Gordischer Knoten | abc.etüden

Es war eine impulsive Entscheidung gewesen, er fühlte sich wie Alexander, als er den Gordischen Knoten durchgehauen hatte. Auf zu neuen Ufern! Sollten sie sich doch online zum Leichenschmaus versammeln und an seinen Knochen nagen. Er war raus aus der Sackgasse, er war frei, er war weg, es kümmerte ihn nicht mehr. Raus aus dem ganzen Fake-Leben: Als ob ihn die Farbe des Duschvorhangs anderer Leute je ernsthaft interessiert hätte!
Echte Kontakte würden bleiben, gewollte, keine aufgezwungenen, auf den Rest hatte er schon immer gern verzichtet. Sicher, so hatte er sich seinen Abgang nicht gewünscht, aber ihm war seine Lebenszeit – und seine Gesundheit – für den Mist zu schade.
Er fuhr an den See, hielt das Gesicht in die Sonne und die Nase in den Wind. Frühlingsgefühle, endlich.
Und später würde er malen.

Anmerkung: Dies ist FIKTION, liebe Leserinnen und Leser, eine Phantasie vor realem Hintergrund. Bitte nicht verwechseln.

 

textstaub abc.etueden schreibeinladung 3 16.17 | 365tageasatzadayQuelle: atelier lz

 

Für die abc.etüden, Woche 16/ 17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Annette (Ruhrköpfe) und lauten: Duschvorhang, Leichenschmaus und Frühlingsgefühle.

Ja, ich jetzt auch einen ohne Leiche. Musste doch gehen. Stellt euch übrigens für nächste Woche schon mal auf was richtig Überraschendes an Wörtern ein.  ;-)

 

 

Advertisements

Darüber spricht man nicht | abc.etüden

Sie fand das Wort Leichenschmaus gruselig und den dicken, jetzt nicht mehr ständig schnaufenden Onkel sowieso ziemlich eklig. Sie hatte sich auch nicht mehr „verabschieden“ wollen, wie ihre Mutter vorgeschlagen hatte, iiiih. Also hockte sie nun in ihren zweitbesten Klamotten zwischen ihren Eltern in dem Café neben dem Friedhof, nippte an dem viel zu süßen Kakao, verdrückte Unmengen trockenen Kuchen, hörte mit einem Ohr auf das Gerede der anderen Leute, hielt wie gewünscht die Klappe und dachte nach. Bei was denn nun war der Onkel an Herzversagen gestorben und warum hatte Mama ihr verboten, die Tante danach zu fragen, sie war doch seine Frau und überhaupt Mamas Schwester?

Irgendjemand hatte was von „Hand anlegen“ oder so gesagt, aber damit war nicht gemeint, dass der Onkel sich umgebracht hatte, bei der Frage hatte Mama nämlich ganz doof geguckt. Sie hatte dann schnell was von „Na ja, wohl eher Frühlingsgefühle“ gemurmelt und ihr lieber genau erklärt, wie die Tante den Onkel gefunden hätte. Es hätte nämlich ein Poltern im Bad gegeben, als der Onkel geduscht hatte, die Tante war reingerannt, hatte den Duschvorhang aufgezogen und da lag er und war tot.

Das war schlimm, klar, aber was war daran so spannend, dass vor allem die Frauen hinter vorgehaltener Hand gackerten und die Augen verdrehten? Sie verstand das alles nicht, das machte sie wütend. Musste so eine komische Erwachsenensache sein, für die sie noch zu jung war.

 

textstaub abc.etueden schreibeinladung 2 16.17 | 365tageasatzadayQuelle: textstaub.wordpress.com | atelier lz

 

Für die abc.etüden, Woche 16/ 17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Annette (Ruhrköpfe) und lauten: Duschvorhang, Leichenschmaus und Frühlingsgefühle.

Ja, ich weiß, ich habe mich gestern schon darüber ausgelassen, dass es diese Woche bei den Etüden so viele Leichen gibt, und prompt bin ich auch nicht besser. Aber ich hatte ja schon in den letzten Wochen das Bedürfnis, irgendwen zu meucheln, ich bin gar nicht überrascht, dass sich der Trend fortsetzt, bei diesen Steilvorlagen!

Kommt gut in die kurze nachösterliche Woche!

 

 

Merken

Merken

Schreibeinladung für die Textwoche 16.17 | Wortspende von Ruhrköpfe

Passend blumig gewandet zu Ostern, liebe Etüden-Fans und solche, die es noch werden wollen, kommen die Worte für die abc.etüden der folgenden Woche (Kalenderwoche 16.17) daher. Ich bin sofort in diesen wunderbaren Farben (und Blumen) schier ersoffen: Höchsten Dank an Herrn Textstaub, den Illustrator und Erfinder der Etüden, für diese Arbeit!

Ihr wisst vermutlich inzwischen, dass die abc.etüden den Gastgeber gewechselt haben: Textstaub widmet sich wieder eigenen Projekten und die Etüden ziehen jetzt zum zweiten Mal von hier aus ihre Kreise. Ein großer Dank an euch alle, die ihr letzte Woche schon mitgekommen seid; aber natürlich kann jede/r einsteigen, den/die die Idee irgendwie begeistert. Muss ja gar nicht regelmäßig sein, ich bin keine Beamtin mit einer Strichliste …  ;-)

Die Worte kommen in dieser Woche von Annette Mertens (knifflige Dinger, liebe Annette, Kaffee zum Wachdenken?), der Frau hinter den Ruhrköpfen, dem Blog für Dortmund und umzu, wie man hier sagen würde, und lauten:

Duschvorhang
Leichenschmaus
Frühlingsgefühle

Die Spielregeln für eventuelle Neuhinzukommer: Es geht darum, diese 3 Wörter in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 10 Sätze umfasst. Die Reihenfolge ist egal, die Wörter sollen in dieser Form aber schon so verwendet werden.

Ach, und ihr dürft auch gern öfter als einmal pro Woche! Wartet also nicht auf eure beste Idee, schreibt einfach viele Etüden (Etüde = „Übungsstück, das spezielle Schwierigkeiten enthält“, sagt der Duden, ich finde diese Erklärung grandios).

Und nun los … fröhliches Sätzejonglieren und Ideenschmieden! Wir lesen uns!

Das obligatorische Kleingedruckte:

  1. Bitte verlinkt diesen Beitrag unbedingt bei euren Etüden, wenn ihr sie veröffentlicht, damit es hier in den Kommentaren pingt, oder schreibt mir einen Link zu euren Etüden in die Kommentare. Sowohl die Wortspenderin als auch ich wüssten so gern, was ihr daraus macht, und wir folgen einfach nicht jeder oder jedem. Solltet ihr eure Etüde in die Kommentare schreiben wollen, weil sie aus irgendwelchen Gründen nicht in das Konzept eures Blogs passt, ihr einfach mal probieren wollt oder ihr gar keinen habt: herzlich gern!
    (Und wenn irgendwem unklar ist, wie man verlinkt, fragt einfach. Wir haben alle mal doof angefangen.)
  2. Die grandiosen Illustrationen stammen wieder von Herrn Textstaub. Sie können/dürfen als Beitragsbilder benutzt werden, dafür sind sie gedacht; ihr müsst aber selbstverständlich nicht.

 

Frohe Ostern euch allen!

 

textstaub abc.etueden schreibeinladung 1 16.17 | 365tageasatzaday

 

textstaub abc.etueden schreibeinladung 2 16.17 | 365tageasatzaday

 

textstaub abc.etueden schreibeinladung 3 16.17 | 365tageasatzaday

 

 

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Unwiderstehlich | abc.etüden

Groß, geschmeidig, elegant: So sahen Schwierigkeiten aus, er wusste es. Er hatte sie schon die ganze Zeit beobachtet, wie sie die Terrasse des Cafés überquerte und über die Treppenstufen nach drinnen steuerte. Wo sie ihn entdecken und auf ihn zuhalten würde, es war nur eine Frage der Zeit. Er hatte eben diese Wirkung.

Seine Mutter hingegen würde wieder einmal ausflippen. Neulich erst hatte sie ihn vor ihrem Damenkränzchen als egoistischen Genussmenschen beschimpft, der keinerlei Rücksicht auf ihre angegriffene Gesundheit nähme und dessen Impulsivität sie noch einmal ins Grab brächte.

Und wer dachte eigentlich an ihn, fragte er sich, als sie an seinem Tisch angelangt war und ihn anstarrte. Vorsichtig stellte er den Milchkaffee auf den Tisch und schob seinen Stuhl zurück. Ein Wort genügte: „Komm!“

Die graue Katze sprang auf seinen Schoß, reckte Kopf und Schwanz nach oben und schnurrte los, als er sie zu kraulen begann.

