Vom Vorfrühling (2)

Noch ist die Zeit der blauen Bäume

Noch ist die Zeit der blauen Bäume,
Sie schauen mit kahlem Geäst
Weit in die funkelnde Ewigkeit
Und halten sich kahl am Himmelsblau fest.
Und nur die Wolken, weiß und breit,
Bauen im blauen Baum ihr Nest.
Die Winde fegten fort verjährten Blätterrest,
Und dein Auge im Baum weiten Raum hat
Für der verliebten Gedanken luftige Lagerstatt.

(Max Dauthendey, Noch ist die Zeit der blauen Bäume, aus: Lusamgärtlein, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 232–233)

Vorfrühling

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,

greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.

(Rainer Maria Rilke, Vorfrühling, In: Die Gedichte 1922 bis 1926 (Muzot, etwa 20. Februar 1924), Online-Quelle)

Vorfrühling

Leise tritt auf …

Nicht mehr in tiefem Schlaf,
in leichtem Schlummer nur
Liegt das Land:
Und der Amsel Frühruf
Spielt schon liebliche
Morgenbilder ihm in den Traum.

Leise tritt auf …

(Ferdinand Avenarius, Vorfrühling, aus: Stimmen und Bilder. Neue Gedichte, 1898, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Kommt gut und heiter in und durch die neue Woche!

 

Schreibeinladung für die Textwochen 08.09.21 | Wortspende von wortgeflumselkritzelkram

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche sicherlich noch nicht allerorten, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, aber steigen bei diesen Temperaturen bei euch nicht auch die Lebensgeister ganz automatisch mit? Hier singen mich jetzt endgültig morgens die Vögel aus dem Schlaf, wenn es nicht ein maulender (weil hungrig) Fellträger tut, und es wird endlich gefühlt früher hell und später dunkel … der Frühling kündigt sich an.

Passend zu den Temperaturen (heute hier laut Vorhersage zweistellig im Plusbereich) hat sich auch die Wortspende für die nächsten beiden Wochen gestaltet 😉 – aber zuerst wie üblich Statistik und Liste.

Ihr habt dieses Mal 72 Etüden auf 41 Blogs beigesteuert, ein Ergebnis, das auf jeden Fall weit vorne liegt. Gefreut hat mich auch total, dass so viele von euch die Affenkopf-Illustration so geliebt haben – mich freut es immer, wenn ich sehe, dass ihr sie verwendet, dazu mache ich sie ja.
Die Liste führen dieses Mal Ulrike und Christian mit jeweils 5 Etüden an, gefolgt von Alice und Maren mit jeweils 4 Etüden und einigen Schreiber*innen mit jeweils 3 – ihr seht sie unten.

Vielen Dank wie immer an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben! Vielen Dank an jede*n, den ich in den teilnehmenden Blogs getroffen habe und der*die dort kommentiert/mitdiskutiert hat.

Wie immer bitte ich euch, die Liste zu kontrollieren, ob jede eurer Etüden dort verzeichnet ist oder ob euch sonst was komisch vorkommt. Ich trage gerne nach, wenn irgendwas nicht stimmt, ihr wisst, es ist keine böse Absicht, manchmal habe ich einfach Tomaten auf den Augen.
Kaffee und Keks parat? Hier kommt die Liste.

Disclaimer: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Sandra auf Denkzeiten: hier
Jane auf Blood, Tears, Gold & Minds: hier
Puzzleblume auf Puzzle❀: hier, hier und hier
Heidi auf Erinnerungswerkstatt: hier
Ellen auf nellindreams: hier, hier und hier
Heidi auf heidimariaskleinewelt: hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier, hier und hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier
Donka auf onlybatscanhang: hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier und hier
Werner in meinen Kommentaren: hier
Ulrike auf Blaupause7: hier, hier, hier, hier und hier
Melina auf Innen-Reise-Wege: hier
Christian auf Wortverdreher: hier, hier, hier, hier und hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier, hier, hier und hier
Jacqueline in Jacquelines Lebenstagebuch: hier
Maren auf Ich lache mich gesund: hier, hier, hier und hier
Christa Hartwig in meinen Kommentaren: hier
Anja auf Annuschkas Northern Star: hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Torsten auf Wortman: hier
Bernd von Red Skies over Paradise: hier, hier und hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier, hier und hier
René auf Berlin. Autor. BerlinAutor: hier
Judith auf Mutiger leben: hier und hier
Stepnwolf auf Weltall. Erde. Mensch … und Ich.: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Kain Schreiber auf Gedankenflut: hier, hier und hier
Doro auf DORO|ART: hier
Emma auf Emma Escamilla: hier
Lea auf Kommunikatz: hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier und hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier
Heike auf Gedankenmusik: hier
Marion auf Findesatz: hier
Yvonne auf umgeBUCHt: hier
Monika auf Allerlei Gedanken: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Veronika auf vro jongliert: hier

Die Wörter für die Textwochen 08/09 des Schreibjahres 2021 stiftete endlich mal wieder Sabine (auch als Frau Flumsel bekannt) mit ihrem Blog wortgeflumselkritzelkram. Sie lauten:

Strickjacke
trügerisch
entdecken.

 

Wie immer möchte ich an dieser Stelle auf den öden, blöden Etüden-Disclaimer verweisen: Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Eventuelle Inhaltshinweise (Triggerwarnungen) und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der zugehörigen Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste bzw. muss meckern, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig. Wer sich die Illustrationen herunterladen möchte, sollte sie vorher großklicken, danach kann man sie in der Regel downloaden und bei sich wieder hochladen.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 07. März 2021.
Habt weiterhin ein schönes Wochenende und gute Einfälle – und genießt die Sonne!

 

abc.etüden 2021 08+09 | 365tageasatzaday
Quelle: Photo by Maksym Kaharlytskyi on Unsplash; Bearbeitung von mir

 

abc.etüden 2021 08+09 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay; Bearbeitung von mir

 

Ein Weg | abc.etüden

Die Frau stapft durch den Wald und heult. Endlich ist das Wetter schön, zu Hause sitzen ist nicht mehr die einzige Option, aber sie kann sich nicht aus ihrem inneren Mühlrad befreien. Gedanken und Gefühle, die zentnerschwer auf ihr lasten und alles blockieren, alles, das Leben, die Zukunft, den Sinn, alles. Und Ängste. Sie ist Atlas, und ihr wird der Himmel auf den Kopf fallen. Bald. Ihre Kraft schwindet. Als das Gefühl sie überkam, sie könne es jetzt keine Minute mehr aushalten, ist sie losgelaufen.
Sie kennt sich gut genug aus, um niemandem zu begegnen.

Erschöpft lässt sie sich am Waldrand auf eine Bank sinken.

»Es tut mir leid, dass es Ihnen nicht gut geht«, sagt eine höfliche Stimme neben ihr. Sie schreckt auf. Neben ihr sitzt eine ältere Dame, die vor einem Moment bestimmt noch nicht da war. Sie hält ihr ein Taschentuch hin. Die Frau greift danach, trompetet undamenhaft hinein und schluchzt erneut auf.

»Entschuldigung«, bittet sie und beschließt, einen kryptischen Satz zu wagen. »Wissen Sie, wenn man keinen Ausweg mehr sieht, ist es schwer, aus einem eingefleischten Nein ein Ja zu machen.«

»Welchen Wert hätte auch das ganze schöne Leiden gehabt, wenn man es einfach so aufgeben würde?«, gibt die Dame heiter und unbeeindruckt zurück. »Das ist doch, als hätte man sich die ganzen Jahre zum Affen gemacht, weil man sich selbst absichtlich Steine in den Weg gelegt hat.«

Die Frau ist verdutzt. Ein interessanter neuer Gedanke mit tiefgreifenden Konsequenzen. »Richtig«, sagt sie dann. »Gute Frage: Darf es auch einfach sein?«

Sie sitzen in der Sonne und schauen über die Felder vor ihnen zum Horizont. Irgendwann hebt die Frau die Hand. »Dort«, ruft sie aufgeregt und deutet auf zwei Vögel. »Das sind Störche! Die ersten für dieses Jahr! Sie sind zurück!«

Der Platz neben ihr ist leer.

 

abc.etüden 2021 06+07 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay

 

Für die abc.etüden, Wochen 06/07.2021: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Torsten und seinem Blog Wortman. Sie lauten: Affe, neu, blockieren.

Na schön, ich bin aus dem Winterblues offensichtlich noch nicht raus, aber ich übe … Allerdings ist gestern (18.02.2021) wirklich der erste Storchenrückkehrer auf Hamburger Gebiet (in den Vierlanden, Hamburger Südosten) gesichtet worden.

Ja, 300 Wörter sind eindeutig zu wenig. 😉

 

Von Sehnsucht und Blau

Seelen

Du weisst, wir bleiben einsam: du und ich,
Wie Stämme, tief in Gold und Blau getaucht,
Mit freien Kronen, die der Seewind streift;
So nah, doch ganz gesondert, ewig zwei.
Und zwischen beiden webt ein feines Licht
Und Silberduft, der in den Zweigen spielt,
Und dunkel rauscht die Sehnsucht her und hin.

(Paul Wertheimer, Seelen, aus: Neue Gedichte, 1904, Online-Quelle)

Melancholie

Von weit her Hundebellen
Klingt durch die nächtliche Ruh.
Es spülen die schwarzen Wellen
Mein Boot dem Ufer zu.

Die blauen Berge der Ferne
Winken am Himmelssaum.
Auf in den Lichtbann der Sterne
Trägt mich ein Traum.

Stumm ziehen wilde Schwäne
Über das Wasser hin.
Mir kommt eine müde Träne.
Ich weiß nicht, warum ich so bin.

(Joachim Ringelnatz, Melancholie, aus: Gedichte, 1910, Online-Quelle)

Sehnsucht

Wie glänzend die Höhen sich dehnen
Weit in die blaue Ferne.
Zu ihnen fliegt mein Sehnen
Hin zu dem Morgensterne.

Wohl hinter ihnen sich breitet
Der lachende Weg zum Glück
Das endlos da hinten sich weitet.
Ich finde ihn nicht zurück.

