Zwischenruf

Wettertechnisch ist es null weihnachtlich und Hamburg sowieso im Ausnahmezustand, der hohen Politik wegen … aber in meinem Kopf singt den ganzen Morgen schon dieses schöne, stille Lied …

 

 

„Gabriel’s Message“ ist ein ursprünglich baskisches Volkslied (Wikipedia, Text, beides englisch). Was ich nicht kannte, war die Version von Marillion.

 

 

Kommt gut durch den Tag!

 

 

Zuhause ist keiner. Ein Weihnachts-Lamento im Vorfeld.

Morgen, Kinder, wird’s was geben, morgen werden wir uns freun. Genau. Morgen oder so freue ich mich, dass der Ausnahmezustand vorbei  ist. Endlich. Ab morgen werden alle so langsam wieder normal, die die ganzen letzten Wochen im gefühlten Klingeling-Morgen-kommt-der-Weihnachtsmann-und-wir-haben-uns-alle-so-lieb-Modus verbracht haben. Dann ist auch die wochenlange Folter in Form von Happy-Family-Weihnachtsliedern aus dem Radio rum, mit oder ohne „Last Christmas“. Morgen darf ich wieder zugeben, dass ich auch dieses Jahr die ganzen geschenkten selbstgebackenen Mitleidsplätzchen still, heimlich und leise an den gefräßigen Nachbarshund verfüttert habe. Tut mir so leid, Frau Müller, der Teller ist mir runtergefallen, echt, ich bin über das Vieh den Hund gestolpert. Und dann war es leider zu spät. Klar bin ich undankbar, was denn sonst? Das ganze Jahr über überhöre ich das Getuschel hinter meinem Rücken, aber an Weihnachten, wo alle die Nächstenliebe packt und sie charitymäßig was für ihr Gewissen tun müssen, da bin ich dann an der Reihe. Weil ich doch an Weihnachten allein bin, und man deshalb besonders nett zu mir ist. Dafür darf ich dann auch dankbar sein. Wo ich doch sonst niemanden habe. Genau.

Ich gehe mal davon aus, dass bisher nicht so viele von euch darüber nachzudenken hatten, was es bedeutet, Weihnachten allein zu sein. Ich meine wirklich ALLEIN, nicht die Eltern/Familie in einer anderen Stadt. Das sind mindestens drei Tage, wo man das gesamte Umfeld besser nicht anrufen, geschweige denn besuchen kann, weil alle, alle, in Familie machen und jeder von außen dabei STÖRT, jedenfalls für alles, was länger als eine halbe Stunde dauert. Klar gibt es Einladungen in den Familienkreis von Freunden. Aber wenn nicht alle Eingeladenen mich wirklich mögen (und ich die), dann ist die traute Runde unterm Weihnachtsbaum der Gipfel von Hilfe-was-mach-ich-hier-Fühlen. Kann ich speziell an Weihnachten gar nicht ab.
Die Steigerung ist nur noch die Einladung zum Essen am 2. Weihnachtstag, wenn die andere Oma mit Opa, Tanten und Onkel, die Paten und alle, die sich vorher gedrückt haben, kommen (müssen). Alles glänzt fettig vor Weihnachtsfreude, und Lächelkrämpfe sind an der Tagesordnung, weil ja alle so LIEB zueinander sind. Sagt nicht, dass ihr das nicht kennt. Schön für euch! Aber da bleibe ich lieber zu Hause. Man wollte doch nur nett sein! Aber sei bitte wenigstens dankbar, du hättest ja woanders als bei dir sein dürfen. Weil du ja sonst niemanden hast. Genau.

Weihnachten allein zu sein heißt beispielsweise, keine Familie (mehr) zu haben, der man etwas schenken könnte. Schon mal dran gedacht, wie sich DAS anfühlt, vor lauter „Hilfe, ich hab noch nicht alle Geschenke“, wenn es weder an Geld noch an Ideen, sondern an Empfängern fehlt?
Es heißt zum Beispiel auch, dass man es auch dieses Jahr nicht geschafft hat, sich wen zuzulegen, mit dem man an den Festtagen das glückliche Paar gibt, inklusive Tannenbaum, Geschenke, Essengehen, Kirchgang und Weihnachtssex. Kein „Fröhliche Weihnachten, Schatz“. Man hat sonst niemanden. Genau.

