Vom leisen Frühling

 

Aus einem April

Wieder duftet der Wald.
Es heben die schwebenden Lerchen
mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern schwer war;
zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er leer war, –
aber nach langen, regnenden Nachmittagen
kommen die goldübersonnten
neueren Stunden,
vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten
alle die wunden
Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen.

Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser
über der Steine ruhig dunkelnden Glanz.
Alle Geräusche ducken sich ganz
in die glänzenden Knospen der Reiser.

(Rainer Maria Rilke, Aus einem April, aus: Das Buch der Bilder, 1. Buch, Teil 1, 1906, Online-Quelle)

 

VI.

Leise zieht durch mein Gemüth
Liebliches Geläute.
Klinge, kleines Frühlingslied,
Kling’ hinaus in’s Weite.

Kling’ hinaus, bis an das Haus,
Wo die Blumen sprießen.
Wenn du eine Rose schaust,
Sag’ ich lass’ sie grüßen.

(Heinrich Heine, Leise zieht durch mein Gemüt, aus: Neue Gedichte, 1844, Online-Quelle)

 

Die Amseln haben Sonne getrunken

Die Amseln haben Sonne getrunken,
aus allen Gärten strahlen die Lieder,
in allen Herzen nisten die Amseln,
und alle Herzen werden zu Gärten
und blühen wieder.

Nun wachsen der Erde die großen Flügel
und allen Träumen neues Gefieder;
alle Menschen werden wie Vögel
und bauen Nester im Blauen.

Nun sprechen die Bäume in grünem Gedränge
und rauschen Gesänge zur hohen Sonne,
in allen Seelen badet die Sonne,
alle Wasser stehen in Flammen,
Frühling bringt Wasser und Feuer
liebend zusammen.

(Max Dauthendey, Die Amseln haben Sonne getrunken, aus: Reliquien, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 122)

 

Alle Birken grünen …

Alle Birken grünen in Moor und Heid,
Jeder Brahmbusch leuchtet wie Gold,
Alle Heidlerchen dudeln vor Fröhlichkeit,
Jeder Birkhahn kullert und tollt.

Meine Augen, die gehen wohl hin und her
Auf dem schwarzen, weißflockigen Moor,
Auf dem braunen, grünschäumenden Heidemeer
Und schweben zum Himmel empor.

Zum Blauhimmel hin, wo ein Wölkchen zieht
Wie ein Wollgrasflöckchen so leicht,
Und mein Herz, es singt sein leises Lied,
Das auf zum Himmel steigt.

Ein leises Lied, ein stilles Lied
Ein Lied, so fein und lind,
Wie ein Wölckchen, das über die Bläue zieht,
Wie ein Wollgrasflöckchen im Wind.

(Hermann Löns, Alle Birken grünen …, aus: Mein goldenes Buch, 1901, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Ja, ich weiß, dass es den Löns als Volkslied gibt, ich hab ihn selbst noch gelernt, ich brauche keine Aufnahme eines ehrwürdigen Frauen- oder Männerchores (oder Solisten) davon hier, danke ;-)

Kommt gut in die Woche und durch jeden einzelnen Tag, und sollte wer nach Ostergedichten gesucht haben, den verweise ich bedauernd auf die Suchfunktion, so miserabel sie ist – mir ist so gar nicht nach Ostern dieser Tage.

(Hat übrigens wer eine Silikonform für Muffins, die er*sie empfehlen kann? Gerne per Mail.)

Passt auf euch auf!

 

Schreibeinladung für die Textwochen 15.16.20 | Wortspende von Ludwig Zeidler

Saisonstart/-wechsel ist’s bei den Etüden, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen; nicht nur steht Ostern ins Haus (huch? Ist irgendwem österlich?), nein, auch eine neue Runde Etüden startet, die bis Ende Juni gehen wird. Traditionsgemäß (na ja) eröffnet sie mit Worten, die diesmal der Etüdenerfinder beigesteuert hat, diese sind nicht im Geringsten österlich und wie üblich gern etwas ausgefallener.

Das heißt, ich werde in der nächsten Woche wieder die Wortspender auslosen und anschreiben. Dazu folgen jetzt alle die, die seit Januar zu uns gestoßen sind und mindestens zwei Etüden geschrieben haben: Ellen von nellindreams, Elvira vom Quilttraum, Judith von Mutiger leben, Lea von kommunikatz, Olpo von Olpo Olponator, Susanne von books2cats, Ulrike von Blaupause7. (Fehlt wer? Ich hoffe nicht.) In meinen Aufzeichnungen fehlen Ela von 365 Tage in Richtung 60 und Isabel, die Wortverzauberte, das kann aber mein Fehler sein.
Ihr alle, die ich jetzt genannt habe: Möchtet ihr auf die Liste der potenziellen Wortspender? Falls ja, müsst ihr bitte einmal per Kommentar nicken (bitte bis inklusive Mittwoch, 08.04.), denn dann habe ich es nach Datenschutzregeln, dass ich eure Mail-Adressen speichern darf, um euch anzuschreiben, falls ihr gezogen werdet (und NUR dazu). Die neue Saison geht bis Ende Juni, einmal Extraetüden sind drin, ich habe 5 Spenderplätze zu verlosen. Meldet euch bitte zuhauf.
Und ihr anderen: Jede und jeder, der seit Beginn des Jahres mehr als eine Etüde geschrieben hat, ist für die Verlosung drin im Topf, es sei denn, ihr hättet dem widersprochen.

Weitere Überlegung am Rande: Adventüden. Wie im letzten Jahr wäre ich auch wieder geneigt, für den Dezember Adventüden auszurufen. Könntet ihr euch jetzt, mitten in Corona, vorstellen, im Etüdensommerpausenintermezzo (also im Sommer) Adventüden zu schreiben, wo wir nicht wissen, ob wir im Advent Corona hinter uns gelassen haben werden oder mittendrin in irgendeinem Lockdown sitzen? Denkt mal mit, bitte, und sagt, wie ihr euch dabei fühlt.

Okay. Jetzt Statistik? Jetzt Statistik und Liste, wie immer, für alle, die vielleicht die eine oder andere Etüde verpasst haben und noch mal nachlesen wollen. Es wurden von 21 teilnehmenden Blogmenschen insgesamt 27 Etüden eingereicht, und das ist für eine einzelne Woche verdammt viel, wie ich finde – und ich finde das richtig gut! Vielen Dank an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben!

Checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und meldet Fehler/Fehlendes oder ob sonst was falsch ist – ich möchte keine*n vergessen.