(Georg Heym, Sehnsucht, aus dem Frühwerk, Online-Quelle)

 

Unbedingt anschauen, weil herzzerreißend schön … (danke fürs Finden, liebe Karin!)

„The Silent Blue Book“ von Maia Walczak (YT, 2:50 min)

 

 

Kommt gut und heiter in und durch die neue Woche!

 

Winterblues | abc.etüden

CN: Wer gerade mit der/gegen die Einsamkeit (ob aufgrund der Coronamaßnahmen oder nicht) zu kämpfen hat, den könnte dieser Text triggern. Seid gewarnt.

 

Das Fenster der Dachkammer blockierte. Am Anfang hatte sie es persönlich genommen, hatte gedacht, jemand wolle sie hindern, hinauszuklettern oder sich hinauszustürzen, dann aber hatte sie herausgefunden, dass sie wohl nur einen schwergängigen Hebel würde umlegen müssen, denn es ließ sich kippen. Nun gut, auch so konnte man lüften. Das Öffnen würde sie wohl noch ein, zwei Wochen verschieben, denn solange ihr Arm immer noch so wehtat, war nicht daran zu denken, damit Druck auszuüben.

Überhaupt, wo war der Gedanke hergekommen, sie wolle sich umbringen? Der war neu, dachte sie kritisch und unangenehm berührt. Und nein, sie war ja auch nicht absichtlich gestürzt, DAS würde sie geschickter anstellen, auch wenn ihre Bodenstiege reichlich steil und zum Halsbrechen vermutlich durchaus geeignet war. Hm.

Sie seufzte. Jeder Winter nahm ihr ein bisschen mehr Substanz, dieser war keine Ausnahme, und die ganzen Beschränkungen machten es nicht leichter. Wer von so vielen Möglichkeiten für Kontaktaufbau sprach, der kannte keine Menschen wie sie. Menschen ohne großen Bekanntenkreis, die jetzt niemanden hatten, der sie besuchen und umarmen würde. Menschen, für die der Lebensmitteleinkauf der gesellschaftliche Höhepunkt war, weil alles geschlossen worden war, wo man andere treffen und sich ein bisschen unterhalten konnte. Sie hatte im Fernsehen einige Politiker gesehen, die sich zum Affen machten, und sich gefragt, ob sie in der gleichen Gesellschaft lebten.

Es war manchmal schwer, nach vorne zu sehen. Sie umarmte die Gleichgültigkeit, die sich wie eine warme, braune Decke um sie legte, gab den Widerstand auf und ließ die Tage auf der Couch verstreichen. Wozu sollte sie aufstehen, sich zurechtmachen, sich zusammenreißen? Früher hatte sie Antworten darauf parat gehabt, aber jetzt?

Okay. Sie war gesund. Alles würde enden, auch der Winter und die diversen Lockdowns, und sie würde die Fenster aufreißen, draußen sitzen und mit anderen lachen.
Wenn sie dann noch lebte.

 

abc.etüden 2021 06+07 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay

 

Für die abc.etüden, Wochen 06/07.2021: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Torsten und seinem Blog Wortman. Sie lauten: Affe, neu, blockieren.

Diese Etüde wollte geschrieben werden, nachdem ich schon mal angefangen hatte, vom „Winterblues“ zu reden. Sollte irgendwer von euch der Meinung sein, dass da eine Triggerwarnung drüber gehört, lasst es mich bitte wissen. Ich hoffe, die nächste wird fröhlicher.
Nein, die ist nicht autobiografisch, aber ehrlicherweise muss ich sagen, dass sie es vielleicht sein könnte, wenn ich, na, sagen wir mal, 20 Jahre älter wäre und NATÜRLICH auf keinen Fellträger aufzupassen hätte … 😉

Nachdem ich bemerkt habe, dass ich immer wieder ein gewisses Foto eines Dachfensters vor Augen hatte, habe ich überlegt, ob ich diese Etüde nicht auch Myriades Impulswerkstatt widmen soll, aber ich glaube, ich hebe mir das auf.

Update: Da Myriade meint, dass diese Etüde hervorragend zu ihrem Fenster passen würde, sei sie hiermit auch in die Liste der Beiträge zur Impulswerkstatt Februar eingereiht.

 

Copyright: Myriade

 

Vom Winter und dem Eis

Nun kommt der Schnee angefahren in hellen Fuhren

Nun lassen Winterwolken auf Erden weiße Spuren,
Nun kommt der Schnee angefahren in hellen Fuhren.
Nun klingen die Wege im Frost versteint und metallen
Und sind vor Kälte bitter,
Als hätten viele Augen dort Salz geweint,
Als sei der kalte Mond in weiße Splitter zur Erde gefallen,
Als stünden im Blut die Tropfen still,
Und die Herzen, die feurigen Uhren,
Als ob keines mehr der Liebe Stunde schlagen will.

(Max Dauthendey, Nun kommt der Schnee angefahren in hellen Fuhren, in: Der weiße Schlaf, aus: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 426)

Eisnacht

Wie in Seide ein Königskind
schläft die Erde in lauter Schnee,
blauer Mondscheinzauber spinnt
schimmernd über der See.

Aus den Wassern der Rauhreif steigt,
Büsche und Bäume atmen kaum:
durch die Nacht, die erschauernd schweigt,
schreitet ein glitzernder Traum.

(Clara Müller-Jahnke, Eisnacht, in: Heimatklänge, aus: Mit roten Kressen, Online-Quelle)

Winterwärme

Mit brennenden Lippen,
unter eisblauem Himmel,
durch den glitzernden Morgen hin,
in meinem Garten,
hauch ich, kalte Sonne, dir ein Lied.

Alle Bäume scheinen zu blühen;
von den reifrauhen Zweigen
streift dein Frühwind
schimmernde Flöckchen nieder,
gleichsam Frühlingsblendwerk;
habe Dank!

An meiner Dachkante hängt
Eiszapfen neben Zapfen,
starr,
die fangen zu schmelzen an,
Tropfen auf Tropfen blitzt,
jeder dem andern unvergleichlich,
mir ins Herz.

(Richard Dehmel, Winterwärme, aus: Lebensblätter, 1895, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Kommt heil und gesund und guten Mutes in und durch diese Woche! 😀

 

Schreibeinladung für die Textwochen 06.07.21 | Wortspende von Wortman

Diese abgelaufene Woche hatte ich den Winterblues, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, keine Lust zu nichts, nichts wollte gelingen, alles nur so „Och nö, lass man, lieber morgen, übermorgen, nächste Woche“ … Nun gut. Neue Woche, neue Etüden, neue Ideen. Hoffentlich.

Dagegen war ich ausgesprochen erfreut, dass SO VIELE von euch bei den Extraetüden mitgeschrieben haben, die ja oft irgendwie ein Schattendasein fristen. Letzten Endes kann ich nach all der Zeit sagen, dass es scheinbar so was wie einen harten Kern gibt, der IMMER schreibt, schreiben kann – was ich nicht auf die Reihe kriege, mir fehlen dann entweder Ideen oder die Begeisterung dafür, die in einen Text zu bekommen. Klarer Fall von schade eigentlich. Ich danke euch jedenfalls sehr!

Ich zähle, und damit bin ich auch gleich bei der Statistik und der Liste, 42 Etüden von 28 Blogs (was für eine Einzelwoche mehr als gut ist, hurra!) – und eine Neueinsteigerin! 😀 Herzlich willkommen bei den Etüdenverrückten, Emma Escamilla!
Die Liste führt mit weitem Abstand dieses Mal Gerhard an: 6 Etüden, gefolgt von Ulrike mit 3. Darauf folgen mehrere Schreibende mit 2 Etüden, die liste ich jetzt aber nicht alle, ihr seht sie unten.

Vielen Dank wie immer an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben! Vielen Dank an jede*n, den ich in den teilnehmenden Blogs getroffen habe und der*die dort kommentiert/mitdiskutiert hat.

Wie immer bitte ich euch, die Liste zu kontrollieren, ob jede eurer Etüden dort verzeichnet ist oder ob euch sonst was komisch vorkommt. Ich trage gerne nach, wenn irgendwas nicht stimmt, ihr wisst, es ist keine böse Absicht.
Kaffee und Keks parat? Hier kommt die Liste.

Disclaimer: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Ulrike auf Blaupause7: hier, hier und hier
Maren auf Ich lache mich gesund: hier und hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Werner auf Werner Kastens: hier
Heidi auf heidimariaskleinewelt: hier
Heidi auf Erinnerungswerkstatt: hier
Elke H. Speidel auf Transworte auf Litera-Tour: hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier, hier, hier, hier, hier und hier
Christian auf Wortverdreher: hier und hier
Heike auf Gedankenmusik: hier
Puzzleblume auf Puzzle❀: hier und hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier und hier
Lea auf Kommunikatz: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier und hier
Kain Schreiber auf Gedankenflut: hier und hier
Doro auf DORO|ART: hier
Ellen auf nellindreams: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier
Sandra auf Denkzeiten: hier und hier
Judith auf Mutiger leben: hier
Torsten auf Wortman: hier
Bernd von Red Skies over Paradise: hier
Veronika auf vro jongliert: hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Monika auf Allerlei Gedanken: hier
Emma auf Emma Escamilla: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier

Die Wörter für die Textwochen 06/07 des Schreibjahres 2021 stiftete zum ersten Mal Torsten mit seinem Blog Wortman. Sie lauten:

Affe
neu
blockieren.

 

Wie immer möchte ich an dieser Stelle auf den öden, blöden Etüden-Disclaimer verweisen: Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Eventuelle Inhaltshinweise (Triggerwarnungen) und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der zugehörigen Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste bzw. muss meckern, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig. Wer sich die Illustrationen herunterladen möchte, sollte sie vorher großklicken, danach kann man sie in der Regel downloaden und bei sich wieder hochladen.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 21. Februar 2021.
Habt weiterhin ein schönes Wochenende und gute Einfälle!