Was bleibt? Wer Weihnachten allein ist, das Fernsehprogramm nicht abkann, sich aber auch nicht daheim volllaufen lassen will und sich durch die Straßen treiben lässt, dem fällt auf, dass die Eckkneipen offen haben und die Anzahl derer, die sich dort an Bier, Cola und/oder Kaffee (oder Härterem) festhalten, beträchtlich ist. Aber laute Fröhlichkeit ist nicht meine Alternative, ich bin keine verlorene Seele dieser Art, ganz sicher nicht an Weihnachten.
Also bleibe ich allein, heule vielleicht bisschen rum und bin irgendwann doch ganz melancholisch sentimental und froh und im Reinen mit mir selbst. Auch wenn ich sonst niemanden weiter habe. Warum? Ach. Der Weihnachtsvirus. Weil ich die Weihnachtszeit eben doch auch mag, mit Glocken und Kerzenschein und Weihnachtsmarkt und Gedöns und Geschenken für und von Freunde/n. Und immer, immer mindestens einem/einer  Fremden, der/die lächelt und ehrlich „Schöne Weihnachten“ wünscht. Geht doch? Genau. Und weil nach Weihnachten bald das neue Jahr kommt und immer alles besser werden kann.

 

Einsamer Weihnachtsbaum | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Dieser Text (Duden: Lamento) ist nicht komplett autobiografisch, aber ich weiß, worüber ich spreche. Und klar, er ist überspitzt, es gibt eine Menge „Abers“, die mir dabei spontan einfallen. Darum ging es mir aber hierbei nicht. Mir geht es einfach um die unbemerkte Seite von Weihnachten, dem wohligen Gefühl.

Und gleichzeitig ist dies ein Beitrag zum Story-Samstag von Tante Tex, deren Headline („Endlich wieder Weihnachtszeit“) mich so auf die Palme gebracht hat (ich geb’s ja zu), dass ich einfach was schreiben musste …

 

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Möwengedöns

Des Menschen, vor allem des norddeutschen Menschen, Verhältnis zur Möwe ist gern mal gestört. Während die meisten sich zwar problemlos darin einig sind, Stadttauben nicht abzukönnen, werden Möwen ob ihres Aussehens und ihrer Flugkünste in der Regel doch eher bewundert, es sei denn, sie fliegen Sturmangriffe, weil man etwas Essbares in der Hand hält, oder sch….. einem auf den Kopf, wenn man sie nicht füttert. (Deshalb stehen Schilder auf Außenterrassen an Gaststätten/Imbissbuden „Bitte die Möwen nicht füttern“ meist nicht ohne Grund da. Ich weiß, wovon ich spreche!)

Dass Mensch und Möwe durchaus Gemeinsamkeiten aufweisen, behauptet dagegen ein ZEIT-Leserartikel:

Man mag vor allem diejenigen nicht, die einem selbst ähnlich sind. Am Beispiel der Möwe wird klar, wie das gemeint ist. Wie der Mensch lacht sie gern von oben herab, sie streitet oft um die besten Plätze in Wassernähe, isst, was so verfügbar ist und besitzt eine ausgeprägte Schnäppchenmentalität. Kein Wunder, dass es knallt. (Quelle)

Ich bewundere Möwen also lieber aus einem gewissen Abstand heraus, gern mit der Kamera. In Hamburg dürfen Tauben nicht auf öffentlichem Grund gefüttert werden (ich sehe viele, die es dennoch tun), ob das auch für Möwen gilt, weiß ich nicht, aber die sind in den Pulks immer mit vorn dabei.
Zu keinem Pulk gehörte dagegen diese Lachmöwe in der Nähe meines Lieblingsteiches, die diesen Keks ergattert hatte, und ihn jetzt schnellstmöglich zu zerkleinern versuchte, damit sie ihn nicht mit irgendwelchen gierigen Mitmöwen teilen musste … irgendwie doch wie im „wirklichen“ Leben.

Wer es romantischer mag, kann hier gern das Gedicht zu Morgensterns berühmter Möwe Emma nachlesen.

 

Quelle: ichmeinerselbst

 

An Englishman in Hamburg

Hamburg, Stuttgart, Düsseldorf, die deutschen Fans werden auf Stings neuer „57th & 9th“-Tour nicht gerade mit Auftrittsorten überschüttet. Andererseits habe ich Sting glaube ich bei der „Sacred Love“-Tour (2004, Color Line Arena, sehr geil) zuletzt live gesehen, ich würde schon gerne mal wieder.

So würde sich das also ziemlich sicher anhören, wenn ich hinginge. Hm. Der Bataclan soll jedenfalls nach 30 Minuten ausverkauft gewesen sein.

 

 

Ein früher Vogel …

… war hier nicht unterwegs, also ich, aber Kleiber sind im Allgemeinen nicht nur fotogen, sondern auch fleißig (und können einen Baum kopfüber nach unten laufen). Ja, was fürs Vogelbuch, ich weiß, ich weiß, ich bin auch ganz stolz, denn lang auf einer Stelle ist er nicht geblieben, trotz Wald und keine Gefahr und so.

Wir wollen von heut an immer eine Stunde früher anfangen! Niemand weiß, ob er nicht Feierabend machen muß, ehe er müde ist!
(Friedrich Hebbel, Agnes Bernauer, III,6)

 

Kleiber am Baum | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

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Träume, verloren

November

Bin heut im erstarrten Garten gewesen,
Wo ich in Deinem Auge einst Lieder gelesen;
Wo die Biene den Tropfen Seligkeit sog,
Und wie ein Stückchen Himmel der Schmetterling flog.
Wo der Mond aufstieg wie der Liebe Lob,
Wie ein Herz das sich von der Erde hob,
Und wo jetzt die Wurzeln der Blumen verwesen,
Hab ich in toten Blättern noch Lieder gelesen.

(Max Dauthendey, Quelle, wie immer suche ich nach einer besseren)

 

gartenabfall | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

(Ziemlich lange nach einem Text für dieses Bild gesucht. Eigentlich bin ich gern melancholisch … solange ich mir dabei nicht selbst auf den Nerv gehe.)

 

Bart, Musik und Freiheit

Der werte Herr Textstaub hat auf seinem Blog die Welt zur Beantwortung von „Elf Fragen zur Denkerweiterung“ aufgerufen. Elf sehr minimalistisch gestellte Fragen, wenn ich das mal anmerken darf. Soll vermutlich das Denken noch zusätzlich erweitern, wenn man sich erst mal fragen muss, wie das nun wieder gemeint ist. Nun denn. Ich habe beschlossen, die Fragen als Stichworte zu begreifen. „Sag mal, was dir einfällt zu …“

Das Problem ist, wenn man mich so fragt, bekommt man entweder einen oder zwei knappe Sätze oder eine Suada (tolles Wort, oder?). Ich bemühe mich, dazwischen zu bleiben und nicht zu sehr an den Rändern auszufransen. Aber: you have been warned! Und, ach, ich habe die Reihenfolge der Stichworte/Fragen verändert.

 

1/ Was schafft Musik?

Musik schafft das Gefühl von Einigkeit und Einheit, von Verstehen, von Verstandenwerden, von Gemeinsamkeit, von Nicht-Alleinsein. In einer „Crowd“ zu sein (und mitzugrölen … äh … -singen) ist Gruppendynamik pur. Musik erhebt mich, lässt mich lachen, tanzen und singen und weinen, motiviert mich, aktiviert mich, schläfert mich ein … trägt mich, zieht mich nach innen, bildet den Hintergrund für tiefe Gedanken, für alltägliche und weniger alltägliche, lustvolle und weniger lustvolle Tätigkeiten.
Musik ist ein Schritt über das schnöde Alltägliche hinaus, ein liebevoller, spöttischer, bissiger oder sogar hasserfüllter Kommentar, aber dadurch, dass wir uns auf sie einlassen, bewegt sie uns, eine/unsere Situation (zumindest) bis zu einem bestimmten Punkt zu reflektieren.
Musik ist also gesungener Text? Ja und nein, sie ist viel viel mehr, aber auf dieser Argumentationslinie verstehe ich, warum der Literaturnobelpreis an Bob Dylan gehen konnte.

Ohne Musik geht also nichts? Genau. Jedenfalls nicht für lange.

 

2/ Buch 2016?

Passe. Also, was MEIN Buch des Jahres angeht. Keins, von dem ich sagen würde, das ist DAS Buch 2016. Ich würde es mal so sagen, mein Jahr war zu voll von anderem, dies war kein Lesejahr.

 

3/ Wo mag die Freiheit liegen?

Normalerweise wird mir allein bei dem Wort „die Freiheit“ (gibt es nur eine?) schon mal prophylaktisch schlecht. Meist folgt eine in irgendeiner Hinsicht politische Diskussion, und wer mit Forderungen nach Freiheit in eine Diskussion einsteigt, hat meinem Gefühl nach meist einen „Ismus“ am Laufen, was Gespräche im Sinne von Austausch in der Regel nicht fördert. Ich habe einen ausgesprochenen Widerwillen dagegen, diesen meinen Staat zu verteidigen, der immer weniger den Bedürfnissen seiner Menschen Rechnung trägt, und mag andererseits das System nicht verteufeln, das mir/uns jetzt schon seit mehreren Generationen ein recht komfortables Auskommen bietet (Grundrechte etc., man erinnere sich daran, dass vieles, was für uns selbstverständlich ist, eben weltweit gesehen nicht ist).

Stattdessen lamentiere ich mit Freuden über das Hamsterrad, in dem wir alle stecken, die Einschränkungen, die wir uns selbst auferlegen, indem wir bestimmte Ansprüche/Zwänge/Strukturen verinnerlichen, die an uns von außen (Gesellschaft, Massenmedien) oder von innen (Erziehung, Freunde, Familie) herangetragen werden. Dort seinen Platz zu finden, sich da herauszuwinden, herauszufinden, weiterzuentwickeln und bei allem das Herz nicht zu verlieren, ist bittere Arbeit.

Wenn du mich also fragst, wo noch „Freiheit“ liegen mag, dann sage ich dir: zuallererst im Kopf. Zum Beispiel darin, dass wir uns dessen, was uns bereichert, hält oder hemmt bewusst werden und es wertschätzen bzw. gegebenenfalls ändern. Du als Kreativer hast da nochmals andere Möglichkeiten.

Interessanterweise (für mich) war die erste Assoziation, die mir durch den Kopf spukte, etwas mit dem „Ausgang“ aus „selbstverschuldeter Unmündigkeit“. Wie ich dann unamüsiert (ich nun wieder) feststellte, ist das Kants Definition der Aufklärung, die ich kurz zitieren möchte:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung. (Quelle: Wikipedia)

Zusammengefasst: Wenn mensch den Arsch nicht hochbekommt und sein Hirn anschmeißt (so mensch eins hat) und selbst denkt, ist mensch selbst schuld. Und darin, das zu tun, selbst zu denken und daraus Konsequenzen zu ziehen, darin liegt (für mich) Freiheit. Aber ein sanftes Ruhekissen ist das nicht.

 

4/ Was beeindruckt?

Ähem? Stichwort. Was beeindruckt mich?

Generell: Mich beeindruckt Mut. Mut als Vorwärtsgehen, etwas zu wagen, was aus der eigenen Angst herausführt. Auch, in bestimmten Situationen, Gefahren jeglicher Art auf sich zu nehmen, indem man zum Beispiel (in einer sozialen Gruppe) nicht mit dem Strom schwimmt, sondern sich für sein eigenes Ding entscheidet und die Konsequenzen trägt. Tollkühnheit sozusagen als das äußerste Ende von Mut beeindruckt mich durchaus (z. B. Extremsportarten wie Wingsuit-Fliegen (guckst du hier), aber in der Regel finde ich das dann doch eher bescheuert. Oh, und Tapferkeit beeindruckt mich, definiert als Durchhaltevermögen in schlimmen Situationen, beispielsweise bei Krankheiten.

(Konkretes Beispiel gefällig? Standing Rock, wo offensichtlich Dinge passieren, von denen mensch lieber glauben möchte, dass sie böswillig erfunden wurden. Informiert euch selbst.)

 

5/ Bart oder Rasur?

Männer, lasst euch mal was im Vertrauen sagen. Nicht jedem Mann steht ein Bart. Ernsthaft. Das ändert auch die Tatsache nicht, dass es Mode ist. Ein rundes Gesicht ist auch mit einem Bart ein Mondgesicht, dann halt mit Fransen. Fand jemand Leo di Caprio mit Bart wirklich sexy? Bittet doch mal die Dame(n) eures Vertrauens um ihre ehrliche Meinung zu eurem Bart, selbst wenn das eure Mutter sein sollte.
Es ist ja okay, dass ihr es gefühlt fast alle mal ausprobieren musstet, aber nachdem man(n) mit einem üppig wuchernden Bart inzwischen doch eher Gefahr läuft, in eine fundamentalistische Gesinnungsecke gesteckt zu werden, könnt ihr das mit dem Samson-Verschnitt doch so langsam wieder lassen, oder? Sogar bei Sting ist der Bart (zum Glück) wieder ab! Von Haaren im Mund und Frühstücksei & Co. im Bart ganz zu schweigen. Ich mag das nicht mal sehen, geschweige denn küssen! Oder habt ihr jetzt plötzlich alle ein Faible für Körperpflege? Männer, bei aller Liebe, das glaube ich euch nicht.

