Bekenntnisse einer Pralinenliebhaberin | abc.etüden

Das Problem mit den Pralinen ist, dass ihre Lebensdauer in meiner Umgebung so extrem kurz ist, dass es für Inspiration nicht ausreicht: Kaum sind sie da, sind sie auch schon wieder weg. Andererseits sind mir Menschen seit jeher suspekt, die beim Anblick eines Apfels oder einer Salatgurke in Verse ausbrechen. Sagen Sie selbst, was soll man von solch prosaischen Gemütern halten? Ich habe da kein Verständnis.

Ein weiteres Problem ist, dass sie meist so klein sind. Ja, natürlich, man soll Pralinen genießen, so heißt es überall, sie mit den Augen verzehren, zärtlich beknabbern wie eine angebetete Person, vielleicht sogar halbieren oder vierteln. Jedenfalls nicht mit einem herzhaften Happs verschlingen! Aber was soll ich sagen, beim Liebesakt bin ich da eben etwas handfester, und ich stehe dazu.

Ein unverschämter Mensch, den ich für einen lieben Freund gehalten habe, hat mich kürzlich ernsthaft gefragt, ob ich schon mal darüber nachgedacht hätte, sie zu kauen, bevor ich sie herunterschlucke, es würde schließlich die Geschwindigkeit der – äh – Genussmittelaufnahme heruntersetzen und ich hätte länger was davon. Wofür hält der mich! Wollte der mich erschrecken, sodass mir die Pralinen im Halse stecken bleiben? Nun, Fehlanzeige!
Jetzt muss ich meine Pralinen wenigstens mit niemandem mehr teilen. Schade um ihn, er hatte eigentlich einen guten Geschmack.

Wo ich gerade so nett mit Ihnen plaudere: Hat jemand von Ihnen Interesse an sehr gut erhaltener, hochwertiger Damengarderobe, Größe 46 bis 48? Ich brauche sie nicht mehr und würde mich freuen, von Ihnen zu hören. Es ist mir ein wenig peinlich, aber sonst wandert alles in den Secondhandladen zu meiner Freundin, und die hat sich bereits eine goldene Nase an mir verdient.

Ach, wenn mir früher mal jemand vorausgesagt hätte, was für Opfer ich für meine Leidenschaft bringen würde, nichts davon hätte ich geglaubt. Ach ja, das Leben geht seltsame Wege.

 

abc.etüden 2021 25+26 | 365tageasatzaday
Quelle: Photo by Nathana Rebouças on Unsplash, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 25/26.2021: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Wortspende stammt dieses Mal von Monika mit ihrem Blog Allerlei Gedanken. Die Wörter lauten: Praline, herzhaft, wandern.

Diese Etüde hat eine Vorgeschichte, und zwar beginnt sie mit dem ersten Satz, den Myriade gestern als Kommentar bei mir postete (hier nachlesen), und woraus sich ergab, dass wir beide eine Etüde damit schreiben würden. Nun denn. Myriades diesbezügliche Etüde ist übrigens hier nachzulesen.

Ansonsten: Nein, diese Etüde ist nicht autobiografisch, nicht sehr. Natürlich mag ich Pralinen und Schokolade (und Torten, mjamm), aber ich bin weitaus eher in Gefahr, im Sommer einem Eiswagen nachzulaufen … 😉

 

56 Kommentare zu “Bekenntnisse einer Pralinenliebhaberin | abc.etüden

  1. Liebe Christiane,
    auch wenn es nicht autobiografisch ist, so ist es doch ein sehr schöner Text. Und das mit dem Eiswagen kann ich absolut unterstreichen. Als ich die Wörter abgegeben habe, dachte ich noch nicht an die heutigen Temperaturen.
    Viele Grüße
    Monika

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  2. Wer sagt denn, dass man über Gurken keine Verse schmieden kann? Die Schwierigkeit besteht natürlich darin, dass sich auf Gurke nichts reimt – außer Furke. Und während ich versuche, den Misthaufen wieder aus dem Kopf zu bekommen, wandert eine Praline nach der anderen in meinen Mund, und das ist nicht wirklich hilfreich, denn eigentlich wollte ich den Geschmack von Gurkensandwiches heraufbeschwören, wie sie Miss Applegate zum Tee zu reichen pflegte. Den Geschmack der Sandwiches und den indignierten Blick des Fräuleins, wenn ihr Neffe herzhaft in ein Sandwich biss, es mit zwei Happen verschlang, statt es zierlich für ein paar Sekunden auf den Fingerspitzen zu balancieren und wohlwollend zu betrachten – so wie ich jetzt diese Praline – leider die letzte aus der Schachtel – wohlwollend betrachte, obwohl sie nicht nach Gurke schmecken wird.

    Einen Schönen Samstagabend wünsche ich Dir, liebe Christiane.
    🥤✨🙂

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  3. Pralinen haben eben eine sehr kurze Haltbarkeit. Und da wir alle aufgerufen sind, keine Lebensmittel wegzuwerfen, muss man sie wohl oder übel bei Zeiten essen. 😊🍫
    Was soll das denn??? Es gibt kein Pralinen-Emoticon? In was für einer Welt leben wir eigentlich??? 😊😊😊

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  4. Super, Experiment auch hier gelungen !! Sehr gut gefällt mir, die direkte Anrede der Leser*innen. Das ist ein Stilmittel, das mir sehr gefällt, das ich selbst aber kaum jemals verwende. Nun das muss sich ändern !
    Uuund was ich aus Gründen der Abschreckung auch gerne wissen möchte, ist, bei welcher Kleidergröße deine Protagonistin nun gelandet ist 😉 🙂

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    • Eine direkte Anrede bietet sich natürlich an, wenn man die Leser auf seine Seite ziehen möchte, um ihnen etwas unterzujubeln 😉
      Meine Protagonistin ist jenseits der 48, was lange Zeit so was wie eine Schallmauer bei Kleidergrößen war. Und wenn ihre Secondhand-Freundin nicht auch Mode „für große Größen“ führt, wird es spätestens jetzt teuer, denn ab einer bestimmten Größe braucht es andere Schnitte, andere Materialien und, ganz simpel, einfach mehr Stoff … 😉 Noch dazu passt (und steht) nicht jeder Schnitt und jede Größe jedem oder jeder …
      Morgenkaffeegrüße ohne Praline 😁⛅🌼☕🍪👍

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    • Ich wünsche mir ein Online-Portal, wo man sehen kann, wo im Stadtteil gerade einer steht 😉, inklusive geplanter Verweildauer, ich bin da rettungslos praktisch.
      Einen sonnigen, gemütlichen Sonntag dir! 😁🌞👍
      Morgenkaffeegrüße 😉🌼🐦🦋🐝🐞☕🍩👍

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  5. * Bekenntnisse einer Pralinenliebhaberin *
    schon den Titel habe ich gerne gelesen und auch die kleinen und größeren Geheimnisse, die sie preisgibt 🙂
    Vielleicht gibt es Menschen, die vom Pralinenessen abnehmen, nicht zunehmen? Dann würde sie nicht nach noch größeren Kleidungsstücken suchen, sondern nach kleineren 🙂 🙂
    Vielleicht erfindet ja jemand diese Pralinenmischung noch??

    Liebe sonntägliche Grüße von Bruni

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  6. Köstlich köstlich köstlich – diese Etüde die soviel Lust auf das Verschlingen von Pralinen macht. Und durch die Anmerkungen hat sich auch noch exakt meine Nugat-Erinnerungsvermögen verselbständigt und schreit nach dekadenten luxuriösen kleinen Köstlichkeiten für meinen Körper.
    Kleidergröße hin oder her, sie schreiben immer noch größere Zahlen in die kleine Kleidung oder nähen heimlich die großen Größen enger – sonst tät sich ja niemand mehr was neues kaufen….. Gaaaaaaanz sicher….. LG Doro

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    • Das dürfte vermutlich auch die Antwort auf meine Frage sein, warum ich in der letzten Woche mehr Schokolade gegessen habe: Das Wort „Praline“ allein weckt Gelüste. Schrecklich, ganz schrecklich 😁👍
      Herzliche Abendgrüße ohne Praline 😁🌅🍷🥨🧀👍

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    • 😁👍 Bitte nicht mich mit der Protagonistin verwechseln, sonst muss ich demnächst eine Runde Montagsgedichte mit Äpfeln machen 😉
      Könnte ich vielleicht wirklich mal andenken …
      Die 1-Pralinen-Regel ist das woran man denkt, wenn man es liest: Nach einer ist Schluss? Für wie lange? 😉
      Abendgrüße 😁🌅🍷🥨🧀👍

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        • Alltagsrituale sind was Feines! 😁
          Bei „Apfelgedicht“, also Gedichten über Äpfel, würde ich spontan bei Kindergedichte denken – und da fällt mir keins ein.
          Da Äpfel aber mythisch, mythologisch und mystisch bestens Erwähnung gefunden haben (nicht nur bei Adam und Eva), zweifle ich eigentlich nicht daran, dass es Gedichte zu Hauf gibt, in denen Äpfel vorkommen. 🤔😉
          Ich hab es mir mal notiert, aber nicht mehr zu morgen, ich bin müde … 🥱😴
          Nachtgrüße 😁🍷🥱😴👍

          Gefällt 1 Person

  7. Pingback: Etüdensommerpausenintermezzo 2021 – Hinter den Kulissen | Irgendwas ist immer

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