Grüner Ring: Fazit

Zum Einstieg noch mal die Etappen, damit das Nachlesen nicht so umständlich ist ;-).

Etappe 1: Harburger Stadtpark, Heimfeld, Meyers Park, Moorburg
Etappe 2: Altes Land, Neuenfelde, Süderelbe, Airbus, Finkenwerder
Etappe 3: Teufelsbrück, Flottbek, Botanischer Garten, DESY, Volkspark, Stellingen
Etappe 4: Sola-Bona-Park, Stellinger Deckel, Kollauwanderweg, Niendorfer Gehege, Airport Fuhlsbüttel
Etappe 5: Alsterwanderweg, Friedhof Ohlsdorf, Bramfelder See, Osterbek, Trabrennbahn
Etappe 6: Trabrennbahn Farmsen, Tonndorf, Jenfeld, Öjendorfer Park mit Öjendorfer See, Billstedt
Etappe 7: Billstedt, Boberger Niederung mit Boberger See, Mittlerer Landweg, Eichbaumsee
Etappe 8: Eichbaumsee, Dove Elbe, Holzhafen, Kaltehofe, Entenwerder, Elbbrücken
Etappe 9: Elbbrücken, Veddel, Wilhelmsburger Dove Elbe, Windmühle Johanna, Moorwerder
Etappe 10: Moorwerder, Neuland, Neuländer See, Harburg

Achtung, viel Text im Anmarsch, holt euch besser vorher den Kaffee ;-).


Quelle: Pixabay

Was war die schönste Etappe?

Das fragen alle, und ich habe keine Antwort. Mir hat jede gefallen, ich habe auf jeder etwas gesehen, was ich so noch nicht kannte und so nicht erwartet hätte. Hamburg ist schön!
Welche Etappe ich jemandem empfehlen würde? Nummer 8, die erste der beiden Wasser-Etappen vom Eichbaumsee zu den Elbbrücken, wenn der*diejenige wasseraffin ist. Sonst die durchs Alte Land (2), sogar mit dem großen Umweg, ich fand sie toll. Beide Etappen auch wegen der Einkehrmöglichkeit am Ende (Entenwerder und die Finkenwerder Eisdiele!). Ich würde jede Etappe ein zweites Mal gehen, aber okay, es gab spektakulärere und unspektakulärere Etappen.


Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 2 | 365tageasatzaday
Foto: Süderelbe Nähe Airbus, Etappe 2

Würdest du so eine Tour in Etappen noch mal machen?

Der Hamburger Grüne Ring war mein erstes Experiment in Richtung Etappen-Tour, vorher bin ich meist Rundwege gelaufen. Meine Headline war, ihn in Etappen von circa zehn Kilometer Länge einzuteilen, was gut geklappt hat, wenn auch die Erreichbarkeit der Bushaltestellen mit den Öffis nicht optimal ist. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich ursprünglich davon ausgegangen bin, allein zu laufen (meine Mitwanderin ist zwei oder drei Tage vor Start aufgesprungen), und dann wäre ich auch samstags unterwegs gewesen, was gerade für Busfahrpläne viel bedeutet. Und ja, ohne das 9-Euro-Ticket hätte ich die Idee nicht angepackt, denn Hamburg liegt bei den Öffi-Preisen sehr weit vorn. Heißt also, praktisch werde ich wohl nicht mehr so bald ein Etappen-Experiment angehen können – oder ich muss es auf völlig andere Füße stellen. Fernwanderwege interessieren mich schon.

Grundsätzlich sind solche Touren ja alles andere als kreativ, und das stört mich, da ist ein Kompromiss einzugehen. Es sind zwei grundlegend unterschiedliche Dinge, allein durch die Pampa zu streifen oder eine Route zu verfolgen. Aber das Ding ist ja nicht, dass ich das Abenteuer nicht zu schätzen wüsste, einfach vom Weg abzukommen und dort zu bleiben und zu schauen, wie ich zurechtkomme und wo ich rauskomme. Da bin ich entspannt. Die Realität ist, dass ich schlecht beurteilen kann, wie belastbar ich bin, und es mir, krass gesagt, nicht leisten kann, ein paar Tage auszufallen, nur weil ich mich überschätzt und mir eine Verletzung zugezogen habe, weil mein Fitnesslevel nicht doll ist. Soll heißen, mal eben fünf oder mehr nicht kalkulierte Kilometer mehr oder weniger sind zum Beispiel bei mir ein Problem für die Füße, und ich bin nicht überzeugt, dass da mehr Übung auch mehr hilft. Ja, das klingt nicht sehr cool. Ist es auch nicht. Aber so ist das mit Theorie und Praxis, die ist für alle bisschen unterschiedlich, und für mich bedeutet das, dass ich, speziell wenn ich allein unterwegs bin, zum Beispiel erst dann einfach drauflos laufe, wenn ich die Gegend einigermaßen kenne. Also wird man mich vorerst wohl überwiegend weiterhin auf geplanten/gebahnten Wegen antreffen, es sei denn, ich gehe zum Deichtreten.


Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 4 | 365tageasatzaday
Foto: Im Niendorfer Gehege, Etappe 4

Was war gut, was war schlecht, was sollte man anders angehen?

Ich kann detailversessen sein, was Vorbereitung angeht, und hierbei habe ich es ziemlich auf die Spitze getrieben, auch wenn mich mein Fehler mit Etappe 2 immer noch fuchst. Ich hatte das Netz nach Berichten durchsucht, da ich gedacht hatte, dass es Blogger geben MUSS, die den Ring komplett gelaufen sind und darüber auch berichtet haben: Nein, nicht in so epischer Breite wie ich (ich habe den Verdacht, dass sich viele stark an den Stichworten auf hamburg.de, äh, orientiert haben), aber es gibt Radfahrer, die dazu was ins Netz gestellt haben. Ich hatte mir passable Karten auf dem Handy gespeichert, wenn ich kein Netz haben sollte, und habe mich ansonsten auf den Track konzentriert, den ich mir in Gugl Maps geladen hatte. Außerdem hatten wir die heruntergeladenen Karten auch als Kartensatz dabei. Gugl Maps konnte mich tatsächlich das eine oder andere Mal nicht/schlecht lokalisieren, aber es war nie ein ernsthaftes Problem – das mit Etappe 2 war ein Fehler in der Downloaddatei, mein Fehler bestand darin, diesen Track nicht gegen die anderen Materialien gecheckt zu haben und vor Ort zu unflexibel gewesen zu sein, der Beschilderung zu folgen. Tja. Mit einem Wort, man hätte es vermeiden können ;-). Auf der anderen Seite waren/sind wir stolz wie die Schneekönige, diese Strecke (bei bester Laune) geschafft zu haben, und ich habe meine Belastungsgrenzen damit deutlich verschoben, auch wenn ich die ganze Woche danach noch meine Beine/Füße gemerkt habe.

Was vorher unbekannt war, war die allgemeine Qualität der Beschilderung der Route, und die war mit wenigen Ausnahmen sehr gut, ganz anders als auf herkömmlichen Wanderwegen. Die weiße 11 auf grünem Grund klebte in hoher Frequenz an fast allem, von Mülleimern in Parks bis an Straßenschildern, und ich habe sehr viel seltener Gugl zu Hilfe gerufen, als ich erwartet habe.

Ach so: Ja, man läuft durch Stadtgebiet, aber das heißt nicht, dass auf jeder Etappe sozusagen das Catering gewährleistet ist. Klar, an Bahnstationen gibt es Kaffee und Keks, aber auf dem Weg ist es eher Glückssache, speziell sonntags. Auf einer schlauen Outdoor-Seite habe ich gelesen, dass man für zehn Kilometer Weg einen Liter Wasser einrechnen solle, und da es noch dazu nicht eben kühl war, habe ich mich sehr daran gehalten, ebenso wie an meine Erkenntnis, immer was zu essen und ein paar schnelle Kohlenhydrate (Zucker) dabeizuhaben.

Alles easy also? Ja, organisatorisch ja, ich wusste, dass ich einiges eher vernachlässigen konnte, das Einzige, was Stress verursacht hat, waren die Unwägbarkeiten der Öffis, aber irgendwas ist ja immer.


Neue Elbbrücken | Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 9 | 365tageasatzaday
Foto: Neue Elbbrücken Richtung stadtauswärts, Etappe 9

Worin liegt für dich der Reiz des Wanderns/Gehens? Was motiviert dich?

Wenn ich diese Frage ehrlich beantworten will, muss ich etwas einräumen, womit man in Social-Media-Kreisen eher keine Punkte macht. Ich bin relativ unsportlich, ich habe einen Job, bei dem ich den ganzen Tag sitze, noch dazu im Homeoffice, ich esse gern und ich bin nicht mehr jung. Ist das gesund? Nicht in der Kombination, nicht wirklich. Muss ich was tun, rein körperlich gesehen? Dringend. Ich hasse Joggen und jegliche Form von Turnübungen auf dem Wohnzimmerboden wie die Pest (egal, wie schick der*die Coachperson im Video aussieht), aber als Kind/Jugendliche bin ich stundenlang begeistert über die Felder gewandert (und gerannt), auf Bäume geklettert, habe Drachen steigen lassen, Unterstände im Wald gebaut und in Wiesen Frösche gefangen … diese Dinge. Ob ich mir nun heute sage, dass ich vernünftig sein und mich mehr bewegen muss oder in China der berühmte Sack Reis umfällt, bleibt sich ziemlich gleich, ihr werdet das kennen. Aber dieses leichtfüßige, magere Kind, das sich draußen freier als sonst wo fühlte, das stundenlang in sich versunken schaukeln und sich draußen vergessen konnte, das sitzt mir auf der Schulter und flüstert mir ins Ohr.

Also ist meine Antwort, dass ich versuche, mir Terrain zurückzuerobern, das ich im Laufe der Jahre aufgegeben habe, und zwar mit jedem verdammten Schritt, mit dem alles anfängt. Auch ich bin längst nicht mehr frei von gesundheitlichen Problemen und die Coronazeit hat mir nicht nur Hüftspeck beschert. Der Rest ist Ausprobieren, wie man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden kann, denn wenn ich den ganzen Tag ein Display angestarrt habe, will ich mich eigentlich bewegen, so weit bin ich inzwischen, auch wenn ich es nicht jeden Tag hinkriege.


Wilhelmsburger Dove-Elbe | Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 9 | 365tageasatzaday
Foto: Wilhelmsburger Dove Elbe, Etappe 9

Allein oder nicht?

Es hat beides Vorteile und hängt auch davon ab, was für ein Typ man selbst ist. Zu mehreren ist man weniger allein, um es mal auf diesen simplen Nenner zu bringen, was gut ist, wenn man sich z. B. über den einzuschlagenden Weg etc. unsicher ist, weil man eh keine Orientierung hat, oder wenn man sichergehen will, dass einer da ist, falls was passiert, siehe oben. Wer mit Freunden unterwegs ist, weiß auch, ob das Dampfplauderer sind, die alles kommentieren müssen (und ob man sie an dem Tag dafür lieber erwürgen möchte), und kann seine Begleitung danach auswählen. Das weiß man bei einer fremden Gruppe nicht. Und natürlich kann man sich auch wunderbar und tief unterhalten, denn Natur macht was mit einem, wenn man sich berühren lässt.

