Löffelliste oder die Sache mit dem Apfelbäumchen

 

Ach komm, geh weg! Annäherung.

Ich kann nicht mit Listen, grummele ich, das ist doch voll unkreativ und engt nur ein. Ich mache mir höchstens Einkaufslisten, so! Aber Listen haben doch was mit Struktur zu tun? Struktur(en) finde ich sehr nützlich. Und Kreativität braucht auch Struktur, da erzähl mir keiner was anderes, am besten eine selbst entwickelte.
Außerdem liebte mein Vater Listen, daher KANN das schon mal nichts Schlechtes sein. Ja, sehr logisch, weiß ich. Hm. So weit, so gut.

Okay, Löffelliste. Du hast zugesagt, dass du mitmachst (Aufruf zur Challenge im Totenhemd-Blog, da war ich noch hoffnungsfroh, dass es easy werden würde, danke, Petra!), also setz dich hin, schreib eine: Was willst du in deinem Leben unbedingt noch auf die Reihe kriegen, bevor du den Löffel abgibst?

„Wenn ich wüsste, dass morgen der jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Okay, die erste Assoziation mal beiseite, darum geht es nicht. Wer weiß, dass er bald stirbt, wird das Bedürfnis haben, in seinem Leben ein paar Dinge zu klären und etwas dafür zu tun, dass ihn was überlebt. Klar.

Ich habe nicht mal Lust, mir Gedanken zu machen, meutere ich innerlich. Nicht darüber, den Löffel abzugeben, das ist unausweichlich, das juckt mich nicht, jetzt noch nicht, aber dieser ganze Bucket-List-Kram (das ist der englische Begriff dafür), das erinnert mich so furchtbar an „100 Orte, wo du im Leben gewesen sein musst“, „100 Dinge, die du gemacht haben musst, bevor du 30/40/50/60 bist“ – solche Sachen. Diese Listen zu lesen, das ist manchmal ja schon ganz witzig, aber genauso oft denke ich dabei, ich bin echt im falschen Film. Warum soll ich das jetzt machen oder wollen, wer hat mir das vorzuschreiben, das hat doch mit mir null zu tun? („Hast du schon mal bei Liebeskummer im Bett gesessen und einen ganzen Becher Eis gegessen, weil du im TV gesehen hast, dass man das dann so macht?“ Äh, nein, bin ich bescheuert?)

Aus mir ist in diesem Leben keine Reisende geworden, aber als Kind habe ich mir schon gewünscht, die Welt zu sehen, das bedaure ich irgendwo, die Zeit ist fast rum, wo das easy geht. Aber so viel von diesem ganzen hippen Scheiß von den Listen passt einfach nicht auf mich und mein kuscheliges Leben. Ich bin weder wahnsinnig gut (und begeistert), was Heim, Küche und Familie angeht, noch im Job der finanzielle Überflieger, noch der Fashion-/Party-/Serienvictim mit dem großen Freundes- und Bekanntenkreis und dem ach so aufregenden Leben, mit dem andere ihre Blogs und Bücher füllen. Das ist das Gefährliche, was die Medien einem vorleben und die Twitter- und Instagram-Kultur nachlebt: Die Messlatte liegt hoch, und wenn es nicht klappt mit der coolen Selbstinszenierung, fühlt man sich wie der letzte Versager. Das passiert mir ab und an, manchmal fällt es mir gar nicht leicht, das zuzugeben.

Fakt ist für mich: Ich stehe am Rand, egal wovon. Das verbessert zwar den Überblick (finde ich), aber verschiebt die Prioritäten.

 

Gesagt …

Es geht hier nur um die Löffelliste, hallo, komm mal wieder runter! Deine wird also nicht in die Top 100 der angesagtesten Listen kommen, aber was sollte denn nun rauf?

Okay, okay. Ich unterteile mal in den Teil, den man mit Geld kaufen kann, und in den ohne, und ich fange mit letzterem an, der ist kürzer.