 

textstaub abc.etueden schreibeinladung 15.17 | 365tageasatzadayQuelle: textstaub.wordpress.com | atelier lz

 

Für die abc.etüden, Woche 15/ 17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Carmen | gingerpoetry (Wortwabe) und lauten: Treppenstufen, Milchkaffee und Komm!

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Albtraum | abc.etüden

Eine große Hand, die sich nach ihr ausstreckte, eine Stimme, die harsch forderte: „Komm!“ und keinen Widerspruch zuließ. Schatten in Grau und Schwarz und Angst, Angst, Angst. „Nein“, schrie sie und rannte los, „nein, ich will nicht, hau ab, verschwinde, du bekommst mich nicht!“

Sie fuhr aus dem Schlaf empor, ihr Herz klopfte rasend. Der Traum, es ist nur dieser verdammte Traum mal wieder, sagte sie sich vor, alles okay, du bist sicher. Aber der Schlaf war fort, geflohen wie sie …

Es war schon fast Tag, als sie sich seufzend etwas überzog, sich einen Milchkaffee machte und sich immer noch grübelnd auf die oberste der drei Treppenstufen setzte, die die Terrasse vom Haus trennten. Etwas war dieses Mal im Traum anders gewesen, fiel ihr auf: Sie war entkommen, zum ersten Mal. Sie war frei, endlich!

Ihr Lächeln breitete sich über ihrem Gesicht aus wie die aufgehende Sonne, und es wäre schwierig gewesen zu sagen, wer mehr strahlte.

 

textstaub abc.etueden schreibeinladung 15.17 | 365tageasatzadayQuelle: textstaub.wordpress.com | atelier lz

 

Für die abc.etüden, Woche 15/ 17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Carmen | gingerpoetry (Wortwabe, huhu, Carmen!) und lauten: Treppenstufen, Milchkaffee und Komm!

 

Merken

Schreibeinladung für die Textwoche 15.17 | Wortspende von wortwabe

Ihr Lieben im abc.etüden-10-Satz-Wahn (und die, die es noch werden wollen), verehrte Wort-, Satz-, und Geschichtenakrobaten (wie der Herr Textstaub vielleicht sagen würde), hiermit präsentiert „Irgendwas ist immer“ zum ersten Mal die Worte für die abc.etüden der kommenden Woche (Kalenderwoche 15.17).

Ihr habt vielleicht mitbekommen, dass der Gastgeber gewechselt hat: Mein Blog darf ab sofort die abc.etüden hosten. (Falls nicht, könnt ihr es hier nachlesen.)

Die Worte kommen in dieser Woche von gingerpoetry, der Frau hinter der Wortwabe und lauten:

Treppenstufen
Milchkaffee
Komm!

Für eventuelle Neueinsteiger sollte ich vielleicht noch sagen, dass es darum geht, diese 3 Wörter in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 10 Sätze umfasst. Die Reihenfolge ist egal, die Wörter sollen in dieser Form aber schon so verwendet werden.

Ach, und Nachtrag! Ihr dürft auch gern öfter als einmal pro Woche! Wartet also nicht auf eure beste Idee, schreibt einfach viele Etüden (Etüde = „Übungsstück, das spezielle Schwierigkeiten enthält“, sagt der Duden).

Und nun los … fröhliches Ideenjonglieren und Sätzeschmieden! Wir lesen uns!

 

Drei Anmerkungen hätte ich noch.

  1. Bitte verlinkt diesen Beitrag unbedingt bei euren Etüden, wenn ihr sie veröffentlicht, damit es hier in den Kommentaren pingt, oder schreibt mir einen Link zu euren Etüden in die Kommentare. Sowohl die Wortspenderin als auch ich wüssten so gern, was ihr daraus macht, und wir folgen einfach nicht jeder oder jedem. Solltet ihr eure Etüde in die Kommentare schreiben wollen, weil sie aus irgendwelchen Gründen nicht in das Konzept eures Blogs passt, ihr einfach mal probieren wollt oder ihr gar keinen habt: herzlich gern!
    (Und wenn irgendwem unklar ist, wie man verlinkt, fragt einfach. Wir haben alle mal doof angefangen.)
  2. Die Illustrationen stammen auch weiterhin von dem hochgeschätzten Herrn Textstaub, dem Schöpfer der abc.etüden. Sie können/dürfen als Beitragsbilder benutzt werden, dafür sind sie gedacht; ihr müsst aber selbstverständlich nicht.
  3. Für die, die es noch nicht mitbekommen haben: Textstaub hat seinen Blog auf „privat“ gestellt, da er von einem Stalker genervt ist. Wer weiter bei ihm lesen will, muss also dort nach einer Leseerlaubnis fragen.

