07 – Rattenkalt | Adventüden

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Rattenkalt (Alice, Make a Choice Alice)

 

»So eine Scheiße!«, sagte er, und direkt noch mal, um es zu bekräftigen: »So eine Scheiße!« Der Deckel von der Teekanne war verschwunden, einfach so, während er schlief. Und nun war es beißend kalt hier drinnen. Er zog die zerpflückte Decke über sich, versuchte dabei ziemlich vergeblich, die Schneeflocken aus der kleinen Öffnung zu schaufeln, und saß am Ende frierend unter nassen Lappen.

Es war sicher gewesen im Rudel, doch als die wilden Hunde kamen, waren nach und nach alle verschwunden. Er blieb allein zurück, hatte sich ein behelfsmäßiges Nest gebaut und alles gerettet, was er mit seinem schmächtigen Körper hereintragen konnte.

Es half nichts, er musste raus in die Kälte und den Deckel suchen oder etwas anderes, womit er sein Nest bedecken könnte. Kaum hatte er die Nase aus dem beuligen Metall gesteckt, hörte er dünnes Hundegebell. Vorsichtig linste er über den Rand. Doch keiner der großen Wilden kam da angeprescht, sondern ein kleiner, ein Welpe, der wohl sein Rudel auch verloren hatte. Noch etwas tapsig auf den Beinen näherte er sich, schnüffelte an und um die Kanne herum und streckte schließlich seinen halben Kopf durch die Öffnung.

Zitternd saß er unter den nassen Fetzen, hoffte inständig, dass er als Jungratte nicht den Rudelgeruch an sich habe und der Kleine noch ein wenig zu blöd zum Jagen sei. Da spürte er eine warme Zunge, die reichlich nass seinen kleinen Kopf besabberte. Vorsichtig schob er ein Stück seines Vorrats zwischen die kleinen scharfen Zähne und lauschte erfreut dem Schmatzen.

Als er endlich mit dem Rest seines Futters am Rand der Kanne erschien, saß der Welpe zufrieden schwanzwedelnd vor ihm. »Da brat mir doch einer …«, lachte er.

Er hüllte sich in die Reste seiner Decke und stiefelte mit dem Kleinen los. »Los, Kumpel, wir brauchen ein größeres Zuhause …«

 

(c) Alice Wakenfield für die Adventüden | 365tageasatzaday© Alice Wakenfield für die Adventüden – danke!

 

Adventüden 2019 07 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

 

 

06 – Der Termin | Adventüden

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Der Termin (fraggle, reisswolfblog)

 

»Ah, der 15-Uhr-Termin! Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Lübke, Prokurator, Geschäftsführer und Personaler der Fate LLP, mit Sitz in der Hölle und im Besitz von Herrn S. Atan, der leider verhindert ist, weswegen ich dieses Einstellungsgespräch mit Ihnen führe. Sie sind …?«

»Nikolaus!«

»Nikolaus – und wie weiter?«

»Nur Nikolaus.«

»Nur Nikolaus? Wie nur Madonna, nur Cher, nur P!nk, nur Rihanna?«

»Nikolaus von Myra, wenn Sie darauf bestehen.«

»Na, geht doch. Und, wo waren Sie vorher tätig?«

»Lieferdienst.«

»Essen?«

»Bitte?«

»Ich meinte, haben Sie Lebensmittel ausgefahren? Pizza-Taxi, oder so!?«

»Ah – nein, ich war eher eine Art Paketbote. Freiberufler könnte man sagen, wenn es nicht fachlich falsch wäre.«

»Oh, ja, die Paketbranche – da sollen die Arbeitsbedingungen ja …«

»Wenn es nur das wäre. Ich hatte außerdem nur Saisongeschäft. Ich habe immer nur am 6. Dezember ausgeliefert.«

»Oha …«

»Ja, und was für Waren ich geliefert habe! Schokolade, Mandarinen, Nüsse. Immer und immer wieder Mandarinen und Nüsse! Können Sie sich vorstellen, was das für jemanden mit einer Zitrusfrucht- und Nussallergie bedeutet?«

»Oha …«

»Ja, und dann die Art der Lieferung: Ich musste immer in Schuhe liefern! Keine Ahnung, wer sich den Kappes hat einfallen lassen. SCHUHE! Muss ich Ihnen extra sagen, was man da zu sehen und zu riechen kriegt …?«

