Heidegipfel ;-)

Eine eher beiläufige Bemerkung von Tanja Stachelbeermond trieb mich vorgestern vor die Tür. Sie hatte in einem Kommentar erwähnt, dass sie zum Wilseder Berg (Wikipedia) gewandert sei, und dass es sonnig und schööön gewesen sei. Meine (fast) tägliche Runde um den Teich hier ist zwischen 4 und 5 Kilometer lang und ich kenne inzwischen jeden dicken Stein persönlich, also bin ich gerade dabei, mir für die Wochenenden etwas Längeres auszugucken. So ca. 10 Kilometer sind mir dabei ganz recht. Und blüht jetzt nicht gerade die Heide? Also los.

„Un-de-loh?“, fragte eine Freundin ungläubig, als ich ihr davon erzählte. „Na, du hattest aber Mut.“ Ja, hatte ich. Wenn ihr jemals einen kleinen, auch in Corona-Zeiten komplett touristisch überlaufenen Heideort sehen wollt, fahrt sonntags nach Undeloh. Autoschlangen im Schritttempo (wegen der Pferdekutschen, auch wegen der Menge), Verkaufsstände mit Heidschnuckenfellen, Heidehonig und Heidekartoffeln und -gedöns entlang der Straße. Ich hatte Riesenglück, mittags auf dem völlig überfüllten Wanderparkplatz gegenüber des Heide-Erlebniszentrums an einem Rand noch ein Plätzchen für mein Auto zu bekommen, und beinahe wäre ich angesichts der Menschenmassen, die zu Fuß, zu Rad oder per Pferdekutsche unterwegs waren, wieder umgekehrt. Natürlich alle in meine Richtung: Wilsede. Wobei die Pferdekutschen (alle mit Maske, also die Fahrgäste) schon prächtig anzusehen waren, vor allem in der Menge. Ich weiß leider die Fahrpreise nicht.

Es erwies sich dann doch als gute Idee, mit der Masse losgeschwommen zu sein, denn je weiter ich kam, desto spärlicher war die Anzahl meiner Mitgänger. Die Aussicht auf immer noch blühende Heide (die Heideblüte ist fast vorbei) rechts und links war ausgesprochen begeisternd, die Sonne schien und meine Laune hob sich mit jedem Schritt, den ich vorwärts stapfte.

Der Wilseder Berg (die höchste Erhebung der Lüneburger Heide) ist ein recht weitläufiges Plateau, und dieses Plateau war, Überraschung, voll 😉. Voll mit Leuten, die dort herumsaßen, die Aussicht genossen und picknickten. Man soll bis Hamburg sehen können an klaren Tagen, angeblich sieht man den Fernsehturm. ICH habe ihn nicht gesehen, aber ich habe ein paar hohe Windräder gesehen, die „unsere“ sein könnten. 43 Kilometer wären das, sagt die Haube auf dem Gipfelstein (siehe Fotos). Ich hätte mein Tele gebraucht, andererseits bin ich ganz happy, dass ich es nicht mitgeschleppt habe.

Nach einer Pause machte ich mich an den Abstieg. Natürlich sind norddeutsche Berge keine „Berge“, sondern Hügel im Flachland, schon klar, weiß ja auch jede*r, aber wenn man einen Berg erklommen hat, darf man auch wieder absteigen 😉. Ziemlich bald tauchte ich in einen schattigen Waldrand ein und war und bin immer noch völlig bezaubert von der Schönheit und der Magie der Landschaft. Nach einem Stückchen auf der „Alten Salzstraße“ kam schließlich der Parkplatz und damit mein Auto wieder in Sicht. Einerseits war ich dankbar für den dort auf mich wartenden Liter Wasser, andererseits aber auch bisschen traurig, dass es schon vorbei war.

Nein, ich habe kein Heidschnuckenfell oder -bratwurst gekauft, keinen Heidehonig, -kartoffeln oder -sträußchen mitgenommen, nicht mal zu Kaffee und Kuchen eingekehrt bin ich, obwohl ich die Straße dann doch einmal abgegangen bin. Es war mir zu voll. Aber es war ein angenehmer Weg, den ich gern noch mal auf mich nehmen werde, bevorzugt an einem anderen Wochentag. Meine beiden Schrittzähler auf meinem Handy stritten sich, ob 16.338 Schritte nun 10,63 km oder 11,12 km seien – es ist mir letzlich egal. Heute merke ich meine Muskeln in den Beinen, das kommt aber auch daher, dass meine Wanderstiefel noch neu sind und ich wenig an knöchelhohe Schuhe gewohnt bin. Eingelaufen dürften sie jetzt allerdings so langsam sein.

 

Quelle: ichmeinerselbst, Handy-Pics