 

Und da von privaten Blogs das Pingen nicht geht und er der Illustrator ist … sind hier seine Etüden.

abc.etüden / Textwoche 15.17 / komm!
abc.etüden / Woche 15.17 / die Worte
Zu Kürzestgeschichten / Microrrelatos
 

textstaub abc.etueden schreibeinladung 15.17 | 365tageasatzaday

 

textstaub abc.etueden schreibeinladung 15.17 | 365tageasatzaday

 

textstaub abc.etueden schreibeinladung 15.17 | 365tageasatzaday

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Lebensqualität | abc.etüden

Immer, wenn es ihm richtig mies ging, verschwand er im Keller. Das Herumfriemeln an alten Armbanduhren oder an alten Weckern gab ihm das Gefühl, noch für irgendwas gut zu sein. Die Welt draußen mit Internet und Smartphones, die war nichts mehr für ihn. Zu laut, zu schnell, zu oberflächlich. Seine Enkelin, Laura, die flippte ja schon aus, wenn ihr beim Tippen auf dem Display mal ein Fingernagel abbrach. Und alle sprachen ständig davon, dass er das nicht verstünde, dass sie so gut vernetzt wären und wie viel Lebensqualität sie gewännen. Alle außer ihm. Er nahm sich einfach Zeit.

Mit einem großen Becher Schokoladenpudding mit Vanillesoße schlurfte er ins Wohnzimmer und setzte sich vor den Fernseher. Gleich kam Tatort.

 

abc.etueden schreibeinladung 14.17 1 | lzVisuals mit freundlicher Genehmigung von ludwigzeidler

 

Für die abc.etüden des Herrn Textstaub, Woche 14/ 17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von mickzwo (Alles mit Links.) und lauten: Pudding, Fingernagel und friemeln.

 

Merken

Merken

Die Sache mit dem Nippel | abc.etüden

Sie hatte völlig abgenervt aufgehört zu zählen, wie oft sie schon den Nippel durch die Lasche zu friemeln versucht hatte. Diese Aufbauanleitung raubte ihr den allerletzten Nerv. ES GING NICHT!
Wo war die verdammte kleine Kurbel, war die überhaupt beigelegt? Und was sollte das mit irgendeinem Pfeil, wo sollte der denn plötzlich herkommen, schau dir das Ding doch an, Mensch!

Inzwischen hatten erheblich mehr Leute als nur der Pudding ihr Seufzen gehört, denn sie hatte herumgeschrien und geflucht wie eine ganz Große.
Selbst dran schuld, wenn man sich an so einen Schwachsinn mit frisch gemachten Nägeln setzt, ja, schon gut! Ganz leicht und selbsterklärend, ja, haha, du mich auch!

Ein Fingernagel hatte schon dran glauben müssen. Sie war kurz davor, das Ding aus dem Fenster zu schmeißen und hinterherzuspringen.

 

abc.etueden schreibeinladung 14.17 2 | lzVisuals mit freundlicher Genehmigung von ludwigzeidler

 

Für die abc.etüden des Herrn Textstaub, Woche 14/ 17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von mickzwo (Alles mit Links.) und lauten: Pudding, Fingernagel und friemeln.

Jaha, das war erst mal keine so leichte Geburt, das ist manchmal so. Wenn es gut läuft, bauen sich spontan Wortgebäude vor meinem inneren Auge auf, die nur noch beschrieben werden möchten. Hier war es eher so, dass ich die Muse im Vorbeiflug kurz gesehen habe. Und was hinterließ sie mir? Einen Ohrwurm …  ;-)

 

 

So jung war der mal! Ja, wirklich!  :-)
Die Sache mit dem seufzenden Pudding wiederum ist ähnlich alt und ein Buchtitel eines Buches von Erma Bombeck: Nur der Pudding hört mein Seufzen (Wikipedia), der eine oder die andere wird sich zumindest an den Titel erinnern.