»So langsam bekomme ich eine Ahnung, wer Sie sind … Sollten die Kinder die Schuhe nicht putzen?«

»Putzen? Die spielen lieber ›Fortnite‹, verdammt!«

»Oha …«

»Ja! Also, kurz gesagt, wenn ich meinen alten Job weiter ausführe, bekomme ich jährlich eine Herbstdepression, deswegen: Bitte, stellen Sie mich ein! Wenn Sie wollen, falle ich vor Ihnen auf die Knie, hier auf dieses Bärenfell

»Nein, das wäre mir eher unangenehm … Gut, Sie sind eingestellt. Haben Sie die Kontaktdaten Ihres alten Arbeitgebers noch?«

»Ja, hier, eine Visitenkarte.«

»Danke! Ähm, ich muss weg!«

»Wohin?«

»Mich beruflich verändern! Für Sie alles Gute!«

 

Adventüden 2019 06 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

05 – Weihnachtszauber zur rechten Zeit – in Hongkong | Adventüden

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Weihnachtszauber zur rechten Zeit – in Hongkong (Petra Schuseil, Wesentlich werden)

 

Sie lebt schon viele Jahre in Hongkong. Hier beginnt der adventliche Weihnachtszauber erst Ende November. Darüber ist sie jedes Mal aufs Neue froh. Erst kurz vor dem 1. Advent werden Schaufenster und Läden geschmückt. Große Tannen werden auf Plätzen aufgestellt. In den ultramodernen Einkaufsmalls und riesigen Eingangsbereichen der Bürotürme stehen Kunstwerke aus filigranem Plastik oder Holz, die an Tannenbäume erinnern. Alle wunderschön dekoriert und sehr außergewöhnlich.

Die Tage sind nun seit Oktober trockener und sonniger geworden. Jetzt im Herbst liebt sie es zu wandern und draußen zu sein. Mit ihren Freunden trifft sie sich gern zum Essen auf der Terrasse. Sie wird die alte Teekanne aus dem Schrank holen und ihre selbst gebackenen Plätzchen offerieren. Für Stefan ohne Nüsse wegen seiner Nussallergie. Sie hat jedes Mal aufs Neue Angst, es könnten sich doch Wal- oder Haselnüsse in die Plätzchen verirren. Bloß nicht dran denken!

Manchmal schaut sie mit ihren Freundinnen Fotos aus früheren Zeiten an. Auf dem einen lächelt sie in die Kamera mit ihrer roten Pudelmütze auf dem Kopf. Schneeflocken zaubern ein Muster auf ihren dunklen Anorak. Sie liebt den milden Winter in der Megametropole. Ohne Glatteis! Ohne Kälte!

Ihr ist bewusst, dass sie ein privilegiertes Leben führt. Sie ist dankbar dafür. Die Armut winkt auch hier an jeder Straßenecke. Man muss nur die hektischen Einkaufsstraßen verlassen und in eine kleine Seitenstraße abbiegen. Schon befindet man sich in einer anderen Welt, mitten im chinesischen Viertel mit seinen verstaubten Tee- und Kräuterläden. Alte und Gebückte ziehen schwere Holzkarren. Der alte Schirmmacher repariert seit Jahr und Tag zerfetzte Schirme, die Wind und Regen mürbe machen. Er wird das chinesische Neujahr feiern. Das wird sein ganz persönliches Weihnachten sein, wenn seine Kinder ihn besuchen kommen.

 

Adventüden 2019 05 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Hongkong also. Da war doch was in den Nachrichten, sogar ziemlich viel, und jetzt ist es gerade wieder ruhiger, nicht? Per glücklichem Zufall bin ich über einen aktuellen Bericht eines Journalisten über seinen Hongkong-Aufenthalt gestolpert, den ich euch nicht vorenthalten möchte. Ich war sehr davon angetan.

 

Hong Kong: von Hello Kitty bis Hallo Kotti

Vielleicht hat Petra auch noch neuere Infos, die sie teilen kann und mag.

 

04 – Wann ist Winter? | Adventüden

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Wann ist Winter? (Die Hoffende, ICH & MEHR)

 

Es ist Vorweihnachtszeit und wie immer im Advent wandern meine Erinnerungen zurück in meine Kindheit. Fast alle Menschen träumen von einer weißen Weihnacht und glauben, davon schon ganz viele erlebt zu haben.

