Tattoo: zweieinhalb Jahre danach

Heute vor zweieinhalb Jahren und einem Monat (Jan. 2017) habe ich mich tätowieren lassen. Mein erstes und bislang einziges Tattoo, einer von den „Signature“-Löwen von Melina Wendlandt (Vaders.dye, Hamburg, Website, seit ich sie verfolge, furchtbar gehypt). Kennzeichen: Ornamente; Punkte und unterschiedlich dicke, zum Teil sehr feine Linien. (Wer damals noch nicht mitgelesen hat: Hier ist die Berichterstattung.)

Wie ist es mir also ergangen mit meinem Tattoo? Mit einem Wort: gut. Es ist völlig problemlos abgeheilt, ich habe mich an sämtliche Anweisungen gehalten, was zu tun (cremen, cremen, cremen) oder zu lassen war (Sonneneinstrahlung, Bäder, Sport, Kämpfe mit rauflustigen Fellträgern) – und langsam ist es zu einem Teil von mir geworden. Am Anfang hat es sich angefühlt wie ein großartiges Abziehbild, falls ihr die Dinger noch kennt. Danach wurde es normal … und ich fing an, mit anderen darüber zu diskutieren, ob die Linien so dünn bleiben würden bzw. inwieweit sie dicker werden würden. Nein, schon klar, sie bleiben nicht SO dünn. Das war mir klar, mehr nicht.

Ich bin ein völlig alltäglicher Couchpotato. Schön, ich sitze nicht vorwiegend fernsehend auf der Couch (Dudendefinition), sondern tippend am Computer, aber mehr Sport speziell für die Arme treibe ich nicht, ich bin auch nicht der Typ, der sich in Körperlotion ertränkt – und meine Haut ist keine 25 mehr, sondern eher das Doppelte. Ich habe einen Fellträger, der es liebt, sich mit mir zu prügeln, wenn er seine drolligen zehn Minuten hat, und dann bekomme ich den Arm manchmal nicht schnell genug weg von seinen Krallen oder Zähnen, was WEHtut und zum Teil sichtbare Spuren hinterlässt. (Kleines Aas.) Abgenommen, und zwar einiges, habe ich in dem Jahr danach auch, was mit Sicherheit auf die Haut geht, vielleicht jedoch nicht primär am Arm. Normal also, oder? Leben halt. Also denke ich, was das angeht, bin ich ziemlicher Durchschnitt. Wobei so was wie mit den Linien last but not least auch individuell vom Typ abhängig ist, Stichwort Bindehaut und so.

Was findet man an Bildern im Internet? Meistens Fotos von frisch gestochenen Tattoos, erkennbar an der Rötung und einer leichten Schwellung um die frisch gestochenen Partien. Ein Tattoo wird ca. nach 6–12 Wochen als „geheilt“/“healed“ betrachtet; wer also unter diesem Stichwort sucht, findet meist Fotos mit Tattoos dieses Alters. Älter? Wenige, und davon überdurchschnittlich viele Katastrophen. Man kann es nicht oft genug predigen, dass ein Gang zum Tätowierer gut überlegt sein sollte, weil man das Ergebnis lebenslang mit sich herumschleppt, und dass man sich Arbeiten des-/derjenigen VORHER ansehen sollte. Die feinen Linien bei meinem Löwen hätten richtig schief gehen können, auch jetzt über die Jahre. (Wobei die Existenz von Fotofiltern selbst schon für das Handy die Glaubwürdigkeit von Fotos bei z. B. Instagram oder Facebook nicht wirklich steigert.)
Und was machen die Leute? Fallen bei einem Zug durch die Gemeinde oder im Urlaub besoffen im Tattoostudio ein, gern in Rudeln, und wundern sich danach. Tätowierer ist keine geschützte Bezeichnung. Jede*r Idiot kann sich im Netz eine Tätowiermaschine und Zubehör kaufen, ein paar YT-Videos gucken, sich einen Gewerbeschein zulegen und sich Tätowierer*in schimpfen. Und das Schlimme ist: Manche tun das auch.

