Vatertag – alle Jahre wieder | abc.etüden

SPRACHNACHRICHT, MITTAGS

Hallo Schatz,

wie geht es dir, ist es sehr schlimm? Kopfwehtabletten hab ich dir im Bad hingelegt, und die Küche sieht auch wieder ordentlich aus, obwohl du viel Dreck reingeschleppt hast. Dass sich zu Vatertag keiner um den Wetterbericht gekümmert hat, war ja eigentlich klar, denn schließlich gibt es kein schlechtes Wetter, nur zu wenig Alkohol. Geschenkt.
Sag mal, bei wem seid ihr bei dem Sauwetter gestern eigentlich gelandet? Du solltest wissen, dass Moppels Frau vorhin angerufen und gedroht hat, dass sie, wenn du das Video von dem tanzenden Moppel mit der Unterhose auf dem Kopf wie angekündigt bei TikTok hochladen würdest, »rechtliche Schritte« gegen uns einleitet. Gefragt, wessen Unterhose ihr Herr Gemahl da auf dem Kopf hat, hat sie sicherheitshalber nicht. Warst du das, der mal gesagt hat, Moppel hätte eine »irisierende« Persönlichkeit, oder meintest du vielleicht sie?

Seit wann nehmt ihr überhaupt Mädels auf die Tour mit? Dir hat x-mal eine Melli gewhatsappt. Irgendwann bin ich ausgeflippt, weil mich das so genervt hat, und habe sie informiert, dass ich nicht glaube, dass du heute nüchtern genug werden würdest, um zu reagieren, und habe bei deinem Handy den Ton abgestellt. Weil Moppels Frau sich so aufgeführt hat, habe ich mir allerdings deine Filmchen angesehen. Ist diese Melli die Besitzerin der fraglichen Unterhose? Falls sie die wenig bekleidete Tussi ist, die an Moppels Ohr rumknabbert, kannst du alle beruhigen: Ich sage es Moppels Frau nicht.

Ich bin vermutlich erst gegen Abend zurück, deine Mutter besteht auf dem Wocheneinkauf. Mir wäre lieber gewesen, ich hätte warten können, bis du wach bist, aber wie du weißt, haben alte Leute ihren Rhythmus, sonst geht die Welt unter. Übrigens ist unser alter Käsehobel endgültig hin, ich glaube, ich will besser auch gar nicht wissen, wofür ihr ihn gebraucht habt.

Bis später, Ku-huss

 

abc.etüden 2022 20+21 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 20/21.2022: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Wortspende stammt dieses Mal von Puzzleblume mit ihrem Blog puzzle ❀. Sie lautet: Wetterbericht, ordentlich, irisieren.

Der eine oder die andere von euch werden sich an die Vorläufer dieser Etüde aus den Jahren 2017 (hier klicken) und 2020 (hier klicken) erinnern: Das ist völlig beabsichtigt. Ich fand es witzig, die vorgegebenen Begriffe in eine eigentlich schon bekannte Geschichte neu einzubauen und die Geschehnisse bisschen zu steigern. Vor fünf (5!) Jahren waren wir gerade in den Anfängen der Etüden, vor zwei Jahren im Corona-Schock …

Vor zwei Jahren habe ich festgestellt, dass einige Leser*innen die Tradition der Vatertagsausflüge (Vatertag (Wikipedia-Artikel) fällt in D immer auf Christi Himmelfahrt und ist daher Feiertag, viele Männer nehmen sich den Freitag frei) nicht kannten. Es sind in der Regel mehr oder weniger heftige (oft mehr) Saufgelage ohne weibliche Beteiligung (daher auch „Herrentag“ oder „Herrentagsausflüge“ genannt), daher ist meine Protagonistin auch relativ entspannt, obwohl ihr das Auftauchen von Melli nicht sonderlich passt. Ja, die sind lange Zeit verheiratet, sie weiß (denkt sie), wann sie die Welle machen muss.

Mir fehlt da komplett der Sinn für, auch für Junggesell*innenabschiede, die ähnlich schlimm alkoholhaltig sein sollen …

Einen schönen Feiertag/Vatertag wünsche ich euch! 😉

 

Von Träumen

Nachts in der träumenden Stille

Nachts in der träumenden Stille
Kommen Gedanken gegangen,
Nachts in der träumenden Stille
Atmet, zittert ein Bangen,
Nachts in der träumenden Stille,
Ratlose quälende Fragen.
Weit über alles Sagen
Kommen Gedanken gegangen,
Atmet, zittert ein Bangen
Nachts in der träumenden Stille.