Wie gut doch unser Gehirn zu uns ist, es schenkt uns das Vergessen. Nicht so schöne Begebenheiten existieren später nicht mehr für uns, es bleibt das feste Bewusstsein, dass die Feiertage fast immer weiß waren. Doch leider erlebten wir den Weihnachtszauber in unserer Vergangenheit meist grün, so grün wie den Baum im Wohnzimmer.

Die weiße Pracht kam erst später. Ganz selten steckten zu Silvester bengalische Feuer in Schneehaufen. Fast immer war es kalt, manchmal feucht, ab und zu sehr windig. So richtig schönes Feuerwerkswetter gab es genauso selten wie Schnee zu Weihnachten. Aber die kalte Jahreszeit rückte spürbar und unaufhaltsam heran.

Im neuen Jahr, wenn die Schule wieder losgegangen war, kam endlich auch der lang erwartete Winterzauber. In dieser Zeit träumte ich oft am Fenster, sah den Schneeflocken zu und beobachtete genau, ob sie groß oder klein waren, fing sie auf und besah sie – bis sie sich durch die Wärme meiner Hand auflösten.

Die schönsten Wintertage waren für mich jene, an denen ich aus der Schule kam, den Ranzen in eine Ecke warf, sofort die Hosen, Schuhe und Jacke wechselte, die Pudelmütze aufsetzte und den Schlitten holte. Dann rodelte ich bis zum Dunkelwerden mit den anderen Kindern aus dem Viertel. Abends kamen oft die Väter (und manchmal auch die Mütter) dazu. Dann wurde es zu einem großen Event für Familien, ohne dass es einer Organisation bedurft hätte.

Das Rodeln im Dunkeln, nur im Schein der Straßenlaternen, gehört zu meinen allerschönsten Kindheitserinnerungen.

 

Adventüden 2019 04 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

03 – Spurlos | Adventüden

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Spurlos (Bettina, Wortgerinnsel)

 

Gestern in der Kantine hörte ich jemanden »Last Christmas« vor sich hin singen. Jemand anderes stöhnte laut und rief: »Bitte nicht, ich habe noch nicht einmal meine Herbstdepression hinter mir.«

Alle lachten. Ich natürlich auch, was hätte ich auch sonst tun sollen. Früher habe ich selbst oft genug solche oder so ähnliche Witze gemacht. Dabei wissen wir noch nicht einmal, ob es überhaupt die Depressionen waren. Es könnte ganz andere Gründe gegeben haben. Es muss nicht einmal freiwillig geschehen sein.
Aber darüber wollten wir nie ernsthaft nachdenken.
Damals nicht und heute auch nicht.
Wir reden allerdings sowieso nicht mehr oft darüber. Eigentlich nie, wenn ich ganz ehrlich bin. Jetzt wo ich darüber nachdenke, frage ich mich, wann wir zuletzt deinen Namen erwähnt haben.

Ich erinnere mich an das zweite Weihnachten danach. Es gab natürlich Onkel Sigis berühmten Rumstreuselkuchen. Da gehören eigentlich Nüsse rein. Aber du hattest diese Nussallergie, und deshalb gab es immer zwei Varianten vom Kuchen.
Schon im zweiten Jahr … nicht mehr.
Es gab Onkel Sigis Kuchen nur noch mit Nüssen.
Schon im zweiten Jahr gingen wir stillschweigend davon aus, dass es unter uns niemanden mehr gibt, der keine Nüsse verträgt?
Warum gingen wir so schnell zur Tagesordnung über? Zu welcher Tagesordnung kann man übergehen, wenn so etwas passiert?

Es ist noch viel zu früh für »Last Christmas« und den ganzen Weihnachtszauber.

Und es ist auch noch viel zu früh, um einfach weiterzumachen als sei nichts passiert.

Auch wenn wir nicht wissen, was passiert ist.
Auch wenn wir es vielleicht nie wissen werden.
Du bist weg.
Das müssen wir aussprechen.
Auch wenn es nicht auszudenken ist.
Aber das ist alles nicht nur dir passiert.
Es ist uns passiert.
Es passiert immer noch.
Es passiert jeden Tag.

