Himmel – Freitag, 17. Oktober 2014

Ich ziehe deshalb den Herbst dem Frühjahr vor, weil das Auge im Herbst den Himmel, im Frühjahr aber die Erde sucht.

(Søren Kierkegaard)

 

Ich meine das vielleicht nicht so wie Kierkegaard, aber ich kenne das Gefühl, ihr auch? Im Herbst, beim Spazierengehen über die offenen Felder, habe ich immer das Gefühl einer Richtung nach oben, es zieht mich sozusagen weg, mit. Drachensteigen, Zugvögel (Immer möcht ich auffliegen, | mit den Zugvögeln fort;), Sturm, schnelle Wolken – egal. Vermutlich ist das ein Grund, weshalb ich die Küste so mag, gerade dann, wenn es karger wird.

Im Frühling ist alles anders, inwärtiger, wie er schreibt, zu Boden gerichteter. Da feiere ich in jedem Schneeglöckchen, Huflattich oder Krokus, in jeder Tulpe oder Weidenkätzchen das Wieder-Sichtbarwerden des Jahreskreislaufs.

Aber jetzt ist Herbst. Ich freue mich auf Wolken, Wind – und Regen. Bunt atmen mit den Winden | In der großen Luft. (beides aus „Ein Lied“ von Else Lasker-Schüler).

 

drachen himmel – 365tageasatzdayQuelle: Pixabay

Donnerstag, 28. August 2014

Immer möcht ich auffliegen,
Mit den Zugvögeln fort;

Bunt atmen mit den Winden
In der großen Luft.

(aus: Else Lasker-Schüler, Ein Lied)

 

Ich liebe Gedichte, und ich kann mir auch ziemlich leicht Texte merken. Also überrascht es mich nicht, dass mir zu meinen Stimmungen oft eine Zeile einfällt. Mit diesem Satz im Kopf bin ich heute Morgen jedenfalls aus dem Bett gestiegen. Für alle die, die jetzt zuerst das gesamte Gedicht lesen, NEIN, ich bin nicht traurig, im Gegenteil, jedenfalls nicht heute.

Ich glaube, das sind so Spätsommer-/Frühherbstgefühle, diese „Das Jahr neigt sich“-Anklänge. Eigentlich mag ich diese Stimmung, diese leichte Wehmut, diese Sehnsucht, sehr gern. Und ja, wenn ich ein Vöglein wär, würde ich gern über Herbstlandschaften kreisen.