Klar, es gibt eine Menge Sachen, die ich noch erreichen möchte, die ich noch machen möchte, wo Geld nur die nachgeordnete Rolle spielt. Ich möchte zum Beispiel wieder fit genug werden, zu Fuß auf den Michelturm steigen zu können. 452 Stufen (83 Meter), ist (noch) nicht drin, ihr seht den Turm in der Ferne auf einem der Bilder, da gibt es eine Plattform oben über der Uhr (und einen Fahrstuhl). Tolle Aussicht übrigens auch von da.
Lebensträume, Ziele, es gibt dafür viele Worte. Eins ist aber sicher: Davon wird hier nichts stehen, das geht die Öffentlichkeit schlichtweg nichts an. Schreibe nichts im Internet, was du nicht auch auf einem Marktplatz erzählen würdest. Danke also, nein.
Zu gegebener Zeit vielleicht, wenn was konkret ist und ich den Blog noch habe. Dann komme ich vielleicht auch auf die Sache mit dem Apfelbäumchen in meiner Fasson zurück (ein Zitat, das definitiv nicht von Luther stammt).

Würde mir dagegen dieser berühmte Pott mit Gold in den Schoß fallen, würde ich schon gern reisen. Ostafrika ist tatsächlich ein alter Traum, auch Neuseeland (ja, Herr der Ringe, ich geb’s zu), den Westen von Kanada würde ich ebenfalls gern sehen, die USA sind inzwischen mit einem weinenden Auge dauerhaft von der Wunschliste gestrichen, Asien lockt mich nicht, die Südsee muss auch nicht sein und mit Kreuzfahrten kann man mich jagen (okay, da gäbe es bei genauem Nachdenken mindestens eine Ausnahme). Mein Europa hat auch noch jede Menge weiße Flecken.
Wird mein Alltag ohne Lottogewinn aber eher nicht hergeben, und nein, das ist keine selbsterfüllende Prophezeiung, das sagt ein nüchterner Blick auf mein Bankkonto. Denn bevor ich reisen kann, muss der Alltag stehen, und wenn ich für eine hypothetische Reise auf den Ausflug am Wochenende, den Restaurantbesuch mit Freunden, Klamotten oder Bücher verzichten muss, um zu sparen, ich greife jetzt einfach mal was raus, dann weiß ich, was ich wähle, und bedaure es nicht.

Dann gibt es das, was ich in meiner Löffellisten-Etüde als „kreative Unwesentlichkeiten“ benannt habe. Das sind die Sorte Wünsche, bei denen ich entzückt „Oh ja, wollte ich auch immer mal“ sage, die Wünsche, bei denen ich breit grinse, wenn ich daran denke, und wo mein Herzchen hüpft. Wichtig, klar, gut für die Farbe im Leben. Aber „unbedingt haben müssen“? UNBEDINGT?

Davon kann ich gern etwas teilen, die Reihenfolge ist keine Wertung:

  • Heißluftballon fahren
  • Tandemsprung Paragliden von irgendeinem Berg oder größerem Hügel
  • Käse selber machen
  • Einen Tag mit Greifvögeln verbringen
  • Bei „Voice of Germany“ im Publikum sitzen, gern bei den Blind Auditions
  • Zu Silvester um Mitternacht auf der Cap San Diego (siehe Bild) das Horn betätigen (wer jemals Silvester im Hamburger Hafen war, weiß, wovon ich spreche)
  • Einen Baum pflanzen und ihn über Jahre hinweg wachsen sehen, und zwar NICHT in meinem Vorgarten, ja, siehe oben, dürfte auch ein Apfelbaum sein, ich mag Äpfel …

Falls es wer bemerkt hat, ein zweites Tattoo steht NICHT auf der Liste. Jedenfalls nicht im Moment, ich schließe langfristig nichts aus.

 

… getan!

Es ging auch darum, von der Liste irgendwas abzuhaken. Was hast du nun davon schon gemacht?

