Lerne die Regeln

Lerne die Regeln, damit du sie richtig brechen kannst.

((Nicht der) Dalai Lama)

Ich kenne diesen Ausspruch in diversen Varianten, von denen die kürzeste „Lerne die Regeln und breche sie“ ist. Meine spontane Gegenfrage war, ob man Regeln denn auch falsch brechen könne, was mit dem Hinweis auf den Dalai Lama (oh!) abgetan wurde.

Nun reizt so was meinen Widerspruchsgeist, ich begab mich also in die Suchmaschine. Aha. Angeblich gehört dieser Satz zu den 18 Lebensregeln seiner Heiligkeit (hier ist eine Quelle, wo gleich auch noch die englische Übersetzung dabei ist: Learn the rules so you know how to break them properly.). Ich dachte mir, dass auf meiner Suche nach dem „richtig“ die englische Übersetzung vielleicht hilfreicher wäre, und fand „properly“ und „effectively“. Hm. Und dann geriet ich auf einen (englischsprachige) Blog, der mich freundlich aufklärte, dass die „18 Lebensregeln des Dalai Lama“ mitnichten von ihm stammen, sondern einem Buch (H. Jackson Brown, Jr., Life’s Little Instruction Book: 511 Suggestions, Observations, and Reminders on How to Live a Happy and Rewarding Life) entnommen wurden.

Na fein. Das befriedigt meine Spürnase (das Thema „Zuschreibungen“ ist endlos), mehr aber auch nicht. Ferner erfuhr ich: „Gemeint ist: Nur wer den Sinn der Regeln kennt, erkennt, wann die sture Befolgung dem Sinn zuwiderläuft, und sie zu brechen sind.“ (Quelle)

Nur wer etwas beherrscht, sollte sich demnach über die dem „Etwas“ unterliegenden Regeln hinwegsetzen? Das macht Sinn, zu wissen, warum etwas falsch ist, wenn man etwas (falsch) macht, hat Vorteile. Zu wissen, dass es überhaupt Regeln gibt (mir scheint oft das Wissen darüber generell abhanden gekommen zu sein) auch.

Warum also das ganze Gerede? Ganz einfach. Dieser Blog heißt: „Jeden Tag ein Zitat, ein Gedanke oder ein Bild“, richtig? Ich habe die Regel gemacht, ich kann sie brechen. Aus meinem 365-Tage-Projekt wird ein 365+2-Tage-Projekt, denn ich bin die nächsten zwei Tage nicht online und heute nicht mehr lange.

Gehabt euch wohl, habt ein schnuckeliges langes Wochenende! 😀

 

Fischen verboten – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

25 Kommentare zu “Lerne die Regeln

  1. Wer macht die Regeln? Warum sind manche Völker (Deutsche) regulierungswütiger als andere? Wer sagt, dass die Mehrheit immer Recht haben muss, wenn es die Minderheit und ihre Querdenker ist, die die Welt verändern statt ihre Pfründe zu sichern? Philosophie am Feiertag…

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    • Also, wenn du schon so kommst, dann doch bitte von ganz vorn (ja, deutsch, ich weiß :-)). Was sind Regeln? Unterscheidest du zwischen staatlich und (was weiß ich, Passendes einsetzen) und „Naturrecht“? „Göttlichem“ Recht, also z. B. die zehn Gebote oder irgendetwas, was seinen Ursprung (angeblich (oder nicht)) bei einer „höheren Instanz“ hat?
      Ja, klar, das führt zu „wer macht die Regeln“, was wirklich ein weites Feld ist. Was die Deutschen angeht: keine Ahnung, Nationalseele, Gruppengeist, irgendsowas? (Siehe das angebliche Leninzitat).
      Keiner sagt, dass die Mehrheit (immer) recht hat, schon gar nicht der sogenannte gesunde Menschenverstand.
      Wir können das gern weiterdiskutieren, aber nicht (siehe Post-Ende) an diesem Wochenende.
      Liebe Grüße, Christiane 😉

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  2. Guten Morgen, Du Dir selbst gesetzte Regelbrecherin -:)))

    ganz viele guten Wünsche meinerseits begleiten Dich in Deine Aus-Zeit und wenn Du zurück bist, schreibe ich noch etwas zu dem Thema, da regt sich Widerspruchsgeist zu diesem Regelsatz -:)))

    Viel Spaß und komm gesund und munter und tatendurstig zurück.

    Karin

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  3. Nur wer den Sinn der Regeln kennt, erkennt, wann die sture Befolgung dem Sinn zuwiderläuft, und sie zu brechen sind.

    Dieser Satz spricht mir fast aus der Seele.
    Über den Sinn wäre schon wieder zu diskutieren…

    Manchmal heißt Regeln brechen, auch nur, etwas anders, aber nicht unbedingt *falsch* machen…
    Es bedeutet, sich eine gefühlte Freiheit erhalten, die wichtig ist zum eigenen Wohlbefinden, die aber niemand anderem Schaden zufügt.
    Ich schreibe unentwegt Lyrik, aber ich setze mich über die von anderen Menschen geschaffenen Regeln hinweg u. schreibe, wie ich es empfinde, in einer eigenen Art, meiner und ich fühle mich wohl dabei 🙂

    Du wirst schon ein Weilchen unterwegs sein, liebe Christiane, und ich wünsche Dir viel Freude bei allen Deinen Unternehmungen

    LG zum 1. Mai von Bruni

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  4. Regeln klingt nach Paragraphen, nach Vorschriften, nach Fremdbestimmung, nach Machtausübung; wer stellt sie auf…..Normen im gedeihlichen Zusammenleben gab es schon immer, es ist ein Vernunftsverhalten, dem sich die Menschen nach den jeweiligen Bedürfnissen, Erfordernissen angepaßt haben und es war überlebenswichtig für die Gruppe.
    Die 10 Gebote z.B. sind viel älter als die Bibel und wurden am wenigsten von den Personen beachtet, die sie lehren, weil sie immer anders ausgelegt wurden.
    Alle Gesetze, die die Kirche, die jeweiligen Staaten als Regeln aufgestellt haben ,sind irgendwann fraglich und erst recht, wenn sie sich dabei auf Gott berufen und das auch noch beschwören.
    Eine Regel zu brechen:machen wir das nicht alle täglich,wenn wir ehrlich sind, es ist die Freiheit, die wir brauchen und die uns zu verantwortlichen Menschen macht, weil wir über ihre Berechtigung nachdenken. Wobei mich das Wort brechen stört, es ist schon wieder viel zu kriegerisch.
    Gesetze, die verabschiedet werden und für alle gleichermaßen gelten sollten, werden danach ausgelegt, wer den besseren Anwalt im Falle ihrer Überschreitung und einer Anklage hat oder den größeren Nutzen. Gerechtigkeit…..gibt es sie noch oder gab es sie je?
    Ich habe mir mal die 18 Regeln seiner Heiligkeit durchgelesen…sehr salbungsvoll, wir kämen vor lauter Nachdenken gar nicht mehr zu unseren lebenswichtigen Tätigkeiten -:)))
    Regeln schöpferisch spielerisch mit einer Portion Humor, aber immer mit Verstand zu umgehen, ist Kreativität, Lebenslust pur -:)))
    man verzeihe mir , ich bin nur ein ganz norm(ales) Menschenkind .

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    • Ich kann ganz einfach nicken und dir zustimmen, liebe Karin, mit der einen Ausnahme: DIESE REGELN STAMMEN AUS EINEM BUCH UND NICHT VOM DALAI LAMA, von dem ich mir wünsche, dass er klüger ist als die. Was ihm aber auch nichts hilft, wenn seine „Follower“ ihm so etwas unterjubeln.
      Ansonsten: ja, Gruppen brauchen Regeln für ein Zusammenleben; und auch für „göttliche“ Regeln gilt die Frage, wer sie aufgestellt hat (denn witzigerweise glauben ja gerade die großen monotheistischen Religionen daran, dass ihre Regeln direkt vom Himmel kommen).
      Danke für dein (öffentliches) Nachdenken!
      Liebe Grüße, Christiane

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  5. Das ist eine richtig philosophische Fragestellung … Wenn man Regeln hat (anerkennt, sich ihnen unterwirft, …), dann kann man sich auch die Freiheit nehmen, sie nicht zu befolgen (es muss ja nicht gleich ‚brechen‘ sein). Da würde ich jetzt gerne lange drüber nachdenken oder drüber reden.
    LG und viel Spaß, wo immer du bist,
    Ingrid

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    • Am allerwichtigsten finde ich, dass „die Regeln“ die denen, die sie anwenden, nicht das Denken abnehmen. Nachdenken über Regeln und ihren Sinn oder Unsinn ist nie verkehrt.
      Mich begleitet nicht die Dalai-Lama-Version sondern die Kurzform schon einige Jahre, und ja, ich finde auch, man kann darüber philosophieren …
      Liebe Grüße zurück, Christiane

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  6. Mir sind immerlächelnde Menschen mit Villenwohnsitz über dem Genfer See und einem Gefolge in bitterster Exilarmut prinzipiell vertrauensunwürdig.
    Vielleicht erlauben Sie mir, einen Satz, der jedenfalls zum Kontext zu passen scheint, hinzuzufügen.
    Den habe ich mir vor vielen Jahren zu eigen gemacht und bin bis heute gut damit zurecht gekommen:
    „Wer sich einer Idee nicht lebendig gegenüberstellt, gerät unter ihre Knechtschaft.“ (R. Steiner)
    Abendlichschöne Grüsse aus dem Bembelland

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    • Das ist ein wunderbarer Satz, Herr Ärmel. Regeln sollten Denken nicht verhindern, und de facto geschieht genau das.
      Ich danke Ihnen.
      Vormittägliche Grüße aus dem hohen Norden, Christiane

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