Grüner Ring: Zehnte und letzte Etappe

Da hatte ich Petrus wohl zu früh gelobt. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn es auch zur letzten Etappe zum Wochenende abgekühlt hätte wie die Wochen zuvor. Leider nicht. Angekündigt waren über 30 Grad, und ich war wirklich skeptisch, ob das Wandern da noch der Müllerinnen Lust sein würde oder doch eher eine Plage. Pfeif doch auf die Pflicht, vor allem, wenn sie selbst auferlegt ist, wer zwingt dich denn, Wohlbefinden geht bei Hitze vor!

Was mich umstimmte, war, dass meine Mitwanderin vorschlug, in aller Herrgottsfrühe (na ja, relativ) loszulaufen, da der Bus zur Etappenanfangshaltestelle sowieso sonntags nur einmal pro Stunde fährt. Super! Nun ist jedoch gerade der S-Bahn-Verkehr Richtung Hamburger Süden gestört (das Feuer an den Elbbrücken, ich hatte davon erzählt, erheblicher Schaden, wird vermutlich erst zum 18. September wieder freigegeben (Quelle)), sodass sie beschloss, mit dem Auto zu mir zu kommen und mit mir gemeinsam aufzubrechen. Enden würde die Etappe ja eh bei mir, und auf die mit dem 9-Euro-Ticket erlaubte Nutzung der Regionalbahn zwischen Hauptbahnhof und Harburg hatte sie keine Lust, was ich um die Uhrzeit absolut nachvollziehen kann (aber funktioniert hätte). Nun gut, wir stiegen um 7:31 Uhr in den Bus, dann in die S-Bahn nach Wilhelmsburg (die erst noch abwarten musste, bis sie fahren durfte, nervig!) und schließlich um 8:04 Uhr in den Bus der Linie 351. Um 8:15 Uhr standen wir erwartungsfroh und hochgemut auf dem Deich über der Etappenstart-Bushaltestelle Stillhorner Weg (Foto). Es war sonnig und noch einigermaßen kühl, aber der Tag fühlte sich wie erwartet so an, als ob es warm werden würde. Denn man tau! Es macht Spaß, auf dem gemähten Deich zu laufen, wenn man nicht ständig in Schafmist tritt, aber der Deich ist verdammt trocken (und braun, Foto) und Mäuse und Maulwürfe (?, man konnte die Gänge sehen, zu klein für Kaninchen) und eifrige Hunde (?) haben das Ihrige dafür getan, dass die Deichkrone an ein paar Stellen bröckelt.



Wir gingen nach Westen in Richtung Autobahn (A 1), um die Süderelbe auf dem Grünen Ring über die Autobahnbrücke zu überqueren (Foto) – ich hätte gedacht, dass das verboten wäre wegen irgendwelcher Sicherheitsbestimmungen, aber nein … Es war echt laut und die Autobahn war belebt, aber alles andere hätte mich auch gewundert. Leider waren wir auf der Ostseite, und mit der kleinen Kamera kann ich nicht vernünftig gegen die Sonne fotografieren, also lasst euch versichern, dass im Foto die Elbe horizontal fließt (Foto), nicht von oben nach unten ;-). Aber es war genauso friedlich und wunderbar, wie es aussieht (Foto), und auch das Schild auf der anderen Seite stand genauso schief (Foto)!



Runter von der Brücke, unter der Autobahn durch und ziemlich schnell in den Hamburger Stadtteil Neuland rein (Foto), der uns mit einer 1-a-Brombeerhecke (Foto) empfing, die diesmal sogar meine Mitwanderin in Versuchung führte. Die Bürgersteige waren noch hochgeklappt, der Neuländer Elbdeich ist echt idyllisch am Sonntagmorgen (vermutlich nicht nur), lockere Bebauung, die wenigen Gassigeher lächelten bei einem freundlichen »Moin!«, die Hunde hatten oder machten Kulleraugen, wer wir denn wohl seien und ob man uns begrüßen oder verbellen müsse, und eine dreifarbige Katze belauerte im Feld vermutlich Mäuse. Direkt hinter dem alten Deich, auf dem wir immer noch gingen, standen Reetdachkaten, und wir überlegten, wie halsbrecherisch wohl im Winter der Zugang bzw. die Zufahrt wäre. Bei der schweren Sturmflut 1962 stand fast das gesamte Gebiet, das wir heute durchlaufen würden, unter Wasser, wie ich später herausfand.

Abrupt ging es nach links ab in den Wendts Weg, nicht weniger malerisch (Foto, Foto). Zumindest am Ende gab es auch endlich mal wieder Gartenbauvereine zu durchwandern, beim Rest bin ich mir nicht sicher.



Die Neuländer Straße, der wir danach ein Stück folgten, kannte ich bisher eigentlich nur als Autobahn- und Industriegebietszubringer (A 1, Abfahrt Harburg). Keine Ahnung, wie oft ich mit dem Auto schon dort rumgekurvt bin, schließlich wohne ich im, na ja, näheren Umfeld, auch wenn bis zu mir (Luftlinie) noch reichlich Straßen und Eisenbahnlinien zu überqueren wären, was das Hinkommen deutlich verhindert. Auf jeden Fall waren wir froh, wieder nach rechts in den Schatten (Foto) zum Neuländer See abbiegen zu können.

Je näher wir kamen, desto intensiver wurde ein ungewohntes Geräusch. Der See verfügt nämlich über eine Besonderheit: eine 5-Mast-Wasserskianlage (Foto)! Die Klötze im Wasser sind Sprungschanzen, aber ich habe wenige beobachtet, die sie nutzten, was, wie ich später herausgefunden habe, daran liegen könnte, dass sonntags von 10 bis 12 Anfängerkurse stattfinden. Die Anlage lief, und vor unseren begeisterten Augen flitzten kühne Wasserratten in Neopren auf Wasserski und/oder Wakeboards vorbei, die an Strippen hingen, ähnlich wie beim Skilift, rasant über die Schanzen (oder daran vorbei) und in die Kurven gezogen wurden und allesamt so wirkten, als ob sie mächtig Spaß hätten. Wir setzten uns entspannt an den Rand des Sees und rasteten.



Ein Stückchen Großmoordamm, stadtauswärts Richtung Friesenwerdermoor, mit Schwarzbunten (Foto), die ich dieses Jahr auch selten draußen gesehen habe und die sich im Schatten drängten, dann nach rechts rein, an einer Kleingartenanlage entlang (Foto). Der Weg hieß Nutriaweg, ich habe mich umgeschaut, ob der Name Programm sein könnte, aber die großen Nager mit den hässlichen orangen Zähnen nicht entdeckt. Ob die nun unter der derzeitigen himmlischen Wasserrationierung leiden (der Entwässerungsgraben neben dem Weg war reichlich trocken, aber noch nicht komplett vertrocknet) oder ob es ihnen einfach nur zu hell und zu warm war, weiß ich nicht, bei mir am Teich habe ich die Biester jedenfalls bisher eher abends gesehen.



Wir näherten uns dem Ziel, jedenfalls gefühlt: Jetzt ging es an der Eisenbahnlinie entlang und auf einen Teil der Harburger Industrie zu. Der Hörstener Weg ist asphaltiert, und obwohl dort offiziell keine Autos fahren, ist er eine Durststrecke – immer weniger Schatten, die Sonne brannte uns im Nacken und trieb uns vorwärts. Es war nicht mehr weit, und wenn man die Phoenix sieht (Foto) (Wikipedia-Artikel, heute ist da Continental drin), dann weiß man, dass man gleich am Harburger Bahnhof ist. Wir rasteten ein zweites Mal im Schatten der Unterführung der Wilhelmsburger Reichsstraße, denn jetzt war die Sonne schon anstrengend. Pralle Sonne erwischte uns dann auf der Schlachthof-Brücke neben dem Bahnhof (Foto), bevor wir dann an einer anderen Stelle gern erneut unter die Reichsstraße untertauchten. Der Grüne Ring führt parallel an der Phoenix entlang (Foto) und traf uns am Fußgängerüberweg wieder. Und dann nur noch wenige Schritte: The End! Meine allererste Etappenbeginn- und letzte Etappenendbushaltestelle, die direkt auf dem Grünen Ring liegt und deshalb von mir ausgewählt wurde: Reeseberg! (Foto)

Bis zu mir ist es von dort aus ein überschaubares Stück Weg und bis auf den letzten Teil schattig. Als wir (noch vor 12 Uhr!) bei mir saßen und ich die Glückwünsche meiner Mitwanderin entgegennahm, fragte ich sie, welche Etappe ihr am besten gefallen habe. Eine fehlt ihr ja, sie will sie noch im August nachholen, aber ich war trotzdem gespannt, ob ich bei ihrer Antwort in ein großes »Wie wenig wir einander doch kennen« ausbrechen würde. Nein. Stand letzten Sonntag favorisiert sie die beiden Dove-Elbe-Etappen, und das ist leicht nachzuvollziehen, denn die waren wirklich ein bisschen out of time, out of events – wie Urlaub. Ich überlege noch, ob ich eine Lieblingsstrecke habe. Auf jeden Fall bin froh, dass ich keine Wander-Sommerpause eingelegt, sondern das 9-Euro-Ticket einigermaßen kreativ genutzt habe. Aber dazu nächste Woche mehr.



Zum letzten Mal zur Statistik: Es war eine kurze Etappe, aber das wussten wir vorher und ich hatte damit kalkuliert. Etappenanfang: Bushaltestelle Stillhorner Weg, Etappenende: Bushaltestelle Reeseberg. Meine Gugl-Maps-Kilometerzahl lag bei circa 8 Kilometer, meine Schrittzähler zeigten jedoch insgesamt 14.554 Schritte an, was gemittelt 9,7 Kilometer entsprächen. Auf die Etappeneinteilung und sonstige Fragen/Überlegungen komme ich in meinem Fazit zurück, das ihr nächste Woche zur gewohnten Zeit erwarten könnt. Stay tuned, wie der Lateiner sagt!

Wem es noch nicht aufgefallen ist: Dies ist (auch) ein/mein Beitrag zum diesjährigen Etüdensommerpausenintermezzo, und da ich genügend Fotos in diesem Beitrag habe, ohne Illustration. Verwendete Wörter: Herrgottsfrühe, Kulleraugen, Regionalbahn, Schatten, Sommerpause, Wasserrationierung, Wasserratte. Mehr geht immer, und ich dachte, was ich hab, das hab ich, denn meine Schreiblust ist eher … wandern. Aber ich fand es nicht so ganz einfach, die geforderten Etüdenwörter unauffällig hineinzuschmuggeln, und ich hatte mir überlegt, entweder bringe ich sie im Fazit unter oder in dieser letzten Etappe, wo ich vielleicht ebenfalls etwas weitschweifiger werden könnte.