Zur letzten Kategorie gehörte eindeutig auch die Feststellung, dass ich mal in die Elbphilharmonie muss, sehr low-level, das Ziel. Nicht zwangsläufig ins Konzert, wobei ich das bestimmt auch noch hinbekomme, aber wenigstens mal rein, nachdem ich das Teil während des Baus nach Kräften ignoriert habe, und mich jetzt erst so langsam an die prägende Silhouette ohne Baukräne gewöhne. Man sieht das Ding gefühlt wirklich von überall, wenn man in der Stadt unterwegs ist. Über die Umstände, unter denen sie erbaut worden ist, Stichwort „Millionengrab“, rege ich mich dagegen immer noch auf.

In die Elbphilharmonie kann man auch so rein, nämlich in/auf die sogenannte Plaza (hier mehr darüber lesen), erreichbar mit Zugangskarte (um den Zulauf der Massen zu steuern) über die „Tube“ (Röhre), eine gebogene, lange Rolltreppe. Dort passiert zwar nicht sehr viel außer dem Elbphilharmonie-Shop und einem Café bzw. dem Restaurant (und Hotel) und den Aufgängen zum Großen und Kleinen Saal, also den eigentlichen Eingängen ins Konzerthaus, und den Aufzügen zu den Wohnungen, zum Hotel, dem Parkhaus etc., aber man kann dort ins Freie („Außenplaza“) und auf einem Drittel Höhe quasi einmal um die Elbphilharmonie herumgehen. De facto ist die Plaza eine Aussichtsplattform auf 37 Meter Höhe, nämlich an der Stelle, wo diese monströse Glas-Dingsda-Konstruktion auf den alten Kaispeicher A (Kakao, Kaffee, Tee) aufgesetzt worden ist. Deshalb stehen daneben auch (wieder) drei alte Schiffsentladekräne (Halbportalkräne), um zu zeigen, dass Hamburg die Geschichte des Ortes nicht vergessen hat *augenroll*.

Die Plaza ist schon sehr beeindruckend, aber sie hat den Charme eines neuen Bahnhofswartesaals, es herrscht Rauchverbot auch draußen auf der Außenplaza, es ist ein Eldorado für Fotografen, die Spiegelungen und Aussichten lieben, aber es zieht wie Sau, trotz dieser unglaublichen geschwungenen Glaswände. Mag bei Wärme ja ganz nett sein, ich spare mir jetzt aber weitere Ausführungen zum Thema Hamburg und Sommer. Die Aussicht jedenfalls ist zum Niederknien umwerfend, die Temperatur ist es ebenso, jedenfalls zurzeit *hust*.

Wer fotografiert, und ihr wisst, dass ich das tue, versteht, dass man da hoch MUSS. Ich habe also ein paar Außenaufnahmen, ein paar Innenaufnahmen und ein paar Aufnahmen von Blicken über Hamburg, gemacht von der Plaza, für euch. Wenn es wieder wärmer ist, gehe ich unbedingt noch mal hin. Ob der Kaffee taugt, weiß ich nämlich noch nicht; aber für die Schneekugel wäre ich mit EUR 29,90 dabei gewesen. Und jetzt kommt ihr.

 

Und die Moral von der Geschicht’? Ich für mich, ich weiß immer noch nicht, wofür für mich eine  Löffelliste dienlich sein soll. Was ich allerdings immer gut finde, ist, sich über seine Prioritäten im Klaren zu sein. So als Beitrag zu dem viel größeren und unendlich spannenden Thema „Erkenne dich selbst“. Wer bin ich, wer könnte ich vielleicht sein, was will ich (überhaupt, noch)? Sich dafür eine (Löffel-) Liste zu schreiben und sich auf diese Weise (von hinten durch die Brust ins Auge) auf die Spur zu kommen, tiefer in die eigene Seele einzutauchen, sich sich selbst und seinen Sehnsüchten, auch den enttäuschten, zu stellen, dafür ist so eine Liste nur eine Möglichkeit von vielen – und dann wiederum finde ich sie voll korrekt.

