Ein Lied hinterm Ofen zu singen

Heute Nacht: -10 °C, jetzt wenig weniger, trockene, sternklare Kälte und glücklicherweise kaum Wind, der unverdrossene Fellträger hatte zum Thema „kalte Pfoten“ einiges anzumerken, als er am Morgen draußen herumbrüllte, dass er nach drei Stunden nun ENDLICH! WIEDER! hereinwolle.

Trotz Kälte ist es atemberaubend schön. Draußen jagen sich die Eichhörnchen, und ich werde gleich ein paar Nüsse rausbringen. Obwohl noch Schnee fehlt, kann ich nicht umhin, das für Winter zu halten … und oh, dieses Licht!

 

Der Winter ist ein rechter Mann,
Kernfest und auf die Dauer;
Sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an,
Und scheut nicht süß noch sauer.

War je ein Mann gesund, ist er’s;
Er krankt und kränkelt nimmer,
Weiß nichts von Nachtschweiß noch Vapeurs,
Und schläft im kalten Zimmer.

Er zieht sein Hemd im Freien an,
Und läßt’s vorher nicht wärmen;
Und spottet über Fluß im Zahn
Und Kolik in Gedärmen.

Aus Blumen und aus Vogelsang
Weiß er sich nichts zu machen,
Haßt warmen Drang und warmen Klang
Und alle warme Sachen.

Doch wenn die Füchse bellen sehr,
Wenn’s Holz im Ofen knittert,
Und um den Ofen Knecht und Herr
Die Hände reibt und zittert;

Wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht
Und Teich‘ und Seen krachen;
Das klingt ihm gut, das haßt er nicht,
Denn will er sich tot lachen. –

Sein Schloß von Eis liegt ganz hinaus
Beim Nordpol an dem Strande;
Doch hat er auch ein Sommerhaus
Im lieben Schweizerlande.

Da ist er denn bald dort bald hier,
Gut Regiment zu führen.
Und wenn er durchzieht, stehen wir
Und sehn ihn an und frieren.

(Matthias Claudius, Ein Lied hinterm Ofen zu singen, Quelle)

Winterseelicht | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

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