Wo war ich? Ach so, das Foto. Als neulich Myriade in Hamburg war, habe ich sie gebeten, mein Tattoo zu fotografieren. Vergessen hatte ich, dass ich für das Vergleichsfoto damals stand – wenn man sich die Fotos ansieht, sieht der Löwe auf dem neuen etwas gestauchter aus, das kommt daher. Außerdem hätte ich mich besser um ähnliche Lichtverhältnisse bemüht, es ist draußen bei Sonne im Halbschatten entstanden, das erste indoor. Das Bild leidet daher leider unter schlechten Kontrasten, gerade an den Stellen, die mir wichtig sind: Ist da noch Weiß in den Augen? (Nicht auf dem Foto, aber ja: ganz schwach.) Berühren sich die Linien in dem Kopfschmuck des Löwen? (Hmmmmm. Auf dem Foto gibt es Stellen, wo man dran zweifeln könnte. Auf jeden Fall sind die Linien erheblich näher aneinandergerückt. ABER sie sind immer noch sehr erkennbar unterschiedlich dick.) Anyway, mea culpa, ich hätte vorher bisschen mehr darüber nachdenken können – über das Foto. So weit, dass die Linien mit der Zeit viel dicker werden könnten/würden und ich irgendwann „Matsch“ auf meinem Arm haben könnte, habe ich damals nicht gedacht, und das ist ganz allein meine Verantwortung.

Ganz wichtig: Ich will hiermit keinen in die Pfanne hauen, dies ist eher ein Service-Beitrag. Ich möchte die Veränderung meines Tattoos dokumentieren, weil ich solche Bilder nicht gefunden habe, als ich danach gesucht habe. Ich liebe diesen Löwen von Herzen und alles, wofür er steht.
Wie geht es euch mit euren Tattoos, über die Jahre gesehen? Hat schon mal wer ein Tattoo entfernen lassen oder gecovert – nicht, dass ich das vorhätte?

(Ob ich mit einem zweiten Tattoo liebäugele? Nicht mehr und nicht weniger als vor zweieinhalb Jahren, aber ich schließe es nicht aus und finde das Tattoo-Thema nach wie vor faszinierend.)

 

Tattoo: frisch vs. 2,5 Jahre | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst, zumindest ist es mein Arm
UNBEDINGT groß klicken!

 

Update Adventskalender für die Etüden (danke, dergl): 15 Geschichten hüte ich bisher, inklusive meiner. Für drei weitere habe ich Zusagen, dazu gehört auch der Etüdenerfinder. Bisher schwächeln die Herren generell *tadelnden Blick in die Runde werf* (außer WERNER natürlich!), könntet ihr mal sagen, ob ich noch mit einer Einreichung rechnen kann? Wenn ihr mehr Zeit braucht, ist das okay, aber ich bräuchte eine verbindliche Ansage.

Wer von den Etüdenschreiber*innen bisher in der Sommerpause war und den Aufruf nicht mitbekommen hat: HIER NACHLESEN. Ihr habt regulär noch eine Woche.

 

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Tattoo: Mörder in spe

Der moderne mensch, der sich tätowiert, ist ein verbrecher oder ein degenerierter. […] Wenn ein tätowierter in freiheit stirbt, so ist er eben einige jahre, bevor er einen mord verübt hat, gestorben.

(Adolf Loos, Ornament und Verbrechen, 1908, Quelle)

Unveränderliche Kennzeichen: 1 Tattoo …  :-D
Ich habe also fertig (wer sich an die Vorgeschichte nicht erinnert, lese hier, hier und hier).

Seit Mittwochmittag lebe ich mit einem Löwenkopf auf meinem Unterarm. Wie kommt ein (relativ) introvertierter Couch-Potato (ich) auf einen Löwen, außer dass selbiger unbestritten auch ein Fellträger ist und ich Fellträger liebe? Nein, nicht der virtuelle Duft von Freiheit und Abenteuer, nein, keine Kompensation für nicht durchgeführte Safari-Pläne etc., echt nicht. Der Löwe hat für mich eine Bedeutung, die ich schlecht in Worte fassen kann, und die ich schon mal gar nicht öffentlich breittreten werde.

Gestatten ... | 365tageasatzaday

Wo? Linker Unterarm, Außenseite.
Wie groß? Längs vom obersten Punkt bis zur untersten Ornamentspitze 11,5 cm, quer (ca. bei den Augen) von der Mähnenspitze zur Mähnenspitze knapp 6 cm.
Wie lang hat’s gedauert? 1,5 Stunden auf dem Stuhl mit Vor- und Nachbesprechung etc. eine Dreiviertelstunde mehr.
Wo gestochen? Vaders.dye, Colonnaden, Hamburg.
Von wem? Melina Wendlandt (Instagram), von ihr stammt auch das Design, in das ich mich ursprünglich so verguckt habe, es wurde nach meinen Vorstellungen modifiziert.
Wie teuer? Sag ich nicht, aber es gibt sicher günstigere (und teurere) Tätowierer.
Bleiben die Linien so dünn? Hoffe ich doch. Fragt mich in ein paar Jahren noch mal.