Mir ist immer noch nicht klar, was sie denn nun eigentlich aufbaut. Aber ich glaube, zwischen Lego und IKEA ist da alles möglich, komplex kann alles sein.

Wer es noch nicht gelesen haben sollte: Ab kommenden Sonntag hostet mein Blog die abc.etüden! Stay tuned, wie der Lateiner sagt!  :-D

 

Merken

Merken

Die abc.etüden bleiben, der Gastgeber wechselt

Vorgabe: abc.etüden, Textstaub, Schreibprojekt. Ankündigung in eigener Sache in Etüdenform.

Ihr Lieben, ob schreibend oder lesend oder beides, wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, zieht sich der Herr Textstaub von seinem Schreibprojekt, den abc.etüden, zurück und widmet sich wieder mehr seinen eigenen verschlungenen Denk-, Form- und Kreativwegen.
Da ich mich in den letzten Wochen mit nicht so richtig viel anderem beschäftigt habe als 3 Wörter in 10 Sätze einzubauen, habe ich daher laut herumgeschmollt, dass man mir doch bitte nicht mein neues Lieblingsspielzeug kaputtmachen möge. Und siehe da, prompt vertraut besagter Herr mir jetzt sein Schreibkind an *stolzguck*. (Ich sag jetzt nicht, das hab ich jetzt davon.)

Außerdem hat er noch dazu angekündigt, zu der jeweiligen wöchentlichen Bekanntgabe eine Illustration beizusteuern. Das finde ich total großartig, weil ich ein bekennender Fan seiner schrägen Art bin und somit auch die „Corporate Identity“ des Projekts bewahrt bleibt. Natürlich setze ich auch weiter auf bewährt schräge textliche Beiträge von ihm.

Wir haben noch Wörter „auf Vorrat“, wenn die ausgespielt sind, komme ich rechtzeitig für neue Spenden auf euch zu. Achtung, unveröffentlichte Wortspender: Solltet ihr nicht wollen, dass eure Worte an mich weitergegeben werden, meldet euch bitte blitzartig bei ihm oder bei mir!

Meine Gastgeberschaft startet am nächsten Sonntag, und ich hoffe sehr sehr sehr, ihr bleibt dem Projekt gewogen und seid weiter dabei oder kommt neu dazu: herzlich willkommen!

 

textstaub zu abc.etueden | 365tageasatzadayQuelle: made by Textstaub  ;-)

 

Na, nachgezählt? Herzlich willkommen im 10-Sätze-Wahn!  :-D

 

Alles im Fluss | abc.etüden

Herbert konnte es nicht mehr hören, das Gesasel vom Fluss des Lebens und dem Streben nach der Harmonie aller Dinge. Vielleicht hatte seine innere Maschine einfach zu früh Rost angesetzt? Sein langjähriges Eheweib Renate hatte dazu nur spitz bemerkt, dass er schon immer ein fetter, dumpfer Steinklotz gewesen sei, an dem sich Wasser und Meinungen teilen würden.

Zu beider Überraschung hatte ihn, den Ruhigen, Kontrollierten, das übergangslos ausflippen lassen. Nun lag sie vor ihm im Mondlicht des Gartens neben dem Teich, ihre Haut schimmerte milchweiß und unter ihrem Kopf breitete sich eine große tiefrote Lache aus. Er hielt den Stein, den er ihr in die Fresse gedroschen hatte, noch in der Hand. Ich geb dir gleich Stein!
Nie wieder würden aus diesem Mund hämische Worte hervorsprudeln. Er empfand keine Reue, wohl aber einen merkwürdigen, wattigen Frieden. Ihm war, als würde er schweben, als er zur Pforte ging und den Notarzt und die Polizei hereinließ.

 

abc.etueden schreibeinladung 13.17 2 | lzVisuals mit freundlicher Genehmigung von ludwigzeidler

 

Für die abc.etüden des Herrn lz, Woche 13/ 17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von dergl (Fädenrisse) und lauten: Rost, milchweiß und Fluss.

Wer sich fragt, was denn bitte „Gesasel“ ist: Ich habe keine Ahnung, wo das Wort herstammt, ich habe es immer für eine coole Mischung aus „Gefasel“ und „Gesäusel“ gehalten. Da ich aber per Suchmaschine feststellen durfte, dass sowohl Schopenhauer als auch Kierkegaard das Wort benutzt haben, rücke ich davon ab, dass es eine Neuschöpfung ist. Wer es besser weiß, möge mich korrigieren, ich würde mich freuen. Sagt mir doch vielleicht erst mal, ob ihr das Wort überhaupt KENNT.

