Neues Mailied (Zum Mitsingen)

1
Der Mai ist zum Kotzen,
am Tag ist er zu heiß:
als wollte er protzen,
bringt er uns in Schweiß.
Sinkt der Abend hernieder,
friert man in seinem dünnen Rock
und sehnt sich schon wieder
nach Heizung und Grog.

2
Der Mai ist zum Speien,
die Bowlen schlagen aus.
Du latschest im Freien
und kehrst kaputt nach Haus,
hast zerrissene Sohlen,
im Bauche eine Wut
und was man sonst noch holen
sich im Mailüfterl tut.

3
Der Mai ist für Narren
ein Bluff und ein Trick,
die Dummen erharren
im Mai sich das Glück.
Der Geizhals spielt Genießer,
die Pärchen werden wild.
Die ältesten Spießer
stelln ein kitschiges Bild.

4
Der Mai macht sich mausig,
ein richtger Ramschbasar.
Es tut, ach, herztausig
das dümmste Dromedar.
Das Maiblumengelbe,
der Stempel weißer Saft:
s‘ ist jedes Jahr dasselbe
und nicht sehr dauerhaft.

5
Das ist noch das Beste,
daß bald zerplatzt die Poesie;
die schäbigen Reste
verbraucht die Ansichtskarten-Industrie.
Die Pärchen dort glotzen
noch fort mit koloriertem Angesicht.
Der Mai ist zum Kotzen!
Doch was, was ist es nicht?

(Max Herrmann-Neiße (Wikipedia), Neues Mailied, 1927 (Quelle))

 

Maibaum | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Ich bin nicht so ein Fan von dem blank geputzten, launigen Mai-Gedöns, was in Gedichten ja bedauerlicherweise vorherrscht. Als ich also über dieses Gedicht stolperte, war ich angenehm überrascht und entschloss mich spontan dafür. Allerdings war ich nur erfreut, bis ich etwas über die Biografie von Max Herrmann-Neiße gelesen hatte, die liegt ein bisschen schwer im Magen.

Wer sich nun fragt, auf welche Melodie dies garstig Mailied zu singen sei: Es ist „Der Mai ist gekommen“. Probiert es ruhig aus!

 

 

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Schreibeinladung für die Textwoche 21.17 | Wortspende von Andrea aus Bremen

Die Wörter dieser Woche, liebe Etüden-Verrückte, führen die Etüden wieder zurück in die bodenständige Wirklichkeit des Alltags – oder? Hier sind sie, die Wörter für die Textwoche 21.17, die mir meine Freundin Andrea aus Bremen, eine vergnügte Leserin der Etüden (ohne einen eigenen Blog, Schreiben ist nicht ihr Ding), zukommen ließ:

Pusteblume
Käsehobel
versteigern

Ich bin sehr gespannt, wer oder was diese Woche alles so gepustet, gehobelt oder versteigert wird und wer oder was deshalb (fast) sein/ihr Leben lassen muss … Ich wünsche euch fröhliches Schreiben! Man liest sich!

Wie immer weise ich gern darauf hin, dass es darum geht, diese 3 Wörter in einer Kürzestgeschichte unterzubringen, die maximal 10 Sätze umfasst. Die Reihenfolge der Wörter ist egal, und ja, ihr dürft auch öfter als einmal pro Woche.

Das obligatorische Kleingedruckte:

  1. Bitte verlinkt diesen Beitrag unbedingt bei euren Etüden, wenn ihr sie veröffentlicht, damit es hier in den Kommentaren pingt, und/oder schreibt mir einen Link zu euren Etüden in die Kommentare, Pings kommen öfter mal nicht durch.
    Sowohl der/die Wortspender/in als auch ich wüssten so gern, was ihr daraus macht, und wir folgen einfach nicht jeder oder jedem. Solltet ihr eure Etüde in die Kommentare schreiben wollen, weil sie aus irgendwelchen Gründen nicht in das Konzept eures Blogs passt, ihr einfach mal probieren wollt oder ihr gar keinen habt: herzlich gern!
  2. Die grandiosen Illustrationen stammen von lz – Ludwig Zeidler – (Website: ludwigzeidler.de, Blog: poesiegarage.wordpress.com), jede Woche freue ich mich neu darüber. Sie können/dürfen als Beitragsbilder benutzt werden, dafür sind sie gedacht; ihr müsst aber selbstverständlich nicht.

