Etüdensommerpausenintermezzo

Ich steh ja nun auf Etüden („Fingerübungen“), speziell die abc.etüden, was keinen überraschen dürfte, wohnen sie doch schließlich bei mir. Wenn man aber zu lange seine Gedanken immer nur in 10 Sätzen ausdrückt, dann bekommt man einen Etüdenkoller. Oder so. Also ich jedenfalls.

Was liegt also näher, als 1. die Etüden in die Sommerfrische zu schicken und 2. euch, liebe Mitschreiber/innen und Mitleser/innen zu einem Schreibintermezzo einzuladen?

In der letzten Schreibeinladung hatte ich euch aufgerufen, mir „Sommerwörter“ zu schenken. Ich habe gemeinerweise nicht dazugeschrieben, dass ich nur 8 brauchte (+ einem von dem Herrn Illustrator + einem von mir) und daher auf jeden Fall auswählen würde. Seid also bitte nicht enttäuscht, wenn es euer Wort nicht unter die Top 8 geschafft hat, ich habe versucht, einen Bogen zu spannen. Gerda, ich hätte deine „Zikadenmusik“ echt gern genommen, aber du warst zu spät dran 😦

Was sollt ihr tun? Ihr schnappt euch die folgenden 10 Wörter und bringt sie alle! in einem Text unter. Egal, wie lang oder wie kurz der ist, wie düster oder wie heiter, in welcher Welt er spielt, einzige Zusatzbedingung: In dem Text spielt Regen eine Rolle. Mir ist völlig egal, ob es wirklich regnet oder ob der Regen nur herbeigesehnt (oder gefürchtet, klar) wird. Regen. Ich will Regen!

Die Wörter in alphabetischer Reihenfolge:

Badelatschen
Hitzefrei
Höhenfeuer
Liegestuhl
Qualle
Qualm
Schwimmflügel
Sommersprossen
Ventilator
Wassermaler

 

Zeit: Ihr habt zwei Wochen, nicht nur eine wie sonst. Der Herr lz. hat wieder ein paar Illustrationen gezaubert, damit ihr auswählen könnt und/oder mehr als ein Bild habt, falls ihr mehrere Texte schreibt, kann man ja nie wissen.
Und bitte wie immer hierhin verlinken, ich bin doch schon soooooooo gespannt!!!

Das mit dem Regen hat übrigens auch noch einen anderen Grund, aber dazu erzähl ich euch spätestens Mitte der Woche was …

Wenn ihr wissen wollt, wann es wieder „richtig“ weitergeht: Die nächste Etüden-Runde startet mit der Ausgabe der neuen Wörter für die abc.Etüden Anfang September, und zwar am Sonntag, den 3. September für die Textwoche 36.17.

Los? Los!

 

intermezzo 1 | 365tageasatzaday

 

intermezzo 2 | 365tageasatzaday

 

intermezzo 3 | 365tageasatzaday

 

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111 Kommentare zu “Etüdensommerpausenintermezzo

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    • Ich finde es interessant. Ich schreibe ja normalerweise immer zwei Etüden, und meistens eben keine Fortsetzung. Es ist nicht unspannend, ob und wie leicht man die alte Geschichte komplett auf die Seite geschoben bekommt, finde ich.
      Liebe Grüße
      Christiane

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  15. Liebe Christiane,
    Bin kürzlich auf diese schöne regennasse Seite gestoßen und habe mich sofort begeistern lassen. Ich habe allerdings keinen eigenen Blog, zumindest noch nicht (dafür habe ich mich nämlich auch begeistern lassen).
    Darf ich mein Sommerpausenintermezzo – bei mir ja nun eher der Prolog als das Intermezzo – hier als Kommentar posten?
    Sonst hat das Schreiben auch unveröffentlich Spaß gemacht.
    Natalie

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Natalie,
      na klar darfst du, wenn du es geschafft hast, die „Spielregeln“ einzuhalten, aber gern! Aber ansonsten kannst du, falls du dir gerade selbst einen Blog zusammenbastelst, dein Intermezzo auch als ersten Beitrag nehmen und hierher zu mir verlinken.
      Und wenn dein Herz an Schreibprojekten hängt: Anfang September gehen die Etüden weiter!
      Liebe Grüße
      Christiane

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  16. Danke, ich freue mich auf die Etüden.
    Das mit dem Blog wird noch dauern, weil hier alles dauert und ein Sommerpausenintermezzo als Einstiegz.B. im November?
    Daher:
    Sommerhausurlaub
    Um in diesem Urlaub überhaupt ein wenig Ruhe zu bekommen, steige ich jeden Morgen um fünf möglichst lautlos über den anklagenden Haufen nutzlos mitgeschleppter Badelatschen, Schwimmflügel und Plastikorcas . Mit Fleecejacke und Decke kuschele ich mich in einen Liegestuhl und lausche dem prasselnden Regen, während die Nacktschneckenscharen unter mir flanieren.
    Ich liebe verregnete Sommer, Sprühregen im offenen Haar, anarchisch wucherndes Grün statt gelblich darbender Rasenflächen und wer nie während eines Schauers in einem See geschwommen ist, hat nicht richtig gelebt. Ich liebe sogar die Explosion der Nacktschneckenpopulation, dieser außerirdisch anmutenden Daseinsform, die spießig zugerichtete Gärten dem Wildwuchs zurückgibt. Regensommer sind ein Fanal gegen billiges Fernsehreklameglück, ein regelverletzendes Festival.
    Man sollte meinen mit dieser Einstellung würde ich den diesjährigen Sommerhausurlaub mit meinen beiden Freundinnen und unseren insgesamt sechs Kindern moralisch retten, aber das Gegenteil scheint zuzutreffen.
    Das Haus war teuer, viel zu teuer für drei Alleinerziehende. Hauptsaison halt. Eigentlich hatten Elisabeth und ich Jessica in erster Linie deswegen gefragt, ob sie nicht Lust hätte mit uns zu fahren. Ein richtig gutes Gefühl hatten wir beide nicht, ich noch nicht mal bei dem Gedanken Elisabeths zarte Tochter Josephine mit meinen drei kleinen Monstern zwei Wochen zusammenzusperren. Aber wer denkt bei einem Sommerhaus schon an einen Mutter- und Kindpferch? Endlose Dünen, Meer und Strand lagen vor uns, wir planten allenfalls die Mittagsstunden von der Hitze gebändigt im Haus verbringen, während der an alte Filme gemahnende, riesige Ventilator sich über uns drehen würde. Die letzten Wochen vor Ferienbeginn waren heiß und trocken gewesen. Dauernd hatte ein Kind zur Unzeit vor der Haustür gestanden und „hitzefrei“ geträllert. Ich bin keine Wetterrassistin. Ich freute mich an heißem Sand unter nackten Füßen genau wie am barfüßigen Pfützenplanschen.
    Wenn Mio, mein Jüngster, zu quaken beginnt, werde ich ihn mit auf die Terrasse nehmen,um den anderen ein noch ein wenig Schlaf zu gönnen.Gegen sieben werde ich den Kaminofen anheizen. Leider ist auch das Feuerholz feucht, sodass es wieder reichlich Qualm, Gestank und Klagen geben wird. Jessicas Jungs werden entgegen der Absprachen schon beim Frühstück auf ihren I-Pads herumwischen, was meine Kinder, die keine haben, maximal unfair finden werden. Mein Ältester wird Josephine ärgern, die ihm jedes Mal den Gefallen tut, in Tränen auszubrechen. Noch unangenehmer wird mir das Kreischen des Kleinen sein. Den Frauen geht es höllisch auf die Nerven, schlimmer ist, dass Josephine wirklich leidet. Bei den gemeinsamen Mahlzeiten sitzt sie elend da und mag kaum noch essen Egal, was die anderen von mir verlangen, ich kann gegen Mios Kreischen nichts tun. Genauso wenig kann ich ihm abgewöhnen jeden an den Haaren zu ziehen und ausgerechnet Josephines roten Locken scheinen die attraktivsten zu sein. Ich bin genauso zermürbt wie sie, weshalb ich Elisabeths Vorwurf, ich würde Mio alle durchgehen lassen und Josephine sei mir egal, unerträglich ist
    Bevor wir Kinder hatten, sind Elisabeth und ich jedes Jahr gemeinsam verreist. Ich kann mich an keinen ernsthaften Streit erinnern, weder bei Sonne noch bei Regen. Einmal trampten wir Regenschauern trotzend den halben Tag, nur um in der Nähe von Zürich eines der berühmten Höhenfeuer zur Bundesfeier zu sehen. Entgegen aller Vorhersagen klarte es zum Abend hin nicht auf, sondern ein Unwetter mit Starkregen, Orkanböen und Erdrutschen setzte ein, sodass das dieses Feuer zum ersten Mal seit Menschengedenken abgesagt werden musste. Verfroren in klammen Kleidern landeten wir in einer abgewirtschafteten Pizzeria und verfassten ein geniales Gedicht über unser Pech. Aufgetrocknet und nicht mehr ganz so besoffen stellten wir fest, dass es eher nicht genial war, aber es hatte den Humor und die Leichtigkeit, die wir im diesjährigen Urlaub vergessen haben einzupacken.
