W5 – die Nordschleife ;-)

Ich gehöre nicht zu den Leuten, die behaupten, etwas zu »kennen«, wenn sie einmal irgendwo lang getrampelt sind, das dürfte euch vielleicht schon aufgefallen sein, ebenso, dass die Harburger Berge es mir angetan haben. Irgendwann wird sich vor meinem inneren Auge das komplette Netz dieser Wanderwege entfalten und ich werde mir meine eigenen Runden zusammenstellen. Aber bis dahin erlaufe ich mir sozusagen die Materie auf vorgeschlagenen Wegen 😉 .

W5, einfach, Teil zwei steht noch aus (hier zu Teil eins, aufgeschoben ist nicht aufgehoben!), aber mir war beim Planen klar geworden, dass ich die von mir so bezeichnete »Nordschleife« von W5 (siehe Wegskizze) noch nie komplett gelaufen bin. Die führt nämlich über das Freilichtmuseum am Kiekeberg, und ich hatte mich beide Male, als ich am Wanderparkplatz Am Rosengarten aus dem Wald gekommen war, für die Abkürzung entschieden: quer durch Alvesen direkt zum Wildpark. Also beschloss ich letzten Sonntag (warm und trocken), mit dem Schwenk über den Kiekeberg anzufangen, über den Paul-Roth-Stein bis Schulenburgs Eiche zu wandern und dann zurück zum Wildpark Schwarze Berge, meinem Parkplatz.

 

Wegskizze Nordschleife, Wanderweg W5 Schwarze Berge | 365tageasatzaday
Wegskizze Nordschleife, Wanderweg W5 Schwarze Berge,
nach Material des Regionalpark Rosengarten, basierend auf OpenStreetMap

 

Also los. Am Gasthaus zum Kiekeberg vorbei (beschattete Parkmöglichkeiten!) und beim Hochseilgarten in das Wäldchen eingetaucht. Sehr angenehm zu gehen, schmale, naturbelassene Wege, gut beschildert mit den nämlichen Pfeilen (Richtung KA für Karlstein), über die ich mich ja auch schon diverse Male ausgelassen habe. Hin und wieder sogar ein kleines W5-Schild. Allerdings versagt die Beschilderung an dem Punkt, wo man auf die Straße kommt (Am Sandberg, eine Kreisstraße zwischen Alvesen und Vahrendorf, Punkt A auf der Wegskizze). Da muss man dann einfach WISSEN, dass man nach links abbiegen muss, nicht nach rechts bergab, denn es steht nirgendwo. Seufz. Gute 50 Meter weiter links (Punkt B auf der Wegskizze) zweigt der Pfad wieder in den Wald ab, der weiterhin echt idyllisch ist. Später überquerte ich die Kreisstraße Alvesen – Sottorf und bog auf den Wanderparkplatz Am Rosengarten ab.

 

Quelle: ichmeinerselbst, Klick macht groß!

 

Eigentlich ist W5 ja ein Weg, den ich im Sommer fast bedenkenlos allen weiterempfehlen würde, was die Wegqualität angeht. Die größere Ausnahme ist die Strecke, die ich jetzt in Angriff nahm und die an der Abzweigung zum Paul-Roth-Stein endet. Wenn also die Wegbeschreibung besagt (hier lesen): »Überwiegend naturbelassene, teils wurzelige Wege mit anspruchsvollem Relief (festes Schuhwerk erforderlich)«, dann meint sie speziell bei »anspruchsvoll« genau dieses Stück. Es geht ein paarmal sehr heftig auf und ab. Ich habe versucht, das fotografisch festzuhalten (siehe unten), aber es sieht nach nichts aus. Lasst euch also versichert sein, dass ich diese Strecke nicht freiwillig begehe, wenn es nass und rutschig ist, also keinesfalls im Winter, und dass ich, trotz furztrockenem Boden Halt suchend, schlagartig begriff, wofür Wanderstöcke nützlich sind. Was ich zudem nicht bedacht hatte, war, dass ich hier einen langen, insgesamt relativ steilen Anstieg vor mir hatte, denn ich war die beiden Male vorher klugerweise in der anderen Richtung unterwegs gewesen, wie es die Wegbeschreibung auch empfiehlt (ach was?!). Ich habe die (gefühlte) Bergziegeneinlage trotzdem genossen, gar keine Frage, so stelle ich mir »Wandern« vor, aber als ich an der Schulenburgs Eiche eine Pause einlegte, hatte ich mir mein mitgeschlepptes Wasser verdient.

 

Quelle: ichmeinerselbst, Klick macht groß!

 

Der Rest ist schnell erzählt und harmlos. Ich spazierwanderte den Highway W5 zurück ins »Tal« durch den wunderbaren Wald, hier etwas belebter, bog kurz vor dem Heidefriedhof nach rechts Richtung Wildpark Schwarze Berge ab (siehe Wegskizze) und erreichte nach mir sehr kurz vorkommenden und langsam wieder ansteigenden 1,8 Kilometern mein Auto. Die Schrittzähler attestierten mir 16.295 Schritte. Da ich mich entschieden habe, einen Mittelwert von 1.500 Schritte = 1 Kilometer anzunehmen, könnten das 10,86 Kilometer gewesen sein, wenn ich nicht glauben würde, dass ich »am Berg« so viele kürzere Schritte gemacht habe, dass diese Berechnung nicht mehr hinkommt. Die quasi offizielle Länge dieses W5-Teilstücks ist laut Beschilderung 10,1 Kilometer, und die schreibe ich mir gern auf meine Wanderfahne.

 

Quelle: ichmeinerselbst, Klick macht groß!

 

Einmal W5, einfach | abc.etüden

Wenn zwei Frauen miteinander unterwegs sind, kann das mehrere Vorteile haben: Gesellschaft; ausprobieren zu können, ob man auch miteinander schweigen kann; dass hoffentlich eine mitgenommen hat, was der anderen fehlt (alles zwischen Wasser, Pralinen und Blasenpflaster – o ja, Schokolade kann sehr wichtig sein) und, last but not least, wenn beide über einen fahrbaren Untersatz verfügen, kann man einen am Ende der Wanderstrecke deponieren und gemeinsam zum Anfang fahren.

So geschehen am letzten Sonntag, und wohin ging es? Na, erraten? Richtig: W5 und der Karlstein, die Gegend lässt mich nicht los. Dieser Rundweg W5 ist in Gänze laut Karte etwa 18 Kilometer lang und kann auch in zwei Schleifen erlaufen werden, ihr erinnert euch vielleicht. Was ich bisher noch nicht hatte, war die Variante mit den beiden Autos.

Ich war im kühlen März vermutlich zuletzt dort und sehr überrascht, wie verändert sich dieser Wald im Sommer präsentiert, wie grün, wie wohlriechend, wie anders das Licht, wie magisch. Man durchquert auf dieser Strecke sowohl Laubwälder, Mischwälder und Nadelwälder, und jeder transportiert seine spezifische Stimmung, wenn man das Herz öffnen kann. Unglaublich anrührend.

Als einzige unrühmliche Ausnahme erwies sich ein höchst aggressiver Mountainbiker, der meinte, uns vollpöbeln zu müssen, weil wir Dero Gnaden bei seinem Erscheinen nicht weitestmöglich Platz gemacht hatten (es war ein breiter, gut befestigter Wanderweg, er hätte vorbeigekonnt, wir waren höflich – er sah das anders), und der bei mir prompt kurzfristig den Wunsch erweckte, ihn von seinem Rad zu holen und herzhaft in den Waldboden … Ja, ich. Tatsächlich. Mea culpa.

Nun, nichts dergleichen ist passiert, wir wanderten kopfschüttelnd und eher amüsiert weiter und beendeten unseren Weg nach ca. 10 Kilometern am Wildpark Schwarze Berge. Da W5 ein Rundweg ist, könnten wir auch noch die andere Schleife erobern (die anstrengender ist, weil mit steileren Abhängen), und ich überlege, das vorzuschlagen.

 

abc.etüden 2021 25+26 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 25/26.2021: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Wortspende stammt dieses Mal von Monika mit ihrem Blog Allerlei Gedanken. Die Wörter lauten: Praline, herzhaft, wandern.

