Die Frau regt sich auf | abc.etüden

Sie öffnete die Tür und drehte sich noch einmal zu ihm um.

»Und du wagst es, mir zu sagen, ich müsse mal meine Ansprüche abspecken? Ich? Wer wollte denn unbedingt in diesen Yachtclub eintreten, und das, wo keiner von uns jemals wirklich gesegelt ist? Ich hör dich noch: ›Ja, Schatz, lass uns mehr repräsentieren, wir können uns das jetzt leisten, wir haben so hart dafür gearbeitet!‹
Weißt du, was die Wahrheit ist? Die lachen über uns, weil wir nicht dazugehören und niemals dazugehören werden, egal, wie vielen Bossen du in deiner Firma in den Arsch kriechst, um auf der Karriereleiter noch höher zu klettern! Für die sind wir Fake! Wir passen nicht zu diesen feinen Pinkels, die ohne Tutorial auf Instagram oder YouTube in einer Küche kein Ei gebraten bekommen. Ja, ich war shoppen, als du mir gesagt hast, ich solle mir was gönnen, ja, und? Aber ich glaube, deine Poolparty mit den, äh, Damen, die du letztens geschmissen hast, hat viel eher dafür gesorgt, dass unser Haushaltskonto jetzt so, äh, besenrein aussieht. Also denk mal darüber nach, wer von uns beiden einen verzerrten Blick auf die Realität hat!«

Sie knallte die Tür so heftig zu, dass die Kristallgläser in der Anrichte leise schepperten. Dann ging sie.

 

abc.etüden 2022 23+24 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 23/24.2022: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Wortspende stammt dieses Mal von Anja mit ihrem Blog Annuschkas Northern Star. Sie lautet: Yachtclub, besenrein, abspecken.

Ja, ich weiß, dass echte Kristallgläser klingen und nicht scheppern. 😉


Ebenso möchte ich mich hiermit aber an der „Schreibübung“ in Myriades Impulswerkstatt beteiligen, die mir schon seit Anfang Mai im Kopf herumspukt, Stichwort „Erzeugung einer Atmosphäre“, Modus: Drama.
Vielen Dank, es hat sehr viel Spaß gemacht und stand ganz plötzlich vor mir.

 

60 Kommentare zu “Die Frau regt sich auf | abc.etüden

  1. Fragt sich, warum er (oder sie beide?) unbedingt „dazu gehören“ wollen. Und warum es ihr so wichtig ist, was „die feinen Pinkels“ über sie denken. 🤔 Denn wirklich peinlich sind ja eigentlich die „feinen Pinkels“, – die nicht einmal ein Spiegelei gebraten bekommen … . 😉 🥣☕☕

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    • Ja, klar sind die das, peinlich.
      Midlifecrisis? Er ist ambitioniert und will was darstellen, und sie will nicht, dass er zu einer lächerlichen Figur wird, weil er etwas vortäuscht, was er eigentlich nicht ist.
      Der Klassiker wäre jetzt eine junge Geliebte, aber so weit wollte ich hier nicht gehen … 😎
      Mittagskaffeegrüße 🌤️🌳⛵☕🍪🌼👍

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  2. UI, ui, da tobt der paarinterne Klassenkampf aber heftig 🙂 Allerdings dürfte es da um eine ganze Reihe von Themen gehen nicht nur um den Yachtklub. Einem Yachtklub beizutreten wenn man überhaupt nicht segelt oder sonstwie mit Booten zu tun hat, ist aber auch wirklich dämlich und entspricht haargenau dem Klischee des „Neureichen“.
    Freut mich sehr , dass du wieder einmal bei der Impulswerkstatt mitschreibst. Diese Rahmen stellen sich immer mehr als wirklich gute Idee heraus. Herzliche Regengrüße

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  3. 🤣 Weißt du was? Innerlich hörte ich ein langgezogenes „Rooooobert…!“ (Obwohl bei diesem bekannten neureichen Powerpaar hatte ich den Eindruck, war er mehr auf dem Boden geblieben als sie).
    Irgendwie tun mir deine beiden aber leid. Stellvertretend für die Spezies derer, die meinen, sich so verhalten zu müssen.
    Sehr schön effizient übrigens, die Etüden mit der Impulswerkstatt zu verbinden.
    Viele Grüße
    Anja

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    • Ich kann ehrlich gestehen, dass ich maximal eine halbe Folge davon gesehen habe. Aber immerhin, ich weiß, wen du meinst. 😎
      Du, mir tun die auch leid. Ich weiß bloß nicht, was passieren müsste, um ihn von dem Trip wieder runterzukriegen, denn wenn er in Wirklichkeit sein Leben langweilig findet, wird es ohne Katastrophe schwierig. 🤔
      Die Impulswerkstatt und die Etüden können einander total gut ergänzen, das sehe ich ganz genauso. 👍
      Nachmittagskaffeegrüße ⛅🌳⛵☕🍪🌼👍

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    • Nun, ich denke, er könnte seine Frau und ihre Art eigentlich kennen 😉 Aber wer weiß …
      Äh, besenrein, genauso wie die äh, Damen, bitte. Nein, sie ist wirklich not amused. 😎
      Freut mich, dass es dir gefällt 👍
      Abendgrüße 🌤️🌳🍵🥗🌼🧡

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    • Vor allem ist es anstrengend. Wo er sich dem willig unterwirft, hat sie eigentlich keine Lust dazu, und ja, das gibt handfesten Stress. 🤔😉
      Du liest die Etüde so, wie ich sie gemeint habe, danke dafür.
      Schönen Abend und gute Nacht! 🥱😴🌅✨🍷🍪👍

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  4. Dramatische Entwicklung vom feinsten, liebe Christiane.
    Da hatte sie diesen Typ an der Backe, diesen Möchtegerngroßkotz und endlich macht sie einen Schnitt und verläßt ihn ohne Bedauern.
    Das hätte sie schon so lange tun sollen. Nun endlich war es ihr geglückt. Ihr Abgang ließ die Gläser im Schrank vor Schreck beben 🙂

    Ganz herzlich, Bruni, mit lieben Grüßen in die Nacht

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  5. Die arme Frau.
    Vielleicht hätte sie beizeiten reden sollen, anstatt zu meckern, keifen, unzufrieden zu sein und dennoch das kindische Getue (jahrzehntelang ?) mitzumachen – ist das nicht ganz schön heuchlerisch ?
    Offenbar kann sie aber gerade das nicht – erwachsener als der Partner zu sein und dementsprechend dem eigenen Entwicklungsstand zu handeln und überzeugen. Es ist halt die schwierigste Aufgabe, die kleine wie große Kinder bei der Geburt als lebenslange Aufgabe mitbekommen und manche lernens offenbar nie – wie es sich aus meiner Sicht durch die bisherigen, durchwegs phrasendresserisch-einseitig gewichteten Beiträge darstellt…
    Aber gut: ich räume ein: sie hat ihn halt nicht ausreichend geliebt – das soll in den besten Ehen vorkommen.

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    • Erwachsener als der Partner zu sein und offen die Führung/Verantwortung zu übernehmen ist schwer, speziell für Frauen, denen beigebracht wurde, am gleichen Strang wie der Mann zu ziehen. Ich sehe das Heuchlerische wie du, in meiner Vorstellung ist es allerdings noch nicht jahrzehntelang (vielleicht jedoch die Ehe), und sie fängt gerade damit an, sich auf die Hinterbeine zu stellen. Ich habe schon bei ein paar Kommentaren geantwortet, dass dies hier KEIN Schlussstrich ist.
      Hey, schön, dass du wieder vorbeischaust, hab mich schon gefragt, ob du ausgeflogen warst ⛵🏍️👍
      Sonntagvormittagkaffeegrüße 🌞🌳☕🍪🌼👍

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      • Danke für den Hinweis – ich habe meine Startseite von ‚Aid-Mission‘ wieder auf ‚Bin zuhause‘ geändert – diesmal war ich mit der kleinen Französin und einem Anhänger voller Hilfsgüter an der ukrainischen Riviera…
        Zur armen Frau: ein unabhängiger Geist übernimmt nicht Verantwortung für das Gelingen einer Partnerschaft. Wenn er keine Möglichkeit sieht für Gleichklang, geht er und zögert nicht. Das kleinkarierte Verhalten des Mannes läßt diesen Schluß zu – aber vllt ist sie dazu auch nicht in der Lage, auch möglich…

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        • Die arme Frau: Menschen und Beziehungen entwickeln sich. Sie wird ihre Gründe haben, warum sie da ist, wo sie (noch) ist. Diese Geschichte ist nicht auserzählt, wie fast immer bei mir soll sie Raum für Interpretation lassen. Ja, man kann nicht die Verantwortung für das Gelingen einer Partnerschaft übernehmen oder abgeben, wohl wahr. Aber manchmal ist es notwendig, dass einer*r vorangeht. Es ist wie immer die Frage nach Prioritäten, und der „unabhängige Geist“ hat möglicherweise eine andere als die Frau, die mit ihrem Karrieremann ein gutes (was auch immer das ist) Leben führen will/wollte.
          Schön, dass du wieder da bist. Wirst du bei dir von der Fahrt berichten?
          Morgenkaffeegrüße nach Wien! ⛅🌳☕🍪🌼👍

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        • Es gibt nichts Interessantes zu berichten. Riviera wird von Transportern ein Platz an der Grenze im Niemandsland genannt, wo Waren von Fzg zu Fzg getauscht werden können. Von hier weiter führt der logische Weg aus unseren Breiten in Rtg Odessa – der kleinen Französin würde die Straße nach dort nicht gefallen.

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  6. Oh, das wird schwierig für die zwei. Wenn einer auf einem Weg weitergehen will, den der/die andere nicht will und das auch kundtut, wird´s meist laut. Ich wünsche dem Herrn, dass er sein Vorankommen nicht will, um anderen etwas zu beweisen. Das führt nirgendwo hin.

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    • Hehe … mit ein bißchen Glück führt der Weg zum Psychiater, einer artverwandften Tussi und einem mit Hypotheken für 2 Generationen überlasteten Designer-Einfamilienhaus in Flachbauweise, doch immens großem, nierenförmig angelegtem Swimmingpool, sowie vergoldeten Badezimmerarmaturen.
      Wenn er eher Pech hat, zum Offenbarungseid und dem Armenhaus – jeder kriegt seine individuelle Chance zu lernen … 😉

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    • Olpo hat das vieeel schöner gesagt als ich. Nein, führt nirgendwo hin. Es sei denn, er wäre als Protz glücklich und sie würde sich davon dauerhaft überzeugen lassen. Sehe ich nicht, Letzteres.
      Morgenkaffeegrüße ⛅🌳☕🍪🌼👍

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  7. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 25.26.22 | Wortspende von OnlyBatsCanHang | Irgendwas ist immer

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