Jutta Reichelt rät zwar dazu, die Figur(en) in Schwierigkeiten zu bringen, ob sie aber damit gemeint hat, dass man sie (oder andere) gleich umbringen muss, wage ich zu bezweifeln. Ich weiß nicht, ich habe gerade einen Hang dazu, dass irgendwer geplant oder ungeplant stirbt, da müsst ihr wohl jetzt durch. Und nein, „Kill your Darlings“ ist das nicht, und ja, es geht mir gut und dem Fellträger auch.

Schönen Sonntag allerseits!  :-D

 

Merken

Hoher Einsatz | abc.etüden

Ich habe zu Hause ein blaues Klavier und kenne doch keine Note. Sie sei eben ein Versager, sagte ihre Mutter, und leider so ganz anders als ihr Bruder. Es steht im Dunkel der Kellertür, seitdem die Welt verrohte. Ihr Gesicht war dagegen schon ziemlich milchweiß, um nicht zu sagen käsig, wie ihr ein Blick in den Toilettenspiegel bescheinigte. Zerbrochen ist die Klaviatür … ich beweine die blaue Tote. Ach, nicht wirklich, aber ihr Arm war jedenfalls inzwischen rostrot, rostrot wie der Fluss aus Blut, der ihn bedeckte, und tat saumäßig weh.

„Komm da raus, ich weiß doch genau, dass du das nur gemacht hast, damit du nicht üben musst“, hörte sie ihre Mutter herumschreien. Sie taumelte beim Aufstehen und befürchtete einen Moment, dass sie das mit dem Schneiden vielleicht doch ein bisschen übertrieben hatte. Wenn ihre Mutter auch kein Blut sehen konnte, würden sie beide gleich umkippen.
Womit ihre Pianistinnenkarriere und dieser widerliche Klavierlehrer bestimmt endgültig Geschichte wären.

———-

Sollte sich jemand fragen, was ich da zitiere (kursiv): Else Lasker-Schüler, Mein blaues Klavier, aus dem gleichnamigen Gedichtband (Quelle).

 

abc.etueden schreibeinladung 13.17 1 | lzVisuals mit freundlicher Genehmigung von ludwigzeidler

 

Für die abc.etüden des Herrn lz: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von dergl (Fädenrisse) und lauten: Rost, milchweiß und Fluss.

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Sie nannte ihn „Zaunkönig“ | abc.etüden

Wer zum letzten Mal aus dem Heim auscheckte, der hinterließ selten mehr als einen Koffer und einen Karton voller Habseligkeiten: Marie, die Großmutter von Tom „King“ Hartmann, war da keine Ausnahme. Nun saß er da, vor sich auf dem Tisch das ausgebreitet, was sie bis zum Schluss bei sich hatte haben wollen, und wollte eigentlich gar nicht hinsehen.
Neben dem Alltäglichen lagen da Bilder von der Familie, klar, ihr Ehering, alter und neuer Schmuck. Darunter ein tropfenförmiger, klarer Anhänger aus Gießharz, bisschen größer als eine Murmel, darin eingegossen eine Haarlocke von ihm aus der Zeit, als er noch klein gewesen war und unglaubliche blonde Locken gehabt hatte, und ein Bild von einem Zaunkönig. Als Junge hatte er nicht gewollt, dass sie ihn „Spatz“ nannte, da hatten sie sich auf „Zaunkönig“ geeinigt, klein und frech und laut auch der. Und hey, ein König!
Der Anhänger war selbst gemacht und er hatte ihn immer völlig peinlich gefunden, aber sie hatte ihn geliebt und oft getragen. Er griff danach, fädelte ihn auf ein Lederband und hing ihn sich um den Hals. Was kümmerte ihn sein Geschwätz von früher. „Ach, Omi“, sagte er leise und spürte ein paar Tränen seine Wangen hinabrollen, „verdammt.“

 

abc.etueden schreibeinladung 12.17 1 | lzVisuals mit freundlicher Genehmigung von ludwigzeidler

 

Für die abc.etüden des Herrn lz: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Marion (Findesatz) und lauten: Murmel, Habseligkeiten und Zaunkönig.

 

Merken

Merken