 

Ich möchte sicherheitshalber ein Wort zur Ehrenrettung der Mountainbiker verlieren: Dieser Wald ist von Pfaden aller Art durchzogen, Trails für Mountainbiker gehören dazu (wir waren auf keinem), und natürlich benutzen alle manche Wege gemeinsam. Ich habe ansonsten bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht, die meisten grüßen im Vorbeifahren, dieser Aggro-Typ hier war der Erste und ist absolut nicht repräsentativ.

Der Moisburger Stein ist ein alter Forstgrenzstein, davon stehen hier im Wald noch einige, ein Thema für sich, ich habe nicht nur für geschichtlich Interessierte dazu einen Blog entdeckt, auf den ich gern verlinken möchte: hier.

Und oh, Schokolade ist prima, auch unterwegs, aber niemals würde ich echte Pralinen auf eine Wanderung mitschleppen, sorry, Monika, hier habe ich deine wunderbare Wortspende passend gemacht 🙂

 

Quelle: ichmeinerselbst, Klicken macht groß!

 

Im Winterwald unterwegs ;-)

Falls schon wer summt, muss ich euch enttäuschen: Im Winter ist der Wald in Norddeutschland alles, nur nicht weiß. Jedenfalls meistens, jedenfalls in der Vorweihnachtszeit, also jetzt. Wer im Dezember in den Wald geht, der bekommt vor allem eins mit: Baumfällarbeiten, speziell deren Auswirkungen – Markierungen an Bäumen, Holzstapel und Stämme sowie zerfahrene Wege.

Als ich mich also neulich in den Wald begab, um die unerforschten Stellen auf meiner Wegskizze (W5, hier nachlesen) abzulaufen, empfing mich schönstes Winterwaldwetter: hochneblig, feucht und ziemlich mild. Es hatte den Tag zuvor geregnet, also war ich gewappnet, dass die Wege vielleicht nasser sein könnten. Waren sie auch. Auf zum Karlstein, zum vorläufig letzten Mal 😉

 

Start an der Schulenburgseiche | Auf dem Wanderweg W5 Karlstein | 365tageasatzaday
Quelle: ichmeinerselbst, Klicken macht groß!

 

Nachdem ich erneut an der Großmoddereiche geparkt und zur Schulenburgseiche gelaufen war, ging es ab da dann richtig los. Ich schlug den Weg ein, von dem ich beim ersten Mal nach nicht allzu langer Zeit abgewichen war und dann diesen großen, entzückenden Umweg gemacht hatte und von dem ich inzwischen weiß, dass er mich an einer Freifläche, genannt „Lichtung Doppelheide“, vorbeigeführt hatte, und bog dieses Mal an der fraglichen Kreuzung (Punkt D auf der Wegskizze) richtig ab.

 

Punkt D (siehe Skizze) | Auf dem Wanderweg W5 Karlstein | 365tageasatzaday
Quelle: ichmeinerselbst, Klicken macht groß!

 

Da sieht jeder, dass da ein Pfeil nach links ist, oder? Jedenfalls befand ich mich nun auf dem für mich neuen Stück des Weges, und was soll ich sagen: Ich war begeistert. Der Wald ist einfach … großartig. Laubwald, Mischwald, Nadelwald, junge Bäume, alte Bäume. Wanderer. Spaziergänger. Mountainbiker. Alle freundlich grüßend, mal von den zwei, drei obligatorischen Nasen abgesehen, und Pulks. In Pulks grüßt meist nur einer, oft der Erste oder der Letzte.

 

Quelle: ichmeinerselbst, Klicken macht groß!

 

Kurz nach einer alten, bemoosten Eiche kam der von mir mit Spannung erwartete Punkt, wo ich nach links abbiegen musste (Punkt E auf der Wegskizze). Mal ernsthaft: Wenn ich mir irgendwo ein fettes W5-Schild gewünscht hätte, dann da. Denn der Weg ist ein Pfad, also schmal, und am anderen Ende steht ja auch ein Schild. Zumindest an jenem Sonntag war die Mountainbiker-Dichte jedoch hoch, und da ich (berechtigterweise) zu wissen glaubte, wo ich rauskommen würde, durchwanderte ich dieses zauberhafte Stückchen Wald staunend und fühlte mich verwunschen und nicht ganz von dieser Welt. Hätte auf dem Hochstand ein Elb gesessen, ich hätte mich nicht gewundert.

 

Quelle: ichmeinerselbst, Klicken macht groß!

 

Das Schild am Ende (Punkt A auf der Wegskizze) bestätigte mir, dass ich genau nach Plan gelaufen war. Nun war ich gespannt, wie es an Punkt B mit eventuellen Pfeilen aussehen würde, dass dort massiv Richtung Karlstein (nach links) ausgeschildert war, wusste ich ja bereits, und ging geradeaus.
Aber ja, auch dort kamen wieder Pfeile. Nicht sonderlich groß, und auch nach „N“ (Neugraben?) und nicht mehr nach „KA“ (Karlstein) weisend, aber was solls. Ich folgte frohgemut dem Weg … und traf endlich an einer Kreuzung (Punkt F auf der Wegskizze) auf den Heidschnuckenweg (Markierung „H“, von der Doppelheide kommend). Hurra! Der Heidschnuckenweg hat dort einen Wegweiser mit Kilometerangaben aufgestellt, ein kleines Hinweisschild, dass man sich auf W5 befindet, hätte gutgetan – schließlich teilen sich beide Wegmarkierungen kurz vor dem Karlstein ziemlich mühelos ebenfalls einen Wegweiser (siehe unten). Da sich ebenfalls eine Mountainbiker-Gruppe und zwei Familien (mit Bollerwagen) der Kreuzung näherten, hielt ich mich mit Fotos zurück, knipste nur schnell den Wegweiser-Findling und beeilte mich, dem Rummel zu entkommen.

 

Quelle: ichmeinerselbst, Klicken macht groß!

 

Memo: Dies ist die bessere Laufrichtung, die Steigungen sind als Abstiege vermutlich leichter zu gehen als als Anstiege. Wenn man diesen Wegweiser erreicht hat (der rechts zum Parkplatz Karlstein zeigt), dann muss man nur noch ca. 500 Meter mit einer beeindruckenden Schilderdichte überstehen, und dann …

 

Quelle: ichmeinerselbst, Klicken macht groß!

 

… taucht der Karlstein wie ein hingekauertes, runzliges Tier zwischen den Bäumen auf. Der Regen hatte fast alle Spuren der bunten Bemalung abgewaschen. Ich trottete nach einer kurzen Pause langsam weiter.

 

Quelle: ichmeinerselbst, Klicken macht groß!

 

Irgendwo zwischen dem Karlstein und Punkt B kommt man durch dieses Stück Fichtenwald, wo ich immer das Gefühl habe, dass hinter den Bäumen jemand unsichtbar wacht und schaut, wer da so durchgeht. Ich fühle mich da klein … aber zeigen wollte ich euch auch, wie stark die Wege teilweise aufgefahren sind. Waldarbeiten, jetzt ist die Jahreszeit dafür. Die Pilzfamilie stand ein Stückchen zuvor und wollte ebenfalls unbedingt aufs Bild, keine Ahnung, warum.
Der Rest des Weges war altbekannt und daher nicht mehr sonderlich spannend, was die Orientierung betraf, aber ich kann mir die Spitze nicht so ganz verkneifen: Es sieht jeder, dass hier (Punkt C auf der Wegskizze) der Weg nach links abgeht , oder? Ja, klar, man gewöhnt sich dran, und ich lächle ja auch über mich. Trotzdem: Der Heidschnuckenweg pinselt sein „H“ gefühlt auf jeden dicken dritten Baum. Da ist noch Luft nach oben, liebe Schnitzeljagdpräparierer!

 

Ergänzte Skizze | Auf dem Wanderweg W5 Karlstein | 365tageasatzaday
Quelle: ichmeinerselbst, Klicken macht groß!

 

Fazit: Der von mir so bezeichnete südliche Teil von W5 ist damit endgültig durch. Ich habe natürlich überlegt, ob ich jetzt nicht noch mal den nördlichen Teil laufen müsste, vor allem die Schleife über den Kiekeberg, aber ich habe keine Lust. Ich glaube, ich will was mit Aussicht, und ich habe da inzwischen auch schon was im Auge …

Gemacht habe ich 14.175 Schritte, meine beiden Schrittzähler behaupten, das seien zwischen 9,2 und 9,6 Kilometer gewesen, und meine Wanderschuhe sind immer noch der Garant für trockene und warme Füße, ich kann sie gar nicht genug loben. Ich jedenfalls bin völlig zufrieden.

 

Herbstimpression | Auf dem Wanderweg W5 Karlstein | 365tageasatzaday

Immer Ärger mit W5 ;-)

Ihr werdet euch möglicherweise noch an meinen wunderbaren Roundtrip zum Karlstein erinnern, und an die Tatsache, dass ich trotz meines kreativen Umgangs mit dem Weg und seinen Beschilderungen nicht restlos glücklich war, weil ja ich erstens eigentlich W5 erkunden wollte und zweitens auf dem Rückweg vom Weg abgekommen bin und fast bei Dunkelheit im Wald stand. (Nein? Hier nachlesen.)

Da ich gerade nichts Besseres zum Rumlaufen in der Fast-Nähe finde (wenn ich keine Lust habe „deichzutreten“), und jemand bin, dem so was keine Ruhe lässt, hatte ich mir vorgenommen, ein paar offene Fragen zu klären.

  1. Wo/was ist die Großmoddereiche, auch „Groß Modder Eiche“ geschrieben?
  2. Wo/was ist die Schulenburgseiche/Schulenburgs Eiche?
  3. Auch der südliche Teil von W5 überschneidet sich für ein kleines Stück (siehe Skizze unten), ich muss da schon entlanggelatscht sein, wo ist es?
  4. Wo zum Henker bin ich auf dem Rückweg vom Karlstein zum Parkplatz vom Weg abgekommen – und warum?

Gesagt, getan. Es war Sonntag, und nachdem es am Samstag bei uns geregnet hatte, hielt mich nichts mehr zu Hause, nachdem die Sonne rauskam. Ich packte die Freundin ins Auto, die ich schon über W2 geschleift hatte, fuhr zum gleichen Ort wie neulich und sah mich um.

1) Die „Gross Modder Eiche“ ist eine alte Eiche, die tatsächlich neben dem Parkplatz (Brandheide/Diebeskuhlen) steht, wo wir geparkt hatten. Der Name steht auf einem derart riesigen Findling zu ihren Füßen, dass man das eigentlich nicht übersehen kann. Ohne Worte.
Ja, da wächst Moos am Stamm (und sind die Farben nicht toll?). In Richtung Westen.

 

Quelle: ichmeinerselbst, Klick macht groß!

 

2) Jetzt habe ich auch den „offiziellen“ Weg (W5) genommen, den ich beim letzten Mal ebenfalls großzügig ignoriert hatte (W5 verläuft über den Parkplatz). War kaum länger. Der Wegweiser auf dem Foto weist nach links zum Paul-Roth-Stein (die Strecke, wo es steil und mühselig wird), nach rechts zum Parkplatz und hinter mir zu der großen Kreuzung. Geradeaus geht es nicht so hügelig ebenfalls zum Kiekeberg, wie mir zwei Damen berichteten, allerdings ohne Beschilderung und OHNE NETZ. Sie klangen nur mäßig glücklich 😉
Die „Schulenburgs Eiche“ befindet sich nach allen Karten, die ich zurate gezogen habe, und das waren einige, an besagter Kreuzung, die ich schon das letzte Mal freudig begrüßt hatte. Ich habe keine Ahnung, ob sie das auf den Bildern tatsächlich ist, da stand kein Schild. Aber vielleicht habe ich ja Tomaten auf den Augen – und ja, das ist eine Eiche.

 

Quelle: ichmeinerselbst, Klick macht groß!

