08.12. – Das letzte Mal | Adventüden

Die schweren Holzläden waren vor dem Fenster zugeklappt. Der Lärm von der Straße und die ungewöhnlich heiße Dezembersonne prallten dagegen. Das weiße Laken lag frisch gebügelt auf dem breiten Bett. Die Konturen des Kissens und der flauschigen Bettdecke wölbten sich unter dem weißen Betttuch. Die roten Vorhänge und Lampenschirme tauchten den Raum in ein gemütliches Dunkelrot. Schön waren die roten Rosen in der modernen Glasvase. Der Hausherr ist wohl auf Reisen, konnte man annehmen.

Sie betrat sachte diesen Raum und ließ die Stimmung auf sich wirken, setzte sich auf die Couch neben das Tischchen mit den Rosen. In der Wohnung daneben dudelte ein Radio, sie hörte leise Töne.

»Wie gut es ist, hier bei dir zu sein«, dachte sie. Es roch nach winterlichem Gemüseeintopf. Auf dem Tisch war für zwei gedeckt. Besteck, Gläser und weiße Stoffservietten lagen akkurat. Sie hielt noch den kühlen Haustürschlüssel in der Hand, mit dem sie das Haus betrat und die Wohnung aufschloss. Sie war niemandem begegnet. So wie immer. Nie begegnete sie einem Menschen in diesem stillen Haus. Der mit silbernem Lametta dekorierte Weihnachtsbaum im Eingangsfoyer stand wie jedes Jahr etwas verloren da.

Hier in diesem Zimmer trafen sie sich regelmäßig im Dezember. Ein paar Tage gehörte dieser Raum und die Zeit ihrer heimlichen Liebe. Sie dachte daran, wie sehr er ihre Zärtlichkeiten genoss. Sie erinnerte sich an seine Küsse auf ihrem Körper, an seine Liebeserklärungen.

Sie hatte lange nichts von ihm gehört. Sie würde heute sein Lieblingsessen mit ihm teilen. Ihm erzählen, wie sehr sie ihn vermisst hatte und wie wichtig die gemeinsame Zeit für sie war. Was er ihr bedeutete. Sein Platz würde leer bleiben. Von seinem Tod hatte sie vor einigen Wochen aus der Zeitung erfahren. Sie freute sich auf diese besondere Begegnung mit ihm. Heute. Das letzte Mal.


Autor*in: Petra Schuseil                    Blog: Totenhemd-Blog


Adventüden 2022 08-12 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

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Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Adventskalender, Dezemberdilemma, Eintopf, Gebäckdose, Hefe, Lametta, Laubsäge, Liebeserklärung, Kreuzkümmel, Kulturschock, Sternenglanz, Sturz, Taschentuch, Tunichtgut, Weihnachtsputz.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2022, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

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07.12. – Ein besonderer Adventskalender | Adventüden

Bei meiner Cousine und mir ist es Tradition, dass wir uns vor Weihnachten gegenseitig einen Adventskalender schenken. Dabei ist zwischen »nur schnell gekauft« und »kreativ selbst gemacht« alles erlaubt. Und so hatte ich mir dieses Jahr im Vorfeld überlegt, ihr einen aus Holz selbst zu machen. Dazu hatte ich mir im Baumarkt Holz sowie eine Laubsäge besorgt. Und dann legte ich daheim fleißig los.

Schon bald hatte ich den Adventskalender fertig. Doch bei der Betrachtung des Kalenders stellte ich fest, dass dieser relativ klein geraten war und sich hinter den jeweiligen Türchen wenig Platz verbarg. Ein richtiges Dezemberdilemma! Was nun?

Während ich mich suchend und überlegend in meiner Küche umsah, fiel mein Blick auf ein Beutelchen Kreuzkümmel. Gewürze. Gewürze! Wie wäre es mit einigen kleinen Tütchen Gewürzen? Diese würden hinter die Türchen passen und meine Cousine auch erfreuen, da sie gerne kocht und backt!
Beruhigt machte ich mich ans Verzieren des Adventskalenders, wobei ich unter anderem Lametta verwendete.