Ablauf: Bei der Terminvereinbarung muss man bereits angegeben, was für ein Tattoo man möchte (und wie groß), denn auf der Basis davon wird der Zeitbedarf (und die Kosten) geschätzt. Als ich kam, hat Melina zuerst mit mir das Design besprochen, damit mein Löwe auch so aussah, wie ich es wollte, und das dann auf den Computer übertragen. Ich hatte mich schon von vornherein ziemlich festgelegt,  es war also einfach. Melina mag Verzierungen bei ihren Löwen, speziell auf dem Kopf, ich bin da geradliniger, der Kompromiss gefällt mir sehr. Das fertige Ergebnis wird dann ausgedruckt und auf der gewünschten Körperstelle platziert (und ggf. korrigiert). Das Ding färbt, und wenn alles okay ist, trägt eure Haut dann die Vorzeichnung, eine Vorlage, die „nur noch“ nachgestochen werden muss (siehe Bild). Dann ging es los. Ich durfte währenddessen fotografieren, deshalb steht der Löwe bei den „Bei der Arbeit“-Bildern kopf. Als wir durch waren (ohne Pause), musste das Ergebnis natürlich fotografisch festgehalten werden – vielleicht schafft mein Löwe es sogar irgendwann zu seinen Löwenverwandten auf ihren Instagram-Account.

Hat’s sehr wehgetan? Neee. Freundlicherweise nicht. Ich war reichlich verunsichert, weil sehr viele sich offensichtlich vor dem Schmerz, der mit einem Tattoo verbunden ist, fürchten und mir andererseits sogar Masochismus unterstellt wurde. (Ich meine, jedem das Seine, aber ich kann gut ohne Schmerzen.) Ich wusste irgendwann, dass die Außenseite des Unterarms bei Tätowierungen als relativ schmerzunempfindlich gilt (Thema Körperstellen hier nachlesen). Bleibt die Sache mit dem persönlichen Schmerzempfinden. Im Normalfall denke ich darüber nicht groß nach, was zwar heißt, dass ich mich nicht als super empfindlich ansehe, aber wissen tue ich es nicht, ich habe das immer als subjektiv angesehen (Thema Schmerzen beim Tätowieren hier nachlesen), und ich habe leider doch viel mehr Stress als ich möchte.
Bei mir fühlte sich das Tätowieren die meiste Zeit so an, als ob mir jemand mit einer Stecknadel mit Nachdruck über die Haut kratzt. Und selbst das eigentliche Stechen (die feinen Punkte) war nicht schlimm im Sinne von wirklich schmerzhaft. Kuschelig ist anders, okay, und dort, wo Melina die Linien ausgefüllt hat, war es unangenehmer, denn irgendwann ist die Haut echt gereizt. Als sie fertig war, war ich ziemlich froh, denn es schaukelt sich dann schon hoch. Ich kann mir daher durchaus vorstellen, dass, wenn bei einem Tattoo große Flächen ausgefüllt/schraffiert werden müssen, das kein Zuckerschlecken ist. (Ich werde Tribals ab sofort mit sehr viel mehr Respekt betrachten ;-) .) Melina erklärte mir aber auch, dass es beim Tätowieren unterschiedliche Techniken gäbe und sie ganz sicher nicht zu den „Bauarbeitern“ gehören würde.

Und danach? Danach brauchte ich erst mal einen Kaffee und was zu essen. Und irgendwann war ich tierisch platt. Immerhin kämpft(e) der Körper gerade mit der (übrigens veganen) Farbe.