Disclaimer: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Ulrike auf Blaupause7: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier und hier
Yvonne von umgeBUCHt: hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Puzzleblume auf Puzzle: hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier und hier
Werner auf Werner Kastens: hier und hier
Lea auf kommunikatz: hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier und hier
Ela auf 365 Tage in Richtung 60: hier
fraggle auf reisswolfblog: hier
Olpo Olponator auf olpo run: hier und hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Judith von Mutiger leben: hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Ellen auf nellindreams: hier und hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier
Veronika auf vro jongliert: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier

Nachzügler:  Isabel auf Wortverzauberte: hier

Die Wörter für die Textwochen 15/16 des Schreibjahres 2020 stiftete uns der Etüdenerfinder Ludwig Zeidler, der weiterhin nicht mehr bloggt – hallo, Ludwig! Seine Begriffe lauten:

Rumpelkammer
mutvoll
zehren.

 

Jaha, ich überlege auch, was der Unterschied zwischen „mutvoll“ und „mutig“ ist, außer dass ich finde, dass es schöner klingt. Nun denn.

Wir kehren wieder zurück zum öden, blöden Etüden-Disclaimer: Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 19. April 2020. Habt weiterhin ein schönes Wochenende!

 

abc.etüden 2020 15+16 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

abc.etüden 2020 15+16 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Corona: Abstand | abc.etüden

 

»Sag mal, kannst du nicht neben mir bleiben, wenn wir spazieren gehen? Ich dachte, wir wollten uns in Ruhe unterhalten. Ständig bist du ein paar Schritte hinter mir oder läufst vorweg!«

»Ja, weißt du, Corona? Du sollst einen Abstand von mindestens eins fünfzig, besser zwei Meter zu deinem lieben Nächsten einhalten. Gut, gilt für uns beide nicht, wenn es einen von uns erwischt, ist der andere eh mit dran.«

»Äh, und?«

»Na, guck dir doch mal die Leute an, die uns entgegenkommen, besonders die Pärchen. Was machen die? Richtig, die gehen nebeneinander. Wie wir. Und wie breit ist wohl der Weg?«

»Keine Ahnung?«

»Streck mal beide Arme aus. Und jetzt stell dir vor, dass das von Fingerspitze zu Fingerspitze ungefähr so viel ist, wie du groß bist. Bei Frauen sogar meistens weniger. Soll heißen, wenn ich einen Arm ausklappe und du einen Arm und sich unsere Fingerspitzen gerade so eben berühren, dann sind unsere Köpfe gerade mal so eins fünfzig auseinander, also der Minimalabstand.
Und wenn wir jetzt nebeneinander gehen und uns käme ein Paar entgegen und ich würde einen Arm ausstrecken und der, der innen geht auch, was würde dann passieren? Exakt, dann würden wir uns gegenseitig mit der Hand in die Fresse hauen, weil der Weg eben nicht breiter ist, sogar, wenn die und wir eng nebeneinander und am Wegrand gingen.
Ist das also genügend Abstand? Nein, DAS ist bescheuert! Deshalb geböte es eigentlich die Höflichkeit, auszuweichen und halt mal kurz hintereinander zu gehen, bis man aneinander vorbei ist. Macht natürlich keiner, weil alle denken, dass der andere ja zuerst kann oder so, und dass man selbst uncool ist, wenn man den ersten Schritt tut.«

»Ey, komm, werd nicht lächerlich.«

»Ach ja? Und da wären dann noch die Jogger, die einem den Weg abschneiden oder ganz nah überholen und keuchen und nicht daran denken, dass jemand anders wirklich nicht ihre verbrauchte Atemluft einatmen möchte. Die glauben doch, sie sind voll fit und haben kein Cooorooonaaa, weil sie noch rennen können. Ich muss dich nicht erinnern, dass du trotzdem Überträger sein kannst, auch wenn du symptomfrei bist, oder?«

»Iiiiiih! Schnaufende Jogger fand ich schon immer eklig.«

»Danke. Ich würde dich auch erheblich lieber deswegen anzicken, dass deine heiß geliebten Forsythien außer der Farbe bienentechnisch keinerlei Nährwert haben, oder dir erzählen, dass meinen Nachbarn neulich die Magnolien erfroren sind. Aber leider bin ich überwiegend damit beschäftigt, den Idioten auszuweichen, die die gleiche bescheuerte Idee hatten wie wir: jetzt am See spazieren zu gehen. Damit wir nämlich auch nächstes Jahr noch bei einem Glas Wein diesen oder jenen Sonnenuntergang bewundern können.«

»Es gibt auch rücksichtsvolle Mitmenschen. Ist die einzige Lösung demnach, zu unmöglichen Zeiten spazieren zu gehen? Am Wochenende soll es übrigens warm werden.«

»Also, ich weiß, wo ICH dann garantiert nicht bin.«

»Apropos Wein. Wir könnten im Garten grillen. Nur du und ich.«

»Deal. Ich hab so Mund-Nasen-Masken aus Stoff genäht, falls du welche willst, zum Einkaufen oder so, sag Bescheid.«

»Ich vermisse unsere Unbeschwertheit.«

»Ich auch.«

 

 

Extraetüden 14.20 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Ausgabe Extraetüden, Woche 14.2020: 5 Begriffe (aus 6), maximal 500 Wörter. Die Worte stammten dieses Mal von Corly und Elke H. Speidel, ich habe verwendet: Sonnenuntergang, warm, lächerlich, Forsythien, erfrieren.

Ich drehe täglich (nach Möglichkeit) eine Runde um den hiesigen Teich und finde es ganz wundervoll, Fauna und Flora zu beobachten und einfach nur Frühling zu atmen. Diese Ecke ist bekannt und beliebt, im Sommer werden auf den Wiesen Partys geschmissen, es wird gegrillt, Ball gespielt und laut Musik gehört, fast immer sind neben den normalen Spaziergängern Jogger, Gassigeher und Kinderwagenschieber*innen auf der Strecke. Und Familien, oft große. Je schöner das Wetter, desto exzessiver.
Klar, Corona hat das alles sehr deutlich reduziert, dennoch ist Rücksicht vonnöten, vor allem in so einer Zeit wie jetzt. Ja, ich erlebe immer wieder, dass mit einem freundlichen Nicken und Lächeln sehr vieles geht (AUCH BEI JOGGERN) – aber ich erlebe auch das krasse Gegenteil, dass die Mitmenschen einfach Luft sind. Früher hat es mich meist nicht sonderlich gestört, da fand ich es zum Teil halt einfach rüpelhaft, aber momentan bin ich bisschen empfindlicher.

Mich hat tatsächlich beschäftigt, wie viel denn dieser eine Meter fünfzig ist, den wir Abstand halten sollen, und da bin ich auf das Maß gekommen, das jede*r mitschleppt – die Armlänge. Gewusst habe ich nicht, dass die Armspannweite, also die ausgebreiteten Arme von Mittelfingerspitze zu Mittelfingerspitze ca. der eigenen Körpergröße entsprechen, mit Freude habe ich zur Kenntnis genommen, dass man das Verhältnis von Armspannweite zu Körpergröße den „Affenindex“ nennt (ein Begriff ursprünglich aus der Kletterszene, Wikipedia-Artikel hier lesen), und dass wohl nur sehr große Männer häufiger einen positiven Affenindex haben. Konkrete Zahlen zu „Standardproportionen des Durchschnittsmenschen“ habe ich in einem Rennrad-Forum gefunden (hier nachlesen, bisschen scrollen).

Etüden bilden, ich hab es schon immer gewusst.

 

Das leere Nest – Schreiben bei Jutta Reichelt, Tag 4

 

Nun waren sie weg. Wirklich weg. Endgültig weg.

Sie kniff die Augen zusammen und lehnte sich nach vorn, in der Hoffnung, noch einmal das vollgeladene grüne Auto zu sehen, von dem sie wusste, dass es eilig den Hügel hinunterfuhr und den Ort bald hinter sich gelassen haben würde. Das ist der Lauf der Welt, ermahnte sie sich, reg dich doch nicht so auf, du hast doch gewusst, dass es eines Tages vorbei sein wird. Anstatt dass du dich freust, dass deine Tochter so einen guten Mann gefunden hat und in eine glänzende Zukunft aufbricht, nein, was machst du? Stehst am Fenster und jammerst vergangenen Zeiten hinterher. Schäm dich. Geh und kümmere dich um deine Aufgaben.

Sie trat zurück und verschränkte die Arme, blickte aber weiter nach draußen. Der Vormittag versprach sonnig zu bleiben, die Kinder würden eine gute Fahrt haben und bestimmt heil in der Stadt ankommen. Mütter sorgen sich schließlich immer. Und hatte Cilly nicht versprochen, sich sofort zu melden?

Es war egal. Wie sie es auch drehte und wendete: Nun war auch ihr zweites Kind endgültig ausgezogen. Das Nest war leer. Nie wieder würde sie für Robert und seine Freunde blechweise seinen heiß geliebten Pflaumenkuchen backen und Sahne schlagen, bis ihr der Arm wehtat, nie wieder würde Cilly ihre Freundinnen zu Pyjamapartys einladen und sie ihnen spätnachts Kannen voller heißer Schokolade bringen. Ach, das Gelächter, das durchs Haus geschallt war! Ach, die Feste, die sie hier gefeiert hatten! Sie waren so eine glückliche Familie gewesen. Vorbei.

Jetzt war sie wohl das Pflichtprogramm für den Besuch am Wochenende, für Cilly noch eher als für Robert. Aber so waren Jungs. Konnte sie ihm sagen, dass sie gern mehr Anteil an seinem Leben hätte? Schließlich ging er in seinem Arztstudium auf, so ein verantwortungsvoller Beruf, sie war so stolz auf seine Wahl. Nein, sie wollte nicht, dass er an ihren Schürzenzipfeln hängen blieb. Er sollte in die Welt hinausziehen, unabhängig und erfolgreich sein und irgendwann ein nettes Mädchen heiraten. Sie würde dem mit ihrer Gefühlsduselei nicht im Wege stehen, so wie sie auch Cilly und ihrem Thomas nicht im Wege gestanden hatte, obwohl sie ihre Tochter insgeheim für viel zu jung für einen Mann und eine eigene Familie hielt.

Es veränderte sich so vieles, wenn man Kinder bekam. Vor allem hatte man als Frau nie mehr Zeit für sich allein, das war die wichtigste Lektion gewesen, die sie gelernt hatte. Männer verließen das Haus und verdienten das Geld. Die Frauen regelten den Rest. Das konnte man konservativ nennen, aber sie hatte nie Geldsorgen gekannt, hatte es genossen und gern ihren Part zum gesellschaftlichen Aufstieg der Familie beigetragen, mit Empfängen und allem. Am Anfang hatte sie Nathan bei der Buchhaltung und den Geschäftsbriefen unterstützt, aber später, als die Kinder da waren und er größere Mandanten an Land gezogen hatte, waren zu dem Büro im Ort ein Partner und eine Sekretärin, Miranda, gekommen, und sie hatte gelegentlich abends repräsentiert. Sie hatte darauf geachtet, ihre schlanke Figur zu behalten, obwohl sie großartig kochte, wie Nathan bestätigte. Männern war eine attraktive Partnerin wichtig.
Manchmal im Bett fragte sie sich, ob es sein konnte, dass sie ein fremdes Parfüm an Nathan roch, aber dann schalt sie sich bösartig. Bestimmt täuschte sie sich. Sie waren ein gutes Team, Nathan und sie, er würde ihr gemeinsames Leben doch nicht für eine Affäre aufs Spiel setzen. Oder?

Das gnadenlose Sonnenlicht blendete sie und sie runzelte die Stirn. Das gab Falten, erinnerte sie sich, und daran, dass Falten hässlich machten, wenn man nicht mehr die Jüngste war. Energischen Schrittes ging sie in die Küche, räumte das Kaffeegeschirr zusammen, befüllte die Spülmaschine und nahm sich einen zweiten Kaffee mit in den Erker, von wo sie jedes Auto sehen konnte, das sich dem Haus näherte. Irrational, der Wunsch, das grüne Auto möge zurückkehren. Oder Nathans Limousine.

Ihre Hände zitterten leicht, als sie sie um die dampfende Tasse legte und den Geruch tief einsog.
Sie fühlte sich allein und verloren. Die Kinder waren aus dem Haus, Enkel noch nicht in Sicht, ihr Mann den ganzen Tag in seinem Büro, wo er Gott weiß was tat. Was war jetzt ihre Aufgabe? Wer war sie überhaupt? Was blieb ihr außer dem Warten auf das Alter? Was sollte sie tun? Mit Nathan reden? Konnte er verstehen, was in ihr vorging?
Sie verwarf den Gedanken. Sie verstand sich ja nicht mal selbst.
Sie zweifelte plötzlich an ihrem gesamten Leben.

 

Schreiben bei Jutta Reichelt 4 | | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir, unter Verwendung eines Werks von Edward Hopper

 

Ich muss zugeben, dass ich so ungefähr alle Klischees gestreift oder mitgenommen habe, die mir einfielen. Zu meiner Verteidigung möchte ich anführen, dass diese Geschichte ganz sicher nicht im Hier und Jetzt spielt, sondern weit eher zu der Entstehungszeit des Bildes (1950), zu der ich allerdings auch nicht sehr viel sagen kann, weil es mich da noch nicht gab, möglicherweise nicht mal als Idee ;-)

Was ich interessant fand, war, dass sich in meinem Kopf sofort die Sprache änderte, nachdem ich beschlossen hatte, dass diese Szene nicht in diesem Jahrtausend stattfindet. Die Frau übernahm, und ich war erstaunt, wie sie sich ausdrückte und was sie alles nicht als selbstverständlich ansah. Sie stellt sich selbst völlig zurück, lebt für die Familie und steht eines Tages (natürlich viel zu früh, es ist immer zu früh) vor den Veränderungen. Die Kinder sind aus dem Haus, sie wird eines Tages eine Rolle als Oma spielen, aber offenbar hat sie sich keinen Freundinnenkreis geschaffen (warum?), der sie jetzt auffängt. Ob die Ehe so gut ist, kann man nur mutmaßen, sie kann sich ebenso eine fette Naht vormachen und nicht sehen wollen, dass ihr Mann etwas mit Sekretärin Miranda (allein der Name! Der war plötzlich da) hat … Immerhin scheint der Mann erfolgreich zu sein und sie scheint ihren Traum wirklich gelebt zu haben – oder das, was sie leben wollte. Bis der Traum plötzlich verpufft und sie aus der Rolle fällt und es nicht fassen kann.

Dieser Text entstand nach einer Schreibanregung von Jutta Reichelt (Tag 4 – Schreiben zu Bildern). Vielen Dank, Jutta, hat mir sehr viel Spaß gemacht.

 

Von Traum und Tod

 

Ein Traum, ein Traum ist unser Leben

Ein Traum, ein Traum ist unser Leben
Auf Erden hier.
Wie Schatten auf den Wogen schweben
Und schwinden wir
Und messen unsre trägen Tritte
Nach Raum und Zeit;
Und sind (und wissen’s nicht) in Mitte
Der Ewigkeit.

(Johann Gottfried Herder, 1. Strophe aus Amor und Psyche auf einem Grabmal, in: Werke. Erster Theil. Gedichte, Berlin 1879, Online-Quelle)

 

Terzinen über Vergänglichkeit III

Wir sind aus solchem Zeug, wie das zu Träumen,
Und Träume schlagen so die Augen auf
Wie kleine Kinder unter Kirschenbäumen,

Aus deren Krone den blaßgoldnen Lauf
Der Vollmond anhebt durch die große Nacht.
… Nicht anders tauchen unsre Träume auf,

Sind da und leben wie ein Kind, das lacht,
Nicht minder groß im Auf- und Niederschweben
Als Vollmond, aus Baumkronen aufgewacht,

Das Innerste ist offen ihrem Weben;
Wie Geisterhände in versperrtem Raum
Sind sie in uns und haben immer Leben.

Und drei sind Eins: ein Mensch, ein Ding, ein Traum.

(Hugo von Hofmannsthal, Terzinen über Vergänglichkeit III, aus: Gedichte, entstanden 1894, Online-Quelle)

 

Alle Landschaften haben

Alle Landschaften haben
Sich mit Blau gefüllt.
Alle Büsche und Bäume des Stromes,
Der weit in den Norden schwillt.

Blaue Länder der Wolken,
Weiße Segel dicht,
Die Gestade des Himmels in Fernen
Zergehen in Wind und Licht.

Wenn die Abende sinken
Und wir schlafen ein,
Gehen die Träume, die schönen,
Mit leichten Füßen herein.

Zymbeln lassen sie klingen
In den Händen licht.
Manche flüstern, und halten
Kerzen vor ihr Gesicht.

(Georg Heym, Alle Landschaften haben, aus: Umbra Vitae, Nachgelassene Gedichte, Leipzig 1912, Online-Quelle)

 

Sieh, so ist Tod im Leben. Beides läuft
so durcheinander, wie in einem Teppich
die Fäden laufen; und daraus entsteht
für einen, der vorübergeht, ein Bild.
Wenn jemand stirbt, das nicht allein ist Tod.
Tod ist, wenn einer lebt und es nicht weiß.
Tod ist, wenn einer gar nicht sterben kann.
Vieles ist Tod; man kann es nicht begraben.
In uns ist täglich Sterben und Geburt,
und wir sind rücksichtslos wie die Natur,
die über beidem dauert, trauerlos
und ohne Anteil. Leid und Freude sind
nur Farben für den Fremden, der uns schaut.
Darum bedeutet es für uns so viel,
den Schauenden zu finden, ihn, der sieht,
der uns zusammenfaßt in seinem Schauen
und einfach sagt: ich sehe das und das,
wo andere nur raten oder lügen.

(Rainer Maria Rilke, aus: Die weiße Fürstin, letzte Fassung 1904, Online-Quelle (letztes Viertel))

 

He wishes for the Cloths of Heaven

Had I the heavens‘ embroidered cloths,
Enwrought with golden and silver light,
The blue and the dim and the dark cloths
Of night and light and the half-light,

I would spread the cloths under your feet:
But I, being poor, have only my dreams;
I have spread my dreams under your feet;
Tread softly because you tread on my dreams.

(William Butler Yeats, He wishes for the Cloths of Heaven, 1899, Online-Quelle, dt. Übersetzung, dt. Übersetzung)

 

Quelle: Pixabay

 

Bitte betrachtet das englische Gedicht quasi als Zugabe. Yeats ist zwar schon 1939 gestorben, aber alle Übersetzungen unterliegen selbstverständlich dem Copyright der Übersetzer (die mit Sicherheit wohl noch keine 70 Jahre tot sind), von daher hoffe ich, dass die Seiten, die ich verlinkt habe, damit keine Probleme haben (im zweiten Fall dürften es eigene sein).

Wie immer: Kommt gut in und durch die neue Woche, seid geduldig und bleibt oder werdet gesund!

 

Schreibeinladung für die Textwoche 14.20 | Extraetüden

Der Frühling ist da und mit ihm die ersten Extraetüden dieses Jahres, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen. Heute ist der fünfte Sonntag im Monat März, was Extraetüden bedeutet, bis es am nächsten (ersten) Sonntag des Monats April mit den regulären Wörtern weitergeht.

Ich hoffe es geht euch allen gut und eure Laune fährt nicht zu sehr Berg und Tal. Meine tut es, ich komme so mittelprächtig klar. Allerdings gehe ich gerade wirklich ausgedehnt spazieren, ich kann das, ohne zu vielen Menschen zu begegnen, und wenn, dann nicke ich und lächele freundlich, solange mich keine Jogger schneiden. Die Gassigeher kennen mich inzwischen und grüßen zurück.

Also, Statistik und Liste first, wie immer, für alle, die vielleicht die eine oder andere Etüde verpasst haben und noch mal nachlesen wollen. Es wurden von 31 teilnehmenden Blogmenschen insgesamt 51 Etüden eingereicht.
Die Liste führen Alice und die Herren Werner und Gerhard mit jeweils 4 Etüden an, 4 Etüden hat ebenfalls Olpo Olponator beigesteuert, den*die*das ich herzlich bei den Etüden willkommen heiße und dessen*deren Blog sich über Namen und Geschlecht des*der Inhabers/Inhaberin ausschweigt. Abhilfe zu Letzterem wäre willkommen – korrekte Pronomen sind für mich eine Sache der Höflichkeit. Wir haben ferner noch eine Neue, Anja, mit ihrem Blog Annuschkas Northern Star. Herzlich willkommen auch dir noch mal! :-)

Checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und meldet Fehler/Fehlendes oder ob sonst was falsch ist – ich möchte keine*n vergessen.

Disclaimer: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Corly in Corlys Lesewelt: hier
Puzzleblume auf Puzzle: hier und hier
Ulrike auf Blaupause7: hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier, hier und hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier, hier, hier und hier
Anja auf Annuschkas Northern Star: hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier, hier und hier
Elvira vom Quilt-Traum: hier und hier
Lea auf kommunikatz: hier
fraggle auf reisswolfblog: hier
Susanne auf books2cats: hier und hier
Judith von Mutiger leben: hier und hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier, hier, hier und hier
Donka auf onlybatscanhang: hier
Ela auf 365 Tage in Richtung 60: hier
René auf Ein Blog von einem Freund. Von Humor. Und Spass. Aus Berlin. Im Ernst!: hier
Martina auf Und sonst so?: hier und hier
Olpo Olponator auf olpo run: hier, hier, hier und hier
Ellen auf nellindreams: hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier
Yvonne von umgeBUCHt: hier
Elke H. Speidel auf Transworte auf Litera-Tour: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Anne auf Wortperlen: hier
Andrea im Hummelweb: hier
Veronika auf vro jongliert: hier
Isabel auf Wortverzauberte: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier

Wie immer: Vielen Dank an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben! Vielen Dank an Elke, die Wortspenderin, die bei euch mitgelesen und -kommentiert hat, ich weiß das zu schätzen, auch wenn ich euch hier nicht explizit nenne.

Wie das mit den Extraetüden geht? Ihr nehmt die Begriffe des abgelaufenen Monats, das sind sechs, sucht euch davon fünf aus und verpackt die in einen Text von maximal 500 Wörtern. Zeit: eine Woche!
Den Rest kennt ihr.

Die Wörter im Monat März spendeten Corly und Elke H. Speidel. Sie lauteten:

Sonnenuntergang, warm, fliegen
Forsythien, lächerlich, erfrieren.

 

Dieses Mal gilt die Abwandlung des öden, blöden Etüden-Disclaimers: Die Headline für die Etüden heißt: 5 Begriffe in maximal 500 Wörtern.
Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es schon am nächsten Sonntag, den 5. April 2020. Euch viel Schreiblust trotz der schwierigen Zeiten! Habt weiterhin ein schönes Wochenende und bleibt/werdet gesund!

 

Extraetüden 14.20 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Extraetüden 14.20 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Der Frühling schmollt | abc.etüden

Er war kurz davor, das persönlich zu nehmen. Da hatte er sich solche Mühe gegeben, ihnen etwas zu bieten! Für wen hatte er denn seinen altersschwachen Vorgänger verfrüht aus dem Rennen gedrängelt und das ganze Land mit frischem Grün überzogen? Und? Wo blieben sie? Undankbares Volk!
Er vermisste ihre blassen Gesichter: Die Spaziergänger, die Sonnenanbeter, die In-die-Luft-Gucker-und-Freuer, die Balkonsitzer, die ewigen Griller, die Eisesser, die Jogger, die Gassigeher, die Omas und Mütter mit kleinen Kindern, die Mittags-essen-Geher – Temperaturen fast egal, Hauptsache draußen? Kommt raus, ihr Gesundheitsapostel, tankt euer Vitamin D!

Er liebte sie alle, und er wusste, sie liebten ihn auch. Eigentlich.

Hatte er sich doch nicht genug ins Zeug gelegt, war das Gelb der Forsythien oder des Löwenzahns diesmal nicht strahlend genug? Selbst Osterglocken hatte er schon reichlich gestreut und sogar hier und da Magnolien versucht – und dafür war es eigentlich wirklich noch zu früh.

Als alles nicht zu helfen schien, hatte er tiefer in die Trickkiste gegriffen: Frost. Etwas erfrieren zu lassen, brachte die Leute immer zuverlässig nach draußen zum Jammern, vor allem die, die sonst wie bescheuert in ihren Gärten werkelten und allen möglichen Trends nachliefen, als ob sie sonst nichts Wichtigeres zu tun hätten.

Nichts. Also nicht komplett nichts, aber alles in allem lächerlich wenig.

Er schnaubte beleidigt, als er sich die leeren Parks besah. Schön, es hatte auch seine Vorteile, wenn man nicht so herumpowern musste, aber das sah bisher nach einem überaus merkwürdigen Jahr aus und er wusste noch nicht, ob er die Entwicklung begrüßen würde.

 

abc.etüden 2020 12+13 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 12/13.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Elke H. Speidel mit ihrem Blog Transworte auf Litera-Tour und lauten: Forsythien, lächerlich, erfrieren.

Hat vielleicht mal wer Mitleid mit dem armen Frühling?

 

Die neuen Nachbarn – Schreiben bei Jutta Reichelt, Tag 2

 

„Und beinahe wären sie nicht gefahren“, sagte Frances. „Ich habe ja zuerst gedacht, sie würde ihn umbringen, so hat sie geschrien. Oder er sie.“

Rosi schwieg. Schweigen hatte sich als vorteilhaft herausgestellt, wenn man wollte, dass die Frances weitererzählte. Was sie auch meist tat. Frances war die klassische Frau am Küchenfenster, das immer zur rechten Zeit einen Spalt offen stand – rein zufällig natürlich. Wer wissen wollte, was sich in der Siedlung tat, ging bei ihr vorbei, rief ihr ein freundliches „Wie geht’s“ zu und wartete. Selbstverständlich waren die neuen Nachbarn ein besonders beliebtes Thema, vor allem, da diese ihre Terrassentür schlossen, wenn sie die Frances bemerkten. Man musste die Frances nur spitz „Na ja, Südländer eben“ sagen gehört haben, um zu wissen, woher der Wind wehte. Wobei die Barbara neulich gewusst hatte, die Neuen wären aus Norddeutschland gebürtig. Vorgestellt hatten sie sich jedenfalls nicht, bei keinem aus der Siedlung, was sicher darauf schließen ließ, dass sie kein Benehmen hatten.

„Und der Knall! Fast ist mir das Herz stehen geblieben, so laut war der. Ich hab die ganze Nacht nicht geschlafen deswegen und immer gedacht, gleich kommt bestimmt die Polizei!“
„Wie, was, Knall? Polizei?“, stammelte Rosi und ärgerte sich, dass sie nicht besser aufgepasst hatte.
„Aber heute ganz früh, da habe ich sie dann gesehen“, beschloss Frances ungerührt ihre Erzählung. „Ihn und sie. Haben Koffer ins Auto getragen und sind ganz klammheimlich weg.“
Rosi nickte bestätigend und wagte eine letzte Gegenfrage. „Ja, aber wieso wären die beinahe nicht gefahren?“
„Ach, du hörst mir nicht zu! Bis später, Rosi, ich muss zu meinem Kuchen, der muss aus dem Ofen. Du kommst doch nachher zum Kaffee zur Barbara?“

Rosi starrte auf das geschlossene Küchenfenster. Sie würde zu Hause erst mal Anna anrufen. Vielleicht wusste die, was los war. Frances wurde langsam alt.

 

Schreiben bei Jutta Reichelt 2 | | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Heute geht es bei Jutta Reichelt und ihren Schreibanregungen um „Erste Sätze“ (hier klicken zum Nachlesen). Sowieso ein unerschöpfliches Thema.

Gemocht habe ich alle drei Vorschläge, die Jutta gemacht hat, und ich fand keinen einfach. Schließlich habe ich mich für den ersten Vorschlag entschieden, obwohl ich im Nachhinein denke, dass ich damit eigentlich in meiner Komfortzone geblieben bin (und es sind 300 Wörter, woher das wohl kommt? ;-)). Es hätte eine wilde Geschichte von Mord und Totschlag werden können, aber ich hatte null Lust, die aufzuschreiben – und schon gar nicht, wo ich annehme, dass morgen (morgen? Jutta, das könntest du in deinen Posts vermerken, wie lange wir Zeit haben) die nächste Schreibanregung ins Haus steht. Ich bin kein schneller Schreiber, ich mag mir Zeit nehmen und auf meinen Sachen herumbrüten. Dies ist für meine Verhältnisse schon fast ein Schnellschuss.

Also habe ich mich für die Beobachterin entschieden, eine neugierige ältere Nachbarin. Übrigens habe ich keine Ahnung, wirklich keine, was im Nachbarhaus passiert ist, nur dass alle noch leben.

Ich habe schon was von Alice Munro gelesen, aber an eine Frances erinnere ich mich nicht …

 

Vom Angsthaben

 

Du glaubtest längst dich vorbereitet

Du glaubtest längst dich vorbereitet
Mit willigem Entsagen;
Und nun das Schicksal dich bestreitet,
So mußt du dennoch klagen.
Der Kämpfer war mit Muth gebrüstet,
Und glaubte sich, wie gut! gerüstet;
Doch wenn hervor der Schrecken schreitet
Des Kampfes, wird er zagen,
Was hilft’s auch, die Gedanken lenken
Auf das im voraus, und sie senken
In das, was gar sich nicht läßt denken,
Eh’ man es muß ertragen.

(Friedrich Rückert, Du glaubtest längst dich vorbereitet, aus: Kindertodtenlieder aus seinem Nachlasse, Frankfurt a.M. 1872, S. 365–366, Online-Quelle)

 

Nachts im Wald

Bist du nie des nachts durch Wald gegangen,
wo du deinen eignen Fuß nicht sahst?
Doch ein Wissen überwand dein Bangen:
Dich führt der Weg.

Hält dich Leid und Trübsal nie umfangen,
daß du zitterst, welchem Ziel du nahst?
Doch ein Wissen übermannt dein Bangen:
Dich führt dein Weg.

(Christian Morgenstern, Nachts im Wald, aus: Melencolia, Berlin 1906, Online-Quelle)

 

Angst packt mich an

Angst packt mich an.
Denn ich ahne, es nahen Tage
Voll großer Klage.
Komm du, komm her zu mir! –
Wenn die Blätter im Herbst ersterben,
Und sich die Flüsse trüber färben,
Und sich die Wolken ineinander schieben
Dann komm, du, komm!
Schütze mich –
Stütze mich –
Faß meine Hand an.
Hilf mir lieben!

(Erich Mühsam, Angst packt mich an, aus: Die Wüste. 1898–1903, Online-Quelle)

 

Einer Unbekannten

In diesem großen Traurigsein,
Das Leben heißt,
Kann einer fernen Lampe Schein
Oft wie ein liebes Grüßen sein
Von Geist zu Geist.

Und eines Menschen Angesicht,
Das kaum man kennt,
Kann rührend sein wie ein Gedicht
Und trösten wie ein leises Licht,
Das tief im Dämmer brennt.

(Anton Wildgans, Einer Unbekannten, aus: Dreißig Gedichte, 1917, Online-Quelle)

 

 

Licht – Kerze – Hände | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Mehr denn je: Kommt gut in und durch die neue Woche – und bleibt gesund! Und: Dreht nicht durch. Ja, das ist auch eine Ermahnung an mich selbst.

 

Lotte muckt auf – Schreiben bei Jutta Reichelt, Tag 1

Sie ächzte und ließ sich auf den Stuhl fallen. Er knackte unter ihrem Gewicht, aber darauf kam es inzwischen auch nicht mehr an, sie war halt schwer bepackt, was das anging, und nicht nur damit, ja, und? Die durften sich alle gern um ihren eigenen Mist kümmern.
Der Pausenraum war jedenfalls an Trostlosigkeit kaum zu überbieten, vermutlich aus Gründen – wo käme man denn hin, wenn die Verkäuferinnen sich in ihrer Pause auch noch wohlfühlten? Das Einzige, was sie bedauerte, war die Tatsache, dass es hier kein Fenster gab, das sie aufreißen konnte, um verbotenerweise eine zu schmöken. War die Haltung von Säugetieren ohne Fenster nicht verboten? Egal, sie würde es nicht mehr ändern, die paar Jahre bekam sie auch noch rum. Sie nahm geistesabwesend einen Schluck von dem Automatenkaffee, während ihre Augen schon über die Schlagzeilen der Tageszeitung wanderten.

