08 – Dieses Jahr wird alles anders … | Adventüden

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Dieses Jahr wird alles anders … (René, Ein Blog von einem Freund. Von Humor. Und Spass. Aus Berlin. Im Ernst!)

 

Bereits im Juli dieses Jahres lud Christiane zu einer besonderen Aktion ein. Ein Adventskalender aus Etüden war wohl schon länger ihr Traum, und so lud sie … Vor allem lud sie uns ein, da mitzumachen. Sogar wir, die wir einige Zeit abtrünnig waren.

Das war mein Zeichen und Ansporn, wieder mitzumachen. Hintern hoch, Laptop auf, Geschichte via Gehirn in die Tasten und dann geht’s los. Ich hab doch noch so viel zu erzählen.

Die Form ist wieder die einer Etüde, also 3 Worte auswählen und damit einen Beitrag mit max. 300 Worten verfassen. Zur Wahl standen:

Armut, Bärenfell, Glatteis, Herbstdepression, Herbststurm, Hundegebell, Hunger, Jungratte, Kuscheltier, Nussallergie, Pudelmütze, Schneeflocken, Steinwüste, Teekanne, Weihnachtszauber, Wintersonnenwende

Also, hier dann mein Adventskalender-Beitrag zum diesjährigen Feste, den ich, man bemerke, am 30.08.2019 geschrieben habe/gerade schreibe. Ein Freitag, an dem es mehr als 30 Grad warm war/ist in Berlin, aber es noch keine Schokoweihnachtsmänner zu kaufen gab/gibt. Erstaunlich irgendwie, denn während ich mich beim Schreiben in die Zukunft versetzt fühlte/fühle, werde ich bei der Veröffentlichung in Erinnerungen geschwelgt haben/schwelgen … es ist kompliziert, aber:

[Adventüde an]

Dieses Jahr wird alles anders. Dieses Jahr war ich schlau. Penibelst habe ich meiner Frau im Laufe diesen Jahres zugehört. Alles was wie ein Wunsch oder auch nur ansatzweise wunschähnlich klang, peinlich genau in meine Notizbuch-App diktiert und für später festgehalten. Der Eintrag hat sogar den Namen »mögliche Geschenke« bekommen.

Und so hatte ich eine Liste von Dingen zusammengetragen, aus der ich einfach nur noch im richtigen Moment wie Geburtstag, Weihnachten, Hochzeits- und Namenstag die passende Wahl würde treffen müssen. Nichts leichter als das.

Der 1. Advent ist dieses Jahr ein Sonntag. Erstaunlich. Und noch 3 Wochen bis Weihnachten. Ich bin die Ruhe selbst und schaue in meine Notizen. Ich lege mich auf die Teekanne fest, die es dann zu Weihnachten gibt. Aber Moment. Da gab es doch ein paar Kleinigkeiten zu beachten. Glas? Porzellan? Goldrand, damit sie in die Sammlung semi-antiker Erbstücke passt? Das muss ich noch zu Ende denken. Denn dieses Jahr wird alles anders.

Der 2. Advent kam nun schneller als gedacht. Wieder Sonntag, aber das Denken noch nicht beendet. Dieses Jahr sollte doch alles anders werden … ich schaue erneut in die Hitliste. Ja, genau, eine außergewöhnliche Pudelmütze wird es sein, das mag sie. Muss ich nur zum historisch-authentischen Vegan-Weihnachtsmarkt nach Kreuzberg, da gibt es alles.

Am 3. Advent bekomme ich verspätete Herbstdepressionen. Mitte Dezember. In Kreuzberg war ich nicht, die Ideen in meinen Notizen sind doch irgendwie alle realitätsfern. Was soll ich denn nun, dieses Jahr sollte doch alles and… Mist. Und Panik.

Der 4. Advent. Sonntag. 2 Tage vor Heiligabend. Mein Geschenk … es sollte doch … glaub ich mir schon selbst nicht mehr.

Und so suche ich alle Artikel meiner Notizliste bei Amazon zusammen, erstelle einen Wunschzettel und eine Bestellung über einen 50-Euro-Gutschein.

Frohe Weihnachten.

Nächstes Jahr? Ja, da wird alles anders …

[Adventüde aus]

 

Wer diese Etüde in epischer Breite lesen möchte (René hat kein Faible dafür, sich kurz zu fassen, ein Wunder, dass er die Etüden schafft), der kann das tun. Er hat seine Geschichte in ein wunderhübsches E-Book (und TB) gefasst. HIER kann man mehr darüber lesen bzw. es KOSTENLOS downloaden, jawohl, wer es noch nicht hat, der bekommt heute was Amüsantes gratis obendrauf, na, ist das nichts?

