12 – Eine selige Weihnacht | Adventüden

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Eine selige Weihnacht (Rina, Geschichtszauberei)

 

Armut durchflutete die Gassen. Man konnte sie riechen, schmecken, gar sehen. Schaute man durch die verschmutzen Scheiben, sah man Hunger. Kinder saßen am Kamin in Handschuhe, Schal und Pudelmütze eingepackt, der Kälte trotzend. Von Weihnachten war hier nichts zu sehen. Vereinzelt fand man einen mickrigen Tannenzweig. Die Eisblumen an den Fenstern dienten als Fensterschmuck.

In einem dieser Häuser lebte Eileen. Mit ihren acht Jahren fühlte sie sich sehr erwachsen. Sie half der Mutter im Haushalt und dem Vater beim Holz holen. Überall, wo sie entlanglief, schienen die Menschen aufzublühen. Statt grimmig zu gucken lächelten sie. Sie war die gute Seele dieses Dorfes. Schneite es, ging sie mit einer heißen Suppe zur alten Erna, die so schwach war. Mit neuen Geschichten fiel sie in die Wirtsstube ein und erzählte von Weihnachten, Engeln, dem Christkind, das über alle die schützende Hand hielt und keinen im Stich ließ. Sie hatte vom alten Fred gelernt, sehr geschickt mit einem Schnitzmesser umzugehen. So saß sie jeden Abend vor dem glimmenden Stück Kohle und schnitzte kleine Holzfiguren für die Kinder im Dorf.

Aber eines Tages wurde Eileen selbst schwer krank. Der Arzt hatte die Hoffnung aufgegeben. Die Dorfbewohner waren verzweifelt. Mit Eileen war die ganze Freude gegangen. Die Menschen waren mürrisch und beschimpften sich. Eileens Bruder war es, der sich eines Tages erhob. Er zeigte auf jeden, dem Eileen schon geholfen hatte. Beschämt sammelten sie Kleinigkeiten wie Äpfel, Gebäck, einen Tannenbaum. Sie bauten alles auf und der Vater holte Eileen hinunter. In dicke Decken gewickelt saß sie vor dem prasselnden Feuer. Die Menschen aus ihrem Dorf sangen Weihnachtslieder und lachten und tanzten. Eileen ging das Herz auf. Einen Blick hinaus werfend sah sie eine schimmernde Gestalt. Es war das Christkind, das schützend die Hand über Eileen gehalten hatte und den Weihnachtssegen über alle brachte.

 

Adventüden 2019 12 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Kleine Dinge – Trost

Tröste dich, die Stunden eilen, | Und was all dich drücken mag, | Auch die schlimmste kann nicht weilen, | Und es kommt ein andrer Tag.

(Aus: Theodor Fontane, Trost, ganzes Gedicht hier)

 

Kleine Dinge im August – mein Beitrag zu dem „Kleinigkeiten-ohne-Makro“-Projekt von cubusregio.

Das Projektlogo darf natürlich nicht fehlen: Hier gibt es mehr: https://kleinermonat.wordpress.com/tag/kleinermonat/

 

Draußen donnert es gewaltig, und die Wolken hängen tief über uns. Aktuelle Außentemperatur: 22 °C. Nichts zu meckern also, der Regen, so er denn kommt, wäre nötig.
Wenn nicht, halte ich es mit Fontane: Und es kommt ein andrer Tag.

(Update, fünf Minuten später: Draußen rauscht der Regen. Herrlich!)

Netz mit Loch – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

Katzentrost

1    Aufstehen.
2    Tür öffnen und die Katze hereinlassen, die laut von der Nacht erzählt.
3    Füttern.
4    Nochmal kurz ins Bett huschen.
5    Nach kurzer Zeit ein schweres Gewicht auf der Brust spüren.
6    Vorsichtig blinzeln.
7    Kurz vor der eigenen Nase in gelbgrüne Katzenpupillen starren.
8    Schnurren schwillt an.
9    Tiger hinter den Ohren kraulen.
10   Augen schließen. Entspannen.
11   Zurück zu 6.

Morgens … ist die Welt noch in Ordnung. Manchmal.

 

Katzengesicht – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Katzentrost – Montag, 17. November 2014

In düsterer Nacht macht auch das kleinste Glühwürmchen helle Freude.

(Weisheit aus China)

 

Einer jener Tage, wo ich über jeden aus dem Nest gefallenen Vogel Tränen vergießen könnte und es auch tue. Das ist dann die Zeit, wo die Katze beschließt, dass ich seines Trostes bedarf.
Sitze ich am Rechner, schafft er es irgendwie, auf meinen Schoß zu klettern, sich dort zu etablieren und zu schlafen (für beide Parteien ziemlich unbequem, ich werde dann auch angemault, wenn ich mich bewege), liege ich, läuft er zu großer Form auf. Setzt sich auf meine Brust, fixiert mich mit seinen großen, gelb-grünen Augen und donnerschnurrt bis alles vibriert. Wenn ich dann nicht sehr schnell bin und ihn in andere Regionen verfrachte, habe ich ein halbes Halblanghaarkatzenfell im Gesicht, weil er sich dann nämlich unter meinem Kinn zusammenrollt (nach dem Motto: eine Katze hat überall Platz) und so tut, als sei er komplett bewegungsunfähig.
Bewege ich mich daraufhin, zieht er irgendwann irritiert von dannen oder justiert seine Position nach, je nachdem, für wie bedürftig er mich gerade hält. Ich muss zugeben, dass er sich selten irrt, frage mich allerdings, woran er merkt, dass es mir nicht gut geht, denn von Tränen ist dieses Kümmern nicht abhängig.

Wie dem auch sei: vielen Dank, kleiner Tiger, es (be-) rührt mich jedes Mal.

 

Maine-Coon – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay