Weihnachtspause

Ich hatte gerade ein Dejá-vù: Ich könnte meinen letztjährigen Post (wenn auch aktualisiert) fast eins zu eins wiederholen, so wenig hat sich grundlegend geändert. Das hat mich überrascht … 😉

Ihr Lieben, alle Türchen der Adventüden haben sich geöffnet, alle Etüden haben Freude, Entzücken und Entsetzen ausgelöst, haben zu Gelächter und Nachdenken, Trauer, Trost und Staunen eingeladen und ihren krönenden Abschluss gefunden ❤ – so unterschiedlich, so schön.

Und weil vielleicht viele in der Adventszeit nicht dazu gekommen sind, gibt es jetzt hier noch mal die komplette Liste zum Nachlesen. Viel Freude!


27.11.  Alle Jahre wieder
28.11.  Aufruhr im Lehrerzimmer
29.11.  Eine Liebeserklärung der anderen Art
30.11.  Alle Jahre wieder
01.12.  Deine Zeit
02.12.  Schöne Bescherung
03.12.  Nicht alltäglich
04.12.  Advent
05.12.  Wieder ein Weihnachtsdilemma gelöst
06.12.  Der Einbrecher
07.12.  Ein besonderer Adventskalender
08.12.  Das letzte Mal
09.12.  Wieder daheim
10.12.  Der Umweg
11.12.  Eine Liebeserklärung
12.12.  Eine Adventsgeschichte
13.12.  Das Ross
14.12.  C+M+B IV
15.12.  Weihnachten ist nie wie im Bilderbuch
16.12.  Zeitenwende
17.12.  Das Adventsessen
18.12.  Hoppala
19.12.  Ein Weihnachtswunder?
20.12.  Ein unverhofftes Geschenk
21.12.  Gute Nachbarschaft
22.12.  Dritter Besuch
23.12.  Erinnerungen sind wie Sterne
24.12.  Fräulein Honigohrs Weihnachtswanderung


Ich danke euch allen, die ihr Teil der Adventüden wart, aktiv oder passiv, als Schreiber*innen, Kommentator*innen, Leser*innen und Liker*innen. Schön, dass ihr da wart, für euch, für uns alle passiert das hier, ich kann es nur immer wieder wiederholen, deswegen halte ich die Etüden am Leben. Und danke an euch, dass ihr die Arbeit seht, die dahintersteckt.
Frische Begriffe für die Etüden gibt es erst wieder am 8. Januar 2023, ich nehme mir die erste Woche des neuen Jahres noch etüdenfrei.


Mein Blog schlurft jetzt langsam in den Feiertagsmodus und ich mit ihm: Ich schließe ihn nicht, auch zwischen den Jahren nicht, denn natürlich werde auch ich weiter durch die Blogs bummeln, aber ich lasse ihn liegen, bis ich Lust habe, mich darum zu kümmern … ich habe ein großes Bedürfnis nach Wärme und Couch und lieben Menschen, dem schnarchenden Fellträger, meinem Weihnachtsbuch und, und, und.

Kommt gut und gesund an Körper und Seele und entschleunigt durch diese Tage, mögen sie bei euch stressarm und heiter ausfallen, und passt auf euch und eure Liebsten (Menschen und Tiere) gut auf.


Adventüden 2022 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

Die Musik auf der Seite hinter dem Link unten spricht vermutlich nicht jede*n an, aber ich bekomme Gänsehaut beim Hören und finde sie irgendwie heilsam, und das ist bei mir echt selten.

Lichtgebet · Elbcanto & Helge Burggrabe · Text aus der Sufi-Tradition

 

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23.12. – Erinnerungen sind wie Sterne | Adventüden

Agatha schlägt die Augen auf. Ihr Kopf dröhnt, das rechte Bein fühlt sich betonschwer an, im linken Handrücken steckt eine Nadel. Agatha dreht den Kopf. Stöhnt vor Schmerz. Legt ihn zurück. Sie lässt die Augen wandern. Über ihr ein Haltegriff. Neben dem Bett ein Infusionsständer mit einer durchsichtigen Flasche. Tropf, tropf, tropf. Die Wände sind weiß. Ein kleiner Tisch und zwei Stühle stehen an der Wand, darüber hängt ein Kunstdruck. Van Goghs Sonnenblumen. Das Licht brennt. Draußen dunkelt es. Agatha hört ihren Atem, vom Flur schnelle Schritte. Und Klingeln. Immer wieder.

»Wie bin ich hier gelandet?«, fragt sie.