 

abc.etüden 2021 06+07 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay

 

abc.etüden 2021 06+07 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay

 

Von Schnee und Reh ;-)

Erster Schnee

Aus silbergrauen Gründen tritt
ein schlankes Reh
im winterlichen Wald
und prüft vorsichtig, Schritt für Schritt,
den reinen, kühlen, frischgefallnen Schnee.

Und Deiner denk’ ich, zierlichste Gestalt.

(Christian Morgenstern, Erster Schnee, aus: Und aber ründet sich ein Kranz, 1902, Online-Quelle)

Winter

Geduldig ist der Wald,
Behutsamer der Schnee,
Am einsamsten das Reh.
Ich rufe. Was erschallt?
Der Widerhall macht Schritte.
Er kehrt zurück zu seinem Weh:
Das kommt heran wie leise Tritte.
Er findet mich in meiner Mitte.
Warum hab ich den Wald gestört?
Vom Schnee ward nichts gehört.
Hat sich das Reh gescheut?
Wie mich das Rufen reut.

(Theodor Däubler, Winter, in: Menschheitsdämmerung, 1920, S. 119, Online-Quelle)

STILLE WINTERSTRASSE

Es heben sich vernebelt braun
Die Berge aus dem klaren Weiß,
Und aus dem Weiß ragt braun ein Zaun,
Steht eine Stange wie ein Steiß.

Ein Rabe fliegt, so schwarz und scharf,
Wie ihn kein Maler malen darf,
Wenn er’s nicht etwa kann.
Ich stapse einsam durch den Schnee.
Vielleicht steht links im Busch ein Reh
Und denkt: Dort geht ein Mann.

(Joachim Ringelnatz, Stille Winterstraße, aus: Flugzeuggedanken, Berlin 1929, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Kommt gut und heiter durch die neue Woche!

Und weil ich nicht weiß, wie lange die weiße Pracht hierzulande anhält – die einen sagen so, die anderen so – ein paar Fotos von Samstag, entstanden auf dem Weg um meinen Lieblingsteich … 😉

Schneepersonen

Quelle: ichmeinerselbst | Klick macht groß!

 

Schneestimmungen

Quelle: ichmeinerselbst | Klick macht groß!

 

Schreibeinladung für die Textwoche 05.21 | Extraetüden

Ich seh euch schon überlegen, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, was ich mir wohl dieses Mal zum Jubeln ausgedacht habe, um euch heiter in diesen Beitrag zu bekommen – wenn schon die Heiterkeit sich ansonsten eher rar macht. Na ja, mir geht es nicht anders als euch, aber es sind wirklich sehr viele und sehr lesenswerte Etüden zusammengekommen: über 70 von über 40 teilnehmenden Blogs. Ja, es ist wahr, es sind im Winter immer viele und man kann gerade eh nicht anderes machen, wenn es wärmer wird und alle in den Gärten etc. verschwinden, kommt bisschen mehr als ca. die Hälfte zusammen. Ja, weiß ich. Aber NOCH ist die Gartensaison in weiter Ferne, und ich freue mich vor mich hin.

Diese Woche habe ich die Ehre, euch die ersten Extraetüden des Jahres anzukündigen. Extraetüden gibt es immer dann, wenn ein Monat 5 Sonntage hat, was etwa alle Vierteljahre vorkommt (die im 2. Halbjahr 2020 fielen ins Etüdensommerpausenintermezzo und in die Adventüden). Da ich die Schreibeinladungen am 1. und am 3. Sonntag veröffentliche, muss am 5. Sonntag ja eigentlich auch was kommen, oder? Also gibt es dann die sogenannten Extraetüden: 1 Woche Laufzeit, 500 Wörter Maximum, und statt der gewohnten 3 müssen 5 Begriffe aus den Wortspenden des ablaufenden Monats eingebaut werden. Mehr dazu unten.

Zuerst gibt es wie immer Statistik und Liste für alle, die vielleicht die eine oder andere Etüde verpasst haben und noch mal nachlesen wollen. Ulrikes Wortspende hat 72 Etüden von 42 Blogs animiert, und sie führt dann auch die Liste mit 6 Etüden an, gefolgt von Christian mit 5 und Puzzleblume sowie Kain Schreiber mit jeweils 4 Etüden. Neu dabei ist Heike mit ihrem Blog Gedankenmusik, herzlich willkommen, Heike, auch hier; und ich freue mich sehr, dass Sandra von den Denkzeiten wieder aufgetaucht ist, die eine der ganz frühen Mitschreiberinnen war.

Vielen Dank wie immer an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben! Vielen Dank an jede*n, die*der mit durch die teilnehmenden Blogs gegangen ist und kommentiert/diskutiert hat.
Ich schreibe das immer wieder, denn es stimmt auch immer wieder: Ich freue mich über jede*n, der*die Lust dazu hat, man lernt die anderen Blogger*innen besser kennen und rückt ein bisschen näher zusammen, und sei es nur virtuell, ist doch egal.

Wie immer bitte ich euch, die Liste zu kontrollieren, ob jede eurer Etüden dort verzeichnet ist oder ob euch sonst was komisch vorkommt. Ich trage gerne nach, wenn irgendwas nicht stimmt, ihr wisst das, es ist keine böse Absicht.
Kaffee und Keks parat? Hier kommt die Liste.