Und gestern so? Ich schätze mich selbst als unkompliziert ein, was Allergien etc. angeht. Von daher behandele ich das Tattoo lediglich streng nach Pflegeanweisung und werde es weiter tun. Ihr seht auf den Bildern von Mittwoch noch eine ziemlich ausgeprägte Rötung, die sind direkt als Abschluss des Tätowierens entstanden. Das Pic von gestern ist bereits erheblich unaufgeregter. Mein Arm ist dort aber immer noch bisschen geschwollen und die Stelle ist viel wärmer als der Rest. Das Tattoo ist stoßempfindlich, und mit dem Fellträger werde ich mich die nächsten Tage auch nicht prügeln.
Ich glaube jedoch nicht, dass ich Grund zur Besorgnis habe, und wenn sich das ändern sollte, könnte ich jederzeit im Studio anrufen oder vorbeigehen und die Experten draufschauen lassen, was ich sowieso in etwa 4 Wochen machen soll, damit man sich dort überzeugen kann, dass alles okay ist. Ich habe alle, mit denen ich dort zu tun hatte, als ausgesprochen kompetent und freundlich erlebt, ich mochte die helle, professionelle Atmosphäre des Studios sehr (das ist eindeutig nicht die Klischee-Hinterzimmer-Butze, den Hamburgern wird allein die Adresse Colonnaden schon was sagen), und ich für meinen Teil kann den Laden weiterempfehlen. Okay, noch ist nicht aller Tage Abend, was mein Tattoo angeht, aber (Stand jetzt) sollte ich je über ein zweites Tattoo nachdenken, wäre Vaders.dye wieder meine erste Wahl.

Mein spezieller Dank geht schließlich an zwei meiner Freundinnen (die beide nicht bloggen), die extra einen Urlaubstag opferten, um zum Händchenhalten anzureisen, denn natürlich war ich überhaupt nicht aufgeregt. Danke, ihr Lieben, es hat viel mehr Spaß mit euch gemacht, es bedeutet mir viel.
Und selbstverständlich danke ich allen, die im letzten halben Jahr ihre Meinung zu diesem Thema mit mir geteilt haben und es noch tun werden.

Quelle: ichmeinerselbst, bzw. zumindest ist es mein Arm ;-)

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Hinterm Horizont?

Aus dem Radio tröpfelte Udo Lindenberg und sang davon, dass sie gemeinsam stark wären. Sie seufzte in ihren Kaffee. Der nun auch noch. Nein, dies würde nicht der Tag der Plattitüden werden, und wenn sie die Leute in dem Café bitten musste, den Sender zu wechseln. Sie starrte wartend aus dem Fenster. Sehr oft hatte sie sich mit seiner Freundin noch nicht getroffen, seit ER sozusagen die Seite gewechselt hatte, aber die hatte sie unbedingt sehen wollen. Es sei wichtig.

 

Wir war‘n so richtig Freunde für die Ewigkeit | das war doch klar. | Hab‘n die Wolken nicht gesehn | am Horizont | bis es dunkel war. | Und dann war‘s passiert | hab es nicht kapiert| ging alles viel zu schnell. | Doch zwei wie wir | die können sich nie verlier’n …

(Aus: Udo Lindenberg: Hinterm Horizont (Quelle))

 

Doch, sie hatten die Wolken am Horizont gesehen, aber kapiert hatten sie es nicht, beide, und ja, es war viel zu schnell gegangen. Aber wann kam der Tod mal nicht zu plötzlich, es sei denn, er würde erwartet? Und nun saßen sie da, Frauke und sie, und waren hinterblieben, mit diesem verdammten Gefühl eines großen Nichts im Herzen, und mussten irgendwie weiterleben.

Sie waren nicht so furchtbar erfolgreich als Paar, er und sie, aber sie waren richtig gut darin gewesen, Freunde zu sein. Freunde für die Ewigkeit, säuselte Udo in ihr Ohr. Sie nickte gedankenversunken. Das war der Plan. Auch nachdem sie sich getrennt hatten, hatte ihre Freundschaft nie zur Debatte gestanden. Sie war nur anders geworden. Doch zwei wie wir, die können sich nie verlier‘n. Wenn es das gab, Karma, dann hatten sie ein Stück weit ein gemeinsames, daran glaubte sie. Der Gedanke fühlte sich stark und gut an, diesen Menschen schon richtig lange zu kennen und ihn irgendwann mal wiederzusehen. In einem anderen Leben. Oder so.

Er war nicht der verwurzelte Typ gewesen, von daher erschien ihr der Gedanke lächerlich, an einem Ort um ihn zu trauern. Frauke konnte die Wohnung allein nicht halten und würde demnächst ausziehen. „Komm vorher vorbei und such dir was aus“, hatte sie gesagt. „Nimm mit, was du brauchen kannst.“ So viele Erinnerungen, aber das, was ihr Herz erleichterte, war nicht dabei gewesen. Dinge machten sie jedenfalls nicht fröhlicher.