In dieser Filiale war sie die Dienstälteste, ein treues, altes Arbeitspferd, das kaum aufbegehrte und meistens das tat, was man ihm sagte. Die Lehrlinge, die sie ausgebildet hatte, hatten sie auf der Karriereleiter alle überholt. Klar, mehr Geld, mehr Verantwortung, längere Arbeitszeiten. Nicht mit ihr. Sie war die Schindmähre, hatte sie neulich gedacht, nur dass sie nicht abgemagert war. Sie kam pünktlich, sie ging pünktlich, sie war die, die wusste, wie es lief.
Insgeheim verabscheute sie ihre Arbeit.

Sie hätte sich auch weiterhin mit allem arrangiert, wenn da nicht Charlie gewesen wäre. Charlie war fünfzehn und ein Problem. Na ja, eigentlich nicht. Charlie war so, wie sie in dem Alter auch gewesen war. Lebenslustig. Handwerklich begabt. Klug. Voller Ideen. Konnte anpacken. „Aus der wird mal was“, hatte es damals geheißen; und heute sagte sie dasselbe über ihre Nichte. „Nennt sie bloß nicht nach mir“, hatte sie die Schwester und ihren Mann gebeten, als diese mit dem Mädchen schwanger gewesen war, „wer will denn schon Lieselotte heißen?“ So war aus dem Mädchen wenigstens eine Charlotte geworden, und beide Lottes hatten sich allein deswegen immer ein bisschen verbunden gefühlt. Abgesehen davon, dass Charlotte eindeutig besser klang.

Bedauerlicherweise hatte ihre Schwester einen autoritären Idioten geheiratet, der jede Berufstätigkeit seiner Frau unterbunden hatte, indem er sie Kinder in die Welt setzen ließ, und der die Meinung vertrat, die naturgemäßen Aufgaben einer Frau seien Heirat und Kindererziehung. Konsequenterweise interessierten ihn seine Söhne, drei an der Zahl, mehr als seine Tochter. Gut, er verdiente nicht schlecht, er war ein leitender Verwaltungsheini, und sie, Lotte, war die arme, gefallene Verwandtschaft. Aus der wird mal was? Ha. Sie war einmal mit knapp zwanzig auf einen Typen wie ihn hereingefallen, hatte sich in zwei Jahren zwei Kinder andrehen lassen und war dann nach zehn Jahren prompt für seine Sekretärin verlassen worden.
Seitdem schuftete sie in dieser Klitsche hier. Lebensmitteleinzelhandel. Sicherer Arbeitsplatz, das Geld war pünktlich auf dem Konto. Sie kamen über die Runden, und jetzt, wo die Kinder längst nicht mehr bei ihr lebten, blieb sogar was für sie übrig.

Jetzt allerdings musste Charlie von der Schule aus ein Praktikum machen, und ihr Vater wollte sie zu ihr schicken. ZU IHR! In den EIN-ZEL-HAN-DEL! Nö, oder?!? Charlie sollte ihre Chance haben, ein verschenktes Leben war genug!
Sie schlug mit der flachen Hand auf den Tisch, sodass der Kaffeepappbecher ins Wanken geriet, als sie sich an die Sprüche ihres Schwagers erinnerte, von denen Charlie berichtet hatte: Die aufmüpfige Kleine solle lernen, sich unterzuordnen! Aufmucken sei nicht angesagt!
Ein Frauenbild aus dem vorletzten Jahrhundert! Höchstens. Auch die Lehrer hatten sich die Haare gerauft und mit Engelszungen auf ihn eingeredet. Vergebens.

Sie hatte sich Charlie geschnappt, die kreuzunglücklich gewesen war. „Tante Lotte, nichts gegen dich, aber …“
„Der Lebensmitteleinzelhandel ist ehrenwert, aber mein Job ist scheiße“, hatte sie sie sofort unterbrochen, „und nur weil ich ihn mache, heißt das noch lange nicht, dass du dich auch dafür entscheiden musst, Charlie. Du kannst mit deiner Lebenszeit was Besseres anfangen. Gibt es denn was, was dich wirklich interessiert?“
Zögern.
„Spuck’s schon aus. Großes Indianerehrenwort, oder wie auch immer das heutzutage heißt, dass ich damit nicht zu deinen Eltern renne. Oder nee, halt: Ich schwör! Okay?“
Charlie nahm es ihr offenbar ab, denn sie grinste.
„Okay, okay. Ich könnte ein Praktikum bei einem Bootsbauer machen, wenn Papa sich nicht so anstellen würde. Ich hab schon mit denen gesprochen und alles, ich kenn die vom Segeln, aber ohne Unterschrift meiner Erziehungsberechtigten geht da nichts. Null.“
Machte Sinn. Ihre Nichte war ein begeisterter Shipspotter, hatte im Verein mit ihren Brüdern segeln gelernt und schwamm wie eine Nixe. Ein Wunder eigentlich bei dem Vater. Wohingegen das einzige Schiffsdeck, auf dem sie, Lotte, je gestanden hatte, eine Schiffschaukel gewesen war. Allerdings eine riesengroße.
„Und Mama? Was sagt die?“
„Dass Papa sich wie ein Tyrann aufführt.“
„Würde sie dich unterstützen?“

Zu zweit hatten sie einen Plan entwickelt. Wäre doch gelacht, wenn Charlies Mutter nicht den Praktikumsvertrag bei dem Bootsbauer unterschreiben würde. Zur Not würde der gestrenge Herr Vater eben einen zweiten Vertrag für den Einzelhandel präsentiert bekommen. Und wohnen, wohnen würde Charlie für ihr Praktikum bei ihr. Wenn sie schon angeblich in der gleichen Firma arbeiteten, wäre das doch nur praktisch, oder? Platz hatte sie genug, und junges Leben in der Bude wäre eine willkommene Abwechslung. Dass sich Charlies Vater für das Praktikum seiner ältesten Tochter großartig interessieren würde, schlossen sie aus. Und wenn die ganze Chose aufflog und es zum Familienkrach kam, dann wusste sie immer noch genug über die Leichen im Familienkeller, um ihn herunterzukühlen. Freunde waren sie sowieso keine.
Befriedigt lehnte sie sich in ihrem Stuhl zurück.

