27.11. – Alle Jahre wieder | Adventüden

Endlich ein Aufruf, der meine ambivalenten Gefühle bezüglich Weihnachten beschreibt: Dem Dezemberdilemma gilt meine Liebeserklärung.

Fallen schon vor Halloween kommerziell-suggestive Begriffe wie »Sternenglanz« oder »weiße Weihnachten«, verursachen sie Widerwillen. Vor dem 1. Advent oder dem Öffnen des ersten Türchens des Adventskalenders kommt mir kein Weihnachtsgebäck anstelle der Ganzjahreskekse in die Gebäckdose!

Doch dann erwacht die Hefe in meinem Stimmungsteig: Langsam geht er auf, von den Gedanken zu Geschenken über Einkäufe zum etwas gründlicheren Weihnachtsputz in allen Räumen, bevor der zu beherbergende Familienbesuch kommt.

Werden am Morgen des 24. Dezember die Weihnachtsdekorationskartons hervorgeholt und mit den Gästen das – Kulturschock! – metallene Weihnachtsgestell geschmückt, ist sogar Lametta möglich.

Dann bin ich bereit für einen weihnachtlichen Musik-Eintopf aus aller Welt oder putzige winterliche YouTube-Videos mit Eichhörnchen und Vögeln an einem Futterschlitten im Schnee. Müsst ihr mal suchen: Sie gefallen bestimmt auch Kindern und Katzen!

Apropos: Jedes Jahr rühren mich die selbst gebastelten Kleinigkeiten aus den frühen Schaffensperioden der inzwischen erwachsenen Kinder. Nichts davon konnte je zu hässlich sein für einen Platz am Baum. Lediglich eine nicht rechtzeitig fertig gewordene Arbeit mit der Laubsäge aus dem Grundschul-Werkunterricht ging irgendwie verloren …

Auch zerkratzte Weihnachtskugeln aus meiner Kindheit sind noch da, weil über die Jahre nie, wie etwa im Film über das unnachahmlich komische Weihnachten bei den Griswolds, ein menschlicher oder tierischer Tunichtgut den Sturz des geschmückten Baums verursacht hätte.

Dennoch spüre ich beim Gedanken an sie meist den Impuls, ein Taschentuch zu suchen, weil meine Mutter unter dem Schmücken ihres letzten Weihnachtsbaums mit diesen Kugeln ins Krankenhaus kam und ich in das Lager der Niemandskindmehr-Personen wechselte.

Um die Stimmung zu retten, zum Schluss schnell noch einen Scherz über Kreuzkümmel! Rückwärts gelesen ist »Lemmükzuerk« geeignet, einen Weihnachtswichtel zu erfinden, den Lemmückzwerg, finnisch womöglich, mückenleicht auf einem Lemming reitend, so heimlich, dass ihn bisher keiner sah!


Autor*in: Heide                    Blog: Puzzle


Adventüden 2022 27-11 | 365tageasatzaday
 
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Adventskalender, Dezemberdilemma, Eintopf, Gebäckdose, Hefe, Lametta, Laubsäge, Liebeserklärung, Kreuzkümmel, Kulturschock, Sternenglanz, Sturz, Taschentuch, Tunichtgut, Weihnachtsputz.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2022, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

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68 Kommentare zu “27.11. – Alle Jahre wieder | Adventüden

    • Ist „Dezemberdilemma“ nicht großartig? Eine Schöpfung des Etüdenerfinders, die sehr gut angekommen ist 🧡
      Die Adventüden sind auch dieses Jahr bunt gemischt, liebe Pega, da liegen Heiteres und Ernstes täglich nebeneinander.
      Danke dir fürs Mögen! 🧡
      Morgenkaffeegrüße ☁️🕯️☕🥐👍

      Gefällt 3 Personen

  1. Ganz wunderbar, dein Text, liebe Christiane. Mein W-Fest ist von Anfang an in ähnlicher Weise getrübt, leuchtet aber zugleich auch aus der Dunkelheit des Winters hell hervor. Dilemma eben. Den Kuchen- und Keksduft, mit dem meine Mutter das Haus füllte, habe ich nicht reproduzieren können. Und auch sonst fehlt hier und mir alles für ein echtes Adventsgefühl. Dafür aber ist heute die Oliven-Erntermannschaft gekommen, möge das Wetter halten! Sei lieb gegrüßt! Gerda