Autor*in: Heidi                    Blog: Erinnerungswerkstatt


Adventüden 2022 07-12 | 365tageasatzaday

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Adventskalender, Dezemberdilemma, Eintopf, Gebäckdose, Hefe, Lametta, Laubsäge, Liebeserklärung, Kreuzkümmel, Kulturschock, Sternenglanz, Sturz, Taschentuch, Tunichtgut, Weihnachtsputz.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2022, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

06.12. – Der Einbrecher | Adventüden

Kommissar Sturz setzte sich.

»Sie wissen, warum Sie hier sind?«, fragte er den alten Mann im Verhörzimmer. Dieser zog ein großes, weiß-rot kariertes Taschentuch aus seiner Hosentasche und schnäuzte sich lautstark. Dann schüttelte er den Kopf.

»Sie sind ein rechter Tunichtgut«, sagte Sturz. Er stutzte, kratzte sich am Kopf und fragte sich, warum er so freundlich mit diesem alten Trottel sprach. Irgendetwas hat der an sich, was mir total den Kopf verdreht, dachte er.

Er wandte sich wieder an den alten Mann. »Sie wurden aufgegriffen, als Sie in ein Haus einbrechen wollten. Wollen Sie sich dazu äußern?«

Der alte Mann holte aus seiner Jackentasche ein Bündel Lametta hervor, reichte es Sturz über den Tisch und nickte ihm aufmunternd zu. Der Kommissar wollte vor Wut aufspringen, stattdessen lächelte er und bedankte sich höflich. Was ist nur los mit mir, fragte er sich wieder, aber kam nicht zum Nachdenken, denn die Tür wurde aufgerissen und ein riesiger Mann mit grimmigem Gesicht und schwarzem Rauschebart stürmte in das Verhörzimmer.

Ein Polizeibeamter stürzte hinterher und sagte atemlos: »Der Herr hier behauptet, der Anwalt des Verdächtigen zu sein!«

»Ganz richtig«, rief dieser mit einer so tiefen Bassstimme, dass Kommissar Sturz das Gefühl hatte, die Wände des Zimmers würden anfangen zu beben. »Ruprecht ist mein Name«, fügte er hinzu, »und wenn Sie nicht wollen, dass der Adventskalender durcheinanderkommt, denn lassen Sie diesen Mann jetzt sofort gehen!« Mit diesen Worten zog er den alten Mann vom Stuhl und wandte sich zur Tür. »Aus dem Weg«, brummte er, und der Polizeibeamte wich zur Seite.
»Ich habe noch einen Rest Sternenglanz«, flüsterte er dem alten Mann zu. »Das sollte für uns beide reichen.«

Er zog einen kleinen Lederbeutel aus der Hosentasche und griff hinein. Schwungvoll warf er ein wenig goldenes Pulver in die Luft und beide waren verschwunden.


Autor*in: Carmen                    Blog: Wortwabe


Adventüden 2022 06-12 | 365tageasatzaday

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Adventskalender, Dezemberdilemma, Eintopf, Gebäckdose, Hefe, Lametta, Laubsäge, Liebeserklärung, Kreuzkümmel, Kulturschock, Sternenglanz, Sturz, Taschentuch, Tunichtgut, Weihnachtsputz.

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Vom Miteinander (2)

WIE MACHEN WIR UNS GEGENSEITIG DAS LEBEN LEICHTER?

Wir haben zu großen Respekt vor dem,
Was menschlich über uns himmelt.
Wir sind zu feig oder sind zu bequem,
Zu schauen, was unter uns wimmelt.

Wir trauen zu wenig dem Nebenuns.
Wir träumen zu wenig im Wachen.
Und könnten so leicht das Leben uns
Einander leichter machen.

Wir dürften viel egoistischer sein
Aus tierisch frommem Gemüte. –
In dem pompösesten Leichenstein
Liegt soviel dauernde Güte.

Ich habe nicht die geringste Lust,
Dies Thema weiter zu breiten.
Wir tragen alle in unsrer Brust
Lösung und Schwierigkeiten.

(Joachim Ringelnatz, Wie machen wir uns gegenseitig das Leben leichter?, aus: Flugzeuggedanken, Berlin 1929, Online-Quelle)

Es gehört nicht viel dazu

Es gehört nicht viel dazu
Einander glücklich zu machen:
Ein bißchen Liebe nur
Und ein befreiendes Lachen
Und die Klugheit, zu wissen,
Daß wir lauter Bettler sind,
Die von Pfennigen leben müssen,
Die man am Weg gewinnt.

(A. de Nora, Es gehört nicht viel dazu, aus: Hochsommer, Neue Gedichte. 1912, Online-Quelle, Quelle unbestätigt)



Quelle: Pixabay

Ich habe es letzte Woche schon geschrieben: Normalerweise veröffentliche ich keine zwei Beiträge an einem Tag, damit sie sich untereinander keine Konkurrenz machen, speziell bei den Adventüden möchte ich das nicht. Aber weil mein Herz daran hängt, will ich euch so ganz ohne Gedicht(e) dann doch nicht in/durch die Woche entlassen.

Hier geht es zur Adventüde von heute.

 

05.12. – Wieder ein Weihnachtsdilemma gelöst | Adventüden


»Wie wirst du, Hinrich, dieses Jahr
(Bei uns wars letztens wunderbar!)
Das heilge Weihnachtsfest verbringen?
Hol schon mal raus den Weihnachtsputz!«
So spricht zu Hinrich sein Freund Lutz.

»Ich werde meinen Weihnachtsabend,
Mich an einem Eintopf labend,
In der Lichtung bei den Rehen
Unterm Sternenglanz begehen.«
So spricht der Hinrich und schweigt still
Weil er mehr nicht sagen will.

»Kreuzkümmelschock und zugenäht
Was ist, wenn Wind von Westen weht?
Der bringt dann Regen, oder Schnee
Du wirst arg friern, Herrjeminee!
Sei klug und mach’s wie alle Leute
Es allzeit tun und so auch heute:

Kauf euch eine hübsche Tanne
Hänge viel Lametta dranne
Fülle ein paar tolle Lose
In die olle Gebäckdose
Mach auch selbst den Weihnachtsmann
Damit dein Kind sich freuen kann.«

»Νee, ich brauch kein’ Weihnachtsputz«,
Sagt der Hinrich nun zum Lutz.
»Seit dem Krach im letzten Jahr
Sind Trud und ich nicht mehr ein Paar

Den Kleinen hat sie mitgenommen
Ihn zu erziehn zu einem frommen
Benimmdichkind und Weihnachtsengel
Bei mir würd er, sagt sie, ein Bengel
Ein Tunichtgut und Querulant
Für ihre Sippe eine Schand.«

Der Lutz denkt nach: »Du weißt doch, dass
zum Weihnachtsfest gilt Schulderlass!
Schreib Trud und sag ihr, dass du sie
Nur liebst von Herzen, dass du nie
Mit andern Weibern rumgemacht
Und dass du in der Heilgen Nacht

Wirst kümmerlich und ganz allein
(Anstatt mit ihr und Sohn zu drein)
Im Walde hocken bei den Rehen.
Das wird ihr sehr zu Herzen gehen.
Bestimmt gewährt sie dir Bewährung
Und schickt dir gleich ne Liebeserklärung.

Die Weiber, glaub mir, lieben die Versöhnung
Und was noch eben aussah nach Verhöhnung
Wird über Nacht zu köstlicher Verwöhnung.«

So war es dann. Ein Taschentuch
war für die Tränen nicht genuch,
die Trud vor Rührung hat vergossen
während sie den Sekt genossen.


Autor*in: Gerda                    Blog: Gerda Kazakou


Adventüden 2022 05-12 | 365tageasatzaday

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04.12. – Advent | Adventüden

Ein König schreitet aufrecht über das Land, in seiner Hand ein Schwert, stumpf und matt.