»Du bist von der Leiter gefallen, Gänseblümchen. Beim Aufhängen der Sternenlichterkette.«

Agatha erschrickt. »Gänseblümchen« hat sie nur ihr Papa genannt. Niemand sonst durfte das. Aber Papa ist schon lange tot. Agatha versucht, sich hochzuziehen.

»Bleib liegen, Gänseblümchen, hab keine Angst. Alles ist gut. Du bist bald gesund.«

Agatha lauscht. Schließt die Augen. Bilder tauchen auf. Ein Kaleidoskop bunter Erinnerungsfetzen. Sie sieht sich und ihren Vater beim Aufhängen der Sternenlichterkette. Seit sie in der 1. Klasse war, hat er diese mit ihr am 23. Dezember aufgehängt. Nur mit ihr. Nie mit jemandem anderen. Es war seine Vater-Tochter-Zeit. Nicht einmal in 68 Jahren hat er das ausfallen lassen. So wenig. So wertvoll. Eine Liebeserklärung an sie.

Agatha lässt die Erinnerungen kommen. Sie spürt seine Hand auf ihrem Rücken. Hört sein: »Ich halte die Leiter, einen Sturz wollen wir nicht.« Sie erinnert sich an jeden einzelnen Vorweihnachtsabend. Sieht sie sich an. Lässt sie vorbeiziehen.

Agatha spürt das Lächeln, das sich auf ihrem Gesicht breitmacht. Ihr wird ganz leicht. »Papa«, flüstert sie.

»Ich bin bei dir, Gänseblümchen. Immer.«

Agatha lauscht. Macht das Licht aus. Ihr Blick wandert zum Fenster. Sternenglanz fällt ins Zimmer.

»Danke, Papa, deine Lichterkette ist besonders in diesem Jahr.«


Autor*in: Judith                    Blog: Mutigerleben.de


Adventüden 2022 23-12 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Adventskalender, Dezemberdilemma, Eintopf, Gebäckdose, Hefe, Lametta, Laubsäge, Liebeserklärung, Kreuzkümmel, Kulturschock, Sternenglanz, Sturz, Taschentuch, Tunichtgut, Weihnachtsputz.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2022, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

20.12. – Ein unverhofftes Geschenk | Adventüden

Früher war mehr Lametta«, sagte Opa Hoppenstedt, und Karin schaltete ihren Fernseher aus. Nicht mal das Weihnachtsprogramm konnte sie dieses Jahr in Stimmung bringen. Sie hatte alles versucht, vom Keksebacken über Weihnachtsputz bis hin zu schnulzigen Weihnachtsliedern. Dieses Jahr Weihnachten war alles scheiße. Letzten Monat hatte ihre Freundin sie verlassen, dann hatte ihr Arbeitgeber ihr statt Schokolade eine Kündigung zum Nikolaus geschenkt und jetzt war auch noch der Corona-Test positiv.

Karin fühlte sich wie ein Versager und biss abwechselnd in ein Stück Schokolade und schnäuzte sich in ein Taschentuch. »Toller Heiligabend«, brummelte sie und beschloss, ins Bett zu gehen. Warum sollte sie wach bleiben? Es war niemand hier, mit dem sie Geschenke tauschen konnte oder der mit ihr Kartoffelsalat mit Würstchen aß. Alleine war Weihnachten einfach doof.

Morgens wurde sie von einem Poltern geweckt. Verängstigt schnappte sie sich einen Metallbügel und pirschte sich Richtung Flur. Weder im Flur noch im Bad sah sie etwas, also näherte sie sich vorsichtig dem Wohnzimmer. Zu ihrer Erleichterung stellte sie fest, dass auch dort niemand war. Müde ließ sie sich auf die Couch plumpsen. Erst mit dem zweiten Blick fiel ihr auf, dass sich ein Geschenk unter dem Weihnachtsbaum befand. Waren ihre Eltern heimlich in die Wohnung geschlichen?

Sie suchte nach einer Karte, fand aber keine, also öffnete sie das Päckchen. Der Karton war leer bis auf einen kleinen Umschlag, auf dem stand: »Für ein neues Leben – Umschlag öffnen.«
Karin wollte lachen, aber irgendetwas sagte ihr, dass dies kein Witz war. Sie verharrte einige Minuten auf den Umschlag starrend, dann, einer Eingebung folgend, riss sie den Briefumschlag durch und schmiss ihn in den Papiermüll. Eigentlich war ihr Leben ganz okay. Sie brauchte nur einen neuen Job und eigentlich kam sie auch ganz gut alleine klar.