    Gefällt 6 Personen

  2. Hat dies auf puzzle ❀ rebloggt und kommentierte:
    Heute, am ersten Advent, eröffnet meine Adventüde den Adventskalender, den Christiane während der Vorweihnachtszeit bis zum 24. Dezember mit Geschichten der verschiedenen Etüdenteilnehmer auf ihrem Blog nach und nach veröffentlicht.
    Hier ist also der Reblog meines Artikels dort:

    Gefällt 7 Personen

  3. Lemmükzuerk.
    Da is nix Finnisches für mich dabei.
    Ich assoziiere Kümmeltürk als sprachliches Echo.
    Das darfma aber bestimmt nicht schreiben, wie auch den Neger nicht. Zum Glück hören wenigstens einige mit der blöden Vertschenderung langsam auf – sogar ein ganzes Bundesland in D soll sich -von offizieller Seite-unter den geläuterten Revoluzzern befinden.
    Kreuzkümmeltürk geht auch nicht, weil ein Kümmeltürk nur ein Halbmondkümmeltürk sein kann – außer, er wäre Sufi – aber die sind ebenso selten, wie es -theoretisch- Kreuzkümmeltürken geben könnte in der Türkei oder anderswo in der Welt…

    Gefällt 2 Personen

    • Ich habe spontan „Zwerg“ assoziiert und mich amüsiert. Dass du als Wiener auf „Kümmeltürken“ kommst, ist eine naheliegende Brücke, wir hatten die enge Verbindung zu den Türken ja schon beim Kaffee 😎😉
      Dass ein deutsches Bundesland beim verordneten Gendern ausscheren möchte, wundert mich nicht im Mindesten, ich frage mich, ob sie dürfen … 🤔👍

      Gefällt 3 Personen

  4. TADAAAAA das macht diese kurzweilige den Bogen von November bis HeiligAbend spannende Erzählung, ganz liebevoll mit ganz viel versöhnlichen Traditionen, Erinnerungen und Emotionen. Ganz großes Kino mit einer finalen Prise köstlichen Irrsinn der auch mich wieder aus der Dichte der Eindrücke rettet. Dankeschön dafür liebe Heide. Tief beeindruckt und durch diese Geschichte dem Adventlichen schon etwas mehr geneigt
    grüße ich herzlich Doro

    PS an Christiane – grandiose Gabe bezüglich der nicht unerheblichen Gestaltung eines Adventskalenders. Besonderer Auftakt.
    Auf das KalenderCover war ich gespannt und nun werde ich den Nummerblättern meine Aufmerksamkeit schenken – eine hervorragende Idee und perfekte Lösung für November + DezemberZahlen. Ich liebe so kreative Ideen.

    Gefällt 4 Personen

    • Liebe Doro, vielen Dank für das Lob aus berufenem Munde für die Gestaltung! Darf ich darauf hinweisen, dass es oben eine Zeitleiste gibt, auf der das Datum nach rechts wandern wird … Ich bin auch stolz drauf, wenn ich das sagen darf, ich gestalte gerade eine solche Serie gern … 🧡
      Sei ganz herzlich gegrüßt und hab einen unbeschwerten ersten Advent! ⛅🕯️☕🍪👍

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  5. Eine wirklich durch und durch gelungene Einleitung zu den Adventüden, ein bissl kritisch, ein bissl sentimental, ein bissl wortspielerisch und das ganze schön komponiert und ausbalanciert und einen persönlichen Knopf hat es bei mir auch gedrückt. Mehr kann man nicht verlangen 🙂
    Liebe Grüße an das Team!