(Gustav Falke, Nachts in der träumenden Stille, aus: Tanz und Andacht. Gedichte, 1893, Online-Quelle)

Die Nicht-Gewesenen.

Über ein Glück, das du flüchtig besessen,
Tröstet Erinnern, tröstet Vergessen,
Tröstet die alles heilende Zeit.
Aber die Träume, die nie errung’nen,
Nie vergeß’nen und nie bezwung’nen,
Nimmer verläßt dich ihr sehnendes Leid.

(Isolde Kurz, Die Nicht-Gewesenen., aus: Gedichte, 1888, Online-Quelle)

Aus tausend Quellen quillt die Nacht

Aus tausend Quellen quillt die Nacht
Und übernimmt den Himmel unsrer Träume.
Da ist ein Licht noch – dort noch Bäume,
Dann nichts mehr. Sintflut. Nur noch Nacht.

Aus Ozeanen ohne Licht erheben sich Gedanken,
Wie Meerestiere schwimmen unsre Träume
Mit schweren Flossen durch die Finsternis der Räume
Und kreisen um die Hoffnungsschiffe, die versanken.

(Guido Zernatto, Aus tausend Quellen quillt die Nacht, entstanden 1942 in New York, aus: Die Sonnenuhr, Gesamtausgabe 1961, Online-Quelle)


Quelle: Pixabay


Lieblingsgedichte, allesamt. Aus Gründen. 😉🧡👍

Kommt alle gut in und durch die neue Woche, mit und ohne Vatertagsfeierei! 😉


Von Gesang und Leben

Das Leben ein Gesang

Daß mein Leben ein Gesang,
Sag’ ich’s nur! geworden;
Jeder Sturm und jeder Drang
Dient ihm zu Akkorden.

Was mir nicht gesungen ist,
Ist mir nicht gelebet;
Was noch nicht bezwungen ist,
Sei noch angestrebet!

Von der Welt, die mich umringt,
Wüßt’ ich unbezwingbar
Wen’ges nur; die Seele klingt,
Und die Welt ist singbar.

(Friedrich Rückert, Das Leben ein Gesang, in: Zweites Bruchstück. Selbstschau, aus: Pantheon, 1843. Online-Quelle)

Ein kleines Lied

Ein kleines Lied! Wie geht’s nur an,
Daß man so lieb es haben kann,
Was liegt darin? erzähle!

Es liegt darin ein wenig Klang,
Ein wenig Wohllaut und Gesang
Und eine ganze Seele.

(Marie von Ebner-Eschenbach, Ein kleines Lied, aus: Gesammelte Schriften von Marie von Ebner-Eschenbach Band 1, Aphorismen. Parabeln, Märchen und Gedichte, S. 185, 1893. Online-Quelle)

Das Meer singt

Singe das Leben
Trunken und weit.
Rausche euch allen
Unendlichkeit.

Singe die Liebe
Grausam und groß.
Breit über alles
Mein Namenlos.

Gott tönt aus mir.
Dunkel und Glut.
Alles ist tödlich
Und alles ist gut.

(Franziska Stoecklin, Das Meer singt, aus: Die singende Muschel, 1925. Online-Quelle)


Quelle: Pixabay


Neue Woche, neue Sorgen, neues Glück. Kommt gut und fröhlich in und durch die neue Woche!

Und ja, das letzte Gedicht gehört zu meinen Lieblingsgedichten, falls es jemandem auffällt, dass das nicht zum ersten Mal hier vorkommt.


Schreibeinladung für die Textwochen 20.21.22 | Wortspende von puzzleblume

Bevor wir alle (okay, viele) in/auf unseren Gärten und Balkonen versacken und das Jammern über Hitze und Trockenheit losgeht, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, wünsche ich euch und uns allen fröhliche, entspannte Maitage, laue, gemütliche Grill- (oder Nicht-Grill-)Abende und die Abwesenheit von Sorgen und Ängsten – schließlich gibt es mannigfaltigen Anlass zu allem. Und wenn ihr irgendwas davon in Etüden gießen mögt, herzlich willkommen!

Nachdem wir von den wilden Tieren zurück sind, geht es mit den neuen Wörtern etwas gesitteter zu, aber dennoch finde ich sie auch nicht gerade so simpel, speziell nicht als Kombination. Ich bin sehr gespannt, was in den nächsten beiden Wochen so alles ausgebrütet werden wird.

Wie üblich steht am Anfang die Statistik.
28 teilnehmende Blogs haben insgesamt 53 Etüden eingereicht, den Spitzenplatz der Liste der Einzelschreiber*innen hält Ulrike mit sagenhaften 7 Etüden, darauf folgt Wortspenderin Myriade mit 6 und Gerda und Gerhard mit jeweils 4 Etüden. Dazu kommen 4 Etüden vom (mitgezählten) Schweizer Schreibenblog, sodass die Liste insgesamt 57 Etüden umfasst!