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Grüner Ring: Siebte Etappe

Es gibt diese Tage, die geraten zu einer großen Wonne, obwohl nicht alles wie gedacht läuft. Sonntagmorgen, ich habe verschlafen und meine Mitwanderin sagt ab, weil sie einen Kopfwehtag gezogen hat und besser liegen bleibt. Das Radio hat aufkommende Hitze gerufen und ich überlege für zwei Minuten, ob ich es ihr gleichtun soll, und schelte mich dann: Weißt du, wie es nächstes Wochenende sein wird? Wenn du früher aufgewacht wärst, könntest du jetzt schon unterwegs sein und die Morgenfrische mitnehmen. Also los jetzt, besser früher als später!

Ich traf pünktlich zur ursprünglich verabredeten Zeit am Etappenstart an der U-Bahn-Station Billstedt (Foto) ein. Heute musste der HSV wohl ein Heimspiel (?) haben, nicht nur die drei Typen waren offenkundig Fans, auch auf dem Hauptbahnhof waren singende Massen an mir vorbeigezogen. Grusel, und das so früh am Sonntag. (Ja, Heimspiel gegen Rostock, ausgerechnet, da war natürlich angebracht, Präsenz zu zeigen.) Schnell weg, zurück zum Schwimmbad Billstedt, rauf auf den Grünen Ring.
Hier wurde mir dann umgehend klar, was mich als Thema der heutigen Etappe begleiten würde: Asphaltwege. So wenig natürliche Wege gab es bisher auf dem ganzen Ring selten. Schön für die Radfahrer, denen ich dann auch überreichlich begegnete, aber ich fand es auf die Dauer eher suboptimal. Aber wenn das alles ist … phhh. Ich ging nach Südosten, die weiße 11 auf grünem Grund fest im Blick und die Boberger Niederung im Herzen. Billstedt ist in vielerlei Hinsicht so was wie der wilde Osten Hamburgs, und daher wunderte es mich nicht, dass die Bebauung lockerer und bisschen gemischter wurde, so Richtung altes Bahn- und Gewerbegebiet, offen gelassen und teilweise mit wildromantischen Durchblicken auf die obligatorischen Kleingärten am Weg (Foto). Viele Radfahrer, wenige Jogger, kaum Fußgänger. Ein Stück weit führte die Route an der B 5 entlang und bog ab, bevor diese auf die A 1 abzweigte (Foto). Man will da nicht gehen: Die B 5 ist eine Schnellstraße in Richtung Bergedorf (und Bergedorf ist nun wirklich der südöstlichste Rand Hamburgs), also nicht nur breit, sondern auch laut.

Okay, ich wurde belohnt, als ich zur Steinbek abbog (Foto), einem Asphaltweg mehr (Foto) unter einer Brücke hindurch folgte (und zuvor ein ramponiertes Stencil von Tona (mehr bei der Urbanshit Gallery Hamburg) entdeckte (Foto)) und dann im Grünen stand. Bitte, es war ein sehr helles Grün, da die Sonne immer höher kletterte und der Weg bis zum Waldesrand vor mir kaum Schatten versprach. Ich erklomm einen Damm, der ein alter Bahndamm gewesen sein könnte, ließ die Radfahrer rechts von mir Rad fahren und stolperte vorwärts. Links lärmschluckende Bäume, von Süden grüßte von hinter Wiesen und Feldern ein charakteristischer Kirchturm (kommt später) herüber. Christiane im Wander-Wunderland.



Der Waldrand erwies sich als der Beginn des Naturschutzgebiets Boberger Niederung, und hier stand nicht nur die obligatorische diesbezügliche Tafel (Foto), sondern auch die Warnung vor Eichenprozessionsspinnern (beim NABU mehr lesen) und die damit verbundene Bitte, nicht von den Wegen abzuweichen. Angebracht, denn die Gegend sah extrem verlockend aus, sich abseits der Straße umzusehen. Klug, wie ich bin, ging ich brav weiter und geriet sofort an die nächste Attraktion: das Segelfluggelände, wo gut was los war. Nicht nur, dass binnen kürzester Zeit mehrere Segelflugzeuge starteten und landeten und ich gar nicht wusste, wohin ich zuerst schauen (und knipsen) sollte, unweit von mir philosophierten eine ältere Dame und ein älterer Herr über das Leben, und dass sein Vater ihm immer schon gesagt habe, dass die wirkliche Freiheit über den Wolken läge, worauf sie ihm erklärte, dass sie schon immer gern gelebt habe, aber jetzt, die Gesundheit, wissen Sie, nach der Krankheit lebe sie noch bewusster … und sie bedankten sich sehr höflich beieinander für das nette Gespräch, als sie beide mit ihren Rädern in entgegengesetzte Richtungen aufbrachen.

Ach, dieses Sirren in der Luft, wenn die Segelflugzeuge angeschleppt werden, denn das werden sie hier (Foto), nicht wie auf der Fischbeker Heide mit einer Winde hochgezogen. Es war toll. Ich hatte die ganze Zeit erwartet, dass der Segler auch noch in Wallung kommen würde, nachdem die Propellermaschine herangerollt war (Foto), aber ich wollte nicht gefühlt stundenlang stehen bleiben.

Das stellte sich auch prompt als gute Entscheidung heraus, denn die andere Richtung war fast ebenso schön anzuschauen. Ich hatte gerade die bereits erwähnte Kirche fotografiert (Foto, das ist übrigens St. Nikolai zu Billwerder), als ich angesprochen wurde: Ob ich die Störche geknipst hätte? Nein, äh, wo denn? Na, da und da (Handgeste), und da drüben wären auch noch zwei gewesen. »Die sieht man hier nicht so häufig«, meinte der Mann. Aha, danke schön, ich bemerkte zwar immer noch keine, aber dass die Wiesen hier nicht feucht genug sind, obwohl doch der Boberger See in der Nähe sein musste, das hätte ich nicht erwartet. Wenig später ging ich dann auch an dem »langen Finger« entlang (mehr zum See auf hamburg.de): wunderbare Durch- und Ausblicke auf besagten See und seine Schwimmer (Foto, in diesem Bild sind ungefähr drei Schwimmer versteckt), und dann »Boberger Beach«, das Stückchen Sandstrand am nordöstlichen Ufer (Foto). Hatte ich schon erwähnt, dass die Gegend ringsum mit und ohne Schatten einer Liegewiese glich und mit Sicherheit mit fortschreitender Uhrzeit sehr belebt sein würde? Sommerfeeling.



Ich feierte mit, indem ich mich in den Sand setzte und meine erste Flasche Wasser leerte. Der See war bevölkert, und zwar nicht nur von Menschen in Badeklamotten. Eine Schlange, ich tippe auf eine Ringelnatter, ringelte sich in Ufernähe fröhlich durchs Wasser. Sie war auf jeden Fall lang und ich ziemlich weit weg – nichts für meine kleine Taschenknipse. Aber hey, ein Schlänglein!

Nachdem ich bedauernd den See verlassen hatte, führte mich der Weg an gemähten Wiesen vorbei. Und da stakste er majestätisch in gebührendem Abstand – ein Storch (Foto)! Wäre ich nicht informiert worden, dass Störche eher selten sind, hätte ich vermutlich nur die Achseln gezuckt, aber so freute ich mich gleich noch mal. Wieder rein in den Wald, der inzwischen schon sehr sonnendurchflutet war (Foto), bisschen mehr in Richtung Boberger Dünen (Foto), wo mich die Gegend schon an meine Fischbeker Heide erinnerte. Mir war klar, dass der Grüne Ring dort nicht direkt vorbeiführt, stattdessen durfte ich für sehr kurze Zeit durch einen relativ engen Baumtunnel gehen (Foto), der mich allerdings am Ende schon wieder auf eine Asphaltstraße mit wenig Schatten entließ. Nachdem ich die Bille (Foto, Info bei Wikipedia) überquert hatte, war es dann mit der Herrlichkeit jedoch endgültig erst mal vorbei.



Bitte nicht falsch verstehen. Der Mittlere Landweg (Foto) ist nicht sonderlich hässlich, er ist einfach nur eine lange Straße, die, soweit ich das gesehen habe, überwiegend mit Ein- und Mehrfamilienhäusern bebaut ist. Sie verläuft meist gerade (etwa 2,5 Kilometer), ist relativ schmal und war letzten Sonntag mit jeder Menge Busverkehr gesegnet. Ich weiß nicht, was davon normal ist, ich weiß aber, dass letzten Sonntag noch sogenannter Schienenersatzverkehr angesagt war, da die S-Bahn-Linie nach Bergedorf (S 21), zu der auch die S-Bahn-Station Mittlerer Landweg gehört, seit geraumer Zeit gesperrt ist, weil sie ausgebaut wird. Mein Plan für heute sah vor, an der Station vorbei bis zum Etappenendpunkt zu laufen und je nach Uhrzeit von dort aus einen Bus in Richtung Stadt zu nehmen oder mit dem Bus zurück zur Station zu fahren und den Schienenersatzverkehr zu bemühen. Jaha, guter Plan. Dazu später mehr.

Ich ließ den S-Bahnhof rechts liegen und wanderte weiter, inzwischen deutlich verdrossener und müder. Es war ziemlich warm und ziemlich unschattig. Als ich endlich auf der Brücke über die A 25 stand (Foto) und wusste, dass es jetzt wirklich nicht mehr weit war, beschloss ich, den Tag mit einer längeren Pause am Eichbaumsee zu krönen, denn da wird uns die nächste Etappe eh entlangführen und auf DIE hundert Meter kam es nun auch nicht mehr an. Gesagt, getan, die Haltestelle fotografiert (Foto) und weitergegangen zum See (Infos auf hamburg.de). Es gibt dort einen Kiosk, der aber nur Freitag bis Sonntag um 13 Uhr öffnet und der gerade aufmachte, denn es war zu meiner Überraschung erst kurz vor eins. Ich setzte mich auf die Terrasse, genoss Eiskaffee und Kirschstreuselkuchen (ausgezeichnet!) und legte mit Blick auf den See die Füße hoch.



Irgendwann checkte ich die Busverbindungen und stellte fest: Houston, wir haben ein Problem. Die Busse – alle Busse – standen in irgendeinem Stau, die Abfahrtszeiten waren nur noch »Prognosen«. Nun ist es nicht unbedingt selten an einem Wochenende, dass der ganze Verkehr in und rund um Hamburg hängt, wenn der Elbtunnel gesperrt ist *seufz*. Deshalb fahre ich ja lieber Bahn als Bus, um davon unabhängig zu sein, aber, Überraschung, auch der Schienenersatzverkehr stand im Stau … Ich brach auf, schoss noch zwei schöne Fotos von See und Kiosk (Foto, Foto) und bereitete mich darauf vor, mich in Geduld fassen zu müssen. Dass es so nervig werden würde, hätte ich allerdings nicht gedacht.
Um es kurz zu machen: Die Aussicht, von dort (inzwischen S-Bahn Mittlerer Landweg) endlich wegzukommen, verschlug mich schließlich per Bus nach Bergedorf, wo ebenfalls emsig gebaut wird, und dann per Express-Bus nach Harburg – der allerdings erwies sich als feine Sache und ab da ging auch alles wieder flott. Ich denke mal, ich habe über eine zusätzliche Stunde nur mit Warten verbracht und war entsprechend mürrisch, als ich zu Hause angelangt war. Aber: Nächsten Sonntag sind angeblich die Bauarbeiten auf der S 21 rum und ich hoffe sehr, dass dann auch die Busse wieder so fahren, wie sie sollen.