Allein zu wandern bedeutet, dass man im Schweigen unterwegs ist und idealerweise auch Stille erlebt, wenn man nicht ständig jemandem begegnet. Natürlich erlebt man damit alles ganz anders als in einer Gruppe, kann sich alles nach den eigenen Wünschen gestalten und einteilen (Route, Gehtempo, Pausen), ist mit sich und seinen Gedanken allein, kann sich für die umgebende Natur inklusive Menschen öffnen oder einfach nur blind daherstapfen und Probleme wälzen, kann viel mehr dem Herzen folgen. Allein zu gehen ist eine höchst individuelle Sache, immer, und auch da liegen Himmel und Hölle eng beieinander. Und ja, das geht auch in der Stadt, auf derartigen Wegen wie dem Grünen Ring.

Naturbegegnungen sind eine Frage der persönlichen Aufmerksamkeit und Einstellung und des individuellen Tempos. Ich werde in den Grünzonen der Großstadt nicht die gleiche »Natur« vorfinden wie in meinen geliebten Harburger Bergen, es gibt Unterschiede zwischen Stadtlandschaft und Kulturlandschaften und Naturlandschaft, wobei man sich fragen kann, wo die Landschaft wirklich noch vom Menschen unberührt ist. Praktisch halte ich das für eine Frage der Ansprüche und was davon realisierbar ist. Wer »unberührte Natur« erleben will, ist auf dem Grünen Ring sicher falsch. Wer bereit ist, sich an dem zu erfreuen und sich auf das einzulassen, was sich zeigt, kann immer Schätze mit nach Hause nehmen.


Kaltehofe | Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 8 | 365tageasatzaday
Foto: Schieberhäuschen auf der Kaltehofe, Kraftwerk Tiefstack, Etappe 8

Ressourcen

Wer sich selbst auf den Grünen Ring begeben möchte, ist bei hamburg.de gut aufgehoben, was Materialien angeht. Man findet hinter diesem Link auf hamburg.de die Karten zum Downloaden – nach unten scrollen zu »Tourenvorschläge als PDF«, die enthalten die Karten. Übrigens gibt es den Kartensatz kostenlos zum Mitnehmen in den Öffentlichen Bücherhallen.

Noch weiter unten auf derselben Seite steht der Link zur Gesamtkarte als PDF.

Und schließlich gibt es auf dieser Seite bei hamburg.de die Möglichkeit, sich die digitalen Daten für den Grünen Ring für Navigationsgeräte herunterzuladen: Hier klicken. Wer wissen möchte, wie man diese Daten zum Beispiel in Gugl Maps bekommt, ist mit diesem Artikel auf draussenlust.de gut bedient: GPX-Datei in Google Maps importieren, da habe ich es her.

Richtig klasse finde ich die »Zweiter Grüner Ring«-Seite von veloroute.hamburg (hier klicken), da ist jemand 2021 mit einer Helmkamera den gesamten Grünen Ring abgefahren und hat das ins Netz gestellt. Danke dafür! Nach Etappe 2 habe ich doch häufiger dort vorbeigeschaut, um bösen Überraschungen vorzubeugen 😉

Was die leidigen Etappenan- und -heimfahrten betrifft, bin ich (für die 9-Euro-Ticket-Monate) signifikant öfter als sonst mit den Öffis gefahren und mochte es. Die Situationen, wo ich in volle bis überfüllte Busse oder S-Bahnen geraten bin, waren die üblichen Verdächtigen: Großveranstaltungen, Baustellen und Störungen, speziell jetzt im Sommer wird natürlich viel gebaut und repariert, und dass Busse im Stau stehen, weil es durch hohes Verkehrsaufkommen Staus gibt, ist auch kein Wunder. Meine Bahnen waren überwiegend sehr pünktlich, die oft geschmähte S-Bahn nach Harburg hell und sauber, wenn auch die Maskendisziplin mehr und mehr zu wünschen übrig ließ – der HVV fordert nach wie vor FFP2-Masken, kontrolliert aber kaum in Bahnen, dafür mehr in Bussen.
Würde ich öfter die Öffis nutzen, wenn die Preise sinken würden, dieses 29-Euro-Ticket, das gerade in Gesprächen herumgeistert? Ja, ich wäre dabei, vor allem, wenn ich kein Abo nehmen müsste. Übrigens soll der Ersatzverkehr wegen der beschädigten Elbbrücke die Pest sein, habe ich vorhin gehört, da geht offenbar einiges nicht so, wie es soll.


Richtung Süden | S-Bahn-Station Elbbrücken | 365tageasatzaday
Foto: S-Bahn-Station Elbbrücken, Richtung Süden

Das Fazit meiner Mitwanderin

Nach ihrer Meinung befragt bekam ich eine WhatsApp, deren Inhalt ich hier ohne Emojis zitieren möchte:

  1. Wandern macht Freude, trotz anfänglicher Schwierigkeiten: zu wenig Magnesium usw. Die Beweglichkeit kommt zurück und die Ausdauer – herrlich.
  2. Das Gebiet (Hamburg) aus dieser vielfältigen, facettenreichen Perspektive ganz neu erleben zu können.
  3. Durch Gebiete/Bereiche zu gehen, wo ich noch nie war und sie auch nicht kannte.
  4. Das Entzücken, dass das Hamburger Land so schön, grün und teilweise fast kitschig »märchenhaft« anmutet. Ein Geschenk!