Autor*in: Katharina                    Blog: Katha kritzelt


Adventüden 2022 20-12 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Adventskalender, Dezemberdilemma, Eintopf, Gebäckdose, Hefe, Lametta, Laubsäge, Liebeserklärung, Kreuzkümmel, Kulturschock, Sternenglanz, Sturz, Taschentuch, Tunichtgut, Weihnachtsputz.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2022, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

19.12. – Ein Weihnachtswunder? | Adventüden

CN: Diese Adventüde geht anders aus, als es zuerst scheint. Versprochen 😉

 

Der Weihnachtsputz würde dieses Jahr ausfallen. So viel stand jedenfalls fest. Sie sah gedankenverloren dem Schneetreiben vor dem Fenster zu. Nach dem Sturz war nämlich alles anders. Und das musste irgendwie wieder gerade gebogen werden. Sie schmunzelte kurz ob der Analogie dieser Worte und widmete sich dann erneut geflissentlich den nunmehr nur noch kleineren Näharbeiten. Von der groben Arbeit zuvor zeugte noch immer die blutige Laubsäge, die an der Wand lehnte. »Fürs Säubern ist später noch Zeit«, murmelte sie leise vor sich hin, um dann mit den letzten Nadelstichen das Werk zu vollenden. Sie beäugte noch einmal den leblosen Körper, der vor ihr auf der Werkbank lag. »Dies ist meine Liebeserklärung an dich!«, intonierte sie selbstbewusst.

Ihr Blick ging zur alten, tickenden Holzstanduhr, die hier unten im Kellerabteil die gefliesten Wände verzierte. Sie drehte sich auf dem Absatz um, stieg die Stufen zur Küche hinauf, ging zum Gasherd und öffnete den Deckel des heiß dampfenden Kochtopfs. Die Klöße, die sie zuvor sorgsam und liebevoll aus Hefe zu gleich großen Kügelchen geformt hatte, köchelten vor sich hin. Es roch intensiv. »Ich habe nie verstanden, warum du unbedingt Kreuzkümmel mit an diesen Eintopf haben wolltest«, sprach sie in den blubbernden Topf hinein. »Aber es ist dein Lieblingsgericht und du wirst sicher hungrig sein, wenn du aufwachst.« Sie drehte den Temperaturregler ein wenig hinunter und ging langsam zurück in den kalten Keller.

Sie überprüfte ein letztes Mal die Kabelverbindungen, die den Körper mit der Starkstromanlage verbanden und lachte dabei laut auf, weil ihr bewusst wurde, dass die Aktion den Nachbarn ringsum gleich die beleuchtete Weihnachtsdeko komplett abfackeln würde, und nickte zufrieden. Alles schien perfekt vorbereitet. Vielleicht geschieht doch ein Weihnachtswunder und es wird alles wie früher, dachte sie hoffnungsvoll und drückte den Knopf. Die Reanimation konnte beginnen.


Autor*in: Stepnwolf                    Blog: Weltall. Erde. Mensch…und Ich.


Adventüden 2022 19-12 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Adventskalender, Dezemberdilemma, Eintopf, Gebäckdose, Hefe, Lametta, Laubsäge, Liebeserklärung, Kreuzkümmel, Kulturschock, Sternenglanz, Sturz, Taschentuch, Tunichtgut, Weihnachtsputz.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2022, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

16.12. – Zeitenwende | Adventüden

Dunkelheit lag über der Stadt und vereinzelt versuchten Sterne, das schwarze Schweigen ein wenig zu erleuchten.

Das Dezemberdilemma bestand längst nicht mehr darin, die grellen Leuchtreklamen in den Schaufenstern zu ertragen oder die unzähligen Weihnachtsmärkte abzuklappern, um für alle das passende Weihnachtsgeschenk zu finden. Das »Süßer die Kassen nie klingeln …« gehörte in Deutschland inzwischen der Vergangenheit an.

In vielen privaten Gebäckdosen, sonst übervoll mit duftenden Weihnachtskeksen, herrschte eine Flaute. Das jährlich geplante Weihnachtsmenü mit fetter Weihnachtsgans, Kartoffelklößen sowie Grün- und Rotkohl als schmackhafte Beilagen war auf vielen Einkaufszetteln zu einem erschwinglichen Eintopf zusammengeschrumpft.

Geld und Güter des täglichen Bedarfes waren knapp geworden. Kriegsschauplätze, Umweltkatastrophen und Krankheiten forderten ihren Tribut und zwangen die Menschen zu einem gewaltigen Umdenken.