Vielen Dank wie immer an alle, die Lust hatten, mitzuschreiben und/oder mitzulesen, die gelikt und kommentiert haben! Vielen Dank speziell an Myriade, die Wortspenderin, dafür, dass sie mit durch die Blogs spaziert ist, und auch immer wieder meinen Extradank an jede*n, den*die ich in den teilnehmenden Blogs getroffen habe und der*die dort kommentiert/mitdiskutiert hat, speziell bei den Schweizer SuS, das alles trägt sehr zu einem kleinen Etüden-Wir-Gefühl bei. 😀👍

Wie immer bitte ich euch, die Liste zu kontrollieren, ob jede eurer Etüden dort verzeichnet ist oder ob euch sonst was komisch vorkommt.
Ich trage gerne nach, wenn irgendwas nicht stimmt, es ist keine böse Absicht, sondern reine Geistesabwesenheit, ich hoffe, es wird bald wieder besser.

Disclaimer: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Frühlingskaffee ☕ und Frühlingskekse 🍪🍪 parat? Dann kommt hier die Liste!


Barbara von der Kulturbowle in meinen Kommentaren: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier, hier, hier, hier, hier und hier
Maren auf Ich lache mich gesund: hier, hier und hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Charis auf Charis {ma}: hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier, hier, hier und hier
Kain Schreiber auf Gedankenflut: hier
Heidi auf Erinnerungswerkstatt: hier
Ulrike auf Blaupause7: hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier und hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier und hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier, hier, hier und hier
Puzzleblume auf Puzzle❀: hier und hier
Donka auf onlybatscanhang: hier
Lene auf HerzPoeten: hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier und hier
Christian auf Wortverdreher: hier
Judith auf Mutiger leben: hier
Anja auf Annuschkas Northern Star: hier und hier
Gabriella auf Gabriella Rauber: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Petra auf Wesentlich werden: hier und hier
Monika auf Allerlei Gedanken: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier
Torsten auf Wortman: hier
Bernd auf RagBagToday: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Gabriella Rauber auf Schreibenblog: hier, hier, hier und hier


Die Wortspende für die Textwochen 20/21 des Jahres 2022 stammt von Puzzleblume mit ihrem Blog puzzle ❀. Sie lautet:

Wetterbericht
ordentlich
irisieren.

(Summt schon jemand das Ding von den Ärzten? 😉)


Wie immer, ihr kennt das, möchte ich euch den öden, blöden Etüden-Disclaimer ans Herz legen: Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.

Eventuelle Inhaltshinweise (Triggerwarnungen) und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der zugehörigen Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste bzw. muss meckern, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright und dürfen für die Etüden verwendet werden. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig. Wer sich die Illustrationen herunterladen möchte, sollte sie vorher großklicken, danach kann man sie in der Regel downloaden und bei sich wieder hochladen.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 5. Juni 2022, aber wie schon bemerkt wurde, haben wir im Mai 5 Sonntage, und das bedeutet, dass wir am 29. Mai eine Woche Extraetüden einschieben!
Euch weiterhin ein gutes Wochenende und wie immer Freude am Schreiben!

 

abc.etüden 2022 20+21 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

abc.etüden 2022 20+21 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

abc.etüden 2022 20+21 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Die Liebliche | abc.etüden

Was machst du denn um diese Uhrzeit auf dem Balkon?

Und was machst du hier?

Ich habe bei dir das Licht gesehen und wollte wissen, ob du wieder mondsüchtig wirst.

Ob ich schlafwandele? Hmmmmm, auf dem Dachfirst zu gehen habe ich noch nie ausprobiert.

Untersteh dich! Bitte!

SCHWEIGEN.

Konntest du nicht schlafen? Bist du aufgeregt wegen morgen?

Ein bisschen. Eigentlich habe ich gedacht, ich suche mal die Giraffe am Himmel. Gegenüber vom Polarstern übrigens. Aber es ist fast Vollmond, und die Giraffensterne leuchten nur schwach.

Ich wusste gar nicht, dass es ein Sternbild gibt, das Giraffe heißt.

Das deutsche Wort stammt aus dem Arabischen und bedeutet »lieblich«. Hübsch, nicht? Das Sternbild dagegen hat einen lateinischen Namen: Camelopardalis.

Warum Latein?

Wissenschaftssprache. Ursprünglich ist aber Julius Caesar schuld, der hat die erste Giraffe von einem Ägypten-Feldzug nach Europa mitgebracht.