Grüner Ring 2022, meine Etappe 1 | 365tageasatzaday
Foto: Zwei Wanderer, Etappe 1

Würde ich den Grünen Ring empfehlen? Würde ich ihn noch mal gehen?

Ja in beiden Fällen, wenn das mit dem Hin- und Zurückkommen zu und von den Etappen befriedigend geklärt werden könnte. Im Herbst/Winter sieht es dort bestimmt sehr anders aus, auch die Qualität der Wege dürfte eine andere sein, da rechne ich dann durchaus mit Matschecken: ein völlig anderes Wandererlebnis, und das direkt vor meiner Haustür ;-). Und auch meine Mitwanderin hat sich diesbezüglich ähnlich geäußert.


Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 3 | 365tageasatzaday
Foto: Hafenansicht, Fähre, Etappe 3

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Grüner Ring: Zehnte und letzte Etappe

Da hatte ich Petrus wohl zu früh gelobt. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn es auch zur letzten Etappe zum Wochenende abgekühlt hätte wie die Wochen zuvor. Leider nicht. Angekündigt waren über 30 Grad, und ich war wirklich skeptisch, ob das Wandern da noch der Müllerinnen Lust sein würde oder doch eher eine Plage. Pfeif doch auf die Pflicht, vor allem, wenn sie selbst auferlegt ist, wer zwingt dich denn, Wohlbefinden geht bei Hitze vor!

Was mich umstimmte, war, dass meine Mitwanderin vorschlug, in aller Herrgottsfrühe (na ja, relativ) loszulaufen, da der Bus zur Etappenanfangshaltestelle sowieso sonntags nur einmal pro Stunde fährt. Super! Nun ist jedoch gerade der S-Bahn-Verkehr Richtung Hamburger Süden gestört (das Feuer an den Elbbrücken, ich hatte davon erzählt, erheblicher Schaden, wird vermutlich erst zum 18. September wieder freigegeben (Quelle)), sodass sie beschloss, mit dem Auto zu mir zu kommen und mit mir gemeinsam aufzubrechen. Enden würde die Etappe ja eh bei mir, und auf die mit dem 9-Euro-Ticket erlaubte Nutzung der Regionalbahn zwischen Hauptbahnhof und Harburg hatte sie keine Lust, was ich um die Uhrzeit absolut nachvollziehen kann (aber funktioniert hätte). Nun gut, wir stiegen um 7:31 Uhr in den Bus, dann in die S-Bahn nach Wilhelmsburg (die erst noch abwarten musste, bis sie fahren durfte, nervig!) und schließlich um 8:04 Uhr in den Bus der Linie 351. Um 8:15 Uhr standen wir erwartungsfroh und hochgemut auf dem Deich über der Etappenstart-Bushaltestelle Stillhorner Weg (Foto). Es war sonnig und noch einigermaßen kühl, aber der Tag fühlte sich wie erwartet so an, als ob es warm werden würde. Denn man tau! Es macht Spaß, auf dem gemähten Deich zu laufen, wenn man nicht ständig in Schafmist tritt, aber der Deich ist verdammt trocken (und braun, Foto) und Mäuse und Maulwürfe (?, man konnte die Gänge sehen, zu klein für Kaninchen) und eifrige Hunde (?) haben das Ihrige dafür getan, dass die Deichkrone an ein paar Stellen bröckelt.



Wir gingen nach Westen in Richtung Autobahn (A 1), um die Süderelbe auf dem Grünen Ring über die Autobahnbrücke zu überqueren (Foto) – ich hätte gedacht, dass das verboten wäre wegen irgendwelcher Sicherheitsbestimmungen, aber nein … Es war echt laut und die Autobahn war belebt, aber alles andere hätte mich auch gewundert. Leider waren wir auf der Ostseite, und mit der kleinen Kamera kann ich nicht vernünftig gegen die Sonne fotografieren, also lasst euch versichern, dass im Foto die Elbe horizontal fließt (Foto), nicht von oben nach unten ;-). Aber es war genauso friedlich und wunderbar, wie es aussieht (Foto), und auch das Schild auf der anderen Seite stand genauso schief (Foto)!



Runter von der Brücke, unter der Autobahn durch und ziemlich schnell in den Hamburger Stadtteil Neuland rein (Foto), der uns mit einer 1-a-Brombeerhecke (Foto) empfing, die diesmal sogar meine Mitwanderin in Versuchung führte. Die Bürgersteige waren noch hochgeklappt, der Neuländer Elbdeich ist echt idyllisch am Sonntagmorgen (vermutlich nicht nur), lockere Bebauung, die wenigen Gassigeher lächelten bei einem freundlichen »Moin!«, die Hunde hatten oder machten Kulleraugen, wer wir denn wohl seien und ob man uns begrüßen oder verbellen müsse, und eine dreifarbige Katze belauerte im Feld vermutlich Mäuse. Direkt hinter dem alten Deich, auf dem wir immer noch gingen, standen Reetdachkaten, und wir überlegten, wie halsbrecherisch wohl im Winter der Zugang bzw. die Zufahrt wäre. Bei der schweren Sturmflut 1962 stand fast das gesamte Gebiet, das wir heute durchlaufen würden, unter Wasser, wie ich später herausfand.

Abrupt ging es nach links ab in den Wendts Weg, nicht weniger malerisch (Foto, Foto). Zumindest am Ende gab es auch endlich mal wieder Gartenbauvereine zu durchwandern, beim Rest bin ich mir nicht sicher.