 

Adventüden 2019 03 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

 

Von Advent und Backen

 

Weihnachtsschnee

Ihr Kinder, sperrt die Näschen auf,
es riecht nach Weihnachtstorten;
Knecht Ruprecht steht am Himmelsherd
und backt die feinsten Sorten.

Ihr Kinder, sperrt die Augen auf,
sonst nehmt den Operngucker:
die große Himmelsbüchse, seht,
tut Ruprecht ganz voll Zucker.

Er streut – die Kuchen sind schon voll –
er streut – na, das wird munter:
er schüttelt die Büchse und streut und streut
den ganzen Zucker runter.

Ihr Kinder, sperrt die Mäulchen auf,
schnell! Zucker schneit es heute!
Fangt auf, holt Schüsseln! – Ihr glaubt es nicht?
Ihr seid ungläubige Leute!

(Paula Dehmel, Weihnachtsschnee, aus: Das liebe Nest. Kindergedichte. 1919, Online-Quelle)

 

Knecht Ruprecht

Draußen weht es bitterkalt,
wer kommt da durch den Winterwald?
Stipp – stapp, stipp – stapp und huckepack,
Knecht Ruprecht ist’s mit seinem Sack.

Was ist denn in dem Sacke drin?
Äpfel, Mandeln und Rosin’
und schöne Zuckerrosen,
auch Pfeffernüss’ fürs gute Kind
die andern, die nicht artig sind,
die klopft er auf die Hosen.

(Martin Boelitz, Knecht Ruprecht, Online-Quelle)

 

Plätzchenteller | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Ganz ohne Gedichte geht nicht. Sind zwar nur zwei, aber …
Kommt gut in die neue Woche!

 

02 – Alle Jahre wieder | Adventüden

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Alle Jahre wieder (Miniatur von Ulli Gau, Café Weltenall)

 

Ihr Herz klopft in die Stille der Welt und Nacht. Kein Baum, keine Kugel, kein Lametta, kein Klimbimmellimmelimm. Sie hastet nicht. Sie kauft, was sie immer kauft. Nur ihre Stube poliert sie, weg mit dem übers Jahr angesammelten Staub in Poren und Ritzen. Kerzenzeit, Glanzzeit, Duftzeit, Räucherwerk, die Teekanne auf dem Stövchen. Kein Stress, keine Herbstdepression. Es ist Wintersonnenwendezeit. Zeit für sie, Zeit für Nichts, Zeit für brennende Zettelchen, für fliegende auch. Zeit für Kartenspiele, für Spiel und Spiele überhaupt, allein und mit den Liebsten.

 

Adventüden 2019 02 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

01 – Fräulein Honigohr und der Adventskalender | Adventüden

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Fräulein Honigohr und der Adventskalender (Tanja, Stachelbeermond)

 

Fräulein Honigohr schlägt die Bettdecke zurück, wirft ihre Strickjacke über und läuft auf nackten Sohlen zum Adventskalender. Die Dielenbretter sind eisig, aber für Socken hatte sie nun wirklich keine Zeit, der Adventskalender hat Priorität! Voller Vorfreude sucht sie nach dem Päckchen für heute, und da ist es auch schon: Klein, rund und in weißes Papier eingewickelt. Unspektakulär. Fräulein Honigohr betrachtet es neugierig. Auf dem Papier steht mit Bleistift geschrieben: »Was du nicht erwartest.« Aha?

Fräulein Honigohr tippt sich mit dem Finger an die Nase, dann wickelt sie das Papier auf. Zum Vorschein kommt ein rotes Bonbon, das nach Erdbeere duftet. Fräulein Honigohr probiert vorsichtig. Es schmeckt nach Kakao. Mit einem Hauch Zimt, wie früher.

Sie lutscht vor sich hin, während sie sich anzieht, in die Küche geht und Tee kocht. Ein guter Tagesbeginn, denkt sie, und hält versonnen die Teekanne über ihre Tasse. Es kommt allerdings kein Tee heraus. Zartes, weit entferntes Hundegebell fließt aus dem weißen Porzellan. Fräulein Honigohr starrt in ihre Tasse. Mit jeder vergehenden Sekunde wird das Gebell leiser und verstummt schließlich. Sie schenkt nach, lauscht den Hunden hinterher, verfolgt ihren wilden Lauf im Schneegestöber, während sie mit anderen Kindern zusammen über die frostigen Ebenen rennt, wild lachend, mit kalter, roter Nase und wippender Pudelmütze, glücklich bis in die Fingerspitzen, die Steinwüste bedeckt mit glitzerndem Eis, auf dem sie schneller als der Wind gleitet.

Fräulein Honigohr öffnet die Augen. Das Gebell ist verstummt. Versuchsweise hält sie die Teekanne noch einmal schräg, und dieses Mal schweben Schneeflocken heraus und wirbeln wie kleine nasse Küsse in ihrer Küche umher.

Fräulein Honigohr ist gerührt. Wintererinnerungen in ihrem Adventskalender. Herr Brummeck hat sich selbst übertroffen. Manchmal ist er grantiger als ein Bärenfell, aber tief drinnen hat er ein Herz aus Zimtkakao. Morgen ist sie dran. Sie wird sich ins Zeug legen.

 

Adventüden 2019 01 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Diese Etüde stammt von Tanja und ihrem Blog Stachelbeermond. Tanja wurde von mir nachnominiert, nachdem der Etüdenerfinder leider seine Teilnahme abgesagt hatte. Sie schreibt seit Herbst regelmäßig mit, und ich bin völlig von Fräulein Honigohr verzaubert.

 

Fazit Textwochen 47.48.19, willkommen Adventüden!

Es ist Zeit, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, die reguären Etüden zu verabschieden, und zwar für die restliche verbleibende Zeit dieses Jahres. Denn in einer knappen Stunde geht auf diesem Blog das erste Türchen auf: HURRA, die Adventüden, der erste Etüden-Adventskalender, lächeln in die Runde! Nun, zu den Adventüden habe ich gestern schon mehr geschrieben (hier nachlesen), das muss ich also jetzt alles nicht wiederholen.

Ich komme also, wie es schon Tradition hat, zur Statistik. Als Bernd, von dem die letzten Wörter stammten, mir die „Unbehaustheit“ eingereicht hat, war mir klar, dass das auch ganz leicht unter „Herausforderung“ fallen hätte können, aber nein, erstaunlicherweise nicht. Obwohl: Ich HABE mich schwer damit getan, war in Gedanken immer bei so was völlig abgehoben Philosophischem. Nachdem ich das dann einer Figur unterschieben konnte, war ich gerettet …
Eingereicht wurden 55 Etüden von 31 sagenhaften Blogs (Stand ohne Nachzügler). Was für ein gelungener Abschluss! Die Liste führen die Puzzleblume und fraggle mit jeweils fünf Etüden an. Anna auf „Eulenschwinge“ hat sich an ihrer ersten Etüde versucht, was mich total gefreut hat, und Judith von „Mutiger leben“ hat bei Sabine Wortgeflumsel eine Kommentaretüde hinterlassen, die diese sofort bei mir gepostet hat: danke an euch beide!

Wie immer: Checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und meldet Fehler/Fehlendes oder ob sonst was falsch ist – ihr kennt das ja.

Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Die Fledermaus auf onlybatscanhang: hier und hier
Elke H. Speidel auf Transworte auf Litera-Tour: hier, hier und hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier und hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier und hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier und hier
Puzzleblume auf Puzzle: hier, hier, hier, hier und hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier, hier und hier
Petra Schuseil auf Wesentlich werden: hier
fraggle auf reisswolfblog: hier, hier, hier, hier und hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier und hier
René auf Ein Blog von einem Freund. Von Humor. Und Spass. Aus Berlin. Im Ernst!: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier und hier
Die Hummel im Hummelweb: hier
Veronika auf vro jongliert: hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier, hier und hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier und hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier
Die Findevogelfrau aus dem Findevogelblog: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Resi Stenz in meinen Kommentaren: hier
Marion auf Findesatz: hier
Anna auf Eulenschwinge: hier
Viola auf viola-et-cetera: hier
Monika auf Allerlei Gedanken: hier
Judith von Mutiger leben in meinen Kommentaren, danke, Sabine: hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier
Das andere Mädchen auf Das andere Mädchen: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Resi Stenz auf Resi Stenz: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier

Nachzügler: noch eine von

Natalie im Fundevogelnest: hier

Vielen Dank an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben!

Im Dezember ruhen die Etüden zugunsten der Adventüden. Wer aus den Adventüden-Wörtern Etüden nach den üblichen Regeln schreiben möchte, dem sei das nicht verwehrt, der sei aber gebeten, sie erst NACH ABLAUF des Adventskalenders zu veröffentlichen, soll heißen, ab dem 25.12. – denn ihr hättet ja (zumindest die meisten von euch) im Sommer das Etüdensommerpausenintermezzo lesen und mitschreiben können, gelle? Also habt bitte Verständnis.

Die regulären Etüden starten wieder am ersten Sonntag im neuen Jahr, das ist der 5. Januar 2020.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Wen ich vorher nicht mehr lesen sollte: Schöne Weihnachten, kommt gut rüber! Ich werde noch im Dezember die nächsten Wortspender ziehen (lassen) und anschreiben. Ich bedanke mich bei euch allen für ein wirklich ereignisreiches Etüdenjahr und bin sehr gespannt auf das nächste!

 

Adventüden 2019 Start | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden 2019

Weihnachten ist für viele leider keine Freude. Für mehr, als man denkt, sind die geballten Emotionen, die uns Medien, Werbung, Weihnachtsmärkte, Innenstädte etc. als „schönste Zeit im Jahr“ verkaufen, in Wirklichkeit eine Zeit von Alleinsein, Stress, Kummer und Angst – und vielfach auch Gewalt in allen Ausprägungen. Und natürlich gibt es auch Menschen, die Weihnachten aus verschiedenen Gründen gar nicht feiern. Die Verarbeitung dieser Seite der Realität hat auch in den Etüden ihren Platz, manche Etüden sind daher sehr nachdenklich.

Als diese Etüden geschrieben wurden, im Rahmen des Etüdensommerpausenintermezzos (bis 31.08.2019), hatte die Debatte zum Thema Triggerwarnungen bei den abc.etüden noch nicht stattgefunden. Sieht man sich den scheinbar „normalen“ Ton an, in dem Debatten im Internet geführt werden, muss ich sagen, dass wir die Ausnahme geschafft haben: Wir sind nicht wirklich zu einem Konsens gekommen, aber das Wie (463! verdammte! Kommentare!; dabei allerdings auch Verlinkungen zu Etüden) war auf jeden Fall besonders und nachahmenswert – wir sprechen alle noch miteinander.

Unser Konsens sieht so aus, dass sich jeder an den Etüden teilnehmende Blog entscheiden kann, ob er Inhaltshinweise setzt, speziell in den Stich-/Schlagwörtern, die man jedem Beitrag beifügen kann. Einführende Charakterisierungen des Textes haben die meisten Mitschreibenden abgelehnt. Die meisten (auch einige Betroffene) haben ferner argumentiert, dass Trigger zu speziell seien, als dass man sie benennen könnte, und dass buchstäblich ALLES triggern kann.

Aufgrund dieser besonderen Situation (siehe oben, die Etüden entstanden vor der Diskussion) und der Tatsache, dass die Adventüden über meinen Blog erscheinen, habe ich alle Etüden mit einem Link zu diesem Text versehen, außerdem sind alle verschlagwortet, ich hoffe, ausreichend, ich lerne da auch noch.

Schlussendlich möchte ich jede*n Lesende*n, der*die möglicherweise mit bestimmten Situationen Probleme hat, an seine*ihre Eigenverantwortung erinnern: Alle Adventüden sind zwar mit Stich-/Schlagwörtern bestückt, aber ich kann nicht beurteilen, ob sie gerade bei euch greifen. Wenn ihr im Zweifel seid, ob ihr etwas abkönnt, lest bitte nicht weiter.

 

Es kann nicht schaden, von ein paar Anlaufstellen zu wissen, für alle, die in der Realität Probleme haben oder bemerken und helfen möchten – ich bin sicher, dass es einige unter euch gibt, die wissen, wovon ich rede. Die Beratung ist kostenlos und anonym.

  • das „Hilfetelefon“ (Gewalt gegen Frauen, auch Beratung für Angehörige oder Freunde/Bekannte), Tel. 08000 116 016, www.hilfetelefon.de
  • die „Nummer gegen Kummer“ (für Kinder und Jugendliche; Eltern etc. andere Nummer, bitte über die Webseite aufrufen), Tel. 116 111, www.nummergegenkummer.de
  • die „TelefonSeelsorge“ (Sorgen von der Seele reden), Tel. 0800 111 0 111, www.telefonseelsorge.de

 

Habt viel Spaß beim ersten Etüden-Adventskalender, den Adventüden 2019!

 

Adventüden 2019 Start | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Coming up next: Adventskalender! | Adventüden

Ich blogge ja nun schon seit ein paar Jahren, und eigentlich fand ich die Sache mit den Adventskalendern und dem ganzen Bohei drumherum immer spannend und ein bisschen aufwendig und nervig. Aber selber einen veranstalten? Womit? Kurz vor Weihnachten? Wo keiner so richtig Zeit hat?

Das war der Stand bis dieses Jahr, als dergl im Frühling vorschlug, man könnte ja vielleicht IN DER SOMMERPAUSE als Teil des Etüdensommerpausenintermezzos die Schreibaufgabe stellen, zu vorher zusammengesammelten Wörtern Etüden zu schreiben und die NICHT direkt zu veröffentlichen, sondern an mich zu schicken, auf dass ich sie als Adventskalender unter die Leute bringe. Die Konditionen: drei Wörter aus der Liste (einige haben mehr genommen, manche alle) in maximal 300 Wörtern. Das wurde dann begeistert aufgegriffen, was mich ziemlich erstaunte. Hier könnt ihr den Aufruf dazu noch mal lesen, nur dergl schreibt leider nicht mehr mit und hat mich gebeten, auch ihre sämtlichen Kommentare zu löschen, daher laufen alle Links diesbezüglich ins Leere. Ich sags nur.

O Wunder, die Etüden trudelten ein, die meisten sogar innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens. Der Witz ist, dass im Sommer die Zahl der Etüdenmitschreibenden signifikant sinkt, was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass vermutlich die meisten einen Garten oder Ähnliches haben und jedenfalls keine Lust, so viel vor dem Rechner zu hängen.

Also hat dieser Adventskalender zwei Funktionen: Er soll Lust auf die regulären Etüden machen und er soll all die Schreibenden belohnen, die auch im Sommer bloggen.

Bedingung war von meiner Seite lediglich, dass der*die Beitragende bereits eine veröffentlichte Etüde hatte, und das Konzept ist insofern aufgegangen, als dass ich nur EINE Etüde von einem bekommen habe, der zu den sehr sporadisch Mitschreibenden gehört und EINE Etüde von einer, die in größeren Abständen mitschreibt – beide Etüden sind in meinem persönlichen Ranking weit oben und ich würde mich freuen, mehr und öfter von beiden zu lesen. Ansonsten finden sich hier die „üblichen Verdächtigen“: HERZLICHEN DANK an euch, die Etüden leben von/durch euch und eure Schreiblust.

Nun hätte es natürlich auch sein können, dass ich den ganzen Dezember komplett mit Etüden hätte füllen können. Hätte ich den Aufruf im Herbst gestartet, wo die Beteiligung wieder nach oben schnellt, wäre das vermutlich auch so gewesen. Aber, zweites „o Wunder“, wären alle gekommen, die sich angekündigt hatten, hätte ich für einen regulären Adventskalender nur eine Etüde zu viel gehabt. Nach dem Ausscheiden von dergl zog jedoch einige Wochen später leider auch noch der Etüdenerfinder seine Zusage zurück, sodass ich mit 23 Etüden dastand. Ich hatte zwar für einen derartigen Fall durchaus Zweit-Etüden in petto, aber eigentlich wollte ich, dass jede*r nur mit einer Etüde vertreten ist. Also habe ich nachnominiert und eine Schreiberin um eine Etüde gebeten, die nach der Sommerpause erst eingestiegen ist und in deren Protagonistin ich mich spontan verguckt habe. Ende Gelände.

Für alle, die jetzt immer noch fragen: Nein, ihr könnt nicht mehr mitmachen. Jedenfalls nicht in diesem Jahr. Und jedem, dem jetzt noch mit den Wörtern eine sooooo tolle Etüde einfällt (und ich bin sicher, das wird einigen von euch so gehen): Ich würde sie gerne lesen, aber erst, wenn dieser Adventskalender durch ist. Also zwischen Weihnachten und Neujahr. Weil – ihr hättet ja auch im Sommer mal in eure Reader schauen können, es ist ja nicht das erste Mal, dass es Etüdensommerpausenintermezzos gab.
Oh, nein, eine Liste, wer wann drankommt, gibt es nicht, die Türcheninhaber wissen ihr Datum aber. Mein Gedanke dazu war, dass man das bei einem normalen Adventskalender ja auch nicht weiß, was/wer drin ist. Hättet ihr es gern anders gehabt?

Morgen früh also starten die Adventüden (eine Wortschöpfung von René, die ich gern aufgegriffen habe). Jeden Tag öffnet sich ein Türchen mehr, die Etüden sind für kurz vor 6:00 Uhr in der Pipeline. Reblogs sind ab morgen offen, ihr könnt eure eigene Etüde also gern bei euch rebloggen, und ich/wir freuen uns wie immer herzlich über Kommentare.
Die „regulären“ Etüden verabschieden sich morgen früh in die Weihnachtspause und starten Anfang Januar wieder durch.
Nur entschieden, ob es auf diesem Blogtheme dieses Jahr schneien wird, habe ich noch nicht, aber im Radio habe ich schon zum ersten Mal das Theme von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ gehört. Ja, es gibt Alternativen zu „Last Christmas“! Habt eine fröhliche, helle Zeit!

 

Adventüden 2019 Start | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Dunkle Zeiten – der Mann | abc.etüden

Nach der Diagnose war es ums nackte Überleben gegangen. Peter hatte die toxische Krankheit besiegt, mit dieser wunderbaren Frau an seiner Seite, die Tag und Nacht an seinem Bett gesessen und ungezählte Ängste ausgestanden hatte. Es hatte lange gedauert. Jetzt lebte er sich in den Vorruhestand ein.

Sie brach auf zu Mimis Geburtstagsparty, und er neckte sie wegen ihres farbenfrohen „Hasch mich, ich bin der Frühling“-Fähnchens im November. Wollte er mit? Bloß nicht. Er fühlte sich nicht besonders, und auf Mimis Mann konnte er verzichten. Martin war und blieb ein Vollhonk. Über seine ehelichen Qualitäten würde er sich kein Urteil erlauben, wohl aber über die fachliche Eignung seines ehemaligen Dozenten-Kollegen. Er hatte dessen Tiraden zur intellektuellen Unbehaustheit des modernen Mannes nicht vermisst.
Seine Marker waren konstant niedrig, aber sie machte sich immer noch Sorgen um ihn, obwohl sie es nie zugab. Er wollte sie nicht beunruhigen. Trotzdem würde er seine Aversion gegen Martin und seinen schlechten Whisky nicht überwinden. Sollte sie ruhig den Abend mit den Freunden ohne ihn genießen, ihn erwartete das neueste Segelflieger-Magazin.
Er beobachtete sie, wie sie leichtfüßig zum Auto schritt, sich umdrehte, ihn bemerkte und wieder zurückkam.

„Komm schon, du schwermütiger Grantler. Lesen kannst du auch morgen. Wenn Mimis Mann dich volllabert, dann rette ich dich. Wäre doch gelacht, wenn du keinen findest, mit dem du dich sonst unterhalten kannst.“

Er schwieg.

„Ist was?“, fragte sie.

Keine Frau glaubt einem, wenn man „Nein, Schatz, alles gut“ sagt. Also entschied er sich für die Wahrheit.

„Ich fühl mich nicht.“

„Soll ich hierbleiben? Willst du den Arzt anrufen?“

Verdammt, er hatte es doch gewusst.

„Ich glaube, ich bekomme die Grippe.“

Sie lächelte schief.

„Echt jetzt? Männergrippe oder was Ernstes?“

„Geh du nur und lass mich hier einsam sterben.“

„Hab dich lieb.“

„Ich dich auch.“

Dann war sie weg.

 

abc.etüden 2019 47+48 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 47/48.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Bernd und seinem Blog Red Skies over Paradise und lauten: Unbehaustheit, schwermütig, haschen.

So sehr wie mich der Entwurf von Herrn autopict in den Kommentaren zu meiner letzten Etüde (hier lesen) inspiriert hat, so wenig habe ich in 300 Wörtern alles unterbekommen können. Vor allem nicht, als mir einfiel, dass und warum sie sich auch so verhalten könnte, wie sie es tut. Findet ihr das logisch so?