Zur Statistik. Etappenanfang: U-Bahn Billstedt, Etappenende: Bushaltestelle Moorfleeter Deich (Ost). Da meine ursprüngliche Strecke ja nicht von Billstedt aus geplant war, sondern früher, habe ich keine Gugl-Maps-Kilometerzahl , denn ich hatte mich nicht drum gekümmert, das upzudaten. Meine Schrittzähler zeigten jedoch insgesamt 19.127 Schritte an, was gemittelt 12,75 Kilometer entsprächen, und ich denke, das kann hinkommen, mir war klar, dass es eine kürzere Etappe sein würde. Dafür wird die nächste bisschen länger.

Ihr kennt meine Einschränkung: Wenn am Sonntag das Wetter mitspielt, brechen wir (hoffentlich wieder zu zweit) nächstes Wochenende zu Etappe acht auf, die uns fast ausschließlich am Wasser Richtung Hamburger Innenstadt entlangführen wird, was ein Problem wegen der Sonneneinstrahlung darstellen könnte. Dennoch: Ich freue mich schon sehr drauf.


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Grüner Ring: Sechste Etappe

Es hat wirklich große Vorteile, U-Bahn- bzw. S-Bahn-Haltestellen zu Etappenanfangs- oder -endpunkten zu erklären: Man kommt wenigstens anständig hin. So geschehen am Sonntag, als wir bei Temperaturen von noch unter 20 °C zu meiner individuell geplanten Etappe Nummer 6 auf dem Grünen Ring Hamburg aufbrachen, und zwar von der U-Bahn-Haltestelle Trabrennbahn (auch von innen schick (Foto) und mit sehr nettem Kaffeeverkauf). Nein, dort ist keine Trabrennbahn, die einzige, die Hamburg noch hat, ist in Bahrenfeld. Aber dort war bis 1976 eine und sie war hochklassig, vermeldet der Artikel in der Wikipedia, der mir ansonsten auch einige Straßennamen erklärt hat.

Ich glaube, das, was ich fast am liebsten mag, ist, hinterher darüber nachzulesen, was ich auf der Etappe entdeckt habe. Umgekehrt wäre vielleicht klüger, aber weiß ich, was mir so alles auffallen wird? Und glaubt mir bitte, meine Zusammenfassungen sind rudimentär und ich bin für Nachfragen und Anmerkungen dankbar. Außerdem entdecke ich meine Abneigung dagegen, gefühlt immer gleiche Straßenzüge und langweilige Wege zu fotografieren, selbst zu Dokumentationszwecken, daher gibt es vorwiegend Grünes zu sehen, auch wenn es der x-te Teich ist … 😉

Unser Weg führte uns als Erstes durch den Park Trabrennbahn, der auch zwei Teiche umfasst (Foto) und wo wir irritiert nach dem Urheber flehentlicher Vogelrufe Ausschau hielten: ein hungriges Blässhuhnküken auf der Suche nach Mama (Foto)! Sehr schnell war ebenfalls klar, dass wir heute nicht überwiegend durch mehr oder weniger einförmige Kleingärtenanlagen wandern würden (sondern durch sehr abwechslungsreiche – Foto, Foto, Foto – ich habe wieder nicht tief in die einzelnen »Anwesen« hineinfotografiert), sondern häufig auf kleineren Straßen und Verbindungswegen, oft asphaltiert, die mehr oder weniger zufällig grün bestanden sind. Verspricht im Herbst interessante Durchblicke, wenn die Blätter gefallen sind. Wir ließen jedenfalls das Charlie Mills Quartier und die Deutsche Rentenversicherung hinter uns, nahmen den Halligenstieg, passierten dabei den Friedhof Hinschenfelde und erreichten den Wandsegrünzug. Die Wandse ist mit 20 Kilometern der längste Nebenfluss der Alster und eher ein breites Bächlein, das jedoch sehr angenehm gestaltete Parkanlagen durchfließt. Dort trafen wir auf ein überaus freundliches, hilfsbereites Ehepaar mit Hund, als wir uns kurz des einzuschlagenden Weges uneinig waren, die zwar auch keinen Plan hatten, uns aber bewunderten, als wir ihnen sagten, wohin wir wollten: Öjendorfer Park!
»Das ist aber noch ein ganzes Stück!«
Äh, ja. Ich bin sogar der Meinung, dass sie in die falsche Richtung deuteten, aber egal. Unsere weiße »11« auf grünem Grund tauchte kurz danach wieder auf, und Gugl Maps meinte, wir hätten ein Stückchen abgekürzt. Nun denn.



Wir folgten der Route (Foto), bis uns ein Schild mit der Aufschrift »KZ-Gedenkstätte« vom Weg weglockte und uns an den Rand eines Wohngebiets führte. Hier befand sich im Juni 1944 das Frauenaußenlager Drägerwerk des KZ Neuengamme. Die eher kleine Gedenkstätte besteht aus einer Skulptur, die zwei ineinander verschränkte und in Ketten gelegte Dreiecke zeigt (Foto, Foto), sechs Dreiecken mit Namen und erklärenden Tafeln (Foto). Der Text der Tafeln kann weitgehend auch unter folgenden Links nachgelesen werden: hier und hier. Danach war mir erst mal weniger fröhlich zumute, das war in aller Schlichtheit harter Tobak.



Meine Laune besserte sich langsam wieder, nachdem wir die Ahrensburger Straße überquert hatten und dem Lauf der Rahlau folgten: schmale, heimliche Pfade führten durch gemischte Bebauung, die Säume jedoch dicht bewachsen mit Brombeeren, die zwar teilweise schon dunkel, aber immer noch reichlich sauer waren – mjam! Es ist schade, dass ich mir nicht länger Zeit für den Versuch genommen habe, die Stimmung einzufangen, sie war besonders, so bisschen Lost Place (Foto) … Angeblich sind wir auch am Jenfelder Moor vorbeigekommen – der offizielle »Tourguide« (»Wandern auf dem Grünen Ring – Tourenvorschläge«) listet es – aber SEHEN, Freunde, tut man davon nichts, denn der Grüne Ring führt NICHT daran entlang.
Am Anfang der Charlottenburger Straße (Jenfeld) grüßte uns jedenfalls ein glänzendes, metallisches Kunstwerk (Foto) nicht weit von einem Wohnbunker mit bunten Balkonen (Foto), und ich habe mich durch diverse Listen suchen müssen, bis ich dazu Angaben gefunden habe *stolzguck*: »Raumskulptur« von Jörn Pfab, 1969/70 (mehr Infos).
Den »Affenkäfig« (ein vergitterter Spiel-/Ballsportplatz, Name laut Gugl) und zwei Hochspannungsmasten weiter stießen wir auf eine Tennisanlage, durcheilten den Grünzug »Schleemer Bach« (der Bach speist den Öjendorfer See) sowie wieder mal eine Kleingartenanlage (Foto) und trafen mit der Barsbütteler Str. erneut auf eine größere Durchgangsstraße.



Wir übersahen beide den Abzweig zum Tierfriedhof, der sich da angeblich befindet, da wir eine ältere Dame beobachteten, die vor uns ging und plötzlich stehen blieb und sichtbar verschnaufen musste. Eine freundliche Nachfrage seitens meiner Mitwanderin ergab, dass keinerlei Hilfe benötigt würde, sondern dass sie Schmerzen beim Gehen habe und ab und an innehalten müsse. Schaufensterkrankheit? Wir haben nicht weiter insistiert.
Links vor uns hätte jetzt der Weg abzweigen müssen, der war aber gesperrt (Foto, die rot-weiße Bake). Der zu nehmende Umweg hatte den unschlagbaren Vorteil, dass wir dabei an einer Toilette vorbeimussten: Die goldenen Bögen sind auf dem Foto deutlich erkennbar. Schräg gegenüber ging es nach links ab, nach wenigen Metern hatte uns der Grüne Ring wieder und dann standen wir auch bald auf der Brücke über die Autobahn. Das ist die A 24, die Berliner Autobahn, in Richtung Hamburg fotografiert (Foto). Nicht viel los, wenn richtig Betrieb ist, stockt der Verkehr bereits ab hier.



Und dann das große Wow: das ersehnte Highlight der heutigen Etappe, der Öjendorfer Park mit seinem See (Wikipedia) (mit zwei offiziellen Badestellen). Man kann ihn umrunden, was ich vorher auch nicht wusste, auf der anderen Seite befindet sich der Friedhof Öjendorf. Der nördliche Teil, woher wir kamen, ist Vogelschutzgebiet (Foto, Foto), aber »… am nord- und südöstlichen Ufer befinden sich die beiden Badestellen, an deren kleine Sandstrände sich jeweils eine ausgedehnte Liegewiese anschließt. Im Umfeld der Badeplätze befinden sich zahlreiche Freizeiteinrichtungen wie Spielmöglichkeiten, Minigolfplatz, Grillplätze, Kioske und Imbisse.« (Quelle: hamburg.de) Es ist wunderbar weitläufig und sehr grün (Foto) und war, als wir da waren, noch nicht so überfüllt, obwohl die ersten Großfamilien ihre Grills schon aufgebaut hatten und in Mannschaftsstärke dort lagerten. Wir sind uns nicht ganz sicher, ob wir Vorbereitungen für einen Ballonstart gesehen haben, der Korb fehlte auf jeden Fall noch.
Der See hat in den letzten Jahren immer wieder von sich reden gemacht, weil speziell im Spätsommer die Blaualgenentwicklung zu stark war und man das Baden verboten hat. Erwähnen möchte ich, dass wir die Route am See entlang gewählt und dazu den Grünen Ring etwas freier interpretiert haben, der sich eigentlich ein bisschen mehr durch den Park schlängelt: Ich vermute, dass man versucht, die Radfahrer, und der Grüne Ring ist ja ursprünglich eine Radroute, und die Spaziergänger/Wanderer zu separieren.
Ich war wirklich noch nie dort, unglaublich! Allerdings frage ich mich, ob nicht vielleicht doch im Winter … und ich mich einfach nicht mehr erinnere, weil es dann mit Sicherheit sehr anders aussieht. Am südlichen Ende des Sees, bei Imbiss, Toiletten und Minigolfplatz, trafen wir dann auch den Grünen Ring wieder und verließen leise weinend (nein, Blödsinn) den Park.