Tatjana und ihr Sohn Dima saßen auf dem zerschlissenen Sofa, kuschelten sich unter einer dicken Wolldecke aneinander, um einander zu wärmen. Ein halbes Jahr lebten sie nun in Deutschland, dem sinnlosen Krieg in der Heimat knapp entkommen. Den Kulturschock hatten sie gut überwunden, sie lernten fleißig und miteinander die deutsche Sprache. Sie waren überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Menschen in ihrer Nachbarschaft, die sie mit offenen Armen aufgenommen und mit allem, was sie zum Über-Leben brauchten, unterstützt hatten.

Tatjana hatte sich den Weihnachtsputz nicht nehmen lassen und die kleine Zweizimmerwohnung, eine Einliegerwohnung in einem brandenburgischen Dorf nahe der Berliner Stadtgrenze, mit duftenden Tannenzweigen aus dem Wald geschmückt.

Sie wartete sehnsüchtig auf Denys, ihren Mann, der eine Möglichkeit zur Flucht gefunden hatte, und betete, dass er bald kommen und seine kleine Familie zu Weihnachten in die Arme schließen konnte. Egal, wo auf der Welt, die Hauptsache war, dass sie wieder zusammen sein und miteinander leben konnten. Sie betrachtete die einzige Kerze auf dem kleinen Küchentisch. Am Weihnachtsabend würde sie brennen und mit dem Sternenglanz des Himmels wetteifern. Daran glaubte sie ganz fest.


Autor*in: Anna-Lena                    Blog: Meine literarische Visitenkarte

Anna-Lena kann sich momentan aus privaten Gründen nicht um ihren Blog kümmern. Das Leben hält sich nicht an Pläne, ihr kennt das sicher alle.


Adventüden 2022 16-12 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Adventskalender, Dezemberdilemma, Eintopf, Gebäckdose, Hefe, Lametta, Laubsäge, Liebeserklärung, Kreuzkümmel, Kulturschock, Sternenglanz, Sturz, Taschentuch, Tunichtgut, Weihnachtsputz.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2022, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

05.12. – Wieder ein Weihnachtsdilemma gelöst | Adventüden


»Wie wirst du, Hinrich, dieses Jahr
(Bei uns wars letztens wunderbar!)
Das heilge Weihnachtsfest verbringen?
Hol schon mal raus den Weihnachtsputz!«
So spricht zu Hinrich sein Freund Lutz.

»Ich werde meinen Weihnachtsabend,
Mich an einem Eintopf labend,
In der Lichtung bei den Rehen
Unterm Sternenglanz begehen.«
So spricht der Hinrich und schweigt still
Weil er mehr nicht sagen will.

»Kreuzkümmelschock und zugenäht
Was ist, wenn Wind von Westen weht?
Der bringt dann Regen, oder Schnee
Du wirst arg friern, Herrjeminee!
Sei klug und mach’s wie alle Leute
Es allzeit tun und so auch heute:

Kauf euch eine hübsche Tanne
Hänge viel Lametta dranne
Fülle ein paar tolle Lose
In die olle Gebäckdose
Mach auch selbst den Weihnachtsmann
Damit dein Kind sich freuen kann.«

»Νee, ich brauch kein’ Weihnachtsputz«,
Sagt der Hinrich nun zum Lutz.
»Seit dem Krach im letzten Jahr
Sind Trud und ich nicht mehr ein Paar

Den Kleinen hat sie mitgenommen
Ihn zu erziehn zu einem frommen
Benimmdichkind und Weihnachtsengel
Bei mir würd er, sagt sie, ein Bengel
Ein Tunichtgut und Querulant
Für ihre Sippe eine Schand.«

Der Lutz denkt nach: »Du weißt doch, dass
zum Weihnachtsfest gilt Schulderlass!
Schreib Trud und sag ihr, dass du sie
Nur liebst von Herzen, dass du nie
Mit andern Weibern rumgemacht
Und dass du in der Heilgen Nacht

Wirst kümmerlich und ganz allein
(Anstatt mit ihr und Sohn zu drein)
Im Walde hocken bei den Rehen.
Das wird ihr sehr zu Herzen gehen.
Bestimmt gewährt sie dir Bewährung
Und schickt dir gleich ne Liebeserklärung.

Die Weiber, glaub mir, lieben die Versöhnung
Und was noch eben aussah nach Verhöhnung
Wird über Nacht zu köstlicher Verwöhnung.«

So war es dann. Ein Taschentuch
war für die Tränen nicht genuch,
die Trud vor Rührung hat vergossen
während sie den Sekt genossen.