 

So, das ist die erste Fast-Hälfte. More to come, ich weiß bloß noch nicht, wann …

 

Mann mit Bart :-) | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

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Der Fellträger ist schuld!

Der Fellträger hat das Stöckchen weggeschleppt … verbuddelt … totgespielt! Jawohl! Ihr glaubt mir das doch? Nein? NEIN?
Dann eben nicht, phhh. Liebes Blumenmädchen, hier kommen etwas verspätet und etwas eilig die Antworten auf deine Fragen von neulich 😀

  1. DAS Filmzitat, welches dich in die Knie zwingt?
    Gibt es nicht. Blumenmädchen, ich bin ein totaler Versager, wenn es um das Unterhalten in Filmzitaten geht. Ich finde das in der Regel nicht mal witzig. Was ich für dich ausgesucht habe, ist aber ein Zitat aus dem Film, der mich regelmäßig vor den Fernseher holt, und das seit Jahren und Jahren und Jahren. Ja, bald ist Weihnachten. 

    „Die Wangen sind mit Asche beschmutzt, aber der Schornsteinfeger ist es nicht … ein Hütchen mit Federn, die Armbrust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht … ein silbergewirktes Kleid mit Schleppe zum Ball, aber eine Prinzessin ist es nicht, mein holder Herr.“
     
  2. Wie verlief dein schönster Geburtstag?
    Ich würde „schön“ gern streichen und durch „nicht ganz gewöhnlich“ ersetzen.
    Ein Sektempfang am Kaispeicher A. Genau, da steht heute die Elbphilharmonie, aber früher war das ein reichlich spärlich bebauter Platz, wo man unkompliziert am Wasser sein konnte. Wir waren nicht viele, es gab auch mehr als Sekt, und das Wetter spielte mit.  An der Überseebrücke lag eine Fregatte, von der erklang irgendwann Blasmusik(!), wir sahen den Strom hinunter Richtung Sonnenuntergang.
    Ich feiere meine Geburtstage schon ganz lange hauptsächlich dadurch, dass ich an diesem Tag etwas Besonderes mache. Keine Party schmeißen zu müssen, ist sehr befreiend.
     
  3. Wie erlebst du Raum?
    Das klingt jetzt zwar bescheuert, aber ich versteh die Frage nicht, glaube ich.
    Meine erste Assoziation mit „Raum“ ist nicht Zimmer, sondern Weltraum. Und den erlebe ich, wenn ich nachts vor die Tür gehe und mir den Hals nach Sternen verdrehe. Andächtig und demütig (weil ich so sandkornklein vor der Ewigkeit bin), versteht sich.
     
  4. Buchstaben sind eigenwillige kleine Dinger in Büchern, was treiben die so beim Lesen?
    Äh … krabbeln mir ins Ohr und schaukeln am Ohrläppchen, bis es kitzelt und ich lache? Springen mir ins Auge, bis es tränt? Huschen von vorne nach hinten und stellen sich in Formation und verlängern das Buch? Tanzen um mich herum Ringelreihen? Ärgern die Katze und kommen ängstlich angerast, wenn die sich dann streckt und tief gähnt?
    Äh … bitte, was?
     
  5. Was darf bei Freundschaft ausgeklammert werden?
    Alles außer Ehrlichkeit, Humor und Respekt. Ohne das ist es keine Freundschaft, sondern bestenfalls eine Zweckgemeinschaft. Auch nicht zu verachten, aber nicht deine Frage.
     
  6. Wenn Humor eine Waffe wäre, welche würdest du wählen?
    Phhh. Kommt auf die Situation an. Ich würde mir ja wünschen, dass ich von mir behaupten könnte, dass mein Humor ein scharf geschliffenes Florett oder so was wäre, aber hin und wieder nehme ich auch die Nadel, die Fliegenklatsche oder falle brachial mit der Tür ins Haus. Und ab und an finde ich was auch immer einfach nicht witzig, dann bin ich störrisch, komplett nervenaufreibend sauertöpfisch und/oder behaupte, dass ich zum Lachen in den Keller gehe. Oder so.
     
  7. Wir schreiben ja nur meist im Netz, fehlt da nicht etwas Elementares von einem Menschen, was ist dir wichtig?
    Ja. Mir fehlt speziell die Stimme. Ich würde zumindest einige Bloggerfreund_innen gerne mal hören und manche auch sehr gern persönlich kennenlernen. Solltest du, liebes Blumenmädchen, also mal zu einem Bloggertreffen in deinem Lieblingspark aufrufen, kann ich jetzt schon sagen, dass ich sehr interessiert bin.
     
  8. Kennst du das Phänomen des Tastenstreichelns, wenn du einen Kommentar besonders gerne beantwortest?
    Nein, aber ich kenne selig-breites-dämliches-verzücktes Vor-mich-hin-Grinsen beim Tippen, zählt das auch?
     
  9. Absolutes, jetziges Tagesform-Lieblingslied … Links werden erbeten!!!
    Ich schaue/höre Sting jetzt schon mehr Jahre als ich zugeben will beim Älterwerden zu. Jetzt kommt die neue CD, trotzdem habe ich immer dies hier im Ohr …
    Fragile mit einem sehr jungen Sting
     
  10. Es gibt Nomaden und Sesshafte, wozu gehörst du?
    Sesshaft. Manchmal denke ich, viel zu sehr, dann aber wiederum freue ich mich, dass es endlich einen Ort gibt, an den ich wirklich gern zurückkehre
     

liebster-award-marguerite | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay und das Liebster-Award-Logo von werweißwoher

 

Ich beantworte gern Fragen. Normalerweise. Ich denke mir aber ungern welche aus. Normalerweise. Also keine Fragen für euch und auch keine Nominierungen.

 

Hinterm Horizont?

Aus dem Radio tröpfelte Udo Lindenberg und sang davon, dass sie gemeinsam stark wären. Sie seufzte in ihren Kaffee. Der nun auch noch. Nein, dies würde nicht der Tag der Plattitüden werden, und wenn sie die Leute in dem Café bitten musste, den Sender zu wechseln. Sie starrte wartend aus dem Fenster. Sehr oft hatte sie sich mit seiner Freundin noch nicht getroffen, seit ER sozusagen die Seite gewechselt hatte, aber die hatte sie unbedingt sehen wollen. Es sei wichtig.

 

Wir war‘n so richtig Freunde für die Ewigkeit | das war doch klar. | Hab‘n die Wolken nicht gesehn | am Horizont | bis es dunkel war. | Und dann war‘s passiert | hab es nicht kapiert| ging alles viel zu schnell. | Doch zwei wie wir | die können sich nie verlier’n …

(Aus: Udo Lindenberg: Hinterm Horizont (Quelle))

 

Doch, sie hatten die Wolken am Horizont gesehen, aber kapiert hatten sie es nicht, beide, und ja, es war viel zu schnell gegangen. Aber wann kam der Tod mal nicht zu plötzlich, es sei denn, er würde erwartet? Und nun saßen sie da, Frauke und sie, und waren hinterblieben, mit diesem verdammten Gefühl eines großen Nichts im Herzen, und mussten irgendwie weiterleben.

Sie waren nicht so furchtbar erfolgreich als Paar, er und sie, aber sie waren richtig gut darin gewesen, Freunde zu sein. Freunde für die Ewigkeit, säuselte Udo in ihr Ohr. Sie nickte gedankenversunken. Das war der Plan. Auch nachdem sie sich getrennt hatten, hatte ihre Freundschaft nie zur Debatte gestanden. Sie war nur anders geworden. Doch zwei wie wir, die können sich nie verlier‘n. Wenn es das gab, Karma, dann hatten sie ein Stück weit ein gemeinsames, daran glaubte sie. Der Gedanke fühlte sich stark und gut an, diesen Menschen schon richtig lange zu kennen und ihn irgendwann mal wiederzusehen. In einem anderen Leben. Oder so.

Er war nicht der verwurzelte Typ gewesen, von daher erschien ihr der Gedanke lächerlich, an einem Ort um ihn zu trauern. Frauke konnte die Wohnung allein nicht halten und würde demnächst ausziehen. „Komm vorher vorbei und such dir was aus“, hatte sie gesagt. „Nimm mit, was du brauchen kannst.“ So viele Erinnerungen, aber das, was ihr Herz erleichterte, war nicht dabei gewesen. Dinge machten sie jedenfalls nicht fröhlicher.