Tut mir leid, ist wohl ’n bisschen länger geworden. Schön, dass ihr alle noch da seid.  😉

 

 

 

 

 

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Ode an die Freude?

Dass der G20-Gipfel für die Teilnehmer eine Ode an die Freude war/ist, wage ich zu bezweifeln, auch wenn Gastgeber Deutschland mit dem abendlichen Konzert in der Elbphilharmonie zweifellos angeben wollte. Kulturelles Ereignis und so, bestens geeignet für die, die mit dem Europagedanken der Europahymne eh auf Kriegsfuß stehen, hier bekommen sie ihn sie gleich noch mal mit Text!
Deswegen vermutlich auch die Entscheidung für Hamburg: tags wichtig-wichtige politische Arbeit, abends repräsentativ ausgehen ins teuerste/schickste (?) Konzerthaus, das die Republik zu bieten hat und sich hinterher ebendort zu einem kleinen Dinner versammeln. Nicht kleckern, sondern klotzen eben. Und mittendrin unser wichtig-wichtiger Bürgermeister, dem ja schon ein Zacken aus der Krone (mit Sicherheit ein finanzieller) gefallen ist, als sein Volk sich gegen die Olympiabewerbung entschieden ist. Hamburg, das ist jetzt die Strafe.

Für alle, die es mögen, ein Lied, das ich schon pfeife, seit ich weiß, dass Hamburg den Gipfel bekommt … habt einen guten Tag!

 

 

Ich mag die Stimme von Henning May. Und das Lied macht mich sehr nachdenklich.

 

Ein Lächeln in der Tristesse

In welchem Kontext auch immer dieser sagenhafte Ausspruch jemals stand (er grassiert im Netz als Zitat ohne Herkunftsangabe); da die Häuser so aussehen, als könnten dort demnächst weitere größere Umgestaltungsmaßnahmen (sprich: Abriss) vor sich gehen, habe ich das Handy mal schnell durch den allgegenwärtigen Bauzaun gehalten: Baby it was real and we were the best.

Klingt ja schon fast wieder wie eine Geschichte. Bestimmt eine Liebesgeschichte, oder? Das Ende? Ein Anfang?  😉
Ich überlasse es euch und bin gespannt auf eure Vermutungen.

 

Baby it was real | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

Rosenmontag :-)

 

Nein, das ist nicht von mir, aber es ist auf Ankerherz auf Facebook öffentlich geteilt, sollte man eigentlich auch im Blog teilen dürfen.

Ich lach mich seit Donnerstag immer wieder so weg. Wem das jetzt extrem gute Laune beschert, wird zum Norddeutschen ehrenhalber ernannt, ich packe das nämlich auch durchaus unter „norddeutschen Humor“, der ist nicht jedermanns/-fraus Sache. Dieses leicht Lakonische. Eben.

 

An Englishman in Hamburg

Hamburg, Stuttgart, Düsseldorf, die deutschen Fans werden auf Stings neuer „57th & 9th“-Tour nicht gerade mit Auftrittsorten überschüttet. Andererseits habe ich Sting glaube ich bei der „Sacred Love“-Tour (2004, Color Line Arena, sehr geil) zuletzt live gesehen, ich würde schon gerne mal wieder.

So würde sich das also ziemlich sicher anhören, wenn ich hinginge. Hm. Der Bataclan soll jedenfalls nach 30 Minuten ausverkauft gewesen sein.

Schnell gucken, ich bin nicht sicher, wie lange das Teil online bleibt!

 

 

Fanfare for the Common Man

Meine Erfahrung lehrt mich, dass der gemeine Hamburger und der, der es werden will, also der Tourist, wasser- und lichtbegeistert ist. Gern in Kombination. Wo drängeln sich die meisten Leute? Na? Richtig, zum Feuerwerk über den Landungsbrücken oder an der Alster. Reinfallen inklusive. Schön, das Geknalle mag dazu beitragen.