Autor*in: Gerda                    Blog: Gerda Kazakou


Adventüden 2022 05-12 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Adventskalender, Dezemberdilemma, Eintopf, Gebäckdose, Hefe, Lametta, Laubsäge, Liebeserklärung, Kreuzkümmel, Kulturschock, Sternenglanz, Sturz, Taschentuch, Tunichtgut, Weihnachtsputz.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2022, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

30.11. – Alle Jahre wieder | Adventüden

T: Nun, wie geht es Ihnen heute?

O: Wie soll es mir denn schon gehen? Heute ist der 30. November. Morgen wird das erste Türchen des Adventskalenders geöffnet. Das bedeutet, dass morgen wieder das Dezemberdilemma beginnt.

T: Übertreiben Sie da nicht ein wenig?

O: Übertreiben? Keineswegs! Niemand wird gerne in den Eintopf geworfen.

T: Sie meinen in einen Topf?

O: Nein, meine ich nicht. Sie haben mir gedroht, einen Eintopf aus mir zu machen.

T: Oh!

O: Ja, mit Kreuzkümmel und Petersilie.

T: Aber Sie sagten, es wäre schon besser geworden.

O: Ja, sicher. Früher haben sie mich wie einen Tunichtgut einfach davon gejagt. Es wäre für die Menschen ein Kulturschock, wenn ich zur Weihnachtszeit auftauchen würde.

O schnieft in sein Taschentuch.

T: Das tat sicher weh.

O: Es war wie der Sturz in ein finsteres Loch.

T: Aus dem Sie aber wieder entkommen sind.

O: Irgendwann durfte ich mich ja dann wenigstens am Weihnachtsputz beteiligen und habe tagelang Sägespäne der Laubsägen in der Schwibbogenproduktion weggefegt. Immerhin!

T: Aber inzwischen sind Sie doch noch besser integriert, oder?

O: Letztes Jahr durfte ich sogar die Gebäckdosen mit Keksen füllen. Mit Gebäck kenne ich mich ja aus, also mit Hefegebäck eigentlich.

T: Das ist doch schon ein Erfolg. Aber Sie würden sich gerne noch mehr einbringen, oder?

O: Ja! Seit ich Weihnachten kenne, möchte ich zur Weihnachtszeit die ganze Welt mit Lametta behängen, damit sie in diesen herrlichen Sternenglanz getaucht wird, der bis in die Herzen der Menschen strahlt.

T: Das klingt wie eine Liebeserklärung an das Weihnachtsfest. Haben Sie schon einmal daran gedacht, dem alten Mann davon zu erzählen, wie sehr es Ihnen ans Herz geht?

O schüttelt schniefend seinen Kopf.

T: Wäre das vielleicht einen Versuch wert?

O nickt. Erst leicht, dann so sehr, dass seine langen Ohren wackeln.


Autor*in: Christian                    Blog: Wortverdreher


Adventüden 2022 30-11 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Adventskalender, Dezemberdilemma, Eintopf, Gebäckdose, Hefe, Lametta, Laubsäge, Liebeserklärung, Kreuzkümmel, Kulturschock, Sternenglanz, Sturz, Taschentuch, Tunichtgut, Weihnachtsputz.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2022, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

Weihnachtspause

Es ist passiert: Alle Türchen der Adventüden haben sich geöffnet, alle sind bejubelt und/oder beweint worden, haben Freude, Entzücken und Entsetzen ausgelöst, haben zu Gelächter und Nachdenken eingeladen. So unterschiedlich, so schön.

Und weil das so ist, gibt es jetzt hier noch mal die Liste zum Nachlesen, falls ihr was verpasst habt.

28.11. Mirakel
29.11. Trau, schau, wem …
30.11. Fahrt ins Ungewisse
01.12. Eistee statt Glühwein
02.12. Ein ganz besonderes Lachen
03.12. Die unergründliche Welt der Mathematik
04.12. C+M+B III
05.12. Marzipanschweine
06.12. Das erste Mal
07.12. Fernweh
08.12. Glitzerstadt
09.12. Vanillekipferlflocken
10.12. Seine Mutter
11.12. Monster-Weihnachten
12.12. Weihnachtskonzert
13.12. Ein unerwartetes Treffen im Park
14.12. Auf der Bank
15.12. der weg scheint weit
16.12. Stille Nacht
17.12. Das Wesentliche
18.12. Stille Nacht
19.12. Fräulein Honigohr und die Weihnachtsfeier
20.12. O du Schreckliche
21.12. Das andere Weihnachtsfest
22.12. Der Doppelgänger
23.12. Ich wollte doch nur den Baum holen
24.12. Nacht der Wunder

Ich danke allen, die Teil der Adventüden waren, aktiv oder passiv, als Schreiber*innen, Kommentator*innen, Leser*innen und Liker*innen. Schön, dass ihr da wart, für euch, für uns alle passiert das hier. Frische Begriffe für die Etüden gibt es wieder am 2. Januar 2022, ich zähle auf euch.