Ein Kranich fliegt auf und die Blätter am Waldboden, die noch nicht vom feuchten Novembernebel getränkt sind, rascheln bei jedem Schritt.

Später im Jahr wird es schneien und Eisregen wird die Welt verwandeln. Doch noch verbirgt sich der Winter hinter hohem Nebel und fahler Sonne und am Wegesrand jubeln Kinder dem König zu.

Ein Drache thront am Ende der Welt auf dem höchsten Gipfel und wacht über den Tod. Der König ist gekommen, um ihn zu besiegen.

Langsam und stetig geht der König seinen Weg, der ihn ins Gebirge führt. Die jubelnden Kinder bleiben zurück.

Im Tal hört man schon bald das Brüllen des Drachen und das Schlagen des Schwertes. Blitze jagen zwischen Berggipfeln umher. Doch kein Sturz des Drachen aus endlosen Höhen.

Die Zeit vergeht. Der Winter kommt und der Frühling und schließlich der Sommer. Die Kinder sind längst wieder zu Hause, des Jubelns und auch des Kampfes überdrüssig. Auch der nächste Herbst und Winter verstreichen … und so ziehen die Jahre ins Land.

Nur noch selten schauen die Kinder, die keine Kinder mehr sind, zu den Gipfeln der Berge, lauschen dem Brüllen, dem Schlagen und ahnen den Kampf am Rande der Welt.

Schließlich – die Kinder von einst sind schon längst von den Kindeskindern begraben – erschüttert ein Grollen die Welt und der graue Nebel, der lange Zeit wie immerwährende Trauer die brachliegenden Felder und kahlen Wälder bedeckte, bricht auf. Auf dem schmalen Pfad, der sich zwischen den Bergen ins Tal hinab schlängelt, sieht man den König. Er geht langsam, doch immer noch aufrecht. Goldener Sternenglanz, funkelnd wie Lametta, umgibt ihn wie einen leichten und doch wärmenden Mantel. Und gleich neben ihm geht der Drache. Und es scheint, als gingen sie Hand in Hand.


Autor*in: Sabine                    Blog: wortgeflumselkritzelkram


Adventüden 2022 04-12 | 365tageasatzaday

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03.12. – Nicht alltäglich | Adventüden

Auf dem Herd köchelte ein Eintopf für morgen und übermorgen. Wer hatte schon Zeit für allabendliche Kochrituale, wenn man das übliche Dezemberdilemma zwischen Ganztagsjob, Gebäckdose, Lametta und Weihnachtsputz entzerren wollte?

Wollte sie nicht immer mal dem trüben Vorweihnachtswinter mit seinen selbst- oder fremdauferlegten Zwängen entfliehen? Jetzt, wo ihre eigenen Kinder aus dem Haus waren? Vielleicht nächstes Jahr …

Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben, dachte sie, während sie ein wenig Cumin zum Eintopf gab. Kreuzkümmel, ihr Lieblingsgewürz für das wohlig-scharfe Gefühl im Bauch. Muskat hatte eine ähnliche Wirkung. Morgen würden sie in der KiTa Hefezopf backen zum Wochenende.

Was hatten die Kinder sich über ihre Adventskalender gefreut, die sie wie immer wohlbedacht mit Kleinigkeiten für den Alltag gefüllt hatte. Anderswo überhäuften fürsorgliche Eltern ihren Nachwuchs mit allem, was das Herz begehrte. Diese, »ihre« Kinder hatten wenig bis gar nichts, waren meist nur mit einem Elternteil auf unsicheren Wegen hier angekommen und verbrachten die ersten Wochen im neuen Land in einer Gemeinschaftsunterkunft.

Zum Kulturschock kamen die völlig neue Wohnsituation und die fremde Sprache, vom mitteleuropäisch grauen Wetter ganz zu schweigen. Der omnipräsente Sternenglanz verklärte die Realität höchstens.

Als sie ihren Korb für die Arbeit am nächsten Morgen richtete, fand sie darin ein sorgfältig zusammengefaltetes Blatt Papier. In einem großen Herz stand in krakeligen Druckbuchstaben »Für Klara von Nasir«. Was für eine goldige Liebeserklärung! Der kleine Tunichtgut hatte sie anfangs der Woche mit einem Sturz vom Klettergerüst ganz schön auf Trab gehalten. Kaum ging es ihm besser, hatte er sich trotz all ihrer Vorsicht mit der Laubsäge in den Finger geschnitten und sich danach tapfer ein Taschentuch auf die blutende Wunde gepresst, bis ihre Kollegin mit dem Verbandskasten kam. Wie ähnlich sich Kinder doch waren, egal, wo sie herkamen, dachte sie schmunzelnd, und das trotz all ihrer Erfahrung sicher nicht zum letzten Mal.


Autor*in: Ellen                    Blog: nellindreams


Adventüden 2022 03-12 | 365tageasatzaday

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Adventskalender, Dezemberdilemma, Eintopf, Gebäckdose, Hefe, Lametta, Laubsäge, Liebeserklärung, Kreuzkümmel, Kulturschock, Sternenglanz, Sturz, Taschentuch, Tunichtgut, Weihnachtsputz.

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02.12. – Schöne Bescherung | Adventüden

Guten Morgen, Sternenglanz, die Welt sagt Hallo!«

Sechs Uhr morgens, nach endlosem Gefriemel mit dem Schlüssel im Schloss (ein Wunder, dass er den Schlüssel diesmal nicht abgebrochen hat), kommt er zur Tür hereingewankt, reißt enthusiastisch die Arme in die Höhe und dabei den gerade erst aufgehängten Adventskalender zu Boden, dann folgt das Unvermeidliche: der Sturz!

Planlos tastet er noch nach seinem Taschentuch, dann wird es zappenduster.

Sternenglanz … hallo? Diese Art von Liebeserklärung kann er sich sonst wohin stecken. Doch wohl eher sternhagelvoll oder sturzbetrunken, da hat wohl einer mehr als nur die Hefe … eben das übliche Dezemberdilemma. Ihre Freundinnen können ein Lied davon singen.

Nur gut, dass sie nicht schon am Vorabend die gut gefüllten Gebäckdosen für die Firmenfeier im Flur aufgestellt hat, das hätte eine schöne Schweinerei gegeben, und die ganze Arbeit wäre für die Katz. Aber sei’s drum. Den Teufel wird sie tun und sich wie eine Klischeegattin mit dem Nudelholz auf ihn stürzen. Nein, seine Bescherung wird er im halb nüchternen, halb verkaterten Zustand erleben, den Herr Tunichtgut übrigens sich selbst zuzuschreiben hat.

Egal, ob ein kleines Teufelchen seinen Kopf voller Begeisterung mit einer Laubsäge bearbeitet, gleich nach dem Eintopf (mit einer Extraportion Kreuzkümmel) wird sie die Bombe platzen lassen. Da kann er über den Kulturschock noch so jammern, dass früher mehr Lametta war: Für den Weihnachtsputz ist dieses Jahr er zuständig. Und zwar gleich nach dem Essen.

Wozu aufgesparter Resturlaub doch gut ist. Und wer weiß, vielleicht verzichtet er im nächsten Jahr darauf, sich auf dem Weihnachtsmarkt sinnlos die Kante zu geben.


Autor*in: Ulrike                    Blog: Blaupause7


Adventüden 2022 02-12 | 365tageasatzaday

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01.12. – Deine Zeit | Adventüden

Wenn du an Weihnachtsbäckerei denkst, dann riechst du diesen besonderen Duft. In Erwartung des lieben Besuchs bricht endlich der sonst zwanghaft gedrosselte Backrausch aus. Kinder sind dankbare Abnehmer und Esser. Es darf wieder wie früher sein, der Tisch üppig gefüllt werden. Es gilt, genau zu planen, denn das ersehnte Ergebnis braucht Liebe und vor allem Zeit, die Vorfreude wird nicht in Minuten, sondern in Stunden und Tagen gemessen.