Zurück zu meiner Überlegung vom Anfang, die Sache mit der Erreichbarkeit, denn eigentlich hatte ich die nächstgelegene Bushaltestelle als Endpunkt nach knapp 10 Kilometern geplant. Nur: Heim kommt man zwar immer, aber diese Bushaltestelle ist am Sonntagmorgen echt schlecht zu erreichen. Also, was lag näher, als den Etappenendpunkt zu verschieben? Wir wanderten weiter, erst die Glinder Straße (Foto, unerfreulich, heiß, laut), dann wieder den Schleemer-Bach-Grünzug (Foto) entlang, bis wir auf das Schwimmbad Billstedt stießen. Dort bogen wir dann in die Zivilisation ab und erreichten nach einem knappen weiteren Kilometer die U-Bahn-Station Billstedt (Foto).
Service-Anmerkung: Die U 4 fährt sonntags erst ab Horner Rennbahn, also zwei Stationen entfernt, und das steht scheinbar auf KEINEM Plan, auch nicht im Bahnhof, wir haben mit einem überaus erbosten Ehepaar ein paar Sätze dazu gewechselt. Ich wollte die U 4 aber gern ausprobieren, weil sie bei den Elbbrücken endet, Hamburgs neuester (?) und optisch auffälligster U- und S-Bahn-Station, und ich dort in die S-Bahn Richtung Harburg umsteigen kann, ohne die trubeligen Knotenpunkte (Hauptbahnhof, Jungfernstieg) durchqueren zu müssen. Gute Idee, werde ich wieder machen, die Station Elbbrücken ist zudem echt ein Hingucker. Der Bus setzte mich wie gewohnt nicht weit von mir ab.



Statistik? Etappenanfang: U-Bahn Trabrennbahn, neues Etappenende: U-Bahn Billstedt. Mithilfe von Herrn Gugl hatte ich eine Streckenlänge von ca. 9,8 Kilometern ab Etappenbeginn bis zu jener Bushaltestelle ermittelt, es kamen noch etwa zwei Kilometer dazu. Meine Schrittzähler zeigten jedoch insgesamt 21.924 Schritte an, was gemittelt 14,62 Kilometer entsprächen. Ehrlich gesagt ist es mir relativ egal, aber ich habe doch gemerkt, dass wir seit der letzten Etappe einen Sonntag ausgelassen hatten und ich eher weniger zu Fuß gegangen war: Mir taten die Füße mehr (und länger) weh als sonst, und nein, das war nicht der Temperaturanstieg. Bis auf die Strecke durch den Öjendorfer Park sind wir übrigens wieder überwiegend im Schatten unterwegs gewesen.

Auch Hamburg hat die Hitzewelle erreicht. Wenn sie bis Sonntag vorüber ist wie angekündigt, brechen wir nächstes Wochenende zu Etappe sieben auf, die uns unter anderem in die Boberger Niederung führen wird. Nach wie vor gilt: Ich freue mich schon drauf.


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Grüner Ring: Fünfte Etappe

Ein fröhlicher Sonntagmorgen, der versprach, nicht exorbitant heiß zu werden, nur sonnig. Keine schlechte Voraussetzung für unsere Wanderetappe fünf auf dem Grünen Ring Hamburg. Trotzdem hatte nicht nur die Morgenstund ein bisschen Blei im Knie, sondern es hakte auch sonst: Der Fellträger tauchte erst auf, als ich eigentlich schon dringend zum Bus musste, und die Öffis fuhren gefühlt … irgendwann. Das ist dann ärgerlich, wenn man kurze Umsteigzeiten hat und sich da, wo man hinwill, nicht wirklich auskennt. Da half es leider wenig, dass in der durchaus belebten S-Bahn jemand hinter mir vernehmlich schnarchte und vor mir beim Ausstieg eine junge Frau zu Musik aus ihren Kopfhörern tanzte – sie war offensichtlich bester Laune, unsere Augen (hinter den Masken, Hamburg hat in seinen Öffis FFP2-Maskenpflicht) trafen einander, wir lächelten uns zu – nein, beim dritten Umsteigen verpasste ich aufgrund einer Baustelle den Anschlussbus und musste meine Mitwanderin warten lassen. Ärgerlich. Statt wie verabredet um 9:30 Uhr war ich erst um kurz nach 10 am verabredeten Etappenstart, der Bushaltestelle Alsterdorfer Damm.

Aber dann ging es auch gleich richtig hinein ins Vergnügen: Wir überquerten die Alsterkrugchaussee und enterten den Alsterwanderweg. Die Alster ist nämlich nicht nur der große See im Herzen Hamburgs (hier klicken für meine Alsterumrundung), sondern wird (u. a.) von einem kleinen Fluss gleichen Namens gespeist. Entlang dieses Flüsschens verläuft von dessen Quelle in Henstedt-­Ulzburg bis zur Mündung in die Elbe der teilweise sehr idyllische Alsterwanderweg. Er ist nicht nur bei Spaziergängern/Wanderern mit und ohne Hunde und Kinder (und Radfahrern!) sehr beliebt (Foto), nein, auf der Alster und den angrenzenden Kanälen und Fleeten und Wasserläufen sind immer auch ungezählte Boote jeglicher Couleur unterwegs sowie SUPs (Foto), die ich letztes Jahr schon auf der Außenalster gesehen hatte, was ich bei Wind mutig finde. Je weiter wir kamen, desto belebter wurde es, klar, beste Sonntagvormittagspaziergehzeit.



Nach dem Durchqueren des Bahnhofs an der U-/S-Bahn Ohlsdorf führt der Grüne Ring in den Friedhof Ohlsdorf. Ohlsdorf ist wunderschön, wenn man nicht gerade eine Friedhofsphobie hat, denn es ist ein großer, weitläufiger Park, der eine sehr angenehme Ruhe ausstrahlt. Wikipedia sagt: »Der Friedhof Ohlsdorf […] wurde am 1. Juli 1877 eingeweiht und ist mit 389 Hektar der größte Parkfriedhof der Welt. Über das gesamte Areal verteilen sich 202.000 Grabstätten.« (Quelle) Petra hatte mich gebeten, ein paar Fotos zu machen, also habe ich extra die Augen offen gehalten, ob auf unserem Weg einer der beliebten Marmorengel durch die Bäume lugen würde: Leider nein, stattdessen hätte ich aber die Christusstatue aus weißem Marmor anzubieten (ein Werk des Schweizer Bildhauers Xaver Arnold (Wikipedia)), die direkt hinter dem Haupteingang auf einer Sandsteintreppe über dem Althamburgischen Gedächtnisfriedhof die Blicke auf sich zieht (Foto, Foto).
Unser Weg führte uns die Cordesallee entlang Richtung Wasserturm, und kurz bevor wir nach rechts abbiegen mussten, um den Friedhof schon wieder zu verlassen, machten wir einen kleinen Schwenk nach links und suchten das nahe gelegene Grab von Jan Fedder (Wikipedia). Jan Fedder war Schauspieler (bekannt u. a. auch, aber nicht nur, durch »Großstadtrevier«, »Neues aus Büttenwarder«) und ist Ende 2019 gestorben, seine Popularität in und um Hamburg war/ist extrem hoch; wir waren auch nicht die einzigen Besucher. Und ja, die Blumen am Torbogen sind künstlich, die Torflügel sind geöffnet, es steht wirklich ein Postkasten davor (»Post für Jan Fedder«) und die Leute lassen Kleinigkeiten dort. Interessant zu erfahren fand ich, dass dies ein Patenschaftsgrabmal ist, geschaffen zufällig ebenfalls von Xaver Arnold (hier mehr lesen).
Wir haben beide überlegt, als Einstieg mal einen Tag nur über den Friedhof zu laufen, denn Ohlsdorf ist ein Kosmos für sich. Dass sich dort auch Tiere ohne Ende beobachten lassen (hier mehr Infos), dürfte keinen verwundern, oder?



Wir traten aus dem Friedhof heraus und standen – na, erraten? – vor Kleingärten. Die Wolken, die im Park schon ein paar Tropfen verloren hatten, verzogen sich, wir passierten die Gärten und kamen sehr schnell an die ersten Ausläufer des Bramfelder Sees, auf dessen anderer Seite sich der Friedhof noch komplett entlangzieht. Auch hier: idyllisch, grün, belebt, von Zeit zu Zeit wunderbare Ausblicke auf den See (Foto). Wir rasteten mit Blick auf eine Graugans-/Kanadagansgruppe, die die Ruhe weg hatte. Am anderen Ende tauchten wir dann ziemlich überganglos in den Seebekgrünzug ein. Die Seebek ist ein Bächlein (Foto) (renaturiert, wie man lesen kann, schön geworden), der Weg führt rechts und links daran entlang, streift auch immer wieder mal Kleingärten (Foto) und spuckte uns dann auf die Bramfelder Chaussee.



Die Bramfelder Chaussee ist eine der Hauptdurchgangsstraßen von Nord nach Süd, entsprechend breit und hässlich und normalerweise noch viel belebter als am Sonntagmittag. Wir huschten darüber hinweg und kamen dann aus dem Schatten in die Sonne und vom Regen in die Traufe: Zwar mit ein bisschen Abstand, aber doch nah führte uns der Weg für den nächsten Kilometer (?) an der Steilshooper Allee (Ost-West-Verbindung, noch eine Durchgangsstraße) entlang. Ich mag diese Straße nicht (Foto), und war froh, als die auch diesmal wieder sehr zuverlässige grün-weiße »11« uns den Weg weg wies (an Beton entlang (Foto) in eine Kleingartenanlage) und das Rauschen des Verkehrs leiser wurde. Die Osterbek, deren Verlauf wir jetzt durch den Osterbekgrünzug folgen durften, erwies sich weitgehend als kaum sichtbar, aber der Weg war grün und kühl (Foto). Wir rasteten ausgiebig auf einem umgestürzten, vermodernden Baumstamm (Bänke Mangelware ab dem Bramfelder See) und gestanden einander ein, dass wir das Wetter drückend und die Route zwar schön, aber ermüdend fanden, uns beide schon mal besser gefühlt hatten und uns darauf freuten, bald am Endpunkt zu sein und den Weg nach Hause einschlagen zu können. Zum Glück war das heutige Etappenende schon fast in greifbarer Nähe: die U-Bahn-Haltestelle Trabrennbahn, an der der Grüne Ring vorbeiführt. Dort stiegen wir in die U-Bahn (Foto), aber in unterschiedliche Richtungen, ich wechselte am Hauptbahnhof in die S-Bahn und dann in den Bus. So früh waren wir noch nie wieder daheim (auch mal ganz schön), und der Fellträger war happy, statt meiner nach draußen wechseln zu dürfen.



Statistik. Etappenanfang: Bushaltestelle Alsterdorfer Damm, Etappenende: U-Bahn Trabrennbahn. Mithilfe von Herrn Gugl hatte ich eine Streckenlänge von ca. 9,8 Kilometern ab Etappenanfang ermittelt, die Kürze passte also echt gut. Meine Schrittzähler zeigten jedoch insgesamt 20.039 Schritte an, was 13,36 Kilometer entsprächen, also ziemlich genau gleich weit wie am Sonntag zuvor. Das kann ich mir eigentlich nicht erklären, denn ich hatte nicht das Gefühl, dass ich so viele Extrameter gelaufen bin, zusätzlich zu dem Weg zum Etappenanfang bzw. vom Etappenende heim, aber ehrlich gesagt ist es mir auch egal. Vielleicht habe ich mich bei der Planung auch vertan.

Ich erwarte übers Wochenende Besuch, meine Freundin, um die ich mir früher im Jahr so Sorgen gemacht habe, ist ante portas (hurra, ich freue mich sehr), daher werden wir am kommenden Sonntag nicht weiterlaufen und es wird auch nächste Woche Mittwoch keinen Bericht vom Grünen Ring geben. Ich warne euch nur schon mal vor.

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Grüner Ring: Vierte Etappe

Es ist nicht unbedingt ideal, für ein Vorhaben wie die Stadtumrundung auf dem Hamburger Grünen Ring nur einen bestimmten Wochentag zur Verfügung zu haben – man ist echt abhängig vom Wetter. Was sich hingegen als ganz großartig erwies, war die Idee meiner Mitwander-Freundin, die Startzeit einfach nach vorne zu verschieben, nachdem für den Nachmittag sowohl Hitze als auch Gewitter mit hoher Wahrscheinlichkeit angesagt waren.
Wir verabredeten uns also um 9:30 Uhr an der S-Bahn Stellingen (Foto, den Bahnhof muss man wirklich nicht von innen gesehen haben) mit ihrem Service-Point (links neben den Fahrkartenautomaten, umlagert; Kaffee, Croissants sowie Alkoholika in jeder Form und Größe, andere Kleinigkeiten zum Essen und Trinken und das Übliche – nein, ich treffe keine Aussagen über Fußballfans). Worauf mich Natalie aber in einem Kommentar aufmerksam gemacht hat (Update), war, dass ich die Gedenktafel für das Zwangsarbeiterlager Lederstraße (war quasi gleich nebenan) übersehen habe: Hier klicken, ich hätte doch nicht möglichst schnell rausrennen sollen.
Blauer Himmel, aushaltbare Temperaturen, gute Laune: Zwei Frauen zogen los, um frohgemut die nördlichen Bereiche des Grünen Rings zu erkunden, unterquerten die Autobahn A 7 und zogen die Düngelau entlang (nie gehört vorher, den Namen, zauberhafte Ecke, Foto) und entdeckten z. B. das »Missionswerk Arche«, wo laut gesungen wurde, und vor allem eine schier unendliche Anzahl Kleingärten (darin zum Beispiel das »Komitee für Igelschutz e. V.«, leider kein Foto).



Hamburg und die Kleingärten. Dazu heißt es auf einer Website über Stellingen: »In Hamburg gibt es 310 Kleingartenvereine mit über 33.000 Parzellen. Die Vereine haben zwischen 8 und fast 1000 Parzellen. […] Nach dem 2. Weltkrieg waren es in Stellingen noch 58, von denen heute keine 20 übriggeblieben sind.« (Quelle) Ich habe bewusst nicht in die Kleingartenidyllen hineinfotografiert: Ich wollte nicht stören, Sonntagvormittag, beste Kleingartenzeit, es war auch gut was los. Nehmt also bitte mit ein paar Schildern (zwei in Stellingen, eins in Niendorf) vorlieb und lasst euch versichern, dass Kleingärten eine sehr individuelle Sache sein können 😉 Und fragt mich nicht, was das für Zylinder bei dem einen Schild im Hintergrund sind: eine Firma, klar, aber für was braucht man die Dinger? Ich weiß zwar, wo ich für das Foto stand (Bollweg), aber wir haben auch gerätselt.



Nach dem Durchwandern des Düngelaugrünzugs (Foto) kreuzten wir die Kieler Straße und fielen von einem Entzücken ins Nächste: Der Sola-Bona-Park (Info) mit seiner »tausendjährigen« Stieleiche (vermutlich um 1650 gepflanzt, Info, Foto) ist nicht wirklich groß, wirkt dafür aber ausnehmend freundlich und hat einen verlockenden Spielplatz (Foto). Wir durchquerten ihn und kamen am Poseidon-Bad vorbei auf den Kollauwanderweg. Der jedoch brachte uns erst mal nicht zur Kollau, sondern zurück zur A 7. Die A 7 ist die Autobahn mit dem bekannten Elbtunnel und hat in den letzten Jahren auch deswegen von sich reden gemacht, weil sie sich eine neue Großbaustelle zugelegt hat(-te): Sie wurde teilweise überdacht, der »Hamburger Deckel« (Wikipedia), vor uns befand sich der sogenannte »Stellinger Deckel«, ein Teilstück. Ich kenne die Deckel aus der Perspektive als Autofahrer, aber bisher hatte ich von der Existenz eines Weges an der Deckelkante nichts gewusst. Voilà, darf ich präsentieren: der begrünte Deckel (Blick in Richtung Süden, Foto), die Ausfahrt Richtung Norden von der anderen Seite außen (Foto) und der Blick durchs Fenster (davor verläuft eine Bahntrasse, weiß nicht, ob S- oder U-Bahn) auf die A 7 Richtung Norden (Foto).



Wir folgten weiter dem Kollauwanderweg und stießen endlich auch auf die Kollau, die sich als ein unscheinbarer brauner Bach herausstellte, nicht tief, kaum Bewegung im Wasser. Es wird der Schönheit des Wegs nicht gerecht, dass ich nur ein Foto davon habe (Foto), es ist ein ausgesprochen gut zu begehender Weg am südlichen Rand der Eidelstedter Feldmark, mal breiter, mal schmäler. Klar, dass wir nicht die einzigen waren, die das wussten, noch dazu am Sonntagvormittag, wir begegneten vielen meist sehr freundlichen Leuten, zu Fahrrad oder zu Fuß, mit oder ohne Kinder bzw. Hunde. Noch dazu gibt es dort regelmäßig aufgestellte Bänke MIT Mülleimern, was tatsächlich bisher eher nicht der Fall war, und beweist, dass der Weg wirklich so viel begangen wird, wie es den Anschein hat, und auch, dass der Bezirk sich hier um die Entsorgung kümmert. Wir waren ca. 5 Kilometer unterwegs und stoppten für unsere erste Trinkpause. Die Temperatur stieg, die Sonne strahlte, wir auch. Ja, man kann das so platt sagen.
Andererseits war das aber auch kein Wunder, denn wir näherten uns jetzt mit jedem Schritt dem Niendorfer Gehege (Info). Es umfasst knapp 150 Hektar bewaldetes Gebiet (Foto) und ist das größte Waldgebiet im Bezirk Eimsbüttel: Wer im nördlichen Hamburg aufgewachsen ist, kennt vermutlich Ausflüge am Wochenende ins Niendorfer Gehege, denn da gibt es alles: Wald, alte Bäume, Ponys, Spielplatz, Wildgehege, Essen und Trinken, und ich habe Geschichten vom Schlittenfahren im Winter gehört. Am Wildgehege (Damwild, eine große baumumstandene Lichtung) führte unser Weg entlang – ich zeige euch ein Foto von vielen. Ein Ort, um sich hinzusetzen, innezuhalten, die Essensvorräte zu plündern und durchzuatmen, was wir dann auch taten. Es führen Straßen durch das Gehege, aber ich hatte keine Ahnung, wie schön es hier ist. Ein echtes Versäumnis.



Mit leisem Bedauern stiefelten wir weiter in Richtung Zivilisation, äh, Stadt. Die holte uns dann ziemlich schnell auch wieder ein: An der Fassade eines Kindergartens (»Waldforscher«), las ich verdutzt das schlichte Motto »Wald statt Ritalin« (Foto) und fragte mich, ob das wirklich so einfach sein kann. Jenseits der Kollaustraße vernahm ich zum ersten Mal von einem Sportplatz die Geräusche einer Sportart, die ich noch nie zuvor live gesehen hatte: Baseball. Nachdem ich inzwischen aus dem Netz weiß, dass dieser Sportplatz vom Niendorfer TSV genutzt wird (Vogt-Cordes-Damm), der Baseball und Softball anbietet, Softball eine Baseball-Variante ist, die scheinbar hauptsächlich von Frauen gespielt wird, und ich zumindest eine Frau auf dem Feld gesehen habe, bin ich nicht mehr so sicher, was wir beobachtet haben. Nein, kein Foto, die Spieler waren alle auf der anderen Seite und meine Wanderkamera ist ein Winzling.

Dafür waren wir jetzt aber am Hamburg Airport angelangt, genauer gesagt, am äußersten Zipfel. Wie man sieht (Foto), sieht man nicht rasend viel, und das sollte sich auch nicht wesentlich verbessern – falsche Seite, auf der anderen gibt es einen »Beobachtungszaun«, sagt Gugl Maps. Irgendwas ist eben immer. Der Grüne Ring verläuft jedenfalls rechts vom Flugfeld, auf unserer anderen Seite waren wieder mal Kleingärten. Bevor der Weg irgendwann komplett nach rechts wegknickt, gibt es eine Möglichkeit, durch das Gitter zu fotografieren, und da beobachtete ich fasziniert wie ein Kind eine Maschine der Turkish Airlines beim Landen und Rollen Richtung Terminals (Foto).



Der Rest ist schnell berichtet: Wir durchquerten in wildem Zickzack ein paar Kleingartenanlagen, wo ich zum ersten Mal eine Warnung »Diebe in der Kleingartenanlage« las, hatten dann das wirklich riesige, mit Natodraht eingezäunte Gelände von »Lufthansa Technik« linker Hand und immer noch Kleingärten rechter Hand, wechselten die Kleingartenanlage und machten noch mal Trinkpause im Schatten eines Vereinsheims. Inzwischen brannte die Sonne heftig, und obwohl es »nur« 27 °C waren (gefühlt wärmer), war der UV-Index hoch, und wir waren beide froh, dass wir wussten, dass es nicht mehr sehr weit sein würde. Nun denn: Hinein in den »Borsteler Jäger« (Info), gefolgt von der nächsten Kleingartenanlage (Foto) und dann kündigten Motorengeräusch und eine Glocke einen EISWAGEN an, der die Kleingärten abklapperte! Hurra! Ein süßes Ende der Wanderung lockte! Wir deckten uns mit Eis ein und nahmen die letzten paar Hundert Meter in Angriff. Ich hatte mein Eis noch nicht auf, als wir das heutige Etappenende erreichten: Bushaltestelle Alsterdorfer Damm (Foto). Ortskundigen sei gesagt, dass diese etwa Höhe Maienweg fast an der Alsterkrugchaussee liegt. Mein Bus kam 10 Minuten später und brachte mich zur nächsten U-Bahn-Station (Lattenkamp), die wiederum zum Jungfernstieg zur S-Bahn, die nach Harburg und der Bus bis fast ums Eck. Ich war kurz vor 16 Uhr zu Hause.



Last but not least die Statistik. Etappenanfang: S-Bahn Stellingen (Arenen), Etappenende: Bushaltestelle Alsterdorfer Damm. Mithilfe von Herrn Gugl hatte ich eine Streckenlänge von ca. 11 Kilometern ab Etappenanfang ermittelt, meine Schrittzähler zeigten insgesamt 20.023 Schritte an, was, wenn es stimmt, 13,35 Kilometer entsprächen. Das kann in etwa hinkommen, denn auf meinem Schrittzähler befand sich ja auch noch der Weg zum Etappenanfang bzw. vom Etappenende heim. Die Beschilderung war an zwei, drei Stellen löcherig, aber sonst sehr üppig, und die Regencapes blieben in den Rucksäcken, dafür hatte ich bisschen Sonnenbrand im Nacken. Angesagte Gewitter, war da was? Hier gab es am Montagmorgen ein kräftiges, und es hatte zuvor schon in der Nacht geregnet. So viel zu Wettervorhersagen.

Wenn alles so bleibt, wie es soll, brechen wir nächstes Wochenende erneut früh zu Etappe fünf auf, unter anderem an der Alster entlang (die nämlich auch ein Flüsschen ist), zum sagenhaften Friedhof Ohlsdorf und noch weiter. Auch dieses Mal gilt: Ich freue mich schon drauf.

Ich habe eine Frage an euch: Wie unterscheidet ihr zwischen »Wanderung« und »Spaziergang«? Ist es die Länge? Die Vorbereitung? Die Ausrüstung? Der Anspruch? Die Anstrengung? Ich bin wirklich gespannt auf eure Antworten.

Update! Meine Mitwander-Freundin hat mich prompt mit einem sehr nützlichen Link zu einem Artikel versorgt, der auf die verschiedenen Aspekte des Themas eingeht: hier klicken!
Eure Ideen/Definitionen interessieren mich nach wie vor.


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Grüner Ring: Dritte Etappe

Was hatte ich mich auf diese Etappe gefreut! Kurz, das heißt knapp 10 Kilometer (höhö), und gefühlt nur Parks. Nun … es ging ja auch richtig gut los. Gestartet bin ich mit der Überfahrt über die Elbe ab Finkenwerder Fähre mit der Linie 64 nach Teufelsbrück, wo ich um 12 Uhr mit meiner Mitwanderin, die auf der anderen Seite wohnt, am Anleger verabredet war. Was auch bedeutet, dass ich um 10:30 Uhr bei mir an der Bushaltestelle stand. Leerer Bus, kein Umsteigen, ziemlich leere Fähre.

Schon auf der Elbe deutete es sich an: Der Wetterbericht könnte stimmen, das Wetter würde vielleicht nicht halten. Zwei Fotos dazu: Das eine ist von Sonntag und zeigt die Elbe stromabwärts, dort sieht man links das Airbus-Gelände und rechts das Ober- und Unterfeuer Blankenese (die Leuchttürme, von rechts nach links) sowie das Unterfeuer Rissen, und ich bin nicht ganz sicher, ob der leuchtende Punkt darüber das Rissener Oberfeuer ist … und man sieht auch, dass es sich bereits „zuheiterte“, wie mein Vater das früher genannt hätte, also eintrübte (Foto, links daneben die Schornsteine gehören zum Kraftwerk Wedel).

Das andere Bild ist vom Sonntag zuvor (bei strahlendem Sonnenschein) und stromaufwärts Richtung Hafen fotografiert – als Ansicht einer der Hamburger Klassiker. Einige von euch werden das Hafenpanorama kennen, also schicke ich euch mal suchen: Na? Welche Kirchtürme erkennt ihr, und vor allem, wie viele? 😉 Großklicken hilft!



In Finkenwerder auf dem Gelände der HPA-Stackmeisterei (eine Art Straßenmeisterei für den Fluss) traute ich übrigens meinen Augen nicht (Foto): Seht ihr die weiße Männerfigur, die die Hände in die Hüften stützt? Das ist einer der »Vier Männer auf Bojen« des Künstlers Stephan Balkenhol, die seit 1993 Hamburg auf diversen Gewässern bereichern (Link). Da die aber von Frühling bis Spätherbst ununterbrochen ihre Posten beziehen, was macht dieser hier an Land? Ich muss bekennen, dass ich die Antwort nicht weiß, aber die Figuren sind letztes Jahr alle ausgetauscht worden (Neuguss aus Aluminium; der Zahn der Zeit, das Wetter, die Vögel etc. hatten den ursprünglichen Eichenfiguren im Laufe der Jahre böse zugesetzt – die Kosten hat die Stadt Hamburg übernommen). Ich überlege schon länger, die Männer mal abzulichten. Ich vermute, dass dies hier der »Eichenmann« ist, der in der Alster stand (erkennbar an der Armhaltung).

Den Teufelsbrücker Anleger (Foto) ziert nach wie vor das Café/Restaurant Engel. Über Hamburg hinaus wurde es bekannt, als vor 20 Jahren ein Containerfrachter nach einem Maschinenausfall den Anleger rammte und schwerstens beschädigte.



Wir jedenfalls liefen locker los und befanden uns fast sofort im Grünen. Karte und Beschreibung hatten nicht gelogen, als sie mir fast durchgängig Parks und »Grünräume« versprachen, wir fielen von einem Entzücken über die idyllischen Ausblicke ins andere (Foto). Es ging durch den Wesselhöfftpark und Westerpark am Derbyplatz Flottbek vorbei (Reiten! Springderby! Fernsehen! Kindheitserinnerungen!), wir unterquerten den S-Bahnhof Klein Flottbek und wanderten entlang am Loki-Schmidt-Garten, also am Botanischen Garten, der ein echtes Highlight für jeden Gartenfan sein soll.
Später trafen wir am Ziegeleiteich nicht nur ein über unsere Ankunft begeistertes Blässhuhn (Foto) und einen Reiherenterich (Foto), sondern es begann auch leicht zu regnen. Zumindest meine Fotografierlust mit der Winzlingskamera schränkt das ein, sodass ich zwar noch diese beeindruckende Baukastenfront hinter dem Elbe Einkaufszentrum festhielt (Foto), aber danach eher weniger die ungezählten, immer noch bezaubernden Einblicke in Grünes und Blühendes.



Nachdem ich murrend (aber immer noch hoffend) einsehen musste, dass sich das mit dem Nass von oben eher nicht ändern würde, rasteten wir im Feuchten (in einer Regenpause, aber inzwischen in die Regencapes gehüllt) auf einem Hügel im Lise-Meitner-Park und genossen die unerwartet grüne Aussicht. Fragt man mich übrigens, woran ich mich von dieser Etappe auch erinnern werde: Fluglärm. Wir waren die meiste Zeit in der Einflugschneise unterwegs, die Intervalle waren kurz und viele Flieger niedrig. So gut die Wege waren (mit unkommunikativen Radfahrern und freundlichen Spaziergängern) und außerhalb des Parks mit gepflegten Gärten sowie naturbelassenen Grünflächen (Foto) – ich hätte hier erwartet, sehr viel mehr DESY-Gebäude (Homepage) zu sehen zu bekommen, aber wirklich identifizieren konnte ich nur eins am Ende des Geländes (Foto). Der stetig fallende, sanfte Regen verlockte uns dann auch nicht, durch den Dahliengarten zu schlendern (statt ihn nur rechts liegen zu lassen), und scheuchte uns schnell in den Wald im (Altonaer) Volkspark, den wir zügig durchquerten, um dann am anderen Ende auf das HSV-Stadion zu treffen.
Sorry, Fußballfans, das ist sicher ein sehr beeindruckendes Bauwerk mit Tradition (Foto), auch bei Nässe, aber den Weg ab dort bis zur S-Bahn Stellingen fand ich einfach nur hässlich, steril, vollgeschmiert und mit einer völlig trostlosen Ausstrahlung (Foto, das ist schon am Bahnhof, der Eingang zur S-Bahn ist auf der anderen Seite). Selbst die Radfahrer waren jetzt unhöflich, allerdings hörte passend zum Etappenende der Regen auf. Aber ausgerechnet letzten Sonntag wurde auf der Strecke Eidelstedt – Altona gebaut, sodass wir beide auf Schienenersatzverkehr umsteigen mussten – nie die beste Idee für Platzängstliche.
Nach einem letzten schnellen gemeinsamen Kaffee erwischte ich einen Bus nach Altona, plumpste dort erleichtert in die S-Bahn nach Harburg und dann wieder in den Bus, der mich zu Hause ausspuckte.



Die Statistik zum Schluss. Etappenanfang: Finkenwerder Fähre bzw. Anleger Teufelsbrück, Etappenende: S-Bahn Stellingen (Arenen). Gugl und ich hatten eine Streckenlänge von ca. 9,5 Kilometern ab Etappenanfang geplant, meine Schrittzähler zeigten insgesamt 17.571 Schritte an, was, wenn es stimmt, 11,7 Kilometer entsprächen. Das kann absolut hinkommen, denn auf meinem Schrittzähler war ja auch noch der Weg zum/vom Bus und der Fußweg zur Fähre. Die Beschilderung war jedenfalls auf inzwischen gewohnt hohem Niveau und die Regencapes haben gehalten, und während ein großer Teil Deutschlands unter Brüllaffenhitze litt, hatte Hamburg maximal 20 Grad. Wir hatten übrigens beide so ein »Ach, das war es diesmal schon? Schade!«-Gefühl, was ich irgendwie doch belustigend fand. Ich wünsche mir diese Etappe noch mal, an einem anderen Wochentag und bei besserem Wetter, und vielleicht würde es mehr Spaß machen, sie in die andere Richtung zu gehen.

Wenn uns in der Woche nicht der Himmel auf den Kopf fällt, trifft man uns nächstes Wochenende auf Etappe vier, unter anderem in Richtung Niendorfer Gehege und Flughafen. Auch dieses Mal gilt: Ich freue mich jetzt schon.


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Grüner Ring, Vorüberlegungen | abc.etüden

Du frierst doch nicht etwa, frage ich einen gewissen Fellträger, der völlig flach auf der warmen Heizung liegt, den Hals wie eine Giraffe gereckt. Ich dachte, Pelz wärmt?

Ich sehe aus dem Fenster. Der Wetterbericht spricht für das Wochenende von Sonne und 20 °C, aber zurzeit haben wir nachts unter 10 und tags knapp bewölkte 15 °C, Tendenz allerdings steigend. Bei allem Optimismus, DAS ist noch nicht das Wetter, für das ich Sommerpläne gemacht habe. Pläne, die auf die Bezeichnung »Wandern auf dem Grünen Ring« hören. Besagter Grüner Ring (der äußere) ist eigentlich eine gut 100 Kilometer lange Fahrradroute (Freizeitroute 11), die in acht bis zehn Kilometern Entfernung das Hamburger Rathaus umrundet. Klarer Fall von Abenteuer in der Stadt.