Also nicht nur Kleopatra.

Ob Kleopatra so lieblich war? Die Römer dachten, dieses Tier wäre eine Mischung aus Kamel und Leopard.

Wegen der Flecken?

Ja, vermutlich. Die sogenannte Medici-Giraffe kam erst viele Jahrhunderte später als Geschenk nach Florenz, Ende des 15. Jahrhunderts, man hat sie auf Bildern verewigt, alle wollten sie sehen. Leider soll sie ihre Ankunft nur wenige Monate überlebt haben, es heißt, sie sei mit dem Kopf in den Balken eines extra für sie gebauten Stalls hängen geblieben und habe sich den Hals gebrochen.

Das passiert uns morgen nicht.

So groß bin ich auch gar nicht. Und wer weiß, wie oft ich noch Ausflüge machen kann.

Oma!

Was denn? Ich bin seit drei Tagen 84, auch wenn der Kopf noch funktioniert, der Körper will nicht mehr wie ich. Ich bin froh, wenn ich es morgen überhaupt bis zu den Elefanten, den Giraffen, den Affen und den Löwen schaffe. Wie vor 80 Jahren. Na ja, der Lauf der Welt. Gute Nacht, Kind.

 

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 18/19.2022: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Wortspende stammt dieses Mal von Myriade mit ihrem Blog La parole a été donnée à l’homme pour cacher sa pensée. Sie lautet: Giraffe, mondsüchtig, suchen.

Seit ich beim Herumstöbern zum Thema Sternbild Giraffe über den lateinischen Namen (Camelopardalis, Wikipedia-Artikel, da steht auch, warum/wie die Giraffe in den Himmel kam – nicht, dass nicht eh alle Giraffen in den Himmel kommen) gestolpert bin und dabei die Medici-Giraffe (Wikipedia-Artikel) entdeckt habe, war ich fasziniert und habe ein bisschen herumgelesen. Da hat es Ende des 15. Jahrhunderts eine Giraffe als Prestigegeschenk an Lorenzo di Medici, den De-facto-Herrscher von Florenz, nach Europa geschafft, natürlich aus politischen Gründen. Bündnispolitik. Ein knallharter Deal war also, was heute irgendwie rührend anmutet. Okay, auch Friedrich II. wird der Erhalt einer Giraffe untergeschoben, ca. 230 Jahre früher. Wirklich belegt scheint aber zu sein, dass der einen Elefanten hatte, bei der Giraffe ist die Quellenlage schwieriger (ein Datum für den Erhalt zu nennen, das 11 Jahre nach dem Tod des Herrschers liegt, erhöht die Glaubwürdigkeit des sonst sehr interessanten Artikels (engl.) diesbezüglich nicht; gab es da noch eine parallele Zeitrechnung? Hm). Und natürlich musste das Tier eine so robuste Gesundheit haben, dass es die Strapaze der Reise überstand, was bei Giraffen nicht so leicht war – Giraffen sind nun mal nicht wirklich kompakt. Und spätestens ab dieser Überlegung ist die Sache eigentlich nicht mehr rührend, sondern Tierquälerei. Dennoch: Exotische Tiere sind und waren Prestigeobjekte, sei es für Zoos oder für Privatpersonen.

Ich möchte zum Thema Zoo oder nicht Zoo hier bitte kein Fass aufmachen, ich sehe da viele (einander widersprechende) Aspekte und ich tue mich mit der Gewichtung schwer. Meine alte Dame freut sich jedenfalls auf einen Ausflug, den man ihr zu ihrem Geburtstag geschenkt hat und der sie an ihre Kindheit erinnert.

Hier ist übrigens das/ein Bild mit der Medici-Giraffe (Wikimedia Commons), schaut mal rechts oben, man geht davon aus, dass der Maler die Giraffe selbst gesehen haben muss.

 

Und um die Holzbank duftete der Flieder

Aus guten Gründen heute. Habt einen guten Tag! 🧡

(In der Vorschau/im Reader fehlen die Bilder, also bitte den „ursprünglichen Post“ dafür anklicken, danke!)

Irgendwas ist immer

Weißt du den Abend noch? Die Ulme hing
Die dichten Zweige schützend um uns nieder,
Der Bach schoß glucksend unterm Zaun vorbei
Und um die Holzbank duftete der Flieder.

So süß, so süß! Die laue Nachtluft floß
In weichen Wogen schmeichelnd um die Glieder.
Die Grille zirpte leis im hohen Gras,
Und um die Holzbank duftete der Flieder.

Vom Himmel sank ein Stern in jähem Zug,
Lichtscheue Falter huschten hin und wieder,
Dein Arm umfaßte mich, wir waren jung …
Und um die Holzbank duftete der Flieder.