Eine der wichtigsten Zutaten ist Geduld. Sauerteig, Joghurt, Mehl, Wasser, Salz und ein Hauch Hefe sind die Basis. Du weißt genau, wann der Teig richtig ist, riechst die perfekte Temperatur, fühlst die Bindung, erspürst die Elastizität. Ab in die Schüssel, die Gehzeiten einhalten, Dehnen, Falten, Wärme, Kälte, Routine.
Das Kind kommt. Welch Freude. Wie schnell die Zeit vergeht. Wann wird sie da sein, ist die Bahn pünktlich, das Brot grad aus dem Ofen, verführerisch duftend wird es den Sturz aus dem Topf, in dem sonst der Familieneintopf zubereitet wird, wie immer überstehen. Resch und splitternd wird die feine Kruste sein, dieses unbeschreibliche Ausnahme-Geräusch, wenn die erste viel zu dicke dampfende Brotscheibe heruntergeschnitten wird, die Butter darauf schmilzt. Ihre Augen werden leuchten und ein feines »Hmmmm« wird über ihre Lippen kommen, Schritte eilen in die Küche und innige Zufriedenheit schlägt dir entgegen, wenn du gegen alle Vernunft dieses warme, wohlriechende Brot aufschneidest, die Butter auf die Scheibe streichst und das Salz in der Mühle nur über dem Brot ausschüttelst und nicht an dem Mahlwerk drehst …
Das ist Liebe pur – und köstlich.

Es kann Weihnachten sein, muss es aber nicht. Eine Zeit für die Familie, für Gespräche und Zeit für Brot. Darf man auch eine Kerze auf den Brotlaib stecken? Dir wäre danach. Du lässt es und lächelst, weil alles gut ist. Alle sind da. Was braucht es mehr Lametta …


Autor*in: Doro                    Blog: Doro|Art


Adventüden 2022 01-12 | 365tageasatzaday

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30.11. – Alle Jahre wieder | Adventüden

T: Nun, wie geht es Ihnen heute?

O: Wie soll es mir denn schon gehen? Heute ist der 30. November. Morgen wird das erste Türchen des Adventskalenders geöffnet. Das bedeutet, dass morgen wieder das Dezemberdilemma beginnt.

T: Übertreiben Sie da nicht ein wenig?

O: Übertreiben? Keineswegs! Niemand wird gerne in den Eintopf geworfen.

T: Sie meinen in einen Topf?

O: Nein, meine ich nicht. Sie haben mir gedroht, einen Eintopf aus mir zu machen.

T: Oh!

O: Ja, mit Kreuzkümmel und Petersilie.

T: Aber Sie sagten, es wäre schon besser geworden.

O: Ja, sicher. Früher haben sie mich wie einen Tunichtgut einfach davon gejagt. Es wäre für die Menschen ein Kulturschock, wenn ich zur Weihnachtszeit auftauchen würde.

O schnieft in sein Taschentuch.

T: Das tat sicher weh.

O: Es war wie der Sturz in ein finsteres Loch.

T: Aus dem Sie aber wieder entkommen sind.

O: Irgendwann durfte ich mich ja dann wenigstens am Weihnachtsputz beteiligen und habe tagelang Sägespäne der Laubsägen in der Schwibbogenproduktion weggefegt. Immerhin!

T: Aber inzwischen sind Sie doch noch besser integriert, oder?

O: Letztes Jahr durfte ich sogar die Gebäckdosen mit Keksen füllen. Mit Gebäck kenne ich mich ja aus, also mit Hefegebäck eigentlich.

T: Das ist doch schon ein Erfolg. Aber Sie würden sich gerne noch mehr einbringen, oder?

O: Ja! Seit ich Weihnachten kenne, möchte ich zur Weihnachtszeit die ganze Welt mit Lametta behängen, damit sie in diesen herrlichen Sternenglanz getaucht wird, der bis in die Herzen der Menschen strahlt.

T: Das klingt wie eine Liebeserklärung an das Weihnachtsfest. Haben Sie schon einmal daran gedacht, dem alten Mann davon zu erzählen, wie sehr es Ihnen ans Herz geht?

O schüttelt schniefend seinen Kopf.