Disclaimer: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Sandra auf Denkzeiten: hier
Ulrike auf Blaupause7: hier, hier, hier, hier, hier und hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier, hier und hier
Jane auf Blood, Tears, Gold & Minds: hier
Torsten (Wortman) in meinen Kommentaren: hier 😉
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Elke H. Speidel auf Transworte auf Litera-Tour: hier
Puzzleblume auf Puzzle: hier, hier, hier und hier
Ellen auf nellindreams: hier, hier und hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier und hier
Heidi auf heidimariaskleinewelt: hier
Heidi auf Erinnerungswerkstatt: hier
Doro auf DORO|ART: hier
Bernd von Red Skies over Paradise: hier, hier und hier
Monika-Maria auf Zauberei mit Buchstaben: hier
Lea auf Kommunikatz: hier
Christian auf Wortverdreher: hier, hier, hier, hier und hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier
Fraggle auf Modern Wolfare: hier
Kain Schreiber auf Gedankenflut: hier, hier, hier und hier
Veronika auf vro jongliert: hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier und hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier, hier und hier
René auf Berlin. Autor. BerlinAutor: hier
Judith auf Mutiger leben: hier und hier
Maren auf Ich lache mich gesund: hier und hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier und hier
Torsten auf Wortman: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Anja auf Annuschkas Northern Star: hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier
Heike auf Gedankenmusik: hier
Monika auf Allerlei Gedanken: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Trina auf Trinas Welt: hier
Donka auf onlybatscanhang: hier
Carmen aus der Wortwabe: hier
Yvonne von umgeBUCHt: hier
Marion auf Findesatz: hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier

Ihr wisst/erinnert euch, wie das mit den Extraetüden geht?! Ihr nehmt die Begriffe des abgelaufenen Monats, das sind sechs, sucht euch davon fünf aus und verpackt die in einen Text von maximal 500 Wörtern. Zeit: eine Woche!
Den Rest kennt ihr.

Die Wörter im Monat Januar spendeten Ludwig Zeidler und Ulrike von Blaupause7. Sie lauteten:

Zetermordio, weichmütig, backen
Lautsprecher, orange (NICHT die Frucht, die Farbe), erschüttern.

 

Dieses Mal gilt die Abwandlung des öden, blöden Etüden-Disclaimers: Die Headline für die Etüden heißt: 5 Begriffe in maximal 500 Wörtern.
Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der zugehörigen Schreibeinladung finden kann (das ist diese hier), der kommt nicht auf die nächste Liste bzw. muss meckern, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig. Wer sich die Illustrationen herunterladen möchte, sollte sie vorher großklicken, danach kann man sie in der Regel downloaden und bei sich wieder hochladen.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es schon am nächsten Sonntag, den 7. Februar 2021. Euch viel Schreiblust! Habt weiterhin ein schönes Wochenende und bleibt heiter!

 

Extraetüden 05.21 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Extraetüden 05.21 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Das Schöne vom Tag

Wenn es in Hamburg schon mal schneit …

 

Schneeengel | 365tageasatzaday
Quelle: ichmeinerselbst, Klick macht groß 😉

 

… sind viele aus dem Häuschen, es kommt so selten vor.
Ich auch gleich, dann stapfe ich mit der Kamera um meinen Lieblingsteich. Aber vorher schnell: einmal Einschneien, bitte! 😀 Fotos des werdenden Schneeengels von gestern Nachmittag (während Schneefall) und heute Vormittag, also eben.

Ich suche übrigens noch nach einem Namen für die Engelin.

Habt einen strahlenden Tag!

 

Blind Date | Myriades Impulswerkstatt

Achtung, Zielsubjekt im Radius, ich wiederhole, Zielsubjekt im Radius!« Ich fahre hoch. Die Stimme schnarrt und ist fast menschenähnlich – na ja, extra für mich Techniktrottel, sie haben sich bemüht.
Der Blechtopf muss sich trotzdem irren, vorausgesagt ist wesentlich später, es ist maximal Nachmittag.

Ich werfe einen Blick nach draußen. Nichts zu sehen, weder Mensch noch Tier, und alle Kontrolllämpchen auf der Konsole leuchten grün. Gut. Gestern Abend haben Hunde am Rand des Unsichtbarkeitsfeldes das Bein hochgerissen und markiert. Nein, ihnen ist nichts passiert, ich will ja kein Aufsehen erregen, aber einen Moment lang habe ich erwogen, die nächste Stufe einzuschalten.
Nun ja. Glück gehabt. Die Hunde.