    Die Elisabeth überhaupt in den letzten Jahren abgewöhnt worden ist, Josephine ist ihre Nichte. Sie hat sie im Alter von drei Jahren zu sich genommen, nachdem Elisabeths Bruder und seine Frau bei einem grauenhaften Unfall ums Leben gekommen waren. Die Kleine sieht aus wie eine Elfe, grünäugig, rothaarig, milchfarbener Teint, fast ganz ohne die erwartbaren Sommersprossen und das kreativste Kind, das mir je untergekommen ist. Sie singt, tanzt, spielt Querflöte und vor allem malt sie, mit Filzstiften, Wachskreide, Wasserfarbe – immer bezaubernd. Auf einem Kleinkindgeburtstag plante ich mit den Kindern mit Wasser auf der sonnenbeschienen Terrasse zu malen, hatte ich als ultimativen Tipp in einer Elternzeitschrift gelesen. Meine Kinder planschten wie die Irren und dachten nicht daran sich als Wassermaler zu betätigen. Allein Josephine tupfte hingebungsvoll eine Libelle auf die Platten. „Schnell ein Foto, ehe die Sonne alles ausradiert“, gerade hatte ich die Kamera scharf gestellt hatte, da kippte meine Tochter den Wassereimer um. Und Josephine nimmt sich immer alles so zu Herzen, nach Monaten noch erwähnte sie die tragisch ersäufte Libelle. Alles Unkontrollierte ist ihr zu viel, dies‘ ist die erste Reise, die Elisabeth mit ihr wagt.
    Ich bekam in meiner schludrigen Art drei Kinder von drei Männern, beim letzten Kind hatte die Biologie leider mitgeschludert und ein kleines Anhängsel an einem Chromosomen vergessen. Erstaunlich was so ein Anhängselchen ausmachen kann. Mio ist als einziger Reiseteilnehmer völlig unempfänglich für die wuchernde schlechte Laune. Nach dem Frühstück werde ich ihn im Rekordtempo in seinen Regenanzug stopfen und die „unfair, die dürfen I-Pad, und wir …“ , lamentierenden Geschwister aus dem Haus scheuchen, auf dass die anderen sich von uns erholen können. Das Gejammer wird erfahrungsgemäß schnell nachlassen, meine Kinder finden Zauberdrachen im modrig riechenden, flechtenüberzogenen Wald und Piratenschätze zwischen den schwellenden Prielen am Strand, ihr ewiger Lärm verhallt in der unendlichen Weite . Als Mio gestern zufrieden eine Qualle zerkaute, gab es niemanden weit und breit, der sich darüber hätte aufregen können..
    Aber irgendwann werden wir nass und verfroren sein, Mio in der Rückentrage wird von Minute zu Minute schwerer werden und die Sehnsucht nach I-Pad, Kartenspielen und Büchern vorm Feuer übermächtig. Und ich will nicht auch noch die sein, die sich immer vor dem Kochen drückt
    Der Abend wird auch so schon hart genug. Jessica eingeschnappt vor dem Fernseher. Elisabeth und ich mit Wein im Schlafzimmer. Josephine ist am Ende ihrer Kräfte, das Kreischen, das Wetter, die Vorstellung der aufgefutterten Qualle, die meine Tochter natürlich genüsslich hinterbringen musste, meine Schnapsidee Jessica mit ihrer ordinären Wortwahl und der I-Pad süchtigen Brut mitzunehmen … und ich, ich würde die ganze Zeit so tun als sei das alles nicht so schlimm und mein Kleiner sei eben so . Kein bisschen Einfühlungsvermögen.
    Mio ist wach, kaum habe ich ihn in zu mir in den Liegestuhl bugsiert und drehe geduldig Fingerchen aus meinen Haaren, steht plötzlich Elisabeth auf der Terrasse, angewidert schiebt sie die Nacktschnecken mit ihrem Schuh zur Seite.
    „Er schreit doch gar nicht mehr“, ich merke selbst wie vorbeugend patzig das klingt. Aber ich ertrage jetzt noch kein Krisengespräch.
    „Sag ich ja gar nicht. Aber du … ich habe Josephine gestern von unserer Schweizreise erzählt … du weißt schon, das verhagelte Höhenfeuer … hast du das Gedicht noch irgendwo?“
    „Ich kann es auswendig.“
    „Echt jetzt?“
    Sie schiebt einen zweiten Liegestuhl neben meinen und sieht mich erwartungsvoll an, gedankenverloren streichelt sie Mios Hand in meiner Hand.