 

3) Dieses Waldgebiet ist von vielerlei Wegen durchzogen, und ursprünglich hatten wir gar keine größere Wegstrecke vor und wollten uns bloß bisschen bewegen. Also sind wir dann von der Schulenburgseiche aus den asphaltierten Weg nach Süden gelaufen, in dem sicheren Wissen, dort irgendwann irgendwo auf W5 zu stoßen und somit ein neues Teilstück zu entdecken ;-). Das war auch der Fall, und ich schlug vor, dem Weg erst mal Richtung Karlstein zu folgen und orientierte mich an den gelben Pfeilen (frau lernt). Irgendwann musste mir der Weg doch bekannt vorkommen.

So weit, so korrekt. Der Wegweiser steht auf der Skizze an Punkt A, und dieser Wegweiser, dessen sämtliche Arme mit W5 beschriftet sind, hatte mich schon beim letzten Mal auf dem Rückweg irritiert. Wir tappten dann weiter, bogen an Punkt B korrekt nach Süden (links) ab und ich erkannte den Weg durch den wunderschönen Nadelwald wieder, den ich bereits schon in die andere Richtung gelaufen war und sehr magisch gefunden hatte. Es war sonnig, der Boden war tief und teilweise matschig, es roch unglaublich grün und alle, alle Spaziergänger waren freundlich, rücksichtsvoll und grüßten. Auch die Mountainbiker.

Als wir am Karlstein ankamen (mit bunter Kreide bemalt und von Parteien mit Kindern belagert, kein Foto), drehten wir um und gingen einigermaßen gemütlich denselben Weg zurück. Dass wir dabei zwangsläufig auch das Stückchen zwischen B und A zurücklegten, wurde mir erst zu Hause so richtig klar, als ich auf die Karte starrte, versuchte, meine „innere Karte“ mit Bildern zu bestücken, und mir als Ergebnis ein Kronleuchter aufging und ich die Skizze erstellte. Beim nächsten Mal, denn es wird natürlich ein nächstes Mal geben, werde ich an Punkt B einfach nicht abbiegen. Dass ein Weg weiterführte, habe ich gesehen, klar, aber nicht, dass dort ein Wegweiser stünde geschweige denn ein Pfeil geradeaus, aber diverse nach links/Süden. (Vermutlich erscheinen die beim nächsten Mal auf mysteriöse Art.) Ach ja, es ist so schön. Ich hatte übrigens erwogen, den Beitrag „Irrungen, Wirrungen“ zu nennen …

 

Quelle: ichmeinerselbst, Klick macht groß!

 

4) Und dann passierte es doch tatsächlich: Links tauchte eine Sitzgruppe auf, an die ich mich erinnerte. Vor zwei Wochen hatten dort kichernde Pubertiere gesessen, und ich war stramm mit Dämmerungsfurcht daran vorbeigehastet und irgendwann auf besagter Landstraße gelandet. Dieses Mal entdeckte ich einen winzigen gelben Pfeil an einem Baum. NICHT ETWA EIN FETTES SCHILD: HALLO, W5, HIER BITTE LINKS! Nein, ein Pfeilchen! Und dann noch eins an den Bänken (Foto). Wir bogen nach links ab, fanden uns auf dem Weg wieder, den wir vorhin gekommen waren, dann ein paar hundert Meter später wieder rechts (mit deutlichem Pfeil) ging es einen langen, geraden Abhang hinunter und wir waren auf dem Parkplatz beim Auto. Himmel. So einfach kanns sein.

 

Quelle: ichmeinerselbst, Klick macht groß!