Mein Blog geht jetzt langsam in den Feiertagsmodus: Ich mache ihn nicht zu, auch zwischen den Jahren nicht, denn natürlich werde auch ich weiter durch die Blogs bummeln, aber ich lasse ihn liegen, bis ich Lust habe, mich darum zu kümmern … ich habe ein großes Bedürfnis nach Wärme und Couch.

Kommt gut und heil und entschleunigt durch diese Tage, mögen sie bei euch stressfrei und geruhsam ausfallen, und passt auf euch auf.

 

Weihnachtskarte 2021 | 365tageasatzaday
Quelle: ich meiner selbst, aber so was von!

 

Adventüden 2021 23-12 | 365tageasatzaday

23.12. – Ich wollte doch nur den Baum holen … | Adventüden

Schaaa-haaa-tz?« echot es durch den Flur, als ich am 23. Dezember den Weihnachtseinkauf in drei Tüten aus recycelten Einwegflaschen umsichtig durch die Wohnungstür wuchte. Klar, dass ich vor lauter Bratäpfeln und Marzipan trotzdem irgendwie den Kartoffelsalat vergessen habe. Ob ich nochmal losgehen sollte? Oder müsste?
So ziehen die Gedanken durch mein Hirn, als ich mit der viel wichtigeren Frage konfrontiert werde: »Schaaa-haaa-tz? Kannst du dann bitte gleich mal den Baum aus dem Keller holen und aufstellen? Ach ja, und bring auch den Weihnachtsschmuck mit. Ja, alle einundzwanzig Kisten! Du wirst mehrmals gehen müssen!«

Ich ringe mir ein freundliches »Logisch, ich stelle nur kurz den Einkauf hin!« ab, und setze mich in Bewegung.

Aber an der Stelle, an der ich normalerweise die Taschen ablade, stehen vier unterschiedlich große Teller mit Weihnachtsmotiven und Katzenfutter. Vier! Vier? Warum auch immer. Na gut, räumen wir sie in die Spüle. Das geht nun nicht, denn diese ist voller Backutensilien, die nach dem Keksherstellungsgroßeinsatz auf die Waschung warten. Gut, räumen wir also zuvor die Küche auf. Die leere Packung Eistee in den gelben Sa… wo ist der Eimer dafür?

»Im Bad! Ich musste den auswaschen! Der roch nach Katzenfutterdosen! Wann holst du den Baum?«

»Halb-bald bis mittel-gleich!« antworte ich weise, um etwas Zeit und vorher den Eimer aus dem Bad zurückzugewinnen. Doch über den Eimer hat das Schicksal die Weihnachtstischdecke nach dem Schonwaschgang ausgebreitet, die dort trocknete und jetzt erst mal gebügelt werden muss. Wie lange war ich eigentlich einkaufen?

Um an das Bügeleisen zu kommen, muss ich noch flink das Regal im Flur durchforsten, aus der Kammer mit dem klemmenden Schloss die Verlängerungsschnur holen, dann außerdem … eine Stunde später liege ich aus unerfindlichen Gründen hinter dem Sofa mit einem Zollstock in der Hand und richte das Laminat.

Nur der Baum steht immer noch nicht.


Autor*in: René                                Blog: BerlinAutor

 

Adventüden 2021 23-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Aktentasche, Bratapfel, Doppelgänger, Eistee, Geborgenheit, Glitzer, Kartoffelsalat, Kekse, Kopfzerbrechen, Marzipan, Partitur, Schneeregen, Sehnsucht, Sturmwolkenblau, Weihnachtsschmuck

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2021, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

Adventüden 2021 21-12 | 365tageasatzaday

21.12. – Das andere Weihnachtsfest | Adventüden

Wir waren eingeladen wie die Jahre zuvor. Der begüterte Zweig der Familie lud zum piekfeinen Weihnachtsessen. Lustig und fein? Nein, vielmehr eine Zurschaustellung von Reichtum und Dekadenz, was die werte Verwandtschaft an den Tag legte. Die Tante hatte einen reichen Mann geheiratet, niederer Adel zwar, aber immerhin Adel. Die gesamte Familie sollte zusammenkommen, die Schwestern der Tante, es waren ihrer insgesamt drei, deren Kinder (dazu zählte ich), Partner, Kindeskinder. Es wuselte nur so. Die adelige Familie saß wie üblich im heimeligen Prunksaal, der Rest im angrenzenden Speisesaal, immer noch prächtig, aber längst nicht so gemütlich. Ein Unterschied musste schließlich sein. Sie hatte eingeladen, aber all diese Mäuler zu stopfen bescherte ihr Kopfzerbrechen, denn der reiche Onkel war längst nicht mehr so reich wie früher.

Es dauerte eine Ewigkeit, bis irgendwer trockene Kekse herumreichte, das versprochene Festessen ließ auf sich warten. Keiner wusste, ob der unbezahlte Koch das Geschirrtuch hingeschmissen hatte oder etwas anderes schuld war. Die Kinder wurden quengelig und die Erwachsenen murrten.

Die Tante gab sich unbeirrt arrogant, beklagte Undankbarkeit, es wäre doch ein wunderbares Fest. Der Missmut nahm zu und lange schwelende Konflikte brachen hervor.

Ich, normalerweise die Vernünftige, hatte genug von dem Tamtam, verabschiedete mich und erklärte, dass ich nach Hause führe und den Grill anheizen würde. Es war Dezember, der Schnee lag hoch, man hielt mich für verrückt. Aber verrückter als die neureiche Tante konnte ich wohl auch nicht sein.

Der Großteil der Familie schloss sich an, wir verließen das Herrenhaus, es reichte uns. Jemand organisierte Kartoffelsalat, andere brachten Bratäpfel und Marzipan. Diverses Grillgut fand seinen Weg auf meine Terrasse. Sturmwolkenblau leuchtete der nächtliche Himmel über uns, die angezündeten Fackeln spendeten schwaches Licht, die Kinder tobten im glitzernden Schnee. Wir sangen Weihnachtslieder, zitterten dabei vor Kälte und tranken Glühwein.

Es war das allerschönste Weihnachtsfest aller Zeiten!


Autor*in: Veronika                        Blog: vro jongliert

 

Adventüden 2021 21-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Aktentasche, Bratapfel, Doppelgänger, Eistee, Geborgenheit, Glitzer, Kartoffelsalat, Kekse, Kopfzerbrechen, Marzipan, Partitur, Schneeregen, Sehnsucht, Sturmwolkenblau, Weihnachtsschmuck

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2021, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

Adventüden 2021 18-12 | 365tageasatzaday

18.12. – TRIGGERWARNUNG | Stille Nacht | Adventüden

CN: Tod; Gewalt; Missbrauch (nicht explizit).
Diese Adventüde geht nicht gut aus. Gar nicht gut.

 

24.12.2007, erster Ferientag in Berlin, Georgina wacht auf, der Duft warmer Bratäpfel steigt ihr in die Nase, ihre Oma ist schon lange in der Küche zugange, trifft die letzten Vorbereitungen zum Fest, sie sitzt am Küchentisch und bereitet den Kartoffelsalat zu, den es bei ihnen traditionell am Heiligen Abend gibt.

Ein Blech mit Omas Keksen, gefüllt mit Marzipan, steht schon bereit, in den Backofen zu wandern.

Georgina, das Nachthemd unter dem flauschigsten aller Bademäntel verborgen, holt die Partitur der 21 schönsten Weihnachtslieder aus der Aktentasche für die Klaviernoten, setzt sich ans Pianino und spielt das Gloria der Engel; sie freut sich so, Weihnachten hat, trotz ihrer beginnenden Pubertät, nichts von seinem Zauber verloren.

»Georgina, Liebes, sei so gut und hol den Weihnachtsschmuck aus dem Keller, ja!«, ruft die Oma aus der Küche.

Georgina schlüpft in die Puschen, läuft durchs Treppenhaus hinunter zur Hoftür, der Keller liegt auf der anderen Seite des Hinterhofes, sie blinzelt durch den leichten Schneeregen gen Himmel, der Sturmwolkenblau trägt, es wird heute draußen noch sehr ungemütlich werden.

Im Keller trifft sie Herrn Gennaro, ein Nachbar, den alle den stillen Herrn Gennaro nennen, ein ruhiger, freundlicher, kleiner, unscheinbarer, älterer Herr, er bittet Georgina, ihm eine Kiste von seinem obersten Regelbrett zu holen.

Sein Keller ist wohnlich eingerichtet, mit einem alten Sofa voller Decken und einem Couchtisch, auf dem eine Flasche Eistee steht; ruhig sagt der stille Herr Gennaro zu Georgina, dass sie sich ausziehen und aufs Sofa legen soll, in dessen Richtung er sie sanft drückt.

Als Georgina anfängt, kreischend um Hilfe zu rufen, legt Herr Gennaro seine Hände um ihren Hals und drückt zu.

Das Letzte, was Georgina fühlt, ist die Sehnsucht nach der Geborgenheit ihrer Oma, das Letzte, was sie »sieht«, ist eine Art Glitzer.

Ihr spurloses Verschwinden wird der Kripo 14 Jahre Kopfzerbrechen bereiten.


Autor*in: Bernd                              Blog: Red Skies over Paradise


Wesentliche Teile dieser Adventüde sind fiktiv, der Fall, der sie inspirierte, ist es nicht: Über ihn wurde bei Aktenzeichen XY berichtet. Der Link (hier klicken) führt zu einer XY-Seite einer Privatperson und bietet einen kurzen Abriss.

Nach dem großen Zuspruch zu Kains Adventüde hat Bernd mir eine Seite genannt, die Opfer aus dem Sexualstrafrecht unterstützt: Hier klicken. Ich wiederum möchte daran erinnern, dass ich in meinem unter jeder Adventüde verlinkten „Inhaltshinweise“-Eintrag (hier klicken) auch Anlaufstellen bei Problemen aufführe, nur falls ihr jemanden kennt … mensch weiß ja nie.

 

Adventüden 2021 18-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Aktentasche, Bratapfel, Doppelgänger, Eistee, Geborgenheit, Glitzer, Kartoffelsalat, Kekse, Kopfzerbrechen, Marzipan, Partitur, Schneeregen, Sehnsucht, Sturmwolkenblau, Weihnachtsschmuck

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2021, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

Adventüden 2021 11-12 | 365tageasatzaday

11.12. – Monster-Weihnachten | Adventüden

Sie wollen mich interviewen, für Ihren Artikel »Weihnachtliche Arbeitsbedingungen«? Da sind Sie bei mir genau richtig. Sie meinen also, dass unsereiner ohnehin nur rund zwei Wochen im Jahr arbeite und es daher keinerlei Anlass zu Klagen geben könne? Sie haben ja nicht die leiseste Ahnung von unseren Arbeitsbedingungen!

Als ich noch ganz jung war und keinerlei Erfahrungen hatte, landete ich in einem privaten Haushalt und dachte, ich hätte Glück gehabt und würde ein Minimum an Geborgenheit vorfinden. Was für ein Irrtum! Ich hatte ja keine Ahnung, aus welchen Monstern dieser Haushalt bestand.

Während der Weihnachtsfeier selbst war es noch nicht so schlimm, denn zu diesem Zeitpunkt standen meine Kollegen und ich nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit. Aber ab dem nächsten Tag war die Schonfrist vorbei. Die Kinder – das ist so eine Art kleinerer Monster – taten mit unsereinem etwas, das sie »spielen« nannten. Es handelt sich dabei um Beschädigungen bis zum Tod. Nein, ich bin nicht zu dramatisch, genügend Opfer habe ich gesehen.

Dann gab es da die Mutter, die Erzeugerin der kleineren Monster. Offiziell aß sie keine Schokolade, aber nachts schlich sie zum Weihnachtsbaum, riss die essbaren Teile herunter und verschlang sie vor unseren Augen. Grauenhaft!

Der größte Schrecken aber war ein weiteres Familienmitglied, das anders aussah als die übrigen, aber ebenso todbringend  war. Nach der ersten Begegnung hatte ich solche Angst, dass mein Glitzer speigrün wurde. Kein sehr erhebender Anblick. Dieses Wesen pflegte mit Körperteilen, die »Samtpfoten« genannt wurden, auf uns einzudreschen, dass uns Hören und Sehen verging. Die anderen Monster lachten dazu.

Nach diesem Arbeitsplatz musste ich mich sechs Monate lang in Behandlung begeben. Sie sehen, die zwei Wochen Arbeitszeit sind sehr relativ, wenn man bedenkt, dass wir an jedem einzelnen Tag Leib und Leben riskieren.

Deswegen bin ich heute auch Vorsitzende der Weihnachtsschmuckgewerkschaft, Abteilung Kugeln.


Autor*in: Myriade                         Blog: La parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

 

Adventüden 2021 11-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Aktentasche, Bratapfel, Doppelgänger, Eistee, Geborgenheit, Glitzer, Kartoffelsalat, Kekse, Kopfzerbrechen, Marzipan, Partitur, Schneeregen, Sehnsucht, Sturmwolkenblau, Weihnachtsschmuck

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2021, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.