Wenn mir früher jemand gesagt hätte, dass ich hier und heute auf dem Gelände eines Museums stehe und auf eine Frau warte, die ich noch nie gesehen habe, hätte ich mir nur an die Stirn getippt. Aber damals hat sich auch keiner vorstellen können, dass die Menschheit jemals die Ehre mit einer außerirdischen Spezies haben würde. Nicht ganz freiwillig natürlich, nein, man hat die Erde besetzt, als unser Klima endgültig ruiniert war und es gerade anfing, so richtig ungemütlich zu werden.
Plötzlich waren sie überall. Die Echsen. Entschuldigung, die Lacertaner. Raumfahrende Echsen. Von einem Planeten aus dem Sternbild Lacerta, das liegt neben dem Schwan. Mit einer Technologie, die der hiesigen so weit überlegen ist, dass wir uns vorkamen, als hätten wir bisher mit Lego gespielt. Haben uns den Strom abgeschaltet. Einfach so. Dauerhaft. Und dann mussten sie gar nicht lange warten, bis die ersten Regierungen und Großkonzerne unbedingt ihre allerbesten Freunde werden wollten. Der Rest ist Geschichte, und sie war, wie wir alle wissen, anfangs nicht sonderlich erfreulich.

Ich war zwölf, als sie kamen, und zwanzig, als sie mich mitnahmen. Jetzt bin ich siebenundzwanzig und immer noch dabei. Natürlich hatten wir eine irrsinnig schlechte Presse, Kollaborateure, Verräter, »Hängt sie höher«, all das. Wir waren nämlich gar nicht so wenige, die gern mitgegangen sind. Meist Übergebliebene wie ich und jung. Aufbruch zu neuen Ufern! The sky is (not) the limit!
Die Realität ist nüchterner. Ich arbeite in der interspeziären Verständigung, erkläre den Lacertanern unsere Welt und warum wir das tun, was wir tun. Liebe, Sex, das ganze Ding ist zum Beispiel ein Konzept, das ihnen fremd ist, denn sie sehen nicht nur ziemlich wie Eidechsen aus, nur halt auf zwei Beinen, sie kennen auch keine Partnerschaft, sie binden sich nicht. Sie legen jährlich Eier, wenn überhaupt. Die Befruchtung ist ein unromantischer Akt, der rein der Fortpflanzung dient.

Vor einiger Zeit haben sie beschlossen, mich zu belohnen, jedenfalls hoffe ich, dass es nett gemeint ist. Das zwischenmenschliche Angebot auf Lacerta ist sehr, ähm, übersichtlich, und ich habe aus meinem Frust keinen Hehl gemacht. Sie haben eine große Datenbank mit Menschendaten gescannt und nach Kriterien durchgesiebt, die ich nur zum Teil beeinflussen konnte, und mir dann erklärt, sie hätten DIE Frau für mich gefunden. Die Frau, mit der ich einen Score von 98 Punkten erreiche. 98 von 100. Diese Frau ist quasi ich. Will ich das? Ebenso sehr, wie ich eine Scheißangst davor habe, ehrlich gesagt. Denn wenn ich in diesem Leben überhaupt eine Familie gründen möchte, wird es so langsam Zeit. Nicht nur für ein paar mehr oder weniger vergnügliche Akte.

Deshalb also bin ich hier, in diesem Park, und starre aus dem getarnten Blechtopf, der ein komplexes Miniraumschiff ist – wovon ich null verstehe, ich kann gerade mal die Kindergartenversion bedienen –, auf diese hochkünstlerischen Stahlbögen und eine Baumreihe. Weil eine mir bestimmte Frau in ein paar Stunden hier spazieren gehen wird und ich sie ansprechen werde. Als Jugendlicher hätte ich übrigens gedacht, dass die runde Öffnung wie ein Dimensionstor aussieht, aber inzwischen weiß ich es besser. Wenn man ein Dimensionstor erkennt, ist es zu spät – ich bin nicht zum ersten Mal zwischen Lacerta und der Erde unterwegs.
Ob mir der Popo auf Grundeis geht? Und wie.

»Zielsubjekt im Radius!«, wiederholt der Blechtopf. Irgendwas läuft hier schief, die Echsentechnik irrt sich nie. Ich checke das, vertiefe mich in die Anzeige auf der Konsole und sehe jetzt, dass ein menschlicher Punkt in unmittelbarer Nähe ist und vom Museum her weitere folgen. Raus kann ich aber nicht sofort, ich brauche ein paar Minuten Vorlaufzeit, um den Blechtopf zu verlassen, und mache schon mal die Bildaufzeichnung scharf.

Als der Punkt wenig später in mein Gesichtsfeld stürmt, bekomme ich einen Schock.

Sie ist ein Kind! Ein kleiner Wirbelwind in Rosa mit Locken! Heilige Scheiße, die Frau meines Lebens ist noch ein Kind! Was haben sich diese blöden Echsen denn dabei gedacht?

Gar nichts vermutlich. So viel zu den Ergebnissen meiner interspeziären Arbeit, verdammt.
Ich mache einen letzten Check, um mich zu vergewissern.
»Computer, Datum und Uhrzeit!«
»Es ist jetzt 16:04 Uhr Irish Standard Time am Mittwoch, den 9. August 2017.«
WAS? Das ist nicht möglich.
»Computer, wiederhole!«
»Es ist jetzt 16:04 Uhr Irish Standard Time am Mittwoch, den 9. August 2017.«

Oh-oh! Ich lasse mich in den Sessel fallen, mir wird richtig komisch. 2017 war ich sieben! Der Hüpfer durch das Dimensionstor hat mich zwanzig Jahre in die Vergangenheit geschickt? Wie konnte das denn passieren? Ich schaue an meinem Körper hinunter. Siebenundzwanzig, sicher nicht jünger. Und jetzt? Die Echsen kommen 2022. Ich bin der Einzige, der weiß, was in fünf Jahren mit der Welt geschehen wird?!