Der Lautsprecher knisterte. „Frau Neumann, bitte eine weitere Kasse besetzen. Frau Neumann bitte.“ Scheiße. Klang wie Nadine höchstpersönlich. Sie stand auf, drückte den leeren Kaffeebecher zusammen, schleuderte ihn in Richtung Mülleimer und schlurfte hinaus.

***

Wem die Corona-Decke auf den Kopf fällt und wer sich für das Schreiben interessiert, für den ist dies hier vielleicht etwas: Die Schriftstellerin Jutta Reichelt öffnet ihre virtuelle Schreibwerkstatt und lädt alle Schreibbegeisterten und solche, die es werden wollen, zum Mitmachen auf ihren Blog ein. Sie schreibt: „Ich werde deswegen hier in der nächsten Woche zunächst einmal ganz unterschiedliche Arten von Schreibanregungen sowohl für eher fiktive Texte als auch für eher autobiographische Texte vorstellen, die sich gut eignen, um anzufangen.“ (Quelle) Die erste Schreibanregung erfolgte sogleich und ging auf den von ihr entwickelten Geschichten-Generator zurück: Ein Text ist zu schreiben, der „LOTTE (schwer bepackt), NÖ und SCHIFFSDECK“ enthält. Mehr dazu findet ihr bei ihr.

Einige von euch, die hier bei mir lesen, habe ich bei Juttas Geschichten-Generator kennengelernt (hier meine Geschichten) – das war, bevor es die Etüden gab. Den anderen möchte ich erklären, dass Jutta quasi schuld ist, dass ich mich ans (fiktive) Schreiben herangetraut habe, und mein Dank rennt ihr nach wie vor mit heraushängender Zunge hinterher. (Doch, Jutta, „Schiffsdeck“ hattest du schon. Ende 2016, der letzte Aufruf, ich finde meine damalige Geschichte dazu immer noch ziemlich herzzerreißend und das Gemüt bewegend.)
Also ist es für mich quasi Ehrensache, zumindest wieder miteinzusteigen. Ich bin sehr gespannt auf nächste Woche, ob ich mit den neuen Schreibanregungen was anfangen kann. Und natürlich hat meine Geschichte eine Eigendynamik entwickelt, was die Rolle der vorgegebenen Begriffe anging … und ich habe prompt vergessen, wie „kurz“ geht.

 

Schreiben bei Jutta Reichelt 1 | | 365tageasatzadayQuelle: Jutta Reichelt

 

Corona: Lourdes – abc.etüden

Lourdes hat geschlossen!“
Klar, sagte man ihr, da sind immer so viele Menschen, zum Teil signifikant krank, es gibt Vorschriften, ist doch nur gut, bla, bla, bla. Sie nickte. Natürlich war das so, und vermutlich war es lächerlich, dass es sie überhaupt berührte, schließlich hielt sie religiösen Massentourismus für fragwürdig, und Lourdes mit seinem frommen Overkill stand ganz oben auf ihrer Liste.
Aber: LOURDES hatte geschlossen. Lourdes, wohin seit gut 160 Jahren immer mehr Leute gepilgert waren, um Hilfe zu erflehen, und das scheinbar wohl auch in den Weltkriegen immer offen gewesen war. Lourdes war dicht. Lourdes kam kurz nach dem Petersdom. Sie hätte vermutet, dass eher die Hölle erfror, also einfror, als dass das passierte.

Die untersagten Gottesdienste hatten sie schon merkwürdig berührt. Als Konstante in ihrem Leben vermittelten sie ein Gefühl von Beständigkeit: was, wenn nicht die Kirche, war immer da? Und sei es nur in Form des Abend- und sonstigen Läutens, bzw. dessen Fehlen zu Zeiten von „nach Rom fliegenden Glocken“ vor Ostern. Auf den kirchlichen Beistand war sie nicht angewiesen, ihre Spiritualität ging andere Wege. Aber sie stellte fest, dass sie dieser Tage für herzliche Worte empfänglich war, zum Beispiel für die Rundmail der Gemeinde, selbst wenn es nicht mehr als das vielfach gehörte „Rückt virtuell zusammen, nehmt Rücksicht, seid vernünftig und beachtet die Regeln, wir sehen uns bald wieder“ war.

Und jetzt? Ja, leben, einen Tag nach dem anderen, weiterlächeln, irgendwie würde es weitergehen. Der Forsythienstrauch im Garten war fast abgeblüht, aber aus anderen Gärten leuchtete es vielfarbig. Hämmern drang die Straße herauf, dort arbeiteten Handwerker auf dem Dach. Radiobeats, Gefluche, Gelächter. Normalität, selten so willkommen. Im Sonnenschein erschien alles frühlingshaft verzaubert.
Sie beschloss, draußen eine kleine Runde zu machen – mit Maximalabstand zu allen, die es ihr gleichtun würden. Solange sie noch durfte.
Befremdliches Gefühl.

 

abc.etüden 2020 12+13 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 12/13.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Elke H. Speidel mit ihrem Blog Transworte auf Litera-Tour und lauten: Forsythien, lächerlich, erfrieren.

Ich bin nicht sicher, ob man das nachvollziehen kann …

 

Das Schöne vom Tag

 

Zum Einschlafen und vielleicht auch zum Aufwachen. Für alle, die mit Meditation (und Singen) zumindest ansatzweise was am Hut haben. Ich finde den Gesang einfach … magisch.

 

 

Heute entdeckt bei Mystik aktuell.
Außerdem möchte ich die Gute-Nachrichten-Initiative von René damit unterstützen.

Bei Mystik aktuell findet sich auch der Text sowie der Hinweis, dass dieser Text aus der Sufi-Tradition stamme.

 

Oh du mein Gott,
gib mir Licht,
stärke mein Licht,
mache mich zu Licht.

Gott setze Licht in mein Herz,
Licht in meine Seele,
Licht in meinen Geist,
Licht in mein Bewusstsein,
Licht in mein Denken und
Licht in mein Tun.

Gott setze Licht auf meine Zunge,
Licht in meine Augen,
Licht in meine Ohren,
Licht in meine Nerven,
Licht in mein Blut und
Licht in meine Haut.

Gott setze Licht zu meiner Rechten,
Licht zu meiner Linken,
Licht hinter mir,
Licht vor mir,
Licht über mir und
Licht unter mir.

 

Mir ist schon klar, dass viele von euch keine Ader dafür haben, andere aber vielleicht um so mehr.

Kommt gut durch die Nacht und in den neuen Tag!