Natürlich geht nichts über eine ordentliche Vorbereitung. Die offiziellen Tourenvorschläge listen acht Etappen, aber ich gehe davon aus, dass mir jeder zusätzliche Kilometer (die An- und Abfahrt) in die Beine geht, also peile ich 10-Kilometer-Etappen an, ändern kann man immer. Der Plan sieht so aus, dass wir (eine Freundin will mit, wenigstens probehalber) hier im Süden den Grünen Ring entern, dem Verlauf folgen und uns nach etwa 10 Kilometern in die Öffis Richtung heimwärts werfen. Beim nächsten Mal fahren wir dann mit den Öffis zu dem Punkt, wo wir die Route verlassen haben, laufen auf dem Ring wieder ca. 10 Kilometer usw. So weit die Theorie.

In der Praxis gibt es da noch ein paar zu klärende Punkte. Nachdem ich die Idee verworfen habe, mich nach Papierkarten zu orientieren (schlechter Maßstab!), habe ich entdeckt, dass man sich die Route ins Handy laden und damit dann nach Belieben hineinzoomen kann. Mehr nicht, aber das bedeutet, dass ich live sehen kann, wo wir und ob wir »auf der Spur« sind. Meine Orientierung taugt in der Regel, wenn ich auf eine Karte sehe. Und wir bewegen uns im Hamburger Stadtgebiet, die Wahrscheinlichkeit, Netzabdeckung zu haben, ist hoch. Falls nicht, ist die Route (mit Karte) als PDF dabei.
Aber wie gut ist diese Route? Ich kümmere mich gerade am Rechner um die Etappeneinteilung, und da gab es irritierende Meldungen. Klar, ich suche mir was, wenn notwendig, aber der Sinn ist ja, auf der Route zu bleiben, nicht stattdessen den kürzesten Weg von A nach B zu ermitteln und zu nehmen, und auch nicht, mehrere Kilometer Umweg laufen zu müssen.

Zumindest im Hamburger Süden sind die Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zeitlich löcherig. Ich habe mir beispielsweise eine Bushaltestelle als Etappenpunkt ausgesucht, die einmal alle Stunde angefahren wird, das könnte sich als unglücklich herausstellen. Und einmal darf ich Fähre fahren, ich freu mich total. Sowieso machen die Öffis Halbtagestouren zu Tagestouren.
Finanziell vernünftig ist mein Plan ohne Dauerkarte übrigens nur während der Monate des 9-Euro-Tickets, Hamburgs Nahverkehrspreise sind in Deutschland ganz weit vorn. Das Juni-Ticket habe ich bereits. Und die Tatsache, dass ich darauf einen irisierenden Streifen entdeckt habe, hat mir die Idee zu dieser Etüde beschert.

Pfingstsonntag geht es los, wenn das Wetter mitspielt. Der gewisse Fellträger möchte unterdessen doch lieber draußen schlafen. Ich werde berichten.

 

Extraetüden 22.22 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden (Extraetüden), Woche 22.2022: 5 Begriffe, maximal 500 Wörter. Die Wortspenden stammten dieses Mal von Myriade (La parole a été donnée à l’homme pour cacher sa pensée) und Puzzleblume (puzzle ❀) und lauteten: Giraffe, mondsüchtig, suchen, Wetterbericht, ordentlich, irisieren; und ich habe leichten Herzens auf »mondsüchtig« verzichtet.

Für die, die es genau wissen wollen, was ich total verstehen kann: Die Route, an der ich mich orientiere, ist die, die man bei hamburg.de (siehe Link unten) herunterladen kann. Ich habe inzwischen auf Radfahrer-Seiten im Netz gelesen, dass es mehrere Varianten geben soll, und angeblich ist die Route an einer Stelle hier im Süden gesperrt, wo es Vorbereitungen für den Bau der A 26 gibt, aber es gibt Helmkameravideos, die belegen, dass man da offenbar durchkommen kann, und es wäre eine autofreie Strecke – ich mag die Alternative nicht.

Ich würde gerne Karten zeigen, bin mir aber unsicher, gerade bei Karten, was davon NICHT dem Urheberrecht unterliegt. Also verweise ich euch bei Interesse auf die entsprechende Seiten bei hamburg.de (»Wandern auf dem Grünen Ring – Tourenvorschläge«), wo ihr euch schlauer machen könnt, und für Details auf die Beschreibung der (Fahrrad-)Strecke. Amüsiert habe ich mich, dass das Foto von den beiden Menschen, die da über diesen Holzsteg wandern, nicht vom Grünen Ring stammt – ich weiß das ganz genau, das ist bei mir am Teich, in der Nähe, aber nicht AUF dem Grünen Ring.

Diese Etüde ist die Konkretisierung von dieser hier.

Ich freu mich.


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Der Plan | abc.etüden

Du kannst herumvibrieren, so lange du willst«, sagte sie mit einem bösen Blick auf ihr Handy, »heute nicht! HEUTE NICHT! Der Tag gehört mir!«
Sie hatte erwogen, das Ding gar nicht erst mitzunehmen, aber man wusste ja nie, ob man es nicht doch brauchen konnte, Netz vorausgesetzt. Wofür konnte man Handys schließlich auf stumm schalten.

Sie schlüpfte in die Wanderschuhe, griff nach dem kleinen Rucksack, der außer der Kamera, Wasser, Essen, Regenjacke, Pflaster und Kartenmaterial nicht viel enthielt, und sah erneut auf die Uhr. Wenn sie den Bus erreichen wollte, musste sie los.
Der Fellträger schnurrte, und sie strich ihm sanft über den Kopf. »Bis heute Abend, Kleiner«, verabschiedete sie sich. »Pass gut auf alles auf.«

Ihre erste größere Tour zu Fuß. Sie hatte sich für den Rundkurs um die Stadt entschieden – ca. 100 Kilometer, aufgeteilt in 8 Etappen, angeblich leider lückenhaft beschildert, was bedeutete, dass sie sich bestimmt verlaufen würde. Das Gute: Sie würde sich immer, einigermaßen zumindest, in der Nähe von öffentlichen Verkehrsmitteln befinden. Und wenn ernsthaft irgendwas sein sollte, dann konnte sie sogar mitten in der Etappe abbrechen, sich nach Hause durchschlagen und irgendwann weiterlaufen. Hetzte sie wer? Höchstens das Wetter. Höchstens ihr Ehrgeiz.

So oder so, es würde Erzählstoff ohne Ende geben. Und Fotos. Sie lächelte der Sonne entgegen, als sie das Haus verließ.

 

abc.etüden 2022 14+15 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 14/15.2022: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Wortspende stammt dieses Mal von Katha mit ihrem Blog Katha kritzelt. Sie lautet: Erzählstoff, sanft, vibrieren.

Die Etüde umreißt genau das, was hier steht: einen Plan. Für irgendwann, wenn es wärmer ist, vielleicht im Sommer, wenn es bei uns ja diese sagenhaften Billigtickets für die Öffis geben soll, vielleicht schon früher, ich weiß es noch nicht.

Gemeint ist der (zweite) Hamburger „Grüne Ring“. Wer mehr Infos braucht, findet die offiziellen auf hamburg.de, und hier die Beschreibung von Florian Renz, der den Ring mit dem Fahrrad abgefahren ist. Vermutlich gibt es noch viel mehr, ich habe zum Beispiel die entsprechenden Apps (die ich nicht habe) noch nicht gecheckt.

 

Adventüden 2021 07-12 | 365tageasatzaday

07.12. – Fernweh | Adventüden

Wie wär’s, wenn wir an Silvester zur Abwechslung mal wegfahren?«, hatte meine beste Freundin mich im Sommer bei einem Glas Eistee gefragt und sofort mein Interesse geweckt. Doch von der anfänglichen Euphorie war nicht mehr viel übrig. Das Ziel bereitete mir kein Kopfzerbrechen, denn nach Hamburg hatte ich schon immer ein zweites Mal gewollt, doch vor der Tür stand bereits Halloween, und wir hatten noch immer keine Unterkunft – so langsam lief uns die Zeit davon. Schon seit Monaten war selbst die von mir anvisierte Jugendherberge an den St. Pauli Landungsbrücken ausgebucht.

»Und wenn wir auf die Übernachtung verzichten?«, druckste ich zwischen Kürbissuppe und Bratapfel herum. Mittags mit dem Zug hin- und anschließend gleich wieder zurückfahren, wenn wir Glück hatten. »Oder wir schlagen uns die Nacht auf der Reeperbahn um die Ohren und nehmen einen Zug, der uns zum Katerfrühstück wieder nach Hause bringt …« Je länger ich redete, desto mehr begeisterte ich mich für meinen Einfall, schließlich hatte ich schon alle möglichen Zugverbindungen überprüft. Dennoch blieb Sabine skeptisch.

»Und wenn wir Pech haben, stiefeln wir bei Schneeregen durch eine arschkalte Stadt und können zusehen, wie wir die Zeit totschlagen. Du glaubst doch nicht, dass du irgendwo reinkommst, so voll wie das da ist.« Ich wollte es nur ungern zugeben, aber damit hatte sie vermutlich recht. Geborgenheit sah anders aus: Die Aussicht, mir zwischen all dem Glitzer den Allerwertesten abzufrieren, erschien mir wenig verlockend.

Dennoch war die Sehnsucht da – vielleicht fanden wir ja irgendwo eine kleine Pension etwas weiter außerhalb, in der wir das alte Jahr ausklingen lassen konnten, falls alle Stricke rissen.


Autor*in: Ulrike                              Blog: Blaupause7

 

Adventüden 2021 07-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Aktentasche, Bratapfel, Doppelgänger, Eistee, Geborgenheit, Glitzer, Kartoffelsalat, Kekse, Kopfzerbrechen, Marzipan, Partitur, Schneeregen, Sehnsucht, Sturmwolkenblau, Weihnachtsschmuck

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2021, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

Urwald im Taschenformat und ein Leuchttürmchen ;-)

Nächster Teil aus der »Heute mal keine Steigungen«-Reihe. Das Naturschutzgebiet Heuckenlock, unser erster Anlaufpunkt, ist »einer der letzten Tideauenwälder Europas. Es liegt im Süden der Hamburger Elbinsel Wilhelmsburg nahe der Bunthäuser Spitze außerhalb der Hochwasserschutzanlagen und wird daher ungefähr hundertmal pro Jahr durch Spring- oder Sturmfluten überspült.« (Wikipedia) Daher lohnt es sich unbedingt, den aktuellen Wasserstand im Blick zu haben (Pegel: Bunthaus, Elbe, hier), denn bei (Sturm-) Flut ist der Weg unpassierbar und bei normalem Hochwasser eventuell matschig. Immerhin übersteigt der tägliche Tidenhub 3,50 Meter! Trotzdem würde ich zu der Begehung kurz vor oder nach Hochwasser raten, ansonsten ist der große Priel, der von der Brücke überspannt wird, optisch eine recht traurige Angelegenheit.