»Nein!«, brülle ich voller Verzweiflung und haue mit aller Kraft auf den großen, roten Knopf am Rand der Konsole, der mich nach Lacerta zurückbringen soll, wenn meine Mission erfüllt ist.
Der Blechtopf beginnt zu summen und leicht zu rütteln.
Das Brummen steigert sich – und bricht dann jäh ab. Es wird still.
Die Aussicht aus meinem Fenster ändert sich nicht, und das Kind ist auch weg.

Ich glaube, jetzt bin ich endgültig ganz schön am Arsch.

 

Bernar Venet, 217.5° Arc x 12, IMMA, Dublin
Quelle und Copyright: Myriade

 

Gerne bin ich auch im Januar Myriades Einladung zu ihrer Impulswerkstatt gefolgt, auch wenn ich gefühlt Ewigkeiten gebraucht habe, bis sich der Nebel in meinem Kopf zu einem Text geklärt hatte.

Es wird wenige von euch wundern, dass ich versucht habe herauszufinden, was hier eigentlich zu sehen ist (ohne direkt nachzufragen, macht mehr Spaß). Ich möchte solche Infos haben, um zu sehen, was davon ich verwenden kann – als Ergebnis davon steht der Blechtopf jetzt da, wo er steht, und Myriade darf erklären, wie sie an Fotos aus der Raumschiffkamera kommt 😉

Der Künstler, der diese Bögen erschaffen hat, heißt Bernar Venet, das Werk trägt den Titel „217.5° Arc x 12“ und steht/stand auf dem Gelände des Irish Museum of Modern Art in Dublin. Hier ist ein Link zum IMMA, und wer sich wie ich über Himmelsrichtungen und genaue Lage klarwerden möchte, findet hinter diesem Link die Ansicht per Google Streetview vom Juli 2018.

Meine erste Assoziation zum Bild war „Dimensionstor“, danach wurde es bisschen bunter. Nein, es gibt keine Fortsetzung. Nein, ich habe keine Ahnung, wieso/ob die unfehlbare Technik versagt hat, ob das Absicht war oder, oder … 😉

Bin sehr gespannt auf eure Eindrücke.

 

Morgenskizze mit Fellträger | abc.etüden

Häufig beginnt mein Tag damit, dass ich auf der Ofenbank hocke und aus dem nach Osten weisenden Fenster nach orangen Wolken Ausschau halte, auf dass sie beim Sonnenaufgang besseres Wetter als das zurzeit alltägliche Dauergrau verheißen mögen. Gleichzeitig lese ich mich durch meinen WP-Reader und schlürfe den ersten Kaffee.

Hin und wieder werde ich dabei unterbrochen. Dem Fellträger meines Herzens ist nämlich jüngst erst aufgefallen, dass er auf meiner Augenhöhe ist, wenn er sich auf der Fensterbank platziert, und seitdem steht gelegentlich ein Kater vor meiner Nase und starrt mich an. Besagte »Ofenbank« ist der Heizkörper meiner Nachtspeicherheizung und in bequemem Abstand zum Fenster montiert. Ein Lieblingsplatz von uns beiden.

»Na, Schnurri«, begrüße ich ihn zärtlich, schiebe weg, was ich in der Hand halte, lehne meinen Kopf an seinen und kraule ihn am Hals und hinter den Ohren. Wenn er gekommen ist, um sich ein paar Streicheleinheiten abzuholen, hält er still, stellt seinen eingebauten Lautsprecher an und kann sogar so laut losschnurren, dass das Geraspel buchstäblich den ganzen Katerkörper erschüttert. So sitzen wir da, die Stirnen aneinandergedrückt, die Augen geschlossen, eine Minute … zwei … fünf, und vergewissern uns ohne weitere Worte, dass bei dem anderen alles in Ordnung ist.
Mütter haben mir versichert, sie müssten nur an ihren Babys riechen, um zu wissen, ob sie okay sind, und ich habe festgestellt, dass das irgendwie übertragbar ist, auch sein Geruch ist nicht immer gleich … Was er auf diese Weise von meinem Innenleben mitbekommt, wüsste ich gern, bin aber überzeugt, es dürfte einiges sein, vermutlich mehr als ich umgekehrt.

Wir verharren in diesem Zustand ziemlich bewegungslos, bis einem von uns etwas einfällt, das mehr Priorität bekommen muss. Meist will er fressen oder schlafen, und ich gehe an meine Arbeit.

 

abc.etüden 2021 03+04 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 03/04.2021: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Ulrike und ihrem Blog Blaupause7. Sie lauten: Lautsprecher, orange, erschüttern.

Natürlich ist das autobiographisch, glaubt ja wohl keiner was anderes, oder? 😉
Versuch in der Ich-Form. Bin noch nicht so ganz überzeugt.