(Anna Ritter, Und um die Holzbank duftete der Flieder, aus: Gedichte, 1898, Online-Quelle)

Quelle: privat 😉

Aus Gründen. Fröhlichen. Also eigentlich.

Ich denke, dass das irgendwann in den 50ern war, aber ich weiß es nicht. Genauso wenig, wo die Bilder entstanden sind.

Ursprünglichen Post anzeigen

Von Tierischem

Giraffen im Zoo

Wenn sich die Giraffen recken,
Hochlaub sucht die spitze Zunge,
Das ihnen so schmeckt, wie junge
Frühkartoffeln mit Butter mir schmecken.

Hohe Hälse. Ihre Flecken
Sehen aus wie schön gerostet.
Ihre langsame und weiche
Rührend warme Schnautze kostet
Von dem Heu, das ich nun reiche.

Lauscht ihr Ohr nach allen Seiten,
Sucht nach wild vertrauten Tönen.

Da sie von uns weiter schreiten,
Träumt in ihren stillen, schönen
Augen etwas, was erschüttert,

Hoheit. So, als ob sie wüßten,
Daß nicht Menschen, sondern daß ein
Schicksal sie jetzt anders füttert.

(Joachim Ringelnatz, Giraffen im Zoo, aus: 103 Gedichte, 1933, Online-Quelle)

Der Igel

Der Löwe saß auf seinem Thron von Knochen
Und sann auf Sklaverey und Tod.
Ein Igel kam ihm in den Weg gekrochen;
Ha! Wurm! so brüllte der Despot,
Und hielt ihn zwischen seinen Klauen,
Mit einem Schluck verschling ich dich!
Der Igel sprach: verschlingen kannst du mich:
Allein du kannst mich nicht verdauen.

(Gottlieb Konrad Pfeffel, Der Igel, aus: Poetische Versuche, Zweyter Theil, Erstes Buch, entstanden 1780, Online-Quelle)

Das Mondschaf

Das Mondschaf steht auf weiter Flur.
Es harrt und harrt der großen Schur.
Das Mondschaf.

Das Mondschaf rupft sich einen Halm
und geht dann heim auf seine Alm.
Das Mondschaf.

Das Mondschaf spricht zu sich im Traum:
»Ich bin des Weltalls dunkler Raum.«
Das Mondschaf.

Das Mondschaf liegt am Morgen tot.
Sein Leib ist weiß, die Sonn ist rot.
Das Mondschaf.

(Christian Morgenstern, Das Mondschaf, aus: Galgenlieder, 1905, Online-Quelle)


Quelle: Pixabay


Okay, wer die Etüden verfolgt, den wird das Thema dieser Woche jetzt nicht so wirklich wundern, und auch nicht, dass ich unbedingt schauen musste, ob es nicht doch ein Giraffengedicht von namhaften Dichtern gibt. Dass ich allerdings noch NIE die Gelegenheit gefunden habe, das Mondschaf zu zitieren, hat mich dann allerdings doch sehr gewundert. Und mit Nummer drei habe ich mich schlussendlich erwartungsgemäß schwergetan – da etwas zu finden, war nicht einfach.

Wie immer: Kommt alle gut und heil in und durch die neue Woche!


Von Vögeln und Hoffnung

Die Amseln haben Sonne getrunken

Die Amseln haben Sonne getrunken,
aus allen Gärten strahlen die Lieder,
in allen Herzen nisten die Amseln,
und alle Herzen werden zu Gärten
und blühen wieder.

Nun wachsen der Erde die großen Flügel
und allen Träumen neues Gefieder;
alle Menschen werden wie Vögel
und bauen Nester im Blauen.

Nun sprechen die Bäume in grünem Gedränge
und rauschen Gesänge zur hohen Sonne,
in allen Seelen badet die Sonne,
alle Wasser stehen in Flammen,
Frühling bringt Wasser und Feuer
liebend zusammen.

(Max Dauthendey, Die Amseln haben Sonne getrunken, aus: Reliquien, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 122)

Nach einer Zeit

Der du unsrer so gedachtest,
Als uns alles sonst vergaß,
Soviel Glück, wie du uns brachtest,
Keine Wiese hat’s an Gras.

Wenn zwei Augen im Erblinden,
Wenn zwei Herzen ganz verzagt
Plötzlich Licht und Hoffnung finden,
Dann hat Gott etwas gesagt.

Lächelt jetzt ein Regenwürmchen,
Weil die Amsel vor mir flieht?

Hohe Türme sind nur Türmchen,
Wenn ein Adlerauge sieht.