 

Adventüden 2019 08 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Der Unterschied zwischen Kraft und Mut

Man braucht Kraft, um stark zu sein,
aber man muß Mut haben, um höflich zu sein.

Man braucht Kraft, um sich zu verteidigen,
aber man muß Mut haben, um Vertrauen zu haben.

Man braucht Kraft, um einen Kampf zu gewinnen,
aber man muß Mut haben, um sich zu ergeben.

Man braucht Kraft, um recht zu haben,
aber man muß Mut haben, um zu zweifeln.

Man braucht Kraft, um stabil zu bleiben,
aber man braucht Mut, um aufrichtig zu bleiben.

Man braucht Kraft, um seine eigenen Fehler zu verbergen,
aber man braucht Mut, um dieselben einzugestehen.

Man braucht Kraft, um das Unrecht zu ertragen,
aber man braucht Mut, um dasselbe zu beenden.

Man braucht Kraft, um alleine zu bleiben,
aber man braucht Mut, um Hilfe zu bitten.

Man braucht Kraft zum Lieben,
aber man braucht Mut, um geliebt zu werden.

Man braucht Kraft, um zu überleben,
aber man braucht Mut zum Leben.

(Berthold Auerbach, Quelle, wer eine bessere hat, möge sie bitte nennen)

 

Aus Gründen sowieso und nicht für mich, sondern für eine (((Schwester im Geiste))), der heute eine schwierige OP bevorsteht und die alles braucht, Kraft und Mut und mehr … für die dunklen Stunden.

 

Herzkerze – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

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Wunsch

Er träumt | eine Frage zu sein | hinter den Fragen.

(aus: Fuad Rifka, Wunsch)

 

Er träumt auch, ein Stern hinter den Sternen, ein Weg hinter den Wegen zu sein und eine Sprache hinter den Sprachen, und ich finde den Gedanken wunderschön (hier gibt es das ganze Gedicht, ich will wegen Copyrightfragen nicht mehr zitieren). Die Suche nach dem, was „die Welt im Innersten zusammenhält“, ohne die Augen zu verschließen, ohne sich abzuwenden, denn die Sterne, die Wege, die Sprachen, die Fragen sind noch da.

Die Konzentration auf das Wesentliche, und ich frage mich, ob wir alle dann irgendwann an einem ähnlichen Punkt ankämen, was Mystiker ja wohl bejahen würden. Das (die Mystik) ist auch der einzige Kontext, in dem ich mir was von „Gottes Liebe“ erzählen lasse, denn die, die diese Worte sonst meist im Mund führen, sind sehr oft welche, denen ich weder tagsüber noch nachts im Mondschein begegnen möchte.

Aber die Schönheit im Alltäglichen (bei der dicken Hummel gestern vor meinem Fenster, dem gähnenden Fellträger, dem flüchtigen Lächeln eines Unbekannten, dem Geruch nach frischem Kaffee) – ja, da bin ich auch. Farben des Lebens.

 

Eichen im Frühling – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst, und ja, das sind zwei Eichen, falls wer fragt

 

Frühling – 31. Oktober 2014

Will dir den Frühling zeigen,
der hundert Wunder hat.
Der Frühling ist waldeigen
und kommt nicht in die Stadt.

Nur die weit aus den kalten
Gassen zu Zweien gehn
und sich bei den Händen halten –
dürfen ihn einmal sehn.

(Rainer Maria Rilke, aus: Advent, 1898)

 

Ich muss zugeben, dass mich das Versmaß im zweiten Teil nicht glücklich macht. 🙂

Aber gestern habe ich dann Rilke weitergelesen, und fühlte mich von diesem hier merkwürdig berührt.
Ach was, wir haben Herbst? Na, im Frühling kann ja jeder.
Ich bin nicht sicher, ob Rilke wirklich die Jahreszeit gemeint hat, meine eigene Interpretation käme auch ohne aus.

Wie auch immer ihr Halloween verbringt, ob sehr laut oder sehr leise: dies sind die Tage, wo sich die Nebel zu den Anderswelten öffnen, wo es leichter möglich ist, Zugang nach innen zu finden. Wahre Wünsche erkennen, Altes loszulassen, neue Weichen zu stellen. Übergangstage.
Ich wünsche euch (und mir), dass wir den Weg zu dem finden, was wir suchen. Jede/r von uns.

 

nebelstrahl – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay