Der Plan | abc.etüden

Du kannst herumvibrieren, so lange du willst«, sagte sie mit einem bösen Blick auf ihr Handy, »heute nicht! HEUTE NICHT! Der Tag gehört mir!«
Sie hatte erwogen, das Ding gar nicht erst mitzunehmen, aber man wusste ja nie, ob man es nicht doch brauchen konnte, Netz vorausgesetzt. Wofür konnte man Handys schließlich auf stumm schalten.

Sie schlüpfte in die Wanderschuhe, griff nach dem kleinen Rucksack, der außer der Kamera, Wasser, Essen, Regenjacke, Pflaster und Kartenmaterial nicht viel enthielt, und sah erneut auf die Uhr. Wenn sie den Bus erreichen wollte, musste sie los.
Der Fellträger schnurrte, und sie strich ihm sanft über den Kopf. »Bis heute Abend, Kleiner«, verabschiedete sie sich. »Pass gut auf alles auf.«

Ihre erste größere Tour zu Fuß. Sie hatte sich für den Rundkurs um die Stadt entschieden – ca. 100 Kilometer, aufgeteilt in 8 Etappen, angeblich leider lückenhaft beschildert, was bedeutete, dass sie sich bestimmt verlaufen würde. Das Gute: Sie würde sich immer, einigermaßen zumindest, in der Nähe von öffentlichen Verkehrsmitteln befinden. Und wenn ernsthaft irgendwas sein sollte, dann konnte sie sogar mitten in der Etappe abbrechen, sich nach Hause durchschlagen und irgendwann weiterlaufen. Hetzte sie wer? Höchstens das Wetter. Höchstens ihr Ehrgeiz.

So oder so, es würde Erzählstoff ohne Ende geben. Und Fotos. Sie lächelte der Sonne entgegen, als sie das Haus verließ.

 

abc.etüden 2022 14+15 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 14/15.2022: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Wortspende stammt dieses Mal von Katha mit ihrem Blog Katha kritzelt. Sie lautet: Erzählstoff, sanft, vibrieren.

Die Etüde umreißt genau das, was hier steht: einen Plan. Für irgendwann, wenn es wärmer ist, vielleicht im Sommer, wenn es bei uns ja diese sagenhaften Billigtickets für die Öffis geben soll, vielleicht schon früher, ich weiß es noch nicht.

Gemeint ist der (zweite) Hamburger „Grüne Ring“. Wer mehr Infos braucht, findet die offiziellen auf hamburg.de, und hier die Beschreibung von Florian Renz, der den Ring mit dem Fahrrad abgefahren ist. Vermutlich gibt es noch viel mehr, ich habe zum Beispiel die entsprechenden Apps (die ich nicht habe) noch nicht gecheckt.

 

43 Kommentare zu “Der Plan | abc.etüden

  1. Oops, jetzt hätte ich diese Etüde doch fast übersehen, dabei klingt das nach einem sehr schönen Plan. Rund um Wien gibt es auch einen Wanderweg. Der muss aber viel kürzer sein, weil Hamburg ja annähernd die doppelte Fläche von Wien hat. Als Sommerwochenendprojekt sicher sehr geeignet.
    Übrigens finde ich es sehr interessant, was die Schweizer Jugendlichen so schreiben. Etüden mit den Augen von Teenagern, richtig spannend 👍

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  2. Ein anspruchsvoller Plan, liebe Christiane, auch wenn Du in Etappen aufteilen kannst. 100 km ingesamt, das schrecke ich blitzschnell zurück und freue mich, wenn ich, wie heute, einen neuen Rundweg um einen See entdeckt habe, mit einem Vogelpark und vielen Storchennestern, alle bewohnt, es wird gebrütet, zum Teil sind die jungen Störchlein schon da und es herrscht ein irres Geklapper *lach*.
    Ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deinen Etappen und weiß, Du wirst es schaffen, aber bitte hetze Dich nicht selbst. Lass es gemütlich angehen und genieße jeden geleisteten Kilometer!

    Eine gute Nacht wünsche ich Dir
    Bruni

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    • Ich empfehle die Links, die ich angegeben habe, liebe Bruni, um sich ein bisschen einen Überblick zu verschaffen, dann ist das plötzlich gar nicht mehr soooo gewaltig. Happig werden die An- und Abfahrtszeiten zu und von den Etappen, Hamburg ist weitläufig, was das betrifft. Aber das ist auch eine Frage der Planung, ob ich die vorgeschlagenen Etappen laufe oder mir meine eigenen stricke. Gestern habe ich entdeckt, dass ein Endpunkt ebenfalls die Endhaltestelle einer Buslinie ist, die hier bei mir vorbeiführt. Kleine Geschenke und so. 😉
      Störche? Du Glückliche! Ich habe dieses Jahr noch keine gesehen, aber es war ja auch die ganze Zeit kalt, ich war nicht viel unterwegs.
      Trübe Morgenkaffeegrüße 😀☁️☕🍪👍

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      • Die Links hatte ich tatsächlich noch nicht angesehen.
        Ich kann mir gut vorstellen, daß Du erstens nichts Unüberlegtes und zweites nichts tust, was Dich zu sehr überfordern würde, liebe Christiane!
        Mir scheint, Du hast einen Plan, der Dich herausfordert und Herausforderungen tun gut 🙂

        Liebe Vormittagsgrüße von Bruni

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        • Ich habe einen Plan, der mich interessiert, liebe Bruni. Die Umsetzung ist noch eine Frage des Zeitpunkts, vorerst bin ich in der Planungsphase. Ich mag so was 😉
          Immer noch trübe Nachmittagskaffeegrüße 😀☁️☕🍪🌼👍

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    • Ich suche irgendwas, wo ich abends wieder daheim bin und nicht unbedingt einen Rundkurs laufe. Mich faszinieren solche Konzepte.
      Ich bin nicht sicher, aber ich komme ja auch irgendwann in deiner Ecke vorbei, vielleicht können wir dann einen Kaffee miteinander trinken. Aber bis dahin fließt bestimmt noch eine Menge Wasser die Elbe runter.
      Trübe Nachmittagskaffeegrüße 😀☁️☕🍪🌼👍

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    • Gerne! 🧡 Müssen wir schauen, ob wir das in deinen Plan unterbringen können und wie viel Vorlauf du brauchst. Ich sag dir Bescheid, sobald ich mehr weiß. 👍
      Update: Ich hab mir die Karte daraufhin jetzt mal angesehen. Nördlicher als Tonndorf (und eigentlich noch nicht mal Tonndorf) komm ich nicht, soll heißen, ich bleibe südlich des Bahnhofs Tonndorf. Also auch nix mit Höltigbaum oder so, lediglich am Öjendorfer See muss ich lang. 😦
      Trübe Morgenkaffeegrüße 😉☁️☕🍪🌼👍

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    • Ich habe mich heute mal bisschen mit dem Kartenmaterial beschäftigt, das man online dazu findet, und festgestellt, dass ich mir die Etappen anders einteilen werde, vermutlich kürzer, und dann mal schaue, wie es sich so spaziert. Manche Gegenden kenne ich ganz gut, zumindest mit dem Auto, manche gar nicht. Bin auch neugierig. 😀
      Abendgrüße 😉🌅🌼🍵🍪👍

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  3. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 16.17.22 | Wortspende von Ludwig Zeidler | Irgendwas ist immer

  4. Das klingt spannend. Und erinnert mich an mein mühsames Abklappern des Berliner Mauerwegs („Schon wieder hart auf der Grenze“). Das war allerdings fußschonend per Fahrrad. Und zog sich in vier oder fünf Etappen über diverse Wochenenden. Viel Spaß also auf der Tour!

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    • Der Hamburger Grüne Ring ist auch ein Radweg, zumindest ursprünglich. Das genaue Herausfinden des Weges dürfte abenteuerlich werden, ich habe versucht, hier vor Ort Schilder zu entdecken, wo ich weiß, dass welche sein müssten. Ergebnis 50 : 50. Hier ist es mir egal, woanders, wo ich mich nicht auskenne, nicht. Ich seh mich schon wie ein Rohrspatz schimpfen … 😉
      Nachmittagskaffeegrüße 🌤️🌼☕🍪🦋👍

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