Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen zu den Adventüden

Update Mitte November 2021

 

Als wir mit den Adventüden anfingen, 2019, waren auf diesem Blog die Triggerwarnungen das große Ding, das die Schreibenden gespalten hat, letztes Jahr war es Corona, dieses Jahr haben wir die Impfungen. Ich bin immer noch froh, dass ich die Triggerdiskussion weder dieses noch letztes Jahr führen musste, ich glaube nicht mehr, dass die Etüden das überlebt hätten, in Betracht der Tatsache, wie unversöhnlich der Ton und die Haltungen oft geworden sind.

Corona kommt allerdings auch dieses Jahr in den Etüden explizit so gut wie nicht vor.

Auch ohne Corona gilt, dass Weihnachten für viele keine Zeit der Freude ist. Für mehr, als man denkt, sind die geballten Emotionen, die uns Medien, Werbung etc. als »schönste Zeit im Jahr« verkaufen, in Wirklichkeit eine Zeit von Alleinsein, Stress, Kummer und Angst – und vielfach auch Gewalt in allen Ausprägungen. Und natürlich gibt es auch Menschen, die Weihnachten aus verschiedenen Gründen gar nicht feiern. Die Verarbeitung einer anderen Seite der Realität hat auch in den Etüden ihren Platz, wobei doch viele Adventüden eher eine harmonische Weihnachtszeit beschwören.

Auch diese Etüden wurden im Rahmen des Etüdensommerpausenintermezzos (bis Ende August) geschrieben. 2019 hatte da die Debatte zum Thema Triggerwarnungen bei den abc.etüden noch nicht stattgefunden. Sieht man sich den scheinbar »normalen« Ton an, in dem Debatten im Internet geführt werden, muss ich immer noch sagen, dass wir die Ausnahme geschafft haben: Wir sind nicht wirklich zu einem Konsens gekommen, aber das Wie (463! verdammte! Kommentare!; dabei allerdings auch Verlinkungen zu Etüden) war auf jeden Fall besonders und nachahmenswert – wir sprechen alle noch miteinander.

Unser Konsens sah/sieht so aus, dass sich jeder an den Etüden teilnehmende Blog entscheiden kann, ob er Inhaltshinweise setzt, speziell in den Stich-/Schlagwörtern, die man jedem Beitrag beifügen kann. Einführende Charakterisierungen des Textes haben die meisten Mitschreibenden abgelehnt. Die meisten (auch einige Betroffene) haben ferner argumentiert, dass Trigger zu speziell seien, als dass man sie benennen könnte, und dass buchstäblich ALLES triggern kann.

Aufgrund dieser besonderen Situation (siehe oben, die Etüden entstanden vor der Diskussion) und der Tatsache, dass die Adventüden über meinen Blog erscheinen, habe ich alle Etüden mit einem Link zu diesem Text versehen, außerdem sind alle verschlagwortet, ich hoffe, ausreichend, ich lerne da auch noch.

Schlussendlich möchte ich jede*n Lesende*n, der*die möglicherweise mit bestimmten Situationen Probleme hat, an seine*ihre Eigenverantwortung erinnern: Alle Adventüden sind zwar mit Stich-/Schlagwörtern bestückt, aber ich kann nicht beurteilen, ob sie gerade bei euch greifen. Wenn ihr im Zweifel seid, ob ihr etwas abkönnt, lest bitte nicht weiter.

 

Es kann nicht schaden, von ein paar Anlaufstellen zu wissen, für alle, die in der Realität Probleme haben oder bemerken und helfen möchten – ich bin sicher, dass es einige unter euch gibt, die wissen, wovon ich rede. Die Beratung ist kostenlos und anonym.

  • das »Hilfetelefon« (Gewalt gegen Frauen, auch Beratung für Angehörige oder Freunde/Bekannte), Tel. 08000 116 016, www.hilfetelefon.de
  • die »Nummer gegen Kummer« (für Kinder und Jugendliche; Eltern etc. andere Nummer, bitte über die Webseite aufrufen), Tel. 116 111, www.nummergegenkummer.de
  • die »TelefonSeelsorge« (Sorgen von der Seele reden), Tel. 0800 111 0 111, www.telefonseelsorge.de

Habt viel Spaß beim dritten Etüden-Adventskalender, den Adventüden 2021!

 

Adventüden 2021 27-11 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Zugefallen

Zufall ist ein Wort ohne Sinn; nichts kann ohne Ursache existieren.

(Voltaire, eigtl. François-Marie Arouet, frz. Philosoph u. Schriftsteller)

 

4• was unterscheidet sich für dich zwischen Zufall und Schicksal? fragt der (vermutlich jetzt bald leicht genervte) Herr lz, und ich fange an, meine Gedanken zu sortieren.

Schicksal ist für mich die große Linie, der ich unterworfen bin. (Komm mir jetzt bitte keiner mit Karma, ja?) Ich wurde, zum Beispiel, in eine bestimmte Zeit, in ein bestimmtes Land, in bestimmte Lebensumstände hineingeboren. Ich war gesund – es gibt genügend Kinder, die behindert oder mit schweren Krankheiten zur Welt kommen. Schicksal? Schicksal.
Die Todesfälle in meiner Verwandtschaft: für mich Schicksal, nicht zu ändern, es galt, damit klarzukommen; für die, die es ereilte, letztendlich eine Konsequenz ihres Lebenswandels Hand in Hand mit deren Schicksal. Es hätte auch anders kommen können (ich hätte es echt begrüßt), jeder kennt die Geschichten von dem kettenrauchenden Neunzigjährigen.
Tja. Wir werden nicht alle gleich geboren, was körperliche Verfassung angeht, aber wir wissen vieles einfach nicht und ignorieren anderes.

Schicksal bedeutet nicht, dass alles vorherbestimmt ist und man daher sein ganzes Leben lang das Recht hat, irgendwas einzufordern (vor allem kein „Glück“). Wenn die Würfel gefallen sind, ist der Rest unsere Verantwortung. Freier Wille und so.

„Hilf dir selbst, so hilft dir Gott“, heißt es. So sehr, wie ich dieses Sprichwort ablehne, in einem stimmt es: Wer handelt, setzt Reaktionen in Gang. „Was du aussendest, bekommst du dreifach zurück.“ Wir alle sind eingewoben in Netze, die wir/sich aufgrund unserer Gefühle, unserer Handlungen (auch der unterlassenen), unserer Worte (auch der geschwiegenen) um uns bilden. Bewusst oder unbewusst kommunizieren wir, bauen Beziehungen auf oder verweigern uns.
Ja, es gibt Dinge oder Menschen, die „zufällig“ in unsere „Netze“ geraten, wir leben schließlich nicht auf einer einsamen Insel. Aber dass wir diese Dinge oder Menschen überhaupt bemerken, ist kein Zufall, sondern ein (uns möglicherweise unbewusster) Synapsenreiz. Der Ursachen hat, manchmal sehr tief verborgene. Warum einem etwas zu-fällt, sich dessen bewusst zu werden, daran kann man arbeiten (und zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen).

Also, zusammengefasst: JA, für mich gibt es Schicksal, NEIN, es gibt keinen Zufall, nur Ursachen, die ich nicht sehe. Philosophen, Esoteriker und Glaubende sagen das auch über Schicksal (und bieten unterschiedliche Lösungen an), schon klar.

„Viele Geschicke weben neben dem meinen, | Durcheinander spielt sie alle das Dasein, | Und mein Teil ist mehr als dieses Lebens | Schlanke Flamme oder schmale Leier.“ (aus Hugo von Hofmannsthal, Manche freilich)

 

bunte Steine – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay