Von Musik und Liebe

[MUSIK bewegt mich]

MUSIK bewegt mich, daß ich dein gedenke,
So will auch Meer und Wolke, Berg und Stern,
Wie anderer Art als du, dir noch so fern,
Daß ich zu dir das Herz voll Andacht lenke.
Kein edles Bild, das nicht mein Auge zwinge
Von dir zu träumen, kein beseelter Reim,
Der nicht zu dir Erinnern führe heim –
Geschwister sind sich alle schönen Dinge.

(Ricarda Huch, Musik bewegt mich, aus: Liebesgedichte, 1907, Online-Quelle)

Nun such ich …

Nun such ich immer den einen Klang
und find ihn doch nimmer mein Lebenlang.

Ich lausche, ob nicht ein Tönen erwacht,
das meine Lieder unsterblich macht –

ob heimlich nicht schon die Schwingen regt
ein Lied, das alle Herzen bewegt,

das fromm und rein in der Seele erblüht
und dennoch Funken und Flammen sprüht –

ein Lied, das den Schmerz zur Ruhe singt
und doch wie ein Schrei der Sehnsucht klingt!

Nun such ich und such ich mein Lebenlang
immer und ewig den einen Klang …

(Leon Vandersee (Helene von Tiedemann), Nun such ich …, in: Adagio consolante, aus: Heimatlied, 1900 (1903?), Online-Quelle)

Das Meer singt

Singe das Leben
Trunken und weit.
Rausche euch allen
Unendlichkeit.

Singe die Liebe
Grausam und groß.
Breit über alles
Mein Namenlos.

Gott tönt aus mir.
Dunkel und Glut.
Alles ist tödlich
Und alles ist gut.

(Francisca Stoecklin, Das Meer singt, aus: Die singende Muschel, 1925. Online-Quelle)


Quelle: Pexels


Ob mit Regen und Sonne oder ohne, kommt gut und warm und heil und sicher durch die erste Herbstwoche!

Und du, falls du das liest – ja, du, liebste Freundin – HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH zum Geburtstag! 🌻🦋🧡🌻


Von Göttern

Alles geben Götter

Alles geben Götter die unendlichen
Ihren Lieblingen ganz
Alle Freuden die unendlichen
Alle Schmerzen die unendlichen ganz.

(Johann Wolfgang von Goethe, Alles geben Götter, aus: Briefe. 1777, 3/621. Aus einem Brief an Auguste Gräfin zu Stolberg, Weimar 17. Juli 1777, Online-Quelle)

HIMMELSMÄRCHEN

Nun sind wir wieder unter uns Göttern,
Sagte der Mond, als der Abend dunkelte,
Und winkte zum Reigen den Planeten,
Seinen Vettern.
Das Goldblut funkelte
Durch demantene Schleier,
Wie sie langsam sich drehten
In festlich melodischem Schritt.
Dann reichten sie die Leier
Der Erde, Scheherezade,
Und alle lauschten
Ihrer glorreich wilden Ballade.
Die Nacht summte träumerisch mit.
Die Tränen rauschten.

(Ricarda Huch, Himmelsmärchen, aus: Herbstfeuer. Gedichte, Insel Verlag zu Leipzig 1944, Online-Quelle)

Jetzt wär es Zeit

Jetzt wär es Zeit, daß Götter träten aus
bewohnten Dingen…
Und daß sie jede Wand in meinem Haus
umschlügen. Neue Seite. Nur der Wind,
den solches Blatt im Wenden würfe, reichte hin,
die Luft, wie eine Scholle, umzuschaufeln:
ein neues Atemfeld. Oh Götter, Götter!
Ihr Oftgekommenen, Schläfer in den Dingen,
die heiter aufstehn, die sich an den Brunnen,
die wir vermuten, Hals und Antlitz waschen
und die ihr Ausgeruhtsein leicht hinzutun
zu dem, was voll scheint, unserm vollen Leben.
Noch einmal sei es euer Morgen, Götter.
Wir wiederholen. Ihr allein seid Ursprung.
Die Welt steht auf mit euch, und Anfang glänzt
an allen Bruchstelln unseres Mißlingens…

(Rainer Maria Rilke, Die Welt steht auf mit euch, Muzot, Mitte Oktober 1925, in: Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens, Gedichte aus den Jahren 1906 bis 1926, insel tb 98, 1953, S. 173. Online-Quelle; Gedanken zur Interpretation im Rilke-Forum)


Quelle: Pixabay


Der obligatorische Wunsch: Kommt gut und heil und sanft in und durch die neue Woche!

Die Statue ist übrigens eine der acht auf der Schlossbrücke in Berlin (hier mehr lesen) und stammt von Gustav Blaeser (1853): Athena beschützt den jungen Helden.


Schreibeinladung für die Textwochen 38.39.22 | Wortspende von nellindreams

Das war ein relativ verhaltener Anfang, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen. Gar nicht mal, wenn ich die Anzahl der Mitschreibenden betrachte (obwohl wir auch schon viel mehr waren), aber die Zahl der Etüden ist weit vom Vorsommer-Niveau entfernt. Aber ebenso kann ich mich an meine eigene Nase fassen: Ich habe auch anderes/Besseres zu tun, und wer Sorgen hat, hat nicht nur Likör, wie Wilhelm Busch sagt (war er doch, oder?), sondern ist meist auch nicht sonderlich kreativ. Aber auch nicht unerwähnt möchte ich die Etüdenrückkehrer lassen – danke für eure Liebe zu den Etüden!

Insofern mache ich heute wenig Aufwand um die Statistik. 25 Blogmenschen haben 33 Etüden eingereicht, eine feine, kleine Menge. Die Liste führen Ulrike und Fraggle mit jeweils 3 sowie Werner und Gerhard mit jeweils 2 Etüden an. Der Schweizer Schreibenblog ist auch wieder dabei und hat diesmal eine Etüde beigesteuert.

Vielen Dank wie immer an alle, die Lust hatten, mitzuschreiben und/oder mitzulesen, die gelikt und kommentiert haben! Vielen Dank speziell an Ludwig, den Etüdenerfinder, für seine Spende, und auch immer wieder meinen Extradank an jede*n, den*die ich in den teilnehmenden Blogs getroffen habe und der*die dort kommentiert/mitdiskutiert hat. 😀👍

Wie immer bitte ich euch, die Liste zu kontrollieren, ob jede eurer Etüden dort verzeichnet ist oder ob euch sonst was komisch vorkommt.
Ich trage gerne nach, wenn irgendwas nicht stimmt, und versichere wie jedes Mal, dass es keine böse Absicht ist. 😀

Disclaimer: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Bereit für die erste Liste nach der Sommerpause? Na dann los!


Ulrike auf Blaupause7: hier, hier und hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Fraggle auf reisswolfblog: hier, hier und hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier
Heidi auf Erinnerungswerkstatt: hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier und hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier und (Nachzügler) hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier und hier
Olpo auf olpo run: hier
Judith auf Mutiger leben: hier
Kain Schreiber auf Gedankenflut: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier
Anja auf Annuschkas Northern Star: hier
Ellen auf nellindreams: hier
Monika auf Allerlei Gedanken: hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier
Lene auf HerzPoeten: hier
Puzzleblume auf Puzzle❀: hier
Doro auf DORO|ART: hier
Donka auf onlybatscanhang: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Christian auf Wortverdreher: hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier
Gabriella Rauber auf Schreibenblog: hier


Die Wortspende für die Textwochen 38/39 des Jahres 2022 stammt von Ellen mit ihrem Blog nellindreams. Sie lautet:

Regentonne
sensibel
schwanken
.

Ja, mir ist natürlich klar, dass das zu Ein-Satz-Kurzschlüssen à la „Die Regentonne schwankt sensibel“ herausfordert, und bin gespannt, ob ihr der Versuchung widerstehen könnt.

Die Mails für die neuen Wortspenden-Termine sind noch nicht raus, ich hatte zu viel um die Ohren, sorry.

Dafür bewegen sich die Adventüden auf einem erfreulichen Niveau 😉


Endlich gilt auch wieder der obligatorische Etüden-Disclaimer. Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Eventuelle Inhaltshinweise (Triggerwarnungen) und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der zugehörigen Schreibeinladung finden kann (das ist diese hier), der kommt (höchstwahrscheinlich) nicht auf die nächste Liste bzw. muss meckern, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig. Wer sich die Illustrationen herunterladen möchte, sollte sie vorher großklicken, danach kann man sie in der Regel downloaden und bei sich wieder hochladen.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn euch was auffällt – ihr wisst ja.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 2. Oktober 2022. Euch weiterhin ein gutes Wochenende und wie immer Freude am Schreiben!

 

abc.etüden 2022 38+39 | 365tageasatzaday

Quelle: Unsplash, Bearbeitung von mir

abc.etüden 2022 38+39 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

abc.etüden 2022 38+39 | 365tageasatzaday

Quelle: Pexels, Bearbeitung von mir

 

Von September und Herbst

Das ist nicht Sommer mehr

Das ist nicht Sommer mehr, das ist September … Herbst:
diese großen weichen Wolken am Himmel, diese feinen weißen Spinnwebschleier in der Ferne und hinter den Gärten mit den Sonnenblumen der ringelnde Rauch aufglimmender Krautfeuer …
und diese süße weiche Müdigkeit und diese frohe ruhige Stille überall und trotzdem wieder diese frische, satte, erntefreudige, herbe Kraft …
das ist nicht Sommer … das ist Herbst!

(Cäsar Flaischlen, Das ist nicht Sommer mehr, in: Lieder und Tagebuchblätter, aus: Von Alltag und Sonne, 1897, Online-Quelle)

SEPTEMBER

September, geliebter, breitest bläuliche Schleier
Über Fluren und Berge leicht,
Und zärtlich darüber streicht
Zuweilen ein Perlenton deiner silbernen Leier.

Was singst du für Lieder? Süß verschwebende Laute,
Dem Ohr kaum vernehmbarer Hauch,
Wie wenn die Rose vom Strauch,
Die sterbende, Blatt für Blatt hernieder taute.

(Ricarda Huch, September, aus: Herbstfeuer. Gedichte, Insel Verlag zu Leipzig 1944, Online-Quelle)

SEPTEMBER

Herbstnebel hüllt die Höhen
und geistert um den Wald.
Vereinsamt starren Föhren.
Die Luft geht regenkalt.

Was sind im Wiesendunkel
für fahle Blumen erwacht?
Der Sommer ist versunken.
Es wird Nacht.

(Richard von Schaukal, September, aus: Herbsthöhe, 1933, Online-Quelle)


Quelle: Pixabay


Jede Woche der gleiche Wunsch, jede Woche anders aktuell: Kommt gut und heil in und durch die Woche!


Das andere Gesicht | abc.etüden

Der Wiiinnnnnnnnnnnnnnnnd … hat mir ein Lied erzählt …«

Sie wusste selbst nicht, woher der Brechreiz kam, der sie so plötzlich überfiel, dass sie fast zu den Waschräumen rannte. Zum Glück war dies eines der Restaurants, wo jener Ort nicht mit Musik beschallt wurde. Sie klammerte sich am Waschbecken fest, schloss kurz die Augen, um nicht in den Spiegel sehen zu müssen, atmete tief durch und wartete ab.

Natürlich war es die Stimme, war es der Mann, der diese Stimme so verehrt hatte, der Mann, der in ihrem Leben so wichtig gewesen war und der sie so verraten hatte, dass ihr Körper gegen die bloße Erinnerung aufbegehrte. Jetzt hielt sie es aus, dass sie überschwemmt wurde. Wortlos. Ruhig.

Sie spürte bittere Tränen aufsteigen, fühlte ein Begreifen und schluckte. Als sie aufsah, hatte sich etwas verändert. Das sonst so anschmiegsame Kätzchen musterte sie mit den glühenden Augen einer Furie und klarem Blick. Na, super, dachte sie fast unbeteiligt. Ebenso war die Gewissheit neu, dass diese Frau wusste, wie man Z-O-R-N buchstabierte, vielleicht sogar U-N-V-E-R-S-Ö-H-N-L-I-C-H-K-E-I-T.
Sie konnte tun und lassen, was sie wollte, sie musste nicht immer alles und jeden verstehen und, viel schlimmer noch, entschuldigen.
Es war ihr verdammtes Recht.
Ich hatte mich eingesperrt, begriff sie.
Sie würde nachdenken müssen.

»Alles in Ordnung, Schatz?«, erkundigte sich ihr Begleiter besorgt, als sie zum Tisch zurückkam.

Sie wollte zuerst spontan bejahen, überlegte es sich aber dann. »Macht es dir etwas aus, wenn wir aufbrechen? Ich glaube, mir würde jetzt etwas frische Luft guttun. Lass uns ein paar Schritte gehen.«

»Selbstverständlich.« Er winkte dem Kellner.

Nach kurzer Zeit traten sie nach draußen, und er legte fürsorglich seinen Arm um sie.

»Besser?«, fragte er. Sie nickte und lächelte, und sie schritten gemeinsam davon. Der Abend war mild. Die Musik hörte man nur noch von Weitem.


abc.etüden 2022 36+37 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir


Für die abc.etüden, Wochen 36/37.2022: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Wortspende stammt dieses Mal von Ludwig Zeidler, dem Etüdenerfinder, der nicht mehr bloggt. Sie lautet: Brechreiz, anschmiegsam, buchstabieren.

Ebenso ist dies mal wieder ein Beitrag zu Myriades Impulswerkstatt, von der ich mir die beiden „Halbrahmen“ am Anfang und am Ende ausgeliehen habe.

Und last but not least ist das hier das Lied, das sich als Ohrwurm einnistete und das ich mit dieser Etüde hoffe, aus meinem Kopf zu bekommen:

Zarah Leander: Der Wind hat mir ein Lied erzählt (Link zu YouTube)

Ich verstehe nicht, warum scheinbar alle so auf diese Stimme geflogen sind, aber muss ich ja auch nicht.


Vom Hund (und Katz)

Hund und Katze

Miezel, eine schlaue Katze,
Molly, ein begabter Hund,
Wohnhaft an demselben Platze,
Haßten sich aus Herzensgrund.

Schon der Ausdruck ihrer Mienen,
Bei gesträubter Haarfrisur,
Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen
Ist von Liebe keine Spur.

Doch wenn Miezel in dem Baume,
Wo sie meistens hin entwich,
Friedlich dasitzt wie im Traume,
Dann ist Molly außer sich.

Beide lebten in der Scheune,
Die gefüllt mit frischem Heu.
Alle beide hatten Kleine,
Molly zwei und Miezel drei.

Einst zur Jagd ging Miezel wieder
Auf das Feld. Da geht es bumm!
Der Herr Förster schoß sie nieder.
Ihre Lebenszeit ist um.

Oh, wie jämmerlich miauen
Die drei Kinderchen daheim.
Molly eilt, sie zu beschauen,
Und ihr Herz geht aus dem Leim.

Und sie trägt sie kurz entschlossen
Zu der eignen Lagerstatt,
Wo sie nunmehr fünf Genossen
An der Brust zu Gaste hat.

Mensch mit traurigem Gesichte,
Sprich nicht nur von Leid und Streit,
Selbst in Brehms Naturgeschichte
Findet sich Barmherzigkeit.

(Wilhelm Busch, Hund und Katze, aus: Zu guter Letzt, 1904, Online-Quelle)

Findling

Es war ein trüber Abend
Zwischen Herbst und Winter,
Regen strömte und strömte
Vermischt mit zerfließenden Flocken
Zeitigen Schnees,
Und eisiger windhauch klatschte
Das rotbraune Laub des wilden Weins
Ans Gittertor –
Da standst du vor meinem Hause,
Nachdem du mir lange nachgeschlichen,
Scheu und doch hoffend,
Stumm und doch bittend.
Ich nickte dir zu,
Ich blickte dich an,
Und sah einen schlanken, biegsamen
Schwarzen Jäger,
Stammend aus schottischem Hochgebirge,
Durchnäßt und erschöpft,
Niederkauern vor mir.
Vordringliche Rippen zeugten
Von schwerer Entbehrung
Und ich erwog:
Wie lange du schon so heimatlos
Umhergeirrt in den fremden Straßen,
Und sagte: Komm!
Und du kamst.

(Emil Claar (Wikipedia), Findling, möglicherweise aus: Weltliche Legenden, 1899, Online-Quelle)

FRAU WERNER HIESS DAS TIER

(22. Juni 1931)

Mein Hund, den ich einmal an Oertners gab,
Weil sie ihn überlieb gewonnen hatten,
Den mußten sie heute bestatten.
Betteten ihn in ein Hundegrab.

Eine Terrierhündin, die vierzehn Jahr
Alt wurde und Kriegskameradin mir war,
Ist sanft und rührend entschlafen.
Nun weinen die Oertners, die braven.

Mich tröstet traurig: So ging’s, so geht’s.
Hat Bug wie Heck seine Wellen. —
In meinem besten Erinnern wird stets
Etwas wedeln und etwas bellen.

(Joachim Ringelnatz, FRAU WERNER HIESS DAS TIER, aus: Gedichte dreier Jahre, 1932, Online-Quelle)


Quelle: Pixabay

Nein, bevor irgendwer etwas denkt – der Fellträger erfreut sich bester Gesundheit. Natürlich gibt es einen Anlass für diese Gedichte, aber der ist ziemlich durch die Brust ins Auge … und fröhlicher, als es scheint.

Kommt gut in und durch die neue Woche!

Adventüden: 22 sind da, eine fehlt entschuldigt, der Rest … *grrrrr*


Schreibeinladung für die Textwochen 36.37.22 | Wortspende von Ludwig Zeidler

Es geht wieder los, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, die Etüden erwachen aus der Sommerpause! Willkommen zurück, ihr alle, hattet ihr einen guten Sommer? Unglaublich, dass wir jetzt schon mit strammen Schritten auf Weihnachten zusteuern, oder? Hat jemand schon die ersten Lebkuchen gesichtet? 😉

Diese Saison endet am 1. Advent (dann beginnt der Adventskalender), und dieses Mal gibt es (wie 2021) eine Besonderheit. Damit jede Runde eine Laufzeit von zwei Wochen bekommt, gibt es am 5. Oktobersonntag keine Woche Extraetüden, sondern neue Wörter. Damit verschiebt sich im November der Termin für die neue Runde vom 1. auf den 2. Sonntag, und am 4. Novembersonntag setzen die Adventüden mit dem Weihnachtscountdown ein. Ich sags nur jetzt schon mal, damit ihr euch nicht später wundert.
Die neuen Wortspender müssen noch gezogen werden, ich hoffe aber, dass die Mails noch in der jetzt beginnenden Woche rausgehen.

Adventüden: Es fehlen noch 6 von der Liste, zwei davon entschuldigt, und auch von Leuten, von denen ich es NICHT erwartet hätte. So ihr hier lest: WTF? Gibt es Probleme? Könntet ihr euch bitte baldmöglichst mal bei mir melden, damit ich weiß, ob ich euer Türchen freigeben muss?

Etüdensommerpausenintermezzo „7 aus 12“: Es hat dieses Jahr nur ein Intermezzo gegeben, es war ein ruhiger Sommer. Da sich aber scheinbar auch das Intermezzo etabliert hat, habe ich auf Nachfrage eine Möglichkeit eingerichtet, die Liste mit den Intermezzobeiträgen noch mal aufrufen zu können, es ist nämlich in meinem Menü unter „abc.etüden“ (ja, dazu müsst ihr aus dem Reader raus) jetzt auch der Punkt „Etüdensommerpausenintermezzo“ zu finden. Oder aber ihr klickt einfach auf den folgenden Link, ich habe die Liste den ganzen Sommer über upgedatet: Liste der „7 aus 12“-Etüdensommerpausenintermezzos für 2022 (Der übliche Diclaimer gilt nach wie vor: Ihr lest auf eigene Gefahr, das Setzen von CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern ist jedem Blog freigestellt.)


Nach guter Tradition werden die ersten Wörter nach dem Break immer von dem Etüdenerfinder (oder von mir) gespendet. Für die Textwochen 36/37 des Schreibjahres 2022 stammt die Wortspende also von Ludwig Zeidler (bloggt nicht mehr). Sie lautet:

Brechreiz
anschmiegsam
buchstabieren.


Endlich gilt auch wieder der obligatorische Etüden-Disclaimer. Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Eventuelle Inhaltshinweise (Triggerwarnungen) und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der zugehörigen Schreibeinladung finden kann (das ist diese hier), der kommt (höchstwahrscheinlich) nicht auf die nächste Liste bzw. muss meckern, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig. Wer sich die Illustrationen herunterladen möchte, sollte sie vorher großklicken, danach kann man sie in der Regel downloaden und bei sich wieder hochladen.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn euch was auffällt – ihr wisst ja.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 18. September 2022. Euch weiterhin ein gutes Wochenende und wie immer Freude am Schreiben! Man kann übrigens die Etüden zum Beispiel auch ziemlich prima mit Myriades Impulswerkstatt kombinieren … es sei nur erwähnt, falls jemand es noch nicht kennt.

 

abc.etüden 2022 36+37 | 365tageasatzaday

Quelle: Unsplash, Bearbeitung von mir

 

abc.etüden 2022 36+37 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

abc.etüden 2022 36+37 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Hamburger Klassiker: An der Elbe

Als ich letzten Sonntag in aller Herrgottsfrühe aufstand, um mit der Regionalbahn zu einer Wanderung aufzubrechen … nein, zurück, das klingt alles so nach Intermezzo, außerdem ist es falsch. Letzten Sonntag habe ich verschlafen, was heißt, dass es viel später war, als ich eigentlich wollte, aber ich hatte mir keinen Wecker gestellt, weil ich nicht verabredet war. (Wo ist eigentlich der Fellträger, wenn man ihn braucht? Egal.)

Eine Runde zu Fuß unterwegs sein wollte ich aber dennoch auf jeden Fall, denn erstens war es schönes/bewölktes Wetter (und kühl), zweitens war es der letzte Sonntag mit 9-Euro-Ticket, und ich hatte mir überlegt, dass ich auf der gegenüberliegenden Seite an die Elbe wollte, um dann an der Elbe entlang in Richtung Stadt zu laufen. Das nennt sich Elbwanderweg (nachzulesen bei hamburg.de und draussenlust.de), und da ich am Wasser bleiben und mich nicht auf irgendwelche »Höhenwege« begeben wollte (die Hänge sind echt steil, die Treppen auch), hatte ich mich entschieden, am Falkensteiner Ufer einzusteigen.
Hamburg hat ja immer noch das Problem mit der kaputten S-Bahn-Brücke an der Station Elbbrücken, aber ich hatte das große Glück, den sogenannten »Pendelzug« zu erwischen, der alle 20 Minuten fährt, und siehe da, vermutlich weil Sonntag war, war er auch nicht besonders voll.

Eine S-Bahn und einen Bus später stand ich dann am Falkensteiner Ufer, sah dem Elbe-Camp beim Wachwerden zu (Foto) und stapfte mal kurz an den Strand (Foto). Ganz ehrlich: Für einen Moment habe ich mir überlegt, die Wanderschuhe auszuziehen und am Strand zu bleiben, aber ich kenne mich: Einen Kaffee später wäre ich bestimmt trotzdem los … in Richtung Blankenese.



Blankenese hat seinen Ruf als schön gelegen und teuer. Für das, was man von der Elbe aus sieht, was im Wesentlichen das sogenannte Treppenviertel ist, trifft das auf jeden Fall zu, hier lebt ein Teil der oberen Zehntausend Hamburgs wie zum Beispiel Otto Waalkes. Es ist schon klar, dass alle Preise einen »Elbe-Aufschlag« haben, überall, aber hier haben sie dann auch noch einen »Elbe-und-Blankenese-Aufschlag«. Dafür ist dann vermutlich auch das Mobiliar in den Strandbuden edel. Wer’s braucht.

Mein Weg führte mich zunächst am Wrack der »Uwe« vorbei. Die »Uwe«, genauer das Heck (Foto), liegt seit 1976 vor Blankenese und ist die traurige Geschichte einer Havarie, die man hier bei Wikipedia nachlesen kann. Es waren viele Fahrräder unterwegs, und ich fing an, mich nach den Wegen direkt am Wasser umzusehen, Stichwort: Hundeauslaufzone. Dort sind die Wege meist unbefestigt oder verlaufen direkt an der (meist bewachsenen) Wasserkante (Foto). Ungeeignet für Radfahrer, aber nicht für Fußgänger wie mich, von denen mir dann auch einige entgegenkamen, mit und ohne vierbeinige Begleitung. Ein Herr, der einem anderen die Aussicht erklärte, wies gestikulierend darauf hin, dass der Süllberg (hier mehr lesen) ja verkauft sei, »genau, da ganz oben, das Haus mit dem Türmchen und der Ukraine-Fahne« (Foto), weil der Sternekoch das Handtuch geworfen habe, dass jetzt aber ein neuer Betreiber gefunden sei, und er gespannt sei, was das denn geben würde, da oben sei es doch immer so schön gewesen. Ich betrachtete unterdessen die andere Elbseite, auf der die Brücke des Estesperrwerks und die Sietas-Werft ineinanderpassten (Foto). Drüben habe ich schon oft gestanden und rübergeschaut, umgekehrt selten. Trotz Niedrigwasser (oder vielleicht gerade deswegen) waren auf der Elbe allerlei Segler unterwegs, und geht man Richtung Stadt weiter, passiert man einige Segelclubs, von denen ich euch nur dieses pittoreske Beispiel (Foto) zeigen möchte.



Next stop: Leuchtturm. Ich weiß, dass das »Leuchtfeuer« heißt, ich weiß auch, dass dieser hier, der halbwegs in der Elbe steht, das »Unterfeuer« (weißer Kopf) ist und der paar Hundert Meter weiter das »Oberfeuer« (roter Kopf), ich weiß, dass beide neu sind und dass beide die »Richtfeuerlinie Blankenese« (Wikipedia-Artikel) bilden. Wofür man die braucht, weiß ich nur ganz grob. Wie ihr seht (Foto), gibt es beim Unterfeuer eine umlaufende Aussichtsplattform, auf die ich mit Begeisterung gestiegen bin. Sonne und Wolken wechselten sich ab, kein optimales Licht für schöne Bilder, trotzdem (Foto, Foto) ist Blankenese echt ein Hingucker und wirkt oft irgendwie mediterran. Bedauert habe ich nur, dass der Wasserstand ungeeignet für irgendwelche fetten Containerschiffe war, ich hätte so gern am Horizont irgendwas Großes fotografiert, das die Elbe heraufkommt (Foto). Leider war mittags absolutes Niedrigwasser.
Ein letzter Blick zurück (Foto), dann suchte ich mir einen Platz, um ein bisschen mit Aussicht zu rasten und was zu trinken. Gegenüber zog sich inzwischen das gewaltige Airbus-Gelände am Wasser entlang, und es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, so viele Flugzeuge am Boden zu sehen, irgendwie, als seien das Modelle, als würde da drüben jemand Flughafen spielen – wobei Letzteres nicht ganz von der Hand zu weisen ist, da drüben ist der A 380 gestartet und gelandet, die Länge der Start-/Landebahn ist da. Es hat auch schon spektakuläre Fehllandungen aufgrund von Verwechslungen gegeben … 😉 Mich interessierte viel mehr der Kontrast zwischen der Mare Frisium (Dreimast-Marstoppsegelschoner (Rahschoner) laut Wikipedia) vor dem Airbus-Hintergrund, gerahmt von diesem wunderschönen Baum (Foto). Noch ein schneller Gruß an das Oberfeuer Blankenese (Foto), und ich ließ Blankenese hinter mir.



Der Weg zwischen Blankenese und Teufelsbrück zieht sich und ist ein beliebter Spazierweg, auch für alle Arten von Rädern, daher wich ich wo möglich auf die bereits erwähnten Hundeauslaufzonen aus. War der Rasen immer schon so vertrocknet im Sommer (Foto)? Braun ja, ich fand das, was da zu sehen war, jetzt aber nicht besonders auffällig, ich war jedoch in den letzten Jahren nicht dort, ich kann es nicht definitiv sagen. Ich KANN sagen, dass wir in Hamburg das ganze Jahr über keine Diskussionen/Vorschriften bezüglich Wasserrationierung hatten, es hat zwar nicht viel geregnet, aber mehr als anderswo. Ja, es fallen auch hier schon Eicheln. Was viel verheerender aussieht, sind die braunen Kastanien, und die sind überall von der Miniermotte (Wikipedia) befallen (Foto), auch bei mir am Teich. Wenn ihr hier auf den Fotos auffallend braune Bäume seht: alles Rosskastanien. Gar nicht schön.

Was den Weg auch so beliebt macht, ist die relativ hohe Dichte an Einkehrmöglichkeiten. Die Preise sind in den letzten Jahren gefühlt etwa um ein Drittel gestiegen, aber der Zuspruch ist nach wie vor lebhaft. Ich habe mich gefreut, dass die »Kleine Rast« überlebt hat (Foto), eine hemdsärmelige Location und gar nicht hip, aber mit Herz und Schnauze. Hier habe ich früher oft gern mit allen möglichen Leuten gesessen und auf die Elbe geguckt – man muss nur die Treppe den Hang runter schaffen. Zweihundert Meter weiter steht das komplette Kontrastprogramm mit Tischtuch auf der überdachten Terrasse, das ist allerdings in den letzten 30 Jahren auch paarmal abgebrannt.



Und dann plötzlich hinter einer Kurve das Panorama von Teufelsbrück (Foto) Richtung Hafen, wo übrigens immer noch wie der Teufel gebaut wird. Gut, das war keine große Überraschung, denn unsere dritte Etappe des Grünen Rings startete dort, und außerdem weiß man als Autofahrer, dass die Elbchaussee für die nächsten paar Jahre aufgrund von Sielbauarbeiten vielfältig gesperrt ist/sein wird. Ich habe lächelnd die weiße 11 auf grünem Grund begrüßt und fröhlich »Heute nicht« gesagt. Dann doch lieber noch schnell den Teufel mit seinem Hasen ablichten (Foto) und mich an die Legende erinnern (Wikipedia), die dem Ort seinen Namen gegeben haben soll. Ein letzter Blick elbabwärts (Foto) und ich strebte endgültig dem Museumshafen Övelgönne entgegen, meinem heutigen Ziel.



Zwischen Teufelsbrück und Övelgönne ist der Weg entschieden sehr gesittet (Foto). Die Sonne blieb inzwischen überwiegend draußen, aber es war so kühl, dass ich nicht den Schatten suchen musste. Herrliches Wanderwetter, herrliches Spaziergehwetter. Ich dagegen freute mich schon auf den nächsten Stopp, den ich beim »Alten Schweden« (Foto) einlegen wollte, einem 4,5 Meter hohen Findling, der bei Baggerarbeiten für die Elbvertiefung gefunden, an Land transportiert und dort belassen wurde. Er soll vor mehr als 320.000 Jahren in den Hamburger Raum gelangt sein, wurde 2000 auf den Namen »Alter Schwede« getauft und eingebürgert (Wikipedia). Und weil es so niedlich ist, noch ein Foto zum Größenvergleich (Foto). Schräg gegenüber vom Alten Schweden ist die Einfahrt zum Burchardkai. Während ich müßig zusah, wie ein Schlepper einen kleinen Containerfrachter drehte und rücklings an seine Anlegestelle zog, kam auch die Mare Frisium angerauscht, der ich hiermit noch mal einen Auftritt gönnen möchte (Foto).



Vom Alten Schweden ist es nicht mehr sehr weit bis zum Museumshafen Övelgönne. Der Haufen Leute (Foto) hält sich um die »Strandperle« (links an der Mauer) herum auf, wo es Getränkenachschub etc. gibt, rechts in der Elbe sind Leute geschwommen, gaaaaaanz hinten, wo man die Schiffe sieht, ist der eigentliche Museumshafen und auch der Fähranleger Neumühlen, mein Ziel. Das Haus mit der Kuppel ist eine supernoble Seniorenresidenz. Außerdem im Bild versteckt: Der Einstieg in die Überwachung des Neuen Elbtunnels und diverse Cafés/Kneipen. Der Sand ist tief und ich hatte null Lust auf die Meute, also bin ich den Weg gegangen, der zwischen den alten Häusern und den Gärten entlangführt. Um dorthin zu gelangen, musste ich aber zuerst ein Stückchen die schier endlose Treppe hoch (ich glaube, es ist die »Himmelsleiter« mit ihren 126 Stufen bis zur Elbchaussee, ich bin aber nicht ganz sicher) (Foto) und dann rechts ab. Die Häuser und der Weg sind sehr entzückend (Foto), aber wenn ich mir vorstelle, dass sich Tag für Tag Massen an Touristen und/oder Spaziergängern und/oder Partyvolk einen Meter vor meiner Haustür vorbeiwälzen – nein, danke! Und: Es wird ganz sicher Herbst. Ich habe zwar noch jede Menge Brombeeren gesehen, viele vertrocknet, aber den großen Auftritt hatten an vielen Stellen eindeutig die Hagebutten (Foto). Außerdem frisst der Fellträger plötzlich wieder wie bescheuert, und ich schwöre, der denkt über die Winterfellproduktion nach, hier waren nachts die Temperaturen schon einstellig.



Ein Blick den Elbstrand elbabwärts, auf dem man sieht, dass das lagernde Volk wirklich ungleichmäßig verteilt ist (Foto), und ich betrat den Fähranleger (Foto). Der Vorteil der Auskenner (Grüner Ring): Die Fähre setzt über nach Finkenwerder, ich steige in den Bus und werde an dessen Endstation nicht weit von meinem Zuhause abgesetzt. Okay, der stündlich fahrende Bus war gerade weg, als ich in Finkenwerder ankam, also gab es noch ein frisch belegtes Fischbrötchen und ein Eis als Nachtisch. Irgendwas ist immer.



Statistik, last but not least: Meine Schrittzähler haben mir was von 22.035 Schritten erzählt, was gerundet 14,7 Kilometer wären, aber das ist illusorisch bei so vielen Schrittchen im Sand. Gugl schmeißt mir eine Streckenlänge von gut 10 Kilometern raus, und ich halte das für realistisch, aber ganz im Ernst, es kam mir null darauf an, ich habe mich einfach einen Tag draußen bewegt und viel Spaß gehabt.

Oh, und natürlich ist das doch ein Wanderbericht für das Etüdensommerpausenintermezzo 😉 …


 

Vom Lebensgefühl im August

AUGUST

Im Garten vor dem Pfarrhaus blühn
Veil, Sonnenblum und Rosmarin.
Vincula Petri geht alsdann
den Weizen mit der Sense an.
Die Traube kocht, es gilbt der Mais,
die Störche sammeln sich zur Reis‘,
und bleibn sie noch nach Barthelmä,
ein Winter kommt, der tut nicht weh.
Brachüber grast das Weidevieh,
und auf den Tennen schlagen sie
den Flegeltakt durchs ganze Land.
So geht das Ackerjahr zu Rand.

(Josef Weinheber, August, aus: O Mensch, gib acht!, 1937, Online-Quelle)

August

Inserat

Die verehrlichen Jungen, welche heuer
Meine Äpfel und Birnen zu stehlen gedenken,
Ersuche ich höflichst, bei diesem Vergnügen
Wo möglich insoweit sich zu beschränken,
Daß sie daneben auf den Beeten
Mir die Wurzeln und Erbsen nicht zertreten.

(Theodor Storm, August, aus: Gedichte (Ausgabe 1885), Online-Quelle)

SCHWEBENDE ZUKUNFT

Habt ihr einen Kummer in der Brust
Anfang August,
Seht euch einmal bewußt
An, was wir als Kinder übersahn.

Da schickt der Löwenzahn
Seinen Samen fort in die Luft.
Der ist so leicht wie Duft
Und sinnreich rund umgeben
Von Faserstrahlen, zart wie Spinneweben.

Und er reist hoch über euer Dach,
Von Winden, schon vom Hauch gepustet.
Wenn einer von euch hustet,
Wirkt das auf ihn wie Krach,
Und er entweicht.

Luftglücklich leicht.
Wird sich sanft wo in Erde betten.
Und im Nächstjahr stehn
Dort die fetten, goldigen Rosetten,
Kuhblumen, die wir als Kind übersehn.

Zartheit und Freimut lenken
Wieder später deren Samen Fahrt.

Flöge doch unser aller Zukunftsdenken
So frei aus und so zart.

(Joachim Ringelnatz, Schwebende Zukunft, aus: Gedichte dreier Jahre, 1932, Online-Quelle)

Septembertag

Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit,
die dich befreit, zugleich sie dich bedrängt;
wenn das kristallene Gewand der Wahrheit
sein kühler Geist um Wald und Berge hängt.

Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit …

(Christian Morgenstern, Septembertag, aus: Und aber ründet sich ein Kranz, 1902, Online-Quelle)


Quelle: Pixabay

Adventüden: 20 bisher. Noch bis Ende nächster Woche. DANKE an die einen – und an die anderen: Hallo! Time is nearly over! NUR NOCH BIS ENDE NÄCHSTER WOCHE!

Kommt gut und heil in und durch die neue Woche!


Eight Days A Week

Ich muss etwas gestehen. Hätte mich meine Frankfurter Freundin nicht daran erinnert, hätte ich vermutlich meinen heutigen Bloggeburtstag vergessen! Nun überlege ich schon den ganzen Vormittag, was (und ob) das (etwas) zu bedeuten hat, und ob er es mir vielleicht übel nimmt, man weiß ja nie.

Daher ganz eilig: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, kleiner Blog! Acht Jahre! Gar nicht schlecht.

Ich bin überzeugt, dass du mich auch im nächsten Jahr motivieren und nerven wirst, dass auch in Zukunft hier wunderbare und anstrengende (und nein, das schließt einander nicht aus) Menschen ihre Spuren hinterlassen werden, dass du auch im nächsten Jahr mein bevorzugtes Fenster zur virtuellen Welt sein wirst und dass virtuelle Bekanntschaften zu realen werden können.
Ich hoffe, dass du auch weiterhin ein so selbstverständlicher Teil meines Lebens bleibst, denn wie sonst hätte ich deinen Geburtstag einfach übersehen können, wenn es im Grunde nicht völlig unwichtig wäre? (Nun, ich kann mir nicht besonders gut Daten merken, aber das gehört vielleicht nicht hierher.)

Tusch!

Falls ihr es in der Vorschau nicht angezeigt bekommt: Eight Days A Week – The Beatles


Ein einziger Satz zur Statistik, weil ich das sonst nirgendwo festhalte: Dieser Eintrag ist Nummer 1.506, vor diesem Eintrag hatte ich 67.237 Kommentare, wobei 28.179 von mir sind (meist antworte ich auf jeden Kommentar; der Rest dürften mehrheitlich Pings sein). Ich habe wenig veröffentlicht im abgelaufenen Blogjahr, aber das habe ich das Jahr davor auch gesagt …

Geht raus und tanzt, wenn ihr mögt, und wenn nicht, dann haltet die Augen offen für die kleinen Schönheiten des Alltags, denn ein Lächeln ist ein Lächeln ist ein Lächeln …


Quelle: Pixabay

[Adventüden: 19 bisher. Noch bis Ende nächster Woche. DANKE an die einen – und an die anderen: Hallo! Time fast over! NUR NOCH BIS ENDE NÄCHSTER WOCHE!]


Grüner Ring: Fazit

Zum Einstieg noch mal die Etappen, damit das Nachlesen nicht so umständlich ist ;-).

Etappe 1: Harburger Stadtpark, Heimfeld, Meyers Park, Moorburg
Etappe 2: Altes Land, Neuenfelde, Süderelbe, Airbus, Finkenwerder
Etappe 3: Teufelsbrück, Flottbek, Botanischer Garten, DESY, Volkspark, Stellingen
Etappe 4: Sola-Bona-Park, Stellinger Deckel, Kollauwanderweg, Niendorfer Gehege, Airport Fuhlsbüttel
Etappe 5: Alsterwanderweg, Friedhof Ohlsdorf, Bramfelder See, Osterbek, Trabrennbahn
Etappe 6: Trabrennbahn Farmsen, Tonndorf, Jenfeld, Öjendorfer Park mit Öjendorfer See, Billstedt
Etappe 7: Billstedt, Boberger Niederung mit Boberger See, Mittlerer Landweg, Eichbaumsee
Etappe 8: Eichbaumsee, Dove Elbe, Holzhafen, Kaltehofe, Entenwerder, Elbbrücken
Etappe 9: Elbbrücken, Veddel, Wilhelmsburger Dove Elbe, Windmühle Johanna, Moorwerder
Etappe 10: Moorwerder, Neuland, Neuländer See, Harburg

Achtung, viel Text im Anmarsch, holt euch besser vorher den Kaffee ;-).


Quelle: Pixabay

Was war die schönste Etappe?

Das fragen alle, und ich habe keine Antwort. Mir hat jede gefallen, ich habe auf jeder etwas gesehen, was ich so noch nicht kannte und so nicht erwartet hätte. Hamburg ist schön!
Welche Etappe ich jemandem empfehlen würde? Nummer 8, die erste der beiden Wasser-Etappen vom Eichbaumsee zu den Elbbrücken, wenn der*diejenige wasseraffin ist. Sonst die durchs Alte Land (2), sogar mit dem großen Umweg, ich fand sie toll. Beide Etappen auch wegen der Einkehrmöglichkeit am Ende (Entenwerder und die Finkenwerder Eisdiele!). Ich würde jede Etappe ein zweites Mal gehen, aber okay, es gab spektakulärere und unspektakulärere Etappen.


Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 2 | 365tageasatzaday
Foto: Süderelbe Nähe Airbus, Etappe 2

Würdest du so eine Tour in Etappen noch mal machen?

Der Hamburger Grüne Ring war mein erstes Experiment in Richtung Etappen-Tour, vorher bin ich meist Rundwege gelaufen. Meine Headline war, ihn in Etappen von circa zehn Kilometer Länge einzuteilen, was gut geklappt hat, wenn auch die Erreichbarkeit der Bushaltestellen mit den Öffis nicht optimal ist. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich ursprünglich davon ausgegangen bin, allein zu laufen (meine Mitwanderin ist zwei oder drei Tage vor Start aufgesprungen), und dann wäre ich auch samstags unterwegs gewesen, was gerade für Busfahrpläne viel bedeutet. Und ja, ohne das 9-Euro-Ticket hätte ich die Idee nicht angepackt, denn Hamburg liegt bei den Öffi-Preisen sehr weit vorn. Heißt also, praktisch werde ich wohl nicht mehr so bald ein Etappen-Experiment angehen können – oder ich muss es auf völlig andere Füße stellen. Fernwanderwege interessieren mich schon.

Grundsätzlich sind solche Touren ja alles andere als kreativ, und das stört mich, da ist ein Kompromiss einzugehen. Es sind zwei grundlegend unterschiedliche Dinge, allein durch die Pampa zu streifen oder eine Route zu verfolgen. Aber das Ding ist ja nicht, dass ich das Abenteuer nicht zu schätzen wüsste, einfach vom Weg abzukommen und dort zu bleiben und zu schauen, wie ich zurechtkomme und wo ich rauskomme. Da bin ich entspannt. Die Realität ist, dass ich schlecht beurteilen kann, wie belastbar ich bin, und es mir, krass gesagt, nicht leisten kann, ein paar Tage auszufallen, nur weil ich mich überschätzt und mir eine Verletzung zugezogen habe, weil mein Fitnesslevel nicht doll ist. Soll heißen, mal eben fünf oder mehr nicht kalkulierte Kilometer mehr oder weniger sind zum Beispiel bei mir ein Problem für die Füße, und ich bin nicht überzeugt, dass da mehr Übung auch mehr hilft. Ja, das klingt nicht sehr cool. Ist es auch nicht. Aber so ist das mit Theorie und Praxis, die ist für alle bisschen unterschiedlich, und für mich bedeutet das, dass ich, speziell wenn ich allein unterwegs bin, zum Beispiel erst dann einfach drauflos laufe, wenn ich die Gegend einigermaßen kenne. Also wird man mich vorerst wohl überwiegend weiterhin auf geplanten/gebahnten Wegen antreffen, es sei denn, ich gehe zum Deichtreten.


Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 4 | 365tageasatzaday
Foto: Im Niendorfer Gehege, Etappe 4

Was war gut, was war schlecht, was sollte man anders angehen?

Ich kann detailversessen sein, was Vorbereitung angeht, und hierbei habe ich es ziemlich auf die Spitze getrieben, auch wenn mich mein Fehler mit Etappe 2 immer noch fuchst. Ich hatte das Netz nach Berichten durchsucht, da ich gedacht hatte, dass es Blogger geben MUSS, die den Ring komplett gelaufen sind und darüber auch berichtet haben: Nein, nicht in so epischer Breite wie ich (ich habe den Verdacht, dass sich viele stark an den Stichworten auf hamburg.de, äh, orientiert haben), aber es gibt Radfahrer, die dazu was ins Netz gestellt haben. Ich hatte mir passable Karten auf dem Handy gespeichert, wenn ich kein Netz haben sollte, und habe mich ansonsten auf den Track konzentriert, den ich mir in Gugl Maps geladen hatte. Außerdem hatten wir die heruntergeladenen Karten auch als Kartensatz dabei. Gugl Maps konnte mich tatsächlich das eine oder andere Mal nicht/schlecht lokalisieren, aber es war nie ein ernsthaftes Problem – das mit Etappe 2 war ein Fehler in der Downloaddatei, mein Fehler bestand darin, diesen Track nicht gegen die anderen Materialien gecheckt zu haben und vor Ort zu unflexibel gewesen zu sein, der Beschilderung zu folgen. Tja. Mit einem Wort, man hätte es vermeiden können ;-). Auf der anderen Seite waren/sind wir stolz wie die Schneekönige, diese Strecke (bei bester Laune) geschafft zu haben, und ich habe meine Belastungsgrenzen damit deutlich verschoben, auch wenn ich die ganze Woche danach noch meine Beine/Füße gemerkt habe.

Was vorher unbekannt war, war die allgemeine Qualität der Beschilderung der Route, und die war mit wenigen Ausnahmen sehr gut, ganz anders als auf herkömmlichen Wanderwegen. Die weiße 11 auf grünem Grund klebte in hoher Frequenz an fast allem, von Mülleimern in Parks bis an Straßenschildern, und ich habe sehr viel seltener Gugl zu Hilfe gerufen, als ich erwartet habe.

Ach so: Ja, man läuft durch Stadtgebiet, aber das heißt nicht, dass auf jeder Etappe sozusagen das Catering gewährleistet ist. Klar, an Bahnstationen gibt es Kaffee und Keks, aber auf dem Weg ist es eher Glückssache, speziell sonntags. Auf einer schlauen Outdoor-Seite habe ich gelesen, dass man für zehn Kilometer Weg einen Liter Wasser einrechnen solle, und da es noch dazu nicht eben kühl war, habe ich mich sehr daran gehalten, ebenso wie an meine Erkenntnis, immer was zu essen und ein paar schnelle Kohlenhydrate (Zucker) dabeizuhaben.

Alles easy also? Ja, organisatorisch ja, ich wusste, dass ich einiges eher vernachlässigen konnte, das Einzige, was Stress verursacht hat, waren die Unwägbarkeiten der Öffis, aber irgendwas ist ja immer.


Neue Elbbrücken | Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 9 | 365tageasatzaday
Foto: Neue Elbbrücken Richtung stadtauswärts, Etappe 9

Worin liegt für dich der Reiz des Wanderns/Gehens? Was motiviert dich?

Wenn ich diese Frage ehrlich beantworten will, muss ich etwas einräumen, womit man in Social-Media-Kreisen eher keine Punkte macht. Ich bin relativ unsportlich, ich habe einen Job, bei dem ich den ganzen Tag sitze, noch dazu im Homeoffice, ich esse gern und ich bin nicht mehr jung. Ist das gesund? Nicht in der Kombination, nicht wirklich. Muss ich was tun, rein körperlich gesehen? Dringend. Ich hasse Joggen und jegliche Form von Turnübungen auf dem Wohnzimmerboden wie die Pest (egal, wie schick der*die Coachperson im Video aussieht), aber als Kind/Jugendliche bin ich stundenlang begeistert über die Felder gewandert (und gerannt), auf Bäume geklettert, habe Drachen steigen lassen, Unterstände im Wald gebaut und in Wiesen Frösche gefangen … diese Dinge. Ob ich mir nun heute sage, dass ich vernünftig sein und mich mehr bewegen muss oder in China der berühmte Sack Reis umfällt, bleibt sich ziemlich gleich, ihr werdet das kennen. Aber dieses leichtfüßige, magere Kind, das sich draußen freier als sonst wo fühlte, das stundenlang in sich versunken schaukeln und sich draußen vergessen konnte, das sitzt mir auf der Schulter und flüstert mir ins Ohr.

Also ist meine Antwort, dass ich versuche, mir Terrain zurückzuerobern, das ich im Laufe der Jahre aufgegeben habe, und zwar mit jedem verdammten Schritt, mit dem alles anfängt. Auch ich bin längst nicht mehr frei von gesundheitlichen Problemen und die Coronazeit hat mir nicht nur Hüftspeck beschert. Der Rest ist Ausprobieren, wie man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden kann, denn wenn ich den ganzen Tag ein Display angestarrt habe, will ich mich eigentlich bewegen, so weit bin ich inzwischen, auch wenn ich es nicht jeden Tag hinkriege.


Wilhelmsburger Dove-Elbe | Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 9 | 365tageasatzaday
Foto: Wilhelmsburger Dove Elbe, Etappe 9

Allein oder nicht?

Es hat beides Vorteile und hängt auch davon ab, was für ein Typ man selbst ist. Zu mehreren ist man weniger allein, um es mal auf diesen simplen Nenner zu bringen, was gut ist, wenn man sich z. B. über den einzuschlagenden Weg etc. unsicher ist, weil man eh keine Orientierung hat, oder wenn man sichergehen will, dass einer da ist, falls was passiert, siehe oben. Wer mit Freunden unterwegs ist, weiß auch, ob das Dampfplauderer sind, die alles kommentieren müssen (und ob man sie an dem Tag dafür lieber erwürgen möchte), und kann seine Begleitung danach auswählen. Das weiß man bei einer fremden Gruppe nicht. Und natürlich kann man sich auch wunderbar und tief unterhalten, denn Natur macht was mit einem, wenn man sich berühren lässt.

Allein zu wandern bedeutet, dass man im Schweigen unterwegs ist und idealerweise auch Stille erlebt, wenn man nicht ständig jemandem begegnet. Natürlich erlebt man damit alles ganz anders als in einer Gruppe, kann sich alles nach den eigenen Wünschen gestalten und einteilen (Route, Gehtempo, Pausen), ist mit sich und seinen Gedanken allein, kann sich für die umgebende Natur inklusive Menschen öffnen oder einfach nur blind daherstapfen und Probleme wälzen, kann viel mehr dem Herzen folgen. Allein zu gehen ist eine höchst individuelle Sache, immer, und auch da liegen Himmel und Hölle eng beieinander. Und ja, das geht auch in der Stadt, auf derartigen Wegen wie dem Grünen Ring.

Naturbegegnungen sind eine Frage der persönlichen Aufmerksamkeit und Einstellung und des individuellen Tempos. Ich werde in den Grünzonen der Großstadt nicht die gleiche »Natur« vorfinden wie in meinen geliebten Harburger Bergen, es gibt Unterschiede zwischen Stadtlandschaft und Kulturlandschaften und Naturlandschaft, wobei man sich fragen kann, wo die Landschaft wirklich noch vom Menschen unberührt ist. Praktisch halte ich das für eine Frage der Ansprüche und was davon realisierbar ist. Wer »unberührte Natur« erleben will, ist auf dem Grünen Ring sicher falsch. Wer bereit ist, sich an dem zu erfreuen und sich auf das einzulassen, was sich zeigt, kann immer Schätze mit nach Hause nehmen.


Kaltehofe | Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 8 | 365tageasatzaday
Foto: Schieberhäuschen auf der Kaltehofe, Kraftwerk Tiefstack, Etappe 8

Ressourcen

Wer sich selbst auf den Grünen Ring begeben möchte, ist bei hamburg.de gut aufgehoben, was Materialien angeht. Man findet hinter diesem Link auf hamburg.de die Karten zum Downloaden – nach unten scrollen zu »Tourenvorschläge als PDF«, die enthalten die Karten. Übrigens gibt es den Kartensatz kostenlos zum Mitnehmen in den Öffentlichen Bücherhallen.

Noch weiter unten auf derselben Seite steht der Link zur Gesamtkarte als PDF.

Und schließlich gibt es auf dieser Seite bei hamburg.de die Möglichkeit, sich die digitalen Daten für den Grünen Ring für Navigationsgeräte herunterzuladen: Hier klicken. Wer wissen möchte, wie man diese Daten zum Beispiel in Gugl Maps bekommt, ist mit diesem Artikel auf draussenlust.de gut bedient: GPX-Datei in Google Maps importieren, da habe ich es her.

Richtig klasse finde ich die »Zweiter Grüner Ring«-Seite von veloroute.hamburg (hier klicken), da ist jemand 2021 mit einer Helmkamera den gesamten Grünen Ring abgefahren und hat das ins Netz gestellt. Danke dafür! Nach Etappe 2 habe ich doch häufiger dort vorbeigeschaut, um bösen Überraschungen vorzubeugen 😉

Was die leidigen Etappenan- und -heimfahrten betrifft, bin ich (für die 9-Euro-Ticket-Monate) signifikant öfter als sonst mit den Öffis gefahren und mochte es. Die Situationen, wo ich in volle bis überfüllte Busse oder S-Bahnen geraten bin, waren die üblichen Verdächtigen: Großveranstaltungen, Baustellen und Störungen, speziell jetzt im Sommer wird natürlich viel gebaut und repariert, und dass Busse im Stau stehen, weil es durch hohes Verkehrsaufkommen Staus gibt, ist auch kein Wunder. Meine Bahnen waren überwiegend sehr pünktlich, die oft geschmähte S-Bahn nach Harburg hell und sauber, wenn auch die Maskendisziplin mehr und mehr zu wünschen übrig ließ – der HVV fordert nach wie vor FFP2-Masken, kontrolliert aber kaum in Bahnen, dafür mehr in Bussen.
Würde ich öfter die Öffis nutzen, wenn die Preise sinken würden, dieses 29-Euro-Ticket, das gerade in Gesprächen herumgeistert? Ja, ich wäre dabei, vor allem, wenn ich kein Abo nehmen müsste. Übrigens soll der Ersatzverkehr wegen der beschädigten Elbbrücke die Pest sein, habe ich vorhin gehört, da geht offenbar einiges nicht so, wie es soll.


Richtung Süden | S-Bahn-Station Elbbrücken | 365tageasatzaday
Foto: S-Bahn-Station Elbbrücken, Richtung Süden

Das Fazit meiner Mitwanderin

Nach ihrer Meinung befragt bekam ich eine WhatsApp, deren Inhalt ich hier ohne Emojis zitieren möchte:

  1. Wandern macht Freude, trotz anfänglicher Schwierigkeiten: zu wenig Magnesium usw. Die Beweglichkeit kommt zurück und die Ausdauer – herrlich.
  2. Das Gebiet (Hamburg) aus dieser vielfältigen, facettenreichen Perspektive ganz neu erleben zu können.
  3. Durch Gebiete/Bereiche zu gehen, wo ich noch nie war und sie auch nicht kannte.
  4. Das Entzücken, dass das Hamburger Land so schön, grün und teilweise fast kitschig »märchenhaft« anmutet. Ein Geschenk!

Grüner Ring 2022, meine Etappe 1 | 365tageasatzaday
Foto: Zwei Wanderer, Etappe 1

Würde ich den Grünen Ring empfehlen? Würde ich ihn noch mal gehen?

Ja in beiden Fällen, wenn das mit dem Hin- und Zurückkommen zu und von den Etappen befriedigend geklärt werden könnte. Im Herbst/Winter sieht es dort bestimmt sehr anders aus, auch die Qualität der Wege dürfte eine andere sein, da rechne ich dann durchaus mit Matschecken: ein völlig anderes Wandererlebnis, und das direkt vor meiner Haustür ;-). Und auch meine Mitwanderin hat sich diesbezüglich ähnlich geäußert.


Grüner Ring Hamburg 2022, meine Etappe 3 | 365tageasatzaday
Foto: Hafenansicht, Fähre, Etappe 3

Mein ganzes Grüner-Ring-Gedöns als Kategorie zum Nachlesen: hier klicken!


 

Von der Heide

Auf der Heide

Wo der Saum der Hügelketten
Fern den müden Himmel hält,
dort zerfließt in violetten
Farbentönen schon die Welt.

Bäume heben scharf umrissen
sich hervor am Bergesrand,
rings im fahlen, ungewissen
Lichte träumt das Heideland.
Träumt und drüber weiter fächelt
leicht ein lauer Abendwind,
aber, ach, den Nachtgruß lächelt
ihm kein duftig Blumenkind.

Halb verdorrte Sträucher ragen
aus dem Boden kahl und leer,
und er wiegt mit leisem Klagen
dürre Disteln hin und her.

(Rainer Maria Rilke, Auf der Heide, entstanden Prag, April 1894 (Quelle), Online-Quelle)

Heidenacht

Wenn trüb das verlöschende letzte Rot
Herschimmert über die Heide,
Wenn sie liegt so still, so schwarz und tot,
So weit du nur schauest, die Heide,
Wenn der Mond steigt auf und mit bleichem Schein
Erhellt den granitnen Hünenstein,
Und der Nachtwind seufzet und flüstert darein
Auf der Heide, der stillen Heide —
Das ist die Zeit, dann mußt du gehn
Ganz einsam über die Heide,
Mußt achten still auf des Nachtwind’s Wehn
Und des Mondes Licht auf der Heide:
Was nie du vernahmst durch Menschenmund,
Uraltes Geheimnis, es wird dir kund,
Es durchschauert dich tief in der Seele Grund

(Hermann Ludwig Allmers, Heidenacht, 1860, Vertonungen, Online-Quelle)

Verirrte Welle

Bräunliche Haide im Sonnenduft,
Wandervögel in blauer Luft,
Und eine Welle, die weit vom Fluß
Sich in das träumende Land verirrt
Und nun im Sande verrinnen muß. –
Während der Zug vorüber schwirrt,
Prägt sich das seltsame Bildchen mir ein,
Um mich dann später heimlich zu fragen:
„Was bist du Andres, als solch eine Welle,
Die von des Ufers sicherer Schwelle
Ruhlose Sehnsucht ins Weite getragen?“

(Anna Ritter, Verirrte Welle, aus: Befreiung, 1900, Online-Quelle)


Quelle: Pixabay

Der Sommer geht gefühlt so langsam in den Endspurt. Kommt gut, sanft und heil in und durch die neue Woche!


Update Adventüden: Stolze 16 sind bisher bei mir eingetroffen, inklusive meiner, hurra! (Deine auch, Judith, hast du meine Antwort gefunden?) Wäre schön, wenn ihr so langsam …