Das Schöne vom Tag

Stellt euch vor: einfallende nächtliche Schwärze, die ersten Sterne zeigen sich. Hunderte Menschen sitzen geduldig und gesellig um einen Parksee und warten. Und dann ein freudiges Aaaaaaaah!, als die ersten Fontänen emporschießen, der Wind einen feuchten Sprühnebel herüberweht und die Klänge der „Fanfare for the Common Man“ wie jeden Abend die Zuschauer begrüßen …

Das, ihr Lieben, sind die Hamburger Wasserlichtkonzerte, abends DAS DING in einem unserer schönsten Parks: Planten un Blomen. Eine halbe Stunde farbig angeleuchtete Wasserfontänen, die im Rhythmus der Musik, die dazu knatternd aus den Lautsprechern dringt, steigen, kreisen und fallen. Live gespielt auf der Wasserlichtorgel.

Und mittendrin: Frau Myriade und ich. Gebührend andächtig und verzückt wie alle anderen. Umsonst und draußen. Ein herrlicher Abschluss eines Abends.

 

Wasserlichtkonzert in Planten und Blomen, Hamburg | 365tageasatzadayHandyfoto, ich bitte, ALLES an diesem Bild zu entschuldigen außer dem Motiv 😉

 

Fanfare for the Common Man

Meine Erfahrung lehrt mich, dass der gemeine Hamburger und der, der es werden will, also der Tourist, wasser- und lichtbegeistert ist. Gern in Kombination. Wo drängeln sich die meisten Leute? Na? Richtig, zum Feuerwerk über den Landungsbrücken oder an der Alster. Reinfallen inklusive. Schön, das Geknalle mag dazu beitragen.

Aber um eine ziemlich geile Kombination aus Wasser und Licht zu genießen, muss mensch gar nicht auf diese Highlights warten. Sofern kalendarisch Sommerhalbjahr und das Wetter einigermaßen ist, reicht es, sich Kind und Kegel zu schnappen, sich eine Decke unter den Arm zu klemmen und sich nach Planten un Blomen an den Parksee zu begeben und den Einbruch der Dunkelheit abzuwarten. Und dann beginnen sie. Atemberaubend, umsonst und draußen: die Wasserlichtkonzerte. Seit 1973, was auch schon ganz schön lange ist. Die Musik dagegen wechselt alle zwei Wochen.

Stellt euch Fontänen vor wie in einem Springbrunnen, die abwechselnd bunt angeleuchtet und in der Stärke (= Höhe) reguliert bzw. auch mal gar nicht zugeschaltet werden. Das alles rhythmisch, synchron und live zu Musik vom Band. Ja? Nur dass es nicht 2 oder 3 Düsen sind, auch nicht 10, sondern 99.

An der Wasserlichtorgel, ‚Lichtklavier‘ genannt, „sind 762 Scheinwerfer mit bis zu 500 Watt in Schaltgruppen unterschiedlicher Farbe zusammengefasst. Das Lichtklavier hat allein 95 weiße Tasten. Zwei Pumpen saugen das Wasser aus dem Fontänenbecken an. Durch 99 Wasserdüsen wird das Wasser in virtuosen Formen versprüht. Der Hauptstrahl kann eine Höhe von 36 Metern erreichen.“ (Quelle)

Das Spektakel dauert ca. eine knappe halbe Stunde und beginnt immer mit der „Fanfare for the Common Man“ von Aaron Copland. Nun gibt es heute, 15 Jahre nach 9/11, mehr als genug Gründe, dem „gewöhnlichen Menschen“ eine Fanfare darzubringen. Und obwohl man 9/11-Gerede dieser Tage nicht entkommt, ist es nicht speziell mein Anliegen, daran zu erinnern, das tun andere zu Genüge. Nein, ich war einfach gestern Abend bei wunderbarem Wetter mit meiner Kamera (und ohne Decke zum Draufsitzen, selbst schuld, der Rasen war echt nass) auch wieder mal dort und … bezaubert.

 

Quelle: ichmeinerselbst

 

(Fotografische Anmerkung: Es war dunkel. Also wirklich dunkel, bis auf die Tatsache, dass natürlich rund um den See Laternen stehen. Ich hatte kein Stativ mit und die Kamera auf dem Knie aufgestützt, also habe ich die ISO-Zahl entsprechend hochgedreht und zum Teil die Blende runter. Der Kasten, den man auf einigen Bildern im Vordergrund sieht, ist der Lautsprecher (unbeweglich, scharf), ich habe also nicht gewackelt, sondern die Belichtungszeiten sind für sich schnell bewegendes Wasser einfach zu lang. Sozusagen echte Bewegungsunschärfe. (Wer sich auskennt: Ich war auf der „falschen“ Seite.) Ich habe versucht, zu entrauschen und bisschen zu bearbeiten, aber na ja.)

Hier ist ein Eindruck per Video. Aber nichts schlägt live.

 

 

Man sieht sich!