 

Los? Los!

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1 andrea 21.17 | 365tageasatzaday

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 andrea 21.17 | 365tageasatzaday

 

lz abc.etueden schreibeinladung 3 andrea 21.17 | 365tageasatzaday

 

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Beitrag zur Qualitätszertifizierung | abc.etüden

Eigentlich geplant: einvernehmlicher Bürosex. Definitiv ungeplant: Schwangerschaft!!!

„Kann man wegmachen“, sagte er also, ganz der korrekte Sesselfurzer, „ich zahle.“
„Bist du bescheuert“, antwortete sie nicht ohne Entrüstung, „du bist zwar leider nicht sehr entgegenkommend, so privat so, aber ob mit dir oder ohne dich, das ist vielleicht meine letzte Chance auf eine eigene kleine Familie, ich werde schließlich nicht jünger. Du übrigens auch nicht.“

Auf seiner Habenseite standen bereits Abteilungsleitersessel, Doppelhaushälfte und Golfrasen, aber zu mehr Verbindlichkeit war er bisher nie bereit gewesen. Schließlich las er immer die Gebrauchsanweisung und das Kleingedruckte: Trau, schau, wem!
Tief in seinem Herzen hatte er nie wegen schnöder irdischer Güter und, äh, körperlichen Ergüssen an doch eher unpersönlichen Orten gewählt werden wollen. Aber nach einigem Nachdenken hing er reichlich schicksalsergeben an einer der ältesten Angeln der Welt: Frau genommen, Kind bekommen.

Er hoffte im Stillen, dass eine höhere Instanz das alles wenigstens als Beitrag zur Qualitätszertifizierung für seine nächsten Lebensjahre anerkannte.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 ludwig zeidler 20.17 | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler

 

Für die abc.etüden, Woche 20.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Ludwig Zeidler (poesiegarage) und lauten: Golfrasen, Gebrauchsanweisung, Bürosex.

 

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Träumt weiter, Jungs | abc.etüden

Ihr Name war Fräulein Meyer, Meyer mit Ypsilon. Vor ihr blieb in der Firma wenig verborgen, speziell was ihre männlichen Kollegen betraf.

„Und wirft der Arsch auch Falten, wir bleiben doch die Alten.“ Fräulein Meyer schnaubte bei dem Liedtext und wechselte den Sender. Als ob jemand auf runzlige Ärsche stehen würde! Reinfälle diesbezüglich ließen sich allerdings leider nicht ganz vermeiden, spätestens der Bürosex im Kopierraum (sowieso als Location total überbewertet, das Licht dort immer unvorteilhaft und wirklicher Genuss nicht planbar) konfrontierte sie mit teils unerfreulichen nackten Tatsachen.

Anderes war dagegen fast unbezahlbar: Auf den Firmenpartys geriet der Smalltalk der Herren über Urlaubsreisen, Food-Trends und Golfrasen bei ihrem wissenden Lächeln und ihrem tiefen Blick ins Stocken. Sie provozierte, was man(n) über sie dachte, und nutzte ihr Wissen schamlos.

Träumt weiter, Jungs. Dem Leben liegt nun mal keine Gebrauchsanweisung bei.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1ludwig zeidler 20.17 | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler

 

Für die abc.etüden, Woche 20.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Ludwig Zeidler (poesiegarage) und lauten: Golfrasen, Gebrauchsanweisung, Bürosex.