(Joachim Ringelnatz, Nach einer Zeit, aus: 103 Gedichte, 1933, Online-Quelle)

Ich sah einen Adler …

Ich sah einen Adler sich wiegen
Hoch oben im leuchtenden Blau,
Er schaute aus ewigen Fernen
Herab auf mich einsame Frau.

Es standen so träumend die Felder,
So lockend die Berge umher,
Da flog meine Sehnsucht zum Adler,
Zog weitere Kreise als er.

(Anna Ritter, Ich sah einen Adler, aus: Gedichte, 1898, Online-Quelle)

Wo aber fliegen die Abendvögel hin?

Die Tauben schlummern im Hause:
Wo aber fliegen die Abendvögel hin?
Der Wasserfall dämpft sein Gebrause:
Wo aber rinnen die Bäche hin?
Friedlich wurzelt der Rauch auf den Dächern:
Wo aber strömt das Nachtgewölk hin?
Lichter stehen in tausend Gemächern:
Wo aber sinken die Sterne hin?
Immer indem wir liegen und schlafen
Lösen sich Schiffe dunkel vom Hafen.

(Albin Zollinger, Wo aber fliegen die Abendvögel hin?, aus: Gedichte, 1933. Beleg, Online-Quelle)


Quelle: Pixabay


Der übliche Wunsch: Lasst uns alle sicher und friedlich in und durch die neue Woche kommen.

Ja, es ist dringend Zeit für meinen alljährlichen Lieblings-Dauthendey, falls sich jemand schon gefragt haben sollte. Ja, unbedingt. 😉


Schreibeinladung für die Textwochen 18.19.22 | Wortspende von Myriade

Alles neu macht der Mai. Das schreibe ich gerne und würde es auch gerne glauben. Warten wir ab (was bleibt uns übrig), vielleicht hilft es ja, die Hoffnung stirbt zuletzt, was auch gut so ist. Wahrlich, wir leben in schwierigen Zeiten – frei nach Brecht. Ich hoffe, ihr seid alle okay.

Nun denn: Die Schweizer hatten Frühjahrsferien, daher sind in den abgelaufenen Wochen keine neuen Schülerbeiträge dazugekommen. In den kommenden Wochen allerdings wird es spannend, die neuen Wörter sind eine Herausforderung, das Erzählen zu üben, und ich verspreche jetzt schon, dass auch die Wortspenden bis zur Sommerpause nicht die alltäglichsten sind.

Lasset die Spiele beginnen: Wie üblich steht am Anfang die Statistik.
28 teilnehmende Blogs haben insgesamt 49 Etüden eingereicht, den Spitzenplatz der Liste der Einzelschreiber*innen hält Maren mit 5 Etüden, darauf folgen Gerda und Alice mit jeweils 4 sowie Heidi und Puzzleblume mit jeweils 3 Etüden.

Vielen Dank wie immer an alle, die Lust hatten, mitzuschreiben und/oder mitzulesen, die gelikt und kommentiert haben! Vielen Dank nochmals an Ludwig, den Etüdenerfinder und Wortspender, und auch immer wieder meinen Extradank an jede*n, den*die ich in den teilnehmenden Blogs getroffen habe und der*die dort kommentiert/mitdiskutiert hat, das trägt sehr zu einem kleinen Wir-Gefühl bei. 😀👍

Wie immer bitte ich euch, die Liste zu kontrollieren, ob jede eurer Etüden dort verzeichnet ist oder ob euch sonst was komisch vorkommt.
Ich trage gerne nach, wenn irgendwas nicht stimmt, es ist keine böse Absicht, sondern reine Geistesabwesenheit – meine letzten beiden Wochen hatten es in sich.

Disclaimer: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Maikaffee ☕ und Maikeks 🍪🍪 parat? Dann kommt hier die Liste!

Barbara von der Kulturbowle in meinen Kommentaren: hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Maren auf Ich lache mich gesund: hier, hier, hier, hier und hier
Heidi auf Erinnerungswerkstatt: hier, hier und hier
Rika auf Rika liest: hier und hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier, hier, hier und hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier, hier, hier und hier
Ulrike auf Blaupause7: hier und hier
Charis auf Charis {ma}: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier
Judith auf Mutiger leben: hier und hier
Puzzleblume auf Puzzle❀: hier, hier und hier
Monika auf Allerlei Gedanken: hier, hier und hier
Donka auf onlybatscanhang: hier und hier
Petra auf Wesentlich werden: hier und hier
Lene auf HerzPoeten: hier
Torsten auf Wortman: hier
Werner auf Werner Kastens: hier und hier
Sofie auf Sofies viele Welten: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier
Kain Schreiber auf Gedankenflut: hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Ellen auf nellindreams: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier


Die Wortspende für die Textwochen 18/19 des Jahres 2022 stammt von Myriade mit ihrem Blog La parole a été donnée à l’homme pour cacher sa pensée (ein sehr bemerkenswertes Zitat, aber zu lang, um es in eine Überschrift auf dem Blog zu packen, Myriade, verzeih). Sie lautet:

Giraffe
mondsüchtig
suchen.