Aber um eine ziemlich geile Kombination aus Wasser und Licht zu genießen, muss mensch gar nicht auf diese Highlights warten. Sofern kalendarisch Sommerhalbjahr und das Wetter einigermaßen ist, reicht es, sich Kind und Kegel zu schnappen, sich eine Decke unter den Arm zu klemmen und sich nach Planten un Blomen an den Parksee zu begeben und den Einbruch der Dunkelheit abzuwarten. Und dann beginnen sie. Atemberaubend, umsonst und draußen: die Wasserlichtkonzerte. Seit 1973, was auch schon ganz schön lange ist. Die Musik dagegen wechselt alle zwei Wochen.

Stellt euch Fontänen vor wie in einem Springbrunnen, die abwechselnd bunt angeleuchtet und in der Stärke (= Höhe) reguliert bzw. auch mal gar nicht zugeschaltet werden. Das alles rhythmisch, synchron und live zu Musik vom Band. Ja? Nur dass es nicht 2 oder 3 Düsen sind, auch nicht 10, sondern 99.

An der Wasserlichtorgel, ‚Lichtklavier‘ genannt, „sind 762 Scheinwerfer mit bis zu 500 Watt in Schaltgruppen unterschiedlicher Farbe zusammengefasst. Das Lichtklavier hat allein 95 weiße Tasten. Zwei Pumpen saugen das Wasser aus dem Fontänenbecken an. Durch 99 Wasserdüsen wird das Wasser in virtuosen Formen versprüht. Der Hauptstrahl kann eine Höhe von 36 Metern erreichen.“ (Quelle)

Das Spektakel dauert ca. eine knappe halbe Stunde und beginnt immer mit der „Fanfare for the Common Man“ von Aaron Copland. Nun gibt es heute, 15 Jahre nach 9/11, mehr als genug Gründe, dem „gewöhnlichen Menschen“ eine Fanfare darzubringen. Und obwohl man 9/11-Gerede dieser Tage nicht entkommt, ist es nicht speziell mein Anliegen, daran zu erinnern, das tun andere zu Genüge. Nein, ich war einfach gestern Abend bei wunderbarem Wetter mit meiner Kamera (und ohne Decke zum Draufsitzen, selbst schuld, der Rasen war echt nass) auch wieder mal dort und … bezaubert.

 

Quelle: ichmeinerselbst

 

(Fotografische Anmerkung: Es war dunkel. Also wirklich dunkel, bis auf die Tatsache, dass natürlich rund um den See Laternen stehen. Ich hatte kein Stativ mit und die Kamera auf dem Knie aufgestützt, also habe ich die ISO-Zahl entsprechend hochgedreht und zum Teil die Blende runter. Der Kasten, den man auf einigen Bildern im Vordergrund sieht, ist der Lautsprecher (unbeweglich, scharf), ich habe also nicht gewackelt, sondern die Belichtungszeiten sind für sich schnell bewegendes Wasser einfach zu lang. Sozusagen echte Bewegungsunschärfe. (Wer sich auskennt: Ich war auf der „falschen“ Seite.) Ich habe versucht, zu entrauschen und bisschen zu bearbeiten, aber na ja.)

Hier ist ein Eindruck per Video. Aber nichts schlägt live.

 

 

Man sieht sich!

 

Sommerstreifen

*prust* Nein, ich meine jetzt nicht die Spuren, die ein Bikini an meinem sonst selbstverständlich makellos geformten und gut gebräunten Körper hinterließe *IronieAUS*. Noch weniger würde ich die vorzeigen, selbst wenn ich einen Bikini besäße.