Im Netz finden sich zu diesem überaus beeindruckenden Stück Land viele Infos und tolle Bilder, neben der Gesellschaft für ökologische Planung zum Beispiel bei Gerhard Brodowski und bei draussenlust.de, auch Maren von Von Orten und Menschen war schon dort.
Wir parkten am Moorwerder Hauptdeich kurz hinter der gleichnamigen Bushaltestelle, erklommen den Deich und waren auch schon fast drin.

Neben all den Vorschusslorbeeren möchte ich ein paar Dinge klarstellen, um eventuell falsche Erwartungen zu berichtigen:

  • Es gibt nur einen offiziellen Pfad Weg (danke, Olpo) durch das Heuckenlock, alles andere ist (zu Recht; Vogelschutz) gesperrt.
  • Der Pfad Weg ist von einem Ende zum anderen geschätzt ca. 500 Meter lang, vielleicht bisschen mehr, aber gefühlt echt kurz. Man kann außenherum zurück, vor und auf dem Deich.
  • Der Pfad Weg ist fast überall schmal (eine Person).
  • Es ist nicht empfehlenswert, vom Pfad Weg abzuweichen, erstens, weil der Boden unzuverlässig (tief, nass) ist, zweitens, weil alles total verwachsen ist (siehe: Urwald), drittens DARF MAN ES NICHT aus Naturschutzgründen.
  • Man darf auch nicht an die Elbe.
  • Es gibt keine Bänke, Picknick im Naturschutzgebiet fällt flach.
  • Hunde sind an der berühmten kurzen Leine zu führen, und ehrlich: Fahrräder bleiben besser komplett draußen (auch nicht geschoben, fahren kann und darf man eh nicht).
  • Ich liebe die Flatterulmen, alleine dafür komme und käme ich jederzeit wieder, aber fotografisch gesehen bin ich andernorts glücklicher.

Das vorausgeschickt: Warum sollte man sich trotzdem dafür unbedingt Zeit nehmen? Weil es großartig ist. Urwaldig. Verwunschen. Ganz anders als normal aufgeräumter, deutscher Wald. 😉

 

Quelle: ichmeinerselbst; Anklicken macht groß!

 

Wenn man aus dem Heuckenlock wieder heraustritt und auf den Deich krabbelt und sich nach rechts wendet, hat man das nächste Ziel schon fast vor Augen: die Bunthäuser Spitze (Wikipedia). Das ist die südöstlichste Spitze (Elbkilometer 609) der Elbinsel Wilhelmsburg, vor der sich die Elbe für ca. 17 Kilometer in Norder- und Süderelbe aufteilt (Ende: Köhlbrand, Elbkilometer 626). Bevor man dort ankommt, trifft man aber noch auf das Elbe-Tideauenzentrum (Info), wo man auch nur am Wochenende im Garten sitzen und Kuchen essen kann (was wir taten), und muss den Wohnmobilstellplatz passieren. Dann läuft man auf einem gut befestigten Weg durch eine wunderbare Allee auf die Bunthäuser Spitze und ihre Attraktion, das Leuchtfeuer Bunthaus, zu. Besagtes Leuchtfeuer ist ein knapp sieben Meter hohes Leuchttürmchen aus Holz, das 1914 erbaut wurde und die Schifffahrt darauf aufmerksam machte, dass sich an dieser Stelle die Elbe in Norder- und Süderelbe teilt. Das Leuchtfeuer wurde 1977 außer Dienst gestellt. Die Treppe, die nach oben auf die umlaufende Galerie führt, ist steil, aber stabil, das Türmchen selbst ist mit Graffiti übersät, aber gut in Schuss. Zumindest am Wochenende ist es ein ziemlich beliebtes Ausflugsziel. Man kann unten darum herumgehen (und dort auch sitzen), aber auch hier gilt: Keine Chance, direkt an die Elbe zu kommen, dort ist alles nass.

 

Quelle: ichmeinerselbst; Anklicken macht groß!

 

Dies ist vielleicht jetzt nicht die Mega-Sehenswürdigkeit, aber es ist einer der Orte, von denen noch nicht jeder Hamburger gehört hat, geschweige denn, dass man sie kennt – und erst recht nicht jeder Tourist. Ich finde das Leuchttürmchen ausgesprochen entzückend und in Verbindung mit dem Heuckenlock einen großartigen Sonntagnachmittagsausflug.

Dort auf der Bunthäuser Spitze angelangt konsultierte ich meine Schrittzähler. Ich bin nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube, es waren knapp über 5.000 Schritte, die wir bisher spaziert waren – und wir hatten beide noch Bewegungsdrang, obwohl das vorgesehene »Programm« eigentlich erschöpft war. Also regte ich an, an der Norderelbe auf dem Deich Richtung Stadt zu laufen, und dabei noch ein bisschen den Gemüseanbau auf Moorwerder zu bewundern, bis wir ungefähr auf der Höhe des Autos waren, das hinter dem Deich an der Süderelbe parkte, und dann für einen guten Kilometer eine Straße quer über Land zu nehmen. Asphalt, ja, aber was solls.

 

Quelle: ichmeinerselbst; Anklicken macht groß!

 

Fazit: Meine beiden Schrittzähler einigten sich auf 13.026 Schritte, das sind im Mittel 8,6 Kilometer. Gebummelt bei strahlendem Sonnenschein und leichtem Wind, der die Sonne mehr als erträglich machte. Klarer Fall von Sonntagsspaziergang. Anschließend waren wir beide hungrig und fielen spontan bei unserem Lieblingsvietnamesen in Wilhelmsburg ein. Draußen sitzen, essen, trinken, »normal« fühlen. Ein Genuss. Jederzeit gerne wieder.

 

Spaziergangsgedanken | abc.etüden

Es war ein scheißgrauer, kühler Samstagnachmittag im Februar. Sie hatte ihren Lieblingspark erreicht und traf die üblichen Verdächtigen an: Kinderwagenschieber*innen, Gassigeher, Jogger, Jugendliche allein, zu zweit, in Grüppchen, Paare. Belebt war es, hier waren immer Leute, aber weit weg von voll oder gar überfüllt. Dann sah sie das Schild.

MASKENPFLICHT

Ach ja, da war doch was. Hier also auch. Es wunderte sie nicht weiter, sie wusste, wie voll es hier werden konnte, gerade bei Sonne und Strickjackenwetter wie letztes Wochenende. Sie hatte eine Maske dabei. Aufsetzen? Sie zögerte, atmete aus und ging einfach los.

Alle schienen alle heimlich zu beäugen.

Wer sich den Vorschriften gemäß verhält, hat das Recht auf seiner Seite und muss scheinbar nicht mehr achtsam sein: Die Maskenträger hielten weniger Abstand.
Sie war gewohnt, Entgegenkommenden möglichst weit auszuweichen, die Wege gaben es problemlos her. Wobei sie die Sicherheit, die die schlabbrig getragenen OP-Masken versprachen, eh für trügerisch hielt. Insgesamt schätzte sie die Anzahl der Maskenträger auf etwa ein Drittel, am nächsten Tag würden es vermutlich mehr sein.

Mehrmals sah sie sich um, ob irgendwo etwas von den angekündigten Kontrollen zu entdecken war, aber nein, nichts. Vor einer Woche (oder waren es zwei gewesen?) waren zwei Berittene die Wege entlang patrouilliert, wunderschön hatte das ausgesehen.  

Sie ging nachdenklich durch die Schrebergärten nach Hause. Normalerweise mied sie an den Wochenenden den Park, speziell bei gutem Wetter, denn dann war er ihr selbst ohne Abstandhaltenmüssen zu voll. Aber heute hatte sie sich über ein Gebot hinweggesetzt, das sie prinzipiell für nicht mal unvernünftig hielt, weil es ihr in der konkreten Situation völlig unsinnig erschienen war. Sie fühlte sich unwohl und grinste ertappt.
Schließlich stoppte sie ja auch nachts an roten Ampeln.
Ach, es war nicht einfach, in dem ganzen Bohei ein denkendes Schaf zu bleiben.

 

abc.etüden 2021 08+09 | 365tageasatzaday
Quelle: Photo by Maksym Kaharlytskyi on Unsplash; Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 08/09.2021: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Sabine und ihrem Blog wortgeflumselkritzelkram. Sie lauten: Strickjacke, trügerisch, entdecken.

Seit gestern, 27.02.2021, gilt in Hamburg eine erweiterte Maskenpflicht „auf bestimmten besonders belebten Straßen und in Parks“, und zwar meist von 10 bis 18 Uhr. Es gibt eine Liste, wen sie interessiert, der findet sie auf dieser Seite des NDR. Es ist, mit einem Wort, sehr viel von dem maskenpflichtig, wohin der Hamburger am Wochenende ins Grüne oder ans Wasser möchte (aber nicht der Hamburger Norden und wenig vom Hamburger Süden).
Bei Verstößen kann ein Bußgeld in Höhe von (bis zu?) EUR 150,- erhoben werden.

 

Von Schnee und Reh ;-)

Erster Schnee

Aus silbergrauen Gründen tritt
ein schlankes Reh
im winterlichen Wald
und prüft vorsichtig, Schritt für Schritt,
den reinen, kühlen, frischgefallnen Schnee.

Und Deiner denk’ ich, zierlichste Gestalt.

(Christian Morgenstern, Erster Schnee, aus: Und aber ründet sich ein Kranz, 1902, Online-Quelle)

Winter

Geduldig ist der Wald,
Behutsamer der Schnee,
Am einsamsten das Reh.
Ich rufe. Was erschallt?
Der Widerhall macht Schritte.
Er kehrt zurück zu seinem Weh:
Das kommt heran wie leise Tritte.
Er findet mich in meiner Mitte.
Warum hab ich den Wald gestört?
Vom Schnee ward nichts gehört.
Hat sich das Reh gescheut?
Wie mich das Rufen reut.

(Theodor Däubler, Winter, in: Menschheitsdämmerung, 1920, S. 119, Online-Quelle)

STILLE WINTERSTRASSE

Es heben sich vernebelt braun
Die Berge aus dem klaren Weiß,
Und aus dem Weiß ragt braun ein Zaun,
Steht eine Stange wie ein Steiß.

Ein Rabe fliegt, so schwarz und scharf,
Wie ihn kein Maler malen darf,
Wenn er’s nicht etwa kann.
Ich stapse einsam durch den Schnee.
Vielleicht steht links im Busch ein Reh
Und denkt: Dort geht ein Mann.

(Joachim Ringelnatz, Stille Winterstraße, aus: Flugzeuggedanken, Berlin 1929, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Kommt gut und heiter durch die neue Woche!

Und weil ich nicht weiß, wie lange die weiße Pracht hierzulande anhält – die einen sagen so, die anderen so – ein paar Fotos von Samstag, entstanden auf dem Weg um meinen Lieblingsteich … 😉

Schneepersonen

Quelle: ichmeinerselbst | Klick macht groß!

 

Schneestimmungen

Quelle: ichmeinerselbst | Klick macht groß!