Die Neuländer Straße, der wir danach ein Stück folgten, kannte ich bisher eigentlich nur als Autobahn- und Industriegebietszubringer (A 1, Abfahrt Harburg). Keine Ahnung, wie oft ich mit dem Auto schon dort rumgekurvt bin, schließlich wohne ich im, na ja, näheren Umfeld, auch wenn bis zu mir (Luftlinie) noch reichlich Straßen und Eisenbahnlinien zu überqueren wären, was das Hinkommen deutlich verhindert. Auf jeden Fall waren wir froh, wieder nach rechts in den Schatten (Foto) zum Neuländer See abbiegen zu können.

Je näher wir kamen, desto intensiver wurde ein ungewohntes Geräusch. Der See verfügt nämlich über eine Besonderheit: eine 5-Mast-Wasserskianlage (Foto)! Die Klötze im Wasser sind Sprungschanzen, aber ich habe wenige beobachtet, die sie nutzten, was, wie ich später herausgefunden habe, daran liegen könnte, dass sonntags von 10 bis 12 Anfängerkurse stattfinden. Die Anlage lief, und vor unseren begeisterten Augen flitzten kühne Wasserratten in Neopren auf Wasserski und/oder Wakeboards vorbei, die an Strippen hingen, ähnlich wie beim Skilift, rasant über die Schanzen (oder daran vorbei) und in die Kurven gezogen wurden und allesamt so wirkten, als ob sie mächtig Spaß hätten. Wir setzten uns entspannt an den Rand des Sees und rasteten.



Ein Stückchen Großmoordamm, stadtauswärts Richtung Friesenwerdermoor, mit Schwarzbunten (Foto), die ich dieses Jahr auch selten draußen gesehen habe und die sich im Schatten drängten, dann nach rechts rein, an einer Kleingartenanlage entlang (Foto). Der Weg hieß Nutriaweg, ich habe mich umgeschaut, ob der Name Programm sein könnte, aber die großen Nager mit den hässlichen orangen Zähnen nicht entdeckt. Ob die nun unter der derzeitigen himmlischen Wasserrationierung leiden (der Entwässerungsgraben neben dem Weg war reichlich trocken, aber noch nicht komplett vertrocknet) oder ob es ihnen einfach nur zu hell und zu warm war, weiß ich nicht, bei mir am Teich habe ich die Biester jedenfalls bisher eher abends gesehen.



Wir näherten uns dem Ziel, jedenfalls gefühlt: Jetzt ging es an der Eisenbahnlinie entlang und auf einen Teil der Harburger Industrie zu. Der Hörstener Weg ist asphaltiert, und obwohl dort offiziell keine Autos fahren, ist er eine Durststrecke – immer weniger Schatten, die Sonne brannte uns im Nacken und trieb uns vorwärts. Es war nicht mehr weit, und wenn man die Phoenix sieht (Foto) (Wikipedia-Artikel, heute ist da Continental drin), dann weiß man, dass man gleich am Harburger Bahnhof ist. Wir rasteten ein zweites Mal im Schatten der Unterführung der Wilhelmsburger Reichsstraße, denn jetzt war die Sonne schon anstrengend. Pralle Sonne erwischte uns dann auf der Schlachthof-Brücke neben dem Bahnhof (Foto), bevor wir dann an einer anderen Stelle gern erneut unter die Reichsstraße untertauchten. Der Grüne Ring führt parallel an der Phoenix entlang (Foto) und traf uns am Fußgängerüberweg wieder. Und dann nur noch wenige Schritte: The End! Meine allererste Etappenbeginn- und letzte Etappenendbushaltestelle, die direkt auf dem Grünen Ring liegt und deshalb von mir ausgewählt wurde: Reeseberg! (Foto)

Bis zu mir ist es von dort aus ein überschaubares Stück Weg und bis auf den letzten Teil schattig. Als wir (noch vor 12 Uhr!) bei mir saßen und ich die Glückwünsche meiner Mitwanderin entgegennahm, fragte ich sie, welche Etappe ihr am besten gefallen habe. Eine fehlt ihr ja, sie will sie noch im August nachholen, aber ich war trotzdem gespannt, ob ich bei ihrer Antwort in ein großes »Wie wenig wir einander doch kennen« ausbrechen würde. Nein. Stand letzten Sonntag favorisiert sie die beiden Dove-Elbe-Etappen, und das ist leicht nachzuvollziehen, denn die waren wirklich ein bisschen out of time, out of events – wie Urlaub. Ich überlege noch, ob ich eine Lieblingsstrecke habe. Auf jeden Fall bin froh, dass ich keine Wander-Sommerpause eingelegt, sondern das 9-Euro-Ticket einigermaßen kreativ genutzt habe. Aber dazu nächste Woche mehr.



Zum letzten Mal zur Statistik: Es war eine kurze Etappe, aber das wussten wir vorher und ich hatte damit kalkuliert. Etappenanfang: Bushaltestelle Stillhorner Weg, Etappenende: Bushaltestelle Reeseberg. Meine Gugl-Maps-Kilometerzahl lag bei circa 8 Kilometer, meine Schrittzähler zeigten jedoch insgesamt 14.554 Schritte an, was gemittelt 9,7 Kilometer entsprächen. Auf die Etappeneinteilung und sonstige Fragen/Überlegungen komme ich in meinem Fazit zurück, das ihr nächste Woche zur gewohnten Zeit erwarten könnt. Stay tuned, wie der Lateiner sagt!