Da kam Frauke. Sie stand auf und winkte ihr zu. Sie umarmten sich.
„Ich muss dir was erzählen, was passiert ist“, fing die schließlich an, als ihr Kaffee vor ihr stand. Ihre Augen glänzten. „Das errätst du nie!“
Sie lächelte und wartete. „Sag schon!“
Frauke ließ sich nicht lange bitten.
„Ich habe doch in der letzten Zeit die Wohnung ausgemistet und geschaut, was ich mitnehmen will. Und vor einer guten Woche habe ich von ihm geträumt!“ Frauke lehnte sich zurück. „Er kam und führte mich in sein Arbeitszimmer an seinen Schreibtisch. Du weißt doch, dass da die ganzen Füller und Kugelschreiber lagen, die er gesammelt hat.“
Sie nickte.
„Dann nahm er einen Zettel und seinen roten Lieblingskugelschreiber und schrieb viele Zahlen drauf. Ich fragte ihn, was ich denn damit solle, er wäre doch weg und ich hätte viiiiiiel lieber, dass er bei mir wäre, da nahm er mich in den Arm und hielt mich fest und streichelte mich. Dann sagte er mir, es wären Lottozahlen, und ich solle das Geld mit dir teilen. Wir haben einander noch bisschen gehalten, dann war er wieder weg.“
„Ach, ist das schön.“ Sie beugte sich vor und wollte sich ihr Gerührtsein nicht anmerken lassen. „Und dann?“
„Na ja“, Frauke zögerte. „Am nächsten Morgen bin ich in sein Arbeitszimmer, weil ich dort weitermachen wollte mit dem Aufräumen. Und auf dem Schreibtisch lag ein Zettel mit seiner Handschrift.“
„Ist nicht wahr! Echt?“
„Echt. Der Zettel lag den Tag vorher schon da, aber Zahlen waren da keine drauf. Ganz sicher.“
„Krass. Darf ich fragen … hast du gespielt? Ich meine … waren es überhaupt wirklich Lottozahlen?“
„Ja, aber schwer zu lesen. Du weißt ja, manchmal hat er ziemlich gekritzelt.“
„Und? Jackpot?“
Frauke lächelte.
„Fünf Richtige“, sagte sie schlicht. „Etwas über zweitausend Euro.“
Sie griff in ihre Handtasche und gab ihr einen Umschlag. „Deine Hälfte. Zähl nach.“
Sie starrte sie an. Dann nahm sie den Umschlag und warf einen Blick hinein. Banknoten schimmerten grün. Sie sah sie ungläubig an. „Du bist sicher, dass du deinen Gewinn mit mir teilen willst?“
„Er hat es gesagt. Von mir aus geht das in Ordnung.“

Plötzlich, für einen winzigen Moment, veränderte sich alles. Die Farben waren bunter, die Gerüche intensiver, die Geräusche lauter. Er saß mit ihnen am Tisch, diskutierte, lachte und gestikulierte. Zog schließlich seinen Tabaksbeutel heraus und drehte sich eine Zigarette. Sie starrte auf seine Hände, seine Unterarme, sah verblasste, bunte Linien und wusste auf einmal …

„He!“ Frauke schnipste vor ihrem Gesicht mit den Fingern. „Komm zurück! Hast du einen Geist gesehen?“
Sie nickte. „Ja. Irgendwie. Und ich weiß noch was.“
„Was?“
Traurigkeit fiel von ihrer Seele ab. Sie strahlte sie an und fühlte sich frei. „Seit über zwanzig Jahren möchte ich ein Tattoo. Die Zeit war nie reif dafür. Jetzt ist sie es.“

 

Tattoo Hand | 365tageastzadayQuelle: Pixabay

 

Dies ist auf den aller- allerletzten Drücker mein Beitrag zu Tante Tex‘ Story-Samstag zum Thema Erbe. Sorry, ich wäre gern früher gewesen. Ging einfach nicht.

Wer mich kennt und/oder länger liest, wird wissen, dass sich hier Realität und Fiktion vermischen. Ihr anderen, seid bitte versichert, dass es Realität und Fiktion ist 😉

 

 

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