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  21. Danke.
    Eine Fortsetzung hatte ich eigentlich nicht geplant.
    Aber ich kann ja mal versuchen noch mal die zehn Wörter in einem zweiten Teil unterzubringen, aber ob ich das bis Sonntag schaffe,ist eher ungewiss.
    Es gibt nämlich bloß ein biographisches Detail in der Geschichte (oder mit der Leidenschaft bei Regen zu schwimmen zwei) das schlaflose , kreischende Kleinkind.

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    • Wenn du Lust und Zeit hast, bist du herzlich eingeladen/aufgefordert. Ansonsten würde ich sagen, falls du es nicht weißt, du hast da echt ein Talent, du solltest was damit machen, egal ob jetzt oder später irgendwann. (Und falls du jetzt am Boden liegst vor Lachen, sorry, wusste ich nicht, kenn dich ja nicht.)
      Sonntag kommt ein neuer Etüdensommerpausenintermezzoaufruf, der wird aber anders.
      Liebe Grüße
      Christiane

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  26. Und hier noch kurz vor Schluss – oder ist schon Schluss? – die Fortsetzung.
    Nein Christiane, ich habe bei deinem Kommentar nicht vor Lachen auf dem Boden gelegen,ich war erfreut und gerührt.
    Sommerhausurlaub, Fortsetzung
    Ich deklamiere so laut ich es mich um diese Uhrzeit traue und wir kichern hemmungslos wie damals nach dem verpatzten Ausflug zum Höhenfeuer.
    „Danke, das habe ich gebraucht“, japst Elisabeth. Mio lacht ohne zu verstehen schallend mit und das ist natürlich zu laut.
    „Was hast du gebraucht?“. Wie ein verspätetes Nachtgespenst steht meine Tochter Jona in Nachthemd und Badelatschen hinter meinem Liegestuhl, auch Josephine kommt um die Ecke, misstrauisch beäugt sie den kichernden Mio.
    „Quatsch“, sagt Elisabeth. „Wir haben gerade ein bisschen Quatsch gebraucht.“
    „Oh ja“, schlägt Jona vor. „Wir machen heute einen Quatschtag“.
    „Quatschtag ist genau das, was ich brauche“, stimme ich zu. „Quatschtag und streitfrei“.
    Josephine sieht mich durchdringend an. „Heißt streitfrei ein Tag ohne Streit? Oder heißt es, dass wir alle frei haben, weil ihr euch zufiel streitet, also so wie hitzefrei bei zufiel Hitze?“
    Ich glaube, ich starre sie mit offenem Mund an. Ich halte weder meinen großen Sohn noch meine Tochter für blöd, aber so etwas gewitztes hat noch keiner von ihnen mal eben so gesagt.
    Pfrapp, pfrapp, prrapp… wir schauen verdutzt hinein ins Wohnzimmer … ach ja, der riesige Ventilator, der uns im Katalog so fasziniert hatte. Am Einzugstag hatten wir ihn probelaufen lassen. Er war nicht nur angesichts des Urlaubswetters nutzlos, er war außerdem irre laut und wirbelte gewaltige Staubwolken durch den Raum.
    „Ey … es ist sechs Uhr, kriegt man denn hier nie seine Ruhe?“ ,wie eine gereizte Muräne kommt Jessica aus ihrem Zimmer geschossen und schaltet den Ventilator ab.
    „Heute ist Quatschtag“, versucht Jona sich zu verteidigen.
    „So ein Quatsch!“, türknallend verschwindet sie.
    Beim Frühstück beschließt Jona, dass ein Quatschtag mit ausgiebigem Schlammhüpfen im Morast begangen werden muss. Wir haben im Wald einen hervorragenden Platz dafür entdeckt.
    „Willst du mit?“ frage ich Josephine. „Kommt Mio auch mit?“ , murmelt sie blass unter ihren sparsamen Sommersprossen.
    Ehe ich wieder patzig werden kann, sagt Elisabeth: „Soll ich mich euch gehen? Dann kann Mio mal seine Mama für sich allein haben.“
    Äh … ja … warum nicht. Sogar die eine Hälfte der I-Pad-Fraktion schließt sich der in kunterbuntes Plastik gewandeten Expedition an.
    Ich genieße streitfrei nach Josephines Definition im leichten Nieselregen auf der Terrasse. Bald gesellt sich Tyler, Jessicas dagebliebener Sohn, zu Mio und mir.
    „Isst der auch Nachtschnecken?“, fragt er und starrt gebannt auf Mio. Die Geschichte mit der Qualle hat Eindruck hinterlassen.
    „Keine Ahnung, eine mit Gehäuse hatte er schon mal im Mund. Vielleicht hast du Glück.“
    Mio scheint heute keinen Appetit auf Nacktschnecken zu haben, er zerkaut unspektakulär einen Schwimmflügel.
    „Stört es dich, wenn ich eben eine schmöke?“, fragt Jessica.
    „Nein, mach‘ nur“, sage ich, obwohl der Qualm mich erheblich stört, aber wir wollten heute ja streitfrei haben.
    Mio krabbelt unter ein Gebüsch. Tyler folgt ihm und ruft plötzlich ganz aufgeregt: „Mama, komm schnell, der Vogel da ist krank.“
    Tatsächlich, dort liegt eine junge Dohle, der Flügel hängt in einem beängstigenden Winkel herab. Abgemagert ist sie und wehrt sich kaum.
    Während ich hilflos herumstehe – und in Gedanken schon Josephines schreckgeweitete Augen sehe – birgt Jessica das elende Tier im Nu, bettet es in einen Kinderkoffer, erwärmt Handtücher im Backofen, wühlt in meiner Reiseapotheke nach Desinfektionsmitteln und schickt mich mit den Kindern Katzenfutter kaufen, das sie dem entkräfteten Vogel behutsam in den Schnabel portioniert.
    „Und frag‘ doch bitte bei der Touristenformation,ob es hier irgendwo einen Tierarzt gibt“.
    Wenn dieses Vieh eine Überlebenschance, heißt sie Jessica.
    Als Elisabeth und die Kinder nass, ausgetobt, mit Kuchen und einer Großpackung Wassermaler im Gepäck zurück kommen, hat unsere neue Mitbewohnerin schon einen etwas wacheren Blick.
    Den ganzen Abend beugen sich besorgte Menschen über sie, wird sie von allen Seiten fotografiert und mit liebevollen Worten umhüllt. Tyler sonnt sich in seiner Retterrolle und niemand spricht über das Wetter. Damit Mios Kreischen gefiederte und andere Wesen nicht überstrapaziert, ziehe ich mich ein wenig mit ihm zurück. Bald pocht Elisabeth an die Tür.
    „Unser Höhenfeuergedicht hat den Tag gerettet.“
    „In gewisser Hinsicht war es doch genial.“
    „Wir sollten über den heutigen Tag ein Gedicht schreiben, damit wir den morgigen überleben.“
    Tag für Tag ein Gedicht, um den Urlaub zu überleben. Was für ein Konzept!
    Mio ist eingenickt, träge liegen wir nebeneinander auf dem Bett und lauschen dem Sound des Regens auf dem Blechdach. Das Gedicht wird uns schon noch finden.
    (Natalie Berghahn)

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    • Hallo Natalie,
      das ist wunderbar und wunderschön. Ich danke dir, ich finde es toll. Schreibst du viel?
      Du kannst gar nicht „zu spät“ sein, ich lasse die Kommentare offen. Es ist einfach nur so, dass weniger Leute nachlesen, wenn der Zeitrahmen, der ursprünglich mal gesetzt worden ist, überschritten ist. Ich trage deinen zweiten Teil gleich noch in der Liste nach
      Anmerken muss ich unbedingt, dass man Vögel NICHT mit Katzenfutter füttern sollte (hier nachlesen).
      Liebe Grüße, dir einen schönen Sonntag.