Wem es noch nicht aufgefallen ist: Dies ist (auch) ein/mein Beitrag zum diesjährigen Etüdensommerpausenintermezzo, und da ich genügend Fotos in diesem Beitrag habe, ohne Illustration. Verwendete Wörter: Herrgottsfrühe, Kulleraugen, Regionalbahn, Schatten, Sommerpause, Wasserrationierung, Wasserratte. Mehr geht immer, und ich dachte, was ich hab, das hab ich, denn meine Schreiblust ist eher … wandern. Aber ich fand es nicht so ganz einfach, die geforderten Etüdenwörter unauffällig hineinzuschmuggeln, und ich hatte mir überlegt, entweder bringe ich sie im Fazit unter oder in dieser letzten Etappe, wo ich vielleicht ebenfalls etwas weitschweifiger werden könnte.


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Grüner Ring: Neunte Etappe

Sonntagmorgen, 9:30 Uhr, ich wandere bei strahlendem Sonnenschein mit der kleinen Kamera durch die U- und S-Bahn-Station Elbbrücken auf der Suche nach den schönsten Perspektiven. Und derer gibt es so einige, wie ich dann festgestellt habe (Foto), viel mehr, als ich in diesem Rahmen zeigen möchte (aber bitte hier gucken!). Als meine Mitwanderin eintrifft, begeben wir uns gleich auf die Strecke (Foto). Links das ist übrigens die Autobahn (A 255).

Ich kann nicht sagen, wie oft ich schon über die Elbbrücken mit dem Auto gefahren bin, aber GELAUFEN bin ich dort noch nie. Die Stadtansichten sind schon ziemlich einmalig: Seht ihr den Michelturm? Seht ihr den ICE, der freundlicherweise dekorativ über die Freihafenelbbrücke schwebte, als ich fotografieren wollte? (Foto) Manchmal passt alles …



Wir kamen auf die Veddel, prompt wurde die Beschilderung schlechter und ich musste Herrn Gugl befragen, wo entlang wir mussten. Unter anderem an einer Straße namens »Passierzettel« (Foto) vorbei, die ihren Namen wirklich daher hat, dass dort »… im 19. Jahrhundert Auswanderer zum letzten Mal ihre Papiere zeigen [mussten], um dann endgültig auf das Schiff zu kommen, das sie nach Amerika bringen sollte« (Wikipedia). Wie das mit Kiezen so ist, bei manchen hat man das Gefühl, das man sie uneingeladen betritt, so ging es mir, bis wir die S-Bahn-Station Veddel einerseits und das Auswanderermuseum BallinStadt andererseits hinter uns gelassen hatten. (Ach so, BallinStadt: Meiner Meinung nach lohnt sich das nicht, es sei denn, ihr habt Kids dabei, dann vielleicht.) Wir auf jeden Fall ließen die Bebauung hinter uns und begrüßten freudig einen Kleingarten (»Hoffnung v. 1931« – manchmal fragt man sich, was für Geschichten hinter Namen stehen) (Foto). Auch wenn es plötzlich wieder weiße Weg-Elfer in Hülle und Fülle gab, es war dennoch laut. Man hört entweder die Stadtautobahn A 255 oder die Wilhelmsburger Reichsstraße (B 75) oder beide, trotz Lärmschutzwand. Ich wusste, dass an der Reichsstraße Fahrradwege entlanglaufen, dass ich sie mal zu Fuß überqueren würde, hätte ich vor diesem Wanderprojekt auch nicht gedacht. Tja, Wandern bildet (Foto). Und rechts neben uns dann kurz auch noch die S-Bahn-Trasse (Foto): Großstadtfeeling, da half auch das schönste Plakat am nächsten Kleingartenverein nichts.



Fairerweise muss ich sagen, dass uns besagte Großstadt schon nach wenigen Hundert Metern wieder verzauberte: Wir erreichten die Wilhelmsburger Dove Elbe (Foto), und alles dort war so idyllisch, dass es schon beinahe nach Kitsch-Alarm stank. In Bäumen hingen Schaukeln (Foto), es gab frei zugängliche Anleger, Ruderboote/Kajaks/Kanus waren auf dem Wasser, deren Insassen sich lautstark unterhielten. Und auch die Immobilien auf der anderen Seite, sehr gediegen (Foto).

Damit ich es nicht wieder vergesse: Unsere Geschwindigkeit nahm nicht nur deswegen ab, weil ich gefühlt ständig fotografieren wollte (Foto), ich musste auch ständig Brombeeren naschen, die Sträucher hingen voll. Waren die an der Wilhelmsburger Dove Elbe oft noch relativ sauer, änderte sich das später sehr. Wir wanderten also ziemlich glückselig die Hövelpromenade entlang, bis wir über ein schmales Brücklein die Seiten wechseln durften und so die ganze Pracht von oben bestaunen konnten (Foto).

Und dann erreichten wir als absolute Krönung eine echte Windmühle: die Wilhelmsburger Windmühle, nach ihrer letzten Müllerin »Johanna« genannt (mehr lesen auf der Website des Wilhelmsburger Windmühlenvereins). Der Galerieholländer (Foto) wurde 1875 errichtet und war bis 1960 in Betrieb als Kornmühle, bekannt ist an dieser Stelle eine Mühle seit 1585. Zu »Johanna« gehört seit 2013 auch wieder ein Backhaus (gegenüber), in dem fleißig gewerkelt wurde, als wir ankamen, aber alles befand sich noch in der Produktion und auch das Mühlencafé würde leider erst in zwei Stunden öffnen. In dem Fall: Hätten wir das gewusst, schlechte Planung. So wollten wir nämlich schon weit weg sein, denn der am Morgen strahlend blaue Himmel hatte begonnen, Wolken zu produzieren. Wir packten also unsere Stullen aus und rasteten, bevor wir weiterzogen (Foto). Ich kann mich erinnern, dass ich die Mühle mit dem Auto mal wie blöd gesucht (und nicht gefunden) habe. Haken dran, erledigt.



Der Jenerseitedeich, der uns dann aufnahm (und mich mit jeder Menge unglaublich wohlschmeckender Brombeeren) (Foto) versorgte, führt wohl durch die sogenannte »Kulturlandschaft Wilhelmsburger Osten«. Der Tour-Guide sagt dazu: »Der ländliche Teil der Elbinsel Wilhelmsburg ist geprägt durch Gartenbau, Feuchtgrünländereien und dörfliches Zusammenleben. Entlang der Elbdeiche stehen alte, sehenswerte Bauernhäuser« (Quelle). DAS allerdings kann ich lebhaft bestätigen, auch wenn ich die wieder mal nicht fotografiert habe, sondern euch mit Blick über die Felder (Foto) und in den Gemüsegarten (Foto) tröste. Die Hochhäuser ganz hinten gehören übrigens zu Kirchdorf-Süd, einer »Großwohnsiedlung« im Süden von Wilhelmsburg (Foto). Ja, eine andere Welt.



Schließlich erreichten wir mit dem Moorwerder Hauptdeich die Norderelbe (Foto), diesmal auf der anderen Seite, und liefen den Deich entlang nach Süden (Foto). Wären wir immer geradeaus weitergegangen, wären wir irgendwann bei der Bunthäuser Spitze herausgekommen (Hamburg hat nämlich einen Leuchtturm, und nein, ich meine nicht die Insel Neuwerk –> hier klicken), und hätten dann auch noch mal das Naturschutzgebiet Heuckenlock aufsuchen können. Aber ehrlich gesagt war ich müde, so unspektakulär das ist, es zuzugeben. Als also die angekündigte Querstraße in Sicht kam und der Grüne Ring nach Westen führte und auf die Etappenbushaltestelle (Foto) zusteuerte, war ich nicht allzu traurig, auch wenn ich/wir zuvor überlegt hatten, ob wir, da der Bus nur alle Stunde fährt, noch mal zum Heuckenlock rüberlaufen sollten, falls wir sehr ungünstig angekommen wären. Antwort: nein. Es war warm und schattenlos und der Heuckenlock noch ein ganzes Stück entfernt. Auf den Deich hätte ich mich setzen wollen, die Aussicht ließ nicht zu wünschen übrig (Foto), aber der Bus kam bald und entließ uns an der S-Bahn-Station Wilhelmsburg. Das ist die nächste Station von mir aus gesehen, verglichen mit meiner Mitwanderin war ich also schnell zu Hause und lag längst gemütlich auf der Couch, als sie ihr Ankommen meldete. Und oh, ich bin zum ersten Mal in den 3 Monaten 9-Euro-Ticket (*überleg*) in der S-Bahn in eine Fahrkartenkontrolle geraten.



Die Statistik wie immer zum Schluss. Etappenanfang: U-/S-Bahn-Haltestelle Elbbrücken, Etappenende: Bushaltestelle Stillhorner Weg. Meine Gugl-Maps-Kilometerzahl lag bei 10 Kilometer, meine Schrittzähler zeigten jedoch insgesamt 19.023 Schritte an, was gemittelt 12,7 Kilometer entsprächen. Ja, ich fand es gefühlt eine kurze Etappe, und allein wegen der Brombeeren würde ich sie noch mal gehen ;-), trotzdem bin ich allmählich froh, dass sich das Projekt dem Ende zuneigt.

Eine Etappe noch, dann haben wir Hamburg umrundet. Nächsten Sonntag, so das Wetter mitspielt, sind wir wieder unterwegs. Nachdem ich allerdings letzte Woche Petrus so sehr gelobt habe, scheint er prompt am kommenden Wochenende eine Auszeit zu nehmen: Es soll nicht rechtzeitig abkühlen, und wir halten es uns noch offen, ob wir bei 30 °C mit wenig vorhersehbarem Schatten unterwegs sein wollen.

Natürlich haben wir beide schon mal über ein Fazit unserer Runde nachgedacht. Wenn ihr aber noch Fragen/Überlegungen habt, die ihr gern beantwortet/kommentiert hättet – ich habe ja einen Extra-Beitrag dazu versprochen – dann könnt ihr sie jetzt loswerden.


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Urwald im Taschenformat und ein Leuchttürmchen ;-)

Nächster Teil aus der »Heute mal keine Steigungen«-Reihe. Das Naturschutzgebiet Heuckenlock, unser erster Anlaufpunkt, ist »einer der letzten Tideauenwälder Europas. Es liegt im Süden der Hamburger Elbinsel Wilhelmsburg nahe der Bunthäuser Spitze außerhalb der Hochwasserschutzanlagen und wird daher ungefähr hundertmal pro Jahr durch Spring- oder Sturmfluten überspült.« (Wikipedia) Daher lohnt es sich unbedingt, den aktuellen Wasserstand im Blick zu haben (Pegel: Bunthaus, Elbe, hier), denn bei (Sturm-) Flut ist der Weg unpassierbar und bei normalem Hochwasser eventuell matschig. Immerhin übersteigt der tägliche Tidenhub 3,50 Meter! Trotzdem würde ich zu der Begehung kurz vor oder nach Hochwasser raten, ansonsten ist der große Priel, der von der Brücke überspannt wird, optisch eine recht traurige Angelegenheit.