 

Fazit: Ich beschreibe all das in einer derart epischen Breite, weil ich mich in einem Jahr oder so auch noch dran erinnern will. Außerdem ist das die Wahrheit und mein Blog kein glatt gebügelter Wanderführer.
Es klingt ja für euch vielleicht albern, aber die auf der Skizze blau eingezeichneten Teile des Weges fehlen mir noch, und ich werde sie mir erlaufen und beim nächsten Mal vielleicht die Schleife komplett schaffen, man weiß ja nie. Warum? Weil ich es kann. Weil ich möchte. Weil es Spaß macht.  Weil ich einen Narren an der Gegend gefressen habe, auch wenn sie keine nennenswerten Aussichtspunkte bietet, und ich mich in ein glückliches Waldkind verwandele.
Ich bin 14.157 Schritte gegangen, was je nach Schrittzähler 9,2 bis 9,6 Kilometer sind, und bin nach wie vor irrsinnig happy über die Tatsache, dass meine Wanderschuhe bis über den Knöchel reichen, denn dieses Mal war wegen des teilweise ätzend matschigen Bodens Trittsicherheit der anderen Art gefragt. Und jetzt sehen/sahen sie endlich auch benutzt aus … 😉

 

Der frühe Abend fängt den Vogel

Samstagmittag. Ein Herbsttag wie aus dem Bilderbuch, November hin oder her. Sogar der innere Schweinehund erhob keine Einwände. Nichts wie raus! Das Ziel hatte ich schon länger angepeilt: Mein neues Lieblingsgebiet in Sachen Wald, die Harburger Berge, von denen ich euch schon mehrmals vorgeschwärmt habe. Da gibt es den Wanderweg W5, Gesamtlänge 18,8 km, circa in der Hälfte teilbar (offizielle Beschreibung) – an der nördlicheren Hälfte liegt auch der Hasselbrack, ich habe berichtet (hier lesen). 20 Kilometer sind mir noch zu viel auf einmal, also hatte ich beschlossen, ich würde mir diesmal die südlichere Hälfte des Wegs antun und den Karlstein (be-)suchen (Wikipedia). Ein passender Parkplatz (Brandheide) war schnell angepeilt gewesen, es konnte zügig losgehen.

Parkplatz und Wald erwiesen sich als … recht voll. Ich stiefelte los und erreichte tatsächlich nach kurzer Zeit die von mir angepeilte große Kreuzung, an der ich zuvor den Weg halbiert hatte (siehe Bild 1). Wiedererkennungswert: grandios. Here we go – südwestwärts, der Sonne entgegen. Der Wald war herrlich, ich beschloss in einem Anfall von Übermut, nicht den anderen zu folgen, die in recht lauten kleinen und größeren Trupps möglicherweise ebenfalls Richtung Karlstein liefen, und war bald recht allein, von gelegentlichen Pärchen und Mountainbikern abgesehen. Interessant: 4 von 5 haben gegrüßt. Ich schritt dahin, sah ab und an Pilze, ließ sie stehen und fühlte mich wie ein Hobbit, was meine Laune erheblich steigerte. Ich mag Hobbits.

Die Markierungen an den Bäumen bestanden aus allem, nur nicht aus W5 oder gelben Pfeilen. (Die mitgeführte Wanderkarte, die ich inzwischen erstanden habe, ist scheiße, da erkennt man mitnichten genau, wo man ist.) Irgendwann beschloss ich, mich bei Weggabelungen einfach Richtung Sonne zu halten: Irgendwo da würde der Karlstein sein, und irgendwann vorher würde ich auf einen Weg kommen, der mich zu ihm bringt, er ist zu bekannt.

Richtige Annahme. Als ich später an einem großen Feld aus dem Wald trat (ich wüsste gern, ob das einen Namen hat), befand ich mich zur besten Kaffeezeit auf einer viel begangenen »Wanderweg-Schnellstraße«. Wie ich dann mitbekam, war das sowohl der Heidschnuckenweg wie auch der Europäische Wanderweg 1, deren Zeichen überall an den Bäumen prangten. Und an einer Abzweigung stand auch wieder ein wichtigtuender Wegweiser mit W5. Ach, ja, hallo, lange nicht mehr gesehen.

Das nächste Stückchen Weg lief ich mit einer älteren Dame, die am Karlstein geparkt hatte und sich wirklich gut auskannte. Sie machte sich einen Spaß daraus, mir alles Mögliche zu erzählen, und stimmte mit mir darin überein, dass die Beschilderung nicht das Gelbe vom Ei sei – ich meine, ich kenne mich eh nicht aus, weder konkret vor Ort noch in dem, was beim Wandern Usus ist, aber das war bei ihr definitiv anders und somit fühlte ich mich bestärkt.