Aber da die Wettervorhersage hartnäckig behauptet, ab Dienstag bekämen wir hier Temperaturen jenseits der 25 °C-Grenze, möchte ich mich sozusagen bildlich schon mal vorfreuen. Ich nenne diese Kunstform „Streifenbilder“, ich mache sie horizontal und vertikal. Beides schult das Sehen, sowohl das Fotografieren als auch das Bearbeiten macht mir unter diesem Aspekt zusätzlichen Spaß.
Das sind übrigens alles Bilder aus dem Stadtgebiet, und auch wenn sie zugegebenerweise nicht aus der Innenstadt sind, so könnten sie es dennoch sein, denn Hamburg ist, auch in der City, grün und wasserreich.

Am faszinierendsten finde ich den Kirchturm auf dem obersten Streifen, der in der flirrenden Hitze über dem Feld verschwimmt (Bild anklicken macht groß, wirklich!). Der Reiher mausert sich inzwischen zu einem festen Gast auf meiner Teichrunde (ich habe mit einer Dame gesprochen, die behauptete, es gäbe DREI am Teich, bei zweien ginge ich ja noch mit), und mein Schwanengedöns kennt ihr ja inzwischen zu Genüge – es sind immer noch sieben Jungschwäne.

Euch ein schönes Wochenende, sonnig oder nicht!

 

Sommerstreifen – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst | KLICK MACHT GROSS!

 

Illusionen

Bilder meiner Stadt. Diesmal aus einer etwas kargeren Ecke.

Ich weiß nicht, was zuerst da war, der Schriftzug (der schon Jahre da ist) oder das Schild. Möglicherweise wirklich der Schriftzug. Ich bin mir allerdings so gut wie sicher, dass kein inhaltlicher Zusammenhang beabsichtigt war. Vielleicht ist es arrogant, aber ich trau denen das nicht zu. Keiner Seite.

Oder auch (zugegeben aus dem Zusammenhang gerissen):

Wer auf sein Elend tritt, steht höher.

(Friedrich Hölderlin, Hyperion, Kapitel 55, Quelle)

Die Umgebung wird hübscher, wenn man von dieser Straße wegkommt.

Schönen Sonntag euch!

 

Gegen das Warten auf bessere Zeiten! – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

Lieblingsplatz

Rausfahren.
Tief durchatmen.
Vorbeiziehende Schiffe gucken.
Salzigen Wind und Haare im Gesicht haben.
Spatzen füttern.
Kopf frei werden lassen
und den Rest des Innenlebens anschauen.

Ach herrje.

Na, dann.

Das alles bei einem Pott Kaffee und einem mehr oder weniger großen Stück Altländer Butterkuchen, wahlweise auch jede Art Wurst/Fisch und/oder Pommes auf die Faust.

Und wem (von den Hamburg-Kundigen) das jetzt zur Verortung nichts sagt, der möge sich auf die südliche Elbseite denken. Ach, bei dem Bild mit dem abgeschnittenen Containerschiff kann man gaaaaaanz hinten in der Mitte die Kräne des Hamburger Hafens ausmachen …

 

 

Aus der Traum

Abgehängt. Emma starrte ihr Handy an. Sie hatte sich ja vieles vorgestellt, aber dass der werte Herr Thomas Michael Alexander offensichtlich kneifen würde, war in ihren kühnsten Träumen nicht vorgekommen. Da telefonierte und mailte sie seit Wochen, ach was, seit Monaten mit ihm, hatte mit ihm Bilder ausgetauscht, mit ihm gelacht, geweint, diskutiert, gestritten und sich versöhnt und sich noch auf ganz andere Dinge am Telefon eingelassen – und dann das.

„Du bist wo? Hier in der Stadt? Heute schon? Entschuldige, das geht mir jetzt gerade zu schnell. Ich melde mich, okay?“

Ein Schlag auf den Kopf war dagegen freundlich. Nicht, dass sie ihm nicht seit Monaten von diesem Seminar erzählte, das am Montag beginnen und drei Tage dauern würde und ihr endlich die unverbindliche Möglichkeit bot, seine Stadt und damit ihn zu besuchen. Nicht, dass er nicht begeistert darauf eingestiegen war und ihr seit Monaten schon vorschwärmte, dass sie sich dann ja endlich kennenlernen könnten. Herausfinden, ob die Chemie auch live stimmen würde, und wie sehr er sich darauf freute. Sie schüttelte den Kopf. Nicht, dass da nicht in ihrem Hinterkopf das Stimmchen gewesen wäre, dass sie hartnäckig an die Sache mit dem Mann fürs Leben erinnerte.

Natürlich hatte sie nicht mit ihm darüber gesprochen. Jedenfalls nicht so. Hatte ihre Ungeduld und ihre überschäumende Vorfreude gezügelt, war klug gewesen wie immer, hatte zurückgesteckt, hatte ihn nicht eingeengt, bis sie sich fast gefesselt gefühlt hatte. Bah! Hatte niemals, niemals gefragt, ob er vielleicht auch Gefühle oder wenigstens Hoffnungen in diese Fernbeziehung – sie nannte es schon Beziehung, er wohl eher nicht – steckte, über die er lieber nicht sprach. Um sie nicht zu enttäuschen, um selbst nicht enttäuscht zu werden. Männer und Gefühle, ein heikles Thema. Okay, sie waren in dieser Hinsicht beide gebrannte Kinder, so viel stand schon mal fest.

Nein, sie hatte ihm nicht gesagt, dass sie schon am Freitagabend statt am Montagmorgen ankommen würde. Das war eine dieser berühmten spontanen Ideen ihrer lebenserfahrenen, älteren Freundin Luise gewesen. „Riskier doch mal was, Emmaschatz, du bist doch viel zu ernst. Entweder er zieht mit oder nicht, aber das Risiko, dass du dich mit dem Kerl in was verrannt hast, besteht doch sowieso. Und Hamburg ist eine tolle Stadt, da kannst du auch allein viel machen, falls nötig.“ Luise hatte gut reden, bei ihr hatte es ja schließlich geklappt mit der Internetbekanntschaft. Ihr Peter war mit fliegenden Fahnen zu ihr übergelaufen, als er ihrer ansichtig geworden war. Seitdem sprach Luise immer öfter davon, vielleicht nach Hamburg ziehen zu wollen.

Erst als sie mechanisch nach einem Taschentuch griff, fiel Emma auf, dass sie heulte. Na, großartig. So hatte sie sich ihren ersten Abend ganz bestimmt vorgestellt. Sie trat an das Fenster ihres Hotelzimmers und blickte über die Dächer hinweg in den Nachthimmel, den gerade bunte Raketen durchzogen, Feuerwerk, das offensichtlich über einem Rummel abgeschossen wurde. Ein hell erleuchtetes Riesenrad drehte sich langsam. Eigentlich schön. Aber wollte sie jetzt noch allein weg? Wo sie doch schon mal hier war? Die Reeperbahn war um die Ecke, so viel wusste sie. Andere Leute würden jetzt rausgehen und so richtig einen draufmachen, um den Frust zu vergessen.

Nein, entschied sie. Nicht allein in der fremden Stadt. Überhaupt war sie eine dieser rechtschaffen langweiligen Personen, die in den Krimis überwiegend als Leiche vorkamen und keinen weiter interessierten. Nicht mal Herrn Thomas Michael Alexander. Sie würde jetzt in die Badewanne steigen, sich weit hinaustreiben lassen und ihre Enttäuschung einfach in heißem Wasser, Wohlgeruch und Wein auflösen. Und das Handy abschalten. Der konnte sie mal! Arschloch! Ist doch wahr!
Es war das Schwerste, was sie seit Langem getan hatte.