Im Netz finden sich zu diesem überaus beeindruckenden Stück Land viele Infos und tolle Bilder, neben der Gesellschaft für ökologische Planung zum Beispiel bei Gerhard Brodowski und bei draussenlust.de, auch Maren von Von Orten und Menschen war schon dort.
Wir parkten am Moorwerder Hauptdeich kurz hinter der gleichnamigen Bushaltestelle, erklommen den Deich und waren auch schon fast drin.

Neben all den Vorschusslorbeeren möchte ich ein paar Dinge klarstellen, um eventuell falsche Erwartungen zu berichtigen:

  • Es gibt nur einen offiziellen Pfad Weg (danke, Olpo) durch das Heuckenlock, alles andere ist (zu Recht; Vogelschutz) gesperrt.
  • Der Pfad Weg ist von einem Ende zum anderen geschätzt ca. 500 Meter lang, vielleicht bisschen mehr, aber gefühlt echt kurz. Man kann außenherum zurück, vor und auf dem Deich.
  • Der Pfad Weg ist fast überall schmal (eine Person).
  • Es ist nicht empfehlenswert, vom Pfad Weg abzuweichen, erstens, weil der Boden unzuverlässig (tief, nass) ist, zweitens, weil alles total verwachsen ist (siehe: Urwald), drittens DARF MAN ES NICHT aus Naturschutzgründen.
  • Man darf auch nicht an die Elbe.
  • Es gibt keine Bänke, Picknick im Naturschutzgebiet fällt flach.
  • Hunde sind an der berühmten kurzen Leine zu führen, und ehrlich: Fahrräder bleiben besser komplett draußen (auch nicht geschoben, fahren kann und darf man eh nicht).
  • Ich liebe die Flatterulmen, alleine dafür komme und käme ich jederzeit wieder, aber fotografisch gesehen bin ich andernorts glücklicher.

Das vorausgeschickt: Warum sollte man sich trotzdem dafür unbedingt Zeit nehmen? Weil es großartig ist. Urwaldig. Verwunschen. Ganz anders als normal aufgeräumter, deutscher Wald. 😉

 

Quelle: ichmeinerselbst; Anklicken macht groß!

 

Wenn man aus dem Heuckenlock wieder heraustritt und auf den Deich krabbelt und sich nach rechts wendet, hat man das nächste Ziel schon fast vor Augen: die Bunthäuser Spitze (Wikipedia). Das ist die südöstlichste Spitze (Elbkilometer 609) der Elbinsel Wilhelmsburg, vor der sich die Elbe für ca. 17 Kilometer in Norder- und Süderelbe aufteilt (Ende: Köhlbrand, Elbkilometer 626). Bevor man dort ankommt, trifft man aber noch auf das Elbe-Tideauenzentrum (Info), wo man auch nur am Wochenende im Garten sitzen und Kuchen essen kann (was wir taten), und muss den Wohnmobilstellplatz passieren. Dann läuft man auf einem gut befestigten Weg durch eine wunderbare Allee auf die Bunthäuser Spitze und ihre Attraktion, das Leuchtfeuer Bunthaus, zu. Besagtes Leuchtfeuer ist ein knapp sieben Meter hohes Leuchttürmchen aus Holz, das 1914 erbaut wurde und die Schifffahrt darauf aufmerksam machte, dass sich an dieser Stelle die Elbe in Norder- und Süderelbe teilt. Das Leuchtfeuer wurde 1977 außer Dienst gestellt. Die Treppe, die nach oben auf die umlaufende Galerie führt, ist steil, aber stabil, das Türmchen selbst ist mit Graffiti übersät, aber gut in Schuss. Zumindest am Wochenende ist es ein ziemlich beliebtes Ausflugsziel. Man kann unten darum herumgehen (und dort auch sitzen), aber auch hier gilt: Keine Chance, direkt an die Elbe zu kommen, dort ist alles nass.

 

Quelle: ichmeinerselbst; Anklicken macht groß!

 

Dies ist vielleicht jetzt nicht die Mega-Sehenswürdigkeit, aber es ist einer der Orte, von denen noch nicht jeder Hamburger gehört hat, geschweige denn, dass man sie kennt – und erst recht nicht jeder Tourist. Ich finde das Leuchttürmchen ausgesprochen entzückend und in Verbindung mit dem Heuckenlock einen großartigen Sonntagnachmittagsausflug.

Dort auf der Bunthäuser Spitze angelangt konsultierte ich meine Schrittzähler. Ich bin nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube, es waren knapp über 5.000 Schritte, die wir bisher spaziert waren – und wir hatten beide noch Bewegungsdrang, obwohl das vorgesehene »Programm« eigentlich erschöpft war. Also regte ich an, an der Norderelbe auf dem Deich Richtung Stadt zu laufen, und dabei noch ein bisschen den Gemüseanbau auf Moorwerder zu bewundern, bis wir ungefähr auf der Höhe des Autos waren, das hinter dem Deich an der Süderelbe parkte, und dann für einen guten Kilometer eine Straße quer über Land zu nehmen. Asphalt, ja, aber was solls.

 

Quelle: ichmeinerselbst; Anklicken macht groß!

 

Fazit: Meine beiden Schrittzähler einigten sich auf 13.026 Schritte, das sind im Mittel 8,6 Kilometer. Gebummelt bei strahlendem Sonnenschein und leichtem Wind, der die Sonne mehr als erträglich machte. Klarer Fall von Sonntagsspaziergang. Anschließend waren wir beide hungrig und fielen spontan bei unserem Lieblingsvietnamesen in Wilhelmsburg ein. Draußen sitzen, essen, trinken, »normal« fühlen. Ein Genuss. Jederzeit gerne wieder.