Da kam Frauke. Sie stand auf und winkte ihr zu. Sie umarmten sich.
„Ich muss dir was erzählen, was passiert ist“, fing die schließlich an, als ihr Kaffee vor ihr stand. Ihre Augen glänzten. „Das errätst du nie!“
Sie lächelte und wartete. „Sag schon!“
Frauke ließ sich nicht lange bitten.
„Ich habe doch in der letzten Zeit die Wohnung ausgemistet und geschaut, was ich mitnehmen will. Und vor einer guten Woche habe ich von ihm geträumt!“ Frauke lehnte sich zurück. „Er kam und führte mich in sein Arbeitszimmer an seinen Schreibtisch. Du weißt doch, dass da die ganzen Füller und Kugelschreiber lagen, die er gesammelt hat.“
Sie nickte.
„Dann nahm er einen Zettel und seinen roten Lieblingskugelschreiber und schrieb viele Zahlen drauf. Ich fragte ihn, was ich denn damit solle, er wäre doch weg und ich hätte viiiiiiel lieber, dass er bei mir wäre, da nahm er mich in den Arm und hielt mich fest und streichelte mich. Dann sagte er mir, es wären Lottozahlen, und ich solle das Geld mit dir teilen. Wir haben einander noch bisschen gehalten, dann war er wieder weg.“
„Ach, ist das schön.“ Sie beugte sich vor und wollte sich ihr Gerührtsein nicht anmerken lassen. „Und dann?“
„Na ja“, Frauke zögerte. „Am nächsten Morgen bin ich in sein Arbeitszimmer, weil ich dort weitermachen wollte mit dem Aufräumen. Und auf dem Schreibtisch lag ein Zettel mit seiner Handschrift.“
„Ist nicht wahr! Echt?“
„Echt. Der Zettel lag den Tag vorher schon da, aber Zahlen waren da keine drauf. Ganz sicher.“
„Krass. Darf ich fragen … hast du gespielt? Ich meine … waren es überhaupt wirklich Lottozahlen?“
„Ja, aber schwer zu lesen. Du weißt ja, manchmal hat er ziemlich gekritzelt.“
„Und? Jackpot?“
Frauke lächelte.
„Fünf Richtige“, sagte sie schlicht. „Etwas über zweitausend Euro.“
Sie griff in ihre Handtasche und gab ihr einen Umschlag. „Deine Hälfte. Zähl nach.“
Sie starrte sie an. Dann nahm sie den Umschlag und warf einen Blick hinein. Banknoten schimmerten grün. Sie sah sie ungläubig an. „Du bist sicher, dass du deinen Gewinn mit mir teilen willst?“
„Er hat es gesagt. Von mir aus geht das in Ordnung.“

Plötzlich, für einen winzigen Moment, veränderte sich alles. Die Farben waren bunter, die Gerüche intensiver, die Geräusche lauter. Er saß mit ihnen am Tisch, diskutierte, lachte und gestikulierte. Zog schließlich seinen Tabaksbeutel heraus und drehte sich eine Zigarette. Sie starrte auf seine Hände, seine Unterarme, sah verblasste, bunte Linien und wusste auf einmal …

„He!“ Frauke schnipste vor ihrem Gesicht mit den Fingern. „Komm zurück! Hast du einen Geist gesehen?“
Sie nickte. „Ja. Irgendwie. Und ich weiß noch was.“
„Was?“
Traurigkeit fiel von ihrer Seele ab. Sie strahlte sie an und fühlte sich frei. „Seit über zwanzig Jahren möchte ich ein Tattoo. Die Zeit war nie reif dafür. Jetzt ist sie es.“

 

Tattoo Hand | 365tageastzadayQuelle: Pixabay

 

Dies ist auf den aller- allerletzten Drücker mein Beitrag zu Tante Tex‘ Story-Samstag zum Thema Erbe. Sorry, ich wäre gern früher gewesen. Ging einfach nicht.

Wer mich kennt und/oder länger liest, wird wissen, dass sich hier Realität und Fiktion vermischen. Ihr anderen, seid bitte versichert, dass es Realität und Fiktion ist  ;-)

 

 

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Tattoo in Sicht!

Ein Vergnügen erwarten ist auch ein Vergnügen.
(Gotthold Ephraim Lessing, Minna von Barnhelm IV, 6)

 

Bin nur mal kurz aus der Versenkung aufgetaucht, um meine (Vor-) Freude mit euch zu teilen: Juchhu, mein Tattoo-Termin steht! Vor ein paar Tagen flatterte mir die heiß ersehnte Mail ins Haus, dass ich einen der begehrten (ich habe berichtet) Termine ergattert hätte und zwecks Terminvergabe doch bitte vorbeischauen möge. Das habe ich heute getan. Mein Termin ist Ende Januar 2017, zweieinhalb Stunden sind veranschlagt, ich bin sehr vorfreudig und sehr glücklich.
Ich werde mich öffentlich nach wie vor zum Thema Motiv ausschweigen (ich will mich ja noch steigern können), aber so viel zum Thema „welches Studio“ und „welcher Stil“: Willkommen bei VADERS.DYE TATTOO HAMBURG

 

Hach!