    Gefällt 5 Personen

    • Lieber Stefan, danke dir für dein Mögen! Ich weiß ja, dass bei dir die Tagesform regiert, aber wenn du möchtest/kannst, kannst du dich jederzeit bei den Adventüden beteiligen – sprich, nächstes Jahr im. Sommer wieder … 😉
      Danke dir!
      Mittagskaffeegrüße und einen entspannten Adventssonntag! ☁️🕯️☕🍪👍

      Gefällt 1 Person

      • Ich würde mich freuen. Ich will zwar nicht, dass das einreißt, aber die letzte Adventüde kam so lange nach Toresschluss, dass ich dir versichern kann, dass z. B. eine Verlängerung des Schreibzeitraums kein großes Problem darstellt.
        Wir lesen uns diesbezüglich 🧡😉👍

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  6. Vielen Dank bis hierher für die positiven Kommentare. Es freut mich sehr zu lesen, das hier und da sogar persönliche Resonanzen entstanden sind. Mir selbst tut das beim Lesen anderer Geschichten auch gut, nicht nur unterhalten, sondern im eigenen Gefühlsleben angerührt und mitgenommen zu werden.
    Einen schönen Adventsnachmittag noch!

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  7. Vielen Dank für die sehr schöne Adventüde, ein toller Auftakt! Es ist alles drin, was das Leben ausmacht, den Begriff „Niemandskindmehr“ kannte ich nicht, aber den werde ich mir bestimmt merken… und während ich völlig hemmungslos Eichhörnchenvideos angucke, werde ich Ausschau nach Lemmückzwergen halten! 🙂

    Gefällt 5 Personen

  8. Ach, wie schön, da ist sie ja, die erste von allen im Adventüden-Reigen und sie trifft das Gefühl, das uns mit so vielen Menschen verbindet.
    Erst zur rechten Zeit wird uns wieder Lebkuchen schmecken, Eierpunsch und Glühwein an allen Ecken eines altmodischen Weihnachtsmarktes, denn so wie es mal war, mögen wir es eben zur rechten Zeit wieder, nämlich in der Adventszeit und niemals würden wir uns schon im Sommer die Weihnachtsstimmung wünschen, da gehört sie einfach nicht hin.

    Anfangs haben wir noch Probleme mit der vorweihnachtlichen Stimmung, aber nach dem ersten Plätzchen- oder Lebkuchenbacken, da klappt es dann schon 🙂

    Feine sehr feine Adventüde, die uns allen aus dem Herzen spricht.

    Liebe adventliche Grüße von Bruni,
    sehr zufrieden mit ihrem Bummel über den kleinen piefigen Weihnachtsmarkt im Nachbarörtchen *g*

    Gefällt 6 Personen

  9. Vielen Dank, liebe Christiane,
    für Deine vielschichtige und facettenreiche Adventüdeneinstimmung.
    Deine Formulierung „Niemandskindmehr“ klopfte an mein Herz und erfrischte meine
    Achtsamkeit für den mütterlichen Elternteil, der mir bisher noch erhalten geblieben ist.

    Angesichts meiner Vorliebe für Zwerge und Wichtel fliege ich selbstverständlich sehr auf Deinen amüsanten, wortgeschöpften Lemmückzwerg. Ich werde nach ihm Ausschau halten und vielleicht setzt sich einer seiner Art gelegentlich an mein winterliches, balkonisches Windlichtlaternenfeuerchen …

    Herzliche, kerzenlichte Grüße von mir zu Dir

    Gefällt 2 Personen

  10. Hallo liebe Christiane, ja wie schön, da ist sie ja, der Start in die Adventüden-Zeit.

    Ich bin begeistert und angerührt von Heides schönem Text … und dann der letzte Absatz mit dem lustigen Wortspiel „vielleicht Finnisch“.

    »Lemmükzuerk«, einen Weihnachtswichtel zu erfinden, den Lemmückzwerg … mal sehen ob ich ihn am Zürichsee finde oder unterwegs nach Frankfurt. Bin gespannt wer ihn zuerst findet.

    Gefällt 2 Personen

  11. Pingback: Weihnachtspause | Irgendwas ist immer

  12. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 02*03*23 | Wortspende von Ludwig Zeidler | Irgendwas ist immer

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