13 – Das Geschäftsmodell der Mitzi-Tant | Adventüden

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Das Geschäftsmodell der Mitzi-Tant (Myriade, la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée)

 

Um die Weihnachtszeit geht doch nichts über Vanillekipferl. Es gibt sie zwar im Handel schon fast zu jeder Jahreszeit, aber die ab Mitte Dezember hausgemachten sind nicht zu übertreffen. Vor allem die von der Mitzi-Tant nach dem alten Familienrezept. Die Mitzi-Tant, eine in vielen Sparten erfolgreich tätige Dame, betreibt mit ihren Vanillekipferln einen blühenden Handel ohne irgendwelche Berührungsängste mit »Weihnachtszauber« genanntem Kitsch.

Ihr Verkaufsstand auf dem im Advent ungemein beliebten Wiener Spittelberg gehört zu den angesagten, denn sie hat es irgendwie geschafft, in einem Christkindlmarktführer für Touristen erwähnt zu werden. Den Spagat zwischen den angepriesenen klassischen Vanillekipferln nach ererbtem Rezept und dem Massentourismus schafft die Mitzi-Tant spielend. Die Qualität ein bisserl senken, den Preis ein bisserl anheben und geht schon, wie man in Wien sagt.

Die Vanillekipferl liegen in Blechdosen, die mit weihnachtlichen Motiven geschmückt sind, also Tannenzweigerl und Kerzerl und Glockerl und Engerl. Rentiere und der Cola-Mann kommen der Mitzi-Tant nicht auf die Dosen, sie bevorzugt althergebrachte Motive. Die verkaufen sich auch wunderbar. Dazwischen weihnachtliche Teekannen mit besonders barocken Engerlfiguren oder etwas Ähnlichem, die eine ihrer weniger künstlerisch begabten Freundinnen mit einer Vorliebe für Botero getöpfert und bemalt hat. Hin und wieder verkauft sich auch eine von den Kannen. Wenn die Künstlerin es nicht hören kann, bewirbt die Mitzi-Tant die Teekannen auch als Vasen oder Luftbefeuchter. Man kann ihr nicht vorwerfen, sich nicht um ihre Freundinnen zu kümmern.

Auch ihre Kunden sind ihr durchaus nicht egal. Hiobsbotschaften kommentiert sie immer sehr mitfühlend:
Was? Ein Stück Holz im Kipferl? Zahn ausgebissen? Das tut mir aber wirklich leid!
O je! Nussallergie? Erst 37? Wer hätte das geahnt?!
Echt, der nette Herr von vorhin? Zuckerschock? Wie schrecklich.

»Weihnachten ohne Vanillekipferl, undenkbar« sagt die Mitzi-Tant und lässt sich ein tatsächlich von ihr selbst nach dem alten Rezept produziertes Vanillekipferl auf der Zunge zergehen.

 

Adventüden 2019 13 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Weihnachtsmarktauswüchse – Sonntag, 7. Dezember 2014

Prinzipiell bin ich bei organisierten Fröhlichkeiten immer zurückhaltend, je betrunkener, desto mehr. Weihnachtsmärkte bilden keine Ausnahme, und ich kann euch versichern, von beidem ist Hamburg zurzeit voll. Gestern allerdings hatte ich Besuch.
Zu zweit sieht alles anders aus, also stippvisiteten wir den „Nachhaltigen Weihnachts-Werkmarkt am Wälderhaus“ in Wilhelmsburg (überwiegend Kunsthandwerk, überwiegend drin, leider sehr spärlich besucht) und beschlossen dann, uns doch die volle Dröhnung zu gönnen und in die Innenstadt zu fahren, um nikolausige Mitbringsel zu erstehen.

Am Anfang sah ja alles trotz unzähliger dänischer Reisebusse auf dem Ballindamm („Jul i Hamborg 1 dag„) noch ganz nett aus. Die Binnenalster und damit die auch die weihnachtliche Alstertanne werden nicht umsonst als „Hamburgs gute Stube“ bezeichnet.

Alstertanne, Hamburg, Binnenalster – 365tageasatzaday

Schlimmer (und voller) wurde es, als wir uns dann dahin begaben, wo traditionell der Bär tobt bzw. der Weihnachtsmann fliegt|fährt und man sich zumindest am Wochenende nur vorwärtsschieben kann: den so genannten historischen Weihnachtsmarkt vor dem Hamburger Rathaus.

Weihnachtsmarkt, Hamburg – 365tageasatzaday

Wer sich auskennt sieht vielleicht: wir stehen da noch am Rand des Geschehens. Wir sahen, drehten dann in stillem Einvernehmen ab und huschten außen vorbei, entgingen ungezählten Gruppen und Grüppchen fröhlich-lauter und immer fröhlicher werdender Weihnachtsmarktbesucher|innen. Schon hier ist klein zu sehen, was sich später noch extremer fortsetzte: ein Trend zu Auswüchsen (meist farblicher Natur), gern auch leuchtend, auf dem Kopf.

Weihnachtsmarkt, Hamburg – 365tageasatzaday

Nun ist der Hamburger Weihnachtsmarkt nicht gerade lichtarm.

Weihnachtsmarkt, Hamburg – 365tageasatzaday

Am Anfang hielt ich die Mützchen für Erkennungszeichen von Gruppen. Man verliert ja sonst so leicht den Überblick, da ist es schon besser, wenn alle blinkende Geweihe (nein, ich habe kein Foto davon, es war zu dunkel) auf dem Kopf haben. Oder so. Außerdem ist man ja unterwegs, um sich zu amüsieren. Da ist es nicht so wichtig, wie man aussieht. Vermute ich.

Weihnachtsmarkt, Hamburg – 365tageasatzaday

Wahrscheinlich fehlte uns aber nur die richtige (sprich: überhaupt eine) Menge an Glühwein o. ä., um das richtig zu verstehen. So ein Pech aber auch. Wir sind dann jedenfalls wieder von dannen gezogen, beschwingt durch Schmalzkuchen und die oben erwähnten Nikolausgeschenke.

Weihnachtsmarkt, Hamburg – 365tageasatzaday(Quelle für alle Fotos in diesem Post: ichmeinerselbst)

 

Habt einen schönen zweiten Advent!