Vom Winter

 

Winter

Geduldig ist der Wald,
Behutsamer der Schnee,
Am einsamsten das Reh.
Ich rufe. Was erschallt?
Der Widerhall macht Schritte.
Er kehrt zurück zu seinem Weh:
Das kommt heran wie leise Tritte.
Er findet mich in meiner Mitte.
Warum hab ich den Wald gestört?
Vom Schnee ward nichts gehört.
Hat sich das Reh gescheut?
Wie mich das Rufen reut.

(Theodor Däubler, Winter, in: Menschheitsdämmerung, 1920, S. 119, Online-Quelle)

 

An den Winter

Willkommen, lieber Winter,
Willkommen hier zu Land!
Wie reich du bist, mit Perlen
Spielst du, als wär’ es Sand!

Den Hof, des Gartens Wege
Hast du damit bestreut;
Sie an der Bäume Zweige
Zu Tausenden gereiht.

Dein Odem, lieber Winter,
Ist kälter, doch gesund;
Den Sturm nur halt’ im Zaume,
Sonst macht er es zu bunt!

(Elisabeth Kulmann (Wikipedia), An den Winter, Online-Quelle)

 

Der Winter

Wenn ungesehn und nun vorüber sind die Bilder
Der Jahreszeit, so kommt des Winters Dauer,
Das Feld ist leer, die Ansicht scheinet milder,
Und Stürme wehn umher und Regenschauer.

Als wie ein Ruhetag, so ist des Jahres Ende,
Wie einer Frage Ton, daß dieser sich vollende,
Alsdann erscheint des Frühlings neues Werden,
So glänzet die Natur mit ihrer Pracht auf Erden.

Mit Untertänigkeit
Scardanelli.

d. 24 April 1849.

(Friedrich Hölderlin, Der Winter, aus: Gedichte 1806–1843, Online-Quelle, von unbekannter Hand auf den 7. Nov. 1842 datiert (Quelle))

 

 

| 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Kommt alle gut in die neue Woche! Liegt eigentlich bei irgendwem von euch Schnee?

 

04 – Wann ist Winter? | Adventüden

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

 

Wann ist Winter? (Die Hoffende, ICH & MEHR)

 

Es ist Vorweihnachtszeit und wie immer im Advent wandern meine Erinnerungen zurück in meine Kindheit. Fast alle Menschen träumen von einer weißen Weihnacht und glauben, davon schon ganz viele erlebt zu haben.

Wie gut doch unser Gehirn zu uns ist, es schenkt uns das Vergessen. Nicht so schöne Begebenheiten existieren später nicht mehr für uns, es bleibt das feste Bewusstsein, dass die Feiertage fast immer weiß waren. Doch leider erlebten wir den Weihnachtszauber in unserer Vergangenheit meist grün, so grün wie den Baum im Wohnzimmer.

Die weiße Pracht kam erst später. Ganz selten steckten zu Silvester bengalische Feuer in Schneehaufen. Fast immer war es kalt, manchmal feucht, ab und zu sehr windig. So richtig schönes Feuerwerkswetter gab es genauso selten wie Schnee zu Weihnachten. Aber die kalte Jahreszeit rückte spürbar und unaufhaltsam heran.

Im neuen Jahr, wenn die Schule wieder losgegangen war, kam endlich auch der lang erwartete Winterzauber. In dieser Zeit träumte ich oft am Fenster, sah den Schneeflocken zu und beobachtete genau, ob sie groß oder klein waren, fing sie auf und besah sie – bis sie sich durch die Wärme meiner Hand auflösten.

Die schönsten Wintertage waren für mich jene, an denen ich aus der Schule kam, den Ranzen in eine Ecke warf, sofort die Hosen, Schuhe und Jacke wechselte, die Pudelmütze aufsetzte und den Schlitten holte. Dann rodelte ich bis zum Dunkelwerden mit den anderen Kindern aus dem Viertel. Abends kamen oft die Väter (und manchmal auch die Mütter) dazu. Dann wurde es zu einem großen Event für Familien, ohne dass es einer Organisation bedurft hätte.

Das Rodeln im Dunkeln, nur im Schein der Straßenlaternen, gehört zu meinen allerschönsten Kindheitserinnerungen.

 

Adventüden 2019 04 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Ein Lied hinterm Ofen zu singen

Heute Nacht: -10 °C, jetzt wenig weniger, trockene, sternklare Kälte und glücklicherweise kaum Wind, der unverdrossene Fellträger hatte zum Thema „kalte Pfoten“ einiges anzumerken, als er am Morgen draußen herumbrüllte, dass er nach drei Stunden nun ENDLICH! WIEDER! hereinwolle.

Trotz Kälte ist es atemberaubend schön. Draußen jagen sich die Eichhörnchen, und ich werde gleich ein paar Nüsse rausbringen. Obwohl noch Schnee fehlt, kann ich nicht umhin, das für Winter zu halten … und oh, dieses Licht!

 

Der Winter ist ein rechter Mann,
Kernfest und auf die Dauer;
Sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an,
Und scheut nicht süß noch sauer.

War je ein Mann gesund, ist er’s;
Er krankt und kränkelt nimmer,
Weiß nichts von Nachtschweiß noch Vapeurs,
Und schläft im kalten Zimmer.

Er zieht sein Hemd im Freien an,
Und läßt’s vorher nicht wärmen;
Und spottet über Fluß im Zahn
Und Kolik in Gedärmen.

Aus Blumen und aus Vogelsang
Weiß er sich nichts zu machen,
Haßt warmen Drang und warmen Klang
Und alle warme Sachen.

Doch wenn die Füchse bellen sehr,
Wenn’s Holz im Ofen knittert,
Und um den Ofen Knecht und Herr
Die Hände reibt und zittert;

Wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht
Und Teich‘ und Seen krachen;
Das klingt ihm gut, das haßt er nicht,
Denn will er sich tot lachen. –

Sein Schloß von Eis liegt ganz hinaus
Beim Nordpol an dem Strande;
Doch hat er auch ein Sommerhaus
Im lieben Schweizerlande.

Da ist er denn bald dort bald hier,
Gut Regiment zu führen.
Und wenn er durchzieht, stehen wir
Und sehn ihn an und frieren.

(Matthias Claudius, Ein Lied hinterm Ofen zu singen, Quelle)

Winterseelicht | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

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