Oh nein, ich höre keine Ballermann-Musik, nicht mal aus Versehen. Das mit dem Falten werfenden Allerwertesten wurde in meiner Familie schon zu Zeiten zitiert, als Malle noch ein Tipp für Eingeweihte war. Keine Ahnung, woher es stammt.

Einen tatsächlichen Textbezug gibt es aber hierhin (Achtung, Ohrwurmalarm): Westernhagen – Willenlos

 

 

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Der grüne Regen

Der Frühlingswolken wandernde Herde
Schleift wie mit Haaren die Erde;
Zieht einen grünen Regen durchs Grau,
Jeder Tropfen wird heute ein Blatt auf der Au.
Wohin der grüne Regen dann trat,
Grünt ein Liebesgedanke, und grünt ein Blatt.
Gedanken und Blätter, die verwunschen waren,
Kommen wieder zur Erde in grünen Scharen.
Die blaue Leere auf allen Wegen füllt grüner Regen.

(Max Dauthendey, Der grüne Regen, aus: Lusamgärtlein, Quelle)

 

Tropfen auf Blatt | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

„Wachsregen“ hat meine Mutter einen derartigen Regen immer genannt. In diesem Fall lasse ich gern offen, was da wächst … (Egal, wie euer Wetter gerade ist: Ist das nicht wunderschön!?)

Kommt gut in die neue Woche!

 

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Schreibeinladung für die Textwoche 20.17 | Wortspende von Ludwig Zeidler

Zäsur. Die erste große Runde mit allen Wortspenden, die Ludwig zu Beginn der Etüden eingesammelt hatte, ist durch. Nun ist es dringend an der Zeit, dass er selbst mal ins Rampenlicht tritt und uns lässig ein paar Brosamen zum Spielen hinschleudert, oder? Hier sind sie also, seine Wörter für die Woche 20.17, im typischen Style à la lz.:

Golfrasen
Gebrauchsanweisung
Bürosex

HEEE! NICHT in die Kaffeetasse prusten! Und viel Spaß beim Schreiben!

Wie immer weise ich gern darauf hin, dass es darum geht, diese 3 Wörter in einer Kürzestgeschichte unterzubringen, die maximal 10 Sätze umfasst. Die Reihenfolge der Wörter ist wie immer egal, wie immer (ja, ich weiß, dass ich ständig „wie immer“ schreibe) dürft ihr auch öfter als einmal pro Woche.

Das obligatorische Kleingedruckte:

  1. Bitte verlinkt diesen Beitrag unbedingt bei euren Etüden, wenn ihr sie veröffentlicht, damit es hier in den Kommentaren pingt, und/oder schreibt mir einen Link zu euren Etüden in die Kommentare, Pings kommen öfter mal nicht durch. Sowohl der/die Wortspender/in als auch ich wüssten so gern, was ihr daraus macht, und wir folgen einfach nicht jeder oder jedem. Solltet ihr eure Etüde in die Kommentare schreiben wollen, weil sie aus irgendwelchen Gründen nicht in das Konzept eures Blogs passt, ihr einfach mal probieren wollt oder ihr gar keinen habt: herzlich gern!
  2. Die Illustrationen stammen wie immer von lz – Ludwig Zeidler – (Website: ludwigzeidler.de, Blog: poesiegarage.wordpress.com). Sie können/dürfen als Beitragsbilder benutzt werden, dafür sind sie gedacht; ihr müsst aber selbstverständlich nicht.

 

Auch diesen Sonntag bin ich vermutlich erst abends im Internet, geduldet euch also bitte, was Pings und Antworten etc. angeht.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1ludwig zeidler 20.17 | 365tageasatzaday

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 ludwig zeidler 20.17 | 365tageasatzaday

 

lz abc.etueden schreibeinladung 3 ludwig zeidler 20.17 | 365tageasatzaday

 

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Morgen ist morgen | abc.etüden

Nichts wie weg, möglichst schnell, sie musste einfach raus aus dem ganzen postfaktischen Mist, den ihr Noch-Ehemann gerade abzog. Gefühlte Wahrheiten, ha, nichts weiter als Schlammschlachten, die sich aneinanderreihten: Hatten sie so etwas nicht immer vermeiden wollen, warum, warum, warum nur tat es so weh? Wenn das neue Flittchen an seiner Seite ernsthaft als Alternative zu ihr geplant war, dann hatte er doch wirklich nichts Besseres verdient.

Sie stieg aus dem Auto, riss sich die Ballerinas fast von den Füßen und rannte barfuß auf das Wasser zu. Feiner, warmer Sand, der immer feuchter wurde, je näher sie dem großen Rauschen kam. Dann stand sie bis über die Knöchel in der Brandung, genoss den Wind von vorn, breitete die Arme aus, strahlte die Sonne an und leckte sich die Tränen aus den Mundwinkeln, die ihr heiß und salzig über die Wangen rannen. Es war so kitschig, dass es fast wehtat, und fühlte sich ungeheuer gut an. Sie atmete tief durch und beschloss, einen langen Spaziergang zum Leuchtturm zu machen, eine Sandburg zu bauen und zuzusehen, wie die Flut sie holen würde, und sich später den Bauch mit ihrem Lieblingseis zu verkühlen.

Der Mensch wird am Meer wieder zum Kind, dachte sie irgendwann. Und morgen war morgen und zum Glück noch weit weg.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1 jaecki lindenau 19.17 | 365tageasatzadayvisuals: ludwigzeidler

 

Für die abc.etüden, Woche 19.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Jaecki Lindenau aus Berlin und lauten: Meer, Mensch, Kind.

Das ist natürlich ein Problem, wenn man drei Wörter hört/liest, und dann spontan einen Satz im Kopf hat, der alle drei beinhaltet und so simpel ist wie meiner. Was also machen? In meinem Fall habe ich mich entschieden, noch neun Sätze um ihn herumzubauen: Wer sagt/denkt diesen Satz? Warum? In welcher Situation?

Und jedes Jahr wieder, weil ich es spontan im Kopf hatte und so mag, ein Lied (auch) zum Meer.
Malediva: Fast schon das Meer sehen …

 

 

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Träumerei in Hellblau

Alle Landschaften haben
Sich mit Blau gefüllt.
Alle Büsche und Bäume des Stromes,
Der weit in den Norden schwillt.

Blaue Länder der Wolken,
Weiße Segel dicht,
Die Gestade des Himmels in Fernen
Zergehen in Wind und Licht.

Wenn die Abende sinken
Und wir schlafen ein,
Gehen die Träume, die schönen,
Mit leichten Füßen herein.

Zymbeln lassen sie klingen
In den Händen licht.
Manche flüstern, und halten
Kerzen vor ihr Gesicht.

(Georg Heym, Träumerei in Hellblau, aus: Der Kondor, 1912, Quelle)

 

Schwan auf dem See | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Mich lässt, wen wunderts, das (neue) Meer aus den Etüden nicht los und entschuldigt zumindest das Bild, das einen See zeigt, wo das Gedicht nur von einem Strom spricht. Na, egal.

Kommt gut in die neue Woche!

 

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Schreibeinladung für die Textwoche 19.17 | Wortspende von Jaecki Lindenau

Heute, liebe Etüden-Fans, -schreiber und -schreiberinnen, heute gibt es für die folgende Woche (KW 19.17) ein ganz besonderes Bonbon. Die Wörter, die dieses Mal von Jaecki Lindenau aus Berlin gespendet wurden, haben den Charme, dass sie rund und glatt wie Kiesel und scheinbar ganz einfach sind, und dass sie so Interpretationen in alle Richtungen erlauben. (Vielleicht auch ein Einstieg für Etüden-Neulinge? Traut euch!)

Meer
Mensch
Kind

Es geht darum, ich wiederhole mich da gern, diese 3 Wörter in einer Kürzestgeschichte unterzubringen, die maximal 10 Sätze umfasst. Die Reihenfolge ist wie immer egal.

Ach, und ihr dürft auch gern öfter als einmal pro Woche! Wartet also nicht auf eure beste Idee, schreibt einfach viele Etüden (Etüde = „Übungsstück, das spezielle Schwierigkeiten enthält“, sagt der Duden, ich finde diese Erklärung hinreißend und für unseren Fall mehr als zutreffend).

Das obligatorische Kleingedruckte:

  1. Bitte verlinkt diesen Beitrag unbedingt bei euren Etüden, wenn ihr sie veröffentlicht, damit es hier in den Kommentaren pingt, und/oder schreibt mir einen Link zu euren Etüden in die Kommentare, Pings kommen öfter mal nicht durch. Sowohl der/die Wortspender/in als auch ich wüssten so gern, was ihr daraus macht, und wir folgen einfach nicht jeder oder jedem. Solltet ihr eure Etüde in die Kommentare schreiben wollen, weil sie aus irgendwelchen Gründen nicht in das Konzept eures Blogs passt, ihr einfach mal probieren wollt oder ihr gar keinen habt: herzlich gern!
    (Und wenn irgendwem unklar ist, wie man verlinkt, fragt einfach. Wir haben alle mal doof angefangen.)
  2. Die Illustrationen stammen wie immer von lz. (vormals Blog textstaub/lz, jetzt Analog-Atelier ludwigzeidler.de, danke, Ludwig!). Sie können/dürfen als Beitragsbilder benutzt werden, dafür sind sie gedacht; ihr müsst aber selbstverständlich nicht.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1 jaecki lindenau 19.17 | 365tageasatzaday

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 jaecki lindenau 19.17 | 365tageasatzaday

 

lz abc.etueden schreibeinladung 3 jaecki lindenau 19.17 | 365tageasatzaday

 

Wo ist die Liebe geblieben? | abc.etüden

Der Blick seiner Frau, als sie an ihm vorbeirauschte, verhieß ernsthafte Schwierigkeiten, wieder einmal. Nicht dass er den Grund nicht gekannt hätte, sein Hang zum schönen Geschlecht hatte sich seit jeher als Stolperstein auf dem geraden Pfad der Tugend erwiesen, Schlawiner, der er war, was konnte er dafür! Sein Blick verklärte sich, als er an die Paradeiser der Damen dachte, zart umschmeichelt von edlen Dessous. Viel mehr Stunden, als seine Frau je wissen durfte, hatte er schon damit verbracht, fremde Liebesäpfel vom Baum der Erkenntnis zu pflücken, und nicht nur die.

Nachdem er bereits in jungen Jahren beschlossen hatte, dass brüllende Chefs und 35-Stunden-Wochen in seinem Leben zu den zu meidenden Kinkerlitzchen zählen würden, hatte er seine Talente genutzt und sich rechtzeitig in ein gemachtes Nest gesetzt. Das bedeutete allerdings Abhängigkeit, nicht nur von den Launen, sondern auch von dem Portemonnaie seiner Frau. Mit zunehmendem Alter und Lebenserfahrung wies dieser Plan für beide gewisse Makel auf, und die Stimmung zwischen ihnen war in den letzten Wochen unter den Nullpunkt gefallen.

Er seufzte. Alles schien auf den Notfallplan mit den falschen Tabletten hinauszulaufen. Schade, sehr schade, wirklich, wo war nur die Liebe von einst geblieben?

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 pinselfisch 18.17 | 365tageasatzadayvisuals: ludwigzeidler

 

Für die abc.etüden, Woche 18.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Jule Pfeiffer-Spiekermann (pinselfisch) und lauten: Paradeiser, Schlawiner, Kinkerlitzchen.

Irgendwie titelgebend, aber sonst nicht viel mehr: Andreas Bourani mit „Auf anderen Wegen“.