Wie immer, ihr kennt das, möchte ich euch den öden, blöden Etüden-Disclaimer ans Herz legen: Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.

Eventuelle Inhaltshinweise (Triggerwarnungen) und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der zugehörigen Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste bzw. muss meckern, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright und dürfen für die Etüden verwendet werden. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig. Wer sich die Illustrationen herunterladen möchte, sollte sie vorher großklicken, danach kann man sie in der Regel downloaden und bei sich wieder hochladen.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 15. Mai 2022. Euch weiterhin ein gutes Wochenende und trotz allem Freude am Schreiben!

 

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Blind Date | abc.etüden

Sie starrten beide auf die lange Reihe kleiner grünlich-gelb-weißer Würfelchen, die er akribisch auf der Serviette aufgereiht hatte.

»Du kannst es nicht wissen, weil wir uns noch nicht so lange kennen«, sagte er, und seine Stimme klang trügerisch sanft, »aber ich verabscheue dieses Zeug. Wenn du mir einen Gefallen tun willst, dann tu das bitte nie wieder in einen Kuchen, den ich essen soll.«

Sie dachte kurz darüber nach, ob da vielleicht ein »Sonst …« mitschwang. War da nicht überhaupt ein komischer Unterton?

»Es gehörte zum Rezept für Königskuchen«, stellte sie sachlich fest. »Sukkade, auch als Zitronat bekannt. Ein Rezept meiner Mutter aus einem alten Familienbackbuch. Eigentlich mag das doch jeder, nein?«

»Ich bin aber nicht jeder!« Seine Stimme schwoll leicht an. »Und wenn wir uns erst besser kennenlernen – und das wollen wir doch, nicht wahr? –, dann wirst du auch verstehen, wie wichtig es ist, individuelle Eigenheiten zu respektieren.«

Wollen wir das? Wieso lief es ihr gerade so merkwürdig kalt den Rücken herunter?

Hatte sie nicht überhaupt von Schmetterlingen im Bauch geträumt? Hier saß sie mit ihrem durchaus attraktiven Blind Date an einem belebten Bootsanleger in der Innenstadt, hatte drei- oder viermal mit ihm über das Online-Portal gechattet und ihm einen Kuchen gebacken, fühlte sich definitiv unwohl und war froh, dass er nichts Konkretes über sie wusste.
Was war denn mit ihr los?

»Tut mir leid. Dann lass uns halt den restlichen Kuchen an die Enten verfüttern«, schlug sie vor und begann sofort damit. Das war knapp, dachte sie und wunderte sich über sich selbst.

Später ging sie allein nach Hause. Abends löschte sie ihren Account bei dem Datingportal und beschloss, in den nächsten Jahren den Anleger sicherheitshalber zu meiden.
Es war die beste Entscheidung ihres Lebens, aber wie so vieles andere würde sie auch das nie erfahren.

 

abc.etüden 2022 16+17 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 16/17.2022: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Wortspende stammt dieses Mal von Ludwig Zeidler, dem Etüdenerfinder, der nicht mehr bloggt. Sie lautet: Königskuchen, akribisch, träumen.

Komplett fiktiv, die Etüde, bis auf den Bootsanleger 😉, der ein bisschen dem Hamburger Jungfernstieg (sehr weit weg von mir) ähneln soll, und der Tatsache, dass ich eigentlich auch kein Fan von Zitronat bin, speziell nicht von diesem gekauften Zeugs, was für mich am ehesten in Weihnachtsplätzchen und Stollen gehört (wo ich es dann auch gern esse). Und oh, das Backbuch: »Backen macht Freude« von Dr. Oetker, 26. Auflage von 1963. Meine Mutter hat viel damit gemacht, ich greife meist auf ihre Rezeptsammlung zurück.

Aber hattet ihr schon mal das Gefühl, gerade so davongekommen zu sein, wisst aber eigentlich nicht, wieso? 😉

 

Von Unbehaustheiten

Die Zimmer meines Lebens

Jedesmal,
Wenn ich in ein neues Zimmer ziehe,
Spür ich eine Schwäche meiner Kniee.
Kalt und kahl
Starrt der Raum. Ich steh in seiner Mitten
Mit dem Koffer, gar nicht wohlgelitten.