Der Karlstein, ein großer eiszeitlicher Findling aus Granit bot eine Überraschung. Er war nämlich überaus belebt. DREI Grüppchen, eines feierte Geburtstag mit Happy-Birthday-Girlande und belegte die Bank, eindeutig eine Familie mit mehreren Generationen. Einem war ich unterwegs schon begegnet, vier Pärchen mit diversen Alkoholvorräten und Hund (etwa mein Alter, bitte, ich kann nichts gegen die sagen, die waren total nett, schmissen nichts in die Gegend und boten mir Schokolade an), eines mit einem Bollerwagen, in dem dann aber wohl doch nur Kinder und Gedöns Platz hatten. Und dazwischen ich. Ich setzte mich an den Rand, trank meinen Wasservorrat leer und war nach wie vor bester Laune, bis mir auffiel, was ich schon viel früher auf dem Schirm hätte haben müssen: dass ich erheblich länger durch den Wald getappt war als gedacht, nämlich knapp zwei Stunden. Schön, ich hatte mich nicht beeilt, was solls, der Weg ist das Ziel.

Der Punkt war nur: In einer guten Stunde würde Sonnenuntergang sein. Und ich hatte null Ahnung, wie lange ich zurück brauchen würde, geschweige denn, ob ich mich bei der bekannt exzellenten Beschilderung des Wanderwegs nicht verlaufen würde. In der beginnenden Dämmerung, sprich Nacht. Im Wald. Ohne Ortskenntnisse. Ich bin nicht übermäßig ängstlich, aber ich amüsiere mich gern anders. Zur Not hat das Handy eine Taschenlampenfunktion.

Mein Aufbruch war dann etwas eiliger.

Der Wald war immer noch toll und inzwischen deutlich leerer. Die Markierungen waren ebenfalls deutlich sichtbar. Dachte ich und stürmte fröhlich vorwärts … Ich schwöre, ich habe keine Ahnung, wo genau ich von dem verdammten W5 abgekommen bin, aber jedenfalls stand ich irgendwann auf einer Landstraße (ja, eine für Autos), und wusste, dass das NICHT mein ausgeschilderter Wanderweg war. Und es wurde inzwischen sichtbar dämmriger.

Okay, Straße ist nie schlecht, Plan B wäre gewesen, ihr bis ins nächste Kaff zu folgen und mich von dort aus irgendwie zu meinem Parkplatz durchzuschlagen, wir reden hier von Wegen von maximal zwei, drei Kilometern. Aber ich beschloss, dass es jetzt an der Zeit für Plan A war: Google Maps, hilf! Und, o Wunder: Nicht nur, dass ich schnelles Internet hatte, Google Maps sagte mir auch, dass ich eine Viertelstunde von meinem Parkplatz entfernt sei, und wies mir den (Wald-)Weg. Da lang, bitte!

Ziemlich genau (ich habe es später nachgesehen) als ich mein Auto aufschloss, ging die Sonne unter. Was das angeht, war es vermutlich mein Glück, den Weg zurück verloren zu haben. Ich habe vom Karlstein bis zu meinem Auto eine Stunde gebraucht, was mir beweist, dass ich auf dem Hinweg ganz schöne Umwege gegangen sein muss. Egal, ich hatte Spaß und würde/werde es wiederholen. Ich mag die Gegend.

Fazit: Ich habe meine Herbstfaulheit in Sachen Bewegung etwas in die Schranken gewiesen – und eine neue Rechnung offen, denn den Wanderweg habe ich auf jeden Fall nur in Teilen belaufen. Wo bzw. wo nicht gedenke ich noch herauszufinden. Meine Muskeln haben sich bemerkbar gemacht, auch am Tag danach, und ich bin an diesem Tag 17.394 Schritte gegangen, was je nach Schrittzähler 11,3 bis 11,8 Kilometern entspricht, und möchte mich last but not least immer noch wie blöd über meine Wanderschuhe freuen: Blasen? Bisher Fehlanzeige. Dieses Jahr war bisher ja echt … vielfältig, und die Schuhe sind ein Megagewinn.