerndem Eis, auf dem sie schneller als der Wind gleitet.

Fräulein Honigohr öffnet die Augen. Das Gebell ist verstummt. Versuchsweise hält sie die Teekanne noch einmal schräg, und dieses Mal schweben Schneeflocken heraus und wirbeln wie kleine nasse Küsse in ihrer Küche umher.

Fräulein Honigohr ist gerührt. Wintererinnerungen in ihrem Adventskalender. Herr Brummeck hat sich selbst übertroffen. Manchmal ist er grantiger als ein Bärenfell, aber tief drinnen hat er ein Herz aus Zimtkakao. Morgen ist sie dran. Sie wird sich ins Zeug legen.

 

Adventüden 2019 01 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Diese Etüde stammt von Tanja und ihrem Blog Stachelbeermond. Tanja wurde von mir nachnominiert, nachdem der Etüdenerfinder leider seine Teilnahme abgesagt hatte. Sie schreibt seit Herbst regelmäßig mit, und ich bin völlig von Fräulein Honigohr verzaubert.