Jedesmal,
Wenn ich solch ein Zimmer muß verlassen,
Kann ich mich vor Abschiedsfurcht nicht fassen.
Geister ohne Zahl
Meiner Stunden, Traum und waches Treiben,
Winken matt. Ich gehe. Doch sie bleiben.

(Franz Werfel, Die Zimmer meines Lebens, aus: Gedichte (1938), in: Gedichte aus dreißig Jahren, 1939, Online-Quelle)

III.

Durch die dicht verhängten Fenster
Dringt das dumpfe Wagenrollen,
Und verscheucht die Nachtgespenster,
Die im Traum mir nahen wollen.

Aber rauschend durch mein Zimmer
Wogt ein Meer von wirren Tönen,
Und aus all’ dem Schmerzgewimmer
Hör’ ich meine Seele stöhnen!

Hör’ ich meine Seele weinen –
Nicht um dieses Leibes Sterben –
Doch es bangt ihr vor dem kleinen,
Müden, einsamen Verderben.

(Ada Christen, Durch die dicht verhängten Fenster, aus: Aus der Asche (Letzte Lieder), 1870, Online-Quelle)

Einsamkeit

Einsamkeit, ernsthafte Frau,
Tratest einst still in mein Zimmer,
Ach, und ich wollte dich nimmer,
Grüßte dich finster und rauh.

Nicktest nur milde dazu,
Ließest dich doch nicht verjagen,
Mußte dich eben ertragen,
Sangest mich heimlich zur Ruh.

Sieh, und nun weiß ich genau:
Wolltest du heut von mir scheiden,
Würde ich tief drunter leiden,
Einsamkeit, ernsthafte Frau.

(Anna Ritter, Einsamkeit, aus: Gedichte (Vermischte Gedichte), 1898, Nachweis, Online-Quelle)


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Mein Wunsch ändert sich nicht, Woche um Woche: Kommt gut und heil und sicher in und durch die neue Woche!

Frage am Rande: Bekommt ihr zurzeit auch ungewöhlich viel Spam, meist für irgendwelche Pillen?


Von Ostern

Am H. Oster-Tage

Auff den 12. Psalm

Bewahr mich Herr, thu mir zu Rettung kommen.

Fegt ab von euch den Sauerteig der Erden,
Den Sauerteig der alten bösen Zeit,
Auff daß ihr so ein neuer Teig mögt werden,
Als wie ihr dann auch ungesäuert seyd.

Das Osterlamb, das Opffer, so wir haben,
Ist Christus selbst, geschlachtet für die Welt,
Drumb lasset uns die Seele mit ihm laben,
Laßt uns auch sein den Teig, der ihm gefelt.

Damit ihr mögt die neuen Ostern halten,
So seyd auch neu und werdet nach der Zeit
Ein neuer Teig, nemt für den sauern alten,
Den süssen Teig der Lieb und Lauterkeit.

(Martin Opitz, Am H. Oster-Tage, aus: Die Episteln der Sontage und fürnembsten Fest deß gantzen Jahrs, 1628, Online-Quelle)

Ewige Ostern

Als sie warfen Gott in Banden,
Als sie ihn ans Kreuz geschlagen,
Ist der Herr nach dreien Tagen
Auferstanden.

Felder dorren. Nebel feuchten.
Wie auch hart der Winter wüte:
Einst wird wieder Blüt’ bei Blüte
Leuchten.

Ganz Europa brach in Trümmer,
Und an Deutschland frißt der Geier, –
Doch der Frigga heiliger Schleier
Weht noch immer.

Leben, Liebe, Lenz und Lieder:
Mit der Erde mag’s vergehen.
Auf dem nächsten Sterne sehen
Wir uns wieder.

(Klabund, Ewige Ostern, aus: Die Harfenjule, Berlin 1927, Online-Quelle)

[Andre haben andre Schwingen]

Andre haben andre Schwingen,
Aber wir, mein fröhlich Herz,
Wollen grad hinauf uns singen,
Aus dem Frühling himmelwärts!

(Joseph von Eichendorff, Andre haben andre Schwingen, in: VI. Geistliche Gedichte, aus: Gedichte, 1841, Online-Quelle)


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Ich bin nicht fröhlich, daher tue ich mich gerade schwer mit unbeschwerten Gedichten. Andererseits: Lachen hilft. Das Herz aufwärmen hilft. Die Füße in die Erde graben und den Kopf in den Nacken legen hilft. Wenigstens kurz.
Die Balance ist schwierig.

Euch allen schöne Rest-Ostern, und kommt gut und in durch die neue Woche!