T: Wäre das vielleicht einen Versuch wert?

O nickt. Erst leicht, dann so sehr, dass seine langen Ohren wackeln.


Autor*in: Christian                    Blog: Wortverdreher


Adventüden 2022 30-11 | 365tageasatzaday

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29.11. – Eine Liebeserklärung der anderen Art | Adventüden

Tim saß rauchend am Fenster und betrachtete den Sternenglanz der wolkenlosen Nacht. Langsam kam der Winter und manchmal roch die Luft schon nach Schnee, der wahrscheinlich wieder nicht fallen würde, dabei war es erst Oktober.

Er hätte gar nicht sagen können, warum ihm solche Gedanken kamen, aber seit einigen Minuten dachte er an die kommende Weihnacht. In ihm wuchs eine Idee. Der entsprechende Entschluss, diese sofort in die Tat umzusetzen, stand kurz vor dem Durchbruch.

Er würde seiner Mutter eine Liebeserklärung der ganz besonderen Art machen!

Er ersann einen Adventskalender, den er selbst bauen würde. Hielten ihn doch seine fünf Geschwister für einen Tunichtgut, der nichts zustande brachte. Die würden staunen.

Er erhob sich wie ein Mann, der genau weiß, was zu tun ist, und griff sich im Vorbeigehen den Kellerschlüssel. Es war zwar schon spät, aber er würde zunächst nur die Grundlagen schaffen.

Im Keller angekommen suchte er lange nach seiner Laubsäge, die seit ewigen Zeiten nicht mehr in der Hand gehabt hatte. Er kramte in den Regalen. Schob Kisten und Kartons hin und her. Plötzlich verspürte er einen brennenden Schmerz und zog die Hand zurück. Blut sickerte aus einem Riss am Mittelfinger. Die Säge war gefunden! Schnell tupfte er mit einem Taschentuch das Blut ab. Er fand Holzleim, Schraubendreher, sogar sein altes Schnitzmesser. Er suchte Holz zusammen und betrachtete die verschieden langen Stücke.

Tim besah sich sein Material. Er überlegte, doch eine Zeichnung zu machen, fand einen kurzen Bleistift und so begann er seine Arbeit.

Sieben Stunden später – der Himmel wurde gerade sanft rosa – betrachtete er stolz sein Werk: ein Schwibbogen wie die Gebäckdose des Elbflorenzer Stollenkonfekts, in dem er 24 Fächer versteckt hatte. Die Figuren, die er noch schnitzen wollte, würden seine Familie darstellen.

Er musste sich ranhalten, wenn er das bis zum ersten Advent schaffen wollte.


Autor*in: Kain Schreiber                    Blog: Gedankenflut


Adventüden 2022 29-11 | 365tageasatzaday
 
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

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Adventskalender, Dezemberdilemma, Eintopf, Gebäckdose, Hefe, Lametta, Laubsäge, Liebeserklärung, Kreuzkümmel, Kulturschock, Sternenglanz, Sturz, Taschentuch, Tunichtgut, Weihnachtsputz.

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Vom Backen

Weihnachtsschnee

Ihr Kinder, sperrt die Näschen auf,
es riecht nach Weihnachtstorten;
Knecht Ruprecht steht am Himmelsherd
und backt die feinsten Sorten.

Ihr Kinder, sperrt die Augen auf,
sonst nehmt den Operngucker:
die große Himmelsbüchse, seht,
tut Ruprecht ganz voll Zucker.

Er streut – die Kuchen sind schon voll –
er streut – na, das wird munter:
er schüttelt die Büchse und streut und streut
den ganzen Zucker runter.

Ihr Kinder, sperrt die Mäulchen auf,
schnell! Zucker schneit es heute!
Fangt auf, holt Schüsseln!– Ihr glaubt es nicht?
Ihr seid ungläubige Leute!

(Paula Dehmel, Weihnachtsschnee, aus: Das liebe Nest. Kindergedichte. 1919, Online-Quelle)


Plätzchenteller | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay

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Hier geht es zur Adventüde von heute.