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  27. Liebe Christiane,
    Oh, das fällt wohl unter schlecht — in diesem Fall gar nicht — recherchiert.
    Von der Glucke vernachlässigte Hühnerküken habe ich mit Katzenfutter immer gut aufgepäppelt bekommen, aber das sind ja auch keine Wildvögel. Hast du schon mal Jungvögel aufgezogen?
    Ob ich viel schreibe? Auf jeden Fall deutlich weniger als ich gern würde.Letztes Jahr habe ich einen Roman in einem kleinen (Zuschuss-) verlag veröffentlicht,was ich derzeit eher als misslungenes Experiment werte. (Wenn ich an der Geschichte auch noch sehr hänge).
    Deine Schreibeinladungen sind sehr inspirierend und genau das, wonachich mich h in diesem Sommer gesehnt habe. Danke dafür.
    Natalie

    Gefällt 1 Person

    • Ich habe von Hühner-/Vogelküken keine Ahnung, liebe Natalie, aber als Mitglied im NABU weiß ich (hoffentlich), wenn ich was nachschlagen muss. Ich hatte in meiner Antwort an dich als meine Quelle einen Link zur Wildvogelhilfe untergebracht, ich gehe davon aus, dass die wissen, was sie tun.
      Warum war das denn ein misslungenes Experiment mit deinem Roman, wenn ich fragen darf?
      Freut mich sehr, wenn dir die Etüden bzw. die „Pausenspiele“ gefallen. Davon leben die Etüden. dass immer wieder neue Schreiber/-innen dazustoßen.
      Liebe Grüße
      Christiane

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  28. Ganz kurz zu dem Buch.
    Ein guter Freund hatte die Geschichte einem mit ihm befreundeten Lektor zu lesen gegeben,der sie seinem Verlag empfahl.
    Es handelte sich um einen Verlag, eher eine Druckerei, bei dem Autoren normalerweise die Herstellung ihrer Bücher vorfinanzieren,was ich weder konnte noch wollte. Die Verlegerin kam mir dann sehr,sehr entgegen,mein finanzielles Risiko wurde deutlich geringer und ich ließ mich auf den Versuch ein.
    Das Buch wurde wunderschön gestaltet, aber leider kaum lektoriert. Heute denke ich, dass ich zu dem Zeitpunkt hätte aussteigen sollen. Kurz danach stieg stattdessen die Verlegerin, die das Buch so mochte, aus dem Verlag aus.Obwohl er ein finanzielles Interesse daran haben müsste, kann oder will ihr Nachffolger das Buch kaum bewerben.
    Ich verkaufe privat,,oft auch benefizmäßig, mehr als der Verlag.Ich glaube, wenn ich die ganze Sache nicht von Anfang an etwas skeptisch als Experiment betrachtet hätte, wäre ich daran verzweifelt.

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    • Kannst du ein Lektorat beauftragen, das mit dir das Buch noch mal durchgeht, zumindestens für ein Korrektorat? Du kannst das Buch auch als Self-Publisher herausbringen, Amazon oder BOD oder so. Oder scheitert das am Geld bzw. an deinem Vertrag mit dem Verlag? Zumindest das Korrekturlesen (was ich unbedingt machen lassen würde) kostet Geld … (wie viel kommt auch auf die Länge des Manuskripts an).
      Weißt du, du kannst schreiben, ganz offensichtlich, das kann nicht jeder. Der Rest ist Handwerk.

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      • Danke für deine Gedanken.
        Anständig korrekturgelesen ist das Buch zum Glück , auch schön gesetzt. Ich hätte mir mehr Auseinandersetzung mit dem Text gewünscht.
        Als Hamburgerin hättest du bei Interesse die Möglichkeit dir in der Büccherhalle unverbindlich selbst ein Bild zu machen. („Zwischenzeit“, Natalie Berghahn)
        Natalie

        Gefällt 1 Person

  29. Bin also in schlafloser Nacht – so vieles treibt mich um – hier gelandet. Bin begeistert. So eine wunderbare Schilderung und zutiefst menschlich. Entwaffnend ehrlich und komisch auch. Wie das Leben selber eben. Bin gerade selber in einer wackeligen Stimmung, so zwischen wie komisch und wie tragisch. Da kam mir der Bericht gerade recht. Brillant. Möchte immer weiter lesen. Marie

    Gefällt 3 Personen

Ja, eben. Und du so?

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