Als sie wieder bereit war, sich ihrem Telefon zu stellen, war es schon Samstagmittag. Der Kater am Morgen war beträchtlicher als erwartet ausgefallen, und um ihn zu bekriegen, hatte sie ein ausführliches, ziemlich salzig-fettiges und insgesamt sehr gutes Frühstück genossen und war dann zu Fuß zu einer Hamburg-Erkundung aufgebrochen. Luise hatte ihr von einem Flohmarkt vorgeschwärmt, von dem ein paar ihrer aktuellen Lieblingsstücke stammten. Das Wetter war okay, es war nicht sehr weit und Emma gab innerhalb von zwei Stunden relativ viel Geld für relativ wenige wunderschöne kleine Dinge aus, inklusive einem regenbogenfarben schillernden Loop, dessen Rand genäht werden musste, einem zweisprachigen Gedichtband von Emily Dickinson mit wenigen Unterstreichungen, einer traumhaften Umhängetasche aus Naturleder und einem blauen Glasherz an einer Kette. Fehlte noch ein Hut und eine große Sonnenbrille, und sie würde aussehen wie ein Althippie. Prima.

Sie fühlte sich innerlich gewappnet genug, ihr Handy anzuschalten, aber ganz wohl war ihr nicht dabei.

Sieben – sieben! – Anrufe in Abwesenheit von Herrn Thomas Michael Alexander. Der erste noch gestern Abend, der letzte vor einer Stunde. Es ging ihr schlagartig besser. Und – immerhin – eine SMS. „Liebste Emma, ich bin so ein Idiot. Ich habe doch nicht gemeint, dass ich dich nicht sehen will! Bitte ruf mich zurück, wenn du dies liest, bitte! Dein Tom.“

Die Erleichterung überfiel sie so unvermittelt, das sie fast schon wieder geheult hätte. Das Handy lenkte sie ab, indem es klingelte. Er.

„Ja?“
„Emma? Emma, gottseidank, wo bist du?“
„Ich stehe mitten auf einem Flohmarkt in deiner wunderschönen Stadt.“
Pause.
„Kann ich dich treffen? Emma, ich hab da gestern was gesagt, was ich nicht so gemeint habe. Ich war nur so überrascht, ich bin eigentlich nicht so spontan. Ich könnte jetzt zu dir kommen, wenn du mir sagst, wo du bist.“
„Wenn ich das richtig mitbekommen habe, bin ich auf der Flohschanze.“
„Ha, guter Platz! Warte … siehst du die Straße, wenn du dich umschaust? Wenn du über die Straße gehst, bist du in der Rindermarkthalle, da ist eine Kaffeerösterei, die heißt auch so, die machen guten Kaffee.“
„Ich sehe“, Emma reckte den Hals, „eine Tankstelle. Und rechts dahinter so einen großen Klotz.“
„Genau da musst du hin. Die Rösterei ist gleich neben dem Eingang. Wenn du mir eine halbe Stunde gibst, dann können wir uns dort treffen. Ich bin der Typ mit der Rose und dem Fahrrad.“
„Und ich bin die mit dem bunten Tuch. Bis in einer halben Stunde, Tom.“
„Bis gleich, Emma!“

Ihr Name wie eine Liebkosung, ihr Herz ein einziges „Komm!“. Sie blinzelte in die Sonne und lächelte glücklich. Hatte sie auf der anderen Seite nicht einen Stand gesehen, wo es quietschbunte Fahrradklingeln gab? So viel Zeit war bestimmt noch.
Und überhaupt war Hamburg die schönste Stadt der Welt.

 

Schmuck auf dem Markt – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Ich habe nicht zwangsläufig vor (na ja, mal schauen), meine „verpassten“ Beiträge zu Juttas Geschichtengenerator nachzuholen, aber diese Geschichte hält sich jetzt schon seit längerer Zeit in meinem Hirn, also will ich sie auch freilassen. Kommt Zeit, kommt Geschichte … Hier also mein Nachzügler zu Juttas Aufruf zu Emma, dem Flohmarkt und dem magischen „Komm!“

Und ja, die Orte sind real, es gibt besagten Flohmarkt und das Café, und Emma ist offensichtlich zu einer Zeit in der Stadt, wo Dom ist, denn der hat jeden Freitag ein Feuerwerk.