 

Tattoo-Künstler bei der Arbeit | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

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Der nächste Schritt

[Es ist] besser zu genießen und zu bereuen, als zu bereuen, dass man nicht genossen hat.

(Giovanni Boccaccio, Decamerone, 3. Tag, 5. Erzählung, Quelle)

 

Ich hatte doch versprochen, euch über den Fortgang meiner Tattoo-Angelegenheit auf dem Laufenden zu halten. Nun, heute hat die Hautkünstlerin meines Vertrauens (ich mag die Wortschöpfung „Tattoo-Artist“ nicht) ihr Terminbuch für das 1. Vierteljahr 2017 geöffnet, und meine Mail an sie mit der Bitte um einen Termin ist raus. Waaaah! Ich bin doch bisschen aufgeregt …  ;-)

Daumen dürfen gern gedrückt werden, sie ist überlaufen. Nähere Infos zu Studio und Motiv vorab gern per Mail oder vielleicht schon beim nächsten Update … Stay tuned, wie es so schön heißt!

Euch noch einen schönen Sonntag!

 

Das Abenteuer beginnt – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Veränderungen

Es gibt drei Sorten von Menschen mit Tattoos: Leute, die keins haben, Leute, die eins haben, und Leute, die viele haben.
(Zitat eines Freundes, weiß nicht mal mehr, von wem.)

Eine der Erkenntnisse der letzten Scheiß-Wochen war, dass das Leben, auch meins, kürzer als gedacht sein kann. Und dass ich vielleicht nicht mehr endlos Zeit für alles habe, was ich noch möchte, was ich immer dachte (und fühlte), als ich noch jünger war.

Also fange ich wohl dann mal an und lebe eine imaginäre Liste ab: Hallo Karma, seit ungefähr 20 Jahren möchte ich ein Tattoo. Eins. Mein erstes. Ja, ich habe mich damals ein bisschen von meiner Mutter abschrecken lassen: Kind, überleg es dir gut, vielleicht bekommst du deswegen Schwierigkeiten auf der Arbeit. Stimmte vor 20 Jahren. Stimmt heute definitiv nicht mehr, und auch wenn sich da was ändern sollte, habe ich inzwischen das Standing, zu sagen, wem es nicht passt, der soll wegschauen. Denn das Einzige, was ich die ganzen Jahre wusste, war, wohin das Tattoo sollte: auf den Unterarm. Sichtbar. Und größer als ein 2-Euro-Stück wird es ganz sicher auch sein.

Was ich 20 Jahre lang nicht wusste (und was entscheidend war), war, was für ein Motiv ich möchte. Ich finde Tribals zum Beispiel ziemlich oft ziemlich toll, aber was haben die mit mir zu tun? Und das ist das, was mich total geflasht hat: Jetzt, nachdem sich der Wunsch wieder in den Vordergrund gedrängelt hat (und ja, klar, ich möchte auch eine Veränderung damit dokumentieren), hatte ich ziemlich schnell eine interessante Idee. Nachdem ich die dann zum Zweck der Bildersuche in die Suchmaschine geworfen hatte, spuckte sie mir schnell und umstandslos ein Bild eines Tattoos aus, das mich anbetend auf die Knie sinken ließ – na ja, fast. Und wo sitzt die Tätowiererin, von der dieser grandios ästhetische Entwurf stammt? Na? Genau, vor Ort. Ende des Rumgeeiers.

Ich bin nur in Maßen abergläubisch (deshalb werde ich auch nicht in Details gehen, bevor alles in trockenen Tüchern ist: „Kind, beschrei es nicht“), aber das ist doch ein Zeichen, oder? Jetzt muss ich nur noch einen Termin bei besagter Frau ergattern, was nicht so leicht ist und vermutlich erst im nächsten Frühjahr sein wird … und dann … ich werde berichten. Obwohl, wer weiß, wenn es sein soll, wird es ja vielleicht auch früher, Termine werden ja auch mal abgesagt …

Habt ihr Tattoos? Wo? Wie viele? Was für welche? Bereut ihr es?

 

Im Tattoostudio – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay